"... Über dreißig Jahre hat er Kunden in der Hauptstadt von A nach B befördert, manchmal zehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Jetzt aber, weil der US-Großkonzern Uber auf den Markt drängt, sieht er das Gewerbe in seiner Existenz gefährdet. (...) Die Liberalisierung des Fahrdienstmarktes soll die Verstöße mit einem Streich legal machen. »Herr Scheuer sagt, mit der Öffnung für Uber und Co. würde die Mobilität auf dem Lande verbessert. Er spricht von den älteren Herrschaften. Wie kann man sich sowas vormachen?« regt sich Jörg M. auf. »Die Uber-Fahrer lauern ganz gezielt auf die Flughafenfahrten, auf die lukrativen Fahrten. Ältere Menschen über kurze Strecken zu transportieren, bei denen kaum etwas rausspringt, das machen ohnehin wir Taxler, nicht die Uber-Fahrer.« Die vom Verkehrsministerium nun geplante Marktöffnung stößt der gesamten Branche auf. Mehrere hundert Fahrer versammelten sich am 21. Februar in Berlin, forderten die Rücknahme von Scheuers Eckpunktepapier..." Artikel von Peter Schaber in der jungen Welt vom 2. März 2019 und mehr zur Lage in Deutschland. NEU: Taxinotruf: Politik und Verwaltung schaffen den Beruf des Taxifahrers ab. Konzerne wie Uber setzen auf Betrugsmaschen
"Die Gewerkschaft der Bauarbeiter SUNTRACS (Sindicato Unico Nacional de Trabajadores de la Industria de la Construccion y Similares) in Panama rief für den 19. März landesweit zu einem 24-Stunden-Streik auf, nachdem die staatliche Bank Caja de Ahorros in 18 Filialen die Bankkonten der Gewerkschaft SUNTRACS und mit ihr verbundenen Kollektiven gesperrt hatte. Das steht in Verbindung mit einer seit Wochen anhaltenden Kampagne gegen verschiedene Kräfte, die im erfolgreichen Kampf für die Schließung der Kupfermine Minera Panama von First Quantum Minerals 2023 aktiv waren. Zahlreiche Umweltaktivisten und jetzt die Gewerkschaft SUNTRACS werden beschuldigt, "Terrorismus" zu unterstützen oder zu finanzieren. Im Mai stehen in Panama Wahlen an." Meldung vom 21.03.2024 in den Rote-Fahne-News ("Panama: Gewerkschafter streiken gegen politische Repression"), siehe mehr Infos und NEU: Panama: ITUC und SUNTRACS verurteilen die willkürliche Inhaftierung und Ausweisung des TUCA-Gewerkschaftsfunktionärs Marcelo Di Stefano
"... Wer in Deutschland eine Ausbildung macht und sich damit auf ein erfolgreiches Arbeitsleben vorbereitet, darf nicht weiter mit Abschiebung bedroht werden. Die Bundesregierung muss endlich verbindliche Regelungen erlassen: Ausbildung muss mit einem Bleiberecht verbunden werden und somit sicher vor Abschiebung schützen – während der Ausbildung und danach. (...) Wir von PRO ASYL berichten immer wieder von Fällen, in denen Menschen mitten aus der Ausbildung oder aus Bildungsstätten heraus abgeschoben werden. Nötig ist daher eine praxisnahe Neuregelung des Bleiberechts, die diesen Namen verdient.“ Pressestatement von Pro Asyl vom 23. Januar 2026 zur Forderung nach einem verbesserten Bleiberecht für junge Geflüchtete in und nach einer Ausbildung - siehe dazu die Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas. NEU: Abschiebungen von gut integrierten Menschen statt Duldung: „Es wird einfach sehr viel getan, um die Zahlen hochzutreiben“
"Eine Hamburger Muslima hat vor dem Arbeitsgericht wegen Diskriminierung geklagt und Recht bekommen. Sie hatte sich bei einer privaten Firma als Luftsicherheitsassistentin für den Hamburger Flughafen beworben. Die Firma lehnte die Bewerbung ab, weil sie ein Kopftuch trägt. (...) Die Sicherheitsfirma argumentierte vor Gericht, dass Luftsicherheitsassistentinnen und -assistenten neutral auftreten müssten. Sie verwies dabei auf die Bundespolizei, in deren Auftrag sie arbeitet. Dort gelte ein Kopftuchverbot am Arbeitsplatz. Doch solch ein Verbot gebe es nicht, so das Gericht. (...) Die beklagte Firma muss die Muslima nicht einstellen, aber eine Entschädigung in Höhe von 3.500 Euro zahlen. Sie kann auch noch in Berufung gehen." Meldung vom 17.02.2024 bei NDR ("Wegen Kopftuch von Sicherheitsfirma abgelehnt: Frau erhält Entschädigung"), siehe mehr dazu und NEU: Schlappe für Bundespolizei. Bundesarbeitsgericht: Kontrolleurin am Flughafen darf Kopftuch tragen
"Arbeitgeber sollen nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs verpflichtet werden, die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen. Alle EU-Staaten müssten dies durchsetzen, entschieden die obersten EU-Richter in Luxemburg. Nach Ansicht des EuGH ist das zwingend notwendig, um die Rechte der Arbeitnehmer zu schützen. Nur wenn die Arbeitszeit genau erfasst werde, könne man genau überprüfen, ob sie nicht überschritten werde. Außerdem sei es wichtig, dass die täglichen und wöchentlichen Ruhezeiten eingehalten werden, so die Richter. (...) Geklagt hatte eine spanische Gewerkschaft, die den dortigen Ableger der Deutschen Bank verpflichten wollte, die täglich geleisteten Stunden ihrer Mitarbeiter aufzuzeichnen und so die Einhaltung der vorgesehenen Arbeitszeiten sicherzustellen." Meldung vom 14.05.2019 bei tagesschau.de zur Rechtssache C-55/18, siehe dazu u.a. den DGB und NEU: Verwaltungsgerichte bestätigen Sanktionen der Behörden: Bußgelder wegen fehlender Zeiterfassungssysteme
Wer sich zur Wehr setzt, begeht Verstöße. So sieht es das Unternehmen, und so sieht es auch die staatliche Behörde - und auch die Gewerkschaft. Dass seine Kolleginnen und Kollegen noch ein Manifest verbreiteten, in dem sie darauf verwiesen, dass er ihren Kampf angeführt hätte, hat ihm in diesem Fall noch weiter geholfen. In dem Bericht „Food delivery worker activist accused of “picking quarrels”“ am 25. März 2021 beim China Labour Bulletin wird darauf verwiesen, dass dieser Kampf offensichtlich Not tat – und deswegen auch geführt wurde. In dem Beitrag wird auch noch unterstrichen, dass diese Arbeitsverhältnisse keineswegs nur für Kuriere gelten, sondern für alle Beschäftigten in diversen Branchen. Siehe dazu weitere Informationen und NEU: Riders kämpfen um ihre Würde: Der herablassende Umgang von Restaurants und Kundschaft den Fahrern gegenüber ist oft Auslöser kollektiver Proteste in China
"Die Nike-Werbung zeigt starke Sportlerinnen und wirbt für die Idee der Gleichberechtigung. Aber die große Mehrheit der Arbeiter, die Nike-Produkte herstellen, sind Frauen, die jeden Tag dafür kämpfen, uns und unseren Familien einen angemessenen Lebensstandard zu sichern. Ohne uns gäbe es keine Profite, keinen milliardenschweren Werbeetat, kein Nike. Es ist an der Zeit, dass die Welt uns sieht. Und zum ersten Mal überhaupt haben mehr als tausend von uns beschlossen, ihr Gesicht zu zeigen, trotz unserer sehr realen Furcht vor Vergeltungsmaßnahmen. Wir fordern von Nike die Anerkennung und Bezahlung, die uns zusteht. Unterzeichnen Sie jetzt, um sich mit den Arbeiterinnen zu solidarisieren, die Nike-Kleidung herstellen! Nike und andere große Modemarken haben ein Geschäftsmodell aufgebaut, das darauf beruht, dass die Arbeiter, die ihre Produkte herstellen, unsichtbar sind – aber jetzt melden sich über 1.000 meist junge Textilarbeiterinnen in Asien zum ersten Mal öffentlich zu Wort..." engl. Kampagne "One Thousand Photos - One Thousand Shares!" bei Action Network und dazu: Cicih Sukaesih, eine wichtige Stimme der Arbeiterbewegung der 1990er Jahre in den Fabriken von Nike in Indonesien ist heute auf Spenden aus dem Ausland angewiesen
"... »Nationalitäts- und Grenzvorlage« (...) Bürger- und Menschenrechtsgruppen schlagen Alarm: Die Reform sei unmenschlich, unfair und rücksichtslos. (...) Auch könnten der Zugang zu Sozialleistungen und das Recht auf Familiennachzug begrenzt werden. Zudem wird die Höchststrafe für »illegale Einreise« von derzeit sechs Monaten Gefängnis auf vier Jahre erhöht. (...) Das Gesetz zielt auch darauf ab, andere Länder zu bestrafen, die den britischen Behörden nicht behilflich sind bei der Abschiebung von Asylbewerbern oder Straftätern (...) Ominös ist eine Klausel, die besagt, dass jemand, der Flüchtlingen dabei behilflich ist, nach Großbritannien zu kommen, keinen finanziellen Anreiz braucht, um sich strafbar zu machen. Organisationen, die in Seenot geratenen Flüchtlingen im Ärmelkanal helfen, könnten also strafrechtlich verfolgt werden..." Artikel von Peter Stäuber vom 7. Juli 2021 in neues Deutschland online. Siehe dazu NEU: [Schadenfreude erlaubt!] Ruanda klagt gegen Großbritannien: Immer das Kleingedruckte lesen
"Die nächste Wildcat wird sich um die Frage drehen, wer Trump stoppen kann. Dazu schauen wir uns die Klassenverhältnisse in den USA an: »die Lumpen«, »das Dienstleistungsproletariat«, »die Tech-Angestellten«, »die Industriearbeiter« und die »Undocumented«, MigrantInnen ohne Ausweispapiere bzw. legalen Aufenthaltsstatus. Anlässlich der dramatischen Zuspitzung in Minneapolis veröffentlichen wir diesen Abschnitt vorab, als Work in Progress. (In dem Abschnitt geht es nicht um Trumps radikalen Staatsumbau, das kommt woanders.)..." Artikel bei der wildcat online ohne Datum, aber als Empfehlung für das nächste Heft 1/2026 und aktuelle Hintergründe
"Die Bundesregierung ignoriert die dramatische Lage in den Herkunftsländern. Syrien, Iran, Afghanistan und Irak: Die schwarz-rote Bundesregierung schiebt nun auch Menschen in diese Kriegs- und Gewaltregionen ab. Völlig ungestört von den Bildern des Grauens, die uns von iranischen Straßen und aus Nordostsyrien erreichen; ungestört von der Verzweiflung der Menschen aus Afghanistan, die für Demokratie einstanden und nun an die Taliban ausgeliefert werden; ungestört von den Nachrichten von den Überlebenden des Völkermords im Irak, die unter prekärsten Bedingungen und Gefahren leben müssen. Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen medico international und PRO ASYL sowie das Migrationsforschungs-Netzwerk kritnet fordern von der Bundesregierung: keine Abschiebungen in Kriegs- und Krisengebiete, Aufnahmezusagen einhalten, keine Deals mit Terrorregimen..." Appell von Pro Asyl, medico und kritnet vom 28.01.2026 bei medico und mehr dazu
"... Die mediale Aufmerksamkeit ist derzeit auf Afghanistan konzentriert. Die türkische Regierung nutzt dies zu massiven Angriffen auf die nordsyrische Zivilbevölkerung im Gebiet der demokratischen Selbstverwaltung und deren militärische Einheiten der SDF (Syrian Democratic Forces, Demokratische Kräfte Syriens) sowie der nordirakischen ezidischen (auch: jesidischen) Selbstverteidigungseinheit YBS. (...) Das Nato-Mitglied Türkei begehe im Windschatten des Afghanistan-Konflikts in Nord- und Ostsyrien und Nordirak Kriegsverbrechen. Die Politik der Türkei sei auf Völkermord ausgelegt und richte sich hauptsächlich gegen die kurdische Bevölkerung in Nord- und Ostsyrien wie auch im Nordirak, sowie gegen religiöse Minderheiten. Diese Politik destabilisiere die Region noch mehr (...) Das Schweigen Europas ermutigt die türkische Regierung in ihrem aggressiven Agieren in ihren Nachbarländern noch zusätzlich..." Beitrag von Elke Dangeleit vom 24. August 2021 bei Telepolis, siehe dazu NEU: Erdoğans Geschenk an Islamisten: Internationale Solidaritätskarawanen auf dem Weg zur syrischen Stadt Kobanê gestoppt, Aktivist*innen festgenommen
"Die Beschäftigten von Smood (Lieferdienst für Essen und Migros-Produkte) in Yverdon (VD) haben ihre Arbeit niedergelegt, um auf verschiedene Missstände aufmerksam zu machen. Sie fordern die korrekte Auszahlung ihrer Arbeitsstunden, von Spesen und Trinkgeldern sowie der Ferientage. Zudem wollen sie, dass die Arbeitsplanung verbessert wird. Die Smood-Kurier*innen in Yverdon liefern täglich Mahlzeiten und Produkte der Migros aus – unter äusserst schwierigen Arbeitsbedingungen: niedrige Löhne, zu tiefe Spesen, undurchsichtige Handhabung der Trinkgelder durch das Unternehmen, mangelhafte Erfassung der Arbeitszeiten (...) Ende Monat hat sich die Situation der Beschäftigten erneut verschlechtert. Von ihren Gehaltsabrechnungen wurden erhebliche Geldbeträge gestrichen (nicht verrechnete Arbeitsstunden, nicht zugewiesene Trinkgelder und falscher Ferienanteil). Das ist eine Provokation und inakzeptabel! Zumal das alles zu den Problemen hinzukommt, welche die Unia seit Jahren bei Smood anprangert..." Unia-Meldung vom 02.11.2021 ("Smood-Personal in Yverdon legt Arbeit nieder"), siehe dazu NEU: Trotz mieser Arbeitsbedingungen rentiert der Essenslieferdienst nicht: Migros stellt den Smood ein - ohne echten Sozialplan für die über 400 Jobs in der Schweiz
"... Frauen waren lange Zeit in den Arbeitnehmerorganisationen der alten Bundesrepublik unterrepräsentiert, vor allem in den Führungsgremien. Der verengte Arbeitsbegriff, auf den sich diese damals bezogen, umfasste nur die entlohnte Erwerbsarbeit, nicht aber unbezahlte Sorge- und Hausarbeit. Auch deshalb erhielten Frauen- und Geschlechterfragen in den Gewerkschaften wenig Aufmerksamkeit, ebenso in ihrer Geschichtsschreibung. Hier zeigte sich also ein doppelt männlich geprägter Blick: Er betraf sowohl die organisatorische Ausrichtung der Gewerkschaften als auch die Darstellung ihrer historischen Entwicklungen. Neuere Forschungen hinterfragen diese Perspektiven und erweitern sie. (...) Mit dieser Ausgabe von „Arbeit – Bewegung – Geschichte” möchten wir einige aktuelle Forschungsergebnisse zur Geschlechtergeschichte der Gewerkschaften nach 1945 aufgreifen und zusammenführen..." Aus dem Editorial von Marcel Bois, Anna Horstmann und Bernd Hüttner des Heftes 1/2026 von Arbeit – Bewegung – Geschichte: Zeitschrift für historische Studien
"Eine neue Studie des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) zeigt ein klares Muster: Rassistisch markierte Personen geben an, in allen Dimensionen des Wohnens – von der Wohnungssuche bis zum Leben in der Nachbarschaft – Diskriminierung zu erfahren. (...) Der Bericht macht deutlich: Ungleiche Behandlung im Bereich Wohnen ist kein Randphänomen, sondern prägt die Erfahrungen vieler. Besonders häufig betroffen sind Schwarze und muslimische Menschen; auch weitere rassistisch markierte Gruppen wie asiatische oder osteuropäische Menschen sind überproportional betroffen – mit spürbaren Auswirkungen auf Gesundheit und Wohnzufriedenheit..." Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) vom 5. Dezember 2025 und mehr daraus. NEU: Der Wohnungsmarkt hat ein massives Rassismusproblem - BGH verurteilt immerhin Makler zum Schadenersatz bei Diskriminierung
"Das belegen bisher geheime Ausschnitte aus einem Handbuch. „Es kann in den Genitalbereich gegriffen/geschlagen/gestoßen werden“ – dieser Satz stammt aus einem Lehrbuch der Berliner Polizei. Darunter zeigt ein Bild, wie zwei Männer die Anweisung ausführen. Das Buch erklärt Polizist*innen, wie sie sich in verschiedenen Einsatzsituationen verhalten sollen – und eben wie sie Menschen gezielt Schmerzen zufügen können. Mit sogenannten Schmerzgriffen attackieren Polizist*innen sensible Körperregionen ihres Gegenübers. Die Techniken sind hochumstritten. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel erklärte: „In der Polizei Berlin werden keine Schmerzgriffe ausgebildet.“ Doch interne Unterlagen zeigen genau das: Im „Handbuch Einsatztraining“ der Berliner Polizei werden die umstrittenen Schmerzgriffe gelehrt. Wir veröffentlichen den entsprechenden Ausschnitt des Lehrbuchs..." Beitrag von Sabrina Winter vom 26. Januar 2026 bei FragDenStaat mit Links zum aktuellen und alten Berliner Polizei-Handbuch sowie zur Klage