Der Widerstand gegen die Folgen der Profitkrise für die Auto-Belegschaften wächst

Dossier

Es ist keine Wirtschaftskrise - es ist ein Raubzug„Die Personalkosten sind nicht der Grund für die Probleme von VW, Daimler oder BMW, auch nicht von Conti, Bosch oder ZF. (IG Metall Verhandlungsführer Thorsten Gröger, 28.10.2024, ZDF) Deshalb gibt es keinen Grund, die Löhne in der Auto- und Zulieferindustrie zu senken. Die IG Metall hat aber allen Grund, die Einkommen und sozialen Rechte der Arbeiter:innen zu verteidigen! In den ersten drei Quartalen 2024 haben die großen drei VW, Mercedes und BMW Profite in Höhe von etwa 20 Milliarden Euro erzielt. Die Krise wird herbeigeredet, um Ängste zu schüren und Sozialabbau durchzusetzen. Unbegreiflich, dass die IG Metall dennoch erklärt: »Wir sind bereit, einen Beitrag zu leisten.«...“ Aus dem Leitartikel „Wem gehören die Fabriken? Euch gehören die Fabriken!“ der „Aktionszeitung – für eine Verkehrsindustrie mit Zukunft“ Nr. 1 vom März 2025, mit der auch die IG Metall zum Widerstand statt Sozialpartnerschaft aufgerufen wird – siehe weitere herstellerübergreifende Aufrufe aus der Autoindustrie:

  • Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ protestierten am 21. September rund 175.000 Arbeiter*innen der Autoindustrie an 280 Orten – nicht alle für gleiche Ziele New
    • [IG Metall] Automobil-Aktionstag: Beschäftigte demonstrieren für Zukunft statt Kahlschlag
      „Rund 175.000 Beschäftigte protestieren gegen Stellenabbau und Werksschließungen in der Autoindustrie. „Die Beschäftigten sind nicht länger bereit, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben“, sagt Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall. Nötig sind Zukunftsinvestitionen.  (…)
      Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ haben heute rund 175.000 Beschäftigte gegen Angriffe der Arbeitgeber auf ihre Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen in der Automobilindustrie demonstriert. Sie trafen sich bei rund 280 Aktionen im gesamten Bundesgebiet – auf besonderen, eigens für diesen Tag anberaumten Betriebsversammlungen, bei protestartigen, aktiven Mittagspausen, bei Kundgebungen vor den Werkstoren, bei Demonstrationen auf öffentlichen Plätzen und bei ähnlichen Veranstaltungen. Laut und unmissverständlich machten sie sich für die Zukunft der Autoindustrie in Deutschland stark. Beteiligt waren Beschäftigte aller großen Autohersteller sowie Dutzender großer und kleinerer Zulieferer. Die Beschäftigten kritisierten Angriffe auf ihre Rechte, jahrelanges Missmanagement sowie falsche Krisenkonzepte der Unternehmen. Lautstark forderten sie die Arbeitgeber auf: „Stoppt den Kahlschlag und investiert endlich in die Zukunft unserer Werke!“ (…)
      Die IG Metall drängt darum darauf, die Branche in Deutschland wieder zukunftsfest aufzustellen, indem Unternehmen auf Innovation setzen, in Zukunftsfelder investieren und ihre Strategie an die veränderten Märkte anpassen. Die heftigen Angriffe der Arbeitgeberseite auf Rechte der Beschäftigten wie die 35-Stunden-Woche, Tarifverträge und Mitbestimmung verurteilt die IG Metall als in der Sache falsch, nicht zielführend und ungerecht.
      Die IG Metall fordert zudem eine aktive Industriepolitik ein, die die veränderten globalen Rahmenbedingungen ernstnimmt und gegensteuert: Mit gezielter Förderung, wirksamem Handelsschutz und klaren Local-Content-Vorgaben. Darüber hinaus setzt sich die IG Metall dafür ein, dass in den aktuellen Reformbestrebungen der Bundesregierung die Perspektive der Beschäftigten in der Industrie nicht verloren geht. Die Gewerkschaft macht deutlich: Die Rente nach 45 Jahren für langjährig Versicherte sowie die Altersteilzeit im Blockmodell müssen erhalten bleiben
      .“ Meldung der IG Metall vom 21. September 2026 externer Link und
    • [IG Metall Stuttgart] Zukunft statt Kahlschlag! Zehntausende Beschäftigte beim Aktionstag in Sindelfingen, Stuttgart und Umgebung
      „Wir kämpfen gemeinsam für gute Arbeit und ein gutes Leben, gegen den Kahlschlag in den Betrieben und bei der Rente, gegen Angriffe auf die Arbeitszeit und soziale Sicherheit. (…)Im Bereich der IG Metall Stuttgart gab es die größte Aktion am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen mit 22.000 Teilnehmenden. Öffentliche Aktionen gab es zudem am Mercedes-Benz Standort Untertürkheim mit über 5.000 Teilnehmenden, bei Bosch Feuerbach mit 2.500 Teilnehmenden, wo sich auch Beschäftigte von Bosch Leonberg, Bosch Schillerhöhe, Bosch BSS und Bosch Sicherheitssysteme beteiligten, sowie mit jeweils einigen hundert Teilnehmenden bei Porsche Zuffenhausen und bei der gemeinsamen Aktion von Mahle Bad Cannstatt und Mahle Feuerbach. Weitere betriebsinterne Aktionen fanden bei Bosch Renningen, Bosch Schwieberdingen und Porsche Weissach statt…“ Bericht vom 21. September 2026 der IG Metall Stuttgart externer Link mit einer Fotogalerie
    • „Gewerkschafter von Unten“: 175.000 beim Autoaktionstag und bei Volkswagen blieb der Protest hinter den Werkstoren
      „… Der Aktionstag hat damit zwei Dinge gezeigt. Die Beschäftigten sind mobilisierbar. Zugleich begrenzten örtliche Arbeitnehmervertretungen die öffentliche und selbstständige Beteiligung der Belegschaften. Die Frage lautet deshalb nicht nur, wie viele Menschen teilnahmen. Es muss auch gefragt werden, wer über die Form des Protests entschied, welche Vorschläge aus der Basis aufgegriffen wurden und weshalb die Produktion an mehreren VW-Standorten offenbar mehr Schutz von unerwarteter Stelle erhielt als die gemeinsame Aktion. (…) Waren die örtlichen Strukturen nicht in der Lage, einen beteiligungsorientierten und öffentlichen Aktionstag zu organisieren? Oder wollten Teile der Arbeitnehmervertretungen eine Mobilisierung begrenzen, die die Produktion unterbricht, eigenständige Forderungen entwickelt und sich nicht vollständig kontrollieren lässt? (…) Wer die Beschäftigten fragt, was sie wütend macht und was sie zu tun bereit sind, muss auch bereit sein, ihre Antworten ernst zu nehmen. Beteiligung endet nicht mit einem Gesprächsleitfaden. Sie verlangt, dass die Belegschaften selbst über Forderungen und nächste Schritte beraten können. (…) Vorhandene Arbeit muss gerecht verteilt und die industrielle Produktion auf sinnvolle und zukunftsfähige Aufgaben ausgerichtet werden. (…) Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich muss im Mittelpunkt stehen. Wer nur über Subventionen, Industriestrompreise und Altersteilzeit spricht, akzeptiert den Abbau im Grundsatz und verhandelt vor allem über sein Tempo.“ Ein Kommentar von GvU DIREKT Redaktion Braunschweig vom 24. September 2026 der „Gewerkschafter von Unten“ – Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Werken von Volkswagen
    • 250 Kolleginnen und Kollegen beim Automobilarbeiter-Aktionstag in Hamburg
      „Trotz Druck und Drohungen: Ein starkes Zeichen für Zusammenhalt und Zukunft
      Am Montag, den 21. September 2026, fand auch vor dem Mercedes Werk Hamburg der bundesweite Automobilarbeiter-Aktionstag statt. Geplant war die Aktion von 09:00 Uhr bis 11:00 Uhr. Doch schon im Vorfeld wurde deutlich, dass der Arbeitgeber alles daransetzte, die Beteiligung zu minimieren
      …“ Bericht von Sven Vaith am 22.9. bei Jour Fixe der Gewerkschaftslinke Hamburg externer Link

    • [Fotos] Aktionstag 21.09.2026 Mercedes-Benz Werk Untertürkheim – AUFTAKT zu einem HEISSEN Herbst (während Daimler erpresst)
      „Die Kundgebung in Untertürkheim war die Fortsetzung einer unterbrochenen Betriebsversammlung STOP Am Ende wurden die KollegInnen aufgefordert im Werk abzustempeln  –  BV = bezahlte Arbeitszeit STOP Spannende Frage: Ist eine BV vor dem Werkstor nach BetrVG wie Arbeitszeit zu vergüten  STOP Die BV wurde erneut unterbrochen und am 28.09. in der Schleyerhalle fortgesetzt  –  mit Källenius  STOP Mercedes Vorstand im Windschatten von VW??? Blaupause VW??? STOP Tenor Häberle: Kein Verzicht ohne Gegenleistung STOP Ausgang offen!!!“ Kurzbericht aus Untertürkheim zur 13seitigen kommentierten Fotostrecke  und mehr zur Erpressung im Dossier: Resolution der IG Metall Vertrauensleute Mercedes Benz Untertürkheim: „Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik! Die Bosse wollen Klassenkampf? Können sie haben!“
    • Flyer der „Gewerkschafter von Unten“ aus verschiedenen Volkswagen-Werken: 50.000 Stellen auf dem Spiel. Nicht mit uns! – Verzicht bei VW. Wer fragt die Basis?
      Initiative „Gewerkschafter von Unten" - Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Werken von Volkswagen - Überparteilich. Solidarisch. Gemeinsam aktiv„… Der Volkswagen Aufsichtsrat hat am 3. September 2026 dem übergeordneten „Zukunftsplan 2030“ einstimmig zugestimmt. Die darin genannte Erhebung zu rund 50.000 abzubauenden Stellen hat er laut offizieller Mitteilung „zur Kenntnis genommen“. Das ist noch kein standortgenauer Abbauplan. Es ist aber auch keine Entwarnung: Die Zahl steht im strategischen Rahmen für die nächsten Entscheidungen. (…)
      Unsere Zukunft braucht unsere Beteiligung
      Über den Beschluss gab es keine unmittelbare Abstimmung der Belegschaften oder der Mitglieder der IG Metall. Gewählte Vertreterinnen und Vertreter waren beteiligt. Wir verlangen vollständige Informationen, nachvollziehbare Kriterien und echte Beteiligung vor konkreten Einschnitten. Keine Beschlüsse im Aufsichtsrat ohne vorherige Abstimmung der Belegschaften. Demokratie darf nicht am Werkstor enden. (…) Unsere Werke. Unsere Arbeit. Unsere Zukunft. Verzicht bei VW. Wer fragt die Basis?…“ Flyer vom 22.9.2026 der unabhängigen Initiative „Gewerkschafter von Unten“  – Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Werken von Volkswagen – Überparteilich. Solidarisch. Gemeinsam aktiv

    • [Berichterstattung der MLPD] Mehr als 175.000 Beteiligte an 280 Orten – Wichtiger Schritt zur Arbeiteroffensive
      „Das hat es in Deutschland so noch nicht gegeben! Heute protestierten seit dem frühen Morgen Zehntausende Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte der Automobilindustrie und der Zulieferbetriebe in über 280 Orten. Der IG-Metall-Aktionstag wurde tatsächlich ein kämpferischer branchenweiter Kampf- und Streiktag! (…) Deutlich wurden der Wille, die Entschlossenheit und vielfältigste Initiativen, auf offensive Art zu kämpfen. Viele IG-Metall-Vertrauensleute wurden im Vorfeld des Aktions- und Streiktags aktiv und setzten in Betrieben und Verwaltungsstellen durch, dass kämpferische Aktionen und Streiks organisiert wurden. Sie setzten sich vielerorts durch gegen verschiedenste Versuche, nur symbolische Aktionen durchzuführen, und gegen ausgesprochene Drohungen von Repression durch die Geschäftsleitungen.
      An vielen Orten wurde bewusst gestreikt. Teils wurde zur Arbeit ausdrücklich eingestempelt, bei den Aktionen aber nicht ausgestempelt – so bei Mercedes in Düsseldorf. Oft waren Azubis aktiv dabei. Kundgebungen verbanden sich mit Demonstrationen bis hin zu kurzen Straßenblockaden als Formen des aktiven Widerstands
      …“ Bericht von pw vom 21.09.2026 auf rf-news.de externer Link, dort auch Bilderstrecke aus den verschiedenen Orten externer Link sowie Ticker bei den Rote-Fahne-News externer Link und das MLPD-Video bei youtube externer Link : Branchenweiter Kampf- und Streiktag der Autoarbeiter 21. September (Ehre wem Ehre gebührt, die MLPD hatte ein dichtes Netz aus KorrespondentInnen) 
  • Auf Druck der Basis. Die IG Metall mobilisiert zum Aktionstag für die Beschäftigten der Autoindustrie. Wichtiger als dieser selbst ist, wer danach den Kurs bestimmt
    „Für den kommenden Montag ruft die IG Metall die Beschäftigten der Auto- und Zulieferindustrie zu Aktionen auf, fünf Tage später der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu bundesweiten Protestaktionen gegen Sozialabbau in 15 Städten. Von einem »beispiellosen Angriff« auf die Beschäftigung und »übermäßiger Renditefixierung«, sogar von »Klassenkampf von oben« ist in Aufrufen die Rede. Doch die Radikalität endet, wo sie praktisch werden müsste: Arbeitskampf und Streik kommen in beiden Mobilisierungen nicht vor. Die forcierte Umstellung auf Kriegswirtschaft und ihr ursächlicher Zusammenhang mit dem angegriffenen Sozialkahlschlag ebensowenig.
    Das DGB-Motto zum 1. Mai war »Erst unsere Jobs, dann eure Profite«: Die Profite dürfen bleiben, sofern Arbeitsplätze gesichert würden. Nun folgt die Quittung. Unternehmer und Regierung greifen Jobs, Arbeitszeiten, Tarifstandards und den Sozialstaat an. Die Bilanz der »sozialpartnerschaftlichen« Verhandlungslogik ist vernichtend: Der Gewerkschaftsapparat akzeptiert tarifliche Zugeständnisse gegen Zusagen zu Arbeitsplatzerhalt und Investitionen; über beides verfügen weiterhin die Unternehmen. Beim nächsten Renditeziel steht das dann erneut zur Disposition. Die IG Metall selbst spricht von »Opfern im Wert von mehreren Milliarden Euro« – und erklärt zugleich ihre Bereitschaft zur Kostensenkung. Im Grunde hält nur noch der Apparat an der »Sozialpartnerschaft« fest. (…)
    Die IG Metall räumt ein, dass der Druck auf diese Strategie inzwischen wächst. Auf der Pressekonferenz zum Autoaktionstag am 21. September hieß es, wegen des »Drucks der Basis« habe man nicht bis zum Ende der Friedenspflicht warten können: Der Apparat mobilisiert, weil die Basis drängt. Die Frage ist, ob dieser Druck wieder in Verhandlungen geleitet wird – oder ob aus der Mobilisierung eigene Aktionsmacht entsteht. (…)
    Die Organisationsmacht der Gewerkschaften muss dafür von unten in Anspruch genommen werden: hingehen, mobilisieren, Betriebe verbinden, aus Protest Widerstand und aus Aktion Streikfähigkeit machen. Kehrt die Spitze nach den Aktionstagen zur »sozialpartnerschaftlichen« Verhandlungsroutine mit Kapital und Staat zurück, bleibt den Beschäftigten die Möglichkeit, unabhängig von ihrer Autorisierung zu handeln. Entscheidend sind nicht die Reden auf den Bühnen, sondern was ab dem 22. September in den Betrieben beginnt
    .“ Artikel von Andreas Buderus in der jungen Welt vom 17.09.2026 externer Link mit Erinnerungen an 1973. Siehe 

  • Revisited: Gegenwehr ohne Grenzen. Leserbrief von Wolfgang Schaumberg vom 17. Februar 2002 
    „… Was mich allerdings wieder etwas hoffnungvoller macht: Ein Kommentar in der Unternehmerzeitung „Frankfurter Allgemeine“ (FAZ) vom 17.1.02 analysierte als zentrales Problem des Opel-Managements: die alten erkämpften Betriebsvereinbarungen müßten weg. „Die Kunst ist“, schreibt der Kommentator, „Verträge so aufzuweichen, dass sie die richtige Entlastung (für Opel) bringen, aber zu keiner Revolte führen!“ Mit brutaler Offenheit erklärt der FAZ-Schreiber weiter: „Vermutlich hätte Forster kurz nach seinem Amtsantritt die Gunst der frühen Stunde nutzen und ein Werk schließen müssen, Antwerpen, das hätte den geringsten Widerstand bedeutet. Oder, wenn man es ganz scharf rechnet, Bochum. Aber wer traut sich schon an Bochum heran angesichts der dort besonders streitlustigen Belegschaft? Vor allem, wenn man bedenkt, dass durch die Vernetzung der Produktion nur rund 500 streikende Mitarbeiter in Bochum nötig sind, um die gesamte Fertigung in Europa lahmzulegen.“…“ Dokumentation des Beitrags von Wolfgang Schaumberg  in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit Ausgabe 9/2026 – es ist ein Abdruck des Beitrags „Meine Meinung“ von Wolfgang Schaumberg in Gegenwehr ohne Grenzen – Info der GoG Nr. 17 vom Februar 2002 (im LabourNetArchiv) (Die GoG war eine parteiunabhängige Gruppe bei GM/Opel Bochum, siehe dazu z.B.: Dossier: [Video mit und über die GoG] Filmprojekt über den Widerstand der Belegschaft bei Opel in Bochum
  • Petition: GEGENWEHR JETZT! Den Generalangriff der Bosse und ihrer Regierung stoppen. Für kämpferische Gewerkschaften. Für die Verteidigung unserer Errungenschaften im Dossier: Resolution der IG Metall Vertrauensleute Mercedes Benz Untertürkheim: „Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik! Die Bosse wollen Klassenkampf? Können sie haben!“
  • „Ich stehe heute hier, weil mir – wie vermutlich euch allen – langsam der Kragen platzt!„: Rede von Sven Vaith bei der Betriebsversammlung bei Mercedes-Benz Hamburg am 8. September
    „Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin Sven Vaith, ich arbeite in Halle 16 an der Bandmontage. Und ich stehe heute hier, weil mir – wie vermutlich euch allen – langsam der Kragen platzt! Überall bei Mercedes wird die Ausbeutungsschraube angezogen. Aber wir Arbeiter schaffen die ca. 3 Milliarden €, die als Dividende an die Aktionäre ausgezahlt wurden! (…) Bevor wir nur einen Tag für unsere berechtigten Lohnforderungen gestreikt haben, hat der Mercedesvorstand und die Merzregierung den Frontalangriff auf unsere Lebenslage ausgerufen: Gemeinsam wollen sie die Arbeitszeit auf 40 Stunden ausdehnen, ohne Lohnausgleich. (…) Kollegen und Kolleginnen wir müssen in die Gegenoffensive mit unseren eigenen Gegenforderungen gehen – klar und laut: satter Lohnnachschlag wegen der stark gestiegenen Preise! Alles wird teurer. 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! (…) Jetzt kommt der 21. September! Die IG Metall ruft zu einem bundesweiten Aktionstag in der gesamten Automobilindustrie auf. Das ist unsere Chance! Lasst uns diesen Tag nutzen – und wenn es sein muss, machen wir ihn zu einem bundesweiten gewerkschaftlichen Streiktag!...“ Text der Rede von Sven Vaith , Halle 16, Bandmontage, bei der Betriebsversammlung Mercedes-Benz Werk Hamburg am 8.9.2026
  • Das große Kräftemessen: Vom bundesweiten IG Metall-Aktionstag in der Automobilindustrie zur Ausweitung der Sozialproteste, auch in Betrieben?
    „… Die bundesweiten Aktionstage als offensive Antwort?
    Beschäftigungsfragen in der Automobilbranche sind schon immer Fragen von besonderer organisationspolitischer Bedeutung für die IG Metall. Rund jedes dritte Mitglied kommt aus diesem Bereich, Arbeitsplatzabbau geht daher immer mit einem empfindlichen Rückgang der Mitgliederzahlen einher. Die IG Metall wird so »in der aktuellen Situation zum Kämpfen gezwungen«, wie es ein IG Metall-Hauptamtlicher kürzlich in einer kleinen Diskussionsrunde  beschrieb. (…)
    Leicht hat man sich daher mit der Entscheidung zu einer bezirks- und markenübergreifenden Mobilisierung nicht getan, das bedurfte vieler lauter Stimmen von kämpferischen Betriebsräten und Vertrauensleuten aus den Betrieben (…) Ob an diesem Tag derartige Aktionsformen flächendeckend zur Anwendung kommen oder Beschäftigte auf Empfehlung eher zurückhaltender Betriebsräte doch »ausstempeln« gehen, um an den Protesten teilzunehmen, kann als Stimmungstest gelten und lässt erahnen, was von der Tarifbewegung – für die zwei Tage später, am 23. September, Forderungen beschlossen werden – ab dem 31. Oktober zu erwarten ist. (…) Sollte es massenhaft zu entsprechenden politischen Aktionen während der Arbeitszeit kommen,
    könnte dies ein wichtiger Initialzünder für weitere Proteste gegen die Bundesregierung sein. Dies setzt voraus, dass der 21. September, wie in seiner Konzeption dem Eindruck nach vorgesehen, als Teil einer Gesamtchoreografie mit den Sozialprotesten am 26. September verstanden und kommuniziert wird. Das bedeutet, dass im Rahmen der Aktionen am Montag, dem 21. September, sowohl ein Bezug zu den Sozialprotesten hergestellt wird, als auch durch gezielte Ansprache Kolleg:innen für den darauffolgenden Samstag mobilisiert werden. Sollten viele Betriebsräte und Vertrauenskörperleitungen außerdem den Mut aufbringen, in die Traditionen vergangener Proteste zu treten und ihre Aktionen in der Arbeitszeit durchführen, könnte dies eine wichtige Inspiration für die inner- und überbetriebliche Ausweitung der Proteste über den 26. September hinaus sein. Wenn die Automobiler:innen vorangehen, vielleicht trauen sich dann auch Kolleg:innen aus anderen Branchen, einen Schritt weiter zu gehen?…“ Kommentar von Marvin Hopp externer Link in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit Ausgabe 9/2026
  • Die Stimmung kippt: Unter den Autoarbeitern wächst der Unmut.
    „Ein Brief von Mercedes Untertürkheim fordert von der IG Metall den Abschied von der Sozialpartnerschaft.
    Nachdem die Sparpläne der deutschen Autokonzerne bisher auf vergleichsweise wenig Widerstand gestoßen sind, scheint die Stimmung in einigen Werken nun zu kippen. Bei Volkswagen, wo die Konzernleitung 50 000 Stellen streichen will und auch die Schließung der Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm erwägt, zeigte sich das Anfang der Woche auf der ersten von neun anberaumten Betriebsversammlungen. (…)
    Der ehemalige VW-Betriebsrat Stephan Krull wies im Gespräch mit dem »nd« auch noch einmal darauf hin, dass der Konzern trotz einer vom Management verschuldeten Absatzkrise keineswegs am Hungertuch nage. VW habe im ersten Halbjahr 2026 immer noch 3,1 Milliarden Euro Profit gemacht, verfüge über Gewinnrücklagen in Höhe von 160 Milliarden Euro und habe im letzten Jahrzehnt insgesamt 40 Milliarden Euro als Dividende an die Aktionär*innen ausgezahlt. »Diese riesige Menge Geld könnte locker in eine Transformation hin zu einem modernen Mobilitätsunternehmen investiert werden«, so Krull. Das Problem sei allerdings, dass die Gewerkschaftsführung bislang keine eigenen, selbstbewussten Ideen entwickele.
    Rebellion bei Mercedes
    Noch aufgeheizter scheint die Stimmung bei Mercedes in Stuttgart-Untertürkheim zu sein. Die Konzernführung hatte dort unlängst ein Sparprogramm vorgelegt, über das selbst der öffentlich-rechtliche SWR mutmaßte, es solle offenbar Beschäftigte vergraulen. Der Unmut über die Pläne und die bisherige Reaktion der Gewerkschaften ist so groß, dass sich der gewerkschaftliche Vertrauenskörper auch öffentlich mit der IG-Metall-Führung angelegt hat. (…)
    Vor dem bundesweiten gewerkschaftlichen Aktionstag in der Automobilindustrie am 21. September steigt damit der Druck im Kessel. Für Peter Vlatten, der früher selbst der Vertrauenskörperleitung bei Mercedes Untertürkheim angehörte und heute im Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin aktiv ist, handelt es sich bei dem Brief um mehr als eine der üblichen Resolutionen. Untertürkheim gehöre historisch zu den kampfstärksten Betrieben der IG Metall und habe für die Branche oft eine Vorreiterrolle gespielt, erinnert der pensionierte Gewerkschafter im Gespräch mit dem »nd«. »Das hatte auch damit zu tun, dass eine linke alternative Liste im Betriebsrat viele Jahre eine Mehrheit hatte.« Vlattens Eindruck zufolge habe der Gewerkschaftsaktivismus im Betrieb zuletzt einen erfreulichen Aufschwung erlebt. »Im Vertrauenskörper sind heute 500 bis 700 Gewerkschafter aktiv. Das sind Arbeiter aus der Produktion. Und das ist auch der qualitative Unterschied zu anderen Erklärungen.«
    Aus Sicht Vlattens ist in Untertürkheim Streikbereitschaft zu spüren. Das Problem sei allerdings, dass die IG-Metall-Führung bislang nichts unternommen habe, um Folgeaktionen für die Zeit nach den geplanten Protesttagen Ende September vorzubereiten. Genau davon hänge es jetzt jedoch ab, ob die Unruhe am Ende wieder in Frustration umschlage
    …“ Artikel von Raul Zelik vom 27.08.2026 in ND online externer Link – alle genannten Protestschreiben sind in den jeweiligen Dossiers zu finden

  • „Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“: Die IG Metall ruft für Montag, 21. September, bundesweit in allen Betrieben der Automobil- und Zulieferindustrie zu einem Aktionstag auf
    „Die Beschäftigten der Autoindustrie leisten Widerstand gegen die Spar- und Verlagerungsfantasien ihrer Konzernbosse. Beim bundesweiten Aktionstag werden sie ein deutliches Zeichen setzen: Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch Sparen, sondern durch Investitionen.
    Am 21. September werden die Beschäftigten der Automobilindustrie ein deutliches Zeichen setzen – bundesweit bei unzähligen betrieblichen Aktionen, bei unzähligen Zulieferbetrieben und Herstellern. Nicht länger werden sie sich zu Sündenböcken machen lassen für eine Krise, die sie nicht verursacht haben. Nicht länger werden sie die Zeche für Managementfehler und die Folgen geopolitischer Konflikte zahlen. Damit ist jetzt Schluss! Die Beschäftigten sagen: Jetzt reicht’s!
    Aktuell sind die Strategien der Konzernbosse an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Die Beschäftigten sollen mehr arbeiten, weniger verdienen oder gar ihren Job verlieren, während die Unternehmen Milliarden an Aktionäre auszahlen. Verlagerung, Arbeitsplatzabbau und Werksschließungen stehen in ganz Deutschland auf dem Programm. Allein letztes Jahr haben die Konzernbosse über 50.000 Jobs in der Automobilindustrie vernichtet. Die Firmenchefs sind dabei, Deutschlands wichtigsten Wirtschaftszweig und zentralen Pfeiler für Wohlstand in die Bedeutungslosigkeit zu führen und abzuwirtschaften. Es droht der Totalschaden der Traditionsbranche. Dabei ist doch klar: Aus der Krise und zu mehr Wettbewerbsfähigkeit kommt die Branche nicht durch ein Sparprogramm, sondern nur durch Investitionen und Innovationen externer Link.
    Beschäftigte aller Marken stehen zusammen
    Die Krise der deutschen Automobilindustrie ist zu großen Teilen hausgemacht, weil die Vorstände der Autokonzerne reihenweise falsche Entscheidungen getroffen haben: Zu spät wurden kleine erschwingliche Modelle angeboten. Bei Digitalisierung und Batterien wurden wichtige Entwicklungen verschlafen. Investitionen in Zukunftstechnologien und Standorte wurden vernachlässigt.  Deswegen heißt es jetzt für die Beschäftigten: Widerstand. Die Beschäftigten einiger Zulieferer und Hersteller haben ihren Konzernbossen bereits mit einigen Aktionen einen heißen Sommer beschert. Am 21. September werden sie  gemeinsam und bundesweit in ihren Betrieben verdeutlichen, was nun Phase sein muss. Sie fordern: Es braucht Investitionen in zukunftsfähige Produkte, Qualifizierung und sichere Standorte — nicht nur kurzfristige Kostensenkung
    …“ Aufruf vom 11. August 2026 bei der IG Metall externer Link („Am 21. September wird es laut. Bundesweiter Aktionstag: Beschäftigte der Autoindustrie wehren sich gegen Kahlschlag“)

  • Kahlschlag in der Auto- und Zulieferindustrie – Gegenwehr der Beschäftigten
    Beitrag vom 19. Dezember 2025 externer Link bei der Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften (VKG)
  • „Nicht die Zeiten sind schlecht, sondern die Machtverhältnisse“: Gemeineigentum ist keine Utopie
    Rede von Thorsten  Donnermeier, Vertrauensmann bei VW Kassel, bei einer Betriebsversammlung am 04.06.2025 im Volltext im Dossier: Kahlschlag bei VW ab 2024? Autobauer plant Kürzungen in Milliardenhöhe, um »Effizienz« zu steigern
  • Betriebsversammlung Mercedes Benz Werk Hamburg am 25. März: „… was hier vereinbart wurde, ist keine Zukunftssicherung. Es ist eine Zukunftsbeschneidung…“ Text der Rede von Sven Vaith , Halle 12, iSG Fertigung, Betriebsversammlung Mercedes Benz Werk Hamburg am 25. März 2025 zum aktuellen Sparprogramm bei Mercedes-Benz im Dossier: „Sparprogramm“ und Effizienzsteigerung dank E-Auto auch bei Daimler – Leiharbeiter zuerst…
  • Keine Verluste, sondern nur Gewinneinbußen bei VW: Es ist keine Wirtschaftskrise – es ist ein Raubzug. Flugblatt von einigen Kollegen von verschiedenen VW-Standorten   –  siehe Hintergründe und frühere Proteste im Dossier: Kahlschlag bei VW ab 2024? Autobauer plant Kürzungen in Milliardenhöhe, um »Effizienz« zu steigern
  • Aktionszeitung – für eine Verkehrsindustrie mit Zukunft. Siehe alle Infos zur Aktionszeitung
  • Weihnachtswunder oder blaues Wunder bei VW? Positionspapier vom 21.12.2024 von Tobi Roswog, Thorsten Donnermeier und Lars Hiersekorn im Dossier: Kahlschlag bei VW ab 2024? Autobauer plant Kürzungen in Milliardenhöhe, um »Effizienz« zu steigern 
  • Und: Statement von VW-Kollegen: Wir wollen bei VW nicht den Tod produzieren – Statement/Flugblatt von einigen VW-Kollegen vom 17.3.2025 

Siehe auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=237092
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