Transportwesen: Post- und Paketdienste

Dossier

Servicepartner von DHLDie Post beschäftigt osteuropäische Speditionen, um Briefe und Pakete in Deutschland zu transportieren. Die Angestellten bekommen oft weniger als den Mindestlohn. Ein tschechischer Fahrer wehrt sich jetzt juristisch gegen die Bezahlung. Seine Klage könnte einen Präzedenzfall für Tausende Mitarbeiter  schaffen. Denn nach Schätzungen sind rund die Hälfte Fahrer bei sogenannten “Servicepartnern” der Post beschäftigt. (…) Bislang weist die Deutsche Post die Verantwortung für solche Niedriglöhne von sich. Sie überlässt es offenbar den ausländischen Subunternehmen, ihre Fahrer ordentlich zu bezahlen. (…) Die Löhne der Fahrer aus Osteuropa bewegten sich meist zwischen 400 und 600 Euro im Monat, sagt die Stuttgarter Beraterin Stanislava Rupp-Bulling vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Polnische Firmen zahlten etwas mehr, bulgarische etwas weniger. An den deutschen Mindestlohn hielten sich die wenigsten…” Artikel von Kristiana Ludwig vom 11. November 2017 bei der Süddeutschen Zeitung online externer Link und darin zur Sonder-Entsenderichtlinie sowie neu:

Immer noch in Japan: Zu Tode arbeiten.... Foto von Coal Miki/Flikr.… Sein Tod wurde zum Politikum: Anfang Januar starb der 53-jährige Paketzusteller Don Lane in einem Krankenhaus in Südengland. Er litt an Diabetes und hatte zuvor einen Zusammenbruch erlitten – nachdem er tagelang durchgearbeitet hatte, obwohl es ihm gesundheitlich schlecht ging. Seine Frau wendet sich nun mit dem Todesfall an die Öffentlichkeit, denn sie ist der festen Überzeugung: Ihr Mann musste nicht wegen eigenen fahrlässigen Verhaltens sterben, sondern wegen des unablässigen Drucks und den unmenschlichen Arbeitsbedingungen seines Arbeitgebers. Lane arbeitete 19 Jahre lang als Kurier für den Paketdienst DPD. Fest angestellt war er dort allerdings nicht. Er wurde wie die anderen Kuriere pro ausgestelltem Paket bezahlt, war selbstständig ohne Ansprüche auf Bezahlung im Urlaubs- oder Krankheitsfall. Doch nicht nur wurde Lane nicht bezahlt, wenn er sich zu schlecht fühlte, um zu arbeiten: Der Paketdienst habe ihm auch immer wieder Strafen von 150 Pfund (rund 170 Euro) angedroht, sollte er keine Ersatz für seinen Touren finden, wie seine Frau Ruth Lane nun dem englischen „Guardian“ berichtet. (…) In England beschäftigt DPD rund 5000 Zusteller. In Deutschland sind es doppelt so viele. Hierzulande rühmt sich das Unternehmen auf seiner Website damit, 350 Millionen Pakete im Jahr zuzustellen und die Nummer zwei des Paketmarktes zu sein.” Meldung vom 5. Februar 2018 bei der Welt online externer Link

Gewerkschaftsfeinde und Betriebsratsfresser störenEine böse Überraschung erlebten 60 Brief- und Paketzusteller/innen in Mecklenburg kurz nach Weihnachten. Die Beschäftigten der Nordkurier Logistik Mecklenburgische Schweiz GmbH & Co. KG erhielten ihre Kündigung. Der Arbeitgeber teilte mit, die Gesellschaft zum 31. Januar 2018 auflösen zu wollen. Für den zuständigem ver.di-Landesfachbereichsleiter Lars-Uwe Rieck liegt der Verdacht nahe, dass die überraschende Betriebsschließung mit bevorstehenden Betriebsratswahlen zusammenhängt. Im November hatte die Belegschaft einen Wahlvorstand gewählt, damit sie in Zukunft ihre Rechte von einem Betriebsrats vertreten lassen können. Ende des Jahres folgte dann die Kündigung. (…) Bislang verweigerte die Geschäftsführung ver.di gegenüber eine Stellungnahme. Täglich stellen die Beschäftigten rund 40.000 bis 50.000 Sendungen zu. Nach ver.di-Informationen werden bereits alle Briefsendungen umfrankiert und mit der Deutschen Post AG zugestellt. ver.di fordert den Arbeitgeber auf, den Betrieb nicht zu schließen und die Kündigungen zurückzunehmen. Die Gewerkschaft will in der kommenden Woche die Kampagne „fair zustellt, statt ausgeliefert“ beim „Nordkurier“ starten…” ver.di-Meldung vom 9. Januar 2018 externer Link. Siehe dazu:

Arbeitsunrecht: Der Weihnachtsmann bestellt NICHT bei Amazon“… Es ist eine alte Weisheit, dass an Feiertagen eine Gesellschaft ihr wahres Wesen offenbart. Widersprüche, die sonst erfolgreich verdrängt werden, treten dann offen zutage. So haben etwa Ethnologen indigener Kulturen bevorzugt hohe Feste beobachtet, aber auch Goethes Beschreibung des Römischen Karnevals zählt zu den Höhepunkten seiner Italienischen Reise. Die meisten westlichen Gesellschaften zeigen an Weihnachten ihr konsumkapitalistischstes Gesicht: Sie sind weniger Kultur- als “Konsumnationen”, und das lässt sich leider auch nicht durch den Hinweis auf die gleichzeitige Konjunktur christlicher Nächstenliebe, im Schenken wie im Spenden, entkräften. Denn hinter den Kulissen und in den sozialen Zwischenräumen steht heutzutage vor allem eine Figur im Zentrum der weihnachtlichen Schenkungsorgien. Sie muss den säkularisierten, will sagen outgesourcten und prekarisierten Weihnachtsmann spielen: die Paketzustellerin und der Paketzusteller. Sie machen es im Grunde erst möglich, dass Geschenke fast wie von selbst unter unseren Tannenbäumen landen. Gerade an Weihnachten, wenn im allgemeinen Kaufrausch besonders viel bestellt wird, denken noch weniger Menschen an sie als sonst ohnehin schon, sondern vor allem daran, dass die eigenen Bestellungen rechtzeitig ankommen. Obwohl die sozioökonomische Misere der Paketboten seit Langem bekannt ist, will sich an dieser Lage kaum etwas ändern. Am Ende bestellen wir doch weiter und immer mehr bei Amazon, Zalando oder Foodora. Viele Unternehmen können es sich dabei leisten, keine oder kaum Versandgebühren zu verlangen, weil sie deren Kosten einfach nach unten weiterreichen…” Artikel von Tom Wohlfarth vom 17. Dezember 2017 bei der Zeit online externer Link

Servicepartner von DHL“Paketboten vieler Anbieter klagen über schlechte Löhne und etliche Überstunden. Tausende sind betroffen – auch, weil sie in undurchsichtigen Beschäftigungsverhältnissen bei Subunternehmern der Lieferdienste hängen. Der Anbieter Hermes gibt der “Null-Versandkosten-Mentalität” der Kunden eine Mitschuld. (…) Bei DPD sind 10 000 Zusteller für knapp 1000 Subunternehmen unterwegs, eigene Paketboten sind nicht im Einsatz. Wird bei diesen Firmen der Mindestlohn unterlaufen oder gegen andere Gesetze verstoßen, trennt sich der Paketdienst nach eigenen Angaben “konsequent” von ihnen. Hermes setzt ebenfalls auf eigenständige Subunternehmer, die zu Weihnachten mit bis zu 14 000 Zustellern arbeiten. Auch das Logistikunternehmen sagt von sich: “Rechtswidriges Verhalten unserer Partner tolerieren wir nicht.” Dass der Mindestlohn oder mehr bezahlt wird, werde überprüft. Bei der Deutschen Post mit insgesamt 19 000 reinen Paketzustellern ist die Vergabe von Aufträgen an Subunternehmen eher die Ausnahme. (…) Auch der Bundesverband Paket, Express, Logistik ist für eine “gerechte Entlohnung” der Paketboten. Nur versteht dieser etwas anderes darunter als Verdi: Um diese Entlohnung auch weiter “betriebswirtschaftlich finanzieren zu können, fordern wir Augenmaß bei der Anpassung des gesetzlichen Mindestlohns”, heißt es bei dem Verband, in dem Hermes, DPD oder GLS Mitglied sind…” Beitrag von Michael Kläsgen und Thomas Öchsner vom 15. Dezember 2017 bei der Süddeutschen Zeitung online externer Link

lunapark21 – Politische Vierteljahreszeitschrift - Heft 40 vom 18. Dezember 2017Seit kurzem bekomme ich an meinem Wohnort etwas außerhalb von Berlin nur noch alle paar Tage Post. Briefe und Pakete sind teilweise mehrere Wochen unterwegs. Wegen des Krankenstandes fehlten zu viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, heißt es. Das könnte schon bald der Normalfall werden: Das Unternehmen testet nämlich probehalber schon jetzt bei einigen Kunden auch ganz geplant, Briefsendungen nicht mehr täglich auszuliefern. Noch ist die Post eigentlich per Gesetz dazu verpflichtet, jeden Tag Briefe zuzustellen; sie will sich aber offensichtlich für eine neue gesetzliche Regelung stark machen, mit der diese Verpflichtung aufgehoben würde. Die Post begründet dies mit dem stetig sinkenden Aufkommen an Briefen, die immer mehr durch elektronische Post ersetzt würden. Tatsächlich ist die Zahl der in Deutschland verschickten Briefe aber über die letzten 20 Jahre erstaunlich konstant geblieben – auch wenn diese nicht mehr alle mit der Deutschen Post AG versandt werden. Mit der gleichen Begründung des abnehmenden Versands wurde das Briefporto in den letzten Jahren massiv angehoben…” Artikel von Bernhard Knieriem vom 13. Dezember 2017 bei lunapark21 externer Link

DHL Chile - von Aussen normal hässlich... Fotografin: Fresia SaldíasDas Logistikunternehmen DHL hat seinen Paketzustelldienst in ein eigenes Subunternehmen ausgegliedert mit dem Ziel, die Tariflöhne zu umgehen und die Gehälter zu drücken. Gegen dieses Dumping und die schlechten Arbeitsbedingungen sind die Mitarbeiter jetzt auf die Straße gegangen.
Moin Kinners” – Heute Morgen um sieben Uhr im Güterverteilzentrum Bremen. Vor dem Eingangstor der DHL Delivery – ein kleiner Menschenauflauf. Es sind Paketboten, die sich zum Streik versammelt haben. Sie beschweren sich über ihre Arbeitszeiten und Löhne. (…) Forderung nach 6,5 Prozent mehr und einem neuen Tarifvertrag Ver.di will mit dem Streik in der Vorweihnachtszeit den Druck auf die Arbeitgeber im laufenden Tarifstreit erhöhen. (…) Die DHL-Mitarbeiter haben die jüngsten Meldungen über den Umsatzrekord durchaus registriert. “Das Problem ist, dass die immer Leute finden, die für noch weniger arbeiten
…”…” Bericht von Almuth Knigge vom 06.12.2017 beim Deutschlandfunk externer Link

Servicepartner von DHLDer Internethandel boomt – und damit auch die Umsätze der Kurier-, Express- und Paketdienste. Knapp drei Milliarden Sendungen werden in Deutschland jedes Jahr verschickt, Tendenz steigend. Doch längst nicht jede Sendung kommt auch tatsächlich wie gewünscht beim Empfänger an. Verärgerte Kunden auf der einen Seite; Unternehmen, die bei Schaden und Verlust nicht zahlen wollen, auf der anderen. Wie kann man sich bei Ärger mit dem Paketdienst zur Wehr setzen? Dieter Könnes und sein Team kämpfen für die Verbraucher, decken die Hintergründe auf und tauchen ein in eine Branche, in der Kunden wie Fahrer gleichermaßen zu den Leidtragenden gehören. Dieter Könnes trifft Insider, die von unzumutbaren Arbeitsbedingungen bei Subunternehmern berichten. Missachtung des Arbeitsrechts, Schwarzarbeit, möglicherweise Schleusen von Ausländern? Es sind gravierende Vorwürfe, mit denen das Team im Rahmen der Recherche konfrontiert wird. Dieter Könnes und sein Team gehen dem nach und geben so einen Einblick in ein sehr spezielles Gewerbe, das mehr auf Profit als auf Arbeits- und Kundenzufriedenheit setzt.Info zur und Video der WDR-Sendung am 29.11.2017 externer Link

J'ai (très) mal au travail. Ein 90minütiger Dokumentarfilm über die moderne Arbeitsorganisation und ihre GefahrenMit Amazon Flex will sich der E-Commerce-Riese ein Stück weit unabhängiger von seinen Logistikpartnern machen. Die Lieferboten sind nicht festangestellt, sondern arbeiten auf eigene Rechnung. (…) „Sie sind Ihr eigener Chef, legen Ihren eigenen Plan fest und haben mehr Zeit, Ihre Ziele und Träume zu verfolgen“, mit diesen Worten preist Amazon das Flex-Angebot gegenüber potenziellen Lieferboten an. Die sollten sich indes im Klaren darüber sein, dass sie neben Steuern und Abgaben auch die Benzin-, Wartungs- und Versicherungskosten für ihren Wagen aus den Gewinnen bezahlen müssen. Mit dem Vorstoß könnte Amazon langfristig auch seine Logistikpartner und damit auch indirekt deren Kurierfahrer unter Druck setzen. Die arbeiten schon heute bisweilen unter prekären Bedingungen. Eine Uberisierung von Lieferfahrten dürfte diese Entwicklung kaum ins Positive verkehren.” Beitrag vom 10.11.2017 bei t3n externer Link, siehe dazu:

Arbeiten zum Hungerlohn? Wehrt Euch!“In manchen Regionen stellt die Deutsche Post Briefe nur noch ein bis drei Mal die Woche zu. Noch ist das ein Experiment. Bald schon könnte es aber Normalität werden. (…) Auch wenn die Deutsche Post beteuert, ihrer gesetzlichen Pflicht nachzukommen, an sechs Tagen die Woche Briefe auszutragen, hat man vielerorts das Gefühl, dass sie dieses Versprechen schon heute nicht einhält. Dem Ärger machen viele Kunden Luft: Mit 4000 Beschwerden verzeichnete die Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Bald schon aber könnte unregelmäßige Post Normalfall sein. Denn das ehemalige Kerngeschäft der Deutschen Post wird immer unrentabler. (…) In bundesweit 110 Zustellbezirken erhalten Kunden seit Anfang Juli auf freiwilliger Basis nicht mehr an jedem Werktag ihre Post. Die Kunden können nicht nur entscheiden, ob sie ihre Briefe an lediglich drei Tagen die Woche erhalten. Sie können sich die Schreiben auch an den Arbeitsplatz schicken lassen oder nur einmal die Woche erhalten, stattdessen aber täglich Kopien der Briefe als E-Postbrief zugesandt bekommen. Die Briefe sollen hierfür geöffnet und eingescannt werden. Für den Vorstoß hagelt es Kritik von allen Seiten. Die SPD-Fraktion etwa sieht darin einen Verstoß gegen das Postgeheimnis…” Beitrag von Igor Steinle vom 13. September 2017 bei den Reutlinger Nachrichten externer Link, siehe dazu ver.di und DGB:

Servicepartner von DHLSofortlieferung, Same Day Delivery, drei Bananen und eine Dose Thunfisch per Amazon Fresh – E-Commerce hat unseren Konsum maßgeblich verändert – und vermeintlich verbessert. Wer allerdings mal kurz mit einem Paketboten spricht, wird schnell merken, dass der eigentliche Preis ein ziemlich hoher ist. Ich habe gestern kurz mit einem Paketboten gesprochen. Ein ansonsten immer freundlicher, fitter und netter Mann, der allerdings bereits am frühen Nachmittag völlig ausgelaugt und ausgesprochen fertig wirkte. Ich musste fragen: „Wie geht es Ihnen? Es wird mit den Paketen immer schlimmer, oder?“ Bei der Aussprache des Gedachten fühlte ich mich schon schlecht. Und dann brach es aus ihm heraus: „Es geht nicht mehr. Diese Arbeit ist nicht zu schaffen! Ich bin so fertig.“ Der Bote sprach dabei gar nicht mit Wut sondern mit Trauer. Seine Augenringe hingen bleiern. Es klang wie ein Hilfeschrei. Verzweiflung. Feuchte Augen. „Sehen Sie dieses Paket?“, er zeigte auf einen braunen Karton inmitten seiner Jenga-Sackkarre. „Nur weil der Empfänger mal wieder nicht zu Hause ist, und die Lieferung nicht pünktlich abgeliefert werden kann, muss ich aus eigener Tasche Strafe zahlen. 15-25 Euro pro Paket.“ Ich entgegnete baff: „Sie sind festangestellt und das wird pro Paket von ihrem Lohn abgezogen?“ Er nickte voller Scham und meinte, dass er mittlerweile Pakete selber abzeichnen würde, damit die Vorgaben nicht vollends unerfüllt blieben. Mittlerweile müssen Paketboten pro Schicht in Berlin bis zu 230 Pakete ausliefern. Vor wenigen Jahren waren es noch um die 150 (was auch schon nicht zu schaffen war). Bei einem geschätzten Lohn von 10 bis maximal 15 Euro die Stunde – was bleibt nach acht Stunden harter Arbeit, wenn auch nur fünf Prozent der Pakete ihren Empfänger nicht erreichen? Es reicht ein Stau in der Stadt und die ganze Schicht kann vergessen werden. Eine ausbeuterische Rechnung…” Beitrag von Ji-Hun Kim vom 27. September 2017 bei Das Filter externer Link

Vorsicht Überwachung!“In Deutschland gilt grundsätzlich das Postgeheimnis. Doch manche Briefe werden heimlich geöffnet. Verfassungsschützer und Fahnder dürfen durchaus mal mitlesen – allerdings nur, wenn es um Terroristen und Verbrecher geht. (…) Über solche Maßnahmen wacht übrigens die G10-Kommission, die vom parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestages bestellt wird. Allein bei der Deutschen Post, die im Briefsektor nach wie vor führend ist, sind 1494 Mitarbeiter in sogenannte G10-Maßnahmen eingebunden. Ein fünfköpfiges Team in der Zentrale steuert das Ganze. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Dazu zählen Mitarbeiter, die Sendungen heraussuchen und den Behördenvertretern aushändigen, aber auch Leitungskräfte, die die Maßnahmen vor Ort koordinieren, schreibt das Bundesinnenministerium. Die Frage, wieviele Poststücke jährlich geöffnet werden, will die Regierung nicht beantworten. (…) Doch es gibt Zahlen: Im Jahr 2015 erhielten Verfassungsschutz, BND und Militärischer Abschirmdienst die Erlaubnis, knapp 200 Verdächtige auf diese Weise zu überwachen, wie aus einem Bericht des Parlamentarischen Kontrollgremiums hervorgeht. 336 Hauptverdächtige waren im ersten Halbjahr 2015 im Visier, 1500 Telefon- und Internetanschlüsse wurden überwacht. Die meisten wurden als Islamisten verdächtigt, viele waren als Extremisten etwa des rechten oder linken Spektrums aufgefallen. Von den 1628 Personen, die aus der Überwachung ausschieden, wurden übrigens nur 400 informiert. Erst wer von der Überwachung weiß, kann vor einem Gericht dagegen klagen…” Artikel von Marion Trimborn vom 16. September 2017 bei der Neuen Osnabrücker Zeitung online externer Link

Dossier

BR-Wahl UPS Hannover: Neuwahlen am 18. und 19.09.2017, Liste ver.di-Frischer Wind„Schlimmer als kein Betriebsrat ist für Beschäftigte ein »gelber« Betriebsrat – eine Belegschaftsvertretung also, die eher die Interessen des Unternehmers im Blick hat als die der Arbeiter. Die Hannoveraner Umschlagbasis des Paketdienstleisters UPS, wo etwa 750 Menschen arbeiten, ist bislang ein solcher Betrieb. Nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebenen Betriebsversammlungen wurden hier in den vergangenen Jahren abgehalten. Eine Gruppe von ver.di-Mitgliedern hat sich vorgenommen, das zu ändern, und eine eigene Liste zur Wahl eingereicht. Doch der aus amtierenden Betriebsräten bestehende Wahlvorstand hat diese nicht zugelassen – unter fadenscheinigen Vorwänden, wie ver.di meint…“ Aus dem Artikel von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 25.02.2014 (s.u.) zum Beginn einer langen Auseinandersetzung, die wir hier dokumentieren:

Das Thema der immer stärker um sich greifenden Wild-West-Bedingungen für viele Arbeitskräfte, die in der boomenden Branche der Paketdienste arbeiten, wurde in diesem Blog schon in vielen Beiträgen behandelt. Auch derzeit wird man mit unterschiedlichen Berichten in den Medien konfrontiert, die aber eines gemeinsam haben: Sie legen den Finger auf die große Wunde des Subunternehmerunwesens, das sich durch diese Branche frisst und die dabei ist, die letzten Standards “guter” Arbeit zu schleifen…” Artikel vom 1. Juli 2017 von und bei Stefan Sell externer Link und darin wichtig: (weiterlesen »)

Arbeiten zum Hungerlohn? Wehrt Euch!“Dumpinglöhne beim Paketdienst Hermes? Das sollte es eigentlich nicht mehr geben. Denn Hermes betreibt nach eigenen Angaben seit 2012 “als erstes und bisher einziges großes Logistikunternehmen in Deutschland ein umfassendes Audit- und Zertifizierungssystem, mit dem unter anderem überprüft wird, ob die beauftragten Servicepartner die gesetzlich und vertraglich gesicherten Rechte ihrer Mitarbeiter auch vollumfänglich einhalten.” (…) Doch in Neuenkirchen bei Osnabrück trafen wir auf junge Rumänen, die in manchen Monaten weniger als 4 Euro die Stunde verdienten. Sie arbeiteten als Paketzusteller für Hermes. Im Arbeitsvertrag war der Mindestlohn vereinbart, doch letztlich bekamen sie jeden Monat 850 Euro brutto – obwohl sie mehr als 200 Stunden im Monat Pakete ausgeliefert haben. Die Verträge hatten sie nicht direkt mit Hermes abgeschlossen, sondern mit dem Subunternehmer eines Subunternehmers, der im Auftrag von Hermes die Pakete verteilt…” Sendebeitrag von Mareike Burgschat bei Panorama 3 NDR vom 27. Juni 2017 externer Link (Dauer: ca. 8 Min.). Siehe dazu auch: (weiterlesen »)