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Jahreswende 2025/26 in Iran: Festnahmen, Tränengas und erste Tote bei immer breiteren Protesten gegen die Wirtschaftskrise – und gegen das Regime

Dossier

Massenproteste im Iran 2017/2018: Gegen Teuerung. Gegen die neoliberale PolitikSeit dem 28. Dezember protestieren Menschen in Teheran erneut gegen die wirtschaftliche Lage im Land. Auslöser ist der anhaltende Absturz der iranischen Währung Rial, die am Sonntag einen neuen Tiefstand erreicht hat. (…) Im Verlauf dieser Entwicklungen schlossen zahlreiche Basarhändler*innen am Sonntag ihre Geschäfte und gingen zu Protesten auf die Straße. (…) Die Proteste weiteten sich am Montag auf zentrale Gebiete der Hauptstadt aus. Bilder und Videos in den sozialen Netzwerken zeigen die starke Beteiligung der Bevölkerung und der Basarhändler*innen aus den wichtigen Wirtschaftssektoren Teherans. Die Demonstrant*innen rufen Parolen gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung sowie teilweise gegen das gesamte Regime. Zudem zeigen die Bilder die Präsenz der Bereitschaftspolizei sowie von Sondereinheiten der iranischen Polizei auf den Straßen der Hauptstadt. Augenzeugen berichten von Tränengaseinsätzen und eskalierender Gewalt durch die Sicherheitskräfte…“ Beitrag von Pooyan Mokari vom 29. Dezember 2025 in IranJournal externer Link („Proteste gegen die Wirtschaftskrise in Iran“) und mehr dazu:

  • Massaker im Iran: Entsetzen als Staatsprogramm New
    Trotz der Internetsperre dringen immer mehr Berichte über Gräueltaten aus dem Iran nach draussen. Deutlicher wird damit auch das gewaltige Ausmass der staatlich verordneten Tötungen.
    «In welcher Art von Kühlschrank lagert die Islamische Republik Leichen?», fragte der Moderator von Ofogh TV, einem staatlichen Fernsehsender, kürzlich in einer Unterhaltungsshow. Sein zynisches Quiz bezog sich auf die Tausende von Menschen, die das Regime töten und anschliessend in Kühlwagen abtransportieren liess. Zur Auswahl stellte er einen Eiscrème- und einen Supermarktgefrierschrank und spottete: «Ich verkaufe Eis – ruiniert mir nicht mein Geschäft!» Die Zuschauer:innen konnten ihre Antworten per SMS schicken. Bei Nachrichten aus dem Iran drängt sich derzeit unweigerlich ein Wort auf: Entsetzen. Die Frage ist nur, was entsetzlicher ist: ein Moderator, der öffentlich Witze über Hinrichtungen macht, ein Regime, das nur noch mit Massakern seine Macht sichern kann, oder dass unzählige Menschen sterben mussten, weil sie sich gegen das Regime erhoben hatten? (…) Internationale Medien, die sich vor allem auf Zeug:innenaussagen stützen, ebenso wie durchgesickerte Videos in den sozialen Medien und Berichte zahlreicher NGOs zeichnen ein grauenvolles Bild – von Scharfschützen auf Dächern, von Trucks mit Maschinengewehren und Warnungen der Revolutionsgarde im Staatsfernsehen: Wer auf die Strasse gehe, solle sich nicht beschweren, wenn er getroffen werde. (…) Trotz der seit Anfang Januar andauernden staatlichen Internetdrosselungen dringen immer wieder Berichte über Gräueltaten aus dem Iran nach draussen. Zahlreiche Aussagen von Zeug:innen aus Leichenhallen, Spitälern und von Friedhöfen deuten darauf hin, dass die Behörden noch nie zuvor so brutal gegen das eigene Volk vorgegangen sind. (…) Die USA stuften die Revolutionsgarde bereits 2019 als Terrororganisation ein, Kanada folgte 2024, Australien 2025. In der Schweiz hingegen ist sie bislang nicht entsprechend gelistet. Die Einstufung durch die EU hat finanzielle Folgen: Vermögenswerte der Revolutionsgarde und mit ihr verbundener Organisationen werden eingefroren; jeglicher Geld-, Ressourcen- oder Dienstleistungstransfer nach oder aus Europa ist untersagt. Europäische Unternehmen dürfen nicht mit ihr nahestehenden Einrichtungen zusammenarbeiten. Damit ist der Zugang der Revolutionsgarde zu europäischen Finanzmärkten blockiert. Im Iran selbst wird die Wirkung der Einstufung aufgrund der bereits bestehenden Sanktionen wohl eher gering ausfallen. Auf Druck reagierte die Führung bislang stets mit Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Das Regime könnte ferner die staatliche Finanzierung der Revolutionsgarde weiter erhöhen und damit die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage der Bevölkerung zusätzlich verschärfen. Jene Bevölkerung, die hinter dem Entsetzen in der Anonymität verschwindet.“ Artikel von Çiğdem Akyol in der WOZ vom 5. Februar 2026 externer Link
  • „Verhindert das Blutvergießen“: Trumps Interesse nur „geschäftlicher Natur“ – eine militärische Intervention der USA würde die Situation im Iran nur verschlimmern
    Die neuesten verlässlichen Schätzungen der Zahl der Todesopfer bei den jüngsten landesweiten Protesten im Iran steigen und könnten möglicherweise in die Zehntausende gehen. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass 30.000 oder mehr Zivilisten von den Regierungstruppen getötet wurden. Wir spielen einen seltenen Augenzeugenbericht über das tödliche Massaker an Demonstranten in Rasht, Iran, und sprechen mit der iranischen Filmemacherin und politischen Dissidentin Sepideh Farsi, die sagt, dass eine militärische Intervention der USA „die Situation nur verschlimmern würde“. Sie warnt, dass Präsident Trumps Interesse an einer militärischen Aktion der USA in diesem Land „geschäftlicher Natur“ sei und „nicht dem iranischen Volk diene“…“ engl. Interview von Amy Goodman vom 30. Januar 2026 in Democracy Now! externer Link Audio Datei mit der Filmemacherin Sepideh Farsi über die Proteste im Iran und die Drohungen der USA mit Militärschlägen (samt Transkript)(maschinenübersetzt), siehe auch:

    • Iran: »Dieser Albtraum muss enden«. Nach den Massakern im Iran blicken die Protestierenden auf eine bleierne Zeit
      Ein vollständig lesenwerter Bericht von Setareh Naderi* vom 02.02.2026 in ND online externer Link – Die Autorin verwendet ein Pseudonym, um ihre Sicherheit zu schützen. Der Text wurde aus dem Persischen übersetzt.
  • Tausende Getötete zu spät: EU setzt Irans Revolutionsgarde auf die Terrorliste – dies darf kein Symbol bleiben
    • EU-Treffen in Brüssel: EU-Einigung: Irans Revolutionsgarden kommen auf Terrorliste
      Um sich an der Macht zu halten, hat die iranische Führung zuletzt unvorstellbarer Gräueltaten verüben lassen. Die EU trifft nun eine Entscheidung, die viele Jahre nicht möglich war. (…) Die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrorgruppe gilt als ein bedeutendes Symbol, auch wenn sie wegen bereits bestehender Sanktionen voraussichtlich kaum praktische Bedeutung haben wird. Grund ist, dass die Elitestreitkräfte als tragende Säule der islamischen Republik gelten und direkt dem obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei unterstellt sind. Bei der brutalen Niederschlagung von Protesten spielen sie eine Schlüsselrolle, weil sie auch für die Verhinderung von Putschversuchen zuständig sind…“ dpa-Meldung vom 29.1.2026 im Tagesspiegel online externer Link
    • Tausende Getötete zu spät: EU setzt Irans Revolutionsgarde auf die Terrorliste
      Kommentar von Daniela Sepehri vom 30.01.2026 in ND online externer Link
  • 3. Erklärung der Busgewerkschaft Vahed zum Massaker an den protestierenden Menschen: Wie kann eine solche Regierung auch nur die geringste Legitimität behalten?
    Die unterdrückten Menschen unseres Landes trauern erneut um ihre Kinder. Diesmal ist die Tötung von Demonstranten, die sich gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Islamischen Republik aussprechen, noch weitreichender und schrecklicher als die Straßenmassaker der 1980er Jahre sowie die Morde im Dezember 2017/Januar 2018, November 2019 und September 2022. Der immense Schock, der die Gesellschaft erfasst hat, rührt nicht von Überraschung her – denn wir haben immer gewusst, wie bösartig und brutal die herrschenden Unterdrückungskräfte sind –, sondern vielmehr von der Tatsache, dass die Herrschenden ohne die geringste Rücksichtnahme beschlossen haben, das Massaker an Tausenden von Kindern dieses Landes durchzuführen. Dies selbst ist ein weiterer Beweis dafür, dass jede Hoffnung auf Reformen oder Veränderungen innerhalb des Systems endgültig dahin ist, selbst für die optimistischsten und verblendeten Menschen.
    Die herrschende Macht hat erneut gezeigt, dass sie dem Leben der Menschen und unserer Kinder keinerlei Wert beimisst. Wie kann man ein solches Massaker begehen und dann mit rücksichtslosem und unmenschlichem Verhalten die Leichen der Getöteten vor den Augen der Öffentlichkeit zur Schau stellen? Kann eine solche Regierung in den Augen der Menschen auch nur die geringste Legitimität behalten?
    Nach der Veröffentlichung der Erklärung des Syndikats mit dem Titel „Unterstützung des gerechten Kampfes des Volkes; Auf dem Weg zu echter Freiheit und Gleichheit, nicht zurück in die Vergangenheit“ wurde auch uns – wie mehr als 93 Millionen Menschen im ganzen Land – der Zugang zum Internet und anderen Kommunikationsmitteln verwehrt; eine systematische Sperre, die bis vor wenigen Tagen andauerte und auch jetzt noch ist die Kommunikation unzuverlässig. Dennoch betont das Syndikat weiterhin sein grundlegendes und unantastbares Prinzip: Die echte Befreiung des iranischen Volkes ist nur durch kollektive Führung und die bewusste, organisierte und unabhängige Beteiligung der gesamten Arbeiterklasse zusammen mit anderen unterdrückten Schichten im Land möglich – nicht durch eine militärische Intervention der Vereinigten Staaten und Israels oder anderer machtgieriger ausländischer Staaten oder der mit ihnen verbundenen und sie unterstützenden Kräfte.
    Das Syndikat verurteilt die Massenmorde an den benachteiligten Menschen des Landes aufs Schärfste, spricht den Familien und Angehörigen der Opfer des Aufstands im Januar sein aufrichtiges Beileid aus und fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten.
    Jeden Tag hört man Nachrichten über Hinrichtungen. Die Regierung muss wissen, dass selbst die Hinrichtung Tausender politischer Gefangener in den 1980er Jahren die Menschen nicht davon abhalten konnte, weiterhin Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit zu fordern. Die heutigen Massenmorde und Hinrichtungen in einer viel größeren, besser informierten und vielfältigeren Gesellschaft werden nicht nur die tiefen sozialen Proteste und die Unzufriedenheit nicht eindämmen können, sondern auch die öffentliche Wut noch weiter schüren. Der für das Volk und das Land am wenigsten kostspielige Weg ist, dass Sie alle sofort zurücktreten und die Maschinerie des Mordens, der Unterdrückung und der Zerstörung des Landes sofort gestoppt wird.
    Es lebe die Freiheit, die Gleichheit und die Solidarität der Menschen! Die Lösung für Arbeiter und Werktätige ist Einheit und Organisation
    .“ engl. Erklärung von Vahid – Gewerkschaftsverband der Arbeitnehmer der Busgesellschaft Teheran und Vororte vom 27. Januar 2026 (per e-mail, maschinenübersetzt und auch auf Laboursolidarity dokumentiert externer Link (Internationales Netzwerks für Solidarität und Kampf)
  • Das Dreikörperproblem des Iran: Anmerkungen zum aktuellen Aufstand
    „…  Zweifellos wird der aktuelle Aufstand symbolisch von der faschistischen Rechten unter dem (Neo-)Pahlavismus dominiert. Der derzeitige Diskursstreit zwischen den verschiedenen politischen Strömungen der iranischen Opposition begann 2022 während des Aufstands von Jina, wobei jede antagonistische Fraktion versuchte, ihr eigenes Projekt als die wahre Kraft des iranischen Widerstands darzustellen. Doch dieser Positionskrieg scheint vorerst vom pahlavistischen Lager gewonnen worden zu sein. Reza Pahlavi, der lange im Exil lebende Sohn des während der Revolution von 1979 gestürzten und weithin verachteten Schahs, hat sich zum Galionsfigur des aktuellen Aufstands entwickelt, während andere oppositionelle Akteure aus republikanischen und nationalistischen Strömungen sich bemühen, auf seiner politischen Welle mitzureiten – nicht aus echter Überzeugung, sondern weil seine Hegemonie eine „Chance” darstellt und mit dem Versprechen, ihn nach dem Sturz des derzeitigen iranischen Staates zu konfrontieren. Eine solche politische Unmittelbarkeit wird jedoch immer vom hegemonialen Projekt vereinnahmt, wie uns 1979 gelehrt hat.
    Hegemoniale Siege werden in der symbolischen Ordnung ausgefochten und errungen, und in diesem Bereich hat sich die reaktionäre Rechte um Reza Pahlavi durchgesetzt. Die Pahlavisten beanspruchen nun diese Menschenmassen als Quelle ihrer Legitimität, als Verkörperung eines formlosen, undifferenzierten „Volkes“, das sich dem Einen (dem Monarchen, dem Schah) unterwerfen möchte. Natürlich gibt es kein solches formloses Volk. Dieses vermeintlich homogene und einheitliche Gebilde ist stattdessen voller Antagonismen, Brüche und Widersprüche. Aber diese „realen” antagonistischen Differenzierungen wurden nicht vermittelt oder organisiert; sie repräsentieren noch keine wirklich existierenden Kräfte innerhalb des politischen Feldes, außer in Regionen wie Kurdistan (Rojhelat), Belutschistan und Ahwaz, wo nationale Minderheiten ihre eigenen Kräfte aufgebaut haben, die alle den Pahlavismus ablehnen, unabhängig von ihren eigenen bevorzugten Ideologien und politischen Modellen.
    Über die in den USA ansässige Nationale Union für Demokratie im Iran hat die Pahlavi-Fraktion bereits ihr Programm für die Zeit nach der Revolution in einer Broschüre mit dem Titel „Field Manual for the Emergency“ (Feldhandbuch für den Notfall) vorgestellt, in der sie einen Staat unter der Führung von Pahlavi fordert, dessen Exekutive, Judikative und Legislative vollständig von Pahlavi selbst ausgewählt werden sollen. Der Text verzichtet nicht auf die Todesstrafe in der Übergangsphase, nicht einmal als symbolisches Zugeständnis an andere oppositionelle Strömungen, insbesondere Linke, die andernfalls erneute Massaker unter einer neuen Autokratie befürchten könnten. 6 Ihr Leitfaden für den Kampf, Guard-e-Javidan oder Die Unsterbliche Wache – benannt nach Mohammad Reza Pahlavis persönlicher Leibwache und Eliteeinheit der ehemaligen kaiserlichen Armee – ist eine Hommage an neonazistische Theorien zur organisatorischen Destabilisierung und zum Rassenkrieg in westlichen Demokratien, die dezentrale Strukturen und Aktionen „in kleinen Zellen“ betonen, wie sie von Persönlichkeiten wie Louis Beam und Tom Metzger und Gruppen wie der White Aryan Resistance formuliert wurden. Darüber hinaus hat die Pahlavist-Basis nicht nur abgelehnt, Israels Völkermord in Gaza zu verurteilen, sondern das Massaker aktiv bejubelt, indem sie Israels Narrativ von den „Hamas-Terroristen“ übernommen und die zionistische Rhetorik wiederholt hat, indem sie die Islamische Republik als „Kopf der Schlange“ brandmarkte. In ihrer Forderung nach der Wiederherstellung der Monarchie haben die Pahlavisten Trump zu ihrem Helden erhoben und ihn liebevoll „President-e Ghalbha“, „Präsident der Herzen“, genannt.
    Die größten Menschenmengen der aktuellen Proteste versammelten sich auf den Straßen als Reaktion auf Pahlavis Aufruf zu einer Massenkundgebung am Abend des 8. Januar; auf Pahlavis Drängen hin trugen viele Gesichtsmasken und schwarze Kleidung. Während die schwarze Kleidung für nächtliche Demonstrationen eine praktische Wahl zu sein schien, ist uns die historische Ironie als Kleiderordnung faschistischer Bewegungen (die Schwarzhemden) nicht entgangen. Ebenso wenig wie die faschistische Feindseligkeit der Pahlavi-Anhänger gegenüber dem Aufstand von Jina und seinem zentralen Slogan „Frau, Leben, Freiheit“, gegenüber nationalen Minderheiten im Iran, gegenüber geschlechtlichen und sexuellen Minderheiten sowie gegenüber afghanischen Migranten und Flüchtlingen. Pahlavi steht auch im Einklang mit dem Völkermord in Gaza, mit Israel, dem Trumpismus, dem Neoliberalismus und der Autokratie
    …“ engl. Artikel von Iman Ganji und Bahar Noorizadeh am 16.1.2026 im n+1-Magazin externer Link (maschinenübersetzt)
  • Iran weint Blut: „Überall war Blut, Blut über Blut. Die Straßen voller Blut“ – 5.848 bestätigte Todesfälle, die Zahl der, die noch untersucht werden, liegt bei 17.091.
    • Tag 29 der Proteste: Drohungen mit Beschlagnahmung von Eigentum und Fortsetzung der Blockade- und Einschüchterungspolitik
      Nach den neuesten aggregierten Daten von HRANA zum 29. Tag der Proteste hat die Gesamtzahl der bestätigten Todesfälle 5.848 erreicht. Davon sind 5.520 Demonstranten, 77 Kinder unter 18 Jahren, 209 regierungsnahe Kräfte und 42 Nicht-Demonstranten oder Zivilisten. Die Zahl der Todesfälle, die noch untersucht werden, liegt bei 17.091. Die Gesamtzahl der Festnahmen beläuft sich auf 41.283, die Zahl der Schwerverletzten auf 7.804 und es wurden 240 Fälle von erzwungenen Geständnissen gemeldet, die im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Die Zahl der Personen, die zu Sicherheitsbehörden vorgeladen wurden, beläuft sich auf 11.023. Insgesamt wurden 645 protestbezogene Vorfälle in 197 Städten in 31 Provinzen registriert…“ engl. HRANA-Meldung vom 25.1.2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • Achtundzwanzigster Tag der Proteste: Verhaftungen, Ungewissheit über das Schicksal der Inhaftierten und internationale Forderungen nach Rechenschaftspflicht
      Nach den neuesten aggregierten Daten von HRANA zum 28. Tag der Proteste hat die Gesamtzahl der bestätigten Todesfälle 5.459 erreicht. Davon waren 5.149 Demonstranten, 60 Kinder unter 18 Jahren, 208 regierungsnahe Kräfte und 42 Nicht-Demonstranten oder Zivilisten. Die Zahl der Todesfälle, die derzeit untersucht werden, liegt bei 17.031.
      Die Gesamtzahl der Festnahmen ist auf 40.887 gestiegen, darunter mindestens 325 Kinder und 54 Studenten. Die Zahl der Schwerverletzten wird mit 7.403 angegeben, und es wurden 205 Fälle von erzwungenen Geständnissen dokumentiert, die im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Die Zahl der von den Sicherheitsbehörden vorgeladenen Personen hat 11.023 erreicht. Insgesamt wurden 641 protestbezogene Vorfälle in 195 Städten in 31 Provinzen registriert.
      Am achtundzwanzigsten Tag der Proteste konzentrierten sich die Entwicklungen auf die Verabschiedung einer Resolution durch den Menschenrechtsrat, die fortgesetzte Politik der Einschränkung der Kommunikation und die steigenden Zahlen im Zusammenhang mit der Unterdrückung von Demonstranten
      …“ engl. HRANA-Meldung vom 24.1.2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • Iran weint Blut: Über die Januar-Revolte und die Rolle der internationalen Linken
      „… „Iran weint Blut“, schreibt mir eine:r meiner Verwandten, der:die seit einigen Stunden mittels eines VPNs wieder Zugang zum Internet hat, denn die Reaktion des Regimes auf die Proteste war noch brutaler als erwartet: In Ilam stürmten Basij-Truppen ein Krankenhaus, in dem verletzte Demonstrierende behandelt wurden, um eben diese zu verhaften. Ärzte und Pfleger:innen, die sich den Regime-Schergen in den Weg stellten, wurden brutal zusammengeschlagen. In Rasht flüchteten Demonstrierende vor den Kugeln der „Sicherheitskräfte“ in den Bazar der Stadt, der kurz darauf in Flammen aufging, vermutlich in Brand gesetzt von den Regime-Schergen selbst. Vor die Wahl gestellt, zu verbrennen, oder sich den am Ausgang des Gebäudes wartenden „Sicherheitskräften“ zu stellen, entschied sich eine Gruppe von Demonstrierenden für letzteres – nur um von den Schergen des Islamischen Regimes erschossen zu werden.
      Auf Videos wirken die Straßen Irans wie militärische Sicherheitszonen, voller gepanzerter Autos und bewaffneter Basij-Truppen und Revolutionsgarden, die mit scharfer Munition auf Demonstrierende schießen. (…)
      Die Taktik des Regimes, die Revolte mit schierer Grausamkeit niederzuschlagen, war vorläufig erfolgreich: Fast alle Proteste sind mittlerweile zum Erliegen gekommen.
      Ein Ende der Revolte ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einem Ende der Repression. Ein Banner, das vom Staat vor der Universität Teherans aufgehängt wurde, verkündet in aller Deutlichkeit, was allen Oppositionellen blüht: „Khamenei oder Tod„. Diese Losung ist keine leere Drohung, schließlich ist die Islamische Republik bekannt für ihre Hinrichtungen, die 2025 eine Rekordhöhe von über 2000 Menschen erreichten. Im Januar 2026 wurden bereits über 200 Menschen hingerichtet, fast 200 zu arbiträren Geständnissen gezwungen und verschiedene Menschenrechtsorganisationen warnen vor einem möglichen Szenario von Massenhinrichtungen der unzähligen Inhaftierten
      …“ Beitrag von Marzieh Samadzadeh vom 25.01.2026 bei Klasse gegen Klasse externer Link
    • Was bei den Protesten in Iran geschah: „Überall war Blut, Blut über Blut. Die Straßen voller Blut“
      Seit bald drei Wochen ist das Netz abgeschaltet. In einem kurzen Moment der Verbindung berichtet ein junger Teheraner der taz von seinen Erlebnissen am 8. und 9. Januar (…) Amirhossein – ein Pseudonym, um den jungen Mann zu schützen – ist IT-Ingenieur und lebt in der Hauptstadt Teheran. Er schickt Sprachnachrichten: „Das ist seit dem ersten Tag, an dem das Internet abgeschaltet wurde, passiert: Nach dem Aufruf von Reza Pahlavi am Donnerstag (8. Januar, Anm. d. Red.) an die Iranerinnen und Iraner, an diesem Tag um 20 Uhr abends zu protestieren, waren wir voller Hoffnung. Als es dann abends so weit war, strömten plötzlich Menschen in dunklen, meist schwarzen Kleidern auf die Straßen. Als ich die Menschenmenge sah, war ich wirklich schockiert und beeindruckt. Ich hatte noch nie eine solche Menschenmasse in Teheran gesehen.“ Er fährt fort: „In den ersten Stunden schöpften die Menschen allein durch die Masse enormen Mut. Im Gegensatz zu allen früheren Protesten, bei denen die Angst vor den Sicherheitskräften und ihrer Unterdrückung groß war, konnte diesmal die schiere Kraft der Menge diese Unterdrücker zurückdrängen. Mehr als zwei Stunden lang waren die Sicherheitskräfte nicht in der Lage, sich der Menge der Protestierenden zu nähern“. Doch dann begann die Gewalt, sagt er: „Also änderten die Sicherheitskräfte ihre Strategie und stellten sich an den Punkten auf, wo sich die Menschenmassen versammelten. Um zu verhindern, dass sie sich zu einem Zug zusammenschlossen. Dabei griffen sie mit scharfer Munition, Schrotflinten, Blendgranaten und Tränengas an. Sie zwangen die Menschen so, sich zu zerstreuen“. (…)Amirhosseins Stimme zittert, als er fortfährt: „Ich sah blutüberströmte Leichen auf den Straßen liegen. Andere, die angeschossen worden waren und nicht mehr rennen oder laufen konnten, zogen sich mit den Händen über den Boden. Während ich rannte, sah ich bewaffnete Männer, die sich ruhig den auf dem Asphalt liegenden Verwundeten näherten und ihnen einen letzten Schuss in den Kopf gaben“. Trotzdem versuchten manche Fliehende, ihren verletzten Mitmenschen zu helfen: „Wenn sie jemanden auf der Straße liegen sahen, bückten sie sich und hoben ihn hoch, unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Damit er überleben würde“. An dieser Stelle bricht seine Sprachnachricht mitten im Satz ab. Offenbar ist seine Internetverbindung wieder unterbrochen worden. Einige Minuten später kommen dann aber weitere Nachrichten: „Am Freitag waren die Demonstrationen so groß wie am Donnerstag. Aber das Verhalten der Sicherheitskräfte – für uns die Unterdrückungskräfte – war aggressiver geworden. Sie setzten Drohnen ein, um Menschenaufläufe zu identifizieren. Scharfschützen wurden auf Wohnhäusern und privaten Gebäuden positioniert. Sie töteten viele mit einem einzigen Schuss in den Nacken, das Herz oder den Kopf. Anderorts hatten sie Maschinengewehre montiert und eröffneten plötzlich das Feuer“. Er betont: „Sie hatten keine Skrupel, zu töten. Sie waren mit der Absicht gekommen, dass sie alle töten würden, bis die Menschenmengen verschwunden waren.“ (…) „Solche Szenen sieht man normalerweise nur mitten im Krieg. Überall war Blut, Blut über Blut. Die Straßen waren voller Blut, Verwundeter und Leichen. Verwundete Menschen flehten uns an, sie mitzunehmen. Leichen lagen auf dem Asphalt, namenlos und unbeachtet. Die beiden großen Tage der Proteste gingen damit zu Ende. Am Samstag und Sonntag roch Teheran nach Tod. Alle Kommunikationswege waren unterbrochen. Wir konnten weder unsere Familien noch unsere Freunde erreichen“. (…) „Die Behörden unternahmen bewusst keine Anstrengungen, die Straßen zu reinigen. Damit die Menschen das Blut sehen konnten. Damit es als Warnung diente, dass sie nie wieder zu Protesten auf die Straße gehen sollten. Als Lehre.“ Und sagt zum Schluss: „Uns bleibt nur noch eines: die Hoffnung, dass ein Militärschlag kommt. Auf US-Präsident Trump und seine Verbündeten. Die Welt ist dunkel geworden. Wir haben das Ende unseres Weges gesehen. Und dennoch warten noch dunklere Tage auf uns.“ Bericht von Mahtab Qolizadeh am 23. Januar 2026 in der taz online externer Link in der Übersetzung von Lisa Schneider
    • Über Symbolpolitik hinaus – Drei Dinge, die Deutschland tun kann, um den Menschen beizustehen
      „Beispiellos ist das Ausmaß der Brutalität, nicht nur in der 47-jährigen Geschichte der Islamischen Republik Iran. (…) Deutschland verurteilt die Gewalt des Regimes in Stellungnahmen, äußert Solidarität mit den Protestierenden, und spricht sich für die Ausweitung von Menschenrechtssanktionen ebenso aus wie für die EU-Terrorlistung der Revolutionsgarden. (…) Um über Symbolpolitik hinaus Menschen in Iran konkret zu unterstützen, sollte Deutschland drei konkrete Schritte ergreifen, gemeinsam mit der EU. (…) Erstens wäre für unmittelbare Prioritäten ein EU-weites und koordiniertes Nothilfeprogramm angezeigt, um zusätzliche finanzielle Mittel, aber auch politische Koordinierung zu ermöglichen. Das würde Rückhalt schaffen für akute Prioritäten iranischer Zivilgesellschaft, darunter vor allem: medizinische Notfallversorgung, Menschenrechtsdokumentation und Zugang zu Internet, sowohl über politischen Druck auf das Regime als auch konkrete Förderung von Starlink- und anderen Umgehungstools. (…) Zweitens sollten Solidaritätsbekundungen davon begleitet werden, dass Deutschland ein sicherer Ort sein kann – für die iranische Diaspora genauso wie für diejenigen Iraner:innen, die ihr Land wegen politischen Engagements und Protest verlassen müssen. Dabei geht es um innenpolitische Maßnahmen, wie Vorgehen gegen transnationale Repression und Abschiebestopps, aber auch die Wiedereinführung der erleichterten Aufnahme für Frauen- und Menschenrechtsverteidiger:innen in Deutschland, welche diese Bundesregierung im letzten Jahr ausgesetzt hatte. Drittens sollte dieses Nothilfeprogramm auch eine Neuausrichtung der deutschen und europäischen Iran-Politik einläuten. Verpasst wurde bisher wieder und wieder, einen politischen Ansatz zu entwickeln, der die Expertise und Handlungsfähigkeit prodemokratischer iranischer Zivilgesellschaft gegenüber der autoritären Regierung systematisch und strukturell stärkt. Das sollte im Mittelpunkt stehen, wenn Deutschland und die EU politischen Druck auf die iranische Regierung erhöhen wollen. Deutschland und die EU sollten daher eine strukturierte Dialogplattform für den Austausch mit zivilgesellschaftlichen Netzwerken schaffen. (…) So könnte Zivilgesellschaft ihre Prioritäten, aber auch Expertise in einen umfassenderen politischen Rahmen einbringen. Angezeigt wäre auch die Unterstützung prodemokratischer Akteur:innen bei der Entwicklung politischer Optionen. Im Fokus stehen sollten dabei: der Ausbau und die Weiterentwicklung von Frauen- und Menschenrechtsarbeit, einschließlich der Entwicklung von Perspektiven auf Übergangsjustiz und Aufarbeitung; Förderung zivilgesellschaftlicher Arbeit und Forschung zu Internetfreiheit; und strukturelle Ungleichheit als Treiber gesellschaftlicher, politischer und sozioökonomischer Konfliktlinien…“ Gastkommentar von Barbara Mittelhammer vom 23. Januar 2026 in der taz online externer Link
  • Tag 25 der Proteste im Iran: Anhaltende Internet-Sperre, Zensur und Gewalt  – RSF fordert von der Bundesregierung, Journalist*innen im deutschen Exil zu schützen
    • Tag 25 der Proteste: Anhaltende Internet-Sperre und Narrativbildung der Behörden hinsichtlich der Zahl der Todesopfer
      Am fünfundzwanzigsten Tag der landesweiten Proteste im Iran hat die Zahl der bestätigten Todesfälle laut den von HRANA zusammengestellten Daten 4.902 erreicht, während die Zahl der noch zu überprüfenden Todesfälle bei 9.387 liegt. Darüber hinaus wurden mindestens 7.389 Menschen schwer verletzt, und die Gesamtzahl der Festnahmen ist auf 26.541 gestiegen. Diese Zahlen wurden inmitten der anhaltenden, weitreichenden Internetabschaltung erfasst, während die Regierung gleichzeitig durch die Veröffentlichung begrenzter und selektiver Statistiken versucht, ihre offizielle Darstellung hinsichtlich des Ausmaßes der Tötungen zu festigen. (…)
      Berichte aus verschiedenen Städten zeigen, dass zwar die Zahl der öffentlichen Versammlungen im Vergleich zu den ersten Wochen zurückgegangen ist, aber die Präsenz von Sicherheitskräften und Strafverfolgungsbehörden weiterhin umfangreich und deutlich sichtbar ist. Kontrollen auf Straßenebene, Motorradstreifen und die Präsenz von Zivilkräften in städtischen Gebieten bestehen weiterhin, wobei die Beschränkungen in den Abendstunden verschärft werden.
      Diese Situation sollte weniger als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Proteste vollständig abgeklungen sind, sondern vielmehr als Ergebnis einer Kombination verschiedener Faktoren wie harter Repression, Massenverhaftungen und Kommunikationssperren. Gleichzeitig deuten Berichte auf anhaltende soziale Unzufriedenheit in verschiedenen Teilen der Gesellschaft hin, die sich jedoch aufgrund fehlender Organisations- und Kommunikationsmöglichkeiten weniger in koordinierten Demonstrationen äußert…“ engl. HRANA-Meldung vom 21.1.26 externer Link (maschinenübersetzt)
    • Iran: Bundesregierung muss Zensur und Gewalt öffentlich verurteilen sowie Journalist*innen im deutschen Exil schützen
      Seit dem 8. Januar blockieren die iranischen Behörden als Reaktion auf die landesweiten Proteste fast den gesamten Zugang zum Internet. Es ist nahezu unmöglich, iranische Journalist*innen und unabhängige Medien im Land zu erreichen. RSF fordert die internationale Gemeinschaft und auch die deutsche Bundesregierung auf, die Zensur der Presse und die Gewalt an Medienschaffenden durch iranische Institutionen öffentlich zu verurteilen. Zudem muss die Bundesregierung iranische Journalist*innen im deutschen Exil und ihre Angehörigen aktiv schützen.
      „Wir verurteilen diese Nachrichtensperre aufs Schärfste. Sie ist nichts anderes als eine staatliche Strategie zur Verschleierung von Menschenrechtsverletzungen und Gewalt“, sagt RSF-Nahost-Referent Christopher Resch. „Die iranische Bevölkerung hat ein Recht auf Information – doch das Regime tritt nicht nur dieses Grundrecht mit Füßen.“
      Internetsperre und Suspendierung einer Tageszeitung
      Seit Beginn der Kommunikationsblockade ist es schwer, belastbare Informationen über das Schicksal von Journalist*innen und unabhängigen Medien im Iran zu erhalten. Die Website der meistgelesenen reformistischen Tageszeitung des Landes, Shargh Daily, lässt sich seit Anfang Januar nicht mehr aufrufen. Gleiches gilt für die Seiten der reformistischen Tageszeitung Etemad, der englischsprachigen Tageszeitung Iran Daily und anderer unabhängiger Medien.
      Die reformistische Tageszeitung Ham-Mihan wurde am 18. Januar von den iranischen Behörden offiziell suspendiert. Gholamhossein Karbaschi, Direktor der Zeitung, bestätigte die Sanktionen einen Tag später und wandte sich direkt an den iranischen Präsidenten: „Unter Ihrer Regierung wurde [die Zeitung] trotz aller Erklärungen und Slogans […] unter Vorwänden verboten“, schrieb er. Laut der unabhängigen, aber regierungsnahen Nachrichtenwebsite Khabar Online begründete die iranische Pressaufsichtsbehörde ihre Entscheidung mit zwei Artikeln über die Protestwelle: einem Leitartikel, der auf das mögliche Ende des derzeitigen Regimes anspielte, und einem Artikel der bekannten Journalistin Elahe Mohammadi über die Auswirkungen der Repressionen auf die medizinische Versorgung. Elahe Mohammadi ist feste Korrespondentin für Ham-Mihan und verbrachte fast zwei Jahre im Gefängnis, nachdem sie im September 2022 über die Beerdigung von Mahsa Amini berichtet hatte. Ihr gewaltsamer Tod in Polizeigewahrsam hatte die „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung ausgelöst.
      ..“ RSF-Pressemitteilung vom 22.01.2026 externer Link
  • Iran weiter ohne Internet: Ungesicherte Spekulationen über mehr als 16.000 Todesopfer sowie dauerhafte Kappung der Verbindung zum Internet für breite Bevölkerung 
    • Aufstand im Blackout. Das iranische Regime blockiert die Telekommunikation und verübt Massaker an der Bevölkerung
      „… Neu ist, dass seit Beginn der Proteste auch Videos aus Iran kursieren, in denen Pahlavis Rückkehr gefordert wird. Zwar stellte sich bei einigen dieser Videos heraus, dass diese manipuliert wurden und die Demonstrant*innen stattdessen etwas anderes riefen. Dennoch ist zu beobachten, dass auf Demonstrationen »Lang lebe der Schah« und andere monarchistische Parolen laut werden, sowie die Fahne mit Symbolen der Pahlavi-Dynastie, Sonne und Löwe, gezeigt wird. Dies hängt nicht zwangsläufig mit der ideellen Zustimmung zu einer Rückkehr zur Monarchie zusammen. Gegenüber ak erklärte eine Iranerin aus Teheran, es sei reiner Pragmatismus: Alles sei besser als die Islamische Republik und ihr Sturz sei aktuell nur durch Pahlavi möglich. Dass dieser Anschein entstanden ist, liegt auch an der Unterstützung »westlicher« Staaten für Reza Pahlavi. (…) Und auch Pahlavi selbst inszeniert sich als die neue Führungsfigur: Kurz nach einem Aufruf kurdischer Gewerkschaften zum Generalstreik am 8. Januar rief Pahlavi ebenfalls zu Protesten auf. Als sich diese einstellten, immerhin der zwölfte Tag der Aufstände, reklamierten er und seine Anhänger*innen im Westen dies als Zeichen für seine Legitimität. Das Interesse des Westens an der Monarchie ist kein Zufall, denn ein von Reza Pahlavi geführter Iran verspricht keine Konkurrenz, sondern Zusammenarbeit (…)
      In veröffentlichten Sprachnachrichten berichten Ärzte, die Versorgung der Verletzten sei kaum möglich, es seien einfach zu viele. Augenzeug*innen erzählen von Leichen, die sich in Straßen und Hallen stapeln, und Menschen, die in den Hallen auf der Suche nach Vermissten sind. Angehörige berichten, dass ihnen die Leichen ihrer Verwandten nur gegen eine Gebühr von rund 4.000 Dollar oder eine Erklärung ausgehändigt werden, nach der ihre ermordeten Verwandten Teil der staatlichen Miliz Basidsch waren. Diese Bescheinigung dient dem Regime nachfolgend dazu, die Toten zu Regimeanhängern erklären zu können, die von den Aufständischen ermordet worden seien. (…)
      Zudem berichtet HRANA von knapp 25.000 Menschen, die inhaftiert wurden. Darunter sind längst nicht nur Menschen, die bei den Protesten verhaftet wurden. Berichten aus Teheran und anderen Städten zufolge gehen die Repressionskräfte von Tür zu Tür, durchsuchen Wohnungen nach Starlink-Terminals und inhaftieren Menschen, die bei Protesten waren oder im Verdacht stehen, zukünftig auf Proteste zu gehen. Zudem haben Repressionskräfte auch Patient*innen der Krankenhäuser festgenommen, die dort ihre Verletzungen behandeln ließen, sowie Ärzt*innen, die sie versorgten
      …“ Artikel von Pajam Masoumi am 19. Januar 2026 im ak 722 externer Link
    • Iran weiter ohne Internet: Staatsfernsehen gehackt und Regimekritik verbreitet
      Der Iran ist anderthalb Wochen ohne Internet, ein Ende ist nicht in Aussicht. Am Sonntag wurde wohl das Staatsfernsehen gehackt und Regimekritik verbreitet.
      Im weiterhin größtenteils von der Außenwelt abgeschnittenen Iran haben Unbekannte am Sonntag angeblich die Satellitenübertragung mehrerer staatlicher Fernsehsender übernommen und Aufnahmen der jüngsten Proteste sowie eine Ansprache des Sohns des gestürzten Schahs gesendet. Das berichtet zumindest Iran International externer Link, ein regimekritischer Nachrichtensender aus London. In sozialen Netzen kursieren Aufnahmen der Übertragung, deren Echtheit sich aber bisher nicht verifizieren lässt. Unabhängige Daten hatten zugleich am Sonntag gezeigt, dass die Islamische Republik die totale Internetsperre vorübergehend zurückgefahren hat. Inzwischen ist das Land aber wohl wieder abgetrennt. (…)
      Vor dem mutmaßlichen Cyberangriff auf das Staatsfernsehen hat es am Wochenende vermehrt Hinweise darauf gegeben, dass die Internetblockade leicht zurückgefahren wurde. Daten von Cloudflare externer Link legen nahe, dass es seit Samstag immer wieder etwas mehr Internetverkehr aus der Islamischen Republik gab, dabei geht es aber nur um wenige Prozent des sonst üblichen Volumens. Die Hintergründe dieser Episoden sind aber unklar.
      Keine erneute Freigabe des Internets geplant?
      Vor wenigen Tagen hat zudem eine Organisation, die sich im Iran und im Nahen Osten für Internetfreiheit einsetzt, über Pläne aus dem Regime berichtet, das Internet gar nicht wieder freizugeben. Laut einem Artikel von Filterwatch externer Link gibt es vonseiten der Regierung bereits Bestätigungen, dass die Verbindung zum Internet mindestens bis März nicht wiederhergestellt werden soll. Aber auch danach solle man nicht darauf hoffen. Stattdessen sollen nur bestimmte gesellschaftliche Gruppen begrenzte Zugänge bekommen. Der Rest muss sich demnach mit internen Diensten begnügen und könnte beispielsweise keinen Zugang mehr zu unabhängigen Nachrichten erhalten. Von offizieller Seite gibt es dazu bislang aber keine Stellungnahmen…“ Beitrag von Martin Holland vom 19.1.2026 auf heise news externer Link
    • „Ganz neues Maß an Brutalität“: Ärzte berichten von mehr als 16.000 Todesopfern im Iran
      Ärzte im Iran gehen davon aus, dass bei der Niederschlagung der Massenproteste mindestens 16.500 bis 18.000 Menschen getötet sowie 330.000 bis 360.000 Männer, Frauen und Kinder verletzt wurden. Das berichtet die britische „Sunday Times“. Die Zahlen wurden demnach in 16 Notaufnahmen und acht großen Augenkliniken im ganzen Land zusammengestellt. Die meisten Opfer sollen jünger als 30 Jahre gewesen sein. Die Mediziner übermittelten die Zahlen dem Bericht zufolge via Elon Musks Satellitentechnologie Starlink, der iranisch-deutsche Augenchirurg Amir Parasta gab sie an die Zeitung weiter. „Das ist ein ganz neues Ausmaß an Brutalität“, sagte Parasta. Er habe mit Dutzenden Ärzten vor Ort gesprochen, diese seien tief geschockt und weinten. Der Arzt hatte während der Proteste 2022 zahlreiche Verletzte behandelt und beim Aufbau eines Ärzte-Netzwerks im gesamten Iran mitgeholfen. Ein anderer Augenarzt sagte nun, „es gibt so viele Schussverletzungen am Auge, dass wir nicht wissen, wen wir zuerst behandeln sollen„…“ Agenturmeldung vom 18.01.2026 auf n-tv.de externer Link
    • Iran: »Befreiung kommt von unten«. Tausende gehen gegen das Mullah-Regime auch in Deutschland auf die Straße – Krieg und Sanktionen werden abgelehnt
      Zehntausende Menschen haben am Wochenende bundesweit gegen die brutale Aufstandsbekämpfung des Mullah-Regimes im Iran protestiert. Mehr als eine Woche nach dem Internet-Shutdown im Iran war von bis zu 12 000 Getöteten während der dortigen Straßenproteste die Rede. Rund 12 000 Menschen hatten sich dann am Samstag in der Hamburger Innenstadt mit der Protestbewegung solidarisiert. In Berlin gingen am Sonntagnachmittag rund 1500 Menschen gegen das Mullah-Regime auf die Straße – sie erteilten zugleich militärischen Interventionsdrohungen der USA sowie Sanktionen auf Kosten der Zivilbevölkerung eine Absage und forderten von der Bundesregierung einen sofortigen Abschiebestopp in den Iran.
      Zur Berliner Demonstration aufgerufen hatte ein breites Bündnis von Gruppen und Organisationen der iranischen und kurdischen Exil-Community sowie internationalistischer linker Gruppen, der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sowie der Partei Mera25 und der Linkspartei. (…)
      Mit Parolen wie »No Turban, no Crowns« (Kein Turban, keine Kronen) machten Demo-Teilnehmer vor dem Brandenburger Tor deutlich, dass sie anstelle der »Islamischen Republik« auch keine Rückkehr der Monarchie in Gestalt des Schah-Sohnes Reza Pahlavi wünschten. Die Redebeiträge wurden überwiegend von Frauen gehalten – namentlich vorgestellt wurden die wenigsten, da mit Spitzeleien des Regimes auch in Deutschland gerechnet werden muss
      …“ Artikel von Claudia Wangerin vom 18.01.2026 in ND online externer Link
    • Massenmord in Iran: Wir können wissen, was geschieht
      Das Regime in Teheran hat während der jüngsten Proteste mindestens 16.000 Menschen ermordet. Was hindert uns, diese Realität wahr- und ernstzunehmen? (…)
      Auch Organisationen, die traditionell zurückhaltender zählen, sagen genau das. Am 22. Tag der Proteste bestätigte die Menschenrechtsorganisation HRANA mindestens 3.919 Tote, weitere 8.949 Todesfälle werden allerdings noch untersucht. Organisationen kommen bei dem Ausmaß der Gewalt kaum noch hinterher, die Toten zu zählen. Amnesty International spricht von „massenhaften rechtswidrigen Tötungen in bislang beispiellosem Ausmaß“ und betont zugleich, dass die tatsächliche Zahl der Opfer deutlich höher liegen müsse. Es geht dabei nicht darum, etwas zu dramatisieren. Ein Massenmord ist im Dunkeln schlechter zu erfassen als im Licht.
      Aus Iran selbst erreichen uns nur Bruchstücke. Ein Mann aus Karaj, der für wenige Minuten telefonieren konnte, sagte: „Diese Zahlen, die ihr da hört – 10.000, 12.000 – das ist ein Witz. Das ist nichts im Vergleich zu dem, was hier passiert.“
      Solche Stimmen werden hier oft als subjektiv, emotional und nicht belastbar abgetan. Dabei sind sie das Einzige, was wir haben, wenn ein Staat systematisch jede Form von Dokumentation zerstört. Und: Die Menschen in Iran bestätigen alle unabhängig voneinander das gleiche, nämlich dass wir außerhalb Irans nur Bruchstücke dessen sehen, was im Land tatsächlich los ist. Dass die Gewalt noch viel höher ist, als wir uns auch nur vorstellen können. (…)
      Das Wort Massenmord ernst nehmen
      Die britische Sunday Times geht inzwischen von mindestens 16.500 Toten aus, gestützt auf Berichte von Ärz­t:in­nen vor Ort. Sie sprechen von 330.000 Verletzten. Diese Zahl wird medial deutlich weniger skeptisch behandelt. Vielleicht, weil sie aus London kommt und nicht aus dem iranischen Exil. Vielleicht, weil westliche Quellen immer noch als glaubwürdiger gelten als die Betroffenen selbst. Als bräuchte die Wahrheit einen europäischen Pass. (…)
      Uns einzugestehen, dass im Jahr 2026 so viele Menschen getötet werden konnten, während die Welt zugeschaut, gezögert und relativiert hat. Vielleicht werden die Zahlen deshalb infrage gestellt. Aus Abwehr, aus Scham. Weil es leichter ist, an einer Zahl zu zweifeln als an der eigenen Untätigkeit. (…)
      Den Ira­ne­r:in­nen muss endlich geglaubt werden. Eine Wahrheit, die erst dann gilt, wenn sie uns erträglich erscheint, ist keine Wahrheit. Jede Relativierung ist ein stilles Mitgehen mit der Gewalt
      .“ Kommentar von Daniela Sepehri vom 19.1.2026 in der taz online externer Link
    • Zum jüngsten staatlichen Massaker an Demonstrierenden im Iran: Jenseits der Tragik der aktuellen Unruhen im Iran
      Für die Bevölkerung eines von Elend geplagten Landes gibt es nichts Gefährlicheres, als von einem Staat regiert zu werden, dessen oberstes Ziel sein eigenes Überleben ist, mit allen Mitteln und um jeden Preis.
      Das schreckliche Massaker an Strassenprotestierenden in den letzten Tagen im Iran ist der jüngste Beweis dafür. Das Morden ist kein zufälliges Merkmal der Islamischen Republik, sondern ein wesentlicher Teil des Wesens des Regimes und seines Strebens nach Fortbestand. (…)
      Es gibt keinen einfachen Weg für die Linke, um aus ihrer historischen Isolation und Marginalisierung im Kontext des Iran und des Nahen Ostens auszubrechen. Angesichts der derzeitigen katastrophalen Unterdrückung des Massenaufstands im Iran ist es eine dringende Aufgabe, sich gemeinsam gegen weitere Massenmorde durch die Islamische Republik zu wehren, sei es auf den Strassen oder in den Gefängnissen. Dies muss mit einer gemeinsamen Haltung gegen jede Form von Kriegstreiberei unter dem Deckmantel der Rettung des iranischen Volkes einhergehen
      .“ Artikel von Nima Sabouri vom 17. Januar 2026 im untergrund-blättle.ch externer Link
  • Nach Tag 19 der Proteste in Iran: Zwischen 2.000 und 3.000 Menschen getötet, anhaltende landesweite Internetabschaltung und Trump dealt mit Teheran um Hinrichtungen
    • Tag 19 der Proteste: Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats und anhaltende landesweite Internetabschaltung
      Nach den neuesten Informationen von HRANA hat die Zahl der bestätigten Todesfälle zum Zeitpunkt dieses Berichts mindestens 2.677 erreicht, wobei 1.693 weitere Fälle noch untersucht werden. Die Zahl der Schwerverletzten wird ebenfalls mit 2.677 angegeben, während die Zahl der Inhaftierten bei 19.097 liegt. Gleichzeitig fand eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zum Iran statt. Die US-Regierung brachte auch Berichte über die Aussetzung der Vollstreckung von 800 geplanten Hinrichtungsurteilen zur Sprache. (…) Der neunzehnte Tag der Proteste war geprägt von einem starken Fokus auf internationale Folgemaßnahmen im UN-Sicherheitsrat sowie der anhaltenden landesweiten Internetsperre. Die neuesten statistischen Daten von HRANA zeigen einen anhaltenden Aufwärtstrend bei Todesfällen, Verhaftungen und erzwungenen Geständnissen. Auf diplomatischer Ebene haben sich Warnungen und Sanktionen verschärft, während iranische Beamte weiterhin defensive Positionen einnehmen und Anschuldigungen vorbringen.“ engl. Meldung vom 15. Januar 2026 von HRANA externer Link (maschinenübersetzt)
    • Die Leichen stapeln sich bis zur Decke
      Die Gewalt des Regimes erschüttert selbst erfahrene Aktivist*innen. Die Proteste werden leiser, die Verzweiflung wächst. Denn es kommt keine Hilfe.
      In Kahrizak, südlich von Irans Hauptstadt Teheran, zeigen fünf von Amnesty International geprüfte Videos eine improvisierte Leichenhalle. Mindestens 205 Leichensäcke sind zu sehen. Auf einem Bildschirm im Gebäude laufen Fotos der Toten mit einer fortlaufenden Nummerierung. Der Zähler steigt auf 250. Ein Augenzeuge berichtete gegenüber der BBC Persian, die Leichen hätten „übereinander gelegen“, manche Räume seien so voll gewesen, dass sich Türen nicht mehr hätten öffnen lassen. Amnesty spricht von „massenhaften rechtswidrigen Tötungen in bislang beispiellosem Ausmaß“. Das Ausmaß der Gewalt hat selbst erfahrene Aktivist*innen erschüttert. Dennoch sind die Proteste in Iran wieder leiser geworden. Laut Menschenrechtsorganisationen wurden zwischen 2.000 und 3.000 Menschen getötet. Das iranische Exilmedium Iran International spricht sogar von 12.000 Toten externer Link.
      Amnesty International dokumentiert ein koordiniertes Vorgehen: Revolutionsgarden, Basij-Milizen, Polizei und zivile Einsatzkräfte feuern gezielt aus Straßen, von Dächern und aus Gebäuden – darunter Moscheen und Polizeistationen. Geschossen wurde häufig auf Kopf und Oberkörper…“ Artikel von Daniela Sepehri vom 15.1.2026 in der taz online externer Link

      • Anmerkung: „Das iranische Exilmedium Iran International spricht sogar von 12.000 Toten“ –  Iran International ist ein Diaspora-basiertes Netzwerk mit royalistischer Gesinnung, das ein Eigeninteresse an dramatischen Todeszahlen hat, weshalb hier immer nur die konservativ gesicherten Zahlen der Menschenrechtsorganisation genannt wurden
    • Trump dealt mit Teheran
      In der iranischen Führung geht die Angst um vor einem Angriff der USA. Wie sonst wäre zu erklären, dass Außenminister Abbas Araghtschi dem US-Publikum über Fox News verkündet, es gebe »überhaupt keine Pläne«, festgenommene Demonstranten mit dem Tod durch Erhängen zu bestrafen. Dabei hatten sowohl der Oberste Richter als auch der Justizminister härteste Strafen angekündigt und gedroht, keinerlei Nachsicht walten zu lassen. Der Schachzug des Außenministers, der nach außen das umgängliche Bild der Islamischen Republik abgibt, folgt auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump einzugreifen, sollte das iranische Regime die Todesstrafe gegen Demonstranten verhängen. Soll hier ein typisch Trump’scher Deal geschlossen werden? Keine Todesstrafe, im Gegenzug macht der Iran Zugeständnisse beim Atomprogramm? Für die revoltierende Bevölkerung im Iran liefe das auf einen Ausverkauf ihrer Forderungen hinaus – alles für eine Versicherung des Außenministers, der nicht zu trauen ist…“ Kommentar von Cyrus Salimi-Asl vom 15.01.2026 in ND online externer Link
    • Widerstand von unten: Das Regime in Teheran kennt nur brutale Gewalt als Antwort auf die Protestbewegung. medico-Partner:innen leisten im Geheimen Nothilfe.
      Seit drei Wochen gehen die Menschen im Iran auf die Straße – gegen das korrupte, repressive und dysfunktionale Regime. Von den Bazaris über Arbeiter:innen bis zu den Studierenden – wirtschaftlicher Kollaps, Perspektivlosigkeit und politische Repression führen überall zu Wut und Verzweiflung: Millionen Menschen teilen den Wunsch nach einer Veränderung und einem freien Leben im Iran. (…)
      Mindestens 3.400 Tote haben Menschenrechtsbeobachter:innen nach Aufhebung der Internetblockade gezählt; es können auch weit mehr sein. Familienangehörige und Freund:innen öffnen Leichensäcken auf der Suche nach ihren Liebsten und Bekannten – es sind schreckliche Bilder. Auch die Gesundheitsversorgung ist von der massiven Repression betroffen: Die Sicherheitskräfte holen Verletzte aus Krankenhäusern. Ärzt:innen, die im Geheimen operieren, berichten von hundertfachen gezielten Schüsse auf Kopf und Augen.
      Ungewisse Zukunft
      Die iranische Justiz hat inzwischen die ersten Teilnehmer:innen an den Protesten vor Gericht gestellt. In Schnellverfahren ist erneut die tausendfache Vollstreckung der Todesstrafe zu befürchten. (…)
      Die Menschen im Iran brauchen jetzt unsere Solidarität und Unterstützung. Für die Befreiung kämpfen sie selbst. Millionen Exil-Iraner:innen sind mit all jenen vereint, die im Iran unter lebensbedrohlichen Umständen für eine Zukunft auf die Straße gehen. Ein demokratischer Neuanfang im Iran ist unabdingbar – und er muss von den Iraner:innen selbst kommen
      …“ Meldung und Spendenaufruf vom 15.01.2026 bei medico externer Link
  • Tag 17 der Proteste im Iran: Anhaltende Internetsperre, sprunghafter Anstieg der Zahlen (Tod von 2.403 Demonstranten bestätigt) und verschärfte internationale Reaktionen 
    „… Nach den von HRANA bis zum Ende des siebzehnten Tages gesammelten Daten wurden landesweit insgesamt 614 Protestkundgebungen registriert. Diese Demonstrationen fanden in 187 Städten statt und erstreckten sich über alle 31 Provinzen des Landes. Was die Festnahmen betrifft, so wurde die Inhaftierung von 18.434 Personen bestätigt. Gleichzeitig wurden 97 Fälle von erzwungenen Geständnissen bekannt gegeben und 1.134 Personen mit schweren Verletzungen gemeldet.
    Was die menschlichen Verluste angeht, so wurde der Tod von 2.403 Demonstranten bestätigt. Unter den Getöteten befinden sich 12 Kinder (Personen unter 18 Jahren). Darüber hinaus sind neun nicht an den Protesten beteiligte Zivilisten (weder Militärangehörige noch Demonstranten) unter den Todesopfern. Auf der anderen Seite wurden 147 Angehörige der Sicherheitskräfte und Regierungsanhänger getötet, darunter mindestens fünf zivile Anhänger der Regierung.
    Der siebzehnte Tag der Proteste war weniger ein Tag der „sichtbaren Ausweitung auf den Straßen“ als vielmehr ein Tag, an dem sich die hochriskante Situation unter den Bedingungen einer Kommunikationssperre weiter verschärfte. Gleichzeitig deuten die kumulierten Daten von HRANA auf einen deutlichen Anstieg der Zahlen für Todesfälle, Verhaftungen und Verletzte hin. Auf internationaler Ebene verschärften sich die Verurteilungen und diplomatischen Maßnahmen, und die Sicherheitswarnungen einiger Regierungen, in denen sie ihre Staatsangehörigen zur Ausreise aus dem Iran aufforderten, wurden deutlicher. Vor diesem Hintergrund verstärkte die Erklärung der Menschenrechtsaktivisten im Iran die Besorgnis über die Anwendung tödlicher Gewalt und die Folgen der Internetsperre für die Überwachung und Rechenschaftspflicht
    …“ engl. Meldung vom 13. Januar 2026 bei HRANA externer Link (maschinenübersetzt), siehe auch:

    • Menschenrechtsaktivisten (HRA) verurteilen den Einsatz tödlicher Gewalt gegen Demonstranten während der landesweiten Internet-Sperre im Iran.
      Human Rights Activists (HRA) ist zutiefst alarmiert über die eskalierende Gewalt gegen Demonstranten im gesamten Iran angesichts der flächendeckenden Abschaltung des Internets durch die Regierung. Die landesweiten Proteste begannen am 28. Dezember 2025, und bis zum Morgen des 13. Januar 2026 hat HRA unabhängig 1.850 Todesfälle unter Demonstranten bestätigt, darunter 9 Kinder, sowie mehr als 16.700 Festnahmen. Weitere 770 Todesfälle werden derzeit untersucht. Die HRA geht davon aus, dass diese Zahlen aufgrund der anhaltenden Internet- und Kommunikationssperren wahrscheinlich noch viel höher sind. Diese rapide steigenden Zahlen sind besonders besorgniserregend, da der iranische Polizeichef eine verstärkte Kontrolle der Proteste gefordert hat…“ engl. HRA-Meldung vom 13. Januar 2026 externer Link (maschinenübersetzt)
  • Nach Tag 16 der Proteste in Iran: Unter den bestätigten mind. 646 Toten auch 2 streikende Lkw-Fahrer, Warnung vor Hinrichtungen – aber auch vor „Rettung“ durch die USA samt Pahlavi-Dynastie
    • Sechzehnter Tag der Proteste: Familienangehörige der Opfer versammeln sich auf dem Behesht Zahra Friedhof, während die vollständige Kommunikationssperre weiter andauert.
      „… Nach den neuesten bestätigten Zahlen von HRANA wurden bis zum heutigen Tag 646 Menschen im Zuge der Proteste getötet. Diese Zahl umfasst 505 Demonstranten (darunter 9 Kinder), 133 Militär- und Polizeibeamte, einen Staatsanwalt und sieben nicht an den Protesten beteiligte Zivilisten. Darüber hinaus werden derzeit noch 579 weitere Todesfälle untersucht. Gleichzeitig gibt es Berichte über Versammlungen und Slogan-Rufe von Angehörigen der Getöteten auf dem Behesht-Zahra-Friedhof in Teheran, was darauf hindeutet, dass die Proteste auch in Zeiten der Trauer weitergehen – ein Umstand, der angesichts der vollständigen Kommunikationssperre die Besorgnis über das wahre Ausmaß der Unterdrückung noch verstärkt. (…)
      Nach den neuesten aggregierten und verifizierten Daten von HRANA bis zum Ende des sechzehnten Tages der Proteste:
      – 505 Demonstranten wurden getötet.
      – Unter ihnen wurden neun Kinder (unter 18 Jahren) identifiziert.
      – 133 Angehörige des Militärs und der Strafverfolgungsbehörden wurden getötet.
      – Ein nichtmilitärischer Regierungsmitarbeiter (ein Staatsanwalt) ist ums Leben gekommen.
      – Sieben der Getöteten waren nicht an den Protesten beteiligte Zivilisten.
      Aufgrund dieser Zahlen hat die Gesamtzahl der bestätigten Todesfälle bis zum heutigen Tag 646 erreicht. Darüber hinaus hat HRANA 579 weitere Meldungen über Todesfälle erhalten, die derzeit noch geprüft und verifiziert werden.
      Unter Berücksichtigung zusätzlicher Daten beläuft sich die Gesamtzahl der Inhaftierten bis heute auf 10.721. Darüber hinaus wurden bislang 97 Fälle von erzwungenen Geständnissen von Inhaftierten in offiziellen oder regierungsnahen Medien veröffentlicht, was den anhaltenden Druck der Sicherheits- und Justizbehörden auf die Festgenommenen widerspiegelt
      …“ engl. Meldung vom 12. Januar 2026 von HRANA externer Link (maschinenübersetzt)
    • Mindestens 648 Demonstranten in Iran getötet; IHRNGO warnt vor bevorstehenden Hinrichtungen von Demonstranten
      Iran Human Rights (IHRNGO); 12. Januar 2026: Sechzehn Tage nach Beginn der neuen Welle landesweiter Proteste gegen die Regierung im Iran wurden mindestens 648 Demonstranten, darunter neun Kinder unter 18 Jahren, getötet und Tausende verletzt. (…)
      Unterdessen haben Beamte der Islamischen Republik die Demonstranten als Randalierer bezeichnet. Mohareb (Feinde Gottes), Terroristen und Aufwiegler, indem sie sie mit Israel und den USA in Verbindung bringen, was mit der Todesstrafe geahndet wird. Sie haben außerdem geschworen, die Fälle „streng” und „schnell” in speziellen Abteilungen der Revolutionsgerichte zu behandeln. Unbestätigten Berichten zufolge droht mindestens einem Demonstranten nur wenige Tage nach seiner Festnahme die Hinrichtung. Quellen aus dem Umfeld der Familie des 26-jährigen Erfan Soltani, der am 8. Januar in Fardis, Karaj, festgenommen wurde, teilten IHRNGO mit, dass „seiner Familie mitgeteilt wurde, dass er zum Tode verurteilt worden sei und dass die Vollstreckung des Urteils für den 14. Januar vorgesehen sei“. (…)
      Der Direktor der IHRNGO, Mahmood Amiry-Moghaddam, erklärte: „Die weit verbreiteten Tötungen ziviler Demonstranten in den letzten Tagen durch die Islamische Republik erinnern an die Verbrechen des Regimes in den 1980er Jahren, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt wurden. Die Gefahr von Massenhinrichtungen und außergerichtlichen Hinrichtungen von Demonstranten ist äußerst ernst. Im Rahmen der Schutzverantwortung hat die internationale Gemeinschaft die Pflicht, zivile Demonstranten vor Massenmorden durch die Islamische Republik und ihre Islamische Revolutionsgarde zu schützen. Wir rufen die Menschen und die Zivilgesellschaft in demokratischen Ländern dazu auf, ihre Regierungen an diese Verantwortung zu erinnern
      .“…“ engl. Meldung vom 12. Januar 2026 von IHRNGO externer Link (maschinenübersetzt)
    • Mittlerweile erreichen uns vereinzelt Nachrichten aus Iran. Sie alle sagen: Es ist noch schlimmer als das, was ihr hört. Es ist ein Blutbad. ‚Sie töten ALLE‘, das ist die Aussage, die alle wiederholen. Und sie flehen die Welt an, ihnen zu helfen.“ Daniela Sepehri lt. das-momentum.de am 14.1.26
    • Erfan Soltani: Protestierender im Iran vor dem Tod
      Erfan Soltani soll hingerichtet werden – ohne Anwalt, ohne Prozess. Sein »Verbrechen«: Er protestierte im Iran. Niemand weiß genau, welche Behörde Soltani verhaftet hat und wo er festgehalten wird. Selbst seine Familie erhielt keine klaren Informationen. (…)
      An diesem Mittwoch hat der Iraner Erfan Soltani seinen Hinrichtungstermin. Dabei hat ihm kein Richter je Anklagepunkte verlesen. Ein Verfahren fand nicht statt. Kein Anwalt durfte ihn verteidigen. Es gab nur eine Nachricht an seine Familie: Das Urteil ist endgültig. Und eine Warnung: Wer öffentlich darüber spricht, wird als Nächstes verhaftet. Erfan Soltani ist 26 Jahre jung, lebte in Karadsch, verkaufte Kleidung, arbeitete zuletzt in einem Privatunternehmen. Ein gewöhnliches Leben. Bis zu jenem Tag vergangene Woche – war es Donnerstag? Freitag? Selbst das ist unklar. Was sicher ist: Seit seiner Festnahme steht Soltanis Name auf einer Liste von offiziell Angeklagten. Sein Verbrechen? Er nahm an den jüngsten Straßenprotesten teil.
      ..“ Artikel von Negin Behkam vom 13.01.2026 in ND online externer Link
    • Exklusivinterview: Arzt, der Demonstranten im Iran behandelt, berichtet von Massenopfern und überlasteten Krankenhäusern
      Das folgende Interview enthält seltene Augenzeugenberichte eines Arztes, der in der vergangenen Woche (6. bis 10. Januar) während der landesweiten Proteste, die das Land erfasst haben, eine große Zahl verwundeter Demonstranten im Iran behandelt hat. Nach seiner Ausreise aus dem Iran berichtet der Arzt ausführlich über das, was er in Krankenhäusern und auf den Straßen von Teheran und Isfahan beobachtet hat, als die Islamische Republik ihre Reaktion von Maßnahmen zur Kontrolle der Menschenmengen auf den Einsatz von scharfer Munition und militärischen Waffen ausweitete…“ engl. Beitrag und Interview vom 12. Januar 2026 auf iranhumanrights.org externer Link (maschinenübersetzt)
    • Zwei Lkw-Fahrer getötet, als Streiks in Isfahan zu Protesten im Iran führen
      Sicherheitskräfte haben am Sonntag während Streiks im Zentrum von Isfahan mindestens zwei Lkw-Fahrer erschossen.
      Die Fahrer wurden getötet, als sich Lkw-Fahrer und Basarhändler in Isfahan den landesweiten Protesten und Streiks anschlossen, die nun bereits in die dritte Woche gehen, wie Quellen gegenüber IranWire berichteten. Trotz der Schüsse wurde der Streik fortgesetzt.
      Der Streik der Lkw-Fahrer fiel mit einem Streik der Händler in der Shapur-e-Jadid-Straße im Norden von Isfahan zusammen.
      Die Straße, die im Industriegebiet Mahmoudabad liegt, ist ein wichtiges Wirtschaftszentrum, in dem Maschinenhändler und Reparaturwerkstätten ansässig sind.
      Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer auf streikende Arbeiter und Händler, die sich am Ort der Proteste versammelt hatten.
      Nach Einbruch der Dunkelheit am Sonntag versammelten sich Demonstranten am Ufer des Zayandeh Rud und skandierten regierungsfeindliche Parolen, darunter „Tod für Khamenei“, eine Anspielung auf den obersten Führer des Iran.
      Die Streiks in Isfahan begannen am Samstag und dauerten bis Sonntag an
      …“ engl. Meldung vom 12. Januar 2026 auf iranwire.com externer Link (maschinenübersetzt)
    • [Erklärung von Vahed] „Arbeiter müssen den Kampf für die Befreiung anführen, nicht autoritäre Machtformen oder ausländische Staaten“
      Wir bekunden unsere Solidarität mit den Kämpfen der Bevölkerung gegen Armut, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung und Unterdrückung und sprechen uns ausdrücklich gegen jede Rückkehr zu einer Vergangenheit aus, die von Ungleichheit, Korruption und Ungerechtigkeit geprägt war.
      Wir glauben, dass echte Befreiung nur durch die bewusste und organisierte Führung und Beteiligung der Arbeiterklasse und der unterdrückten Menschen möglich ist, nicht durch die Reproduktion alter und autoritärer Machtformen. In der Zwischenzeit stehen Arbeiter, Lehrer, Rentner, Krankenschwestern, Studenten, Frauen und insbesondere junge Menschen trotz weit verbreiteter Repressionen, Verhaftungen, Entlassungen und Existenzängsten weiterhin an der Spitze dieser Kämpfe.
      Die Gewerkschaft der Busgesellschaft von Teheran und Umgebung betont die Notwendigkeit, unabhängige, bewusste und organisierte Proteste fortzusetzen.
      Wir haben es schon oft gesagt und wiederholen es noch einmal: Der Weg zur Befreiung der Arbeiter und Werktätigen führt weder über einen von oben auferlegten Führer noch über die Abhängigkeit von ausländischen Mächten oder über Fraktionen innerhalb der Regierung. Vielmehr liegt sie im Weg der Einheit, der Solidarität und der Schaffung unabhängiger Organisationen am Arbeitsplatz und auf nationaler Ebene. Wir dürfen uns nicht erneut zu Opfern der Machtspiele und Interessen der herrschenden Klassen machen lassen.
      Das Syndikat verurteilt außerdem aufs Schärfste jegliche Propaganda, Rechtfertigung oder Unterstützung für militärische Interventionen durch ausländische Regierungen, darunter die Vereinigten Staaten und Israel. Solche Interventionen führen nicht nur zur Zerstörung der Zivilgesellschaft und zum Tod von Menschen, sondern liefern auch einen weiteren Vorwand für die Fortsetzung von Gewalt und Unterdrückung durch die Regierung.
      Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass die westlichen Herrscherregierungen der Freiheit, dem Lebensunterhalt und den Rechten des iranischen Volkes nicht den geringsten Wert beimessen.
      Wir fordern die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten und betonen die Notwendigkeit, diejenigen zu identifizieren und strafrechtlich zu verfolgen, die die Tötung von Menschen angeordnet und begangen haben.
      Es lebe die Freiheit, die Gleichheit und die Klassensolidarität.“ engl. Übersetzung am 13.1.26 bei Left Voice externer Link der neuen, 2. Erklärung der Gewerkschaft der Beschäftigten der Busgesellschaft von Teheran und Umgebung Vahed vom 12. Januar 2026 (maschinenübersetzt) (in Farsi u.a. auf Telegram externer Link)

      • Eine verwirrend ähnliche, aber nicht gleiche Version gibt es am 12.1.2026 bei CounterPunch externer Link : „Support for the People’s Struggle: A Statement on the Developments in Iran“
    • Warum die USA auf keinen Fall einen Regimewechsel im Iran erzwingen dürfen
      „Die Volksproteste im Iran sind gerechtfertigt, aber das Regime durch eine Intervention der USA zu stürzen, anstatt durch die Aktionen des iranischen Volkes selbst, kann nicht plausibel als Unterstützung für die Demokratie bezeichnet werden.
      Mehrere Dinge können gleichzeitig wahr sein. Das iranische Volk befindet sich in einem legitimen Volkskampf gegen eine fest verwurzelte politische Elite, die seine materiellen Bedürfnisse nicht erfüllt hat und auf Forderungen nach Freiheit und Würde mit unzumutbarer Gewalt und Unterdrückung reagiert hat. Gleichzeitig haben die USA keine politische, rechtliche oder moralische Grundlage, um in den Iran einzugreifen. Die katastrophale Lage des Landes, wie sie auch für Venezuela und Kuba gilt, den beiden anderen Nationen, die von den jüngsten neo-neokonservativen Befürwortern eines Regimewechsels ins Visier genommen werden, die von imperialer Hybris und einer Fetischisierung der Militärmacht geblendet sind, ist zu einem erheblichen Teil das Ergebnis der Politik Washingtons selbst.
      Seit 1979 verfolgen die USA eine Politik, die darauf abzielt, das Scheitern der iranischen Revolution sicherzustellen. In den folgenden Jahrzehnten und mit besonderer Beschleunigung unter der Trump-Regierung kristallisierte sich diese Bemühung zu einem Sanktionsregime heraus, das nicht darauf abzielt, Demokratie oder Menschenrechte zu fördern, sondern die iranische Bevölkerung in die Verarmung zu treiben. Diese Strategie, die gegen Regierungen eingesetzt wird, die Washington einseitig als problematisch erachtet, gelegentlich aus vertretbaren Gründen, weitaus häufiger jedoch, weil sie sich weigern, sich der imperialen und unternehmerischen Macht der USA unterzuordnen, hat seit 1971 weltweit schätzungsweise 38 Millionen Todesfälle verursacht. (…)
      Über Sanktionen hinaus scheint das Muster für ein stärkeres Engagement der USA im Iran einem bekannten, beunruhigenden Drehbuch zu folgen. Wenn Washington unter dem Deckmantel der „Unterstützung“ der iranischen Freiheit einen Regimewechsel anstrebt, wäre der wahrscheinlichste Nutznießer der im Exil lebende Sohn des ehemaligen Schahs, der seit Jahrzehnten nicht mehr im Land lebt. Eine solche Intervention käme einer zweiten, von den USA unterstützten Absetzung einer iranischen Regierung gleich, um ein Mitglied der Pahlavi-Dynastie wieder an die Macht zu bringen.
      Der Sohn des Schahs, der enge Beziehungen zu Donald Trump und Benjamin Netanjahu gepflegt hat und von iranischen Menschenrechtsaktivisten zurückgewiesen wurde, stellt keinen Weg zur Demokratisierung des Iran dar. Das Streben nach einer Intervention der USA könnte heute ebenso katastrophale und unvorhersehbare Folgen haben wie die 1953 ausgelösten. Diese umfassendere Geschichte muss daher im Mittelpunkt jeder ernsthaften Bewertung der aktuellen Krise im Iran stehen…“ engl. Artikel von Eric Ross vom 13. Januar 2026 in Common Dreams externer Link (maschinenübersetzt)
    • Iran: Frau, Leben, Freiheit – und sonst nichts
      Diese Zeilen werden geschrieben, während das Internet seit drei Tagen im gesamten Iran abgeschaltet ist. Die Telefonleitungen sind unterbrochen. Auch der Strom ist abgeschaltet, damit die Dunkelheit dieser Zeit sich bis zum Äußersten ausbreiten kann.
      Es ist Sonntag, der 11. Januar 2026. Es ist 20 Uhr
      …“ Text von Parham Shahrjerdi ins Deutsche übertragen von Bonustracks externer Link, er erschienen am 13. Januar 2026 auf Lundi Matin externer Link auf Französisch: „Iran : Femme, Vie, Liberté — et rien d’autre“
    • Es mehren sich Kundgebungen in Deutschland, so z.B.:
      • Protest gegen die Todesmaschinerie der Islamischen Republik in Berlin, Mittwoch, 14. Januar, 17:00 Uhr, organisiert von Bolandgoo, Woman* Life Freedom Collective
  • Über 500 Todesfälle nach Tag 15 der landesweiten Proteste im Iran, unterstützt von den Gewerkschaften: „Weder Schah noch Mullah – die Macht den Räten“
    • Tag 15 der landesweiten Proteste im Iran: Starker Anstieg der Opferzahlen auf mind. 544 Todesfälle
      Nach den neuesten Daten von HRANA wurden 544 Todesfälle während der Proteste bestätigt, Dutzende weitere Fälle werden noch geprüft. Mehr als 10.681 Personen wurden nach ihrer Festnahme in Gefängnisse überführt. Die Proteste fanden an 585 Orten im ganzen Land statt, in 186 Städten, verteilt auf alle 31 Provinzen. Am fünfzehnten Tag der landesweiten Proteste im Iran erhielt HRANA in den letzten 24 Stunden eine neue Welle von Daten und Bildmaterial. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer seit dem dreizehnten Tag andauernden Internetsperre, die die Sammlung und unabhängige Überprüfung von Informationen erheblich beeinträchtigt…“ engl. Meldung vom 11.1.26 von und bei Human Rights Activists News Agency externer Link (HRANA) (maschinenübersetzt)

    • Proteste weiten sich aus – Arbeiterorganisationen veröffentlichen gemeinsame Erklärung
      Die Protestwelle geht unvermindert und verstärkt weiter. In vielen Städten Irans, insbesondere in Kurdistan, kommt es zu neuen Streiks. In einigen Städten traten die Demonstranten in direkte Auseinandersetzungen mit den Sicherheits- und Militärkräften des Regimes. (…) In diesen Erklärungen legen sie ihre Analysen und Positionen zur neuen Protestwelle dar, die inzwischen mehr als hundert Städte erfasst hat und sich weiter ausbreitet. Ein Blick auf den politischen Inhalt dieser Stellungnahmen zeigt, dass aus Sicht der Arbeiterinnen und Arbeiter, der Werktätigen und anderer gesellschaftlicher Gruppen die Islamische Republik aus materiellen und objektiven Gründen jede Legitimität verloren hat und gestürzt werden muss. Die Protestierenden bringen diese Illegitimität des islamischen Regimes in Slogans wie „Tod dem Diktator“, „Tod der Islamischen Republik“, „Tod Chamenei“, „Tod dem Unterdrücker, ob Schah oder Führer“, „Wir wollen keine Islamische Republik“, „Weder Schah noch Mullah – die Macht den Räten“ und ähnlichen Parolen unmissverständlich zum Ausdruck.
      In diesem Zusammenhang ist unter anderem auf die Erklärung von acht Arbeiterorganisationen hinzuweisen, darunter der Organisationsrat der Proteste der Vertragsarbeiter der Ölindustrie, der Organisationsrat der Proteste der nicht-regulär Beschäftigten in der Ölindustrie, der Koordinationsrat der Proteste der Pflegekräfte, der Zusammenschluss der Rentner, der Verband der Elektro- und Metallarbeiter in Kermanschah, Neday-e Zanan-e Iran, Dadkhahan sowie die Kampagne „Nicht hinrichten“. Diese acht Organisationen schreiben in einem Teil ihrer Erklärung: ‚Ziel der Proteste ist der Aufbau einer Gesellschaft, in der eine plündernde Minderheit nicht über die Köpfe der Menschen hinweg über ihr Schicksal entscheiden kann. Die entschlossene Fortsetzung der Proteste, die Ausweitung der Streiks und die Einheit sind die Garantie für das Vorankommen der Forderungen und die Verwirklichung der Hoffnungen der Bevölkerung. Der eingeschlagene Weg wird der Knechtschaft, der Armut, der Erniedrigung und der Ungleichheit ein Ende setzen.'“
      Weitere Arbeiterorganisationen erklären ihre Unterstützung: das Syndikat der Arbeiter der Zuckerrohrfabrik Haft-Tapeh, das Koordinationskomitee zur Unterstützung des Aufbaus unabhängiger Arbeiterorganisationen, die Rentnerarbeiter Chusestans sowie die Gruppe der vereinten Rentner und das Syndikat der Busfahrer von Teheran und Umgebung.
      Der Koordinationsrat der Berufsverbände der Lehrkräfte erklärte in einer Stellungnahme, er sei ein untrennbarer Teil der Bevölkerung, und schrieb: „Was heute auf den Straßen, Plätzen und in den Vierteln geschieht, ist der Schrei des Zorns und des Leids einer Bevölkerung, deren Knochen unter der Last von Armut, Diskriminierung, Demütigung und Ungerechtigkeit zerbrochen sind. Galoppierende Inflation, der Verfall der Kaufkraft, die Zerstörung von Bildung und Gesundheitsversorgung, die Ausbreitung von Armut und Unsicherheit sind das direkte Ergebnis von Politiken, die nicht für die Menschen, sondern gegen sie gerichtet waren. Die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt: Wo immer die Bevölkerung ausgeschlossen wurde, wurden Freiheit und Gerechtigkeit geopfert.“
      Neben den genannten Organisationen haben in den vergangenen zwölf Tagen zahlreiche linke und kommunistische Parteien und Strömungen, die Freie Arbeiterunion, viele zivilgesellschaftliche, gewerkschaftliche, kulturelle und juristische Organisationen und Aktivisten – darunter Aktivistinnen der Frauenbewegung, die „Mütter des Laleh-Parks“, der Schriftstellerverband, die „Union der Lkw-Fahrer und Spediteure Irans“, studentische Organisationen der Universitäten Teheran, Beheshti, Kurdistan, Allameh, Elm-o-Sanat und Tarbiat-Modares, eine Gruppe von Rechtsanwälten, 80 Drehbuchautorinnen und -autoren, 184 Filmschaffende Irans, der Berufsverband der Dokumentarfilmregisseure und viele andere – jeweils durch Erklärungen ihre Solidarität und Unterstützung mit den Protestierenden bekundet
      …“ Dokumentation vom 10.01.2026 auf rf-news.de externer Link
    • Proteste in Iran: Es braucht internationalen Druck
      Wieder erheben sich die Menschen in Iran, das Regime reagiert mit Gewalt. Die diplomatische Reaktion von Kanzler Merz ist einfach nur lächerlich.
      E s sind verstörende, brutale Bilder aus Iran, die verzögert nach draußen gelangen, denn seit Tagen ist das Internet im ganzen Land abgeschaltet. Bruchstückhaft und über Umwege, wie über das Satelliten-Internetsystem Starlink, erreichen einige Videos und Berichte dennoch die Außenwelt: Leichensäcke liegen da in Massen nebeneinander. Sicherheitskräfte schießen gezielt auf teils sehr junge Menschen. Krankenhäuser sind überfüllt, es fehlt an Ärzt*innen. Gleichzeitig strahlen Staatsmedien in Iran vermeintliche Geständnisse von inhaftierten Protestierenden aus: junge Menschen werden im Fernsehen vorgeführt und gezwungen, von sich zu behaupten, aus dem Ausland bezahlte Agenten zu sein. (…)
      Deutschland ist wichtigster EU-Handelspartner des Landes und schiebt dorthin ab. Beides legitimiert die Täter. Wer wirtschaftlich kooperiert und gleichzeitig „Besorgnis“ äußert, sendet nur ein Signal: Diese Gewalt hat keine Konsequenzen
      …“ Kommentar von Daniela Sepehri vom 11.1.2026 in der taz online externer Link
    • Iraner trotzen Repression
      Auch nach zwei Wochen und massiver Gewalt gehen Iraner in Massen gegen das Mullah-Regime auf die Straße. Viele umgehen auch die Internetsperre…“ Artikel von Mahtab Qolizadeh vom 11.1.2026 in der taz online externer Link mit direkter Korrespondenz
    • Iranische Demonstranten berichten von brutalen Polizeieinsätzen, während das Regime hart durchgreift
      Trotz Internet- und Mobilfunkausfall tauchen Videos auf, die zeigen, dass die Demonstrationen trotz Berichten über eine Eskalation der Repressionen weitergehen. (…) Die Behörden warnten die Bevölkerung davor, sich am Samstag an Protesten zu beteiligen. Der Generalstaatsanwalt des Landes, Mohammad Mahvadi Azad, erklärte, dass jeder, der dies dennoch tue, als „Feind Gottes“ betrachtet werde, was mit der Todesstrafe geahndet werde. Das staatliche Fernsehen stellte später klar, dass auch jeder, der Demonstranten lediglich unterstütze, mit dieser Anklage rechnen müsse. (…)
      „Wir kämpfen für eine Revolution, aber wir brauchen Hilfe. Hinter dem Tajrish Arg-Viertel [einem wohlhabenden Stadtteil von Teheran] wurden Scharfschützen postiert“, berichtete ein Demonstrant in Teheran dem Guardian in sporadischen Textnachrichten, die über Starlink verschickt wurden. Der Demonstrant sagte, dass viele Menschen in der ganzen Stadt erschossen worden seien, und fügte hinzu: „Wir haben Hunderte von Leichen gesehen.“
      The Guardian konnte die Behauptungen der Demonstranten nicht unabhängig überprüfen, und auch Menschenrechtsaktivisten haben erklärt, dass die Überprüfung der gemeldeten Menschenrechtsverletzungen schwierig sei.
      Ein anderer Aktivist in Teheran berichtete dem Guardian jedoch, dass er gesehen habe, wie Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen hätten, und dass es „sehr viele“ Tote gegeben habe. Menschenrechtsaktivisten sagten, die Berichte über Polizeibrutalität stimmten mit den Aussagen überein, die sie erhalten hätten.
      Die US-amerikanische Nachrichtenagentur Human Rights Activist berichtet, dass bei den gewalttätigen Ausschreitungen im Zusammenhang mit den Protesten mindestens 72 Menschen getötet und mehr als 2.300 weitere festgenommen wurden. Menschenrechtsorganisationen und iranische Behörden haben auch Opfer unter den Sicherheitskräften dokumentiert, die letztere auf von ausländischen Kräften unterstützte Saboteure zurückführen. (…)
      Die iranischen Behörden haben versucht, mit Zuckerbrot und Peitsche vorzugehen, indem sie zwischen sogenannten „legitimen“ Demonstranten, die wirtschaftliche Missstände anprangern, und „Randalierern“, die von ausländischen Mächten unterstützt werden und versuchen, den Iran zu destabilisieren, unterscheiden. Die Regierung hat erklärt, dass sie mit den Ersteren in einen Dialog treten will, aber Menschenrechtsgruppen berichten von zunehmender allgemeiner Gewalt gegen Demonstranten durch Sicherheitskräfte. (…)
      Ein von der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights verifiziertes Video zeigte am Donnerstag verzweifelte Familienangehörige, die im Ghadir-Krankenhaus in Teheran einen Haufen Leichen durchsuchten. Die Menschenrechtsorganisation erklärte, dass es sich bei den Leichen um Demonstranten handelte, die von den Behörden getötet worden waren.
      Die Nachrichtenagentur Fars, die den iranischen Sicherheitsdiensten nahesteht, strahlte ein Video aus, das offenbar erzwungene Geständnisse von Demonstranten zeigte. Menschenrechtsaktivisten warnten, dass erzwungene Geständnisse nicht nur eine Menschenrechtsverletzung darstellen, sondern in Iran häufig als Beweismittel für Hinrichtungen verwendet werden
      …“ engl. Artikel von William Christou und Deepa Parent vom 10. Januar 2026 im Guardian online externer Link (maschinenübersetzt)
    • Natalie Amiri über Iran: „Der instabilste Moment seit 46 Jahren“
      Natalie Amiri schreibt in „Der Nahost-Komplex“ immer wieder über den Iran. Ein Gespräch über das Bröckeln des Mullah-Regimes und die Wut im Land…“ Interview von  Jean Dumler vom 10.1.2026 in der taz online externer Link
    • Iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi warnt vor Massaker
      „Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat vor einem „Massaker im Schutz einer umfassenden Kommunikationssperre“ gewarnt. Hinter der Maßnahme stehe „eine Taktik“ zur Niederschlagung der jüngsten Proteste durch die Einsatzkräfte, schrieb Ebadi auf Telegram. Ihren Informationen zufolge seien am Donnerstag Hunderte Menschen mit „schweren Augenverletzungen“ in Krankenhäuser eingeliefert worden. Ein ähnliches Vorgehen hatten Menschen auch bei den großen Protesten 2023 nach dem Tod von Mahsa Amini geschildert. Einsatzkräfte zielten nach Angaben von Aktivisten absichtlich auf die Augen, um Erblindungen auszulösen. Im Iran hat es am Freitagabend erneut Proteste gegeben. Trotz des harten Vorgehens der iranischen Einsatzkräfte und einer Internetblockade versammelte sich wieder eine große Menschenmenge in der Hauptstadt Teheran, wie von der Nachrichtenagentur AFP verifizierte Videos zeigten. Die Demonstrierenden im Stadtteil Sadatabad schlugen auf Töpfe und riefen Sprechchöre wie „Tod Chamenei“, die sich gegen das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei richten. Auch in anderen Stadtteilen Teherans gab es Proteste, wie auf weiteren Aufnahmen in Onlinenetzwerken zu sehen war. Persischsprachige Exilsender zeigten auch Bilder neuer Proteste in anderen iranischen Städten, darunter Maschhad im Osten des Landes, Täbris im Norden und Ghom südlich von Teheran. (…) Die Proteste im Iran waren vor zwei Wochen durch die Wirtschaftskrise und den Absturz der Landeswährung ausgelöst worden. Inzwischen haben sie sich von ländlichen Regionen auf die größten Städte des Landes ausgeweitet. (…) Auf den Straßen Teherans ist die Lage nach Berichten von Studierenden derzeit angespannt. Auf einer Hauptverkehrsstraße seien alle zehn Meter Spezialeinheiten der Einsatzkräfte mit Kalaschnikow-Sturmgewehren postiert, hieß es im studentischen Newsletter Amirkabir…“ Meldung vom 10. Januar 2026 in der Zeit online externer Link
    • Große Besorgnis, dass in Iran unter Internet-Blackout staatliche Massaker an Demonstranten stattfinden. Internet-Sperre verhindert, dass wichtige Informationen über Morde die Welt erreichen
      Das Zentrum für Menschenrechte im Iran (CHRI) äußert seine tiefe und dringende Besorgnis um die Demonstranten im Iran, die unter tödlichem Beschuss der Sicherheitskräfte der Islamischen Republik stehen, während landesweit das Internet abgeschaltet ist. CHRI hat glaubwürdige Berichte aus erster Hand erhalten, wonach Krankenhäuser in Teheran, Maschhad und Karaj mit verletzten Demonstranten überfüllt sind. Dies sind nur die Gebiete, aus denen wir Informationen erhalten konnten; viele andere Gebiete des Landes könnten ähnlich betroffen sein, insbesondere marginalisierte Städte.
      Es wurde über Tötungen berichtet im ganzen Land. CHRI hat dokumentiert, dass in mehreren Städten scharfe Munition eingesetzt wurde und staatliche Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Krankenhäuser vorgegangen sind. Außerdem gibt es bislang unbestätigte Berichte über Massenmorde in der vergangenen Nacht, am 8. Januar. Die Pläne für weitere große Proteste heute Abend, am 9. Januar, lassen befürchten, dass es zu weiteren Massenopfern kommen könnte, insbesondere angesichts der jüngsten Äußerungen von Führern der Islamischen Republik, dass die Regierung „nicht zurückweichen“ werde, „Saboteure“ „keine Gnade“ erfahren würden und Demonstranten mit der Hinrichtung rechnen müssten. (…)
      Regierungschefs weltweit sowie hochrangige UN-Beamte sollten sich geschlossen zu dieser sich anbahnenden Katastrophe äußern, ihre Botschafter aus Teheran zurückrufen und sowohl öffentlich als auch über direkte Kanäle mit iranischen Diplomaten kommunizieren, dass die Islamische Republik für diese rechtswidrigen Todesfälle und andere Missbräuche politisch, wirtschaftlich und rechtlich zur Rechenschaft gezogen wird.
      Länder mit Botschaften im Iran müssen die Entwicklungen vor Ort aktiv beobachten. und alle verfügbaren sicheren Kommunikationsmittel, einschließlich Satelliten-Internetzugang, nutzen, um sicherzustellen, dass Informationen über die Lage die internationale Gemeinschaft erreichen können. Diplomatische Vertretungen sollten ihre Präsenz auch nutzen, um die iranischen Behörden dazu zu drängen, den Einsatz tödlicher Gewalt gegen Demonstranten unverzüglich einzustellen.
      Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, damit große Technologieunternehmen unverzüglich und dringend Maßnahmen ergreifen, um dem iranischen Volk einen Internetzugang zu ermöglichen, damit es miteinander kommunizieren und die Welt über die Gräueltaten des Regimes informieren kann. Die Technologie ist verfügbar; Regierung und Technologieunternehmen sollten dringend ihre Kräfte bündeln, um sie im Iran verfügbar zu machen
      …“ engl Meldung vom 9. Januar 2026 von CHRI externer Link (maschinenübersetzt)
    • Iran: ITUC verurteilt brutale Unterdrückung von Arbeitnehmern und Gewerkschaftern inmitten eskalierender Krise
      Der IGB verurteilt aufs Schärfste die gewaltsame Unterdrückung von Arbeitnehmern, Gewerkschaftern und sozialen Bewegungen im Iran, wo sich seit Ende 2025 als Reaktion auf die sich verschärfende wirtschaftliche und soziale Krise landesweit Proteste und Streiks ausgebreitet haben. (…)
      Arbeitnehmer in Schlüsselbranchen wie dem öffentlichen Dienst, dem Bildungswesen, dem Gesundheitswesen, der Öl- und Gasindustrie und dem verarbeitenden Gewerbe sowie in der informellen Wirtschaft sind stark betroffen und beteiligen sich zunehmend an Protesten, die sich nicht mehr auf einzelne städtische Zentren beschränken.
      Anstatt einen sozialen Dialog zu führen oder internationale Arbeitsnormen zu respektieren, fahren die Behörden fort mit:
      – Behandeln Arbeitsproteste, Streiks und kollektive Maßnahmen systematisch als Bedrohung der „nationalen Sicherheit“. Diese bewusste Securitisation der Arbeitsbeziehungen wird genutzt, um Gewerkschaftsaktivitäten zu kriminalisieren, die freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlungen zu unterdrücken und übermäßige Gewaltanwendung, Massenüberwachung, willkürliche Inhaftierungen und gerichtliche Schikanen zu rechtfertigen.
      – Unabhängige Gewerkschaften werden faktisch verboten. Den Arbeitnehmern wird das Recht verweigert, frei Organisationen ihrer Wahl zu gründen und ihnen beizutreten, was einen klaren Verstoß gegen die ILO-Übereinkommen Nr. 87 und Nr. 98 darstellt. Gewerkschafter und Verteidiger der Arbeitnehmerrechte sind weiterhin schweren Repressalien ausgesetzt. (…)
      „Die arbeitende Bevölkerung im Iran hat genug, und weitere Repressionen werden keine Lösung bringen. Die iranischen Behörden müssen nun in einen sozialen Dialog treten, die Kriminalisierung gewerkschaftlicher Aktivitäten unverzüglich einstellen, alle inhaftierten Gewerkschafter freilassen und ihren Verpflichtungen gemäß dem internationalen Arbeits- und Menschenrechtsgesetz nachkommen, um einen neuen Sozialvertrag im Iran zu schaffen.“
      Der IGB steht in voller Solidarität mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern im Iran und fordert die ILO, die Menschenrechtsmechanismen der Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft auf, ihre Kontrollen zu intensivieren und anhaltenden Druck auszuüben, um die Achtung der grundlegenden Arbeitnehmerrechte sicherzustellen
      .“ engl. Pressemitteilung vom 8. Januar 2026 externer Link (maschinenübersetzt)
  • Gewerkschaft Vahed ruft auf zur Unterstützung der Massenproteste im Iran – rund 45 Todesopfer, Schrotmunition und Tränengas, willkürliche Festnahmen und Internetabschaltung
    • Iran Zahl der Toten und Verletzten steigt bei Massenprotesten
      Seit dem 28. Dezember 2025 gehen iranische Sicherheitskräfte mit tödlicher Gewalt gegen landesweite Proteste vor. Laut Amnesty International und Human Rights Watch wurden bisher mindestens 28 Menschen – darunter Kinder – in 13 Städten erschossen. Hunderte wurden willkürlich festgenommen und sind von Folter und Misshandlung bedroht. Die Menschenrechtsorganisationen dokumentieren den Einsatz von Schusswaffen, Schrotmunition, Tränengas und brutalen Schlägen gegen überwiegend friedliche Demonstrierende. Besonders betroffen sind die Provinzen Lorestan und Ilam. Die Gewalt ist begleitet von massenhaften willkürlichen Festnahmen, nächtlichen Hausdurchsuchungen und dem Verschwindenlassen von Personen. Unter den Inhaftierten sind auch Minderjährige. Viele werden ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten und sind einem hohen Risiko von Folter und Misshandlung ausgesetzt…“ Meldung bei amnesty.ch externer Link – siehe für laufende Meldungen Human Rights Watch auf bsky externer Link
    • Massenproteste im Iran erreichen neuen Höhepunkt
      In Teheran und zahlreichen weiteren Städten versammeln sich Zehntausende Menschen. Sicherheitskräfte gehen mit Tränengas vor, Fahrzeuge brennen. Das Regime kappt nahezu vollständig den Zugang zu Internet und Telefon. In Irans Hauptstadt Teheran strömten zahlreiche Demonstrierende auf den weitläufigen Ajatollah-Kaschani-Boulevard, wie auf von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Aufnahmen in Onlinenetzwerken zu sehen ist. Augenzeugen berichteten von Sicherheitskräften, die mit Tränengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Videos von Aktivisten zeigen brennende Fahrzeuge der Sicherheitskräfte in Teheran. Proteste gab es auch in vielen anderen Metropolen, nachdem in den vergangenen Tagen vor allem Bewohnerinnen und Bewohner der westlichen Provinzen demonstriert hatten. Auch aus Täbris im Norden des Landes und dem religiösen Zentrum Maschhad übertrugen Exilsender Aufnahmen von massiven Protesten. Es sei „wie Krieg“, beschrieben Einwohner die Szenen auf den Straßen.
      Internet und Telefon im Iran abgeschaltet
      Die Behörden schalteten unterdessen den Internetzugang für die Bevölkerung ab. Das Land befinde sich in einem „Internet-Blackout“, berichtete die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks. (…)
      Rund 45 Todesopfer bei Protesten im Iran
      Am Donnerstagabend hatten Menschen von Fenstern und Balkonen aus Slogans gegen die Staatsmacht gerufen. „Tod dem Diktator“ und „Das ist der letzte Kampf, Pahlavi kommt zurück“, hallte es über die Dächer
      …“ Agenturenmeldung vom 9.1.2026 auf dw.com externer Link mit Fotos
    • Proteste im Iran: „Tod dem Diktator, Tod Chamenei“
      „Im Iran kommt es derzeit zu den größten Massenprotesten seit Jahren gegen das Regime in Teheran. Bereits 2022 hatten landesweite Demonstrationen breite Bevölkerungsschichten erfasst, nachdem die sogenannte „Sittenpolizei“ die 22-jährige Kurdin Mahsa Amini in ihrem Gewahrsam getötet hatte. Nun gehen erneut Zehntausende Menschen auf die Straße und machen ihrem Frust über die dramatische wirtschaftliche Lage sowie die Unterdrückung durch den Sicherheitsapparat von Machthaber Ali Chamenei Luft. Seit Tagen skandieren Demonstrierende Parolen wie „Tod dem Diktator“ und „Tod Chamenei“. Lokalen Berichten zufolge haben Demonstranten in den beiden Städten Malekshahi und Abdanan in der Provinz Ilam derzeit die Kontrolle übernommen. (…) Das Regime reagiert mit harter Gewalt. Regimetreue Sicherheitskräfte setzen Gummigeschosse und Tränengas gegen die Menschen ein. Nach Angaben iranischer Menschenrechtsorganisationen wurden bislang mindestens 27 Menschen getötet, darunter fünf Kinder. Das Ausmaß der Proteste scheint inzwischen auch die politische Führung in Teheran zu beunruhigen. (…) Wie die britische Zeitung „The Times“ berichtet, soll der Oberste Führer Chamenei bereits einen Fluchtplan nach dem Vorbild des ehemaligen syrischen Machthabers Baschar al-Assad vorbereitet haben. Demnach erwägt der 86-Jährige, im Fall eines Kontrollverlusts oder einer Desertion des Militärs gemeinsam mit rund 20 Vertrauten und Familienmitgliedern nach Moskau zu fliehen. (…) In den beiden von Demonstrierenden kontrollierten Städten sollen sich die Sicherheitskräfte inzwischen teilweise zurückgezogen haben. Berichten zufolge legten einige ihre Waffen nieder und schlossen sich den Protesten an.“ Meldung bei t-online vom 7. Januar 2026 externer Link
    • Verleumdung gegen Herausgabe des Leichnams: Das iranische Regime setzt Angehörige eines getöteten Demonstranten unter Druck, über dessen Todesursache zu lügen. Doch die Familie weigert sich
      „Als der Name Amir-Hesam Khodayari in der Nacht zum 1. Januar 2026 in den sozialen Netzwerken kursierte, dauerte es keine 24 Stunden, bis das iranische Regime eine eigene Version seines Todes präsentierte. Der 21-Jährige aus Kuhdasht sei kein Demonstrant gewesen, der von Sicherheitskräften erschossen wurde, hieß es plötzlich, sondern ein Mitglied der Basidsch-Miliz – getötet von Protestierenden. Staatliche Medien verbreiteten ein Foto Khodayaris in Militärkleidung, die Revolutionsgarde erklärte ihn zum „Märtyrer“. Auch in Deutschland machte diese Meldung Schlagzeilen. Zeug:innen widersprechen dieser Darstellung entschieden. Nach Recherchen von Menschenrechtsorganisationen wurde Khodayari während der Proteste Ende Dezember durch direkten Beschuss von Sicherheitskräften getötet. Mehrere Augenzeug:innen identifizieren den Schützen als einen pensionierten Angehörigen der Revolutionsgarde, der als Zivilbeamter im Einsatz war. Khodayari habe zuvor an Sprechchören gegen das Regime teilgenommen. Seit Khodayaris Tod steht seine Familie unter massivem Druck. Lokale und nationale Behörden, darunter Kommandeure der Revolutionsgarde, Vertreter der Provinzregierung und ein Parlamentsabgeordneter, sollen die Angehörigen wiederholt aufgesucht haben – teils mit Kamerateams. Sie drängten darauf, öffentlich zu bestätigen, Amir-Hesam sei Mitglied der Basidsch gewesen, einer paramilitärischen Freiwilligenmiliz, die unter dem Kommando der Revolutionsgarden steht. Weil sich die Familie weigert, wurde sein Leichnam bislang nicht herausgegeben. In einem Video, das sich in den sozialen Netzwerken verbreitet hat, sagt der Vater vor einer Menschenmenge: „Mein Sohn war kein Basidsch.“ Die Behörden halten dennoch an ihrer Version fest. (…) Was sich derzeit im westiranischen Kuhdasht abspielt, folgt einem Muster, das die Islamische Republik seit Jahren anwendet. Bereits während der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ 2022 wurden Familien getöteter Protestierender unter Druck gesetzt, alternative Todesursachen zu bestätigen, die in das Narrativ des Regimes passen. (…) Die iranische Menschenrechtsorganisation Hengaw berichtet, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Auch bei den aktuellen Protesten, die seit mehr als einer Woche andauern, mehren sich Hinweise auf systematischen Druck auf Angehörige. „In zahlreichen Fällen wurden die Familien der Getöteten unter massivem Druck dazu gezwungen, im staatlichen Fernsehen Erklärungen abzugeben, die die politischen Aktivitäten ihrer Kinder delegitimieren sollten“, erklärt Zhila Mostajer, Leiterin von Hengaw, der taz. „Ziel dieser Inszenierungen ist es, die Verantwortung des Staates zu verschleiern und den Protest moralisch zu diskreditieren.“ Immer häufiger kommt es jedoch, wie im Fall der Familie Khodayari, zum Widerstand. „Viele Familien sind inzwischen nicht mehr bereit, selbst im Austausch für die Herausgabe der Leichname ihrer Kinder, zu schweigen oder die offizielle Darstellung der Islamischen Republik zu akzeptieren. Sie verweigern sich den staatlichen Narrativen und bestehen auf Wahrheit und Aufklärung“, so Mostajer. (…) Währenddessen gehen die Proteste weiter. Laut der Menschenrechtsorganisation HRANA wurden bislang rund 2.000 Menschen festgenommen, mindestens 34 Protestierende getötet, darunter auch Minderjährige.“ Artikel von Daniela Sepehri vom 7. Januar 2026 in der taz online externer Link
    • Gewerkschaft Vahed ruft auf zur Unterstützung des Kampfes der Menschen in Iran für ihre Rechte: „Auf dem Weg zu echter Freiheit und Gleichheit, nicht zurück in die Vergangenheit“
      Die Volksproteste und Streiks in Städten im ganzen Land dauern nun schon elf Tage an. Trotz einer zunehmend sicherheitsorientierten Atmosphäre, dem massiven Einsatz von Polizei und Sicherheitskräften und gewaltsamen Repressionen haben sich die Proteste sowohl in ihrem Umfang als auch in ihrer Form weiter ausgeweitet. Berichten zufolge kam es in diesem Zeitraum an mindestens 174 Orten in 60 Städten in 25 Provinzen zu Protesten, und Hunderte von Demonstranten wurden festgenommen. Tragischerweise wurden in dieser Zeit mindestens 35 Demonstranten – darunter auch Kinder – getötet. (…)
      Wir bekunden unsere Solidarität mit den Kämpfen der Menschen gegen Armut, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung und Unterdrückung und lehnen gleichzeitig klar und unmissverständlich jede Rückkehr zu einer Vergangenheit ab, die von Ungleichheit, Korruption und Ungerechtigkeit geprägt war. Wir glauben, dass echte Befreiung nur durch die bewusste, organisierte Beteiligung und Führung der Arbeiterklasse und der unterdrückten Menschen selbst erreicht werden kann – nicht durch die Wiederbelebung rückständiger und autoritärer Machtformen, die von oben aufgezwungen werden. In diesem Zusammenhang stehen Arbeiter, Lehrer, Rentner, Krankenschwestern, Studenten, Frauen und insbesondere junge Menschen trotz weit verbreiteter Unterdrückung, Verhaftungen, Entlassungen und schwerem wirtschaftlichem Druck weiterhin an der Spitze dieser Kämpfe. Die Gewerkschaft der Arbeiter der Busgesellschaft von Teheran und Vororten betont die Notwendigkeit, unabhängige, bewusste und organisierte Proteste fortzusetzen.
      Wir haben wiederholt erklärt – und wir wiederholen es noch einmal –, dass der Weg zur Befreiung der Arbeiter und Unterdrückten nicht darin besteht, Führer von oben aufzuzwingen, sich auf ausländische Mächte zu verlassen oder sich auf Fraktionen innerhalb des herrschenden Establishments zu stützen. Vielmehr liegt er in der Einheit, der Solidarität und der Schaffung unabhängiger Organisationen an Arbeitsplätzen, in Gemeinden und auf nationaler Ebene. Wir dürfen nicht zulassen, dass wir erneut Opfer von Machtkämpfen und den Interessen der herrschenden Klassen werden.
      Die Gewerkschaft verurteilt außerdem aufs Schärfste jede Propaganda, Rechtfertigung oder Unterstützung für militärische Interventionen durch ausländische Staaten, einschließlich der Vereinigten Staaten und Israels. Solche Interventionen führen nicht nur zur Zerstörung der Zivilgesellschaft und zur Tötung von Zivilisten, sondern liefern auch einen weiteren Vorwand für die Fortsetzung von Gewalt und Unterdrückung durch die Machthaber. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass die dominierenden westlichen Staaten keinerlei Wert auf die Freiheit, den Lebensunterhalt oder die Rechte der iranischen Bevölkerung legen.
      Wir fordern die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten und betonen die Notwendigkeit, diejenigen zu identifizieren und strafrechtlich zu verfolgen, die die Tötung von Demonstranten angeordnet und durchgeführt haben.
      Es lebe die Freiheit, die Gleichheit und die Klassensolidarität! Die Lösung für die Unterdrückten liegt in der Einheit und Organisation!“ Aufruf der Gewerkschaft der Beschäftigten der Busgesellschaft von Teheran und Umgebung Vahed am 7. Januar 2026 (maschinenübersetzt) (in Farsi u.a. auf Telegram externer Link)
    • Ein neuer Volksaufstand – Sozialistische Solidarität mit den Arbeiter:innen in  Iran
      „… Was die Mobilisierung der Bevölkerung angeht, so ist es schwierig, ihre Dauer oder ihre Fähigkeit, die Machthaber zum Rückzug zu bewegen, vorherzusagen, zumal sie trotz radikaler Parolen wie „Tod dem Diktator“ noch nicht in eine strukturierte politische Phase eingetreten ist und es keine glaubwürdige politische Alternative gibt. Diese weit verbreitete Wut kann nur dann zu einer wirksamen Kraft werden, wenn die allgemeine Protestbewegung und die Kämpfe an den Arbeitsplätzen, in den Arbeitervierteln und an den Universitäten zusammenkommen. Die Jugend und die unteren Schichten des Iran verdienen jedoch die internationale Unterstützung solidarischer sozialer und politischer Kräfte in ihrem Kampf gegen die hohen Lebenshaltungskosten, soziale Ungerechtigkeiten und Tyrannei. (…)
      Angesichts dieser katastrophalen Politik gibt sich die iranische Gesellschaft jedoch nicht resigniert. Frauen, Jugendliche, Lehrer, Krankenpfleger, Arbeiter, Rentner und Umweltschützer mobilisieren sich. Ihre manchmal diskreten, aber beständigen Aktionen zeigen, dass das Volk die Initiative zurückerobert. Die Volksbewegungen gehen über die alten politischen Parteien hinaus und bauen ein kollektives, demokratisches und inklusives Projekt auf, das auf Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit basiert.
      Die iranische Sozialbewegung fordert bedingungslose politische Freiheiten, das Ende jeglicher Diskriminierung und einen universellen Sozialschutz: kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung, Sozialwohnungen, Arbeitslosenversicherung und Unterstützung für die Schwächsten. Diese Forderungen, die heute im Mittelpunkt der Proteste stehen, zielen darauf ab, ein zerstörtes Land in eine gerechte und nachhaltige Gesellschaft zu verwandeln.
      Der Iran steht an einem historischen Wendepunkt. Die Regierung befindet sich in einer Krise, aber die Bevölkerung mobilisiert sich, gewinnt an Einfluss und wird zu einer unverzichtbaren politischen Kraft. Die Zukunft des Landes hängt nun von denen ab, die es täglich am Leben erhalten: dem Volk selbst
      .“ franz. Solidaritätserklärung von Laboursolidarity vom 6. Januar 2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • 16-jährige Iranerin: „Im Moment habe ich nichts zu verlieren“
      Die Proteste sind mehr als eine Reaktion auf steigende Preise. Vor allem junge Protestierende gehen für fundamentalen Wandel auf die Straße, inzwischen wurden über 2000 Personen festgenommen (…)
      Von der AFP verifizierte Videos vom Dienstag zeigen spontane Kundgebungen und Sicherheitskräfte, die Tränengas in den überdachten Passagen einsetzen. Zu hören sind Slogans, die den Sturz des Mullah-Regimes oder die Rückkehr des Schahs fordern. Und das nicht nur dort. Denn das, was im Basar von Teheran begann, hat sich längst auf Straßen im ganzen Land und unterschiedliche Gesellschaftsschichten ausgeweitet – insbesondere auf die Jugend. Laut Beobachtern fanden bereits in 92 Städten Proteste statt, zudem gab es 22 Kundgebungen an Unis. Das Regime reagiert darauf mit gewohnter Härte: gewaltsame Zusammenstöße, Internetabschaltungen, über 2000 Festnahmen und mindestens 34 Tote, darunter vier Minderjährige.
      „Wir sind keine Bettler“
      Um die Lage zu beruhigen, kündigte die Regierung eine Einmalzahlung von umgerechnet sieben Euro für besonders Betroffene an. Doch die Reaktionen kippten ins Gegenteil: In mehreren Städten wurden Geschäfte angegriffen, in Abdanan kippten Demonstrierende Säcke mit Reis auf die Straße. „Wir sind keine Bettler“, sagt der zweifache Vater Arash, der in der Region lebt, dem STANDARD. „Unser Land ist reich an Öl, Gold und Eisen. Mit einer funktionierenden Regierung müssten wir in Wohlstand und Freiheit leben. Genau das fordern wir.“ (…)
      Jugend an vorderster Front
      Auffällig ist der hohe Anteil sehr junger Demonstrierender. Für viele sind es die ersten Proteste, an denen sie teilnehmen. Während der Proteste 2022, die durch den Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam entfacht wurden, waren sie noch Kinder. Politisiert wurden sie dadurch trotzdem, vorwiegend über die sozialen Medien. So auch die 16-jährige Alma aus Teheran: „Als Nika und Sarina während der Mahsa-Bewegung auf die Straße gegangen sind und getötet wurden, sind sie für mich zu Vorbildern geworden“, sagt sie über zwei prominente Demonstrantinnen, die damals vom Regime getötet wurden. Ihr Weg müsse fortgesetzt werden, so Alma. Als sie vor ein paar Tagen die Videos von den Protesten in den sozialen Medien sah, habe sie sich angeschlossen…“ Artikel von Saeedeh Fathi und Flora Mory vom 7. Jänner 2026 im Standard online externer Link
    • Iran: Ein Aufstand, der von innen und außen bedrängt wird
      „…  Bericht über die aktuelle Protestwelle im Iran
      Dieser Text wurde von einem Anarchisten aus dem Iran verfasst, der aktiv über die aktuelle Lage berichtet und dokumentiert. Aus Sicherheitsgründen möchte der Autor anonym bleiben.
      Seit fast einem Jahrzehnt erlebt die iranische Gesellschaft immer wieder Wellen von Straßenprotesten gegen das herrschende politische System, die Islamische Republik. Diese Proteste sind zwar durch unterschiedliche unmittelbare Auslöser entstanden, haben jedoch alle ihre Wurzeln in tiefgreifenden und ungelösten strukturellen Krisen – wirtschaftlicher, politischer und sozialer Art –, die das tägliche Leben im Iran weiterhin prägen. (…)
      Im Gegensatz zu früheren Episoden spiegeln die aktuellen Proteste ein breiteres kollektives Bewusstsein wider. Die Demonstrationen beschränken sich nicht mehr auf bestimmte Städte oder soziale Gruppen, sondern haben sich gleichzeitig auf mehrere Regionen ausgeweitet und beziehen verschiedene Teile der Gesellschaft mit ein. Wirtschaftliche Missstände haben sich schnell in explizit politische Forderungen verwandelt, wobei die Demonstranten offen das Ende der autoritären Herrschaft und die Auflösung der Islamischen Republik fordern.
      Gleichzeitig versuchen Teile der Opposition – insbesondere monarchistische Gruppen – aus der Protestbewegung Kapital zu schlagen. (…)
      Insgesamt ist die aktuelle Lage im Iran weit mehr als nur ein spontaner Ausbruch von Unruhen. Sie ist ein Zeichen für eine tiefgreifende Legitimitätskrise, den Zusammenbruch des Vertrauens der Bevölkerung in die Regierungsinstitutionen und eine kritische Phase in der Konfrontation zwischen der Gesellschaft und der herrschenden Ordnung. Wie sich die Lage weiterentwickelt, hängt vom Gleichgewicht zwischen sozialem Widerstand, staatlicher Repression und der Fähigkeit der Menschen ab, sich unabhängig von der Staatsmacht und den oppositionellen Eliten zu organisieren. (…)
      In den letzten zehn Jahren hat die iranische Gesellschaft kollektives politisches Handeln von unten neu erfunden. Von Belutschistan und Kurdistan im Jina-Aufstand bis hin zu kleineren Städten in Lorestan und Isfahan in der aktuellen Protestwelle hat sich die politische Handlungsfähigkeit – ohne jegliche offizielle Vertretung von oben – auf die Straße, auf Streikkomitees und auf lokale, informelle Netzwerke verlagert. Trotz brutaler Unterdrückung bleiben diese Fähigkeiten und Verbindungen innerhalb der Gesellschaft lebendig; ihre Fähigkeit, zurückzukehren und sich zu politischer Macht zu verdichten, besteht weiterhin. Aber die Anhäufung von Wut ist nicht das Einzige, was ihre Kontinuität und Richtung bestimmen wird. Die Möglichkeit, einen unabhängigen politischen Horizont und eine echte Alternative aufzubauen, wird sich ebenfalls als entscheidend erweisen. (…)
      Angesichts dieser beiden Strömungen ist die Wiederbelebung einer internationalistischen Befreiungspolitik notwendiger denn je. Dabei handelt es sich nicht um einen abstrakten „dritten Weg“, sondern um die Verpflichtung, die Kämpfe der Menschen in den Mittelpunkt der Analyse und des Handelns zu stellen: Organisation von unten statt von oben vorgegebener Drehbücher selbsternannter Führer, statt von außen konstruierter falscher Gegensätze. Heute bedeutet Internationalismus, das Recht der Völker auf Selbstbestimmung und die Verpflichtung, alle Formen der Herrschaft – interne wie externe – zu bekämpfen, miteinander zu verbinden. Ein echter internationalistischer Block muss auf gelebter Erfahrung, konkreter Solidarität und unabhängigen Kapazitäten aufgebaut werden.
      Dies erfordert die aktive Beteiligung linker, feministischer, antikolonialer, ökologischer und demokratischer Kräfte beim Aufbau einer breiten, klassenbasierten Organisation innerhalb der Protestwelle – sowohl um das Leben zurückzugewinnen als auch um alternative Horizonte der sozialen Reproduktion zu eröffnen. Gleichzeitig muss sich diese Organisation in Kontinuität mit dem befreienden Horizont früherer Kämpfe und insbesondere der „Jin, Jiyan, Azadi”-Bewegung positionieren, deren Energie nach wie vor das Potenzial hat, die Diskurse der Islamischen Republik, der Monarchisten, der Islamischen Revolutionsgarde und der ehemaligen Reformisten, die nun von einem kontrollierten Übergang und einer Wiedereingliederung in die Akkumulationszyklen der USA und Israels in der Region träumen, auf einen Schlag zu stören…“ Aus dem engl. 3teiligen Beitrag vom 07.01.2026 bei CrimethInc. externer Link (maschinenübersetzt)
  • Mindestens 34 Tote, über 2.000 Festgenommene – landesweiter Aufstand für Brot und Würde als „Selbstorganisation der einfachen Bevölkerung“ wird dennoch ausgeweitet
    • Aktivisten rufen landesweite Demos aus: Proteste im Iran weiten sich aus
      Seit Tagen kommt im Iran zu Protesten. Bei Zusammenstößen soll es mehrere Tote gegeben haben. Aktivisten rufen zu einer weiteren Demonstration in der Hauptstadt am Mittwoch auf.
      Aktivisten haben zum Protest im historischen Basar der iranischen Hauptstadt Teheran aufgerufen. „An die Menschen von Teheran. Wenn ihr vorhabt, zum Einkaufen das Haus zu verlassen (…) lasst uns dieses Mal den Weg ändern. Nicht zu den Schaufenstern, nicht zum Glanz und Prunk, sondern kommt zum landesweiten Aufstand für Brot und Würde“, hieß es in einem Aufruf, der auf Telegram geteilt wurde. Der Protest soll demnach an diesem Mittwoch stattfinden.
      Am Dienstag kam es in Teheran bereits zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, die mit Tränengas die Proteste aufzulösen versuchten. Aktivisten zufolge sind inzwischen mindestens 34 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 2.000 seien festgenommen worden, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA. Auch zwei Sicherheitskräfte wurden demnach getötet. (…) Bei dem Protest auf dem Teheraner Markt kam es am Dienstag zu plötzlichen Ausschreitungen, wie Augenzeugen, Aktivisten und auch iranische Medien berichteten. Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenmengen in den Gassen des Basars, die Protestslogans riefen. „Freiheit, Freiheit, Freiheit“, war auf einem Video zu hören. Sicherheitskräfte schossen Tränengas, um die Demonstrationen aufzulösen, wie das Menschenrechtsnetzwerk HRANA auf X berichtete. Demnach schlossen sich Einwohner den Protesten der Händler an
      .“ (…) Angesichts der anhaltenden Protestwelle kündigte die Justiz Prozesse im Schnellverfahren angekündigt. „Zur schnellen, genauen und umfassenden Bearbeitung der Verfahren der Elemente der Unruhen wurden besondere Kammern unter Mitwirkung erfahrener Richter eingerichtet“, sagte Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi laut dem Justizportal Misan…“ Agenturen-Meldung vom 07.01.2026 bei zdfheute.de externer Link mit Video
    • Proteste im Iran: Publizistin Sahebi: Das iranische Regime steht so schwach wie noch nie da
      Die Menschen im Iran wollen nicht mehr in der Diktatur leben, sagt die deutsch-iranische Publizistin Gilda Sahebi. Seit den letzten Protesten 2022 hat sich im Land viel verändert. Selbst ein Eingreifen der USA werde nicht kategorisch abgelehnt.“ Interview von Sarah Zerback vom 07. Januar 2026 im Deutschlandfunk externer Link Audio Datei
    • Iranische Anarchisten: Der Aufstand ist „eine echte Selbstorganisation der einfachen Bevölkerung“
      Interview mit Mitgliedern der Anarchist Front, einem Kollektiv, das Informationen über Ereignisse im Iran, in Afghanistan und Tadschikistan verbreitet.
      Der Aufstand im Iran dauert bereits seit über einer Woche an. Es handelt sich dabei nicht nur um einen wirtschaftlichen Protest, sondern auch um eine praktische Revolte gegen die gesamte Logik der Staatsmacht. Die Menschen haben die Kontrolle über die Straßen unterbrochen, die Symbole der Unterdrückung zerstört und sich gegen Kugeln gestellt. Das ist genau das, was Anarchie bedeutet: die Lähmung der Regierungsmaschinerie von unten, ohne dass sofort eine neue Macht an ihre Stelle treten muss.
      Das Regime reagierte mit direkten Schüssen, Razzien in Krankenhäusern und Massenverhaftungen, aber die Unterdrückung ist bisher gescheitert. Sporadische und flexible Taktiken (Autos anzünden, Kameras zerstören und Versandwege blockieren) haben die Macht vom Zentrum an den Rand verlagert und einen Raum für echte Selbstverwaltung geschaffen: Massenspenden, Verteidigung von Krankenhäusern und direkte Bereitstellung von Informationen ohne Zwischenhändler.
      Um mehr darüber zu erfahren, haben wir einige Fragen an die Anarchist Front geschickt, ein Kollektiv, das Informationen über Ereignisse im Iran, in Afghanistan und Tadschikistan verbreitet. (…)
      Die Unterstützung für radikale Streiks und Proteste im Iran ist extrem weit verbreitet. Von den zweiunddreißig Provinzen des Iran haben sich nur zwei oder drei nicht an diesen Streiks und Protesten beteiligt. (…)
      Diese Proteste sind vollkommen spontan und selbstorganisiert. Es gibt keine Führung, keine politische Fraktion, die sie lenkt, und keine zentrale Kommandozentrale, die Befehle erteilt. Dies ist Wut, die direkt aus der Bevölkerung kommt.
      Gleichzeitig versucht der Sohn des ehemaligen iranischen Königs erneut, aus der Situation Kapital zu schlagen. Immer wenn es im Iran zu Protesten kommt, beeilt er sich, diese für sich zu beanspruchen. Zwar hat er einige Anhänger im Land, doch die überwiegende Mehrheit seiner Anhängerschaft lebt im Ausland. Abgesehen von den Royalisten hat die jahrzehntelange Unterdrückung durch die Islamische Republik die Möglichkeit, dass andere organisierte Oppositionskräfte im Land entstehen, praktisch zunichte gemacht. (…)
      Die Organisation ist weitgehend horizontal und dezentralisiert: über soziale Netzwerke, lokale Aufrufe von Basarhändlern und die organische Ausbreitung der Wut auf der Straße – ohne einen zentralen Anführer oder eine leitende Partei. Genau darin liegt ihre Stärke: echte Selbstorganisation von gewöhnlichen Menschen gegen Unterdrückung.
      Hier liegt jedoch die Gefahr. Exilierte Oppositionsgruppen – insbesondere Royalisten, die mit Reza Pahlavi verbündet sind – sind auf den Plan getreten und versuchen, diesen Volksaufstand zu kapern. Durch Aufrufe aus dem Ausland verbreiten sie Slogans wie „Lang lebe der Schah“, um die Proteste in Richtung der Wiederherstellung einer weiteren erblichen Diktatur zu lenken – einer Diktatur, die zuvor das Volk durch die SAVAK und blutige Unterdrückung unterdrückt hat und nun versucht, durch diplomatisches Lächeln und leere Versprechungen die Macht zurückzugewinnen.
      Über diese Gruppen hinaus unterstützen auch Anarchisten, Teile der Kommunisten, Teile der Liberalen und Republikaner diese Bewegung und werden vom Sturz der Islamischen Republik profitieren. Unterdessen versuchen Teile der Islamischen Republik selbst, diesen Aufstand als interne Reformbewegung darzustellen, um das Regime in abgewandelter Form zu erhalten…
      [Ein Großteil Ihrer Berichterstattung konzentriert sich auf Gewalt gegen Frauen. Sehen Sie dies als Teil des aktuellen Streiks?]
      Heute sind Frauen, Studierende und Jugendliche aktiv auf den Straßen präsent. Sie bildeten den sozialen Kern der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“. Daher ja – die aktuellen Streiks stehen im Einklang mit den Forderungen der Mahsa-Bewegung und den Kämpfen für Frauenrechte. Wir glauben, dass diese Bewegung unter Wahrung des Geistes von Frau, Leben, Freiheit auch passiveren und konservativeren Teilen der Gesellschaft die Möglichkeit eröffnet hat, sich dem kollektiven Kampf gegen die Islamische Republik anzuschließen und sich mit anderen zu vereinen. Unser Hauptanliegen – neben der Bekämpfung der kriminellen Islamischen Republik, die erst letzte Nacht mehr als sieben Menschen in unserer Region getötet hat – ist die Bekämpfung royalistischer Strömungen, die die Bewegung unterwandert haben und die Situation ausnutzen. Ihre frauenfeindlichen Tendenzen sind sowohl in ihren Diskursen als auch in ihrer politischen Praxis deutlich erkennbar…“ engl. Interview von Gabriel Fonten vom 5. Januar in Freedom Press externer Link (maschinenübersetzt) mit Fotos und Videos – siehe die Homepage von Anarchist Front externer Link (meist farsi) und diese auf mastodon externer Link
  • Tag 6 der Proteste in Iran: „Iraner, schrei, ruf deine Rechte hinaus“, rufen die Menschen in Zahedan, Belutschistan.“ Post von Daniela Sepehri vom 2.1.26 auf bsky externer Link mit Video – siehe die laufende Berichterstattung auf ihrem Account externer Link sowie auf dem von Shayan Sardarizadeh externer Link
  • Protestwelle im Iran: Mut in seiner Reinform
    „… Seit einer Woche gehen die Menschen in Iran auf die Straße. Begonnen haben die Proteste, wie so oft, aufgrund der desolaten wirtschaftlichen Lage. Eine Währung im freien Fall und ein unbezahlbarer Alltag nehmen der Bevölkerung regelrecht die Luft zum Atmen. Was als Wirtschaftsprotest auf den Teheraner Basaren begann, ist zu einer Revolte gegen das gesamte System der Islamischen Republik geworden.
    Mindestens 582 Menschen wurden laut der Menschenrechtsorganisation HRANA in den ersten sieben Tagen festgenommen, mindestens 15 Protestierende getötet. In Ilam, im Westen des Landes, schossen Regimekräfte am Samstag auf Demonstrant:innen und versuchten anschließend, ein Krankenhaus zu stürmen, um Verletzte festzunehmen. Dass es ihnen nicht gelang, lag am Widerstand der Bevölkerung. Menschen stellten sich den Bewaffneten entgegen, um ihre Verletzten zu schützen. Es sind Szenen, die man kaum aushält und die dennoch Hoffnung machen. (…)
    Die internationale Gemeinschaft darf nicht, wie so oft, den Fehler machen, die Bewegung als einen einmaligen, kurzzeitigen Ausbruch der Wut zu betrachten. Es ist vielmehr die Fortsetzung des Widerstands, der nie aufgehört hat. Die Proteste sind der Normalzustand eines Landes, das seit Jahren gegen ein System aufbegehrt, das nur Gewalt kennt. Die Menschen wissen, was ihnen droht, und sie gehen trotzdem auf die Straße. Das ist Mut in seiner Reinform
    .“ Kommentar von Daniela Sepehri vom 4.1.2026 in der taz online externer Link
  • Proteste in Iran: 4 Dinge, die du tun kannst
    1) Sichtbarkeit schaffen: Teile Beiträge in deine Story oder reposte sie. Das Regime möchte nicht, dass seine Verbrechen verbreitet werden.
    2) Informiere andere: Sprich mit deinem Umfeld darüber. Ob in der Familie, mit Freund*innen oder auf der Arbeit.
    3) Schreibe deinen Abgeordneten: Schreibe Politiker*innen aus deinem Wahlkreis und bitte sie, sich zu den Protesten zu äußern und politischen Druck auszuüben. Schreibe deinem*deiner Innenminister*in und fordere einen Abschiebestopp nach Iran.
    4) Biete Plattform: Widme den Protesten in Iran einige Minuten auf deinen Veranstaltungen und Demos, auch wenn sie erst mal nichts mit Iran zu tun haben. Schreib Organisator*innen an und bitte sie, den Protesten in Iran eine Plattform zu geben.“ Thread von Daniela Sepehri vom 2.1.26 auf bsky externer Link
  • Mindestens sieben Tote bei anhaltenden Protesten in Iran
    Bei den regierungskritischen Protesten in Iran sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation HRANA bislang mindestens sieben Menschen getötet worden. Auslöser der Proteste ist der fortgesetzte starke Verfall der iranischen Währung. Inzwischen haben sich die Demonstrationen, die am 28. Dezember auf dem Teheraner Basar begonnen haben, auf zahlreiche weitere Städte und Regionen des Landes ausgeweitet. Die Forderungen der Demonstrierenden gehen weit über wirtschaftliche Anliegen hinaus und richten sich offen gegen das politische System der Islamischen Republik…“ Meldung vom 2. Januar 2026 im Iran Journal externer Link
  • Ein Land im permanenten Krisenzustand: Der Zusammenbruch der Währung bringt den Iran in Aufruhr
    „… Schätzungen zufolge leben inzwischen zwischen 40 und 50 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze – ein Wert, der noch vor anderthalb Jahrzehnten selbst in Krisenjahren deutlich niedriger lag und die soziale Regression der vergangenen Jahre verdeutlicht. Für die arbeitende Bevölkerung bedeutet dies verspätete oder ausbleibende Löhne, extreme Prekarisierung und gesundheitliche Gefährdung am Arbeitsplatz. Die Islamische Republik ist zunehmend außerstande, selbst die minimalen materiellen Voraussetzungen für soziale Loyalität zu garantieren. Genau hier liegt der Kern der aktuellen Dynamik: Die ökonomische Krise hat sich schon längst in eine Krise der politischen Hegemonie verwandelt. (…) Die Parolen jener Proteste – »Konservative, Reformer – das Spiel ist aus« – machten deutlich, dass der Konflikt nicht mehr innerhalb des Systems ausgetragen wird, sondern sich gegen dessen Gesamtheit richtet. Seitdem ist der iranische Staat gezwungen, seine Herrschaft zunehmend ohne gesellschaftlichen Konsens, primär durch Zwang und Repression aufrechtzuerhalten.“ Artikel von Hamid Mohseni vom 02.01.2026 in ND online externer Link
  • Revolutionärer Prozess im Iran: Der iranische Staat regiert zunehmend über Angst
    „… Die Bewegung »Frau, Leben, Freiheit« stellte dabei keine Ausnahme-, sondern einen Kulminationspunkt dar. Seither ist der Protest in den Alltag eingesickert: Arbeitskämpfe, Kampagnen gegen Hinrichtungen und der massenhafte zivile Ungehorsam von Frauen, die die Kopftuchpflicht faktisch unterlaufen, zeigen die fortschreitende Erosion staatlicher Autorität. Dabei handelt es sich weniger um eine klassische revolutionäre Situation mit klaren Führungsstrukturen als um einen langanhaltenden Prozess der Entkopplung von Staat und Gesellschaft – eine Krise der Hegemonie, in der die bestehende Ordnung ihre Fähigkeit verliert, Zustimmung zu organisieren, jedoch, ohne dass sich bereits eine neue gesellschaftliche Ordnung konsolidiert hätte. Der iranische Staat existiert weiter, aber er regiert immer weniger über Zustimmung und immer mehr über Angst. Ob sich die aktuelle Protestwelle kurzfristig ausweitet oder durch Repression und symbolische Reformversprechen eingehegt wird, ist offen. Klar ist jedoch: Eine Rückkehr zur alten Stabilität ist ausgeschlossen…“ Artikel von Hamid Mohseni vom 02.01.2026 in ND online externer Link
  • Proteste im Iran eskalieren: Wer leistet jetzt die Drecksarbeit, Friedrich Merz?
    Im Iran gibt es massive Proteste gegen die katastrophale wirtschaftliche Lage. Die Antwort des Regimes ist brutal. Doch warum schweigt der Bundeskanzler, der sonst so gerne über den Iran spricht? (…)
    Seit Sonntag, dem 28. Dezember, gehen in Iran die Menschen auf die Straßen. Es begann mit Ladenbesitzern, die in Basaren und Einkaufszentren ihre Geschäfte schlossen. Sie protestieren gegen Inflation, explodierende Preise und die katastrophale wirtschaftliche Lage. Der iranische Rial hat einen historischen Tiefstand erreicht, Einkommen und Ersparnisse verlieren täglich an Wert, kleine und mittlere Betriebe stehen vor dem Ruin. Doch wie so oft blieb es nicht bei ökonomischer Kritik. Studierende und Frauen schlossen sich an, die Parolen richten sich längst gegen das Regime selbst. Die Menschen fordern den Sturz der Islamischen Republik. Die Antwort des Staates folgt dem bekannten Muster: Sicherheitskräfte gehen brutal vor, setzen Tränengas ein, schießen auf Demonstrierende, erste Festnahmen sind dokumentiert. Es sind Szenen, die sich nahtlos in eine jahrzehntelange Geschichte der Repression einfügen. Im Jahre 2025 wurden mehr als 1.900 Menschen in Iran hingerichtet. Auch das scheint den Bundeskanzler nicht zu beschäftigen. (…) Umso dringlicher wäre eine klare, eigenständige Position der Bundesregierung. Stattdessen: Abschiebungen nach Iran auch in diesem Jahr, erschwerter Zugang zu sogenannten humanitären Visa für Verfolgte, keine öffentlichen Solidaritätsworte zu den aktuellen Protesten, keine klare Verurteilung der Gewalt.
    Die Frage ist nicht, ob die Protestbewegung in Iran politisch relevant ist – sie ist es längst. Die Frage ist, warum ein deutscher Bundeskanzler, der sonst so gern von Verantwortung spricht, ausgerechnet jetzt wegschaut. Wer von „Drecksarbeit“ spricht, sollte zumindest erkennen, wer sie tatsächlich leistet, und wer sie mit seinem Schweigen verrät
    .“ Kommentar von Daniela Sepehri vom 01.01.2026 im Freitag online externer Link
  • Demonstrationen im Iran: Erste Festnahmen bei Protesten
    Die Proteste im Iran weiten sich aus. In vielen Städten protestieren Menschen gegen die schlechte wirtschaftliche Lage im Land. Gleichzeitig melden örtliche Medien erste Festnahmen. Bei den Protesten in der iranischen Hauptstadt Teheran und weiteren Städten ist es laut einem Zeitungsbericht zu ersten Festnahmen gekommen. Nach Angaben der Tageszeitung Shargh wurden an der Universität Teheran vier Studenten festgenommen. Wer für die Festnahmen zuständig ist und wo die Betroffenen festgehalten werden, ist dem Bericht zufolge nicht bekannt. Die Hochschulzeitung Amir‑Kabir hatte zuvor berichtet, die Universität sei von Sicherheitskräften umzingelt worden und die protestierenden Studenten seien auf dem zentralen Campus eingeschlossen gewesen…“ Meldung vom 31.12.2025 auf tagesschau.de externer Link
  • Mehr als ein Streik. In Iran kommt es zu Protesten – können sie erfolgreich sein?
    „… Im Rahmen dieser Gemengelage legten also die Bazaaris die Arbeit nieder. Der historische Bazar in Teheran gilt als der wirtschaftliche Gradmesser Irans, und der Absturz der Währung trifft auf eine ohnehin über die letzten Jahre massiv verarmte Gesellschaft: Nahrungsmittel haben sich durchschnittlich im Vergleich zum letzten Jahr um rund 70 Prozent verteuert. Schnell folgten weitere Händler, auch außerhalb des Bazars, etwa in Technik-Centern in Teheran, die auf den Import von beispielsweise Mobiltelefonen angewiesen sind. Den Streikbeginn sowie öffentliche Proteste beantwortete die klerikale Führung zunächst so, wie sie immer auf Protest reagiert: mit Gewalt und Festnahmen. (…)
    Seit dem 30. Dezember beteiligen sich auch weitere soziale Gruppen, von Student*innen bis Rentner*innen. Aktivist*innen der Jin-Jiyan-Azadi-Bewegung nennen die Proteste zwar berechtigt, rufen aber bisher nicht selbst zur Teilnahme auf. Dafür sollen Arbeiter*innen in wichtigen Wirtschaftssektoren, etwa der Chemieindustrie, die Kritik an der Regierung in ihre bereits bestehenden Streiks, aufgrund u.a. von nicht gezahlten Löhnen, aufgenommen haben. (…)
    Auffällig ist, dass im Gegensatz zu den Jin-Jiyan-Azadi Protesten sowie den Protesten von 2019, der Ruf nach Reza Pahlavi, dem Sohn des 1979 gestürzten Shahs, auf den Demonstrationen in Iran zu hören ist. Dieser war im Rahmen der letzten Protestwellen (und seitdem) vornehmlich aus der Diaspora zu vernehmen gewesen und ging nicht zuletzt auf eine gemeinsame Kampagne von iranischen Monarchist*innen und Teilen der israelischen Regierung zurück, wie die israelische Zeitung Haaretz im Oktober 2025 aufdeckte. (…)
    Die neuerlichen Proteste bieten nun ein deutlich größeres Potenzial zur Veränderung als der israelisch-iranische Krieg, aber auch als die durch den Mord an Jina Mahsa Amini ausgelösten Massenproteste 2022. Denn der Wertverlust der Währung und die damit einhergehende Inflation treffen alle Teile der Bevölkerung – selbst die Angestellten der Republik, deren steigende Löhne ebenfalls nicht die stetig eskalierende Inflation ausgleichen. Die Wahrscheinlichkeit einer ausländischen Einmischung oder gar eines durch die USA und Israel unterstützten Regime Changes wächst somit allerdings auch. Das stellt die iranischen Protestierenden vor ein, derzeit noch hypothetisches, Dilemma: Versucht man, die klerikale Führung zu stürzen, mit dem Risiko, anschließend eine durch westliche Imperialisten und Regionalmächte installierte Monarchie zu erhalten, oder lässt man sich erneut mit Reformversprechen befrieden? Sicher ist zumindest, dass viele Iraner*innen den Glauben an Reformen durch die Regierung längst verloren haben. Die Regierung Pezeshkian erklärte kürzlich mehrfach selbst, die wirtschaftliche Lage des Landes kaum verbessern zu können, die Proteste seien sogar berechtigt
    …“ Artikel von Pajam Masoumi vom 31. Dezember 2025 im ak online externer Link
  • Proteste in Iran: Der Markt regelt die Revolte
    Ausgelöst von Händlern des Großen Basars in Teheran erlebt die Islamische Republik erneut Proteste – nicht nur wegen des plötzlichen Währungseinbruchs.
    Dieser Tage geht Bahram in Teheran auf die Straße. Der junge Basarhändler protestiert – nicht nur wegen der ökonomischen Krise in Iran. Er sagt: „Die Protestierenden wollen, dass die Islamische Republik verschwindet.“ Das Gespräch konnte die taz über einen Messengerdienst mit ihm führen.
    In der iranischen Hauptstadt sind am 28. Dezember erneut Proteste ausgebrochen. Zwei Tage lang gingen Menschen auf die Straße. Der erste Funke ging dieses Mal von Basarhändlern und Ladenbesitzern aus. (…)
    Der Große Basar von Teheran ist seit mehr als sechs Jahrzehnten ein zentraler wirtschaftlicher und politischer Knotenpunkt Irans. Das verleiht den nun dort ausgebrochenen Unruhen besonderes Gewicht. Für weite Teile wurden strenge Sicherheitsmaßnahmen verhängt. Es gibt Berichte über Verhaftungen, den Einsatz von Tränengas, Schlagstockeinsätze gegen Demonstrierende und eine sichtbar verstärkte Militärpräsenz. Die Proteste begannen im Zentrum von Teheran. Schon am nächsten Tag, den 29. Dezember, weiteten sie sich erheblich aus – bis nach Karadsch, die größte Stadt in der Nähe. Auch Demonstrationen in den Städten Hamedan und Qeschm wurden gemeldet. (…)
    Obwohl die aktuellen Proteste durch wirtschaftliche Missstände ausgelöst wurden, nahmen die Slogans der Demonstranten schnell einen klar politischen Ton an. Demonstrierende skandierten: „Tod dem Diktator“ – ein Ausruf, der allein zu Verhaftungen, langen Gefängnisstrafen sowie physischer und psychischer Folter führen kann. Die iranischen Polizei- und Militärkräfte haben in der Vergangenheit selbst auf friedliche Straßenproteste mit Gewalt und Waffen reagiert. (…)
    In Teilen von Teheran wurden die Demonstrationen bereits zerstreut und Protestierende festgenommen, in anderen herrscht weiterhin Gedränge, ebenso in einigen weiteren Städten. Bahram erzählt: „Die Sicherheitskräfte finden es nicht einfach, offen in den Basar zu gehen; sie kommen meist in Zivil und ohne Kennzeichnung und identifizieren Personen, um sie dann in der Nacht oder am nächsten Morgen festnehmen zu können.“ (…) Inzwischen haben auch Studierendengruppen angekündigt, sich den Protesten anzuschließen. Ihnen gehe es nicht nur um die desolate Wirtschaft, sondern um „grundsätzliche politische Fragen“, hieß es
    …“ Artikel von Mahtab Qolizadeh vom 30.12.2025 in der taz online externer Link
  • Wenn der Basar streikt: Inflation und Währungsverfall setzen der iranischen Wirtschaft massiv zu. Mit den Streiks in den Basaren gerät das Regime erneut unter Druck.
    „… Dieses Mal ist die Ausgangslage eine andere: Erstmals sind es Händler und Ladenbesitzer in Basaren und Einkaufszentren, die die Proteste beginnen. Seit Sonntag streiken sie und thematisieren die wirtschaftliche Lage des Landes. Auslöser ist der massive Wertverlust der iranischen Währung. Die Hyperinflation frisst Einkommen und Ersparnisse auf, verteuert den Alltag und treibt die Betriebe in den Ruin. Nach Jahren der Perspektivlosigkeit haben nun auch die Händler nichts mehr zu verlieren. Das Regime befindet sich im wohl instabilsten Moment seit der Machtübernahme vor 46 Jahren. Es ist sowohl ideologisch als auch finanziell bankrott. (…)
    Von der Tabakbewegung 1891 bis zur Revolution von 1979 war der Basar stets ein Katalysator politischer Umbrüche. Um sich davor abzusichern, versuchte das Regime, die Basare mit Lizenzen und Posten an sich zu binden. Der Basar galt seither, bis auf Ausnahmen, als konservative Stütze des Systems. Und schwieg, während andere protestierten. (…)
    In einem Statement erklärten die Aktivist:innen: „Die Zeit des Zögerns ist vorbei. Die Stimmen der Menschen hallen von den Basaren auf die Straßen. Das Ende der Diktatur liegt in der Luft
    .“…“ Kommentar von Jean Dumler vom 30.12.2025 in der taz online externer Link
  • Die Mullahs müssen verschwinden“
    Tag 2 der Proteste in Teheran gegen das Regime. Begonnen haben die Proteste gestern in den Basaren und Malls. Ladenbesitzer schlossen ihre Geschäfte, um gegen die Preiserhöhungen und Inflation zu demonstrieren. Die Menschen haben längst genug von diesem Regime.Post von Daniela Sepehri vom 29.12.2025 auf bsky externer Link  mit Video

Siehe zu politischen Hintergründen v.a. das Dossier: Jina Mahsa Amini, 22-Jährige Kurdin aus Seqiz, stirbt nach Festnahme durch iranische „Moralpolizei“ – Festnahmen bei Protesten gegen ihren Tod und gegen Hidschab sowie das Dossier Für sofortigen Abschiebestopp in den Iran und ein Bleiberecht für Iraner*innen

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=233050
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