Angola

Solidemo gegen Urteile in Angola - Lissabon 1.4.201617 Aktivisten aus Luanda sind Ende März zu Freiheitsstrafen von 2 Jahren und 3 Monaten bis achteinhalb Jahren verurteilt worden – wegen „Vorbereitung von Rebellion“. Sie hatten in einem Buchclub eben das gemacht: Bücher diskutiert. Was der Milliardärsfamilie Santos und ihren Geschäftspartnern schon reicht, um sich anbahnenden Umsturz ihrer jahrzehntelangen Herrschaft zu wittern. Die letzten, die in diesen Öl und Diamantenhändlern noch irgendwie Kämpfer für die Unabhängigkeit Angolas sehen (und die Solidaritätskampagne dementsprechend als ein weiteres amerikanisches Komplott) sind die portugiesischen Kommunisten. Ansonsten organisiert die progressive Öffentlichkeit eine internationale Solidaritätskampagne. Siehe dazu vier aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Verkehrschaos in Luanda 24.12.2015 - der Busstreik geht weiterStreiks der Busfahrer verschiedener Gesellschaften hatte es in Luanda in den letzten Jahren mehrfach gegeben. Aber noch keinen so langen mit so großer Beteiligung: Von den insgesamt 1.900 Beschäftigten der Transportgesellschaft TCUL befinden sich 95% im Streik, nur höhere Funktionäre beteiligen sich nicht – und das seit nunmehr über 2 Wochen. Der Belegschaft geht es vor allem um die Ausbezahlung rückständiger Löhne – seit rund 9 Monaten erhalten immer mehr Beschäftigte nur noch Abschlagszahlungen. Was unter anderem dazu führt, dass es Dutzende Familien gibt, die verschriebene Medikamente nicht kaufen können, und diese Zahl wächst kontinuierlich, ebenso wie auch die Ernährung vieler zunehmend eingeschränkt werden muss. Die nächstliegende weitergehende Forderung ist damit auch logisch – es wird eine Veränderung der betrieblichen Krankenversicherung gefordert. Bisher hat das Unternehmen nicht auf den Streik reagiert – obwohl ein Gewerkschaftssprecher unterstrich, dass man auf den Dialog mit dem Unternehmen setzte und darauf warte, weil der aktuelle Zustand dazu führen könne, dass die Gewerkschaft die Kontrolle über die Protestbewegung verliere. So zitiert in dem Bericht „Trabalhadores em greve da TCUL querem diálogo com patronato“ am 31. Dezember 2015 bei Rede Angola externer Link – und dann sei, so der Gewerkschaftssprecher, mit einer viel härteren Auseinandersetzung zu rechnen… Siehe dazu auch zwei weitere aktuelle Berichte (weiterlesen »)

Luaty vor seinem Hungerstreik von 36 Tagen im September-Oktober 2015Luaty Beirão hat seinen Hungerstreik nach 36 Tagen beendet – weil die weltweite Reaktion bereits dazu geführt habe, dass der repressive Charakter des angolanischen Regimes nunmehr viel sichtbarer geworden sei. Der Sänger ist einer jener 17 Aktivisten, die “der Rebelion” angeklagt sind (und obwohl das angolanische Regime sich einst revolutionär gab, ist, ganz konterrevolutionär, bei ihnen jede Rebelion ungerechtfertigt) und, natürlich, sowieso: Eines vorbereiteten Attentats auf den sehr reich gewordenen Herrn dos Santos, seines Zeichens Präsident Angolas seit ewig. 15 von ihnen sind seitdem in angeblicher Untersuchungshaft – und genau gegen diese extrem lange Haftzeit vor dem Prozeß, der für 16. November geplant ist, richtete sich dieser Protest. Die anderen Festgenommenen hatten Luaty in der letzten Woche gebeten, seinen Hungerstreik zu beenden. Die sogenannte “Buchclub-Affäre” (LabourNet Germany berichtete) hat nun weltweit Solidarität hervorgerufen – etwa des brasilianischen Musikers (und Ex-Flüchtlings) Chico Buarque, am meisten aber in Portugal. Vor allem der dortige Linksblock hat zahlreiche Aktionen organisiert und Publikationen verbreitet, die der herrschenden Clique Angolas gar nicht gefallen. Weswegen ausgerechnet die, die die Ölmultis ins Land geholt haben, jetzt die portugiesische Linke des fortgesetzten Kolonialismus anklagen. Das Dossier “Liberdade para os presos políticos angolanos” im Esquerda.net ist bisher bis zum 21. Oktober 2015 externer Link chronologisch fortgesetzt und dokumentiert die ganze Affäre seit der Festnahme der Debattenteilnehmer im Buchclub am 20. Juni. Siehe dazu auch drei weitere aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Solidaritätsdemo mit den Buch-Club Verhafteten in Luanda-Angola Ende Juni 2015“Sharks or crocodiles: How to get rid of an activist in Angola” von Rafael Marques de Morais am 14. Juli 2015 bei Pambazuka externer Link ist ein ausführlicher Beitrag, in dem der Autor (selbst von politischer Verfolgung betroffen) die jüngsten Maßnahmen gegen die Teilnehmer einer Diskussionsrunde (Buchclub) – die Staatsanwaltschaft “untersucht” Bestrebungen eines Staatsstreichs – in die Erfahrungen mit Repression der letzten Jahre einordnet. Siehe dazu auch zwei weitere aktuelle Beiträge, inklusive Solidaritätsaufruf (weiterlesen »)

Polizei gegen Demonstranten Luanda Mai 2015Innenministerium und Staatsanwaltschaft sahen von Störung der öffentlichen Ordnung bis zur Vorbereitung von Unruhen alles gegeben an und liessen alle 13 Teilnehmer einer Diskussionsrunde zu verschiedenen Büchern festnehmen und in mehrere Gefängnisse quer durchs Land verteilen. Ohne offizielle Anklage. Ohne Besuchserlaubnis. Zugegeben – es waren Bücher etwa über zivilen Widerstand und zwei der Teilnehmer waren schon im Gefängnis gewesen – einer davon, weil er T Shirts druckte mit kritischen Äußerungen zu Präsident dos Santos. Aber wenn schon Debatten über Bücher verboten sind und wenn evangelische Sekten von Sondereinhzeiten der Armee (Ninjas) gemetzelt werden – wie stabil ist so ein Regime, dessen Träger sich an Öl und Diamanten zu Großbürgern empor”gearbeitet” haben? In dem Artikel “The book club that terrified the Angolan regime” von Simon Alison am 25. Juni 2015 im (südafrikanischen) Daily Maverick externer Link wird diese erneute reaktionäre Offensive des Regimes mit jenen von 1977 und 1992 in eine Linie gesetzt, als es, wie jetzt mit den Sektenmitgliedern, ebenfalls – und noch weitaus größere – regelrechte Massaker gab

Wirtschaftswunder. Bestandsaufnahme

Eine Art Bestandsaufnahme des neuesten afrikanischen Wunderkindes (im letzten Jahrzehnt durchschnittlich jährliches Wachstum von 11%) ist der Beitrag “Year of Change in Angola, But Everything Stays the Same“ von Sara Moreira am 29. Dezember 2012 bei Global Voices Online externer Link (weiterlesen »)

Diese geradezu absureden Verhältnisse sind einigermassen bekannt – wurden aber noch selten so knapp dargelegt wie in dem kurzen Video “Angola’s oil curse widens the wealth gap” externer Link  von der AFP am 14. Oktober 2012 bei You Tube.

Neue Vertreibungen

Quelle: ARRANCA CAMPANHA DE REPÚDIO CONTRA DEMOLIÇÕES NO LUBANGO E DE SOLIDARIEDADE COM AS VÍTIMASexterner Link im Original am 16. Juni 2012 beim angloanischen Blog Quintas de Debate erschienen externer Link

Stadtplanung auf angolanisch heisst: Straße gefällig – weg mit denen! Und dies keineswegs nur, wie mehrfach berichtet, in der Hauptstadt, sondern in allen größeren Städten des Landes – aktuell in Lubango. Von Mitte Mai bis Mitte Juni wurden hier 250 Häuser abgerissen und die BewohnerInnen zwangsweise weggeschafft – insgesamt sind es im Land dieses Jahr bereits rund 8.000 Häuser und Hütten. Ein englischer Text (trotz portugiesischem Titel) “ARRANCA CAMPANHA DE REPÚDIO CONTRA DEMOLIÇÕES NO LUBANGO E DE SOLIDARIEDADE COM AS VÍTIMAS”  war im Original bereits am 16. Juni 2012 beim angloanischen Blog Quintas de Debate erschienen – und versucht, sowohl diese jüngsten Maßnahmen in die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre einzuordnen, als auch Solidarität zu organisieren, etwa über Muster-Protestschreiben samt offiziellen Adressen usw.