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18. Weltsozialforum 2026 vom 4. bis 8. August 2026 in Cotonou / Bénin
Als Alternative zum Weltwirtschaftsforum, das jährlich in Davos stattfindet, ist das Weltsozialforum seit 25 Jahren einer der wichtigsten internationalen Treffpunkte globaler Zivilgesellschaft. Das Forum in Cotonou wird mehrere hundert Veranstaltungen und gemeinsame Proteste vor Ort umfassen. Mit Benin als Gastgeberland rücken insbesondere Perspektiven aus Westafrika in den Mittelpunkt. Themen wie Frieden, Klimagerechtigkeit, Rohstoffpolitik, Landrechte, Schuldenkrisen, Ernährungssouveränität, Dekolonisierung, sowie alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle werden das Forum prägen. Erwartet werden ca. 50000 Teilnehmer_innen vornehmlich aus Bénin und Nigeria. Das Spektrum reicht von Gewerkschaften, Bauern-, Frauen- und indigenen Organisationen bis hin zu Friedens- und Gerechtigkeitsbewegungen. Viele Veranstaltungen finden wiederum hybrid statt (d.h. zugleich vor Ort und virtuell). Siehe die offizielle Website des WSF 2026
und erste Artikel darüber:
- Weltsozialgipfel im Benin beginnt
„Zum 17. Mal treffen sich soziale Bewegungen, Gewerkschaften und NGOs, um über antikapitalistische Alternativen zu diskutieren.
An diesem Dienstag beginnt im westafrikanischen Cotonou, Benin, der Gipfel des Weltsozialforums (WSF). Die Organisator*innen erwarten 50 000 Teilnehmende aus über 150 Ländern, vor allem aus sozialen Bewegungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Gewerkschaften. Mit Benin als Gastgeberland sollen Perspektiven aus Westafrika in den Mittelpunkt rücken. Themen wie Frieden, Klima- und Geschlechtergerechtigkeit, Rohstoffpolitik, Landrechte, Schuldenkrisen, Ernährungssouveränität, Dekolonisierung sowie alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle sollen die Veranstaltung prägen. (…)Zuletzt wurde das Forum dafür kritisiert, nicht viel mehr als eine symbolische Wirkung für soziale Bewegungen zu erzielen und zudem inzwischen von NGOs vereinnahmt worden zu sein. Um dem entgegenzuwirken, arrangierten die Organisator*innen dieses Jahr Karawanen aus der Sahelzone, von der westafrikanischen Küste und aus Zentralafrika Richtung Cotonou. So planten sie, mehr Menschen einzubinden…“ Artikel von Sarah Yolanda Koss vom 04.08.2026 in ND online
- Stein im Schuh der Mächtigen
„Zehntausende Aktivisten fordern beim Weltsozialforum in Benin einen globalen Prioritätenwechsel – von Aufrüstung und Neoliberalisierung zu gerechter Verteilung
Fünfzigtausend Teilnehmer werden erwartet beim am Dienstag eröffneten 18. Weltsozialforum (WSF), das bis zum kommenden Sonnabend in Cotonou (Benin) stattfindet. Geplant sind mehr als 300 Veranstaltungen und Kundgebungen mit Vertretern sozialökologischer Bewegungen, Gewerkschaften sowie indigener, bäuerlicher und feministischer Organisationen aus aller Welt. Angesichts explodierender Ausgaben für Rüstung und Kriege, erdrückender Lebensmittel- und Energiepreise, Sozialkürzungen, eskalierender Handelskonflikte und zunehmender Verfolgung sozialkritischer Aktivisten ist das Motto des ersten Weltsozialforums, das vor 25 Jahren mit über 30.000 Teilnehmern in Porto Alegre (Brasilien) stattfand, so aktuell wie damals: »Eine andere Welt ist möglich!«
Das diesjährige Forum findet zu einer Zeit statt, in der sich der gnadenlose Konkurrenzkampf globaler Akteure um Märkte, Technologien, strategische Rohstoffe und Hegemonie steigert. Unter US-Präsident Donald Trump führen die USA diesen Kampf mit rücksichtsloser Brutalität mit Kriegen, Angriffen auf andere Länder und zivile Schiffe sowie einer völkermörderischen Blockade, um – wie in Kuba – jeden Versuch der Etablierung alternativer Modelle zu erdrosseln. In Berlin, Brüssel und Washington werden neue Abkommen zur Sicherung von Lieferketten vereinbart, milliardenschwere Industrieprogramme aufgelegt und historische Aufrüstungspakete beschlossen. Die Maßnahmen der westlichen Industrieländer folgen einer gemeinsamen Logik: Anstatt die Ursachen von Kriegen, zunehmender Armut und der Zerstörung ökologischer Lebensgrundlagen in Frage zu stellen, soll die neoliberale Wirtschaftsordnung durch mehr Ressourcensicherung, Ausweitung von Einflusszonen und Ausbau geopolitischer Macht abgesichert werden.
Beim diesjährigen Forum im westafrikanischen Benin sollen dagegen Alternativen zu dem in westlichen Medien »vorherrschenden Denkmodell des globalen Neoliberalismus« aufgezeigt werden. (…)
»Dass das Forum in diesem Jahr in Benin stattfindet, ist ein starkes politisches Signal«, hieß es vorab in einer Erklärung der globalisierungskritischen Organisation ATTAC. Westafrika sei eine Region, in der globale Ungleichheiten und Krisen besonders spürbar sind und in der gleichzeitig seit Jahrzehnten soziale Bewegungen für politische Alternativen kämpfen. Örtliche Teilnehmer sehen eine Chance, ihre Forderungen und ihren Kampf um Land, Wasser und Saatgut »auf die globale Bühne« zu bringen. Darüber hinaus mache auch »die wachsende Zahl bewaffneter Konflikte und Kriege deutlich, dass ein Prioritätenwechsel stattfinden muss: Statt weltweit immer mehr gesellschaftlichen Reichtum in militärische Aufrüstung zu stecken, braucht es ein anderes Verständnis von Sicherheit, das sicheren Zugang zu Land, Wohnraum und Nahrung, aber auch Gesundheitsversorgung und Bildung in den Mittelpunkt rückt«, fordert Aïda Roumer von der mitveranstaltenden globalen Abrüstungskampagne »10 Percent for All«.“ Artikel von Volker Hermsdorf in der jungen Welt vom 05.08.2026
- Weltsozialforum in Cotonou: „Wir wollen über unsere Politik selbst bestimmen“
„Organisatorin will das Weltsozialforum 2026 auf eine „neue Ebene heben“. Die Anliegen afrikanischer Bewegungen gehörten auf die globale Bühne. (…)
Tunkara: Ich verfolge das Forum seit 2023. Als es 2024 in Nepal stattfand, war ich eine der Rednerinnen bei der Eröffnungszeremonie – und die einzige Afrikanerin. Auch unter den Teilnehmenden konnte ich die anwesenden Afrikaner*innen zählen. Um afrikanischen Basisorganisationen und sozialen Bewegungen voll und ganz gerecht zu werden, begannen wir beim globalen Zusammenschluss daher, uns dafür einzusetzen, dass das Weltsozialforum in Afrika stattfindet, um unsere Erfahrungen und die Herausforderungen gleichberechtigt mit der Welt zu teilen. (…)
Als afrikanische Organisatoren des Weltsozialforums sehen wir eine Chance, es auf eine neue Ebene zu heben. Wir sagen: Das Weltsozialforum 2026 wird das sein, das wir vor 25 Jahren kannten. Wenn uns gesagt wird, die Ideologie müsse geändert werden, um Kapitalismus oder Imperialismus zu fördern, sagen wir Nein. (…)
Wir haben auch mit afrikanischen Organisationen und Bewegungen gesprochen, die das Forum zuvor boykottiert hatten, um sie dieses Jahr wieder mit ins Boot zu holen – wie zum Beispiel La Via Campesina, die Stimme der Kleinbauern weltweit.(…)
Im Juli haben wir drei Karawanen aus Bussen organisiert: Eine kommt aus Zentralafrika, die beiden anderen aus Westafrika. Sie ziehen durch mehrere Länder und enden schließlich beim Weltsozialforum in Cotonou. Unterwegs halten wir in Gemeinden, um mit den Menschen über ihre Rechte zu sprechen, aber auch, um ihnen zuzuhören. Wir haben lokale Regierungen, Stammesführer und Gemeindevorsteher zum Dialog eingeladen. Nicht jede Frau, Jugendgruppe oder Organisation hat die Möglichkeit, an einer weit entfernten Veranstaltung teilzunehmen, doch mit den Karawanen bringen wir die 17. Ausgabe des Weltsozialforums zu ihnen.
taz: W ie arbeitet der Globale Zusammenschluss, w enn nicht gerade das Weltsozialforum stattfindet?
Tunkara: Wir konzentrieren uns auf den Kampf der Bäuer*innen und Gemeinden um Land, Saatgut und Wasser. Wir vereinen mehr als 300 Organisationen, die sich für soziale und wirtschaftliche Rechte einsetzen und dafür, wie wir die Klimakrise am besten abmildern können, indem wir die lokale Widerstandsfähigkeit stärken. Zu diesem Zweck ist es unser Hauptziel, Einfluss auf die Politik zu nehmen, insbesondere in Bezug auf Landfragen. Wir sensibilisieren die Öffentlichkeit, indem wir Karawanen organisieren. (…)
taz: Was genau fordern Sie?
Tunkara: Afrika wird als Rohstoffquelle betrachtet. Und Regierungen sind in einer Situation gefangen, in der sie jede wirtschaftliche Gelegenheit annehmen, auch wenn sie nicht nachhaltig ist. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wir übernehmen internationale Strategien, die uns Kraft und unserer Würde berauben. Was für euch im Globalen Norden nach Entwicklung klingt, klingt in Afrika nach einem Problem. Die Deutschen setzen auf Industrialisierung, wir hingegen auf Landwirtschaft und Ernährungssouveränität. Wir wollen über unsere Politik selbst bestimmen, über unser Land. Wir wollen Respekt und Souveränität für unsere Gemeinschaften und Nationen. (…)
Die Übergangsregierung in Mali hat den lokalen Gemeinschaften aktiv ihre Landrechte zurückgegeben, indem sie eine Bodenreform verabschiedet hat, die die Einbeziehung aller – einschließlich Frauen und Jugendlicher – fördert. In ähnlicher Weise stellt die Verstaatlichung von Industrien in Burkina Faso eine direkte Herausforderung für ein internationales System dar, das es vorzieht, dass Afrika lediglich ein Lieferant billiger Rohstoffe bleibt. Wahre Souveränität bedeutet, die wirtschaftliche Sicherheit unserer Bevölkerung vor ausländische Handelsinteressen zu stellen…“ Interview von Leila van Rinsum vom 4.8.2026 in der taz online
– Burry Tunkara ist Menschenrechtsaktivistin aus Gambia. Sie ist Mitglied des „Global Convergence on the Struggle for Land, Water, and Peasant Seeds of West Africa“ und in dieser Funktion Organisatorin des 17. Weltsozialforums in Contonou, Benin. Sie ist außerdem Vorsitzende von ADDAD Gambia, einer Organisation für die Arbeitsrechte und den Schutz von Hausangestellten.
Siehe auch:
- die WSF-Seite von Attac Deutschland

- Siehe zuletzt: Das sechzehnte Weltsozialforum vom 1. bis 6. Mai 2022 in Mexiko