Bleiberecht für junge Geflüchtete in und nach der Ausbildung – aber bitte nicht damit „nicht die falschen abgeschoben werden“
„… Wer in Deutschland eine Ausbildung macht und sich damit auf ein erfolgreiches Arbeitsleben vorbereitet, darf nicht weiter mit Abschiebung bedroht werden. Die Bundesregierung muss endlich verbindliche Regelungen erlassen: Ausbildung muss mit einem Bleiberecht verbunden werden und somit sicher vor Abschiebung schützen – während der Ausbildung und danach. (…) Wir von PRO ASYL berichten immer wieder von Fällen, in denen Menschen mitten aus der Ausbildung oder aus Bildungsstätten heraus abgeschoben werden. Nötig ist daher eine praxisnahe Neuregelung des Bleiberechts, die diesen Namen verdient.“ Pressestatement von Pro Asyl vom 23. Januar 2026
zur Forderung nach einem verbesserten Bleiberecht für junge Geflüchtete in und nach einer Ausbildung – siehe dazu:
- Abschiebungen von gut integrierten Menschen statt Duldung: „Es wird einfach sehr viel getan, um die Zahlen hochzutreiben“
„Hessen schiebt immer mehr Menschen ab. Das sei politisch gewollt und treffe besonders diejenigen, die sich hier ein Leben aufgebaut haben, meint der Rechtsanwalt Jonathan Leuschner.
Abschiebungen von gut integrierten Menschen oder von Familien mit Kindern – all das sei in Hessen keine Seltenheit mehr, sondern scheine zur Regel zu werden, sagt der Frankfurter Rechtsanwalt Jonathan Leuschner. Er kämpft täglich für Menschen, die in Deutschland eine Perspektive hätten, doch zurück in ihre Herkunftsländer sollen.
[Der Hessische Innenminister Roman Poseck hat es vor kurzem verkündet: 17 Prozent mehr Abschiebungen im vergangenen Jahr aus Hessen. Wie macht sich die Abschiebestimmung in Ihrem Alltag bemerkbar?]
Mein Alltag ist brutaler geworden. Es werden jetzt Leute abgeschoben, die vor drei oder vier Jahren noch in Ruhe gelassen worden wären. Nehmen Sie beispielsweise eine vollziehbar ausreisepflichtige Frau, die in drei Jobs arbeitet und nie strafrechtlich auffällig geworden ist. Vor ein paar Jahren hätten die Behörden ihr vermutlich immer wieder eine Duldung ausgestellt, heute wird sie in den Flieger gesetzt. Das ist schon ein Riesenunterschied. Für unsere anwaltliche Praxis bedeutet das ein hektischeres Arbeiten als früher, mehr Eilanträge, mehr kurzfristige anwaltliche Hilfe. (…)
Mein Eindruck ist, dass man sich Leute schnappt, die gut greifbar sind, nur um die Zahlen hochzukriegen. Denn bei Menschen, die in Arbeit oder Ausbildung stecken, weiß man, wo sie sich befinden. Sie werden abgeschoben, bevor sie sich aus der Duldung mühsam in eine Aufenthaltserlaubnis kämpfen können. (…)
ein Großteil der aufenthaltsrechtlichen Auseinandersetzungen hat sich auf die Duldungsebene verlagert. Das liegt vermutlich daran, dass sich Bleibemöglichkeiten ergeben, wenn jemand länger geduldet wird, und inzwischen der klare politische Wille besteht, diese Möglichkeiten zu verhindern. Es wird daher seit einigen Monaten in Hessen viel stärker versucht, den Leuten erst gar keine Duldung mehr auszustellen, sondern sie in einem Zustand ohne alles – also ohne jeden schriftlichen Nachweis zu ihrem aufenthaltsrechtlichen Zustand – zu lassen. (…)
Mit einer Duldung erwerbe ich sogenannte Vorduldungszeiten. Die brauche ich für Bleiberechtsregelungen, wie zum Beispiel § 25a und b des Aufenthaltsgesetzes oder bei dem vieldiskutierten Chancenaufenthaltsrecht. Da steht jeweils drin: ‚einem geduldeten Ausländer kann oder soll, je nach Vorschrift, eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn …‘ Aber die Grundvoraussetzung für dieses Wenn ist eine Duldung. Und in dem Moment, in dem das nicht erfüllt ist, reden wir über die weiteren Voraussetzungen wie Schulbesuch, Sprache, Lebensunterhalt gar nicht erst. Außerdem erlischt die bis dahin bestehende Beschäftigungserlaubnis. Geduldete, die vorher noch in die Sozialkassen eingezahlt haben, dürfen das dann nicht mehr. Wieso leisten wir uns das als Gesellschaft?…“ Interview von Hannah Jagemast vom 02.02.2026 in der FR online
(„Abschiebungen: „Es wird einfach sehr viel getan, um die Zahlen hochzutreiben““)
Durch Pro Asyl wird nicht der Fehler gemacht, die Unternehmerinteressen in der Vordergrund zu schieben und die nicht akzeptable Position: „Es dürfen nicht die falschen abgeschoben werden“ zu vertreten – vgl. Bas hier:
- Für die Unternehmen: Bas für Bleiberecht für Geflüchtete nach der Ausbildung
„Unternehmen suchen händeringend nach Auszubildenden. Viele junge Geflüchtete stünden bereit, bieten Betrieben aber keine Planungssicherheit. Nach geltender Rechtslage könnten sie trotz Ausbildung abgeschoben werden. Bundesarbeitsministerin will das ändern.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) fordert bessere Bleibechancen für junge Geflüchtete nach der Ausbildung
. „Es muss eben für die Unternehmen Planbarkeit geben“, sagte Bas bei einem Besuch im ABB Ausbildungszentrum Berlin/Brandenburg. „Und die habe ich nicht, wenn gesagt wird, ich investiere hier in eine teure Ausbildung, in den jungen Menschen, und übermorgen ist er weg.“ (…)
„Es dürfen nicht die falschen abgeschoben werden“, sagte Bas. Wer einen Arbeitsplatz oder Ausbildungsplatz gefunden habe und integriert sei, müsse auch eine Bleibeperspektive haben. „Eine Ausbildung ist ein Invest in die Zukunft und das ist nicht zum Nulltarif zu haben“…“ Meldung vom 22.01.2026 im Migazin
Siehe zur Problematik auch das Dossier: (Fachkräfte)Einwanderungsgesetz – und die ökonomische Selektion durch restriktives Asylrecht und auch: Wegweisendes Urteil des Verwaltungsgerichtshofs: Arbeitserlaubnis für Pflegeausbildung nicht nötig