"Fast alle sind sich einig: Der Mensch muss arbeiten, und zwar hart. Dabei sollten wir uns den rein menschlichen Wert des Nutzlosen in Erinnerung rufen, fordert M. Probst.
Es gilt als gesichert, dass Arbeitslosigkeit heute als ein Makel angesehen wird. Es ließe sich die Sache ebenso gut umgekehrt betrachten: Weit davon entfernt, Schande zu sein, ist die Arbeitslosigkeit etwas, das ihre Träger auszeichnen kann, um nicht zu sagen: adelt. Ja doch, sie adelt, die Arbeitslosigkeit. Worauf bereits die um sich greifende Marotte hindeutet, den Arbeitslosen wahlweise als Schmarotzer, Parasit oder Müßiggänger zu bezeichnen – im Rückgriff auf das alte Vokabular und Weltbild der Adelskritik, wie es die um Selbstverständnis ringenden bürgerlichen Kreise zur Zeit der Aufklärung formulierten…" Artikel von Maximilian Probst in der Zeit online vom 30.04.2013
Die versuchte Okkupierung des Tages der Arbeiterbewegung durch die Faschisten und Neonazis hat eine längere Tradition – siehe Im LabourNet-Archiv 1. Mai und Faschisten. Dies gilt leider auch für das Jahr 2013, hier eine (laufend aktualisierte) Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit und der Ticker von Publikative.org- und Störungsmelder sowie nun einige Berichte
Der DGB ruf auf zum 1. Mai 2013 - Unser Tag: Gute Arbeit. Sichere Rente. Soziales Europa. Aus dem Aufruf: "… Wir wollen: die Stärkung der Rechte der Beschäftigten, der Mitbestimmung und der Tarifautonomie; Gute Arbeit statt perspektivloser Jobs; einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro; gleiches Geld für gleiche Arbeit in der Leiharbeit..." Nicht alle halten dies für glaubwürdig oder ausreichend, siehe daher eine (nicht vollständige) Auswahl zusätzlicher und "alternativer" Demonstrationen - und nun mit einigen Berichten. Hier auch unser Unzitat zum Thema: "Sommer forderte weiter, der Staat dürfe das Gemeinwohl nicht alleine der Wirtschaft überlassen." Zitiert in: Mai-Kundgebungen der Gewerkschaften: Sommer will höhere Steuern für Reiche. Übersicht vom 02.05.2013 bei tagesschau.de
“Man kann den Kampf um das Bewusstsein der Menschen nicht gewinnen, wenn man permanent den Kampf um deren Unterbewusstsein verliert.” Ständig werden wir aber von “eingebetteten” Medien mit sinnverdrehenden Formulierungen bombadiert: “Sozial ist, was Arbeit schafft”, “Fördern und Fordern”, “Friedenserzwingende Maßnahmen”. Holdger Platta nimmt diesmal den Slogan „soziale Hängematte“ ins Visier. Artikel von Holdger Platta vom 30. April 2013 im Blog "Hinter den Schlagzeilen - Konstantin Weckers Webmagazin"
„Mehr als 95 Prozent der ver.di-Mitglieder in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung haben sich in einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. „Das Votum der Mitglieder ist eindeutig: Ohne eine tarifliche Absicherung ist ein Umbau nicht möglich. Der Arbeitgeber ist gut beraten, dieses Signal ernst zu nehmen“, sagte Achim Meerkamp, Mitglied im Bundesvorstand der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), am Montag…“ Pressemitteilung von ver.di vom 29.04.2013
2007 hatte Niedersachsens damalige CDU/FDP-Landesregierung zehn Landeskrankenhäuser (LKH) privatisiert. Der private Betreiber des früheren LKH Göttingen Asklepios hat nun juristische Schritte gegen Kritiker eingeleitet. Artikel von Reimar Paul im Neues Deutschland vom 30.04.2013
„Auch wenn der Online-Händler Amazon nicht einmal 20 Jahre existiert, hat er die Einkaufsgewohnheiten der Menschen bereits revolutioniert. Allein in der Vorweihnachtszeit des vergangenen Jahres nutzten hierzulande über 30 Millionen Besucher das Portal.[1] Die Kunden schätzen Amazons preiswerte und nahezu lückenlose Warenpalette, die unabhängigen Produktbewertungen der anderen Kunden sowie die unkomplizierten Umtauschoptionen. Und da das Unternehmen zumeist sogar eine Lieferung innerhalb eines Werktages verspricht, ziehen viele den bequemen Mausklick dem stressigen Einkauf vor…“ Artikel von Daniel Leisegang in Blätter für deutsche und internationale Politik April 2013
„Als skandalös bezeichnet die Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union (HU) das jüngste Urteil des Bundesarbeitsgerichts zum kirchlichen Arbeitsrecht (2 AZR 579/1 vom 25.4.2013). Das Gericht setze mit seiner Entscheidung die einseitige Rechtsprechung fort, bei der individuellen Freiheitsrechte der Arbeitnehmer/innen niedriger bewertet würden als das Selbstorganisationsrecht der Kirchen. Zudem weite das Bundesarbeitsgericht mit dieser Entscheidung den Bereich „verkündungsnaher Tätigkeiten“ in nicht nachvollziehbarer Weise aus…“ Pressemitteilung der Humanistischen Union vom 26.04.2013
"Die 3. Belagerung des Jobcenters Mitte am Doventorsteinweg in Bremen am 30.04. und 2.05. thematisiert die Zusammenhänge und Übergänge von Erwerbslosigkeit und Niedriglohn und die Rolle der Jobcenter als Lohndrückerbehörde. Das Jobcenter fängt an mit Schikanen gegen die mehrtägigen Kundgebungen zu reagieren. Den Schikanen der Behörden stellen wir unsere Ausdauer entgegen…" Bericht und Flyer vom 30.04.2013 bei indymedia
Tarifergebnis für Lufthansa-Beschäftigte„Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat am Morgen des 1. Mai nach mehr als zwei Verhandlungstagen mit der Lufthansa ein Ergebnis für rund 33.000 Beschäftigte der AG Boden sowie der Lufthansa Systems, der Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo erzielt. Das Ergebnis steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der ver.di-Tarifkommission und einer Mitgliederbefragung bis zum 14. Mai 2013. Danach erhalten die Beschäftigten bei Lufthansa Systems, der Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo 4,7 Prozent mehr Gehalt, die Beschäftigten der Lufthansa AG in Höhe von 3,0 Prozent. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von 26 Monaten. Für alle Beschäftigten der Lufthansa wurde der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für die Dauer des Tarifvertrages vereinbart. Die Erhöhungen erfolgen in zwei Stufen ab 1. August 2013 um 2,4 Prozent für Lufthansa Systems, Technik und Cargo sowie um weitere 2,3 Prozent ab 1. August 2014. Beschäftigte der AG Boden erhalten ab 1. August 2013 1,5 Prozent Tabellenerhöhung und weitere 1,5 Prozent ab 1. August 2014. Die Ausbildungsvergütungen werden in der gleichen Zeit um insgesamt 5,2 Prozent erhöht. Für Lufthansa-Beschäftigte, die in neu zu gründende Gesellschaften übergeleitet werden, konnte der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis zum 31. Oktober 2020 erreicht werden…“ Pressemitteilung von ver.di vom 01.05.2013
Die Broschüre „Ready for Tourism? - Wiederaufbau und soziale Konflikte nach dem Tsunami in Südthailand“ herausgegeben vom Forum Tourismus & Kritik im Informationszentrum 3. Welt (iz3w) ist hier als Ausgabe 22 des Focus Asien des Asienhauses Köln verlinkt und wurde kurz nach den Tsunami, im Juni 2005 erarbeitet. Darin heißt es in dem Beitrag „Opfer zweiter Klasse - Einheimische fühlen sich schlecht behandelt“ von Alisa Tang unter anderem: „...Während die ausländischen Überlebenden nach dem Angriff des Ozeans in einer internationalen Schule mit Betten, Fernsehern und Internetanschlüssen untergebracht wurden, müssen die Thais aus dem zerstörten Fischerdorf nebenan unter freiem Himmel schlafen. Viele von ihnen haben nicht einmal Decken und müssen Holzfeuer machen, um sich vor Kälte und Moskitos zu schützen. In Thailand, wo aufwändige touristische Einrichtungen oft direkt neben ärmlichen Fischerdörfern liegen, sind die Gegensätze besonders hart. Doch von überall rund um den Indischen Ozean kommen Berichte, nach denen sich die Einheimischen ignoriert oder durch die mangelnde Hilfe, die zu ihnen durchdringt, gar beleidigt fühlen. Schon kurz nachdem sich die Was-sermassen von den exklusiven Touristenresorts und palmengesäumten Stränden Südthailands zurückgezogen hatten, richteten die Behörden provisorische Botschaftsvertretungen ein und stellten den Touristen Essen und kostenlose Telefone zur Verfügung. Mehrere Hotels und die internationale Schule, die weitgehend unversehrt geblieben waren, öffneten den gestrandeten Touristen ihre Türen, während ausländische Regierungen Rückflüge in die Heimat organisierten. Doch in Ban Nam Khem, wo über 2.000 Menschen und damit über die Hälfte der Dorfbewohner vermisst wurden, traf am Tag nach der Katastrophe laut dem Einwohner Wimol Thongthae überhaupt keine Hilfe ein...“
Dass Thailand ein Magnet für Arbeitsmigration vor allem aus den drei Nachbarländern Kambodscha, Laos und Myanmar ist, ist vielleicht hierzulande weniger bekannt – wie Thailands wirtschaftlicher Aufschwung insgesamt. Aber die Arbeitsmigration und Thailand – das ist ein komplexeres Thema. „Labour Migration and the Economic Sustainability in Thailand“ von Piriya Pholphirul in der Ausgabe 3/2012 des Journal of Current Southeast Asian Affairs ist eine umfangreiche Studie über Migration und Arbeit in Thailand. Dabei unterstreicht der Autor die Besonderheit Thailands, das Arbeitsmigration, wie kaum ein zweites Land, in beide Richtungen kennt. Was auch damit zu tun hat, dass es in Thailand relativ viele gut bis sehr gut qualifizierte Menschen auf dem Arbeitsmarkt gebe aber für sie keinesfalls ausreichende Beschäftigung, die es eben eher in weniger qualifizierten Tätigkeiten gebe, und die wiederum von Migranten und Migrantinnen aus den drei Nachbarstaaten ausgeübt würden. Der „Überschuss“ aber ist eindeutig – es kommen viel mehr Menschen aus Laos, Kambodscha und Myanmar, als etwa Thais in die Golfstaaten gehen.
Ausgabe 1 -2013
Darin u.a.: „Der Mai ist gekommen“; „Nachruf Versorgungszentrum – wer arbeitet sollte auch gut Essen? Oder ohne Mampf kein Dampf! Muss Calle der Bau-Biber hungern?“; „Interview mit Kati Ziemer“; „Ein guter Rutsch oder der gute Wille der CFM-Geschäftsleitung“… Zur Ausgabe 1/2013
„Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat für die rund 115 000 Beschäftigten im Maler- und Lackiererhandwerk höhere Mindestlöhne durchgesetzt. Pünktlich zum Tag der Arbeit steigt im Westen die unterste Lohngrenze für Gesellen von 12 Euro auf 12,15 Euro. Ungelernte Arbeitnehmer erhalten im gesamten Bundesgebiet statt zuvor 9,75 Euro jetzt 9,90 Euro. (…) Der neue Mindestlohntarifvertrag hat eine Laufzeit von einem Jahr bis zum 30. April 2014. Bereits in diesem Sommer beginnen die kommenden Lohnverhandlungen in der Branche. Die IG BAU strebt wiederum eine Verhandlung über einen Anschlusstarifvertrag an.“ Pressemitteilung der IG BAU vom 01.05.2013