Wofür zum Teufel wurde 2024 eigentlich verzichtet? Mitglied der Initiative IGMvU Gruppe Braunschweig zur Volkswagen-Aufsichtsratsitzung am 03.09.2026
„Ich sage es jetzt so deutlich, wie ich es mittlerweile empfinde: Ich habe die Schnauze voll. Und ich schreibe das nicht als Außenstehender, sondern als IG Metall Mitglied, als Vertrauensmann und vor allem als Kollege, der jeden Tag mit den Leuten in der Halle steht und mitbekommt, wie viel Vertrauen inzwischen verloren gegangen ist. Was mich richtig wütend macht, ist nicht nur das, was Volkswagen gerade macht. Von einem Konzernvorstand erwarte ich, dass er Unternehmensinteressen verfolgt. Dafür gibt es auf der anderen Seite eine Gewerkschaft. Aber was verdammt noch mal ist aus dieser Gegenseite geworden?
Generationen von Kolleginnen und Kollegen haben gestreikt, gekämpft und teilweise persönliche Nachteile in Kauf genommen, um Tarifverträge, bessere Entgelte, Arbeitszeitregelungen, Sonderzahlungen, Beschäftigungssicherung, Mitbestimmung und soziale Standards durchzusetzen. Das alles wurde nicht geschenkt. Und inzwischen entsteht bei mir der Eindruck, dass diese über Jahrzehnte erkämpften Errungenschaften Stück für Stück wieder mit dem Arsch eingerissen werden. Nicht weil die Mitglieder das so beschlossen hätten. Nicht weil die Beschäftigten gesagt hätten: Nehmt uns das wieder weg. Sondern weil auf irgendwelchen oberen Ebenen entschieden wird, was den Beschäftigten als nächstes noch zugemutet werden kann…“ Offener Brief von Christian „Schulle“ Schulze (IG Metall Mitglied und Vertrauensmann, Initiative IGMvU Gruppe Braunschweig) vom 5.9.2026 und vier Unterstützer
„Ich stehe heute hier, weil mir – wie vermutlich euch allen – langsam der Kragen platzt!„: Rede von Sven Vaith bei der Betriebsversammlung bei Mercedes-Benz Hamburg am 8. September
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin Sven Vaith, ich arbeite in Halle 16 an der Bandmontage. Und ich stehe heute hier, weil mir – wie vermutlich euch allen – langsam der Kragen platzt! Überall bei Mercedes wird die Ausbeutungsschraube angezogen. Aber wir Arbeiter schaffen die ca. 3 Milliarden €, die als Dividende an die Aktionäre ausgezahlt wurden! (…) Bevor wir nur einen Tag für unsere berechtigten Lohnforderungen gestreikt haben, hat der Mercedesvorstand und die Merzregierung den Frontalangriff auf unsere Lebenslage ausgerufen: Gemeinsam wollen sie die Arbeitszeit auf 40 Stunden ausdehnen, ohne Lohnausgleich. (…) Kollegen und Kolleginnen wir müssen in die Gegenoffensive mit unseren eigenen Gegenforderungen gehen – klar und laut: satter Lohnnachschlag wegen der stark gestiegenen Preise! Alles wird teurer. 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! (…) Jetzt kommt der 21. September! Die IG Metall ruft zu einem bundesweiten Aktionstag in der gesamten Automobilindustrie auf. Das ist unsere Chance! Lasst uns diesen Tag nutzen – und wenn es sein muss, machen wir ihn zu einem bundesweiten gewerkschaftlichen Streiktag!...“ Text der Rede von Sven Vaith, Halle 16, Bandmontage, bei der Betriebsversammlung Mercedes-Benz Werk Hamburg am 8.9.2026
Babcock-Rentner und Renten-Anwärter: Offener Brief an SPD-Vorsitzende Bärbel Bas zu Kürzungen bei der Babcock Pensionskasse und Rentenpolitik der Bundesregierung
„Guten Tag Frau Bas, im April 2026 bekamen rund 9300 Rentenempfänger und über 4000 Anwärter von dem Vorstand der Babcock Pensionskasse (BPK) ein Schreiben, dass ihre Betriebsrente zum 01.11.2026 um ca. 20 Prozent gekürzt werden müsse. (…)
Unter diesen Umständen verstehen wir nicht, dass sie als SPD mithelfen, eine kapitalgedeckte Aktienrente einzuführen, während die gesetzliche Rente zu einer „Basisrente“ herabsinkt. Denn auch die Betriebsrenten der Pensionskassen gehören zu den kapitalgedeckten Renten, von denen zurzeit etwa zwanzig Pensionskassen unter der Aufsicht der BaFin stehen. Außerdem schaffen sie die Rente mit 63 ab, die gerade für uns Beschäftigte aus der Industrie eine echte Errungenschaft war und ist. Sie hat uns, die nach Jahrzehnten Maloche etwas vom Alter haben wollten, ein Stück Lebensqualität gebracht. Wir verstehen nicht, dass eine Partei mit dem Anspruch „Sozial“ im Namen, die Rente mit 63 abzuschaffen wagt. (…)Kürzen Sie bei der Rüstung, besteuern sie die Reichen und Superreichen, dann ist genug Geld für eine Bürgerversicherung für alle da!“ Offener Brief von „Babcock-Rentner und Renten-Anwärter werden aktiv“ vom 01.09.2026 mit 26 Unterschriften von Babcock-KollegInnen
[Mit dem LabourNet-Discount-Code] Das September-2026-Shirt von Working Class History/dna: Mehr Als 108 (Paraguay 1959)
„In der Nacht zum 1. September 1959 stirbt der Radiomoderator und Tänzer Bernardo Aranda bei einem Brand in seinem Zimmer im Asunción Stadtteil Barrio Obrero. Der Fall wird nie aufgeklärt. Die von den USA unterstützte Militärdiktatur Alfredo Stroessners zieht trotzdem einen Schluss: Weil auch schwule Männer bei Aranda verkehrten, muss einer von ihnen verantwortlich sein. In den folgenden Tagen verhaftet und foltert die Polizei gezielt Männer, die als homosexuell gelten. Die regierungstreue Zeitung El País nennt schließlich die Zahl der Festgenommenen: 108. Angeklagt wird niemand, weder für Arandas Tod noch für das, was den Verhafteten angetan wurde. Bis heute wird „108″ in Paraguay als abwertender Begriff für queere Menschen verwendet. Zugleich entstand aus dieser Geschichte auch Widerstand. : Bereits Ende September 1959 erschien ein anonymer Protestbrief in derselben Zeitung, heute anerkannt als erster dokumentierter Akt queeren Widerstands im Land. Sein Jahrestag, der 30. September, wird inzwischen als Tag des queeren Gedenkens in Paraguay begangen…“
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AKTUELL BEI LABOURNET.TV: Tarifverhandlungen Vivantes Töchter
„19. Juni 2026, Berliner Krankenhausratschlag – Die Verhandlungen der Vivantes Töchter stehen kurz vor dem Abschluss. Die Arbeiter*innen sollen noch bin Ende 2030 darauf warten, zu 100% nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) bezahlt zu werden. So viel Zeit haben sie aber nicht, wie eine Arbeiterin von VivaClean klarstellt: „Ich arbeite acht Stunden und ich habe kein Geld in der Tasche: Miete, Strom Monatskarte, Schule und kein Geld. Alles ist teurer und der Lohn ist gleich. Ich brauche 100%, sofort.“ Am 22. Juni stimmten 70% der Kolleg*innen dafür, den Streik zu beenden und das Angebot anzunehmen.“ Video von labournet.tv (Deutschland 2026 / 2min / deutsch mit dt. UT)
Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskritisch
The meeting point for all left-wing trade unionists, both waged and unwaged
Le point de rencontres de tous les militants syndicaux progressistes, qu`ils aient ou non un emploi
Spenden willkommen unter IBAN DE 76430609674033739600