- Automobilindustrie
- Bauindustrie und Handwerk
- Chemische Industrie
- Dienstleistungen, privat und Öffentlicher Dienst
- Elektro- und Metall(-Zulieferer)
- Elektrotechnik
- Energiewirtschaft (und -politik)
- Fahrzeugbau (Vom Fahrrad, über Trecker bis zum Flugzeug)
- Gewerkschaften als Arbeitgeber
- Holz, Papier, Glas und Kunststoffe
- Landwirtschaft und Gartenbau
- Lebens- und Genussmittelindustrie
- Maschinen- und Anlagenbau
- Medien und Informationstechnik
- Sonstige Branchen
- Stahl-Industrie
- Stoffe und Bekleidung
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- Rüstungsindustrie und -exporte
- Sonstige Branchen
- Stahl-Industrie
- Stoffe und Bekleidung
Konversion pervers am Beispiel Pierburg/Rheinmetall, dem Widerstand in Wedding und dem Dilemma der IG Metall Berlin
Dossier
„Größter deutscher Rüstungskonzern will Wachstum stärker vorantreiben und stellt zivile Standorte auf Militärtechnologie um (…) Eine endgültige Entscheidung, ob auch in Berlin und Neuss Munition hergestellt wird, sei aber noch nicht gefallen. Rheinmetall hat den Belegschaften nach eigenen Angaben ein Konzept vorgestellt, wonach die Werke in die Sparte für Waffen und Munition überführt und damit zu »Hybrid-Standorten« würden. Mit der Umstellung will Rheinmetall offenbar den Rückgang der Produktivität in der Automobilindustrie kompensieren. (…) »Die Pläne für den Rheinmetall-Standort in unserer Nachbarschaft zeigen, dass mit der Produktion von Rüstungsgütern zurzeit ordendlich Kasse gemacht werden kann«, sagt Ruth Sperber vom Netzwerk »Hände weg vom Wedding« zu »nd«. Die zunehmende Normalisierung von Krieg und Aufrüstung gehe mit massiven Einschnitten der zivilen Daseinsvorsorge wie Bildung, Gesundheit und der sozialer Sicherheit einher.…“ Artikel von Matthias Monroy vom 25.02.2025 in ND online
(„Rheinmetall setzt auf Rüstung statt E-Mobilität“) als die erste Meldung zur „Konversion pervers“ auch in Berlin – siehe die nachfolgende Entwicklung (ohne Mercedes Ludwigsfelde):
- IG Metall Berlin zu Rheinmetall Berlin: Beschäftigte dürfen nicht zum Spielball der Rüstungsdebatte werden! [Hauptsache „tarifgebunden und unter umfassender Mitbestimmung“]

„Der Umbau des ehemaligen Pierburg-Werks in Berlin-Gesundbrunnen zu einem Produktionsstandort für Munitionskomponenten wird derzeit intensiv öffentlich diskutiert und von Protesten begleitet. Die IG Metall Berlin steht klar an der Seite der Beschäftigten. (…) Der Standort in Berlin-Gesundbrunnen war über Jahrzehnte Teil der Automobilzulieferindustrie und ist, wie viele Betriebe der Branche, von den tiefgreifenden Veränderungen der Automobilindustrie betroffen. Nach rückläufigen Aufträgen und anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit wurde entschieden, den Standort künftig für die Fertigung mechanisch bearbeiteter Komponenten für Artilleriemunition zu nutzen. Explosive Stoffe oder fertige Munition werden dort nicht hergestellt. Für die Beschäftigten bedeutet diese Entscheidung nach Einschätzung des Betriebsrats vor allem den Erhalt der Arbeitsplätze, Investitionen in den Standort sowie umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen. Der gesamte Transformationsprozess erfolgt tarifgebunden und unter umfassender Mitbestimmung…“ Pressemitteilung vom 20.7.2026 der IG Metall Berlin
– siehe nun Stellungnahmen dazu:
- Statement des „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ zur Pressemitteilung der IG Metall Berlin

„In unserem Bündnis sind alle Altersgruppen vertreten: Von Schüler*innen über lohnabhängig Beschäftigte bis hin zu Rentner*innen. Viele von uns sind Gewerkschaftsmitglieder. Wir stehen solidarisch an der Seite der Kolleg*innen bei Pierburg für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Die Sicherung der Existenz und Rechte aller Beschäftigten ist uns wichtig.
Aber es kann uns politisch nicht egal sein, ob die Produkte, die wir herstellen, gesellschaftlichen Nutzen bringen oder Tod und Zerstörung. Es kann uns nicht egal sein,dass Rheinmetall 2025 einen neuen Rekordgewinn von 1,84 Milliarden einfuhr, zu einem großen Teil aus unseren Steuergeldern. Es kann uns nicht egal sein, wenn ein militärisch-industrieller Komplex bald ein Drittel des Bundeshaushalts verschlingt und dafür die Bereiche Bildung, Soziales, Gesundheit, Kultur und Klimaschutz kaputtgespart werden. Es kann uns nicht egal sein, ob wir in Frieden leben oder zu einer Aufrüstungsspirale beitragen, die einen Krieg immer wahrscheinlicher macht. Einen Krieg, in dem wir anderen Menschen Tod und Zerstörung bringen sollen, in dem unsere Jugendlichen als Kanonenfutter herhalten sollen, in dem wir zur Zielscheibe werden. Uns schmerzt es zu sehen, wenn IG Metall Verantwortliche sich mit dem Arbeitsplatzargument hinter dem beispiellosen Aufrüstungskurs der Bundesregierung verstecken und damit die Augen davor verschließen, womit diese Aufrüstung bezahlt wird: Mit einem Angriff auf fast alle sozialen, ökologischen und politischen Standards der arbeitenden Bevölkerung. (…) Es sind diese Verhältnisse, die die Kolleg*innen zum Spielball machen, nicht eine bitter notwendige politische Auseinandersetzung über den Militarisierungskurs. Durch Aufrüstung wird weder die Wirtschaft angekurbelt noch bringt sie in der Summe ein Mehr an Arbeitsplätzen. Gesellschaftliche Arbeitskraft wird vergeudet für Produkte, die weder positiven gesellschaftlichen Nutzen noch ökonomische Folgetätigkeiten mit weiteren Arbeitsplätzen bringen. Aus ökonomischen und sozialen Gründen ist es notwendig, sich entschieden für die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen mit gesellschaftlich sinnvollen Produkten einzusetzen! (…) Unsere Hand bleibt ausgestreckt gegenüber allen Beschäftigten und Gewerkschafter*innen. Wir planen weitere widerständige Aktionen gegen die Militarisierung in Berlin, auch Podien gegen Wehrpflicht und die gravierenden Auswirkungen der Aufrüstung auf die Arbeitswelt. Vertreter*innen der IG Metall, vor allem der IG Metall Jugend, sind herzlich dazu eingeladen!“ Statement des Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion vom 24. Juli 2026
zur PM der IG Metall vom 20.07.2026
- Siehe auch das Vorwort von Peter Vlatten vom 24. Juli 2026 im „Forum gewerkschaftliche Linke Berlin“
zur Wiedergabe des o.g. Statements:
„Vor dem Hintergrund der massiven Proteste gegen die Gründung einer Waffenfabrik im Berliner Kiez Wedding hat die Ortsverwaltung der IG Metall Berlin eine Pressemitteilung unter dem Titel „Beschäftigte dürfen nicht zum Spielball der Rüstungsdebatte werden!“ veröffentlicht. Ehe wir die Antwort des „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ wiedergeben, ein paar Klarstellungen zu den Umständen.
Erstens. Keiner vom Bündnis hat sich gegen die Beschäftigten bei Pierburg gewendet oder vertreten, sie müßten wegen der Rüstungsproduktion ihren Job an den Nagel hängen. Zweitens. Die Delegiertenversammlung der IG Metall hat im September 2025 eine weitreichende friedenspolitische Entschliessung
verabschiedet, die in der Praxis anschliessend kaum bis gar keine Beachtung fand. Publiziert wurde sie lediglich hier im Forum. Drittens. Beteiligung und Mitwirkung an den antimilitaristischen Protesten im Wedding wären eine riesige Gelegenheit, die Entschliessung der Delegiertenversammlung glaubwürdig umzusetzen. Leider geht die Verwaltung mit der Pressemitteilung hierzu auf Distanz. Sich anbahnende Kontakte wurden abgebrochen. Seitens des Bündnisses aber bleibt die Hand ausgestreckt. Viertens. Mit reiner Symbolpolitik werden weder die sozialen Angriffe noch die massive Militarisierung abgewendet. Fünftens: An den Protesten sind etliche IG Metall Aktivist:innen beteiligt (gezählt soviel wie bei der „Es reicht“ Kundgebung am 27.6. abzüglich Hauptamtlicher). Auch unter den sonstigen Demonstranten befinden sich zahlreiche Metall-Beschäftigte. Fünftens. „Es sind die Verhältnisse, die die Kolleg*innen zum Spielball machen, nicht eine bitter notwendige politische Auseinandersetzung über den Militarisierungskurs“…“
- Siehe auch das Vorwort von Peter Vlatten vom 24. Juli 2026 im „Forum gewerkschaftliche Linke Berlin“
- [Sagt NEIN!] Wer Waffenproduktion organisiert, vertritt nicht die Interessen der Beschäftigten

„Mit ihrer öffentlichen Unterstützung der Umstellung des ehemaligen Pierburg-Werkes auf die Produktion von Komponenten für Artilleriemunition haben die IG Metall Berlin und der Betriebsrat eine politisch opportunistische Entscheidung getroffen. Sie organisieren nicht den Widerstand gegen die Militarisierung der Industrie – sie organisieren die Akzeptanz der ´Konversion pervers´.
Dieses burgfriedliche Einknicken ist kein Berliner Einzelfall. Es ist die konsequente Fortsetzung des opportunistischen Burgfriedenskurses des IG-Metall-Vorstandes. Bereits am Antikriegstag 2025 saß der Zweite Vorsitzende Jürgen Kerner auf dem Handelsblatt-Kongress Seite an Seite mit Bundeswehr, Rheinmetall und Rüstungslobby und warb dort für den Einstieg der Automobilindustrie in die militärische Produktion.
Besonders perfide ist dabei die Begründung. Ausgerechnet unter Berufung auf die friedenspolitischen Grundsätze der Satzung erklärt die IG Metall Berlin, Beschäftigte dürften nicht zum »Spielball der Rüstungsdebatte« werden. Tatsächlich macht sie selbst genau das: Wer Arbeitsplätze an Waffenproduktion bindet, macht die Beschäftigten selbst zum Argument für Aufrüstung und Kriegswirtschaft.
Diese Politik spaltet die Gewerkschaften.
Nicht, weil die Kolleginnen und Kollegen gespalten wären. Sondern weil der Apparat versucht, die Belegschaften für seinen eigenen Kurs in Haftung zu nehmen. Wer die Umstellung ziviler Produktion auf Waffenproduktion kritisiert, soll sich angeblich gegen die Interessen der eigenen Kolleginnen und Kollegen stellen. So wird aus berechtigter Kritik ein vermeintlicher Angriff auf Arbeitsplätze. Damit werden die Auseinandersetzung unterdrückt und die wachsenden Erkenntnisprozesse in den Betrieben bekämpft…“ Presseerklärung vom 24. Juli 2026 von Sagt NEIN! – Gewerkschafter:innen gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden
dokumentiert auf gewerkschaftsforum.de - Siehe auch »Millionen sind stärker als Millionäre«: Für eine antimilitaristische und nachhaltige Orientierung der IG-Metall-Industriepolitik
- Statement des „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ zur Pressemitteilung der IG Metall Berlin
- Wedding ohne Waffen! Kriege beenden. Rheinmetall stoppen! Aktionstage vom 10. bis 12. Juli in Berlin-Wedding mit Großdemonstration & Konzert am Samstag, 11. Juli
- [Film] Rheinmetall im Roten Wedding – Nachbarn wehren sich

„Im Berliner Norden, im einst „Roten Wedding“, wird protestiert. Gegen die Firma Rheinmetall. Im Humboldthain diskutiert zwei Tage lang das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion über weitere Schritte. Anfang 2025 wurde bekannt, dass der Waffenkonzern Rheinmetall den Weddinger Autoteile-Hersteller Pierburg gekauft hatte, um dort Artilleriemunition zu fabrizieren. Die deutsche Automobilindustrie hat die Elektromobilität verschlafen und macht Verluste, Werke schließen. Wirtschaftsführern wie Politikern fällt als „Ausweg“ nichts besseres ein – als auf Rüstung umzusatteln. Und die mächtige IG Metall spielt dabei mit. Schließlich fließt seit der Zeitenwende Geld an die Bundeswehr ohne Ende. Im Film kommen die – meist jungen – Aktivisten zu Wort, die gegen die Militarisierung auf die Barrikaden gehen. Sie organisieren Schulstreiks und beraten junge Männer, wie sie sich angesichts der drohenden Wehrpflicht verhalten können. „Die Regierung rüstet sich für den nächsten großen Krieg“, meint ein 18-Jähriger, der gerade den Fragebogen der Bundeswehr erhalten hat. Zu Wort kommen auch eine Lehrerin aus Neukölln, die über die zunehmenden Auftritte von Offizieren im Unterricht spricht, sowie ein Sprecher von Verdi; diese beiden Gewerkschaften unterstützen, im Gegensatz zur IG Metall, die Friedensaktivitäten und haben zu ihrer Demonstration aufgerufen. Es ging während der Aktionstage auch um die Auseinandersetzung mit den Argumenten der Kriegsbefürworter, die sagen, man müsse kriegstüchtig werden, sonst komme der Russe. Darüber sprach der Youtuber Fabian Lehr. Und es ging auch um die deutsch-israelische Zusammenarbeit bei der Rüstung: „Deutschland ist der 2. größte Waffenlieferant an Israel und macht sich an den Verbrechen in Gaza mitschuldig“, hieß es vom Podium herab.“ Film von Gaby Weber vom 26.07.2026 auf youtube
(45 min., mit Transkript)(mit der Bitte um Spenden zur Finanzierung des Films auf das Konto IBAN DE43120300001207441294 von Gaby Weber) - Statement zu staatlichen Repressionen und Polizeigewalt
„Staatliche Repressionen und Polizeigewalt gegen antimilitaristische Proteste während der Aktionstage gegen Rheinmetall 09.–12.07.2026. Insbesondere gegen die Demonstration „Wedding ohne Waffenfabrik – Gemeinsam gegen Krieg“ am 11.07.2026 in Berlin…“ Statement von „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ vom 17. Juli 2026
- Aktionstage gegen Waffenproduktion und Krieg im Wedding – Höhepunkt eine Großdemonstration unter Beteiligung auch etlicher Gewerkschaftlicher Aktivistinnen
„Aktionstage gegen den Krieg mit einem Camp am schönsten Platz – mitten im grünen Humboldthain – im Berliner Kietz Wedding. Protest gegen den Krieg hat an diesem Ort Tradition. (…) An den Aktionstagen ieses Wochende gab es 2 Tage lang ein volles und buntes Programm mit Aktion, Kultur, aber auch viel Aufklärung. (…) Höhepunkt war am Samstag die Großdemonstration. Bis zu 8000 Teilnehmer:innen wurden von den Veranstalter:innen gezählt. Die von der Berliner Polizei genannte Zahl 1800 kann keiner ernst nehmen (…) Es waren so gut wie alle großen DGB Gewerkschaften vertreten. Aktivist;innen u.a. der IG Metall von Mercedes, Tesla, Siemens Energy, Stadler, Arbeitskreis internationalisischer IG Metaller:innen Berlin, verdi Betriebsgruppe FU, verdi Deutsche Welle u.a., EVG , IG BAU, Gesundheits- und Soziarbeiter:innen und last not least eine große Gruppe der GEW, deren Berliner Vorstand mit zu den Aktionstagen aufgerufen hat. Und Workers 4 Gaza und Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin! Positives Beispiel für den Rest der Berliner Gewerkschaften ist die AG Frieden der GEW. Die Demo hat gezeigt, es gibt nicht nur die Notwendigkeit für einen AG Frieden in allen Berliner Gewerkschaften, sondern auch das Potenzial dazu. Auch wenn die Zahl der Aktivist:innen noch überschaubar blieb, aber sie sind nicht unsichtbar wie unsere Video Dokumentation zeigt…“ Bericht von Peter Vlatten vom 12. Juli 2026 beim Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin
mit tollen Fotos und einem Video, siehe auch
- 3.000 Menschen waren gegen Rheinmetall auf der Straße. Warum blieb die Belegschaft stumm?
„… Die Belegschaften, die natürlich Angst um ihre Arbeitsplätze haben, sehen oft keine Alternative. Auch beim Berliner Werk nicht. Den Antimilitaristen ist es vor den Protesten nicht gelungen, mit Beschäftigten Kontakt aufzunehmen, obwohl sie mehrmals an dem Fabriktor Flugblätter verteilten. In diesen betonten sie, dass sich ihr Kampf gegen die Rüstungsproduktion und nicht gegen die Beschäftigten richtet. Von den IG-Metall-Vertretern im Werk sind wiederum keine kritischen Worte zur Rüstungskonversion zu hören. Im Gegenteil haben sich sowohl der Betriebsratsvorsitzende als auch sein Stellvertreter in einer Zeitung der Gewerkschaft zufrieden gezeigt, dass ein Großteil der Arbeitsplätze mit der Umstellung auf Munitionsproduktion erhalten bleibt.
Für die Antimilitaristen ist diese Zustimmung großer Teile der Belegschaft ein Problem, mit dem sie sich in mehreren Diskussionsveranstaltungen beschäftigten. Dabei bestand ein Konsens, dass die Beschäftigten einen Hebel in der Hand haben, um die Rüstungsproduktion zu verhindern. Bisher gibt es solche Beispiele aus Italien, Spanien und Griechenland. Dort riefen Basisgewerkschaften zu Blockaden gegen Rüstungsproduktion auf. (…)
Wie es mit dem Widerstand gegen Rheinmetall im Wedding nach den Aktionstagen weitergeht, wird unter Aktivisten nun diskutiert. Die bald produzierte Munition muss mit Lkw transportiert werden. Blockaden könnten dann ein Ziel sein, schlug eine Camp-Besucherin vor. „Blocchiamo tutto“, „Wir blockieren alles“, skandieren die Menschen im Zelt – die Parole italienischer Basisgewerkschaften gegen Rüstungstransporte. Sie könnte bald auch im Wedding zu hören sein. Mit Beginn der Produktion dürfte der Konflikt um Rheinmetall in eine neue Phase eintreten.“ Artikel vom 15. Juli 2026 von und bei Peter Nowak
(Erstveröffentlichung im Freitag) - Rheinmetall stoppen – Wedding ohne Waffen
„Mehrere tausend Menschen protestierten am 11. Juli 2026 gegen den Start der Rüstungsproduktion bei Rheinmetall im Wedding. Im ehemaligen Pierburg-Werk an der Scheringstraße soll ab diesem Sommer wieder Artilleriemunition vom Band laufen – zum ersten Mal seit 1945 in Berlin. Die Demonstration war Teil von Aktionstagen vom 10.- bis zum 12. Juli mit einem antimilitaristischen Protestcamp im Humboldthain, Kundgebungen vor dem Jobcenter, dem Rheinmetall-Werk und dem DRK-Klinikum in Berlin-Mitte sowie weiteren spontanen Protestaktionen.“ Fotos im Umbruch Bildarchiv
- 3.000 Menschen waren gegen Rheinmetall auf der Straße. Warum blieb die Belegschaft stumm?
- Lohnabhängige & Gewerkschaften in die Offensive: Keine Waffenproduktion – gemeinsam gegen Krieg
Aufruf beim Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin
von gewerkschaftlichen Basisinitiativen und Gewerkschaftsaktiven zur Demonstration um 14 Uhr am 11. Juli 2026 am Bahnhof Gesundbrunnen im Gewerkschaftsblock - Aktivisten blockieren Rheinmetall-Fabrik in Wedding: Auftakt für Aktionstage in Berlin, für ein Protestcamp in Köln und für in Hamburg geplante Proteste gegen ein Nato-Manöver
„… Etwa 50 Aktivist*innen beteiligten sich am Donnerstag an Blockaden, die das Ziel verfolgten, die Waffenproduktion mitten in Berlin-Wedding zu stören. Die Aktionsformen waren dabei vielfältig und kreativ. Am nächsten an das Haupttor der Fabrik heran schaffte es eine Gruppe von Aktivist*innen, der sich Musiker*innen der Gruppe Lebenslaute angeschlossen hatten. Über eine Stunde lang spielte das Orchester hier ein Konzert und es wurden inmitten einer Straßenblockade Protestlieder gesungen, wobei sich die Beteiligten hinsetzten, einhakten und so den Zugang zum Gelände versperrten.
Weitere Aktivist*innen, die sich dieser Blockade anschließen wollten, wurden von der Polizei mit roher Gewalt aufgehalten. Auf zahlreichen Videos ist zu sehen, wie Polizisten mehrere Personen brutal zu Boden stoßen, mit Schmerzgriffen packen und zusammenpferchen. (…)
Im Rahmen der Aktionstage der Initiative Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion soll in der Nähe der Fabrik ein Protestzelt aufgeschlagen werden. Der mit der Aufrüstung verbundene Sozialabbau wird ebenfalls in den Blick genommen. Oscar vom Bündnis erzählt »nd«, dass für das Wochenende auch Aktionen vor der nahegelegenen Arbeitsagentur geplant seien. Während bei Sozialleistungen, aber auch im Gesundheitswesen zurzeit enorme Einsparungen geplant seien, wolle die Bundesregierung erneut Milliardensummen in Kriegsvorbereitung und Aufrüstung stecken. »Jeder dritte Euro« solle laut Haushaltsplan in diesen Bereich fließen, erklärt eine Aktivistin bei einer spontan angemeldeten Kundgebung im Umfeld der Blockade am Fabriktor. Gegen Ende der Aktionen kommt es erneut zu Polizeigewalt. Nachdem die Einsatzkräfte die Blockade brutal aufgelöst hatten, brachten sie die Aktivist*innen zu der Kundgebung. Doch auch dort werden wieder Menschen festgenommen…“ Artikel von Salim Nasereddeen vom 09.07.2026 in ND online
- Unterschriftenaktion bei Hände weg vom Wedding: Mein Bezirk für den Frieden. Jetzt aktiv werden!
und ebd.
weitere Infos - Aktionstage in Berlin 10.—12. Juli 2026: Kriege beenden. Rheinmetall stoppen
„Das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg soll in Berlin wieder Rüstung produziert werden. Rheinmetall will mitten in der Innenstadt Artilleriegeschosse fertigen lassen. Das werden wir nicht hinnehmen und unseren Widerstand gegen die Kriegsvorbereitungen auf die Straßen tragen. Gemeinsam gehen wir vom 10. bis 12. Juli 2026 in Aktion. Gegen den Krieg der Reichen. Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung… “ Alle Infos bei RHEINMETALL ENTWAFFNEN
- Wedding ohne Waffen! Gemeinsam gegen Krieg! – Aktionstage 10.–12. Juli 2026
„In Berlin-Wedding werden demnächst Waffen hergestellt! Der größte Rüstungsproduzent Deutschlands, Rheinmetall, stellt den ehemaligen Automobilzulieferer Pierburg in Berlin derzeit komplett um. Ab Sommer 2026 sollen dort Artilleriegeschosse vom Band laufen – 45 Kilogramm schwere Munition. Damit wird in Berlin zum ersten Mal seit 1945 wieder Rüstung hergestellt, die überall auf der Welt Krieg und Zerstörung bringt. Gleichzeitig kürzt die Regierung massiv in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Bildung, Kultur, Mobilität und Klima und setzt arbeitende und erwerbslose Menschen stark unter Druck. Dieser Entwicklung wollen wir nicht tatenlos zuschauen, sondern unseren Widerstand auf die Straße tragen!...“ Aufruf vom 28. Mai 2026 beim Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion
- Umfangreicher Aufruf und Programm ebd. in Aktionstage in Berlin 10. bis 12. Juli 2026: Kriege beenden. Rheinmetall stoppen
v.a. zu Großdemonstration & Konzert am Samstag, 11. Juli, 14 Uhr, an S+U Gesundbrunnen - „… Getragen wird er vor allem von Initiativen aus dem Stadtteil. „Wir haben in Haustürgesprächen die Bewohner*innen informiert, dass Rheinmetall hier einzieht. Viele waren sehr empört“, sagt Katja von der Initiative „Hände weg vom Wedding“. Sie will in den nächsten Wochen 5.000 Unterschriften unter dem Motto „Rheinmetall ist kein guter Nachbar“ sammeln. Auch das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion beteiligt sich an Protesten gegen die Rüstungsschmiede. Vom 10. bis 12. Juli sind rund um das Werk antimilitaristische Aktionstage geplant. Neben Kundgebungen und Diskussionsveranstaltungen in einem Zelt im Park am Humboldthain sind auch Demonstrationen geplant. Die Antimilitarist*innen hoffen, dass sie auch in Kontakt mit den Beschäftigten kommen. Das erwies sich bisher als schwierig.“ Aus dem Artikel von Peter Nowak vom 28.5.2026 in der taz online
(„VW-Werk zu Waffenfabrik? Bloß nicht!“)
- [Film] Rheinmetall im Roten Wedding – Nachbarn wehren sich
- Rheinmetall im Berliner Wedding: Wie eine Autofabrik zur Rüstungsschmiede wird
„… Im Berliner Stadtteil Wedding, rund um den Humboldthain, ist die militärische „Zeitenwende“ angekommen. Eine Autofabrik wird dort in eine Rüstungsschmiede umgewandelt. Über viele Jahre hinweg hatten die Pierburg-Motorenwerke ihren Sitz an dem abgelegenen Gelände entlang der Hussiten- und Scheringstraße. Auf ihrer Homepage stellte sich das Werk als „Spezialist für die Bereiche Schadstoffreduzierung, Luftversorgung und Drosselklappen“ vor. Doch in einigen Monaten sollen dort statt Motorenteilen für angeblich umweltschonende Fahrzeuge Rüstungsgüter vom Band laufen. (…)
Betriebsräte hoffen auf sichere Arbeitsplätze
Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Benninghaus und sein Stellvertreter Martin Wolfgang Hoffmann begrüßen die Entwicklung von der Pierburg GmbH zur Rheinmetall Waffen- und Munitions-GmbH im Informationsblatt der Gewerkschaft IG Metall, der beide angehören
. Auf einem Foto sind sie mit stolzer Miene vor dem neuen Firmenlogo am Werkseingang zu sehen. Sie erhoffen sich eine Sicherung der Arbeitsplätze durch die Investitionen in die Rüstung. „Die Umstellung unseres Werks auf die Produktion von Rüstungsgütern ist ein positives Zeichen mit Blick in die Zukunft. Die Transformation läuft bei uns anders als gedacht, ist aber alternativlos“, erklärt Benninghaus. Die aktuelle Krise in der Automobilindustrie habe man als Zulieferer schon im Vorfeld gespürt. „Bereits 2024 war das sehr deutlich an der zurückgehenden Auftragslage zu erkennen“, ergänzt sein Kollege Hoffmann. Auch dieser argumentiert für den Erhalt der meisten Arbeitsplätze. „Bei uns arbeiten rund 345 Kolleginnen und Kollegen. Die 293 Beschäftigten des Werkes, inklusive Auszubildende, werden von der Pierburg GmbH übernommen und gehen in die Rheinmetall Waffen Munitions GmbH über.“ Die Entwicklungsabteilung mit 40 Beschäftigten bleibe wiederum bei der Pierburg GmbH am Standort. Benninghaus will unter der Belegschaft insgesamt eine positive Stimmung für die Umwandlung bemerkt haben. „Mit diesem Wechsel haben wir eine Arbeitsplatzsicherheit für fünf Jahre und mehr“, führt er aus. „Wir kommen jetzt raus aus diesem Kreislauf und sehen als Betriebsrat die Chance, uns wirklich auf die Arbeit konzentrieren zu können.“ Probleme mit alten Maschinen und Anlagen gehörten dann der Vergangenheit an.
Die IG Metall warnt vor Illusionen
Artur Siemens von der Presseabteilung der IG Metall äußert sich gegenüber dem Freitag wesentlich kritischer zur Rüstungskonversion. Zwar räumt er ein, dass die geplante Steigerung der Verteidigungsausgaben zu einem Beschäftigungsaufbau im Rüstungsbereich führen werde – in der öffentlichen Debatte als Rüstungs-Keynesianismus bezeichnet. Dieser werde aber den drohenden Wegfall von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie, im Zuliefererbereich und in anderen Kernbranchen der Metall- und Elektroindustrie nicht ausgleichen können.
„Beschäftigte in hoher Zahl von anderen Industriebranchen in Betriebe der wehrtechnischen Industrie zu überführen, ist unrealistisch und keine Lösung für die strukturellen Probleme der Industrie“, dämpft Siemens die optimistischen Erwartungen der Weddinger Betriebsräte. Für manche klassische Automobilzulieferer könne die wehrtechnische Industrie eine Ergänzung sein. „Im großen Maßstab ist es jedoch keine Lösung“, betont er. Die IG Metall warne davor, alle Hoffnung auf die wehrtechnische Industrie zu setzen und andere Branchen zu vernachlässigen. (…)
Der Freitag hat mit zwei Aktivistinnen des antimilitärischen Bündnisses über ihre Aktivitäten gesprochen. Sie nennen sich Möwe und Milla Mallikas, ihre richtigen Namen möchten sie nicht mitteilen. Das Rheinmetall-Werk im Wedding sei für sie eine politische Zäsur, erklären sie. „Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs soll in Berlin wieder Rüstung produziert werden. Das ist ein Ausdruck des neuen deutschen Militarismus“
, sagt Möwe. Darüber wollen sie mit den Menschen in der Umgebung der Fabrik diskutieren. Im „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ engagieren sich auch Initiativen, die bereits seit mehreren Jahren im Wedding Politik machen. In ihren Veranstaltungsräumen informieren sie bereits in „antimilitaristischen Versammlungen“ über die geplante Rüstungsfabrik in ihrer Nähe. Zudem wollen die Aktivist:innen die Bewohner:innen in Haustürgesprächen für das Thema sensibilisieren. Ihr Motto: „Rheinmetall ist kein guter Nachbar“. Auch suche man Kontakt mit Beschäftigten des Werkes, die nicht mit der Munitionsherstellung einverstanden sind.
Impulse für eine neue antimilitaristische Bewegung?
Das Bündnis gegen Rheinmetall im Wedding hat jedoch weitreichendere Pläne. Möwe und Mallikas sehen hier das Potenzial für eine neue antimilitaristische Bewegung, in der sich auch junge und migrantische Menschen gerne engagieren. (…) Der bundesweiten Initiative „Rheinmetall entwaffnen“ war es dagegen zuletzt gut gelungen, jüngere Menschen anzusprechen
. Mehrfach hatte sie vor Rüstungsfabriken Proteste organisiert. Ihre einfache, aber klare Parole lautet: „Krieg beginnt hier“
.
Ab nächsten Sommer ist auch die Rheinmetall-Fabrik im Wedding einer dieser Orte. Proteste könnten dann den Berliner:innen vielleicht ebenso begreiflich machen, dass Krieg nichts Abstraktes oder weit entferntes ist, hofft die Aktivistin Möwe. „Das kann Menschen aufrütteln.“ Artikel von und bei Peter Nowak
, Erstveröffentlichung am 12. Dezember 2025 im Freitag online (paywall) - Geld für den Kiez statt Waffen für den Krieg: Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion demonstrierte mit 1000 Menschen gegen Rheinmetall in Wedding
„»Bruder, wir retten Europa und du Pussy gehst zur Seite – auf deiner krassen Antikriegsdemo warn drei Leute«, schallt das Berliner Rap-Trio K.I.Z. aus Boxen über den Nettelbeckplatz. Anders als im Song »Frieden« polemisch gemutmaßt haben sich dort rund 1000 Menschen versammelt. Sie sind trotz miesen Wetters am Sonntag auf die Straße gegangen, um gegen Aufrüstung im Wedding zu demonstrieren. Seit Frühjahr dieses Jahres ist bekannt, dass Rheinmetall in dem Werk seiner Tochtergesellschaft Pierburg GmbH in Gesundbrunnen auf Rüstungsproduktion umstellt. Ab Sommer 2026 sollen in der Scheringstraße Waffen- statt Autoteile produziert werden. Damit werden das erste Mal seit Kriegsende 1945 wieder Waffen in Wedding produziert. (…)
Statt diesen Schritt zu begrüßen, wie es laut der IG Metall die Beschäftigten in dem Weddinger Werk tun würden, wollen die Demonstrant*innen der Aufrüstung den Kampf ansagen. Die Reden sind von Wut über den Profit am Kriegsgeschäft geprägt, vom Leid der Palästinenser*innen in Gaza, von Kritik an Sozialkürzungen und an der israelischen Besatzungspolitik.
An der Demonstration beteiligen sich unter anderem die Bildungsgewerkschaft GEW, der Landesverband der Linken, die DKP, der Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall, das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee (VPNK), Young Struggle und das Stadtteilkomitee Wedding. Sie alle gehören zum Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion, an dem sich insgesamt 31 Gruppen beteiligen.
Das Bündnis fordert 500 Milliarden Euro für Investitionen in Gesundheit, Bildung und Soziales statt in Waffen. »Wir verlangen den Erhalt der Arbeitsplätze in Wedding, aber eine Umstellung der Produktion auf gesellschaftlich und ökologisch benötigte und sinnvolle Produkte«, teilt das Bündnis mit. Rheinmetall bereichere sich an Kriegen. »Die 155-mm-Artillerie-Munition, für die in Wedding Teile hergestellt werden sollen«, werde von Nato-Staaten eingesetzt und »skrupellos« exportiert, beispielsweise in die Ukraine, Saudi-Arabien und die Türkei. »Auch das israelische Militär setzt Panzerkanonen und Munition von Rheinmetall beim Genozid in Gaza ein«, heißt es ferner…“ Bericht von Jule Meier vom 12.10.2025 in ND online
mit einigen Fotos („Geld für den Kiez statt Waffen für den Krieg: Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion demonstriert mit 1000 Menschen im Wedding“) – siehe zuvor: - Rheinmetall stellt um – Waffenproduktion in unserer Nachbarschaft?! Demo am 12. Oktober
- »Wir werden das Gespräch vor dem Werkstor suchen«: Rheinmetall-Werk in Berlin soll ab 2026 Rüstungsgüter produzieren. Am Sonntag wird dagegen protestiert
Dazu ein Gespräch von Niki Uhlmann in der jungen Welt vom 11. Oktober 2025
mit dem Sprecher des Berliner Bündnisses gegen Waffenproduktion Joschua Giese. Niki Uhlmann: „Was hat Rheinmetall mit dem ehemaligen Pierburg-Werk vor? [Joschua Giese:] Die Fabrik wird jetzt von der Rheinmetall Waffe Munition GmbH verwaltet. Der Name verrät schon, wo die Reise hingeht. Ab 2026 sollen dort Munitions- und Granatenhülsen gefertigt werden. Weil wir weder im Wedding noch irgendwo auf der Welt eine Waffenproduktionsfabrik haben wollen, protestieren wir. (…) Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion setzt sich aus rund 20 linken Nichtregierungsorganisationen, einigen Orts- und Jugendgruppen der Linken, Gewerkschaftern und Privatpersonen zusammen. Nach der ersten Demonstration im Mai wurde das Bündnis gegründet und ist seitdem beträchtlich gewachsen. (…) Im Sinne des Völkerrechts wäre die Fabrik im Kriegsfall ein legitimes Angriffsziel. Dafür schaffen wir gerade mit Infoständen Bewusstsein. Wir hören oft heraus: Die Nachbarschaft will mehrheitlich nicht, dass 200 Meter weiter Waffen hergestellt werden. Gerade Eltern junger Kinder danken uns des öfteren für unseren Einsatz. (…) Ich vermute, dass die Politik den Widerstand der Bevölkerung fürchtet und die Angelegenheit deshalb herunterspielt. (…) Wir haben vorab irrsinnige Auflagen bekommen. Unter anderem dürfen wir keine »dreieckigen Wassermelonen« zeigen. Das erinnere zu sehr an Kennzeichen der Hamas. Da die Auflagen noch nicht schriftlich vorliegen, konnten wir noch nicht rechtlich dagegen vorgehen. Es sollte klar sein, dass ein Wassermelonenverbot vor Gericht nicht zu verteidigen ist. Die Polizei versucht einen Vorwand zu schaffen, um unseren Protest am Sonntag zu knüppeln. Das Knüppeln bei palästinasolidarischen Demonstrationen in Berlin ist inzwischen so sicher wie das Amen in der Kirche. (…) Der Staat greift die palästinasolidarische Schlagseite unseres Protests auf, um uns zu verteufeln. Unser Antimilitarismus soll verunglimpft werden, weil er gesellschaftlich extrem anschlussfähig ist. Umgekehrt gehen Antimilitarismus und Palästina-Solidarität Hand in Hand. Dass hier Waffen produziert werden, die Israel dann in seinen genozidalen Kriegen einsetzt, stört inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung. (…) Wir haben Kontakte zur IG Metall. In ihren höheren Rängen ist Demilitarisierung trotz des Bekenntnisses zum Frieden in der Satzung aber allenfalls sekundär. (…) Das Gespräch vor dem Werkstor werden wir künftig suchen. Dass es im Werk Widerstand gibt, sagt auch die IG Metall. (…) Um mit weiteren Menschen ins Gespräch zu kommen, werden wir im Dezember einen antimilitaristischen Wintermarkt veranstalten.“ - Rheinmetall stellt um – Waffenproduktion in unserer Nachbarschaft?! Demo-Aufruf für den 12. OKTOBER 2025
um 14 Uhr am Nettelbeckplatz (bald: Martha-Ndumbe-Platz)
- »Wir werden das Gespräch vor dem Werkstor suchen«: Rheinmetall-Werk in Berlin soll ab 2026 Rüstungsgüter produzieren. Am Sonntag wird dagegen protestiert
- Fünf Minuten für die Berliner Industrie: Aus Pierburg GmbH wird die Rheinmetall Waffen Munitions GmbH
„Ab Juli 2025 wird der ehemalige Autozulieferer Pierburg zur Rheinmetall Waffen Munitions GmbH. Mit neuer Produktion in Berlin-Gesundbrunnen sollen die Arbeitsplätze gesichert werden. Die Betriebsratsvorsitzenden Bernd Benninghaus und Martin Wolfgang Hoffmann berichten. (…)
Bernd: Wir haben hier am Standort im Wedding gerade eine besondere Situation. Unser Standort wird von der zivilen Produktion – als Automobilzulieferer – umgestellt auf Rüstungsproduktion. Wir bleiben damit Zulieferer, jetzt für die Herstellung von Komponenten der Artilleriemunition für ein Rheinmetallwerk in Niedersachsen. Es handelt sich dabei um eine reine mechanische Bearbeitung der Komponenten, es werden keine explosiven Stoffe verarbeitet.
Martin: Wir haben die aktuelle Krise in der Automobilindustrie als Zulieferer schon im Vorfeld gespürt. Bereits 2024 war das sehr deutlich an der zurückgehenden Auftragslage zu erkennen.
Bernd: Die Umstellung unseres Werks auf die Produktion von Rüstungsgütern ist ein in die Zukunft gerichtetes positives Zeichen. Die Transformation läuft bei uns anders als gedacht, ist aber alternativlos. Durch den jetzt bevorstehenden Übergang erhalten wir alle Produktionsarbeitsplätze am Standort und werden perspektivisch noch Beschäftigung in der Produktion aufbauen. (…) Mit diesem Wechsel haben wir eine Arbeitsplatzsicherheit für fünf Jahre und mehr. Wir haben letzte Woche in der Betriebsversammlung auch vom Arbeitgeber gehört, dass Rheinmetall eine Sicherheit für die nächste Dekade sieht. Wir kommen aus einer Zeit, in der ständig Restrukturierungsprogramme liefen und nicht mehr in den Standort investiert wurde. Wir kommen jetzt raus aus diesem Kreislauf und sehen als Betriebsrat die Chance, uns wirklich auf die Arbeit konzentrieren zu können. Die Probleme mit alten Maschinen und Anlagen gehören dann der Vergangenheit an.
Martin: Wir bekommen nagelneue Maschinen und Anlagen. Das Thema Rüstung wird natürlich diskutiert, aber die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz überzeugt unsere Kolleginnen und Kollegen…“ Interview vom 6. Juni 2025 bei der IG Metall Berlin
- [Demo am 10. Mai in Berlin] Soziales statt Aufrüstung! Keine Rheinmetall -Waffenproduktion im Wedding!
„Demo 10. Mai, 15 Uhr, Leopoldplatz
Strassenbahnbauer bei Stadler in Berlin kämpfen um ihre Arbeitsplätze oder müssen Einbußen hinnehmen. Die Einkommen für das BVG Personal bleiben auch nach dem neuen Tarifabschluss unterdurchschnittlich. Und das ÖNPV Angebot soll weiter eingeschränkt werden. Aber für das Hochziehen der Rüstungsproduktion für eine Tötungsmaschinerie gibt es Geld ohne Limit. Gleichzeitig sollen die Kolleg:innen für lebensrettende Krankentransporte von CFM weiter in die Röhre gucken.
Rheinmetall stellt um – Waffenproduktion jetzt auch in unserer Nachbarschaft.
Rheinmetall, der gröẞte Rüstungsproduzent Deutschlands, will an seinem Produktionsstandort Pierburg in Berlin am Humboldthain auf die Produktion von militärischen Komponenten umstellen. In unserer direkten Nachbarschaft werden dann Munition und Waffenteile hergestellt, die weltweit exportiert werden…“ Aufruf bei der gewerkschaftlichen Linken Berlin
, siehe den aktuellen Hintergrund: Hauptversammlung 2025 der Rheinmetall AG am 13. Mai (virtuell): Verantwortungslose Rüstungsexporte und Aufrüstung autoritärer Staaten
Siehe zum aktuellen Hintergrund auch:
Dossier: „Zeitenwende“ als Geldsegen für die Rüstungsindustrie – diese Firmen profitieren (auch auf dem Arbeitsmarkt) – andere „konvertieren“ – darin auch die allgemeine Debatte um die IG Metall in der Zeitenwende oder auch der evtl. Übernahme des Werks Mercedes Ludwigsfelde durch den Rüstungskonzern KNDS- Dossier: „Zukunftswerk Osnabrück“: Öffis statt Panzer – für eine zivile Zukunft am VW-Standort Osnabrück!
- Dossier: IG Metall, SPD-Wirtschaftsforum und BDSV fordern gemeinsam: (Heimische!) Verteidigungsindustrie zukunftsfähig machen
- Initiative „Zukunft Volkswagen“ in Wolfsburg, Dresden, Hannover und Stuttgart
- 2020: Das Geschäft mit dem Tod floriert – nicht nur bei Rheinmetall. Stößt aber auf wachsende Kritik, außer bei der IG Metall