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Das Erdbeben in Kolumbien am 10. August 2026 trifft auf die neue rechte Regierung, die Erdbebenhilfe ausbremst und international politisch selektiert

Dossier

Red Sindical Internacional de Solidaridad y Lucha exige socorro inmediato y derechos para los trabajadores„… Ein Erdbeben ist ein Naturphänomen. Das Ausmaß seiner Folgen ist jedoch weder natürlich noch unvermeidbar. Die prekären Wohnverhältnisse, soziale Ungleichheit, mangelnde Infrastruktur, das Fehlen geeigneter Präventionsmaßnahmen sowie die Verschlechterung der Lebens- und Arbeitsbedingungen bestimmen, wer dem Risiko stärker ausgesetzt ist und wer bessere Voraussetzungen hat, um zu überleben und sein Leben wieder aufzubauen. Daher tragen die Kommunalverwaltungen, die Bundesregierung und die Wohnungswirtschaft konkrete Verantwortung angesichts dieser Tragödie. (…) Es reicht nicht aus, den Notstand auszurufen oder Mittel anzukündigen. Es muss sichergestellt werden, dass diese Mittel unverzüglich bei den betroffenen Gemeinden ankommen…“ Aus der span. Solidaritätserklärung vom 13. August 2026 von Laboursolidarity externer Link – des internationalen Gewerkschaftsnetzwerks für Solidarität und Kämpfe – siehe eine frühere Fassung sowie einen Beitrag zur politischen Situation:

  • Erdbeben in Kolumbien: Spendet für die „Humanitäre Minga für das Leben“! New
    Im Westen Kolumbiens kam es am 10.8. zu einem schweren Erdbeben. Die Reaktion der rechtsextremen Regierung zeichnet sich durch schlechtes Krisenmanagement und die Instrumentalisierung der Katastrophe für ihre politischen Ziele aus. Schnelle und effektive Hilfe für die betroffenen Menschen kommt vor allem aus der Zivilgesellschaft.
    Das Kaffeekollektiv Aroma Zapatista unterstützt seit Jahren zivilgesellschaftlichen Organisationen in den indigenen Selbstverwaltungsgebieten des Cauca. Obwohl auch dort Gemeinden von Schäden berichteten, mobilisierte die Bewegung sofort in die stark betroffene Regionen des Landes und rief eine Humanitäre Minga für das Leben aus.
    Zusammen mit dem indigenen Regionalrat des Cauca (CRIC) externer Link und der Kooperative CENCOIC externer Link rufen Aroma Zapatista dazu auf, für diese Humanitäre Minga zu spenden und zwar an:
    Kaffeekollektiv Aroma Zapatista
    IBAN: DE54 4306 0967 2039 2873 00
    BIC: GENODEM1GLS
    GLS Bank
    Überweisungszweck: SPENDE ERDBEBEN
    Bitte unterstützt die solidarische Hilfe der indigenen Gemeinden aus dem Cauca!
    …“ Aufruf am 29. August 2026 im Nachrichtenpool Lateinamerika externer Link mit weiteren Informationen
  • Nach dem Erdbeben in Kolumbien steigt mit der Zahl der Toten und Vermissten die Schärfe der Kritik an de la Espriella sowie die Solidarität unter den Menschen
    • Scharfe Kritik an de la Espriellas Katastrophenmanagement
      Am 10. August wurde Kolumbien von einem schweren Erdbeben erschüttert; verheerend getroffen wurden vor allem die Millionenstadt Cali und das Kaffeeanbaugebiet Eje Cafetero mit seinen Großstädten Pereira und Manizales. Seither wächst die Kritik am gerade erst vereidigten Präsidenten Abelardo de la Espriella. Wir sprachen mit unserem Kollegen Markus Plate, der einige Jahre ganz in der Nähe von Pereira gelebt hat. (…)
      Der neue Präsident Abelardo de la Espriella wird für seinen Umgang mit der Katastrophe tatsächlich scharf kritisiert. Dazu muss man wissen: Der Tag des Erdbebens war sein erster richtiger Arbeitstag, er war erst wenige Tage zuvor in der heute ebenfalls stark getroffenen Stadt Cali als Präsident vereidigt worden. Gleichzeitig hatte er selbst die Amtsübergabe mit der damals noch amtierenden linken Petro-Regierung politisch aufgeladen. Aus dem empalme, der wochenlangen Übergabe der Amtsgeschäfte, ist de la Espriella zweitweise selber medienwirksam ausgestiegen, und er hat sie ganz bewusst als politische Abrechnung mit der Petro-Regierung inszeniert. Das hat sich jetzt gerächt. Die neue Regierung hatte ihre Führungsstrukturen noch gar nicht vollständig installiert, gerade auch in der Katastrophenschutzbehörde, während sie gleichzeitig die Kontinuität mit der Vorgängerregierung politisch infrage gestellt hatte. Der Präsident hat dann die Katastrophe mit Hilfe von Social- Media-Videos und Fotoshootings an allen möglichen vom Erdbeben getroffenen Orten zur persönlichen Präsidentenerzählung gemacht. Er hat also in der Katastrophe so reagiert, wie er Wahlkampf gemacht hat: extrem personalisiert. Da verschwamm das Katastrophenmanagement immer wieder mit politischer Selbstdarstellung, was ganz vielen Menschen, auch und gerade den Betroffenen, ganz übel aufgestoßen ist. Vor allem, dass er mit seiner gepanzerten Limousine in ein stark getroffenes Armenviertel gefahren ist und dort gelbe Fußbälle mit dem Logo seiner politischen Bewegung verschenkt hat, dafür hat er dort Beschimpfungen geerntet. Außerdem hat er im Wahlkampf immer wieder versprochen, „auszumisten“ und seiner Meinung nach unsinnige Ausgaben zusammen zu streichen – da wurde auch explizit der Katastrophenschutz erwähnt. Die Katastrophe fällt ihm also nicht zu Unrecht auf die Füße.
      [Dann gab es noch den Vorwurf, der Präsident würde internationale Hilfsangebote nur aus ideologisch befreundeten Ländern annehmen. Was kannst du darüber sagen?]
      Da wäre es wichtig zu differenzieren, glaube ich. Es gab unter anderem Angebote aus Mexiko, Brasilien, Venezuela, Peru, Ecuador, Chile, mehreren zentralamerikanischen Ländern, den USA und Israel, von der EU und den UN. Anders als es in den sozialen Medien x-mal gepostet wurde, hat Kolumbien nicht pauschal sämtliche Hilfe bestimmter Staaten abgelehnt. Der Streit betraf insbesondere ausländische Such- und Rettungsmannschaften. Da allerdings hat Kolumbien zunächst das Angebot Mexikos abgelehnt, das sich ja mit Erdbeben sehr gut auskennt. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum kritisierte zusätzliche kolumbianische Zertifizierungsforderungen. Daraus entstand der Verdacht einer politisierten Auswahl. Zumal Israel, El Salvador, Ecuador und die USA Teams schicken durften. Allerdings hat Kolumbiens Katastrophenschutzbehörde dazu erklärt, dass zunächst die eigenen Rettungsteams koordiniert werden müssten, bevor mal den Einsatz internationaler Teams koordinieren könnte. Aber es hat zu einigem Befremden geführt, dass der Präsident in den Stunden nach diesem verheerenden Erdbeben die israelische Souveränität über die Golanhöhen anerkannt hat. Das heißt: Der kolumbianische Staat war nicht handlungsunfähig. Feuerwehr, Militär, Polizei, medizinische Dienste und lokale Rettungskräfte waren schnell im Einsatz, dazu unzählige ehrenamtliche Helfer*innen. Das politische Krisenmanagement der rechtspopulistischen Regierung des neuen Präsidenten De la Espriella hingegen muss man sehr klar kritisieren. Diese Freund-Feind-Logik und politische Inszenierung kommen überhaupt nicht gut an.“ Interview vom 20.8.2026 im Nachrichtenpool Lateinamerika externer Link
    • Das Erdbeben in Kolumbien: Zwischen Selbstorganisierung und Kritik an der bestehenden Ordnung. Wenn ein Beben offenbart, was bereits existierte
      Erdbeben bringen nicht nur Gebäude zum Einsturz, sondern stellen auch die Narrative, Institutionen und Gewissheiten auf die Probe, auf denen eine Gesellschaft beruht. Wenn die Erde bebt, wird offensichtlich, wer sich schnell organisiert, wer sich kümmert, wer als Erste/r da ist und wer zu spät kommt. Die Katastrophe bricht mit der Normalität und offenbart zugleich die Kapazitäten einer Gemeinschaft.
      Diese Kapazitäten bestehen weder aus Beton noch aus institutionellen Vorschriften. Sie beruhen auf Beziehungen, auf gewachsenem Vertrauen. Auf Wissen, das in keinem Handbuch zu finden ist, aber so schnell zum Einsatz kommt, dass damit keine Behörde mithalten kann. Die Frage im Moment eines Erdbebens lautet nicht, wie viele Gebäude standgehalten haben, sondern welche Art von sozialem Gefüge wie darauf antwortet. Was nach der Katastrophe geschieht, ist keine Improvisation: Es ist das sichtbare Hervortreten eines Beziehungsgeflechts, das bereits existierte. (…)
      Während die Verwaltung Protokolle, Verordnungen und Kontrollmaßnahmen aktivierte, waren Tausende Menschen bereits dabei, Essen zu kochen, Lebende aus den Trümmern zu bergen, Spenden zu sammeln und Hilfsnetzwerke zu organisieren. Die Bevölkerung in den Vierteln reagierte mit einer Geschwindigkeit, die sich nicht allein durch spontane Solidarität erklären lässt.
      Cali reagierte deshalb so, weil es auf eine Bewegungsgeschichte zurückgreifen konnte. Die sozialen Unruhen von 2021 hinterließen nicht nur politische Spuren, sondern auch organisatorische. Kollektive Fähigkeiten, Vertrauensbeziehungen, bürgernahe Infrastrukturen und Formen der territorialen Koordination blieben bestehen und wurden nach dem Erdbeben erneut aktiviert.
      I. Das organisatorische Gedächtnis: Die Rebellion, die unter den Trümmern weilte
      Der erste Eindruck nach dem Erdbeben ist nicht die Zerstörung, sondern die Mobilisierungsfähigkeit. Innerhalb weniger Stunden nahmen Volksküchen, Nachbarschaftskantinen, Rettungsbrigaden, Sammelstellen, provisorische Gesundheitsstationen sowie Verteilungsketten für Lebensmittel, Werkzeuge, Treibstoff, Stromaggregate und Medikamente ihre Arbeit auf. Das Außergewöhnliche war nicht nur die Hilfe, sondern auch die Koordination. (…) Dieses praktische Gedächtnis bildet eine verborgene Infrastruktur, die erst dann sichtbar wird, wenn alles andere zusammenbricht. Es aktiviert eine kollektive Intelligenz, eine gegenseitige Wachsamkeit, die Bereitschaft, sich um andere zu kümmern und sich selbst betreuen zu lassen. Diese Infrastruktur unterscheidet sich von staatlichen Infrastrukturen. Sie basiert nicht auf Plänen, Budgets oder festgelegten Hierarchien. Gegenüber dem Staat hat sie einen entscheidenden Vorteil: die Durchdringungskraft. Sie ist eng mit dem Territorium verbunden, in den Stadtvierteln verankert und verkörpert sich in Menschen, die sich untereinander kennen. Wenn der Notfall eintritt, verwandelt sich diese Verwurzelung in Schnelligkeit. Während die Institutionen noch beraten, sind die Netzwerke bereits im Einsatz. (…)
      Dort, wo eine Gemeinschaft Essen, Gesundheit, Logistik, Verteilung und Schutz organisiert, entsteht soziale Macht. Es geht nicht nur um Hilfe, es geht vielmehr um kollektive Fähigkeiten, die das Leben aufrechterhalten können, ohne auf den Staat zu warten. Deshalb ist der Konflikt nicht nur administrativer Natur, sondern auch symbolischer. Auf der einen Seite stehen die Uniform, das Dekret, die Ausgangssperre, die Territorialkontrolle und die Hierarchie. Auf der anderen Seite stehen die Küchenschürze, die Schaufel, die Umarmung, die Nachbarschaftsbrigade, die Zusammenarbeit und das Vertrauen. (…)
      Der Konflikt besteht nicht einfach zwischen Stadtverwaltung und einige Bewohner:innen. Er stellt vielmehr zwei unterschiedliche Rationalitäten gegenüber: die Rationalität der Ordnung und die Rationalität der Fürsorge. (…)
      Die allgemeine Erkenntnis reicht tiefer als jeder Einzelfall. Erdbeben wirken wie extreme Experimente für Gesellschaftsstrukturen. Wenn Gebäude einstürzen, bleiben die Beziehungen bestehen. Wenn Büros zusammenbrechen, kommen Netzwerke zum Vorschein. Wenn die Verwaltung versagt, überleben die Verbindungen. (…)
      Solidarität erweitert den Kreis derer, die Fürsorge verdienen. Diese Erweiterung ist ein kultureller Wandel von enormer Tragweite, denn er bricht mit der alten Gewohnheit, dass manche Leben wertvoller seien als andere.
      Die Katastrophe bringt die Wertehierarchien durcheinander. Im Alltag ordnen sich die Leben nach Kriterien, die als selbstverständlich gelten: Klasse, Herkunft, Alter, Status, Hautfarbe. In der Notfallsituation löst sich diese Hierarchie auf. Der verschüttete Körper fragt nicht, welche Kreditkarte sein/e Besitzer:in hat. Die rettende Hand macht keinen Unterschied zwischen Nachbar:in und Fremden. (…)
      IV. Ein starkes Symbol: die Kaserne versus Mutter Erde
      Die neue rechtsextreme Regierung des Präsidenten De la Espriella versucht, eine Erzählung durchzusetzen, die auf Ordnung, Disziplin, vertikaler Autorität und der Militarisierung des Territoriums basiert. Das Symbol dafür ist die Kaserne. Macht erscheint als Befehl, Kontrolle und Gehorsam. Das Erdbeben ruft ein völlig anderes Symbol ins Gedächtnis: Mutter Erde. (…)
      Das macht letztlich das Erdbeben deutlich: dass keine Regierung, wie sehr sie auch die Gesellschaft militarisiert, menschliche Beziehungen zum Verschwinden bringt. Dass keine rechtsextreme Kraft, wie viele Symbole der Ordnung sie auch zur Schau stellen mag, das kollektive Gedächtnis einer Bevölkerung auslöschen kann. Menschen, die gelernt haben, füreinander zu sorgen, vergessen diese Lektion nicht. Sie bleibt wachsam, einsatzbereit. Und diese Beständigkeit ist die tiefgreifendste Form der Autonomie
      .“ span. Artikel von Quizquiz vom 17.8.26 in Huella del Sur am 19.08.2026 in der Übersetzung von Andreas Hetzer in amerika21 externer Link
    • Kolumbien: Wo der Staat versagt, hilft die Gemeinschaft
      Das Erdbeben in Kolumbien hat Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Die indigenen Gemeinschaften im stark betroffenen Chocó müssen sich selbst helfen…“ Artikel von Sara Meyer vom 21.08.2026 in ND online externer Link
    • Nach dem Erdbeben in Kolumbien: Krisenmanagement und mangelndes Taktgefühl
      Zehn Tage nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien ist die Bilanz für die neue Regierung durchwachsen. Immerhin: Die Institutionen haben funktioniert. (…)
      Bei den ersten Auftritten redete de la Espriella teils so, als ob er noch im Wahlkampf sei – was in Kolumbien bei einigen auf Kritik stieß. In Buenaventura, wo am Pazifik Kolumbiens größter Hafen liegt und das dennoch zeitweise von Hilfe abgeschnitten war, warf er Fußbälle mit Propagandaaufdruck aus dem Auto. Auch das kam bei vielen nicht gut an. Problematisch sind auch die Zahlen. Das Präsidialamt veröffentlicht mitunter andere Informationen als andere Regierungsinstitutionen. In den ersten Tagen war die Vereinigung kolumbianischer Hauptstädte, Asocapitales, wohl die wichtigste Quelle für Journalist*innen. Die Pressearbeit der Präsidentschaft ist ungenügend, es fehlt an Ansprechpartner*innen, Nachfragen sind nicht möglich. (…)
      Gleichzeitig kamen die privaten berühmten „Topos Aztecas“ (Aztekenmaulwürfe) aus Mexiko ins Land, die sich unter Ko­lum­bia­ne­r:in­nen wegen ihres Einsatzes im Nachbarland Venezuela Respekt erarbeitet hatten. Deren Anwesenheit hat nichts mit dem internationalen Hilfsprozedere zwischen Regierungen zu tun. Sie arbeiten nach anderen Protokollen – was zu Konflikten führt. So beschwerte sich der Anführer der Topos in Cali, Carlos Cienfuegos, dass die staatlichen Retter aus den USA zu feige zum Retten seien. (…)
      Die bisherige Schadensbilanz des Bebens legt jedenfalls nahe, dass der Bedarf noch gewaltig sein dürfte. Nach Angaben von Präsident Abelardo de la Espriella sind Gesamtschäden von umgerechnet etwa 8,3 Milliarden Euro entstanden. Davon entfielen rund 6,8 Milliarden auf Gebäude, etwa 1,5 Milliarden auf Infrastruktur. Dies sei die Schätzung eines privaten Unternehmens, sagte de la Espriella am Montag. Knapp 27.000 Wohnhäuser seien zerstört, mehr als 120.000 beschädigt. Fast 300 Menschen starben, mehr als 4.000 wurden verletzt, 143 gelten noch als vermisst
      .“ Bericht aus Bogotá von Katharina Wojczenko vom 20.8.2026 in der taz online externer Link
    • Zahl der Toten und Vermissten steigt weiter
      Das schwere Erdbeben der Stärke 7,4, das Kolumbien am 10. August erschütterte, hat bislang 294 Tote, 3.935 Verletzte und 320 Vermisste gefordert. Laut Regierungsangaben sind 54.000 Familien von dem Erdbeben betroffen. Man geht von weiteren Todesopfern aus, während Suchtrupps alles unternehmen, um noch Überlebende in den Trümmern zu finden. (…)
      Hohe Solidarität seitens der Bevölkerung
      Das Erdbeben hat zu einer großen Hilfsbereitschaft in der kolumbianischen Gesellschaft geführt. In der Hauptstadt Bogota wurden sechs Sammelzentren eingerichtet, die über die Stadt verstreut sind. Sie wurden von spontanen Initiativen eingerichtet und reichen von improvisierten Sammelstellen auf der Straße bis hin zum Stadion El Campín, wo jeden Tag tausende Freiwillige Menschenketten bilden,um die eintreffenden Spenden zu empfangen und zu verpacken.
      Von Hand zu Hand werden Wasser, haltbare Lebensmittel, Windeln, Hygieneartikel und andere Basismittel in Kisten verpackt, um den Weg in die am meisten betroffenen Gemeinden in der Mitte, im Westen und Südwesten Kolumbiens anzutreten. In Quibdó, der Hauptstadt des Chocó, sind bereits die ersten Hilfslieferungen eingetroffen.
      Auch in den Straßen der betroffenen Städte ist die Solidarität zu beobachten: Menschen versorgen die Rettungskräfte mit Wasser und Lebensmitteln, Gruppen von Freund*innen kommen aus anderen Gemeinden angereist, um zu helfen, Freiwillige helfen mit und Händler*innen teilen ihre Waren mit den Hilfskräften… “ Meldungen am 15. August 2026 im Nachrichtenpool Lateinamerika externer Link
  • Nach Erdbeben in Kolumbien rückt das Militär vor: Soldaten statt Rettung und Hilfslieferungen. Viele Menschen sind empört und fassungslos
    Cali. Parallel zu den massgeblich von Freiwilligen organisierten Rettungs- und Hilfsmaßnahmen ist Cali in den letzten Tagen massiv mit Polizei und Militär verstärkt worden. Bürgermeister Alejandro Eder verhängte zudem am 10. August eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis sechs Uhr und ordnete die Militarisierung der Stadt an. Eder wurde in den letzten Tagen mehrfach bei Besuchen an den Rettungsaktionen angefeindet.
    Rund 1.000 Soldaten sind an etwa 40 besonders betroffenen Punkten im Einsatz. Der Präsident Abelardo De la Espriella kündigte eine weitere Aufstockung um 400 Soldaten an. Der Einsatz wird von Behörden mit der Verhinderung von Plünderungen und dem Schutz der Bevölkerung begründet. Regierungstreue Medien berichteten unter Berufung auf lokale Fälle von Diebstählen und Plünderungen, unabhängig überprüfbare Angaben zum tatsächlichen Ausmaß liegen jedoch nicht vor.
    Buenaventura, der wichtige Pazifikhafen mit rund 430.000 Einwohnern, zählt zu den am schwersten getroffenen und zugleich am schlechtesten erreichten Orten. Nach Angaben von Journalisten blieben Teile der Stadt bis Mittwochnacht ohne staatliche Rettungskräfte. Bewohner suchten eigenständig, mit bloßen Händen, nach Verschütteten. Buenaventura ist wie Quibdó eine Stadt mit überwiegend afrokolumbianischer und indigener Bevölkerung, die historisch von struktureller Vernachlässigung und bewaffnetem Konflikt betroffen ist. Mehrere Stadtteile gelten laut Presseberichten wegen der Präsenz bewaffneter Gruppen als schwer zugänglich, was Rettungsarbeiten zusätzlich erschwert. Der Flughafen der Stadt wurde nach dem Beben vorübergehend für Strukturprüfungen gesperrt. Die Hilfslieferungen werden von Militär und Polizei behindert.
    In Cali fuhren in der Nacht auf den 14. August Kriegspanzer an die Trümmer, in denen Freiwillige noch immer nach Überlebenden suchen. In Videos auf sozialen Netzwerken werden sie von Anwohnern kritisiert: „Ihr kommt nicht, um zu helfen, sondern um uns zu behindern“ Nach Aussagen von Rettungskräften gegenüber amerika21 wurden zugleich an mehreren Stellen in Cali bewaffnete Personen gesichtet, die Rettungsarbeiten mit Schusswaffen angegriffen und Menschen vom Ort vertrieben haben sollen. Diese Angabe ist bislang durch keine Agentur oder Behörde bestätigt. (…)
    Die massive Präsenz der Sicherheitskräfte wird von den Behörden mit dem Schutz der Bevölkerung und der Sicherung zerstörter Gebäude begründet. Gleichzeitig wirft die schnelle Militarisierung des öffentlichen Raums Fragen nach den Prioritäten der Katastrophenhilfe auf. Hilfsorganisationen und soziale Initiativen warnen davor, humanitäre Hilfe zu politisieren oder die Notlage für eine Ausweitung repressiver Sicherheitsmaßnahmen zu nutzen. Diese Kritik bekommt angesichts der ungleichen Rettungsgeschwindigkeit zwischen Cali und dem stärker vernachlässigten Buenaventura sowie dem Chocó zusätzliches Gewicht…“ Bericht von Silvia Clara Flórez, Cali, vom 15.08.2026 in amerika21 externer Link, siehe dazu auch:

    • Kritik am Einsatz israelischer Soldaten in Kolumbien
      Ex-Präsident Petro fordert „zivile Hilfe“. Auseinandersetzungen mit Palästina-Aktivisten
      Cali. Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien ist eine Debatte über den Einsatz israelischer Rettungskräfte entbrannt. Ein Kontingent von 82 Angehörigen der israelischen Streitkräfte, darunter Ingenieure, Rettungskräfte und medizinische Fachkräfte, traf in Cali ein, um sich an den Hilfsmaßnahmen zu beteiligen. Präsident Abelardo de la Espriella dankte dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu für die Unterstützung. Kritik kam unter anderem vom ehemaligen Präsidenten Gustavo Petro. Seine Kritik richtete sich vor allem gegen den Einsatz von Militärangehörigen als humanitäre Helfer. Kolumbien brauche zivile bzw. medizinische Hilfe statt Militär…“ Artikel von Ariana Pérez, Cali, vom 17.08.2026 in amerika21 externer Link
    • Kolumbien öffnet US-Militär wieder die Tür
      Neue gemeinsame Operationen stehen für einen Kurswechsel. Kritiker warnen vor Eingriffen in die Souveränität und mehr Militarisierung (…) Der Kurswechsel gegenüber der Regierung Petro könnte kaum deutlicher sein. Das konfliktreiche Verhältnis zu Washington wurde durch eine schnelle Annäherung an Trumps regionale Strategie ersetzt. Kaum im Amt nimmt Kolumbien nicht nur wieder die Rolle eines bevorzugten Verbündeten der Vereinigten Staaten ein, sondern öffnet auch erneut die Tür für gemeinsame Militäroperationen auf seinem eigenen Staatsgebiet. Die Frage ist, ob diese Entscheidung die Sicherheit Kolumbiens tatsächlich stärken wird oder ob das Land unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Drogenhandel erneut zum Schauplatz und zur Plattform einer in Washington definierten Militärpolitik werden könnte.“ Artikel von Sven Hanfstängl Reuss, Bogotá, vom 15.08.2026 in amerika21 externer Link
  • Kolumbiens rechte Regierung bremst Erdbebenhilfe
    Nach dem schweren Erdbeben, das am Montag weite Teile Kolumbiens erschüttertte und bislang 265 Tote sowie knapp 3.500 Verletzte gefordert hat, steht die ultrarechte Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella vor ihrer ersten schweren Bewährungsprobe. Nach den Ankündigungen, gegen Narcokriminalität und Guerillabanden mit aller militärischen Macht vorzugehen, muss sie nun ihr Katastrophenmanagement unter Beweis stellen.
    Eine zentrale Schwierigkeit ist die abgebrochene Amtsübergabe mit der Regierung des ausgeschiedenen Präsidenten Gustavo Petro. Nachdem Petro der neuen Regierung vorgeworfen hatte, durch Wahlbetrug an die Macht gekommen zu sein, erklärte de la Espriella, er könne „nicht mit einer Bande von Putschisten und Korrupten am Tisch sitzen, die den Willen des souveränen Volkes an den Urnen nicht anerkennt“, und brach die Übergabegespräche ab.
    Das hatte Folgen für die Nationale Einheit für Katastrophen- und Risikomanagement (UNGRD): Als das Erdbeben sich ereignete, war deren Leiter Javier Pava, ein Vertrauter Petros, noch im Amt. Erst am Dienstag trat er zurück und machte den Weg für den von de la Espriella designierten Geologen David Tamayo frei. Die fehlende Übergabe stellt Tamayo nun vor erhebliche Probleme. Carlos Carrillo, der die UNGRD von März 2024 bis Juni 2026 leitete und den Korruptionsskandal um seinen Vorgänger aufzuarbeiten versuchte, bezeichnet die Behörde als „riesig, nahezu unregierbar und sehr reaktiv“. Sie müsse täglich auf neue Ereignisse reagieren, was die Lösung struktureller Probleme erschwere. Zudem habe sich dort ein „Korruptionskartell“ festgesetzt, das Abgeordneten und politischen Clans zu Diensten sei.
    Auch bei internationalen Hilfsangeboten reagierte die Regierung zunächst zögerlich. Angebote aus Mexiko, El Salvador, Brasilien, China, Spanien und von den Vereinten Nationen wurden zunächst nicht angenommen; lediglich Rettungsmannschaften aus den USA erhielten frühzeitig die Einreisegenehmigung. Erst am Mittwoch, mehr als 50 Stunden nach der Katastrophe, waren professionelle Hilfsmannschaften aus Mexiko und Experten aus den USA im Land. Tamayo kündigte an, nur zertifizierte Rettungsmannschaften aus den USA, Ecuador, El Salvador oder Israel ins Land zu lassen. (…)
    Angesichts des Erdbebens ließ de la Espriella den wirtschaftlichen Notstand ausrufen. Damit kann die Regierung unter anderem Haushaltsentscheidungen per Dekret treffen und neue Steuern erheben, ohne das Parlament zu passieren. Im Wahlkampf hatte der Präsident noch versprochen, den Staatshaushalt ohne neue Steuern zu sanieren. Für die Bevölkerung ermöglicht der Notstand unter anderem Zahlungsaufschübe und Kredithilfen. Das Wirtschaftswachstum lag im letzten Quartal 2025 bei 3,6 Prozent, das Haushaltsdefizit jedoch bei mehr als sechs Prozent. Der Notstand kann auf maximal 90 Tage ausgeweitet werden…“ Bericht von Benjamin Grasse vom 14.08.2026 in amerika21 externer Link
  • Erdbeben in Kolumbien: Keine Ruhe nach dem Beben
    In Pereira hat das verheerende Erdbeben die meisten Leben gekostet. Immer noch suchen Menschen ihre Lieben dort im Schutt. Offizielle Helfer*innen sind rar…“ Reportage von Katharina Wojczenko vom 14.8.2026 in der taz online externer Link
  • Erdbeben in Kolumbien:  Das Internationale Gewerkschaftsnetzwerk für Solidarität und Kampf fordert sofortige Hilfe und Rechte für die Arbeitnehmer
    Am Montagmorgen (10.) wurde Kolumbien von einem starken Erdbeben der Stärke 7,4 erschüttert. Es handelt sich um das schwerste Erdbeben im Land seit einem Jahrzehnt. Mit einer Tiefe von 103 km verursachte das Beben Zerstörung, Angst und Bestürzung. Das Epizentrum des Bebens lag in San José del Palmar in der Cordillera Occidental. Das Erdbeben erschütterte fast das gesamte kolumbianische Staatsgebiet. Die Erschütterungen waren auch in Panama, Ecuador und Brasilien, genauer gesagt in Manaus (AM), zu spüren.
    In der Kaffeeregion sind die Zerstörungen erheblich. In Pereira, 50 km vom Epizentrum entfernt, sind Wohngebäude teilweise eingestürzt; die Behörden haben bereits mindestens 18 Todesopfer bestätigt.
    In Cali ist die Lage dramatisch. Mindestens 32 Gebäude sind eingestürzt, und mehr als 380 Menschen wurden verletzt. Das öffentliche Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Vier hochspezialisierte Krankenhäuser mussten alle ihre Patienten notfallmäßig evakuieren.
    Auch die Infrastruktur des Landes wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mehr als zehn Flughäfen verzeichneten Schäden. Sieben stellten ihren Betrieb vollständig ein, darunter die Flughäfen in Pereira, Manizales, Armenia, Quibdó, Cartago und Buenaventura.
    Katastrophenzustand: Die Mittel müssen der Bevölkerung zugutekommen
    Wir fordern, dass der Notfallhaushalt und die Sonderbefugnisse ausschließlich der Hilfe für Familien und dem Wiederaufbau öffentlicher Einrichtungen dienen. Die Regierung darf die Krise nicht als Vorwand für Angriffe auf die Arbeitnehmerrechte nutzen.
    Soziale Tragödie und historische Vernachlässigung
    Kolumbien liegt zwischen der Nazca- und der Südamerikanischen Platte, was Erdbeben begünstigt. Das Erdbeben wird jedoch aufgrund der prekären Wohnverhältnisse in den Städten, der nicht erdbebensicheren Häuser und der Vernachlässigung der öffentlichen Versorgung zu einer humanitären Tragödie.
    Das Ereignis ereignet sich kurz nach dem Erdbeben in Venezuela, bei dem mehr als 6.000 Menschen ums Leben kamen. Experten weisen auf die Anfälligkeit der gesamten Region hin und fordern internationale Pläne zur Katastrophenvorsorge im Wohnungsbau.
    Forderungen und Klassensolidarität
    Die internationale humanitäre Hilfe muss ohne bürokratische Hürden diejenigen erreichen, die sie wirklich benötigen. Die Gewerkschaften und Basisorganisationen Kolumbiens fordern:
    – Rettung und Gesundheit: Vollständige Mobilisierung öffentlicher Mittel für medizinische Hilfe und Suchmaßnahmen.
    – Angemessener Wohnraum: Sofortige Unterbringung und öffentlicher Wiederaufbau von Wohnraum für die Betroffenen.
    – Beschäftigungsgarantie: Bezahlter Urlaub und Kündigungsverbot für die betroffenen Arbeitnehmer.
    – Kontrolle durch das Volk: Überwachung der Verwendung der Wiederaufbaumittel durch die Arbeitnehmer.
    Für die Einheit und Solidarität der lateinamerikanischen Arbeiterklasse! Kein einziges Leben darf verloren gehen!“ span. Solidaritätserklärung von Laboursolidarity vom 10. August 2026 externer Link (maschinenübersetzt) mit einigen Videos

Siehe zum politischen Hintergrund das Dossier: „Linke ausrotten“: Der neue ultrarechte Präsident Abelardo de la Espriella ist eine Gefahr (nicht nur) für Menschenrechte und Friedenspolitik in Kolumbien

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=237108
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