Mit Konvention gegen Sexismus: Die ILO-Konvention 190 gegen Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt gilt ab Juni 2019
„Mehr als zehn Jahre haben Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und auch einige Unternehmensvertreter dafür gestritten, am 21. Juni 2019 wurde sie dann beschlossen: Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) verabschiedete an diesem Tag das Übereinkommen gegen Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt
. (…) Bislang haben lediglich fünf Staaten die Konvention ratifiziert: die Republik Fidschi, Namibia, Somalia, Uruguay und Argentinien, wo es seit einiger Zeit starken zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen Gewalt gegen Frauen gibt. Uruguay und die Republik Fidschi haben die Konvention zuerst ratifiziert, in diesen Ländern tritt sie darum in diesem Sommer in Kraft. In Namibia gilt sie ab Dezember, in Argentinien und Somalia ab Anfang nächsten Jahres. (…) Die ILO-Übereinkunft berührt Bereiche, für die die EU zuständig ist. Sie muss zunächst ihre Mitgliedsstaaten ermächtigen, die Konvention zu ratifizieren. Diese Erlaubnis blockierten bislang Bulgarien, Ungarn und die Slowakei…“ Artikel von Eva Roth vom 18.05.2021 im OXI-Blog
und mehr dazu:
- Neue Studie zeigt Ausmaß und Folgen von Sexismus am Arbeitsplatz: Für viele ein belastender Bestandteil ihres Arbeitsalltags – und wird häufig allein bewältigt
- Sexismus am Arbeitsplatz »ist Alltag«
„Eine neue Studie erfasst erstmals branchenübergreifend Sexismus am deutschen Arbeitsmarkt. Sie zeigt: Er kommt häufig vor und wird selten benannt.
Kochen Frauen und genderqueere Personen im Betrieb besonders oft Kaffee? Sexismus am Arbeitsplatz beginnt nicht erst bei ungewollten Berührungen. Er hat viele Facetten, schleicht sich teils unbemerkt in den Arbeitsalltag ein, ist weitverbreitet und wird dennoch selten adressiert, wie eine erste branchenübergreifende Studie zu Sexismus in der deutschen Arbeitswelt zeigt. 63 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland haben demnach schon Sexismus im Job erlebt. Er geht vorrangig von Männern aus und betrifft vor allem Frauen (70 Prozent) und genderqueere Personen (81 Prozent), also trans, inter und nicht binäre Personen. Aber auch 52 Prozent der Männer gaben an, bereits Sexismus erlebt zu haben. »Einzelne sexistische Vorfälle mögen isoliert betrachtet harmlos erscheinen, doch sie schaffen für Betroffene eine Atmosphäre der Einschüchterung und Unsicherheit«, schreiben die Autorinnen der Studie. 41 Prozent von ihnen leiden demzufolge unter emotionalen Folgen, 31 Prozent unter psychischen und je 24 Prozent unter körperlichen und sozialen Folgen. Sexistische Erfahrungen wirken sich durch Kündigungen oder ausbleibende Beförderungen auch auf Karrieren und Finanzen der Betroffenen aus. »Sexismus ist kein Randphänomen, sondern Alltag«, fasst es Stefanie Lohaus, Leiterin des Forschungs- und Beratungsinstituts EAF Berlin und Projektleiterin des Bündnisses »Gemeinsam gegen Sexismus« bei der Vorstellung der Studie an diesem Montag zusammen. (…) Nur zwei Prozent der Betroffenen wenden sich mit dem Erlebten an Anlaufstellen wie Gleichstellungsbeauftragte oder Betriebsräte. Die meisten bewältigen die Situation allein oder im privaten Umfeld. Erschwerend kommt hinzu: Häufig gehen ungleiche Behandlung oder Ausgrenzung von Vorgesetzten aus oder werden von ihnen nicht ernst genommen. »Nicht selten schildern Betroffene, dass Vorfälle von Führungskräften kleingeredet werden«. (…) Das Machtgefälle erschwert Beschwerden. Als Umgangsform schlagen die Autorinnen deshalb eine höhere Verantwortungsübernahme von Führungskräften vor, die durch klare Leitlinien, Beratungs- und Beschwerdestrukturen unterstützt werden. Zudem brauche es eine vermehrte Sensibilisierung der Mitarbeitenden. »Es sind häufig Betriebs- und Personalräte sowie Gleichstellungsbeauftragte, die diese Themen auf die Agenda setzen, die Geschäftsführung eher weniger«, erklärt Lohaus auf nd-Anfrage. Sie könnten zudem das Wissen über Themen und Handlungsmöglichkeiten verbreiten. Darüber hinaus brauche es langfristige Maßnahmen, um Sexismus nicht als individuelles, sondern als strukturelles Problem zu begreifen, fordert Lea Rahman vom EAF Berlin. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz greife unzureichend. »Bei einer Überarbeitung müsste man das Gesetz an gesellschaftliche Realitäten anpassen, sodass es auch ein wirksames Instrument gegen Alltagssexismus ist.«“ Artikel von Sarah Yolanda Koss vom 11. Mai 2026 in Neues Deutschland online
- Neue Studie zeigt Ausmaß und Folgen von Sexismus am Arbeitsplatz
„63 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland haben bereits Sexismus im Job erlebt. Die Studie, durchgeführt von der EAF Berlin im Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ zeigt: Betroffen sind vor allem Frauen und genderqueere Personen, während Sexismus mehrheitlich von Männern ausgeht. Die Erfahrungen führen häufig zu emotionalen und psychischen Belastungen und können Karriere und finanzielle Situation beeinträchtigen. (…) Die Studie
zeigt erstmals auch deutlich, dass formelle Beschwerdewege von Betroffenen kaum genutzt werden: Nur 7 % der Befragten wenden sich an ihre Führungskraft, lediglich 2 % an interne Anlaufstellen wie AGG-Beschwerdestellen, Betriebsrat oder Gleichstellungsbeauftragte. Viele Betroffene bewältigen die Folgen daher allein oder im privaten Umfeld.
Laura Giardina, Mitautorin der Studie: „Die Studienergebnisse zeigen deutlich: Sexismus am Arbeitsplatz ist kein Einzelphänomen, sondern ein strukturelles Problem. Für viele Betroffene ist er ein belastender Bestandteil ihres Arbeitsalltags – und wird häufig allein bewältigt.“ (…)
Auf Basis der Studienergebnisse wurden Handlungsempfehlungen formuliert, die staatliche Verantwortung, rechtliche Rahmenbedingungen und betriebliche Praxis enger verzahnen sollen. Für Betriebe sind Maßnahmen wichtig, um Sexismus am Arbeitsplatz wirksam zu begegnen. Dazu zählen die Sensibilisierung von Mitarbeitenden sowie die klare Verantwortungsübernahme durch Führungskräfte, die Sexismus erkennen und angemessen handeln können. Unterstützend wirken Verhaltenskodizes, klare Leitlinien sowie transparente Beratungs- und Beschwerdestrukturen. Männer sollten gezielt einbezogen werden, um sie zu sensibilisieren und als Verbündete zu stärken. Gesamtgesellschaftlich ist es wichtig, langfristige Strukturen zu etablieren, die Prävention, Sensibilisierung und Unterstützung gleichermaßen sichern. Um diskriminierende Muster gar nicht erst entstehen zu lassen, sollten Bildungseinrichtungen zur Reflexion über Geschlechterrollen, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Normen anregen. Es empfiehlt sich zudem, die Auswirkungen von Sexismus auf Betriebe und Gesellschaft zu untersuchen, beispielsweise in Form einer Hochrechnung von durch Sexismus verursachten Kosten oder einer Untersuchung von Sexismus im Kontext von Fachkräftegewinnung…“ Pressemitteilung vom 05.05.2026 der EAF Berlin
zur Studie von Laura Giardina, Anna Sive, Lea Rahman, Rana Göroğlu und Stefanie Lohaus - Bündnis “ Gemeinsam gegen Sexismus”
und dort die Infos zur Studie “Sexismus am Arbeitsplatz” 
- Sexismus am Arbeitsplatz »ist Alltag«
Siehe dazu auch (nach Branchen):
- Bundesweite Befragung: Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung als strukturelles Problem im ärztlichen Arbeitsalltag im Krankenhaus
- „Weil Du eine Frau bist“: Zum Stand der Gleichstellung in der Wissenschaft
- Wie Sexismus Journalistinnen bedroht
- ETF-Umfrage deckt schockierendes Ausmaß an Gewalt und Belästigung gegen weibliche Beschäftigte im gesamten Verkehrssektor auf
- Dossier: Mittelalter statt Arbeit 4.0 für Frauen in der Gig-Industrie: Weltweit Diskriminierung, Erniedrigung und Gewalt
- Frauen, der wilde Westen des Plattform-Kapitalismus und die Geschlechterpolitik
- Von 2017: Für eine »Neue Klassenpolitik«: Warum trotz sexistischer, rassistischer und nationalistischer Spaltungen gemeinsame Kämpfe möglich sind
- Dossier: Orange Day 25. November – internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen
- 25. November 2019: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen – Nein zu Gewalt an Frauen – ILO-Konvention C190 ratifizieren