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Das Erdbeben in Kolumbien am 10. August 2026 trifft auf die neue rechte Regierung, die Erdbebenhilfe ausbremst und international politisch selektiert

Red Sindical Internacional de Solidaridad y Lucha exige socorro inmediato y derechos para los trabajadores„… Ein Erdbeben ist ein Naturphänomen. Das Ausmaß seiner Folgen ist jedoch weder natürlich noch unvermeidbar. Die prekären Wohnverhältnisse, soziale Ungleichheit, mangelnde Infrastruktur, das Fehlen geeigneter Präventionsmaßnahmen sowie die Verschlechterung der Lebens- und Arbeitsbedingungen bestimmen, wer dem Risiko stärker ausgesetzt ist und wer bessere Voraussetzungen hat, um zu überleben und sein Leben wieder aufzubauen. Daher tragen die Kommunalverwaltungen, die Bundesregierung und die Wohnungswirtschaft konkrete Verantwortung angesichts dieser Tragödie. (…) Es reicht nicht aus, den Notstand auszurufen oder Mittel anzukündigen. Es muss sichergestellt werden, dass diese Mittel unverzüglich bei den betroffenen Gemeinden ankommen…“ Aus der span. Solidaritätserklärung vom 13. August 2026 von Laboursolidarity externer Link – des internationalen Gewerkschaftsnetzwerks für Solidarität und Kämpfe – siehe eine frühere Fassung sowie einen Beitrag zur politischen Situation:

  • Nach Erdbeben in Kolumbien rückt das Militär vor: Soldaten statt Rettung und Hilfslieferungen. Viele Menschen sind empört und fassungslos New
    Cali. Parallel zu den massgeblich von Freiwilligen organisierten Rettungs- und Hilfsmaßnahmen ist Cali in den letzten Tagen massiv mit Polizei und Militär verstärkt worden. Bürgermeister Alejandro Eder verhängte zudem am 10. August eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis sechs Uhr und ordnete die Militarisierung der Stadt an. Eder wurde in den letzten Tagen mehrfach bei Besuchen an den Rettungsaktionen angefeindet.
    Rund 1.000 Soldaten sind an etwa 40 besonders betroffenen Punkten im Einsatz. Der Präsident Abelardo De la Espriella kündigte eine weitere Aufstockung um 400 Soldaten an. Der Einsatz wird von Behörden mit der Verhinderung von Plünderungen und dem Schutz der Bevölkerung begründet. Regierungstreue Medien berichteten unter Berufung auf lokale Fälle von Diebstählen und Plünderungen, unabhängig überprüfbare Angaben zum tatsächlichen Ausmaß liegen jedoch nicht vor.
    Buenaventura, der wichtige Pazifikhafen mit rund 430.000 Einwohnern, zählt zu den am schwersten getroffenen und zugleich am schlechtesten erreichten Orten. Nach Angaben von Journalisten blieben Teile der Stadt bis Mittwochnacht ohne staatliche Rettungskräfte. Bewohner suchten eigenständig, mit bloßen Händen, nach Verschütteten. Buenaventura ist wie Quibdó eine Stadt mit überwiegend afrokolumbianischer und indigener Bevölkerung, die historisch von struktureller Vernachlässigung und bewaffnetem Konflikt betroffen ist. Mehrere Stadtteile gelten laut Presseberichten wegen der Präsenz bewaffneter Gruppen als schwer zugänglich, was Rettungsarbeiten zusätzlich erschwert. Der Flughafen der Stadt wurde nach dem Beben vorübergehend für Strukturprüfungen gesperrt. Die Hilfslieferungen werden von Militär und Polizei behindert.
    In Cali fuhren in der Nacht auf den 14. August Kriegspanzer an die Trümmer, in denen Freiwillige noch immer nach Überlebenden suchen. In Videos auf sozialen Netzwerken werden sie von Anwohnern kritisiert: „Ihr kommt nicht, um zu helfen, sondern um uns zu behindern“ Nach Aussagen von Rettungskräften gegenüber amerika21 wurden zugleich an mehreren Stellen in Cali bewaffnete Personen gesichtet, die Rettungsarbeiten mit Schusswaffen angegriffen und Menschen vom Ort vertrieben haben sollen. Diese Angabe ist bislang durch keine Agentur oder Behörde bestätigt. (…)
    Die massive Präsenz der Sicherheitskräfte wird von den Behörden mit dem Schutz der Bevölkerung und der Sicherung zerstörter Gebäude begründet. Gleichzeitig wirft die schnelle Militarisierung des öffentlichen Raums Fragen nach den Prioritäten der Katastrophenhilfe auf. Hilfsorganisationen und soziale Initiativen warnen davor, humanitäre Hilfe zu politisieren oder die Notlage für eine Ausweitung repressiver Sicherheitsmaßnahmen zu nutzen. Diese Kritik bekommt angesichts der ungleichen Rettungsgeschwindigkeit zwischen Cali und dem stärker vernachlässigten Buenaventura sowie dem Chocó zusätzliches Gewicht…“ Bericht von Silvia Clara Flórez, Cali, vom 15.08.2026 in amerika21 externer Link, siehe dazu auch:

    • Kolumbien öffnet US-Militär wieder die Tür
      Neue gemeinsame Operationen stehen für einen Kurswechsel. Kritiker warnen vor Eingriffen in die Souveränität und mehr Militarisierung (…) Der Kurswechsel gegenüber der Regierung Petro könnte kaum deutlicher sein. Das konfliktreiche Verhältnis zu Washington wurde durch eine schnelle Annäherung an Trumps regionale Strategie ersetzt. Kaum im Amt nimmt Kolumbien nicht nur wieder die Rolle eines bevorzugten Verbündeten der Vereinigten Staaten ein, sondern öffnet auch erneut die Tür für gemeinsame Militäroperationen auf seinem eigenen Staatsgebiet. Die Frage ist, ob diese Entscheidung die Sicherheit Kolumbiens tatsächlich stärken wird oder ob das Land unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Drogenhandel erneut zum Schauplatz und zur Plattform einer in Washington definierten Militärpolitik werden könnte.“ Artikel von Sven Hanfstängl Reuss, Bogotá, vom 15.08.2026 in amerika21 externer Link
  • Kolumbiens rechte Regierung bremst Erdbebenhilfe
    Nach dem schweren Erdbeben, das am Montag weite Teile Kolumbiens erschüttertte und bislang 265 Tote sowie knapp 3.500 Verletzte gefordert hat, steht die ultrarechte Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella vor ihrer ersten schweren Bewährungsprobe. Nach den Ankündigungen, gegen Narcokriminalität und Guerillabanden mit aller militärischen Macht vorzugehen, muss sie nun ihr Katastrophenmanagement unter Beweis stellen.
    Eine zentrale Schwierigkeit ist die abgebrochene Amtsübergabe mit der Regierung des ausgeschiedenen Präsidenten Gustavo Petro. Nachdem Petro der neuen Regierung vorgeworfen hatte, durch Wahlbetrug an die Macht gekommen zu sein, erklärte de la Espriella, er könne „nicht mit einer Bande von Putschisten und Korrupten am Tisch sitzen, die den Willen des souveränen Volkes an den Urnen nicht anerkennt“, und brach die Übergabegespräche ab.
    Das hatte Folgen für die Nationale Einheit für Katastrophen- und Risikomanagement (UNGRD): Als das Erdbeben sich ereignete, war deren Leiter Javier Pava, ein Vertrauter Petros, noch im Amt. Erst am Dienstag trat er zurück und machte den Weg für den von de la Espriella designierten Geologen David Tamayo frei. Die fehlende Übergabe stellt Tamayo nun vor erhebliche Probleme. Carlos Carrillo, der die UNGRD von März 2024 bis Juni 2026 leitete und den Korruptionsskandal um seinen Vorgänger aufzuarbeiten versuchte, bezeichnet die Behörde als „riesig, nahezu unregierbar und sehr reaktiv“. Sie müsse täglich auf neue Ereignisse reagieren, was die Lösung struktureller Probleme erschwere. Zudem habe sich dort ein „Korruptionskartell“ festgesetzt, das Abgeordneten und politischen Clans zu Diensten sei.
    Auch bei internationalen Hilfsangeboten reagierte die Regierung zunächst zögerlich. Angebote aus Mexiko, El Salvador, Brasilien, China, Spanien und von den Vereinten Nationen wurden zunächst nicht angenommen; lediglich Rettungsmannschaften aus den USA erhielten frühzeitig die Einreisegenehmigung. Erst am Mittwoch, mehr als 50 Stunden nach der Katastrophe, waren professionelle Hilfsmannschaften aus Mexiko und Experten aus den USA im Land. Tamayo kündigte an, nur zertifizierte Rettungsmannschaften aus den USA, Ecuador, El Salvador oder Israel ins Land zu lassen. (…)
    Angesichts des Erdbebens ließ de la Espriella den wirtschaftlichen Notstand ausrufen. Damit kann die Regierung unter anderem Haushaltsentscheidungen per Dekret treffen und neue Steuern erheben, ohne das Parlament zu passieren. Im Wahlkampf hatte der Präsident noch versprochen, den Staatshaushalt ohne neue Steuern zu sanieren. Für die Bevölkerung ermöglicht der Notstand unter anderem Zahlungsaufschübe und Kredithilfen. Das Wirtschaftswachstum lag im letzten Quartal 2025 bei 3,6 Prozent, das Haushaltsdefizit jedoch bei mehr als sechs Prozent. Der Notstand kann auf maximal 90 Tage ausgeweitet werden…“ Bericht von Benjamin Grasse vom 14.08.2026 in amerika21 externer Link
  • Erdbeben in Kolumbien: Keine Ruhe nach dem Beben
    In Pereira hat das verheerende Erdbeben die meisten Leben gekostet. Immer noch suchen Menschen ihre Lieben dort im Schutt. Offizielle Helfer*innen sind rar…“ Reportage von Katharina Wojczenko vom 14.8.2026 in der taz online externer Link
  • Erdbeben in Kolumbien:  Das Internationale Gewerkschaftsnetzwerk für Solidarität und Kampf fordert sofortige Hilfe und Rechte für die Arbeitnehmer
    Am Montagmorgen (10.) wurde Kolumbien von einem starken Erdbeben der Stärke 7,4 erschüttert. Es handelt sich um das schwerste Erdbeben im Land seit einem Jahrzehnt. Mit einer Tiefe von 103 km verursachte das Beben Zerstörung, Angst und Bestürzung. Das Epizentrum des Bebens lag in San José del Palmar in der Cordillera Occidental. Das Erdbeben erschütterte fast das gesamte kolumbianische Staatsgebiet. Die Erschütterungen waren auch in Panama, Ecuador und Brasilien, genauer gesagt in Manaus (AM), zu spüren.
    In der Kaffeeregion sind die Zerstörungen erheblich. In Pereira, 50 km vom Epizentrum entfernt, sind Wohngebäude teilweise eingestürzt; die Behörden haben bereits mindestens 18 Todesopfer bestätigt.
    In Cali ist die Lage dramatisch. Mindestens 32 Gebäude sind eingestürzt, und mehr als 380 Menschen wurden verletzt. Das öffentliche Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Vier hochspezialisierte Krankenhäuser mussten alle ihre Patienten notfallmäßig evakuieren.
    Auch die Infrastruktur des Landes wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mehr als zehn Flughäfen verzeichneten Schäden. Sieben stellten ihren Betrieb vollständig ein, darunter die Flughäfen in Pereira, Manizales, Armenia, Quibdó, Cartago und Buenaventura.
    Katastrophenzustand: Die Mittel müssen der Bevölkerung zugutekommen
    Wir fordern, dass der Notfallhaushalt und die Sonderbefugnisse ausschließlich der Hilfe für Familien und dem Wiederaufbau öffentlicher Einrichtungen dienen. Die Regierung darf die Krise nicht als Vorwand für Angriffe auf die Arbeitnehmerrechte nutzen.
    Soziale Tragödie und historische Vernachlässigung
    Kolumbien liegt zwischen der Nazca- und der Südamerikanischen Platte, was Erdbeben begünstigt. Das Erdbeben wird jedoch aufgrund der prekären Wohnverhältnisse in den Städten, der nicht erdbebensicheren Häuser und der Vernachlässigung der öffentlichen Versorgung zu einer humanitären Tragödie.
    Das Ereignis ereignet sich kurz nach dem Erdbeben in Venezuela, bei dem mehr als 6.000 Menschen ums Leben kamen. Experten weisen auf die Anfälligkeit der gesamten Region hin und fordern internationale Pläne zur Katastrophenvorsorge im Wohnungsbau.
    Forderungen und Klassensolidarität
    Die internationale humanitäre Hilfe muss ohne bürokratische Hürden diejenigen erreichen, die sie wirklich benötigen. Die Gewerkschaften und Basisorganisationen Kolumbiens fordern:
    – Rettung und Gesundheit: Vollständige Mobilisierung öffentlicher Mittel für medizinische Hilfe und Suchmaßnahmen.
    – Angemessener Wohnraum: Sofortige Unterbringung und öffentlicher Wiederaufbau von Wohnraum für die Betroffenen.
    – Beschäftigungsgarantie: Bezahlter Urlaub und Kündigungsverbot für die betroffenen Arbeitnehmer.
    – Kontrolle durch das Volk: Überwachung der Verwendung der Wiederaufbaumittel durch die Arbeitnehmer.
    Für die Einheit und Solidarität der lateinamerikanischen Arbeiterklasse! Kein einziges Leben darf verloren gehen!“ span. Solidaritätserklärung von Laboursolidarity vom 10. August 2026 externer Link (maschinenübersetzt) mit einigen Videos

Siehe zum politischen Hintergrund das Dossier: „Linke ausrotten“: Der neue ultrarechte Präsident Abelardo de la Espriella ist eine Gefahr (nicht nur) für Menschenrechte und Friedenspolitik in Kolumbien

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=237108
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