[Kommentar und Grafik] Tarifflucht durch Tarifvertrag geht in der Leiharbeit weiter
„Es gibt einen neuen Entgelttarifvertrag in der Leiharbeit, der weiter keinen gleichen Lohn ab dem ersten Tag vorsieht und die Tarifflucht aus besseren Tarifverträgen der Einsatzbetriebe fortsetzt – der Abstand zum Mindestlohn wird allerdings verglichen mit heutigem Stand geringer. (…) Ein Detail das weitgehend unbekannt ist. Die verdi TK ist dominiert von internen Verwaltungsmitarbeitern der Leihfirmen, für die gilt der Tarifvertrag nicht, es gibt auch keinen für diese Gruppe. Um ihren eigenen Job zu sichern gibt es kein Interesse an gleichem Lohn ab dem ersten Tag, mit einem TV Leiharbeit als Untergrenze. Durch die Erhöhung des Mindestlohns ist der Lohnabstand zu Stammbeschäftigten geringer geworden, damit auch die Mehrkosten Leiharbeiter gezielt zur Spaltung der Belegschaft einzusetzen, zur Ver- und Behinderung von BR Arbeit, gewerkschaftlicher Organisation…“ Kommentar vom 7.10.25 von Johannes Aevermann, dem erfolgreichen Kläger, im Volltext im Dossier mit der Grafik zum Abstand einiger Tarifverträge zum Mindestlohn
Amazons Automatisierungsstrategie: Sind Roboter Arbeiter:innen?
„»We are no robots« war und ist einer der bedeutendsten Slogans in den transnationalen Kämpfen der Amazon-Arbeiter:innen. Die Parole drückt eine Kritik an der monotonen Arbeit und der Ignoranz des Unternehmens gegenüber den Bedürfnissen der Beschäftigten aus. Amazon hat es in den Warenlagern mit Menschen und nicht mit willenlosen Maschinen zu tun. Allerdings könnte der Einsatz von Robotern in den Warenlagern in den nächsten Jahren bedeutend zunehmen. Dieser Ankündigung (oder Drohung) Amazons geht der folgende Artikel nach. Interessant ist dabei vor allem die Frage, welche Konsequenzen die Automatisierung für die Arbeiter:innen und ihre Gewerkschaften hat. Hans-Christian Stephan hat dafür Arbeiter:innen aus Deutschland, Polen und den USA befragt…“ Artikel von Hans-Christian Stephan in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 09-10/2025
Streik bei der Dönerspießfabrik Birtat: »Der Arbeitskampf hat aus Communities eine Gemeinschaft gemacht«
„… Die größte Herausforderung war, die verschiedenen Communities im Betrieb zusam-menzubringen. Die Belegschaft besteht aus kurdischen, türkischen, rumänischen und bulgarischen Kolleg:innen. Vor dem Tarifkonflikt haben sie im Betrieb nebeneinanderher existiert, sie sind sich selten begegnet. (…) Das war oft herausfordernd: Alles an Infomaterial haben wir in vier Sprachen bereitgestellt. Auf den Versammlungen wurde alles mehrmals gesagt, auf Deutsch, Türkisch, Rumänisch und Bulgarisch. Für uns lag von Vornherein auf der Hand: Wenn sich hier eine Belegschaft hinter einem gemeinsamen Ziel versammeln soll, dann muss auch klar sein, dass jeder alle Infos bereitgestellt bekommt. (…) Ganz wichtig waren die Mitgliederversammlungen. Wir haben sehr viele davon gemacht. (…) Mit der Zeit sind dann die Grenzen zwischen den Communities immer weniger geworden, vor allem, als so viel gestreikt wurde (…) Wir haben getanzt, Musik gemacht, Fußball gespielt. Das hat den Zusammenhalt ausgemacht. Von Streiktag zu Streiktag ist die Belegschaft immer fester zusammengewachsen. (…) Irgendwann wurde zum Streik Essen füreinander mitgebracht. Und ab einem bestimmten Punkt waren auch die Familien der Beschäftigten mit dabei – Ehefrauen und Geschwister kamen dazu, haben noch mal mehr Essen mitgebracht. Das hat den Zusammenhalt enorm gestärkt. Bei der NGG gilt zwar ohnehin das Motto »Ohne Mampf kein Kampf«, wir achten also darauf, dass alle gut versorgt sind…“ Aus dem Interview von Lucas Rudolph in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 09-10/2025 mit Magdalena Krüger, Geschäftsführerin der NGG-Region Stuttgart und Verhandlungsführerin für die NGG bei Birtat
Mitgliedervorteile in Tarifverträgen: Eigentor absehbar
„Seit der weniger restriktiven Beurteilung von Mitgliedervorteilen in Tarifverträgen durch das Bundesarbeitsgericht (BAG) in seinen Entscheidungen von 2007 und 2009 spielen exklusive Mitgliedervorteile in Tarifverträgen erkennbar (wieder) eine größere Rolle in den Gewerkschaften. (…) Unterstellt wird, dass Leute in die Gewerkschaft eintreten, wenn der Mitgliedervorteil ein paar Cent über dem Mitgliedsbeitrag liegt. Aus Sicht der Neoliberalen heißt das: Sie werden unzulässig unter Druck gesetzt. Umgekehrt speist sich aber der Groll über »Trittbrettfahrer« auf Gewerkschaftsversammlungen aus eben solchen ökonomischen Szenarien. (…) Wenn der Mitgliedervorteil tatsächlich ein relevanter Game Changer wäre, müsste ein Beitrittseffekt in diesen Tarifsektoren erkennbar sein. Das ist aber nicht der Fall. (…) Der zentrale Vorteil für Gewerkschaftsmitglieder ist nicht das Gimmick, dass man Zusatzleistungen im Tarifvertrag hat. Sondern dass die Mitglieder – und nur die – über die (Tarif-)Politik der Gewerkschaft bestimmen. An diesem Punkt macht Mitgliedschaft den Unterschied. Innerverbandliche Demokratie und niedrigschwellige Partizipationsmöglichkeiten sind in diesem Sinne wirksame Organisationsanreize – und allemal sympathischer als Bonusleistungen wie Tankkarten für Gewerkschaftsmitglieder…“ Artikel von Andreas Bachmann in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 09-10/2025
Gewerkschaften in Russland: Diktatur und Kriegsökonomie
„… Obwohl Streiks in Russland juristisch verunmöglicht werden sollen, finden sie also dennoch vereinzelt statt. Dadurch, dass es Ausnahmefälle sind, erhalten sie auch große Resonanz. (…) Gleichzeitig haben andere Formen der Proteste, die auf Medienpräsenz setzen, Verbreitung gefunden: offene Videoaufrufe, die massenhafte Einreichung von Kündigungen, Online-Petitionen. In einigen Fällen waren sie durchaus erfolgreich. (…) Im Februar 2024 wurde auch die IndustriALL Global Union zur »unerwünschten Organisation« erklärt. (…) Den offiziellen Angaben nach zu urteilen, begann die Produktion im zivilen Sektor der Wirtschaft dieses Jahr merklich zu schrumpfen, was wiederum bedeutet, dass die Realeinkommen sinken werden. Vom Krieg profitieren lediglich die obersten zwanzig Prozent der Bevölkerung: Diese nutzen die Möglichkeit für zusätzliche Einkünfte durch die hohen Zinsen – bis zu 25 Prozent – bei den Bankanlagen. Das erklärt auch den hohen Grad der Zustimmung zur Fortsetzung des Kriegs gerade in Moskau, einer Stadt mit sehr hohen Einkünften…“ Interview von Ewgeniy Kasakow mit Oleg Schein in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 09-10/2025
*** Unterstütze das LabourNet auch durch den Kauf solidarischer Textilien auf www.dna-merch.de ! Mit dem Gutschein-Code LN20XX erhältst Du nicht nur du 5% Rabatt, sondern auch wir 5% des Nettopreises als Spende! ***
AKTUELL BEI LABOURNET.TV: Lieferando Betriebsversammlung in Potsdam
„»Ich möchte nicht arbeiten, wenn ich krank bin, aber ich werde dazu gezwungen sein.« (aus dem Video). Liefando wird in Deutschlando 2000 Stellen streichen und Leute über ein System krimineller Subunternehmen für sich arbeiten lassen. Das Lieferando Workers‘ Collective, das die Mehrheit im Lieferando Betriebsrat für Berlin und Potsdam hat, organisiert den Widerstand dagegen.“ Video bei labournet.tv (9 Minuten / 2025)
Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskritisch
The meeting point for all left-wing trade unionists, both waged and unwaged
Le point de rencontres de tous les militants syndicaux progressistes, qu`ils aient ou non un emploi
Spenden willkommen unter IBAN DE 76430609674033739600