Vom Protest zum Widerstand: Vernetzungskonferenz in Kassel „gewerkschaftlicher Widerstand gegen Sozialabbau und Aufrüstung“ 16.–17. Oktober 2026

Vom Protest zum Widerstand: Vernetzungskonferenz in Kassel ´gewerkschaftlicher Widerstand gegen Sozialabbau und Aufrüstung´ 16.–17. Oktober 2026„… In den vergangenen Monaten ist zwischen ´Sagt NEIN!´ externer Link, der Gewerkschaftslinken Hamburg externer Link und der VKG – Vernetzung für Kämpferische Gewerkschaften externer Link die Idee entstanden, eine gemeinsame Diskussion über den Aufbau einer bundesweiten Koordinierung klassenorientierter Gewerkschaftsarbeit zu eröffnen. Wir wollen Erfahrungen, Konflikte und Fragen aus dem antimilitaristischen Widerstand miteinander teilen. Nicht übereinander reden, sondern miteinander. Nicht nur analysieren, sondern voneinander lernen, Kontakte knüpfen und gemeinsame Perspektiven entwickeln…“ Aus der Einladung zur Eröffnung einer Diskussion bei der VKG externer Link und mehr Informationen sowie nun Berichte:

  • Vom Protest zum Widerstand – Gewerkschaftlicher Widerstand vernetzt sich in Kassel New
    „Fast 60 Aktive aus Betrieben, Gewerkschaften und gesellschaftlichen antimilitaristischen Initiativen kamen am 16. und 17. Oktober in Kassel zusammen, um über den Aufbau eines gemeinsamen Widerstands gegen Krieg, Militarisierung und Sozialkahlschlag zu beraten. (…)
    Zwei Tage lang standen nicht nur politische Analysen, sondern vor allem konkrete Erfahrungen aus Betrieben, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Initiativen im Mittelpunkt. Wo wird bereits Widerstand geleistet? Welche Hindernisse stehen ihm entgegen? Und wie kann aus vereinzelten Initiativen eine gemeinsame Gegenmacht entstehen?
    Wenn aus Autofabriken Rüstungsbetriebe werden
    Wie unmittelbar sich diese Fragen inzwischen stellen, zeigten Berichte aus der Automobilindustrie. Am Beispiel des VW-Werks Osnabrück wurde deutlich, wie die Krise der Automobilindustrie genutzt wird, um den Einstieg in die Rüstungsproduktion als vermeintliche Rettung von Arbeitsplätzen anzubieten. Auch der forcierte Ausbau Kassels zu einem bedeutenden Rüstungsstandort wurde kritisch beleuchtet. Aktive aus den Mercedes-Benz- und VW-Werken, vom Automobilzulieferer SNOP Automotive sowie aus weiteren Betrieben berichteten über ihre Auseinandersetzungen mit Arbeitsplatzabbau, Standortkonkurrenz, Kriegswirtschaft und die Schwierigkeiten, dagegen eigenständige gewerkschaftliche Gegenwehr zu organisieren.
    Deutlich wurde: Wo Beschäftigte vor die Wahl zwischen Arbeitsplatzverlust und Rüstungsproduktion gestellt werden, ist die gewerkschaftliche Antwort nicht die Unterordnung unter die Interessen der Rüstungskonzerne, sondern der gemeinsame Kampf um Arbeitsplätze und gesellschaftlich sinnvolle Produktion.
    Militarisierung macht vor keinem gesellschaftlichen Bereich halt
    Wie weit die Kriegsvorbereitung bereits in den gesellschaftlichen Alltag hineinreicht, zeigten Beiträge aus dem Gesundheitswesen, aus Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen. Berichtet wurde über die Einbindung ziviler Infrastruktur in militärische Planungen, die Vorbereitung des Gesundheitswesens auf den Kriegsfall und die wachsenden Ansprüche des Militärs an gesellschaftliche Ressourcen. (…)
    Besonders anschaulich wurde die Frage betrieblicher Verweigerung am Beispiel der Münchner ´Panzertramverweigerer´. Drei Straßenbahnfahrer weigern sich aus Gewissensgründen, eine als Bundeswehr-Werbeträger gestaltete Straßenbahn zu fahren. Ihr Arbeitgeber versucht, diese Verweigerung mit arbeitsrechtlichen Mitteln zu überwinden. Nach einer erstinstanzlichen Entscheidung des Arbeitsgerichts München wird die Auseinandersetzung nun vor dem Landesarbeitsgericht fortgesetzt.
    Der Fall zeigt, dass die Militarisierung nicht nur politische Zustimmung einfordert, sondern bis in die konkrete Arbeitsausführung hineinreicht. Und er zeigt, welchen Mut und Durchhaltevermögen Beschäftigte brauchen, die sich der Vereinnahmung für militärische Werbung und Kriegsvorbereitung verweigern.
    Widerstand auch gegen den Burgfriedenskurs der eigenen Gewerkschaftsführungen
    Eine besonders intensive Diskussion entwickelte sich über die Hindernisse, denen eigenständige gewerkschaftliche Initiativen nicht nur von Arbeitgebern und staatlichen Stellen, sondern auch innerhalb der eigenen Gewerkschaften begegnen. (…)
    Während gewerkschaftliche Vorstände an Sozialpartnerschaft, nationaler Standortlogik und politischem Burgfrieden festhalten, geraten selbstorganisierte Initiativen, die diesen Kurs offen kritisieren, unter innergewerkschaftlichen Druck.
    Die Frage gewerkschaftlicher Unabhängigkeit stellt sich damit nicht nur gegenüber Kapital und Regierung, sondern auch gegenüber den eigenen Apparaten.
    Einigkeit bestand darin, dass der Aufbau klassenautonomer Gegenmacht nicht an den Grenzen gewerkschaftlicher Organisationsstrukturen haltmachen darf. Er muss die demokratische Selbstorganisation der Mitglieder stärken und betriebliche mit gesellschaftlichen Kämpfen verbinden. (…)
    In der abschließenden Diskussion bestand weitgehende Einigkeit darüber, dass sich der imperialistische Krieg nach außen und der soziale Krieg nach innen nicht voneinander trennen lassen. Ebenso wenig Kriegsvorbereitung, Sozialkahlschlag und der autoritär-repressive Umbau des Staates. Entscheidend sei deshalb, die vielerorts entstehenden Proteste zusammenzuführen und die kollektive Handlungs- und Streikfähigkeit der Beschäftigten zu stärken. Ausdrücklich wurde dabei auch der politische Streik bis hin zum Generalstreik als wirksames Instrument gesellschaftlicher Gegenmacht diskutiert.
    Zugleich verständigten sich die Teilnehmerinnen darauf, betriebliche und gewerkschaftliche Initiativen stärker mit der Schulstreikbewegung gegen die Wehrpflicht, der Friedens- und Klimabewegung, der Palästinasolidarität sowie antirassistischen und antifaschistischen Initiativen zu verbinden.
    Die Konferenz unterstützte den internationalen Hafenarbeiter-Aktionstag am 30. Oktober, das internationale Treffen gegen Ausbeutung und Krieg am 8. November in Paris, den Jugendkampftag am 20. November sowie die Bestrebungen, zeitnah eine zentrale Demonstration in Berlin gegen den imperialistischen Krieg nach außen und den sozialen Krieg nach innen zu organisieren. (…)
    Koordinierungsrat gegründet – gemeinsame Gegenwehr organisieren
    Als konkretes Ergebnis der Konferenz wurde darüberhinaus ein sechsköpfiger Koordinierungsrat ´Gewerkschaftlicher Widerstand´ (KoRa) berufen. Er soll die Ergebnisse und Vereinbarungen der Konferenz dokumentieren und verbreiten, die gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Aktionen koordinieren sowie ein nächstes bundesweites Treffen vorbereiten. Dort sollen Bilanz gezogen und die weitere Zusammensetzung, Aufgaben und Arbeitsformen gemeinsam entschieden werden.
    Die Botschaft aus Kassel ist klar: Es mangelt nicht an Protest. Entscheidend ist, daraus organisierten Widerstand zu entwickeln – in den Betrieben, in den Gewerkschaften, auf den Straßen und über alle Grenzen hinweg. Vom Protest zum Widerstand!“
    Pressemitteilung vom 17. Oktober 2026 dokumentiert auf gewerkschaftsforum.de externer Link mit Fotos, auch mit Ausführungen zur internationalen Solidarität und 4 Solidaritätsadressen

  • Vernetzungskonferenz in Kassel: »Aus einzelnen Kämpfen koordinierten Widerstand machen«
    „Antimilitaristische Vernetzungskonferenz am 16. und 17. Oktober in Kassel: Es soll nicht bei Appellen gegen Aufrüstung bleiben. (…)
    In den vergangenen Monaten und Jahren sind an vielen Orten antimilitaristische Initiativen entstanden – in Betrieben, Gewerkschaften, Friedensgruppen und anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen. Kolleginnen und Kollegen organisieren sich gegen Militarisierung und Rüstungsproduktion, gegen Sozialabbau und die Unterordnung gewerkschaftlicher Interessen unter die sogenannte Kriegstüchtigkeit. Aber vieles findet noch nebeneinander statt. Unser Ausgangspunkt ist deshalb die Frage: Wie bekommen wir diese Erfahrungen zusammen? Zudem wollen wir verhindern, dass die jüngsten Massenmobilisierungen, also der Aktionstag der Automobilindustrie und die Sozialproteste am 26. September, seitens des Gewerkschaftsapparats in konzertierte Aktionen überführt werden.
    [Es gibt Initiativen dieser Art. Was wollen Sie anders machen?]
    Uns interessiert vor allem die konkrete Praxis: Was passiert in den Betrieben? Welche Auseinandersetzungen gibt es dort und innerhalb der Gewerkschaften? Wo gelingt es Kolleginnen und Kollegen, sich zu organisieren? Wo stoßen sie auf Widerstände? Und was können andere daraus lernen? Dabei wollen wir betriebliche und gewerkschaftliche Initiativen ausdrücklich mit der zivilgesellschaftlichen antimilitaristischen Bewegung zusammenbringen. Nicht übereinander reden, sondern miteinander. Nicht nur analysieren, was gerade geschieht, sondern diskutieren, was wir praktisch tun können. Auch muss niemand mit fertigen Antworten kommen, und wir müssen auch nicht in jeder Frage derselben Meinung sein. Entscheidend ist die Bereitschaft, Erfahrungen zu teilen und darüber zu reden, wo gemeinsames Handeln möglich ist. (…) Wir wollen nicht den nächsten Apparat gründen und auch niemandem ein fertiges Programm vorsetzen. Es geht, wie der Name nahelegt, zunächst darum, Menschen und Initiativen zusammenzubringen. Unterschiede dürfen dabei sichtbar bleiben. Eine tragfähige Vernetzung entsteht nicht dadurch, dass man Differenzen zukleistert. Wir wollen herausfinden, was wir gemeinsam tun können: Wo können Aktionen miteinander verbunden werden? Wo können wir uns gegenseitig unterstützen? Welche Formen kontinuierlicher Zusammenarbeit brauchen wir? Und wie kann aus Protest tatsächlicher Widerstand entstehen? Ob daraus anschließend eine dauerhafte Koordinierung entsteht und welche Form sie haben könnte, müssen die Beteiligten gemeinsam entscheiden. (…)
    Ein besonderer Programmpunkt wird eine Liveschaltung nach Vigo in Spanien sein. Dort tagt die Generalversammlung des European Dockworkers’ Council. Die Hafenarbeiter bereiten derzeit ihren nächsten europäischen Hafenaktionstag am 30. Oktober vor. Das ist für uns wichtig, weil antimilitaristischer Widerstand international gedacht werden muss. Häfen, Logistik, Produktion – Kriegsmaterial bewegt sich nicht von selbst. Überall stehen Beschäftigte an entscheidenden Stellen
    …“ Gespräch mit Andreas Buderus von Niki Uhlmann in der jungen Welt vom 08.10.2026 externer Link – Andreas Buderus ist Mitglied der koorganisierenden Initiative »Sagt NEIN!«

Grundinfos:

  • Beginn: Freitag, 16.10., 13:00 Uhr Ende: Samstag, 17.10., 15:00 Uhr Ort: Kassel, Stadtteilzentrum „Vorderer Westen“
  • Das Programm externer Link bietet kurze Erfahrungsberichte, Podiumsgespräche, Arbeitsgruppen, einen ´Markt der Möglichkeiten´ und vor allem viel Raum für persönlichen Austausch und Vernetzung.
  • Mit dabei sind bereits Aktive unter anderem von SNOP Automotive, Ford Köln, Mercedes Bremen, VW ´Wir wollen nicht den Tod produzieren´, Zukunftswerk Osnabrück, FU Berlin, IPPNW, Anwaltskollektiv der ´Ulm 5´ und weiteren betrieblichen und zivilgesellschaftlichen Initiativen.

Siehe auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=237926
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