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Reisenotizen aus Chile (Teil 2): Ein erfolgreicher Kampf um „den Platz“ (der Würde) in Santiago – und wachsende Versammlungen im ganzen Land

Chile: Plaza Dignidad im Dezember 2019„… Nach der Großdemonstration am Freitag, 13. 12. kündigte der Intendent der Hauptstadt Santiago an, auf dem Patz der Würde (früher Plaza Italia) keine Demonstrationen mehr zuzulassen. Am Donnerstag wurde der Platz mit Gittern abgesperrt und von berittenen Carabineros kontrolliert. Für den Freitag, 20. 12. stellte der Intendant Felipe Guevara ab dem frühen Nachmittag 1000 Carabineros bereit, die die Demonstrant*innen von dem Platz fernhalten sollten. Aber die Jugendlichen der Primera Línea, der Ersten Reihe, die seit über zwei Monaten mit unglaublichem Mut das Demonstrationsrecht durchsetzen, haben es gegen diesen Riesenapparat und die Wasserwerfer geschafft, die Gitter abzuräumen und wieder auf den Platz zu kommen. Die unsägliche Staatsgewalt forderte an diesem Tag wieder viele Opfer durch Gummigeschosse und Gasgranaten, die von den Pacos, wie die Carabineros hier abschätzig genannt werden, immer wieder aus kürzester Distanz und in Kopfhöhe auf die Demonstrant*innen abgefeuert werden…“ – so beginnt das „Update aus Santiago“ der zweite Teil der Reisenotizen aus Chile von Alix Arnold vom 22. Dezember 2019 – wir danken! Siehe den aktuellen zweiten Bericht – und den Hinweis auf den ersten Teil dieser Reisenotizen

Update zur Lage in Santiago de Chile

Chile: Plaza Dignidad im Dezember 2019Nach der Großdemonstration am Freitag, 13. 12. kündigte der Intendent der Hauptstadt Santiago an, auf dem Patz der Würde (früher Plaza Italia) keine Demonstrationen mehr zuzulassen. Am Donnerstag wurde der Platz mit Gittern abgesperrt und von berittenen Carabineros kontrolliert. Für den Freitag, 20. 12. stellte der Intendent Felipe Guevara ab dem frühen Nachmittag 1000 Carabineros bereit, die die Demonstrant*innen von dem Platz fernhalten sollten. Aber die Jugendlichen der Primera Línea, der Ersten Reihe, die seit über zwei Monaten mit unglaublichem Mut das Demonstrationsrecht durchsetzen, haben es gegen diesen Riesenapparat und die Wasserwerfer geschafft, die Gitter abzuräumen und wieder auf den Platz zu kommen. Die unsägliche Staatsgewalt forderte an diesem Tag wieder viele Opfer durch Gummigeschosse und Gasgranaten, die von den Pacos, wie die Carabineros hier abschätzig genannt werden, immer wieder aus kürzester Distanz und in Kopfhöhe auf die Demonstrant*innen abgefeuert werden. Der Jugendliche Óscar Pérez wurde von einem gepanzerten Polizeifahrzeug angefahren und gegen ein anderes Fahrzeug gequetscht. Beide Fahrzeuge fuhren ohne Nummernschilder. (https://twitter.com/PiensaPrensa/status/1208159490056638465 externer Link)

„Das haben sie absichtlich getan“ meinte Óscar, nachdem er geborgen wurde. Er liegt schwerverletzt im Krankenhaus, mit mehrfachem Hüftbruch und inneren Verletzungen. Obwohl der Fahrer des Polizeifahrzeugs Vorstrafen wegen Körperverletzung hat, bleibt er auf freiem Fuß (https://taz.de/Polizeigewalt-bei-Protesten-in-Chile/!5652044/ externer Link)

Matapacos - Maskottchen der Protestbewegung in Chile im Dezember 2019An anderer Stelle war auch Negro Matapacos wieder dabei, der berühmteste Hund Chiles mit dem Namen „Schwarzer Bullenkiller“, der mit seinem roten Halstuch an den Studi-Protesten 2010/2011 immer in vorderster Reihe beteiligt war. (Siehe das Foto rechts, es gibt sogar einen deutschen Wikipedia-Eintrag über ihn: https://de.wikipedia.org/wiki/Negro_Matapacos externer Link ). Ihm sind unzählige Graffitis, Kunstwerke, Comics und zurzeit eine Ausstellung gewidmet. Seine Statue in der Nähe der Plaza de la Dignidad wurde Ende November durch Brandstiftung zerstört (vermutlich von den Pacos). Nun ist er als Statue aus Metall wieder auf der Straße. Diese Bewegung hat keine Führungsfiguren, aber mit Matapacos ein allseits beliebtes Maskottchen.

Mindestens so wichtig wie die Schlachten um Plätze und Symbole sind die Versammlungen, die Diskussionen, die in den Asambleas und Cabildos Abiertos stattfinden (siehe den Beitrag von Sophia Boddenberg auf Spiegel Online und hier auf LabourNet) und die breite Organisierung für eine andere Gesellschaft. „Jeden Tag kommen mehr Leute zu dieser gesellschaftlichen Mobilisierung hinzu“, schrieb ein Compañero aus Santiago vor ein paar Tagen. „Wir wissen das, auch wenn Medien und Politiker versuchen, es zu verschweigen.“

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=159882
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