Arbeitskämpfe

Streikplakat der Werftarbeiter in Belfast im august 2019: Für die Wiederverstaatlichung von Harland und WolffImmerhin: Falls ein Käufer für die Werft gefunden wird, ist mit dem Kauf die Verpflichtung verbunden, die ganze Belegschaft weiter zu beschäftigen – zu denselben Bedingungen wie bisher. Was durchaus als ein Erfolg der rund dreiwöchigen Besetzungsaktion bewertet werden kann, in denen Belegschaft und Gewerkschaften auch Vorschläge und Überlegungen für eine Änderung der Produktion diskutiert und vorgestellt haben, etwa die Ausrichtung auf den Bau von Ausrüstungen für alternative Energiegewinnung. Der Beitrag „Win! Unions save all jobs at Harland and Wolff“ von Tim Lezard am 18. August 2019 bei den Union News externer Link stellt die ganze Entwicklung zwar ein bisschen sehr einseitig im Sinne gewerkschaftlicher Siegesmeldungen dar (schließlich hängt das ganze „Projekt“ jetzt von einem Käufer ab – wobei die Gewerkschaften in ihren Mitteilungen unterstreichen, die Wieder-Verstaatlichung bleibe die beste Lösung), es ist aber ohne Zweifel ein Ergebnis der Entschlossenheit der Belegschaft, die ja von sich aus zu dieser Besetzungsaktion gegriffen hatte. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge, einen Hintergrundbeitrag zur Geschichte unrühmlicher politischer Auseinandersetzungen auf der Werft und den Hinweis auf unseren bisher letzten Bericht zum Streik: (weiterlesen »)

Streikplakat der Werftarbeiter in Belfast im august 2019: Für die Wiederverstaatlichung von Harland und Wolff„… Auf dem Höhepunkt, im Zweiten Weltkrieg, waren 35.000 Arbeiter*innen bei dem Unternehmen beschäftigt, aber wie der Rest der britischen Schiffbauindustrie ist die Zahl der Beschäftigten im Laufe der Jahrzehnte zurückgegangen. Heute sind 130 Mitarbeiter*innen am Standort beschäftigt – obwohl er seinen legendären Status als nordirischer Arbeitgeber beibehält und seine berühmten gelben Samson- und Goliath-Krane die Skyline von Belfast dominieren. Das Unternehmen wurde 1975 von der britischen Regierung verstaatlicht, 1989 dann aber an den norwegischen Schifffahrtsmagnaten Fred Olsen verkauft. (…) Die Versuche, einen Käufer für Harland und Wolff zu finden, gerieten in den letzten Wochen in Schwierigkeiten und ließen die Arbeiter*innen in eine zunehmend unsichere Zukunft blicken. Erst letzte Woche enthüllte „Unite the Union“ (zweitgrößte Gewerkschaft in England und Nordirland, Anm. d. Übers.), dass die Unternehmensleitung nicht in der Lage war, die Löhne der Beschäftigten für mehr als die nächste Woche zu zahlen. Angesichts dieser Bedrohung wurde von den Gewerkschaften Unite und GMB eine Kampagne gestartet, um von der britischen Regierung sofortige Maßnahmen zu fordern. Die Gewerkschaften wiesen darauf hin, dass die Rückverstaatlichung als die einzige Möglichkeit zur Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen notwendig ist. Die Arbeiter*innen waren schnell dabei, die Worte des neuen Tory-Premierministers Boris Johnson hervorzuheben. In seiner Rede auf den Stufen von 10 Downing Street (Sitz des Premierministers an dessen Eingangsstufen Reden gehalten werden, Anm. d. Übers.) lobte er die Bedeutung der britischen „Produktivkräfte“. Die Belegschaft forderte ihn natürlich öffentlich auf, ihre „Produktivkraft“ durch die Renationalisierung der Werft zu sichern. Am Montag den 29. Juli schlossen die Arbeiter*innen aus Protest die Tore zur Fabrik…“ – aus dem Beitrag „Harland & Wolff: Beschäftigte besetzen Werft in Belfast und fordern Rückverstaatlichung“ am 09. August 2019 beim Sozialismus.info externer Link, worin Vorgeschichte und Entwicklung dieses Kampfes Thema sind, wie auch die Solidarität anderer Gewerkschaften. Siehe dazu auch einen weiteren Beitrag zum Aktionsbeginn und den Hinweis auf unseren ersten Bericht über die Werft-Besetzung: (weiterlesen »)

ryanair lowest wages„… Über die Ankündigung der Schließung der Algarve-Basis durch Rynanair informierte die Präsidentin der portugiesischen Flugbegleiter-Gewerkschaft SNPVAC, Luciana Passo in einem Interview mit dem Sender RTP. Es wurde am Dienstagabend ausgestrahlt. Nach Passos Worten sind die Arbeitsplätze von mindestens etwa 100 Mitarbeitern in Gefahr, wenn Ryanair im Januar kommenden Jahres auf seinem Stützpunkt das Licht ausknipst. Eine genaue Zahl habe das Management noch nicht genannt, auch nicht, ob Mitarbeiter zu anderen Basen abgeordnet würden. Allerdings beabsichtige die Low Cost-Airline offenbar, Faro auch weiterhin anzufliegen. Weitere portugiesischen Basen betreibt Europas größte Airline in Lissabon, Porto und Ponta Delgada (Azoren). Von dort aus bedienen Ryanair-Flugzeuge Strecken nach Deutschland und anderen Ländern. Die Standorte von Ryanair in Lissabon, Porto und den Azoren stehen dem Vernehmen nach vorerst nicht in Frage. In den nächsten Tagen will der Billigflieger aber die Schließung weiterer Standorte in Europa bekanntgeben. Passo machte darauf aufmerksam, dass die Ankündigung der Schließung der Algarve-Basis zu einem Zeitpunkt in der Hochsaison komme, für den die Gewerkschaft des Ryanair-Kabinenpersonals einen Streik angekündigt habe. Der soll vom 21. bis 25. August dauern. Ryanair versuche offenbar, den Mitarbeitern Angst vor diesem Arbeitsausstand einzujagen, erklärte die Arbeitnehmervertreterin…“ – aus dem Beitrag „Ryanair schließt Algarve-Basis in Faro“ am 07. August 2019 im Algarve Entdecker externer Link, worin auch über Reaktionen von Öffentlichkeit und Zuständigen berichtet wird, wie über die offizielle Begründung des Unternehmens für die Schließung.  Siehe dazu auch einen Beitrag zum Streikbeschluss der Gewerkschaft SNPVAC, sowie Meldungen über Streikvorbereitungen bei Ryanair in Spanien und Großbritannien: (weiterlesen »)

Streikplakat der Werftarbeiter in Belfast im august 2019: Für die Wiederverstaatlichung von Harland und WolffHarland and Wolff im nordirischen Belfast ist zwar kein besonders großes Unternehmen mehr – aber immer noch eine „Ikone“ des Schiffbaus – seit den Tagen, als hier die Titanic gebaut wurde. Nun sind auch die letzten rund 130 Jobs in Gefahr, worauf die Belegschaft mit einer Besetzung des Werftgeländes reagiert hat, unterstützt von der Solidarität aus Unternehmen, die der Werft zuliefern und von der irischen Öffentlichkeit, die den Niedergang der Industrie im Land nicht zuletzt englischer Politik zurechnet. Die Belegschaft und die beiden im Unternehmen vertretenen Gewerkschaften GMB und Unite fordern die Wiederverstaatlichung des Unternehmens und eine entsprechende Industriepolitik – unabhängig davon, ob dies innerhalb oder außerhalb der EU stattfinde. In dem Bericht „Workers occupy Harland and Wolff shipyard“ von Tim Lezard am 31. Juli 2019 bei Union News UK externer Link wird gemeldet, dass die Belegschaft nicht nur vor dem nordirischen Parlament für ihre Forderungen demonstriert habe, sondern sich auch an den gerade seinen „Antrittsbesuch“ in Nordirland vollziehenden neuen Premierminister gewandt haben, mit der Aufforderung ihre Forderung zu erfüllen. In dem Bericht wird auch noch auf zahlreiche Unterstützungserklärungen über das gewerkschaftliche Spektrum hinaus informiert.  Siehe dazu auch einen Link zur Twitter-Aktivität von Belegschaft und Gewerkschaften (weiterlesen »)

Dossier

DAs Uber Streikplaka der IWGB in London am 8.5.2019In New York und Los Angeles, in London und Birmingham, aber auch in Sydney und in südamerikanischen Städten: Am Mittwoch, 8. Mai 2019 wurden Uber und Lyft bestreikt – eine Aktion, an der sich weltweit rund 10.000 Fahrerinnen und Fahrer beteiligt haben. Besser: Unterschiedliche Aktionen. Zwei Stunden streiken oder den ganzen Tag, mit Streikversammlungen oder Online-Kundgebungen, organisiert von verschiedenen gewerkschaftlichen Zusammenschlüssen. Der Grund: Wegen des Börsengangs von Uber befürchten die Beschäftigten – die Beschäftigten, wohlgemerkt, nicht etwa Vertragspartner – weitere Kürzungen ihres Anteils oder/und weitere Intensivierung der Ansprüche des Unternehmens, denn Aktionäre wollen Profite sehen, Dividenden genannt. Und Lyft hat gerade eben – nach dem Börsengang – seinen ersten Geschäftsbericht veröffentlicht – beide Unternehmen wollen höhere Dividende beschaffen. Demgegenüber fordern die Beschäftigten nicht weniger, sondern einen größeren Anteil an den Einnahmen und bessere Arbeitsbedingungen, das war es, was die Aktionen einigte, sei es von der New York Taxi Workers Alliance oder der Rideshare Drivers United aus Los Angeles, der IWGB aus Großbritannien oder der australischen Rideshare Drivers Cooperative – wobei  die diversen, oft lokalen gewerkschaftlichen Zusammenschlüsse (von denen es an manchen Orten auch mehrere gibt) durchaus unterschiedlichen Orientierungen folgen, zwischen Kooperative und Anarchosyndikalismus… Eine Minderheit unter den 3 Millionen Menschen, die täglich weltweit für Uber Auto fahren, aber eine stark wachsende Minderheit… Zum Streiktag 8. Mai 2019 einige Beiträge, in denen neben den ersten Berichten auch die Streikgründe konkretes Thema sind und nun eine Analyse:

  • Der globale Streiktag bei Uber: Ein erster Erfolg. Und welche Perspektiven? New (weiterlesen »)

“Am Freitag, den 23. November 2018, traten im Automobilwerk von Vauxhall im britischen Ellesmere Port alle 1.100 gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen und Arbeiter in den Streik, nachdem sie erfahren hatten, dass nächstes Jahr 241 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter sind sauer, dass die Arbeitsplatzvernichtung durch PSA in Salamitaktik weitergeht. In Ellesmere Port wird der Astra produziert.“ Beitrag vom 26.11.2018 bei Rote-Fahne-News externer Link, siehe zum Hintergrund: (weiterlesen »)

fareunstreik_glasgow_23.10.2018Dass Frauen im Job schlechter bezahlt werden, ist hinlänglich bekannt. Und auch, dass Maßnahmen dagegen die Situation nur sehr langsam verbessern. Im schottischen Glasgow reicht es mehreren tausend Frauen nun: Die für die Stadtverwaltung arbeitenden Heimhilfen, Kantinenmitarbeiterinnen und Putzfrauen streiken ab Dienstag zwei Tage. Der Streit über die Löhne schwelt schon seit Jahren – und ausgelöst wurde er ausgerechnet durch eine Regelung, die schon 2006 die Ungleichbehandlung hätte verringern sollen. Damals wurde ein neues Entlohnungssystem geschaffen, das allerdings Frauen weiterhin benachteiligte. Jobs, die typischerweise von Männern erledigt werden, wurden weit besser entlohnt als solche, in denen vor allem Frauen beschäftigt werden, also vor allem in der Altenbetreuung und Pflege, in Kantinen und in der Reinigung. Männer, die nach der Neuregelung schlechter ausstiegen, erhielten drei Jahre lang Ausgleichszahlungen. Diese Regelung wurde im Vorjahr als diskriminierend aufgehoben. (…) Denn in allen Gesprächen zwischen den Gewerkschaften GMB und Unison und der Stadtverwaltung gab es keinerlei Annäherung: Es gebe von der Stadt keinerlei Vorschläge, so Mary Dawson von Unison. Dabei habe es Treffen und Gespräche am laufenden Band gegeben. Zehn Monate Zeit habe man der Stadt gegeben. Jetzt sei es Zeit, in Aktion zu treten…“ aus dem Bericht „Frauen in Glasgow proben den Aufstand“ am 23. Oktober 2018 beim ORF externer Link, worin auch die Ergebnisse der Urabstimmung in den beiden beteiligten Gewerkschaften berichtet werden (Unison 99% für Streik, GMB 98%) und darauf verwiesen, dass dies der größte Frauenstreik in GB seit Dagenham sei. Damals – 1968 – hatten die Frauen von Ford gestreikt, die „Näherinnen von Dagenham“. Für dasselbe Ziel wie 50 Jahre später… Siehe dazu auch einen ersten Streikbericht und die Dokumentation des Streikaufrufs von Unite Glasgow: (weiterlesen »)

[4. Oktober 2018] Ein gemeinsamer Tag des Protests in Großbritannien von McDonalds bis Uber Eats: Fast Food Shutdown für 10 Pfund Mindestlohn und GewerkschaftsrechteDer bunte Auflauf ist keine Feier, sondern ein Protest. Die Demonstranten sind Uber-Fahrer und gerade eben haben sie ihren ersten Streik in Großbritannien begonnen. Einen Tag lang wollen sie die Arbeit ruhen lassen. Uber-Kunden sind aufgerufen, keine Fahrten zu bestellen. Die Fahrer wollen höhere Preise verlangen dürfen – zwei Pfund pro Meile, umgerechnet etwa 2,30 Euro, statt 1,25 Pfund wie bisher – und sie wollen, dass Uber ihnen in Zukunft eine geringere Provision abknöpft. Derzeit steckt das Unternehmen 25 Prozent ihres Umsatzes ein; die Streikenden wollen den Satz auf 15 Prozent reduzieren. Babul Islam, einer der Protestierenden, sagt: Er arbeite fünf bis sechs Tage pro Woche, aber um seine Familie zu ernähren, müsse er Zehn- bis Zwölf-Stunden-Schichten fahren.  Manchmal deaktiviert Uber seine Fahrer auch ganz plötzlich, ohne dass sie je den Grund erfahren. In solchen Fällen sollen die Fahrer zumindest ein Berufungsrecht haben, sagt Yaseen Aslam, der Gründer von United Private Hire Drivers (UPHD), der Gewerkschaft der Uber-Fahrer. “Wir fordern nichts Außergewöhnliches, sondern setzen uns lediglich für die grundlegenden Rechte am Arbeitsplatz ein, wie sie auch in anderen Sektoren die Regel sind”, sagt er.  (…) Der Streik der Uber-Fahrer ist Teil einer ganzen Menge von Disputen, die derzeit auf den unteren Sprossen der britischen Einkommensleiter ausgetragen werden – dort, wo es kaum Arbeitsschutz und Krankengeld gibt, wo die Anstellungsverhältnisse unbeständig sind und die Arbeitszeiten lang. Das ist kein vernachlässigbarer Teil der Wirtschaft: Wie der Gewerkschaftsdachverband TUC im vergangenen Jahr errechnet hat, verdienen über drei Millionen Menschen in Großbritannien ihren Lebensunterhalt in prekären Arbeitsverhältnissen…“ – aus dem Beitrag „Rebellion der Niedriglöhner“ von Peter Stäuber am 10. Oktober 2018 in Zeit Online externer Link, worin auch verschiedene Berichte über Arbeitsbedingungen in diesen Branchen kurz skizziert werden – und die besondere Rolle „kleiner Gewerkschaften“ hervor gehoben. Siehe dazu auch weitere Beiträge über diesen Aktionstag – inklusive Debattenbeiträge zur Rolle der Basisgewerkschaften in diesem Kampf, sowie den Hinweis auf unseren ersten Beitrag zum Thema: (weiterlesen »)

[4. Oktober 2018] Ein gemeinsamer Tag des Protests in Großbritannien von McDonalds bis Uber Eats: Fast Food Shutdown für 10 Pfund Mindestlohn und GewerkschaftsrechteBeschäftigte jeweils einiger Filialen in mehreren britischen (und nordirischen)  Städten von Uber Eats, McDonalds, TG1 Friday und Wetherspoon haben am Donnerstag einen gemeinsamen Streik- und Protesttag organisiert, kettenübergreifend und gewerkschaftsübergreifend zugleich. Neben den Beschäftigten der verschiedenen Konzerne, die im Laufe des Jahres bereits mehrfach einzeln zu Streik und Protest gegriffen hatten, waren auch Organisationen wie die IWW, IWGB und Unite sowie GMB beteiligt, im Kampf für bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen – bei einigen auch gegen den in englischen Restaurants verbreiteten Trinkgeld-Klau. Einer der Höhepunkt dieses Aktionstages, dessen Mobilisierung in der Tat ausreichte, einige Filialen vorübergehend ganz schließen zu müssen, war die Besetzung der Uber-Zentrale in London. Die Aktionen waren auch davon geprägt, dass neben dieser – wie sie vielfach in der Vorberichterstattung auch der Mainstream-Medien genannt wurden – „neuen Generation von GewerkschafterInnen“ auch sehr viele, ebenfalls zumeist junge Menschen aus Solidarität mit den Streikenden die Streikpostenketten und Kundgebungen verstärkten. Siehe zum Fast Food Shutdown eine inhaltliche Ankündigung, vier aktuelle Berichte und zwei Hintergrundbeiträge (weiterlesen »)

Der Beginnd es McDonald Streiks in ManchesterEindeutige mitternächtliche Bilder aus England zum 1. Mai: Zum Beginn des eintägigen Proteststreiks in fünf englischen McDonalds-Filialen um Mitternacht sammelten sich an allen Orten sehr viele Menschen, die die Streikenden unterstützten: Familienangehörige und Freunde, die die Forderung nach 10 Pfund Mindestlohn die Stunde aus ureigenem Interesse mit vertreten. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die die immer moderne Idee gewerkschaftlicher Solidarität praktisch umsetzen. Und: Kolleginnen und Kollegen anderer ähnlicher Unternehmen, die erlebt haben, dass die McDonalds Lohnerhöhung im Januar 2018, nach dem ersten Streik im September 2017, auch „ihre“ Unternehmen in entsprechenden Zugzwang brachte. Und nach wie vor erhalten die Streikenden zahlreiche Solidaritätsbekundungen aus vielen anderen Ländern, in denen Menschen für einen Mindestlohn kämpfen, der zum Leben reicht. Auf dem Twitter-Kanal „#McStrike“ externer Link gibt es Bilder und Berichte aus dieser Nacht von mehreren Orten und Aktionen. Siehe dazu auch die aktuellen Berichte auf zwei weiteren Twitter-Kanälen und den Hinweis auf unseren ersten Beitrag zu diesem Streiktag: (weiterlesen »)

Soliplakat des gewerkschaftlichen Basisnetzwerkes der vertrauensleute mit dem britischen McDonalds Streik am 1.5.2018Der erste Streik der britischen McDonalds Geschichte im Herbst 2017 (siehe den Verweis auf unseren Bericht am Ende dieses Beitrages) hatte – wenn man dem Unternehmen einmal glauben möchte – keinerlei Auswirkungen. Dass McDonalds kurze Zeit nach dem damaligen Streik die ebenfalls größte Lohnerhöhung seiner Geschichte vornahm, war reiner Zufall, versteht sich. Es wird interessant sein zu sehen, ob König Zufall nach dem 02. Mai 2018 wieder zuschlägt – denn am Tag zuvor, am 01. Mai 2018, findet nun der zweite Streik bei der britischen McDonalds-Kette statt. Diesmal nicht in zwei Filialen, wie im vergangenen Herbst, sondern in gleich fünf Filialen im Großraum London. Denn, obwohl die Lohnerhöhung bedeutend war, war eine Forderung (nicht nur) der Streikenden nicht erfüllt worden: Die lautet Mindestlohn 10 Pfund Sterling. In der Pressemitteilung „McStrike to spread nationwide on 1 May“ vom 27. April 2018, hier bei War on Want externer Link dokumentiert, wird berichtet, dass die Urabstimmung der in den fünf Filialen Beschäftigten eine eindeutige Mehrheit von 95% für diesen Streiktag 1. Mai ergab. Dabei wird auch eine Filiale in Watford bestreikt, dem Wohnsitz des britischen McDonalds-Chefmanagers… Siehe dazu auch einen weiteren Beitrag der Gewerkschaft Bakers Food and Allied Workers Union (BFAWU) und den Verweis auf den letzten unserer Beiträge zum Streik im Herbst – und seinen Ergebnissen… (weiterlesen »)

13. April 2018 Urabstimmung an britischen Unis - UCU Opposition gegen Tarifvereinbarung wegen RentenBei der gewerkschaftlichen Abstimmung, die bis zum Freitag, 13. April 2018 von der UCU durchgeführt wurde, haben sich doch 64% der Beteiligten für eine Annahme der vom Gewerkschaftsvorstand erzielten Vereinbarung ausgesprochen, was dementsprechend auch ein Ende des Streiks bedeutet. Auch in solchen Bezirken, in denen die jeweilige Leitung dazu aufgerufen hatte, mit „Nein“ zu stimmen, erreichte das „Ja“ Mehrheiten, wenn auch natürlich wesentlich knappere. Offensichtlich war für die Mehrheit der Abstimmenden wichtig, dass einerseits die Angriffe auf ihre Rentenversicherung mit der erzielten Vereinbarung – eine von beiden Seiten zusammen gestellte Expertengruppe solle Wege suchen und finden, mit denen die Kosten der Rentenversicherung gesenkt werden können, ohne die Rentenbezüge zu verschlechtern – ihre Unmittelbarkeit verloren haben. Und andererseits war es eben auch wichtig, dass es ein ausreichendes Maß an Vertrauen in die daran beteiligten Personen und Gruppen gab, was insofern nicht überrascht, als wohl auch den bisherigen Gegenreform-Bestrebungen der Universitätsverwaltungen sehr kritisch gegenüber stehende Personen an dieser Expertenrunde beteiligt werden sollen. Aber natürlich sind auch 36% der Stimmen gegen diese Vereinbarung ein Ausdruck massiver Unzufriedenheit, die zwar nicht mehrheitlich ist, aber deutlich sichtbar. Zum Ende des Streiks an den britischen Universitäten drei aktuelle Beiträge, sowie zwei Beiträge zu Schlussfolgerungen für die nahe Zukunft – und der Verweis auf den bisher letzten unserer Beiträge zum Unistreik in Großbritannien: (weiterlesen »)

13. April 2018 Urabstimmung an britischen Unis - UCU Opposition gegen Tarifvereinbarung wegen RentenNoch bis einschließlich Freitag, den 13. (!) April 2018 wird in der britischen UCU eine Online-Abstimmung darüber durchgeführt, ob der neuerliche Tarif-Vertragsvorschlag des Gewerkschaftsvorstandes angenommen wird – der eigentlich noch nicht einmal ein Entwurf eines Tarifvertrages ist, sondern eher eine Art (und kritische Stimmen nennen sie bereits „unverbindliche“) Absichtserklärung. Darüber, wie künftig die Rentenversicherung der DozentInnen an den britischen Universitäten organisiert werden solle – denn der Generalangriff der zentralen Universitätsbehörde auf die Renten war der Streikgrund bereits im März. (Siehe den Verweis auf unseren entsprechenden Bericht am Ende dieses Beitrags). Und obwohl die Gewerkschaftsvorsitzende alle Register zieht, der Mitgliedschaft zu verdeutlichen „etwas Besseres bekommen wir nicht“ scheint die Aussicht auf eine neue politische Schlappe der Universitätsverwaltungen – und mit ihnen des Gewerkschaftsvorstandes – relativ groß. Schon der Vorstand hatte die Entscheidung, die Übereinkuft zur Abstimmung vorzulegen, nur mit knapper Mehrheit gefasst: 10:8 war das Abstimmungsergebnis. Und von jenen rund 30 Grundeinheiten der Gewerkschaft, deren jeweilige Leitung eine Stimmempfehlung oder einen Stimmaufruf an ihre Mitglieder verbreitet haben, hat sich noch keine einzige gefunden, die dazu aufgerufen hätte, mit „Ja“ zu stimmen, lediglich einige – wenige – Enthaltungen wurden bekannt gegeben. Siehe zur Streikbewegung an den britischen Universitäten vier weitere aktuelle Beiträge, inklusive des Links zum Twitter-Kanal „No Capitulation“ und zur Webseite der organisierten Gewerkschaftsopposition UCU Left: (weiterlesen »)

Britischer Unistreik: Protest gegen Gewerkschaftsvorstand der UCUNacht und Nebel-Aktion wird so ein Vorgehen gemeinhin genannt. Kaum hatte der Druck der Streikbewegung, die seit drei Wochen die Lage an den britischen Universitäten bestimmt, die Betreiber zurück an den Verhandlungstisch gezwungen (was sie vorher rundweg abgelehnt hatten), schon war der Vorstand der Gewerkschaft UCU zufrieden und unterzeichnete ein Abkommen, das eben gerade nicht die geforderte Absicherung der Renten der DozentInnen bedeutet. Sowohl verschiedene Gruppen von Streikenden, als auch eine ganze Reihe von Studierenden-Gruppen, die den Streik massiv unterstützt haben, riefen deswegen für den Dienstag, 13. März 2018 zu Protesten auf, um gegen den Tarifvertrag zu demonstrieren und die bisherigen Forderungen weiterhin zu verteidigen. Erfolgreich, denn die Gewerkschaft verkündet dann plötzlich die Fortsetzung des Streiks, weil das Angebot nicht ausreichend gewesen sei… Siehe zur Auseinandersetzung um die Fortsetzung des Streiks an britischen Universitäten mehrere aktuelle Beiträge, zwei Hintergrundartikel und den Verweis auf unseren ersten Bericht zum Thema: (weiterlesen »)

Uni streiken gegen Rentenprvatisierung in London am 23.2.2018Hochschullehrerinnen und -lehrer gehören nicht zur militanten Avantgarde der Arbeiterbewegung. Doch wollen Zehntausende Mitglieder der britischen Gewerkschaft University and College Union über einen Zeitraum von vier Wochen ihren Arbeitsplätzen vierzehn Tage lang fernbleiben. Frierende Streikposten mit Doktortiteln säumen die Einfahrten zu Britanniens Universitäten. Mehr als die Hälfte der Studierenden sympathisieren mit den plakattragenden Lehrkräften. Was läuft an Britanniens Hochschulen schief? Den Beamtenstatus für Universitätslehrerinnen und -lehrer gibt es auf der Insel nicht, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Streiken ist nicht verboten, aber Jobsicherheit nicht garantiert. Aber der jetzige Uni-Streik hat einen anderen Grund: geplante Rentenkürzungen. Angeblich leidet der Uni-Rentenfonds an einem Defizit von umgerechnet 6,6 Milliarden Euro. Bisher zahlten die Lehrkräfte in der Erwartung ein, einen Bruchteil ihres letzten (zumeist höchsten) Gehalts als Rente zu erhalten. Der Gesamtbetrag war nie üppig, aber bedeutete trotzdem einen sicheren Lebensabend. Jetzt soll nicht die jahrelang einbezahlte Summe entscheidend sein, sondern das Fondsschicksal an der Börse“ – so beginnt der Beitrag „Großbritanniens Dozenten streiken“ von Ian King am 24. Februar 2018 in neues deutschland externer Link über den Kampf gegen die Übernahme des Rentensystems durch Spekulanten. Siehe dazu drei weitere aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)