Soziale Konflikte

Protest gegen Eisenmine in der TürkeiVor allem im letzten Jahrzehnt sind in der Türkei ganze Landstriche von der Landkarte gelöscht worden. Berge, Bäche, Flüsse, Wälder,… müssen der Profitgier weichen. Allein für die Errichtung der 3. Megabrücke und des 3. Flughafens in Istanbul wurden u.a. 3 Millionen Bäume gefällt/zerstört. Die Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen muss auch ein Dorf in Ostanatolien, das Dorf Dedeyazi im Landkreis Dogansehir (Provinz Malatya), seit Jahren erdulden. Seit 2003 wird in unmittelbarer Nähe des Dorfes eine Eisen-Mine betrieben. Durch die Proteste der Bevölkerung wurde der Betrieb 2012 vorerst eingestellt. (…). Daher verwundert es sehr, dass der gleichen Firma durch das Generaldirektion für Minen eine vorübergehende Erlaubnis erteilt wurde“ – so beginnt der Solidaritätsaufruf „SOFORTIGE STILLLEGUNG DER EISEN-MINE IM DORF DEDEYAZI“ der Initiative zur Solidarität mit den Einwohnern des Dorfes Dedeyazi am 18. Januar 2018 bei der Internationalen Bergarbeiter-Koordination externer Link, in dem auch zahlreiche Adressen für Solidaritäts- und Protestmails angegeben werden.

Plakat für das Arbeiterforum in Istanbul am 4.9.2016Am 4. September wird in Istanbul ein Arbeiterforum stattfinden, das zum politischen Ziel hat, zur Entstehung einer Bewegung beizutragen, die sich dagegen wehrt, dass die Auseinandersetzungen innerhalb der herrschenden Klasse der Türkei dazu ausgenutzt werden, die Ausbeutung in den Betrieben der Türkei weiter zu verschärfen. Unternehmerverbände in der Türkei fordern weitere „Strukturreformen“ – und dies vor dem Hintergrund von Lohnsenkung und Arbeitszeitausdehnung, von einem regelrechten Massaker statt Arbeitssicherheit und permanentem Angriff auf Gewerkschaftsrechte. Die Organisation dieses Forums wird durch eine ganze Reihe von Gewerkschaften aus verschiedenen Ländern unterstützt. Siehe dazu den (englischen) Aufruf und Videobotschaften mehrerer Gewerkschaften: (weiterlesen »)

Zum Frauentag in Istanbul: Demo trotz Verbot (6. März 2016, sendika.org)Vom 5. bis 8. März sollte in verschiedenen Städten in der Türkei eine Aktionswoche für weibliche Selbstbestimmung und gegen – die immer noch verbreiteten – Frauenmorde stattfinden. “Aus Sicherheitsgründen” wurden die Kundgebungen und Demonstrationen weitgehend verboten, Frauen gingen und gehen trotzdem auf die Straße. Da solche Widerspenstigkeit zum Erdoganschen Frauenbild nicht passt, wird entsprechend repressiv vorgegangen: Schon Plakate klebende Frauen im Vorfeld der Aktionen sollen mit Gummigeschossen beschossen worden sein. Am Sonntag, 6. März, in Istanbul ging die Polizei gewaltsam – mit Tränengas und wiederum mit Gummigeschossen – gegen die versammelten Frauen vor, es kam zu Verletzungen und Verhaftungen. Immer wieder mussten Frauen sich von Polizisten anhören, sie sollten nicht so einen Lärm machen – und für die Auseinandersetzung mit der Polizei besser ihre Männer schicken. Geholfen hat das Vorgehen nicht: Am Ende musste die Polizei doch eine Barrikade öffnen und die Frauen ziehen lassen. Siehe dazu:

  • Update: Frauentag in der Türkei – landesweite Aktionen trotzen Verboten
    Trotz Verboten versammelten sich landesweit Frauen auch am 8. März zu Kundgebungen und Demonstrationen. Die größte Demonstration fand am Abend in Istanbul statt: mehrere tausend Teilnehmerinnen fande sich – im 14. Jahr infolge – zur Frauentags-Nachtdemo zusammen. Die Polizei war zwar anwesend, griff aber – anders als noch am Sonntag – nicht ein. Männergewalt, Gleichberechtigung – und der Widerstand in den kurdischen Gebieten waren die beherrschenden Themen. Siehe zu dieser Aktion und denen in anderen Städten den Bericht “Women paint the town purple in 8 March events around Turkey” vom 9. März 2016 bei sendika.org/ LabourNet Türkei externer Link. Staatstragende 8. März-Veranstaltungen gibt es in der Türkei übrigens auch – Platz für Erdogan und sein Frauenbild: Der ließ sich damit zitieren, dass Frauen für ihn in erster Linie Mütter, Abtreibung Mord und Verhütung ein Komplott der westlichen Welt zur Schwächung der Türkei seien.

Unsere Materialsammlung vom 7. März 2016: (weiterlesen »)

Türkei: Protest gegen geplante Goldmine in Cerattepe/ Artvin (Februar 2016)Seit dem Abend des 15. Februar 2016 blockieren Anwohner*innen die Zufahrt nach Cerattepe, dem Gebiet in der türkischen Provinz Artvin am Schwarzen Meer, wo die Cengiz Holding Platz für eine Goldmine haben möchte. Firmenvertreter rückten am 16.2. unter Polizeischutz an, konnten aber wegen des gut organisierten lokalen Protests nicht bis in das Gebiet vordringen. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas und Gummigeschosse ein. Auch heute stehen die Blockaden, kam es zu Verhaftungen. Protest gibt es nicht nur vor Ort, sondern auch in anderen Städten in der Türkei – darunter in Istanbul vor dem Firmensitz der Cengiz Holding. Siehe dazu den Bericht “Locals resist against police, ecological destruction in Artvin” vom 17. Februar 2016 bei sendika.org externer Link/ LabourNet Türkei

Nach dem neuesten Mord: Frauen in der Türkei rebellierenViele sind in Schwarz gekommen. Sie stehen stumm im Regen in der Istanbuler Innenstadt und halten Transparente mit dem Bild der getöteten Studentin Özgecan Aslan hoch. Seit Freitag protestieren in der Türkei Menschen gegen Gewalt gegen Frauen. Manchmal Hunderte, wie am Montagabend in Istanbul, oder Tausende, wie in der südtürkischen Provinz Mersin, aus der die junge Frau stammt. Die Brutalität des Mordes hat die Menschen im ganzen Land aufgeschreckt und erneut eine Diskussion über die Lage der Frauen in der Türkei ausgelöst, was an eine ähnliche Debatte in Indien erinnert“ – aus dem Beitrag „Frauenrechtsorganisation: Türkische Politik mischt sich in unser Leben ein, tut aber zu wenig“ am 18. Februar 2015 in den Deutsch-Türkischen Nachrichten externer Link, worin nicht nur berichtet wird, dass in der Türkei beinahe jeden Tag eine Frau durch sexistische Gewalt getötet wird, sondern auch, dass ein Teil des Problems es sei, dass etwa Vertreter der AKP sich immer wieder sexistisch äussern. Siehe dazu Hintergründe und Erklärungen:

  • Frauenrebellion in der Türkei: Keine Ruhe geben
    Soli-Protest in Istanbul: Männer in MiniröckenDie Proteste, die durch den Mord an der jungen Studentin Özgecan Aslan ausgelöst wurden, dauern inzwischen fünf Tage an – ein Ende ist nicht in Sicht. Anders als vergleichbare Fälle in der Vergangenheit hat dieser Mord große Teile der türkischen Gesellschaft aufgewühlt. In allen Medien ist das Thema präsent, es vergeht kein Tag in dem über den Fall und andere Beispiele von sexistischer Gewalt berichtet wird. Talkshow-ModeratorInnen und NachrichtensprecherInnen kleiden sich aus Trauer in Schwarz. FahrerInnen von Dolmuş (ein Art Sammeltaxi) hängen an ihren Fahrzeugen schwarze Schleifen in Gedenken an Aslan, die vom einem Dolmuş-Fahrer ermordet wurde“ so beginnt der Artikel „FeministInnen auf der Straße und auf Twitter“ von Ismail Küpeli am 18. Februar 2015 in neues deutschland externer Link, worin eben auch die Einsätze von twitter bei der Organisierung und Verbreitung von Protest berichtet werden. Siehe dazu auch

    • Protest in Istanbul: Männer in Miniröcken
      Nach dem Mord an einer Studentin haben in der Türkei nicht nur Frauen gegen Gewalt protestiert: Männer zogen in Miniröcken durch die Innenstadt von Istanbul. (…) In islamisch-konservativen Kreisen wird Frauen vorgeworfen, dass sie durch Tragen aufreizender Kleidung für die Gewalttaten mitverantwortlich seien. Für die Demo zogen sich die protestierenden Männer deshalb Röcke an. Viele hatten auf Twitter Bilder von sich im Minirock veröffentlicht – unter dem Hashtag #ozgecanicinminietekgiy.Meldung vom 22.02.2015 bei Spon externer Link

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Prozess gegen Fanverein

35 Mitglieder des Beşiktaş-Fanclub „Carsi“ werden wegen „versuchten Umsturzes der Regierung“ angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Fans vor, sie hätten die Demonstrationen zum Schutz des Istanbuler Gezi-Parkes nur als Vorwand genutzt. In Wahrheit sei es ihnen darum gegangen, Chaos zu stiften und die Regierung zu stürzen“ – aus der Meldung Beşiktaş Istanbul: „Carsi“-Mitgliedern droht wegen Gezi-Protesten lebenslange Haft externer Link am 12. September 2014 bei den Deutsch Türkischen Nachrichten

geziMücella Yapıcı ist Vorsitzende der Istanbuler Architektenkammer und eine der fünf Hauptangeklagten im Prozess gegen die Mitglieder der Taksim-Solidarität. Der Dachverband von über 100 Bürgerinitiativen gehörte zu den Hauptakteuren bei den Protesten rund um den Istanbuler Gezi-Park im vergangenen Jahr. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten die Bildung einer »kriminellen Vereinigung« vor. Im Falle einer Verurteilung drohen einigen der insgesamt 26 Angeklagten bis zu 13 Jahre Haft. Im Sommer 2013 hatten sie gegen die Zerstörung des Parks zugunsten der Errichtung eines Einkaufszentrums demonstriert“ – so beginnt der Artikel »Wir verteidigen die Gezi-Park-Bewegung« externer Link von Dinah Riese am 14. Juni 2014 in neues Deutschland

Bis zu 98 Jahre Haft fordert die Staatsanwaltschaft im südtürkischen Antalya für Ayşe Deniz Karacagil. Die Vorwürfe sind üppig: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Sachbeschädigung, Verstoß gegen das Versammlungsrecht. Weniger üppig sind die Beweise. In der Anklageschrift, die der taz vorliegt, wird der 20-Jährigen vorgeworfen, sie habe bei den Gezi-Protesten im Sommer vorigen Jahres einen roten Schal getragen und sich damit vermummt. Im Übrigen sei Rot die Farbe des Sozialismus, mithin Beleg ihrer Zugehörigkeit zur verbotenen maoistischen Organisation MLKP“ – so beginnt der Artikel Roter Schal? 98 Jahre Knast! externer Link von Deniz Yücel am 04. Juni 2014 in der taz – über einen von insgesamt sage und schreibe 350 Prozessen gegen Gezi-AktivistInnen in Antalya

Zu Besuch im Gecekondu

Schon bei der Anreise zeigt sich, wie beschissen die Stadtplanung hier läuft. Gebaut wird grundsätzlich nur, was Geld einspielt, deshalb ist der öffentliche Verkehr ungefähr so unterentwickelt wie am Nordpol. Die Busse stehen ständig im Stau, wir brauchen drei Stunden vom Taksim-Platz, auch wenn wir nur eine Strecke zurücklegen, die wir ohne Stau in 40 Minuten locker bewältigen würden“ – aus dem Reisebericht Rebel Gecekondus externer Link von Peter Schaber-Nack am 25. Januar 2014 im lowerclass magazin

Symposium Gezipark

Das Roar Magazin hat am 06. Januar 2014 eine 20 teilige Serie von Beiträgen zu den Protesten rund um Gezipark veröffentlicht Reflections on the Gezi Uprising externer Link von Autoren, die zum grössten Teil an den Protesten teilgenommen haben – auf jeden Fall lesenswert

Istanbul – Verdrängung brutal” externer Link heißt der Vortrag von Imre Azem und Dennis Kupfer, der seit dem 17. Oktober 2013 bei Youtube als Video zu sehen ist, mit folgender einleitender Bemerkung: “Der Bausektor in der Türkei wurde von der Regierung zum gewichtigsten Wirtschaftszweig entwickelt, inzwischen arbeiten darin 15% aller Erwerbstätigen”

Sowohl in Istanbul, als auch in Ankara (und nach erneuten Polizeiattacken durch Solidaritätsdemonstrationen auch in mehreren anderen Städten) gab es am vergangenen Wochenende erneute massive Proteste gegen die Regierungspolitik – beide Male heisst der Anlaß Wald, den es in beiden Großstädten nicht mehr häufig gibt. Und der jeweils für Regierungsprojekte geopfert werden soll. (weiterlesen »)

Am vergangenen Samstag nahmen Tausende von Istanbuler BürgerInnen an der Protestaktion der Taksim Solidarity teil, die den Protest gegen die Rodung des Gezi Park in der Stadtmitte – eine der wenigen verbliebenen öffentlichen Plätze – zugunsten eines (weiteren) Shopping Centers organisiert. Das Komitee besteht aus sozialen Organisationen, Gewerkschaften, alternativen Stadtplanern und Architekten und will schlicht die Weiterexistenz des Parks sichern, wird in dem Beitrag “İstanbullular, Gezi Parkı için “ayağa kalktı”externer Link am 14. April 2013 bei sendika.org unterstrichen