Politik

danger asbestos!Recherchen von BuzzFeed News Deutschland zeigen: Industrie und Politik haben über Jahrzehnte dafür gesorgt, dass weiter Menschen an dem tödlichen Stoff sterben – bis heute. Asbest ist der Killer Nummer eins unter den Berufskrankheiten. Keiner tötet mehr. Es geht um hunderttausende Menschen. Menschen, die unter anderem unsere Häuser gebaut und unsere Dächer gedeckt haben, die unsere Bremsen am Auto gewechselt und unsere Bäder gefliest haben. Menschen, die Deutschland zu einem der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt gemacht haben. Auch danke Asbest, denn Asbest war überall. Mit Asbest wurde Deutschland aufgebaut. Nun sind diese Menschen krank. Weil sie über Jahrzehnte hinweg in ihren Berufen mit Asbest in Kontakt gekommen sind – bis es 1993 verboten wurde. Jedes Jahr sterben Tausende von ihnen an den Folgen. Obwohl schon vor mehr als hundert Jahren klar war, wie gefährlich Asbest ist. Obwohl Asbest seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland verboten ist. Bis heute kämpfen viele dieser Betroffenen vergeblich um ihre Entschädigung. Wie kann das sein? Das wollte ein Rechercheteam für BuzzFeed News Deutschland herausfinden. Und hat jahrelang recherchiert. In vertraulichen Akten. Bei Opfern, Anwälten, Wissenschaftlern. Bei Behörden und in Archiven. In ganz Deutschland. Wir hatten keine Ahnung, wie viel Sprengstoff in diesem Thema steckt. Wir dachten: Asbest, das sei vorbei, ein Thema der Achtziger, mit dem bestenfalls unsere Eltern etwas zu tun hatten. Weit gefehlt. Wir fanden heraus, wie Industrie und Politik bis heute gemeinsam dafür sorgen, dass sterbende Menschen nicht entschädigt werden. Wie mit viel Geld auch Wissenschaftler und Gutachter gekauft wurden. Wie viele Opfer und Angehörige vor Gericht keine Chance haben gegen die reiche und mächtige Industrie-Lobby. Wie bis heute Menschen vor Gericht scheitern, die eigentlich entschädigt werden müssten. Wie wir alle dafür bezahlen, jeden Tag. Und wie in Zukunft noch mehr Menschen sterben könnten – auch an Asbest…” Artikel von Daniel Drepper und Bettina Dlubek vom 8. März 2019 bei BuzzFeed Deutschland externer Link – siehe dazu:

Dossier

Ausstand in Herberge: Mitarbeiter von Berliner Wombat’s City Hostel im Warnstreik. Gefordert werden bessere Löhne und mehr Anerkennung“Schon zum zweiten Mal innerhalb von sechs Tagen traten die Beschäftigten des Berliner Wombats City Hostel am Freitag in einen Warnstreik Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) hatte dafür eine Demonstration vor dem Betrieb angemeldet, an der etwa 40 Personen teilnahmen. Die NGG verlangt, dass das Unternehmen endlich die festgeschriebenen Mindeststandards des Tarifvertrags der Gewerkschaft erfüllen müsse. Seit Jahren erhalten die Angestellten nur wenig mehr als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro. Ebenfalls gefordert werden Überstundenzuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und eine anständige Behandlung durch die Unternehmensführung. Nach dem Warnstreik letzten Samstag (jW berichtete) erhielten die Mitarbeiter, die in den Ausstand getreten waren, vom Unternehmen per Brief Hausverweise und Kündigungsandrohungen. Im Brief gab die Unternehmensführung an, dass es sich bei der Aktion um einen »unzulässigen Streik« gehalten habe. NGG-Sekretär Sebastian Riesner ist mit dieser Behauptung gar nicht einverstanden, wie er am Freitag gegenüber jW erklärte: »Das ist natürlich Quatsch. Der Streik ist rechtmäßig. Hier wird versucht, das Verfassungsrecht von Mitarbeitern zu kriminalisieren.« Schon seit August wird von der Belegschaft nach Tarifverhandlungen verlangt. Doch die Geschäftsleitung winkte ab und gab an, dass die Angestellten keinen Tarifvertrag brauchen würden…” Beitrag von Florian Sieber bei der jungen Welt vom 9. Dezember 2017 externer Link. Siehe dazu die Aktionsseite externer Link und hier dazu:

  • [Online-Petition] Mustafa, bleib in Bayern! Stop the Outsourcing! Helfen Sie den Beschäftigten des Wombat’s City Hostel in Berlin! New
    Schreiben Sie eine Protest-Email an den Münchner Reinigungsbaron Mustafa Yalcinkaya. Seine  Gebäudereinigungsfirma Thalhammer GmbH (a.k.a EAK GmbH) soll die Finger von Berliner Putzfrauen lassen. Unterstützen Sie den Kampf für Zusammenhalt und Kollegialität am Arbeitsplatz…” Petition von und bei Arbeitsunrecht externer Link
  • [19. März 19 in Berlin]  Protest gegen Auslagerung am Wombat’s City Hostel Berlin: Ein Betrieb – Eine Belegschaft – Ein Tarifvertrag! (weiterlesen »)

smileys“Arbeit, die Menschen als sinnlos empfinden, macht krank. Doch was für den einen sinnlos ist, kann den nächsten erfüllen, erklärt der Arbeitspsychologe” Theo Wehner im Gespräch mit Anne-Sophie Balzer bei der Zeit online vom 13. März 2019 externer Link: ” … Herr Wehner, warum arbeiten wir überhaupt? Wirklich nur, weil wir Geld verdienen müssen? Theo Wehner: Das ist der primäre Grund, ja. Der Grund aber, warum einige Menschen gerne zur Arbeit gehen ist, weil sie dabei zeigen können, wie gut sie sind, und so Wertschätzung erfahren. Wenn Menschen sich mit dem Inhalt ihrer Arbeit und dem Unternehmen, für das sie arbeiten, identifizieren, sind sie am zufriedensten. Gäbe es keinen finanziellen Druck, würde die Identifikation mit dem Unternehmen eine noch viel größere Rolle bei der Jobwahl spielen. (…) Es gibt auch heute noch reihenweise Jobs, die eine Zumutung sind. Ich nenne sie Bullshit-Jobs: Menschen, die Regale einräumen oder Excel-Tabellen ausfüllen und nicht wissen, wofür. Meiner Meinung nach sollten solche Aufgaben von Maschinen übernommen werden. Den betroffenen Menschen sollte es durch Weiterqualifikationen ermöglicht werden, andere Formen von Arbeit zu erfahren. Deshalb befürworte ich die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Denn je weniger Geld als Motivation für die Arbeit herhalten muss, desto eher können sich Menschen einen Job aussuchen, der für sie Sinn ergibt. Wenn man Arbeit von Geld entkoppelt wie in der Freiwilligenarbeit, dann übernehmen Menschen nur noch Aufgaben, die ihnen sinnvoll erscheinen. Und Sinn ist die beste Motivationsquelle überhaupt…”

Dossier

"Fridays for Future": Schulstreiks für mehr Klimaschutz“In zahlreichen europäischen Städten demonstrierten am Freitag Zehntausende Jugendliche für effektiveren Klimaschutz. Unter dem Motto “Fridays for Future” externer Link fanden heute in Belgien der Schweiz und Deutschland Schülerstreiks und -demonstrationen für mehr Klimaschutz statt. Den Auftakt machten am Morgen in Brüssel 12.500 junge Menschen, die durch die dortige Innenstadt zogen. Hierzulande gab es von Aachen bis Zweibrücken in 55 Städten Aktionen in recht unterschiedlicher Größe. Am Freitagnachmittag schrieben die Veranstalter auf Twitter externer Link von insgesamt 25.000 Teilnehmern deutschlandweit. Die vermutlich größte Demo gab es mit etwa 4000 Teilnehmern in Freiburg. Auf Twitter bedankten sich dort Schüler bei den Schulleitungen und Behörden, da sie mit der Androhung von Repressalien den Streik erst so ordentlich befeuert hätten. In Nürnberg gingen mehr als 400 auf die Straße, in Hamburg waren es nach Polizeiangaben, die der NDR zitiert, bis zu 2000, in Hannover haben die Beamten 2300 gezählt, in Hildesheim rund 350. Aus Berlin wird von 1000 Teilnehmern berichtet, die sich vor dem Reichstagsgebäude trafen, aus Mainz werden 1400 gemeldet, aus Kiel 700 bis 1000, aus Leipzig über 700. In manchen Städten versuchten Schulleitungen und Schulbehörden die Schüler mit der Androhung von Sanktionen von der Teilnahem abzuhalten, doch die setzen andere Maßstäbe: “Wir müssen unsere Schulpflicht nicht erfüllen, wenn die Erwachsenen ihren Job beim Klimaschutz nicht machen”, zitiert die oben verlinkte Hannover Allgemeine Zeitung eine Demo-Teilnehmerin aus Hannover. In Heidelberg wurde die Schüler-Demo kurzfristig wegen unhaltbarer Auflagen abgesagt. Angeblich war der Anmelderin Haft angedroht worden…” Bericht von Wolfgang Pomrehn vom 18. Januar 2019 bei Telepolis externer Link, siehe dazu:

Held der Arbeit“»Schadet Weinen im Job der Karriere?« Das ist eine aktuelle Überschrift der Turbopostille des Liberalismus, der »Welt«, in der ernsthaft diskutiert wird, ob man das universelle Jammertal, das die heutige Arbeitswelt darstellt, noch aushalten muss oder schon darf. In der Studie eines amerikanischen Personaldienstleisters, die die »Welt« zitiert, gaben 45 Prozent der Befragten an, am Arbeitsplatz schon einmal geweint zu haben; mehr als die Hälfte seien dort »schon einmal aus der Haut gefahren«. Während im Zustellergewerbe die Leute mit 16-Stunden-Tagen und endloser Scheinselbstständigkeit ganz legal zu Tode gearbeitet werden, während in den großen Fertigungshallen nun schon Windeln verordnet werden, damit sich die menschlichen Roboter zeitsparend in die Hosen scheißen, geben Berater Auskunft, ob man sie feuern darf, wenn sie über dieser Karikatur eines Lebens gelegentlich in Tränen ausbrechen. (…) In Zeiten, in denen das gemeinsame Mittagessen und der Korb mit frischen Früchten die Betriebsrente oder auch nur die Festanstellung ersetzen, in denen Versetzungen ans andere Ende der Welt Einstellungsvoraussetzung und Schwangerschaften das Ende der Karriere bedeuten, darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, an alledem sei irgendwas auszusetzen. Die Fortsetzung wie gehabt ist indessen die eigentliche Katastrophe. Aber es ist ja gar nicht mal so, dass alle nur die Klappe halten und ihre Tränen runterschlucken sollen. Die neueste Perfidie ist es, die Verzweiflung über das eigene Unglück noch in den Arbeitsprozess aufzunehmen. Im Fortgang des »Welt«-Artikels raten die Experten, »Gefühle nicht zu verdrängen, sondern wahrzunehmen, um so für sich selbst eine Klärung zu finden. Das Herauslassen der Emotionen kann nämlich in vielen Fällen als Bewältigungsmechanismus dienen«, gegebenenfalls könne man sich ja auch anderen anvertrauen. Im Klartext: Ein bisschen weinen am Arbeitsplatz wirkt krampflösend und befreiend, kann gar zum Teambuilding beitragen und sorgt auch dafür, dass die Leute weniger geneigt sind, durch einen spektakulären Selbstmord die Arbeitsabläufe zu gefährden…” Artikel von Leo Fischer vom 16.03.2019 beim ND online externer Link – der Welt-Artikel ist kostenpflichtig externer Link

Dossier

Tradition: "Ausländer" auf dem deutschen ArbeitsmarktFlüchtlinge verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als der Großteil der Arbeitnehmer. Menschen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern, die Vollzeit arbeiteten, hatten im Jahr 2016 ein mittleres Monatseinkommen von 1916 Euro brutto. Das geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg hervor. Insgesamt verdienten Vollzeitbeschäftigte in Deutschland im Jahr 2016 im Durchschnitt 3133 Euro brutto pro Monat. Das mit Abstand höchste Einkommen unter den Flüchtlingen hatten den Daten zufolge Beschäftigte aus Iran (2541 Euro), das geringste jene aus Eritrea (1704 Euro). Die Schwelle zum Niedriglohnbereich lag im Jahr 2016 bei 2088 Euro. Fast 60 Prozent der vollzeitbeschäftigten Flüchtlinge aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern (58,9 Prozent) arbeiteten unter diesem Niedriglohn. Unter allen Vollzeitbeschäftigten beträgt der Anteil rund 20 Prozent. Mehr als ein Viertel der Beschäftigten aus jener Ländergruppe waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit Minijobber“ – aus dem Beitrag „Flüchtlinge meist Geringverdiener“ am 20. März 2018 in neues deutschland externer Link, worin auch noch die Assimilierungsbeauftragte der Bundesregierung mit ihrer genialen Erkenntnis zitiert wird, Flüchtlinge seien ja keine Fachkräfte… Siehe dazu auch:

  • [Arbeitsmarktselektion] Neue Billiglöhner. Immer mehr Geflüchtete haben einen Job. Meistens schlecht bezahlt New (weiterlesen »)

almeriaSchon an unserem ersten Tag in Almería besuchten wir Biotec Family, um die Arbeiter*innen bei der Bewerbung der Betriebsratswahlen zu unterstützen, die am nächsten Tag anstehen sollten. Die Arbeiter*innen der Abpackhallen von Biotec Familiy waren vor einigen Monaten aufgrund von Arbeitsrechtsverletzungen auf die SAT zugekommen. Der Mindestlohn wurde teilweise nicht korrekt ausgezahlt. Außerdem gab es Probleme mit dem Vorgesetzten, der mit dem Auswechseln der Belegschaft drohte. SAT Mitglieder beklagen, dass ihre Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich gekürzt werden. Nach einem erfolgreichen Arbeitskampf, bei dem die korrekte Auszahlung des Mindestlohns erkämpft wurde, entschieden sich die Arbeiter*innen dazu, einen Betriebsrat zu wählen. Wir begleiteten die Betriebsratswahlen letzten Dienstag als Beobachter, um gemeinsam mit der Gewerkschaft sicherzustellen, dass die Wahlen rechtmäßig abgehalten werden. Die Liste von den bei der SAT organisierten Arbeiter*innen schnitt bei den Wahlen sehr gut ab. Mit 5 von 9 Sitzen stellen sie nun die Mehrheit im Betriebsrat. (…) Die Arbeiter*innen von Campo J. berichten von ähnlichen  Verhältnissen. Hierbei handelt es sich um ein großes Unternehmen, das deutsche Supermarktketten wie Edeka, real, ALDI oder Kaufland beliefert – auch mit Demeter-zertifizierten Bioprodukten. In diesem Unternehmen wird der Mindestlohn und Zuschüsse für Transport et cetera nicht ausgezahlt sowie Pausenzeiten nicht gewährleistet. Die Arbeiter*innen erfahren eine schlechte Behandlung durch ihre Vorarbeiter*innen und der Arbeitsschutz ist mangelhaft….“ – aus dem „1. Bericht der Brigade „Meena Keshwar Kamal““ am 13. März 2019 bei den Interbrigadas externer Link über die aktuelle Solidaritätsreise nach Andalusien (worin auch noch einleitend über die Gründe für die Namensgebung informiert wird) und die Zustände in einer Reihe besuchter Unternehmen…

Kampagnenplakat der Plantagengewerkschaft auf Sri Lanka zur landesweiten Kampagne für einen höheren MindestlohnEin Merkmal der Kampagne für 1000 Rupien (1000-Bewegung), das auf zukünftige Fortschritte hinweisen könnte, war die Unterstützung, die sie in den wichtigsten Städten, auch weit weg von den Plantagenbezirken, erhielt. Junge AktivistInnen mit Familien, die sich noch auf den Plantagen befinden, sowie Mitglieder linker Gruppen und Parteien organisierten Demonstrationen und Versammlungen in Solidarität mit streikenden ArbeiterInnen. Vor diesem Hintergrund wurde auch die „1.000-Bewegung“ gebildet, die die Unterstützung und Solidarität für die PlantagenarbeiterInnen organisiert. Die Bedeutung des Plantagenstreiks wurde auch durch die Reaktion der Regierung auf eine von der „1000-Bewegung“ für den 24. Februar geplante Demonstration in Bogawanthalawa, einem städtischen Zentrum der Plantagenregion, unterstrichen. Am 23. Februar wurden AnhängerInnen der „1000-Bewegung“, darunter auch andere GewerkschafterInnen und StudentInnen, von Schlägern belästigt, die von Palani Digamburan, einem Mitglied der Regierung, organisiert wurden, als sie für die Bewerbung der Demonstration Flugblätter verteilten. Am 24. Februar kündigte die Regierung eine gerichtliche Anordnung zum Verbot der Kundgebung an. Mehrere AktivistInnen wurden festgenommen, zu einer Polizeistation gebracht und erst wieder freigelassen, als AnhängerInnen der Bewegung dagegen protestierten…“  – aus dem Bericht „Sri Lanka: Geschichte zweier Streiks“ von Peter Main am 13. März 2019 bei Infomail ArbeiterInnenmacht externer Link, worin auch noch Informationen und Aufruf zur Solidarität veröffentlicht werden

Ein besseres Europa für die ArbeitnehmerInnen: eine stärkere Säule sozialer Rechte“Die Beschäftigung in der EU befindet sich auf einem Rekordhoch. Dennoch arbeiten in Europa weiterhin viele Menschen unter prekären Bedingungen. Was das für die Betroffenen bedeutet, lässt sich anhand von Beispielen wie der Zunahme von befristeten Arbeitsverträgen für junge Arbeitnehmer, der geringen sozialen Absicherung von vielen Selbständigen und des Anstiegs der Erwerbsarmut zeigen. (…) – Etwa jede/r zehnte ArbeitnehmerIn in Europa lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Erwerbsarmut ist seit 2005 stetig gestiegen. Junge Menschen und Personen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen sind am stärksten betroffen. – Für fast die Hälfte der 32 Millionen Selbstständigen in Europa stellt die Möglichkeit, aufgrund von Krankheit auszufallen, ein persönliches finanzielles Risiko dar. – Im Jahr 2017 wollte etwa jede/r vierte Teilzeitbeschäftigte und jede/r zweite MitarbeiterIn mit einem befristeten Vertrag gerne in eine Vollzeit- oder Festanstellung wechseln, konnte aber keine finden. – Während nur 14% der ArbeitnehmerInnen in der EU einen befristeten Vertrag haben, beträgt dieser Anteil bei jungen Menschen (15 bis 24 Jahre) 44%. – In Frankreich werden jedes Quartal rund 4,5 Millionen extrem kurzbefristete Verträge abgeschlossen – viele davon laufen nicht länger als eine Woche, mit der gleichen Person, die immer wieder neu eingestellt wurde. Von dieser Praxis der Kettenverträge sind besonders junge ArbeitnehmerInnen betroffen…” Beitrag von Sylvia Schmidt & Philipp Ständer vom 14. März 2019 bei Makronom externer Link

neupack_was_glaubt_ihr_kl“”Union Busting” heißt so viel wie “Gewerkschaftszerschlagung”. Die teilweise robusten Methoden sind Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstanden. Anwälte und Firmenberater entwickelten Strategien, mit deren Hilfe sie die Macht der Arbeitnehmerorganisationen zu brechen suchten. Dieser “Arbeitskampf von oben” ist inzwischen auch in Deutschland angekommen. Das Spektrum der teils legalen, halblegalen und manchmal auch bewusst illegalen Methoden ist vielfältig. Mal werden Betriebsratswahlen sabotiert, mal Mitarbeiter gezielt gegen ihre Interessensvertreter aufgewiegelt. Und wenn es richtig knallen soll, werden Betriebsräte Mobbing und Isolation im Betrieb ausgesetzt – eine Methode, die sich “sozialer Tod” nennt. Das ist strategische Kriegsführung im Betrieb.” Feature von Claas Christophersen und Norbert Zeeb vom 17. März 2019 bei NDR Info externer Link Audio Datei. Die Sendung behandelt drei Fälle von union busting: a) neupack, b) ethecon, d) einem altenheim in niedersachsen, die Hauptrolle spielt Neupack – siehe unser Dossier Neupack in Hamburg und Rotenburg und v.a. das Dossier Neupack Hamburg gegen BRV Murat Günes

„Diagnose: Kapitalismus – Therapie: Pause.““Nach einer Stagnation in den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage im Jahr 2018 auf durchschnittlich 19,9 Tage angestiegen. Das entspricht einer Zunahme von einem halben Tag im Vergleich zu den zwei Jahren zuvor, wie eine am Mittwoch veröffentlichte AOK-Analyse der Daten von knapp 14 Millionen versicherten Arbeitnehmern ergab. Im Jahr 2008 fielen die Versicherten noch lediglich 17 Tage aus, in den Jahren danach hat sich die Zahl stetig erhöht. (…) Doch sind es nicht etwa die Berufe mit hoher psychischer, sondern die mit physischer Belastung, bei denen es 2018 die höchsten Krankenstände gab: Die körperlich geforderten Beschäftigten in der Ver- und Entsorgung fehlten mit 32,5 Fehltagen pro Jahr am häufigsten, gefolgt von den Straßen- und Tunnelwärtern mit 31,4 Fehltagen. Demgegenüber fielen Hochschullehrende und -forschende mit lediglich 4,6 Fehltagen im vergangenen Jahr am seltensten wegen Krankheit aus, gefolgt von den Berufen der Softwareentwicklung mit 7,7 Fehltagen. Wegen psychischer Erkrankung fielen dagegen „auffällig“ häufig Beschäftigte im Dialogmarketing aus, zu denen auch Mitarbeiter in Callcentern gehören. Diese fehlten mit durchschnittlich 7,1 Tagen im Jahr 2018 sogar häufiger wegen psychischer Belastung als Berufstätige in der Haus-, Familien oder Altenpflege (6,3 Fehltage)…” Beitrag von Simon Berninger vom 14. März 2019 bei der Frankfurter Rundschau online externer Link, siehe dazu die AOK: (weiterlesen »)

Delikt ArbeitslosLaut einem Medienbericht kritisiert der Rechnungshof die Aktenführung in vielen Jobcentern, betroffen seien Hunderttausende Langzeitarbeitslose. In vielen Fällen sei “die Betreuung über mehrere Monate unterbrochen”. Der Bundesrechnungshof übt offenbar in einem internen Prüfbericht Kritik an der Arbeitslosenstatistik. Demnach seien bundesweit die Akten von rund 290.000 Langzeitarbeitslosen falsch oder unvollständig geführt, kritisieren die Prüfer aus Bonn laut einer Meldung der “Bild am Sonntag”. Dabei handelt es sich allerdings um eine auf Schätzungen basierende Hochrechnung. Für die Untersuchung hatte der Rechnungshof Daten aus dem Jahr 2017 stichprobenartig untersucht. Die Zeitung geht davon aus, dass dadurch auch die offizielle Arbeitslosenstatistik um rund 115.000 Menschen zu niedrig ausfalle. Die Zahl der Arbeitslosen lag zuletzt bei 2,37 Millionen Menschen. Grund für die falschen Zahlen sind nach Ansicht des Rechnungshofs Schlampereien: So würden viele Akten falsch oder unvollständig geführt, weil sich die Jobcenter nicht ausreichend um Hartz-IV-Empfänger kümmerten…” Beitrag vom 17.3.2019 beim Spiegel online externer Link

Elektro-MobilitätIG Metall-Chef Jörg Hofmann fordert eine neue Form des Kurzarbeitergelds. Es soll beim Umstieg von Unternehmen auf Elektromobilität Arbeitslosigkeit verhindern. “Ein Transformations-Kurzarbeitergeld könnte es Betrieben ermöglichen, bei Strukturumbrüchen ihre Mitarbeiter umzuschulen, ohne dass sie arbeitslos werden”, sagte Hofmann der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung” (Samstag). Diese Forderung werde die IG Metall an die Bundesregierung herantragen. Da bei der Produktion von E-Autos weniger Beschäftigte nötig sind als bei herkömmlichen Fahrzeugen, erwartet Hofmann beim Umstieg vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb den Wegfall von 150 000 Stellen. Besonders betroffen seien Regionen mit vielen Zulieferer-Betrieben. Daher seien Hilfen – vergleichbar mit denen für die Braunkohlereviere im Zuge des Kohleausstiegs – nötig…” dpa-Meldung vom 15.03.19 bei boerse.de externer Link – bei der WAZ (im Abo) heisst es zum Interview “IG-Metall-Chef: Regierung und Autoindustrie gefährden Jobs” externer Link: “IG-Metall-Chef Jörg Hofmann wirft im Interview Regierung und Industrie schwere Fehler bei der Verkehrswende vor. Warum er Elektrotaxen fordert.” Irgendwie typisch: Einerseits kritisiert die IG Metall die Autoindustrie, andererseits sollen wir den Umstieg subventionieren…

Dossier

DGB: Equal Pay DayAm 18. März ist Equal Pay Day – bis zu diesem Tag erhalten Frauen in Deutschland rechnerisch für ihre Arbeit kein Geld. Gewerkschaften und Frauenverbände machen an diesem Tag auf die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der Sozialverband Deutschland (SoVD) und der Deutsche Frauenrat (DF) laden ein zu einer gemeinsamen Kundgebung anlässlich des Equal Pay Day unter dem Motto „Recht auf Mehr!“ am 18. März 2019 in Berlin. Die Entgeltlücke von 21 % muss endlich überwunden werden damit Frauen die Chance haben, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Siehe Infos beim DGB externer Link und weitere Informationen zum Equal Pay Day 2019: (weiterlesen »)

Plakat zur Mobilisierung für das 3. europäische Treffen selbstverwalteter Betriebe vom 12. bis 14. April 2019 in Mailand bei RiMaflowNach dem ersten Treffen im Februar 2014 in Frankreich in der Fralib – Fabrik von Marseille und dem zweiten, im Oktober 2016, in der Fabrik Vio.Me von Thessaloniki in Griechenland, ist dieses Mal Ri-Maflow die Gastgeberin dieses wichtigen Treffens. Von Argentinien bis Brasilien, von Italien bis zur Türkei und Kurdistan, über die sozialen und kulturellen Unterschiede hinaus, begründen die rückeroberten Fabriken und die Arbeiterkollektive den Widerstand gegen die Versklavung der Arbeiter*innen und die Zerstörung der Produktivkräfte, so wie sie eine Antwort sind auf die Arbeitslosigkeit und die Marginalisierung. Und gleichzeitig geben sie Gestalt für eine andere Wirtschaft,  eine Alternative zum kapitalistischen Modell der Produktion, eine Wirtschaft der Arbeiter*innen, die auf der Selbstermächtigung basiert und die auf die Verteidigung der Interessen derjenigen abzielt, die von ihrer Arbeit leben. Diese Erfahrungen werden durch die Realität der rückeroberten Fabriken, selbstbewirtschafteten Landwirtschaft, Genossenschaften und dem Kampf für Selbstorganisation der Arbeit und Selbstbestimmung der Ökonomie vertreten. Diese Realitäten stellen die Fragen: Was produzieren wir? Wie produzieren wir? Für wen produzieren wir? Durch horizontale Prozesse kann die gesamte Gesellschaft ein aktiver Teil der Produktion und der Verteilung des Reichtums werden. So sind die direkte Demokratie, die Kontrolle durch die Arbeiter*innen und die soziale Kontrolle und die Selbstverwaltung keine abstrakten Konzepte, um Werkzeuge zu finden, um die Würde zu finden, die Lebensgrundlagen  zu erhalten und  wirtschaftliche und soziale Beziehungen zu schaffen“ – so der Aufruf  zum „Dritten Europa-Mittelmeer-Treffen der rückeroberten Betriebe der Arbeiter*innen“ vom 12. bis 14. April 2019 in der Kooperative RiMaflow, dessen Programm und Ablauf wir im Folgenden dokumentieren: (weiterlesen »)