Geschichte

AK-Distomo-03“Der Kassationsgerichtshof in Rom hat in einer am 3. September veröffentlichten Entscheidung, auf die der AK Distomo nun aufmerksam macht, indirekt über Entschädigungsforderungen gegen den deutschen Staat für das Massaker im griechischen Distomo verhandelt. Konkret ging es um die Rechtmäßigkeit von Pfändung von Forderungen der Deutschen Bahn an die italienische Bahn. In Distomo haben SS-Männer am 10. Juni 1944 218 Menschen aus der Zivilbevölkerung ermordet, darunter auch Kinder. Die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer haben bis heute keine Entschädigung vom deutschen Staat erhalten, obwohl das Landgericht Livadia diesen 1997 zur Zahlung von 28 Millionen Euro plus Zinsen verurteilt hatte. Rechtsanwalt Dr. Lau erklärt nun in einer Pressemitteilung des AK Distomo: “Nunmehr hat der Suprema Corte di Cassazione in Zivilsachen nochmals die Vollstreckbarkeit solcher Urteile bestätigt, so dass die Vollstreckung gegen die Deutsche Bahn fortgesetzt werden kann.” Wir haben über das Urteil mit Martin Klingner vom AK Distomo gesprochen. Der AK fordert weiterhin: Deutschland muss endlich seine Schulden bezahlen!” Gespräch mit Martin Klingner vom 13. September 2019 bei Radio Dreyeckland externer Link (Audiolänge: 3:32 Min.), siehe dazu auch die Pressemitteilung des AK-Distomo: (weiterlesen »)

(Internationale) Demonstration gegen Rassismus und Faschismus in Griechenland am 19.1.2013„… Die Ankündigung der Hanauer Hafentor-Feier im August  hat mich aus heiterem Himmel, bei über 37 Grad Arbeitstemperatur zwischen Sparti und Monemvasia getroffen wie ein Blitz. Und mich aus der Arbeit an der Widerstandsbiographie einer Gruppe von ELAM-Partisanen aus Geraki, Kremasti, Kosmas, Molaion, Scala/Elos, Niata, Metamorphoso und Githeon herausgerissen, sowie aus den Recherchen zu Wilhelm Pfannmüllers Griechenland-Einsatz im Strafbataillon 999 der Nazi-Wehrmacht zusammen mit Wolfgang Abendroth.  Ich musste die Weiterarbeit an der Geschichte eines Dorfes am lakonischen Golf, das „Lakonische Lächeln“ unterbrechen und auch die Arbeit an meinem griechisch-deutsch-türkischen Kinderbuch „Wie der kleine Elefant mit dem großen Kamel Mondball spielt“ am Fuß des Parnon am Kourkoula über dem Golf von Lakonien. Das Kinderbuch sollte Ende July fertig sein.  Deshalb macht mich dieses drohende Hafentor-Fest in Hanau doppelt wütend… Aber man muss diesen Herrschaften, den Jugend-Ver-Führern in die Arme fallen und ihnen, den angeblichen Rattenfängern, den Rekrutierern für die Kinderkreuzzüge nicht auf den Leim gehen...“ – aus dem Beitrag „Störe mein Schreiben nicht!“ von Hartmut Barth-Engelbart am 28. Juli 2019 auf seiner Webseite externer Link zum Thema “politische Schreibhemmung”…

AK-Distomo-03Am 10. Juni 2019 jährte sich das Massaker in Distomo zum 75. Mal. Dies war Anlass für uns mit einer größeren Gruppe aus Hamburg, insgesamt 11 Personen, nach Distomo zu fahren, um am Gedenken teilzunehmen und um erneut für die Entschädigungsforderungen der Opfer und Hinterbliebenen der Ermordeten einzutreten. (…) Wie weiter? Anfang Juni hat die griechische Regierung eine Verbalnote an Deutschland übermittelt und die Bundesregierung aufgefordert, Verhandlungen über Reparationen aus dem II. Weltkrieg zu führen. Der Bericht eines griechischen Parlamentsauschuss beziffert die Repartionshöhe auf 270 Milliarden Euro. Dieser war Grundlage eines Parlamentsbeschluss, auch mit den Stimmen der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND), die heute die Regierung in Griechenland stellt, der die Zahlung der Reparationen von Deutschland an Griechenland fordert. Auch wenn von deutscher Seite alle Anliegen kategorisch abgelehnt werden, sind die Verbrechen und das bis heute andauernde Unrecht in der Öffentlichkeit thematisiert worden. Wir werden diese Öffentlichkeit nutzen, um weiterhin unsere Forderungen für Entschädigungen und Reparationen zu stellen.Bericht (mit Bildern) der AK Distomo Hamburg vom Juli 2019 externer Link auf der Seite des AK bei Nadir externer Link (weiterlesen »)

Dossier

Gedenkkundgebung in KesarianiBundesregierung muss Zwangsanleihe an Griechenland zurückzahlen. “„Die Bundesregierung ignoriert ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags, dem zufolge Griechenland immer noch Ansprüche auf die Rückzahlung von Kriegsschulden erheben könnte“ (…) „Deutschland hat Griechenland während des Zweiten Weltkriegs mehrere Milliarden Euro geraubt und bis heute nichts davon zurückgegeben. Allein der Wert der dem Land 1942 auferlegten Zwangsanleihe beträgt nach heutigem Stand zwischen 3,5 und 75 Milliarden Euro. Die Bundesregierung hingegen verweist darauf, dass Deutschland in den 1960er Jahren einmalig 115 Millionen DM gezahlt habe. Alle weiteren Forderungen erklärt sie jetzt erneut für unberechtigt. Dabei ist die Position, Griechenland habe sich mit der deutschen Entschädigungsverweigerung längst abgefunden, äußerst wacklig…” Meldung vom 20.02.2014 von und bei Ulla Jelpke externer Link. Siehe dazu:

  • »Eine Schlussstrich-Politik kann es nicht geben.« Gutachten des Bundestags zweifelt deutsches Nein zu Reparationsforderungen aus Griechenland an New (weiterlesen »)

th_athen_demo_17.11.2018Ältere mögen sich noch daran erinnern, dass im November 1973 zahlreiche Proteste vor griechischer Botschaft und Konsulatenauch in der BRD stattfanden: Aus Solidarität mit den Studierenden der Technischen Universität Athen, deren Protest das Regime von Pattakos&Co mit mörderischer Repression begegneten. Dennoch konnten sie den Lauf der Dinge, der damit eingeleitet wurde, nicht stoppen – es war „der Anfang vom Ende“ der Obristenherrschaft. Zum 45. Jahrestag dieses Ereignisses gab es, wie in jedem Jahr, eine Gedenkdemonstration, an der sich nach verschiedenen Angaben rund 12.000 Menschen beteiligten. Zuvor war die Technische Universität bereits besetzt worden – aus dieser Lage ergab sich eine stundenlange Konfrontation mit der Polizei, die mit massivem Einsatz versuchte, weitergehenden Protest zu unterbinden – was aufgrund organisierter Gegenwehr bestenfalls unvollständig gelang. Im Echo auf diese Auseinandersetzungen gab es einmal mehr die Behauptung, dies seien Provokationen gewesen – gerade in Zusammenhang mit diesem Gedenktag insofern reichlich haarsträubend, da es 1973 schon Kräfte gegeben hatte, die im Protest der Studierenden eine Provokation sehen wollten. Zu den Auseinandersetzungen in Athen drei aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Syriza and social movementsEine Bürgerrechtsanwältin wurde bei Tumulten von einem Phosphorgeschoss lebensgefährlich verletzt. Anarchisten bejubeln den “Treffer”. Das Land ist geschockt Alljährlich zum 17. November finden in Griechenland Gedenkveranstaltungen zum gewaltsam niedergeschlagenen Studentenaufstand von 1973 statt. Dieses Jahr ließ das anfänglich gemeinsame Gedenken der Griechen an die Möglichkeit, einem Militärregime mit zivilem Ungehorsam Paroli zu bieten, ein in vieler Hinsicht zerrissenes Land zurück. Eine bei den Demonstrationen von anarchistischen oder autonomen Demonstranten durch Beschuss mit einer nautischen Leuchtrakete schwer verletzte Rechtsanwältin ringt immer noch um ihr Leben. (…) Am 17. November 1973 hatte das Militär mit Panzern das Athener Polytechnikum gestürmt. In und um die Hochschule herum wurden Studenten und Sympathisanten gejagt, festgenommen oder ermordet. Die damalige Militärjunta von Georgios Papadopoulos wurde am 25. November von seinem Obristenkollegen Dimitrios Ioannidis weggeputscht. Ioannidis selbst versuchte danach auf der seinerzeit vereinten Inselrepublik Zypern mit Wohlwollen der USA einen weiteren Putsch zu initiieren“ – so beginnt der Beitrag „Griechenland: Nach dem Gedenktag ist “nichts mehr so, wie es war” „ von Wassilis Aswestopoulos am 21. November 2017 bei telepolis externer Link, worin die verschiedenen Reaktionen der diversen politischen Strömungen im Land ausführluich berichtet werden. Siehe dazu auch den Verweis auf unseren ersten Beitrag zur diesjährigen Gedenkdemonstration in Athen: (weiterlesen »)

Syriza and social movementsTausende Menschen haben am Freitag in Griechenland mit Demonstrationen an den von der damaligen Militärdiktatur blutig niedergeschlagenen Studentenaufstand vom 17. November 1973 erinnert. Allein in der Hauptstadt Athen marschierten am 44. Jahrestags des Aufstands gegen die sogenannte Obristenjunta (1967-1974) nach Schätzungen der Veranstalter mehr als 10.000 Menschen durch das Zentrum. Die Polizei hatte aus Angst vor Ausschreitungen starke Einheiten zusammengezogen, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Tatsächlich kam es am Abend nach der Demonstration zu Auseinandersetzungen. Hunderte vermummte Autonome gerieten im Stadtteil Exarchia wiederholt mit der Polizei aneinander“ – aus der Meldung „Tausende gedenken des Aufstands gegen die Militärdiktatur“ am 18. November 2017 in neues deutschland externer Link, die offensichtlich nicht bis zu jenem Zeitpunkt reicht, da die Polizei alle anwesenden VertreterInnen der Medien „entfernte“ und somit auch die Frage ausklammert „warum wohl?“ Siehe dazu auch zwei aktuelle Beiträge zum Ende der Demonstration: (weiterlesen »)

[Berlin, 22.1.16] Der Fall Distomo: Vortrag und Gespräch mit Argyris StountourisAm 10. Juni 2017 öffnet die 14. documenta in Kassel ihre Pforten. Begonnen hat sie am 8. April in Athen. Das Motto dieser weltweit größten Ausstellung zeitgenössischer Kunst lautet ”Von Athen lernen”. Doch was heißt das? Der künstlerische Leiter der documenta, Adam Szymczyk, will von Athen lernen, weil es die ”globale Situation und die ökonomischen, politischen, sozialen Dilemmata Europas verkörpert”. Diese ”Dilemmata” haben eine Geschichte, die sich bis heute fortsetzt. Der 10. Juni ist in Griechenland der wichtigste Gedenktag an die Opfer der Naziherrschaft. Für uns – dem AK Distomo aus Hamburg, der Gruppe ”Deutschlands unbeglichene Schulden” aus Berlin und der Kassler Griechenland-Solidaritätsgruppe – ist dieser Tag Anlass zu kulturpolitischer Intervention am Tag der Eröffnung der documenta in Kassel. Am 9. und 10. Juni werden wir in Kassel eine Veranstaltung und eine Kundgebung machen…” Aus der Ankündigung des AK-Distomo externer Link in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), Kreisvereinigung Kassel. Siehe Programmtermine und einen Spendenaufruf für Veranstaltung und Kundgebung in Kassel: (weiterlesen »)

“Am 21. April 1967 etablierte sich durch einen Putsch von drei Obristen die Militärdiktatur in Griechenland. Diesen gewaltsamen Angriff gegen die Demokratie bezeichneten die drei “Retter der Nation” als “Revolution”…” Video von Ioanna Kryona mit deutschen Untertiteln veröffentlicht am 17, November 2016 bei der Griechenlandsolidarität externer Link (Dauer: 9:29 Min.)

AK-Distomo-03In der Zeit vom 4. bis 12. Juni 2016 wird der AK Distomo nach Griechenland reisen, um für die Entschädigungsforderungen aller griechischen NS-Opfer gegenüber Deutschland einzutreten. Am 10. Juni 1944 wurden in der griechischen Ortschaft Distomo 218 Dorfbewohner_innen von einer SS-Polizeieinheit regelrecht abgeschlachtet. Eine strafrechtliche Verfolgung der Mordaktion gab es nie. Deutschland schuldet den Opfern und Überlebenden Entschädigung für die während der Besatzung begangenen NS-Massaker, denen mindestens 30.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Es wurde gemordet, ganze Ortschaften wurden zerstört und tausende von Existenzen vernichtet. Für diese Verbrechen wurde an die Überlebenden und die Angehörigen der Ermordeten bis zum heutigen Tag kein Cent Entschädigung gezahlt. Der AK Distomo wird auch dieses Jahr an den Gedenkfeierlichkeiten zum 72. Jahrestag des Massakers von Distomo teilnehmen. Die Entschädigungssumme von umgerechnet 28 Millionen Euro, die seit dem Urteil des höchsten griechischen Gerichts, dem Areopag, aus dem Jahre 2000 rechtskräftig ist, ist bis zum heutigen Tage von der Bundesrepublik Deutschland nicht beglichen worden. Der AK Distomo fördert die sofortige Zahlung an die Überlebenden und Angehörigen des Massakers von Distomo. Deutschland weigert sich auch, Forderungen der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki zu erfüllen“ – so beginnt die Erklärung „AK Distomo beteiligt sich an den Gedenkfeiern zum 72. Jahrestag des Massakers von Distomo am 10. Juni 2016“ am 03. Juni 2016 beim AK Distomo externer Link, worin auch die verschiedenen Maßnahmen der Bundesregierung kritisiert werden, die diese unternimmt, um Aktivität vorzutäuschen

[Berlin, 22.1.16] Der Fall Distomo: Vortrag und Gespräch mit Argyris Stountouris Am Freitag, den 22. Januar haben wir die Möglichkeit mit Argyris Sfountouris auf einer Veranstaltung im Berliner DGB Haus zu diskutieren. Argyris Sfountouris ist Überlebender des Massakers der Waffen-SS in Distomo/Griechenland 1944. Er wollte und konnte sich mit dieser Leugnung des Verbrechens und der Haltung Deutschlands in der Entschädigungsfrage nicht abfinden. Er und seine drei Schwestern klagten in Deutschland und in Griechenland auf Entschädigungen die ihnen bis heute verweigert werden. Mit seinem Buch „Trauer um Deutschland“ stellt er das deutsche „Erinnern an die NS-Verbrechen“ in Frage. Die Fragen der Entschädigungsansprüche Griechenlands sind auf dem Hintergrund des Drucks, der gerade auch von der deutschen Regierung auf Griechenland ausgeübt wird, von besonderer Bedeutung. Wir laden dich herzlich ein zu der Veranstaltung am 22. Januar um 19 Uhr ins DGB Haus in der Keithstraße 1-3, nahe am U- Bahnhof Wittenbergplatz.Einladung zum 22. Janaur 2016 beim Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Verwaltungsstelle Berlin externer Link

Artikel aus der Zeitung gegen den Krieg, Nr. 39, Ostern 2015

Zeitung gegen den KriegDass Deutschland im Zweiten Weltkrieg in Griechenland in großem Maßstab Kriegsverbrechen begangen und dafür nie wirklich Wiedergutmachung leistete, ist weitgehend bekannt. Dennoch ist es wichtig, sich die konkrete Geschichte immer neu zu vergegenwärtigen. 520.000 Menschen oder 7,5 Prozent der gesamten griechischen Bevölkerung wurden in den Jahren 1941 bis 1944 Opfer der NS-Besatzung. Dass deutsche Regierungen in Bonn und Berlin auch nach dem Zweiten Weltkrieg eine Politik fortsetzten, die in Griechenland enormen Schaden anrichtete, zeigen vier Beispiele. (weiterlesen »)

  • AK-Distomo-0370. Jahrestag des Massakers von Distomo
    Der AK-Distomo aus Hamburg nimmt auch dieses Jahr an den Gedenkfeiern zur Erinnerung an das Massaker vom 10. Juni 1944 teil. An diesem Tag überfiel eine Einheit der SS das griechische Dorf Distomo und ermordete 218 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Täter wurden nie bestraft. Die Opfer und ihre Angehörigen erhielten von dem deutschen Staat keine Entschädigung…” Pressemitteilung des AK-Distomo vom 9. Juni 2014 bei der VVN-NRW externer Link

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Die deutschen Kriegsverbrechen im besetzten Griechenland gehörten in der Bundesrepublik (und nicht nur hier) über Jahrzehnte zu den am wenigsten bekannten Untaten von Wehrmacht und Waffen-SS an der Zivilbevölkerung. So schrieb noch vor 12 Jahren der Historiker Hagen Fleischer: ”Die von der internationalen Historiographie erarbeitete ‚Europa-Karte‘ des faschistischen Okkupationsterrors ist extrem nordlastig: Der Balkan und insbesondere Griechenland bilden weiße oderbestenfalls – graue Flecken und sind einer breiteren europäischen Öffentlichkeit in diesem Kontext nahezu gänzlich unbekannt.” Um es gleich vorweg zu sagen: diese verspätete Rezeption der Kriegsereignisse in Griechenland hat wenig mit der Quellenlage und mangelnden Informationsmöglichkeiten zu tun…” Artikel von Eberhard Rondholz, Berlin, aus dem Buch “Choregia, Münstersche Griechenland-Studien 10″, herausgegeben von H.-D. Blume, und Lienau, C. (Münster 2012) – wir danken!

Ganz besonders interessant im LabourNet Archiv (1997-2012)