Gewerkschaften

Demoaufruf Chile 24.7.2017 - gegen die privaten RentenversichererFür den 24. Juli 2017, den ersten Jahrestag des großen Massenprotests gegen die private Rentenversicherung, hatte die mit diesen Protesten mächtig angewachsene Bewegung „Keine AFPs mehr“ erneut im ganzen Land zu Kundgebungen und Demonstrationen aufgerufen. Das Ziel ist es aktuell, eine Volksabstimmung über das vom Diktator Pinochet privatisierte Rentenwesen Chiles zu organisieren, um es per Volkswillen abzuschaffen, da die Regierung Bachelet dieser Forderung nicht nachgeben will. Und da auch die der Regierung nahe stehenden Gewerkschaften sich bestenfalls zögerlich verhalten (der Gewerkschaftsbund CUT hatte sich letztes Jahr zunächst von diesen Demonstrationen fern gehalten, erst als die Mitgliedschaft sich massenhaft beteiligte, war man gezwungen, diese Position etwas zu verändern – siehe unsere Berichterstattung zum Thema aus 2016) bringt der anwachsende Protest auch die „Gewerkschaftslandschaft“ Chiles in Bewegung. Siehe dazu drei aktuelle Beiträge zu den Protesten und ihrer Orientierung, sowie einen Bericht über einen neuen gewerkschaftlichen Zusammenschluss, der in diesem Zusammenhang entstanden ist: (weiterlesen »)

CUT Chile Streikplakat 22.3.2016In den langen Auseinandersetzungen um das neue Arbeitsgesetz in Chile hatte der größte Gewerkschaftsverband, die CUT, bis Anfang des Jahres eine eher ambivalente Haltung eingenommen, um die der CUT-Führung nahe stehende Regierung nicht in Schwierigkeiten zu bringen, wurde auf „Verbesserungen“ gesetzt. Seit dem Gewerkschaftstag im Januar hat sich dies insofern verändert, als zu jenem Zeitpunkt zum einen allen klar war, dass es nicht nur keine Verbesserungen, sondern vor allem durch die Entscheidungen des Senats eindeutige weitere Verschlechterungen geben würde. Und, was auf dem Gewerkschaftstag ebenfalls deutlich geworden war: Es gab ohnehin eine ganze Reihe von Einzelgewerkschaften in der CUT (außerhalb ohnehin), die die Position der Föderation nicht teilten. Also hatte die CUT für den 22. März zu einem eintägigen Protest-Generalstreik aufgerufen, dessen Ergebnis in der Mitteilung „Masiva y transversal adhesión al Paro Nacional del 22 de Marzo“ am 18. März 2016 externer Link bereits vorweg genommen wurde: Dass sich in allen Regionen (4) sowohl innerhalb, als auch außerhalb des Verbandes zahlreiche Gewerkschaften und soziale Organisationen dem Aufruf angeschlossen hatten, der aber nicht nur auf das neue Arbeitsgesetz abzielte, sondern auch eine ganze Liste gesetzlicher Veränderungen, inklusive von Verfassungsänderungen einforderte und insofern als Auftakt einer ganzen Kampagne interpretiert wurde. Siehe dazu auch weitere aktuelle Beiträge – auch ausgesprochen CUT-kritische (weiterlesen »)

DHL GewerkschafterInnen in Chile im Mai 2014, Fotografin: Fresia SaldíasOrganisiert von TIE fand in den Niederlanden ein gemeinsames Seminar statt, an dem Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter der Supermarktkette Walmart in Chile und Beschäftigte von Lidl in den Niederlanden sich beteiligten. Es war nicht zum ersten Mal, dass sich AktivistInnen des niederländischen Gewerkschaftsbundes FNV und der chilenischen Federation of Autonomous Trade Unions of WalMart-Chile trafen, weswegen das Treffen auch eine Möglichkeit war, Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit zu vertiefen. “Production mapping at work – Organised workers from Lidl-Netherlands and Wal-Mart Chile work together to improve their working conditions” ist der Titel des Seminarberichts von Anfang März 2016, worin sowohl die Bedingungen der Arbeit in beiden Ketten berichtet werden, als auch der inhaltliche Austausch der TeilnehmerInnen. Siehe dazu den Artikel über das Seminar und eine Dokumentation über Arbeitsbedingungen bei Lidl in den Niederlanden: (weiterlesen »)

Dossier

Auseinandersetzungen um das neue chilenische ArbeitsrechtDie zehn Punkte des Gesetzes beinhalten neben der Stärkung der Arbeitsrechte von Frauen und Jugendlichen insbesondere die Verhandlungsrechte von Arbeitnehmern. Streikende Arbeiter sollen nicht mehr durch arbeitswilliges Personal ersetzt werden dürfen. Außerdem werden die Gewerkschaften zu Hauptvertretern der Arbeitnehmer in kollektiven Verhandlungsprozessen ernannt“ – aus dem Bericht „Chiles Unternehmer gegen neues Arbeitsrecht“ von Alice Kohn am 09. Januar 2015 bei amerika21.de externer Link worin die Sprecher der Unternehmerverbände mit den Aussagen vorgestellt werden, dieses neue Gesetz würde nicht die Probleme der Arbeiter lösen (wo sich dann schon die überraschte Frage anschliesst „Ja wie, ja was, haben die denn wirklich Probleme in eueren Sanatorien?“) sondern nur die gewerkschaftliche Klientel der Regierung bedienen, während die CUT-Vorsitzende das Gesetz begrüsst. Siehe dazu auch Kritiken aus der Gewerkschaftsbewegung und aktuelle Berichte am 10. August 2015 über Proteste alternativer Gewerkschaftszusammenschlüsse:

  • Unabhängige Gewerkschaften demonstrieren gegen das neue chilenische Arbeitsrecht
    “Ayer en Santiago manifestación de trabajadores contra la Reforma Laboral de Bachelet” heisst der Demonstrationsbericht am 07. August 2015 beim Correo Semanal externer Link über eine Demonstration am Vortag in der chilenischen Hauptstadt (eine von zahlreichen Aktionen, die an diesem Tag in vielen Orten des Landes stattfanden), die sich gegen die Reform der Arbeitsgesetze durch die Regierung Bachelet richtete. Während die Regierung in ihrer Propaganda behauptet, es handele sich darum, endlich die Arbeitsgesetze der Diktatur zu überwinden, kritisieren die oppositionellen und autonomen GewerkschafterInnen, dass in den Entwürfen der Regierung – an deren weiteren Konkretisierung etwa der Gewerkschaftsbund CUT, trotz öffentliche geäusserter Kritik, mitarbeite – Bestimmungen stünden wie die Lockerung der Nachtarbeit oder auch der Bestimmung von 45 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit als Obergrenze. Siehe dazu auch zwei Beiträge über die Gewerkschaften, die zu diesen Protesten aufgerufen hatten:

Plakat: Aufruf zur zweiten Konferenz der südchilenischen Gewerkschaftsopposition am 7.8.2015Die gewerkschaftsoppositionelle Coordinadora de Sindicatos del Sur ruft zu einem regionalen Treffen kämpferischer GewerkschafterInnen Südchiles auf, am 7. August in Valdivia. Das Treffen wird einberufen von der Hafenarbeitergewerkschaft Unión Portuaria del Bío-Bío, sowie Federación de Sindicatos del Retail Temuco, Sindicato SITECO, Sindicato de Pescadores Artesanales de Valdivia, Sindicato de Trabajadores de ASENAV und der gewerkschaftsübergreifenden Coordinadora de Trabajadores por un Trabajo digno – wobei in dem Aufruf “Convocan a 2° encuentro de trabajadores del Sur” am 01. August 2015 bei ResumenChile externer Link vor allem hervorgehoben wird, dass der Zeitpunkt, die Anstrengungen zu verstärken, gekommen sei: Durch die in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung befindlichen neuen Arbeits- und Gewerkschaftsgesetzgebung und durch die Verhärtung der Auseinandersetzungen, wie sie in dem Polizeimord an Nelson Quichillao López dem streikenden Zeitarbeiter der Kupfermine Codelco überdeutlich werde

DHL GewerkschafterInnen Chile Mai 2014Wie die Arbeitsbedingungen und gewerkschaftliche Aktivitäten bei DHL Chile aussehen, schildern in Gesprächen im Mai 2014, die diesem Artikel zugrunde liegen, GewerkschaftsgründerInnen aus zwei DHL-Sindicatos. Es sind Mitglieder des Sindicato DHL Número 2 Lo Aguirre (Logistik, gegründet 2011, zuständig für den Vertrieb bei Wal-Mart, gelegen an einer der Ausfallstraßen der Hauptstadt Santiago de Chile in Flughafennähe) und dem Sindicato DHL No 3 Exprés (Paketausfahrer, neun Monate nach ihrer Gründung)” – aus dem Beitrag “„Wir haben uns lautlos organisiert“ – Gewerkschaftsgründungen bei DHL im postdiktatorischen Chile” von Olaf Berg und Helen Schwenken ursprünglich in der Zeitschrift iz3w des Informationszentrums Dritte Welt Ausgabe 349 – Zeitschrift zwischen Nord und Süd vom (Juli/August 2015) erschienen und mit Dank an AutorInnen und Redaktion im LabourNet Germany dokumentiert. (Diese Ausgabe der iz3w externer Link hat das Schwerpunktthema “Logistik – Leidbranche der Globalisierung” und ist ausgesprochen lesenswert!) (weiterlesen »)

Logo der DHL Gewerkschaft in ChileSeit 1980 ist das deutsche Unternehmen DHL-Express in Chile aktiv. Am 28. November 2013, 33 Jahre später, gründete eine Gruppe von Arbeitern die Gewerkschaftsgruppe Sindicato N°1 DHL – Express Chile. Ursprünglich bestand sie aus 9 Arbeitern, die sich wegen der andauernden Ausbeutung durch die Firma zusammengeschlossen hatten. Sie ist ein Resultat der allgemeinen Ausbeutung; in den darauffolgenden Monaten kamen Arbeiter aus weiteren Unternehmensbereichen dazu (Flughafen – Call Center – Operations – Export – Courier In House – Data – Clasification – Notification), so dass die Zahl auf 126 Mitglieder anwuchs, zusammen also über 50% aller Arbeiter. Heute, im Mai 2015, verbleiben nach der aggressiven Unternehmenspolitik gegenüber der Gewerkschaft lediglich 60 Mitglieder” – so beginnt die “Öffentliche Erklärung – Wir informieren über die ausbeuterischen Praktiken des deutschen Unternehmens DHL-Express Chile gegenüber seinen Arbeitern in Chile”  des Sindicato N°1 DHL – Express Chile vom April 2015, in der die – auch aus anderen Ländern bekannten antidemokratischen Praktiken von DHL dokumentiert werden. Siehe dazu auch die Ankündigung der Veranstaltung am 09. Juni 2015 in Bochum: Chilenische Gewerkschafter berichten über aktuelle Situation in Chile: (weiterlesen »)

gewerkschaftliche Basisarbeit in Chile: DHL“Sindicato Nº2 DHL Chile La Partida” von Difusion Sindical am 22. Oktober 2014 bei You Tube externer Link ist ein 13 Minuten Dokument (spanisch, mit deutschen Untertiteln) über die Gründung eine Betriebsgewerkschaft bei DHL Chile, worin deutlich wird, dass einerseits auch hier deutsche Unternehmen keineswegs irgendwie vorbildlich agieren, wie vond er Propaganda oft behauptet, und andrerseits die längere Jahre beklagte gewerkschaftliche Passivität in Chile nach den langen Putsch – und Übergangsjahren allmählich neuer Aktivität weicht

Gewerkschaften ChileDie chilenische Regierung hatte mit den Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes ein Abkommen geschlossen – über dessen wirkliche Zahlen ausführlichst diskutiert wurde – und die Vorsitzende der CUT Figueroa hatte sich dazu in der anschliessenden Pressekonferenz positiv geäussert. Weniger positiv war die Reaktion der Agrupación Nacional de Empleados Fiscales (ANEF) der Gewerkschaft der Finanzbeamten, die die Gehaltserhöhung im unterschriebenen Vertrag auf gerade einmal 0,5% berechnete – und ihn demzufolge ablehnt und ihre Mitgliedschaft in der letzten Novemberwoche zum Streik aufrief. Der redaktionelle Artikel Reajuste: Gobierno y CUT anuncian acuerdo, pero ANEF se resta y llama a paro am 25. November 2014 bei Emol externer Link ist auch deswegen besonders lesenswert, weil er viele LeserInnenkommentare dokumentiert, die sich in erster Linie mit der Rolle der Vorsitzenden der CUT befassen, die ja der KP Chiles angehört

„Bis heute hat Chile das Erbe der Pinochet-Diktatur nicht überwunden. Das neoliberale Wirtschaftsmodell ist ein Eldorado für Konzerne aus aller Welt, während Gewerkschaften noch immer große Probleme haben. Doch es gibt auch Erfolge…“ Artikel von Peter Nowak im Neues Deutschland vom 11.10.2013 externer Link

„Bis 1973 galt die chilenische Gewerkschaftsbewegung als eine der bestorganisierten in Lateinamerika. Die mit dem Militärputsch einsetzende Verfolgung aktiver GewerkschafterInnen, das Verbot gewerkschaftlicher Strukturen und Instrumente wie das Streikrecht, die Arbeitsgesetze des Plan Laboral der Diktatur und vor allem das neoliberale Modell, das die Lohnabhängigen vereinzelte, eine große Schicht vermeintlich „Selbstständiger“ schuf und individuelle statt kollektive Lösungen propagierte, schwächten die Gewerkschaften nachhaltig. Die Folge: Auch nach dem Ende der Diktatur können sie der Macht der Unternehmen nur wenig entgegensetzen“ – so beginnt der Beitrag Das drückende Erbe der Diktatur  über die aktuelle Lage der Gewerkschaftsbewegung in Chile von Jaime Saú und Iván Saldias in der Übersetzung von Eduard Fritsch in der ila Ausgabe 368

Erfolgreicher Oppositionskongress

Am 10. November fand in Santiago der (vom LabourNet bereits angekündigte) Kongress jener Gewerkschaften statt, die sich (vor dem Ergebnis) geweigert hatten, an den Wahlen des Gewerkschaftsbundes CUT teilzunehmen. 8 Einzelgewerkschaften und drei Föderationen bildeten einen vorläufigen Gemeinsamen Ausschuss, der es ermöglichen soll, eine politische Tendenz zu festigen und entwickeln, die für demokratisches Klassengewerkschaftertum eintritt. Dazu der Bericht “Síntesis y acuerdos del Congreso por un Nuevo Sindicalismo efectuado en Santiago el 10 nov. de 2012” externer Link am 10. November 2012 im Correo de los Trabajadores.

Die jüngsten Gewerkschaftswahlen in der chilenischen CUT, die einen Wahlerfolg der kommunistisch geführten Liste erbrachte, waren schon im vorhinein – wie auch die letzten, bei denen die sozialdemokratische Liste nochmals gewonnen hatte – von vielen Einzelgewerkschaften angezweifelt worden: Mangelnde Transparenz wurde ebenso kritisiert, wie die Beitiligung von Gewerkschaften, die laut Kritikern nur auf dem Papier Bestand haben. Jetzt rufen eine ganze Reihe eben dieser Gewerkschaften, die sich nicht an der Wahl beteiligt haben, zu einem landesweiten Treffen auf, um zu diskutieren, wie die klassenkämpferische Gewerkschaftsbewegung in Chile wieder mehr Resonanz und Respekt finden kann: Die Einladung “Invitación Congreso por un Nuevo Sindicalismo” externer Link ist vom 03. November 2012, der Kongress soll am 10. November stattfinden. Zusammen mit dem SINDICATO TRABAJADORES MINERA COLLAHUASI laden noch 10 weitere Einzelgewerkschaften ein.  Siehe dazu:

  • El tongo de las elecciones de la CUT” externer Link von Celso Calfullan am 24. September 2012 bei rebelion.org – ein Beitrag, in dem der (trotzkistisch orientierte) Autor die Frage stellt, warum eigentlich nicht der landesweit populäre Cuevas selbst Listenführer der KP-Liste war, und darauf antwortet, dass die Spitzenkandidatur Figueroas bereits Ergebnis der partiepolitischen Pakte in Sicht auf eine möglicherweise (zurück)kommende sozialdemokratische regierung gewesen sei…

  • “Seltsame Genossen”
    Christian Cuevas ist der Vorsitzende der Föderation der Kupfergewerkschaften – Confederación de Trabajadores del Cobre – des wichtigsten Bestandteils der chilenischen Gewerkschaftsbewegung und insbesondere der CUT. Den Wahlsieg der Kommunistin Bárbara Figueroa bei der CUT-Vorsitzendenwahl begrüsst er, der als langer politischer Kritiker des unterlegenen bisherigen sozialdemokratischen Vorsitzenden Martinez profiliert war und ist. Um eine Erneuerung der CUT zu erreichen, müsse aber erst noch Glaubwürdigkeit gewonnen werden – etwa durch die Aufklärung der Allianzen, die bisher stets auch mit Makeln behaftet waren, wie faktisch inexistente Gewerkschaften usw. Das Interview “Todos saben que el proceso no pasó la prueba de blancura” externer Link am 15. Septembber 2012 beim Correo de los Trabajadores.
  • »Die Regierung unter Druck gesetzt«
    Erstmals steht eine Frau an der Spitze des chilenischen Gewerkschaftsbundes CUT. Lage der Arbeiter in dem südamerikanischen Land ist prekär. Ein Interview von Marinela Potor, Santiago, mit Bárbara Figueroa in der jungen Welt vom 15.09.2012 externer Link. Bárbara Figueroa wurde 1979 geboren. Sie studierte Pädagogik und Psychologie und engagiert sich seit zehn Jahren in der Lehrergewerkschaft Colegio de Profesores. Die Kommunistin wurde am 7. September zur neuen Vorsitzenden des Gewerkschaftsbundes CUT gewählt.
  • Neuer CUT Vorstand: KP gewinnt Listenwahl
    Bei der Vorstandswahl des chilenischen Gewerkschaftsdachverbandes (CUT) hat die von den Kommunisten Bárbara Figueroa und Cristián Cuevas geführte Liste einen knappen Sieg errungen” – so beginnt der Bericht “Historischer Wechsel bei Gewerkschaften” externer Link von Malte Daniljuk am 27. August 2012 bei amerika21.de