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Wahlen 2025 in Chile: Zwischen den Impulsen des sozialen Aufstands von 2019 und der ultrarechten Stärkung des Marktes

Dossier

Chile: Juventud. Declaración: ¡Organicemos la resistencia! A enfrentar el plan de Kast con movilización y unidad entre trabajadores y estudiantes„Chile wird am 16. November einen neuen Präsidenten wählen, und die Entscheidung fällt zwischen zwei starken Kandidaturen: der regierungsnahen Kandidatin und kommunistischen Aktivistin Jeannette Jara und dem ultrarechten José Antonio Kast. Chile bereitet sich auf eine Wahl vor, die weiterhin auf die Probe stellen wird, ob der soziale Aufstand von 2019 der Beginn eines tiefgreifenden Wandels oder eine von den Institutionen eingedämmte Episode waren. (…) Mehr als eine Wahl steht dem Land ein Votum über seinen politischen Kurs bevor: Weiterentwicklung in Richtung sozialer Gerechtigkeit oder Wiederherstellung der neoliberalen Ordnung…“  Artikel von Matías Caciabue und Paula Gimenez am 15. November 2025 in der Übersetzung von Hans Weber bei amerika21 externer Link – siehe mehr daraus und weitere Beträge zur Wahl:

  • Chile: Sieg der extremen Rechten. Eine Analyse des fatalen Wahlerfolgs von José Antonio Kast. New
    „Sechs Jahre sind seit Oktober 2019 vergangen – seit dem Aufstand demokratischer und progressiver Kräften in Chile und dem Versuch die von der Militärdiktatur geerbte Verfassung abzuschaffen und damit eines der frühesten und tiefgreifendsten neoliberalen Experimente der Welt zu beenden. In der Hitze jener Tage und angesichts der Wahlsiege, die die Linke bis September 2022 – als der Verfassungsentwurf von einer großen Mehrheit des Landes abgelehnt wurde – errang, kam niemand auf die Idee, dass José Antonio Kast, der wichtigste Führer der chilenischen extremen Rechten, einmal mit überwältigender Mehrheit zum Präsident der Republik gewählt werden könnte. Genau das ist jedoch eingetreten. Die Stichwahl am Sonntag, dem 14. Dezember, bei der der Rechtsextreme Kast gegen die Kommunistin Jeannette Jara antrat, endete so, wie es alle Umfragen vorhergesagt hatten: mit einem großen Vorsprung für ihn. Um es kurz zu fassen: Der nächste Präsident Chiles ist ein Vertreter der globalen Ultrarechten. Gleichzeitig ist er auch ein Vertreter des Pinochetismus alter Schule. Diese Situation ist beispiellos. (…)
    Neben seiner persönlichen Beziehung zum Pinochet-Regime war auch José Antonio Kasts Familie eng mit der Diktatur verbunden. Sein älterer Bruder Miguel war Minister für Planung, Arbeitsminister und Präsident der Zentralbank. Sein Vater Michael und ein weiterer Bruder wurden beschuldigt, Mittel für die Unterdrückung und das Verschwinden von Arbeitern in Paine bereitgestellt zu haben, einer ländlichen Gegend, in der sich die Familie Kast niedergelassen und wo sie ihr Vermögen angehäuft hat. Zudem war Michael Kast, der 1950 aus Deutschland nach Chile kam, Mitglied der NSDAP, hatte im Zweiten Weltkrieg für die Wehrmacht gekämpft und wanderte schließlich im Rahmen einer Mission des Roten Kreuzes nach Argentinien und dann nach Chile aus. Diese Nazi-Vergangenheit sowie seine mögliche Komplizenschaft bei Verbrechen während der Pinochet-Diktatur wurden von José Antonio Kast stets zurückgewiesen. (…)
    Am vergangenen Sonntag gewann José Antonio Kast die Präsidentschaftswahlen mit 58 Prozent der Stimmen. Er gewann in allen Regionen des Landes und in 90 Prozent der Gemeinden und erzielte damit das beste Ergebnis der Rechten in der Geschichte Chiles. (…) Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der derzeitige stellvertretende Wirtschaftsminister von Javier Milei, der chilenisch-argentinische José Luis Daza, Minister unter Kast wird – mit dem Auftrag, in Chile dieselbe „Kettensäge” anzusetzen, die in Argentinien zu einer umfassenden Zerstörung der wirtschaftlichen Produktion und des sozialen Gefüges geführt hat. (…)
    Die Kehrseite des deutlichen Sieges von Kast ist die schwere Niederlage der Linken. Jeannette Jara erreichte nur 42 Prozent der Stimmen, sechzehn Prozentpunkte weniger als Kast. Dieses Ergebnis macht deutlich, dass die unteren und mittleren sozialen Schichten den Kandidaten der extremen Rechten massiv unterstützt haben. Diese Niederlage erfordert eine weitreichende Reflexion. Auch wenn man unmittelbar Fehler und Grenzen der Regierung Boric als Ursache identifizieren kann, ist die Schwächung der Verbindung zwischen der Linken und den unteren und mittleren Bevölkerungsschichten ein langjähriger Prozess, der umgekehrt werden muss, damit die Linke wieder eine mehrheitliche, tragfähige politische Alternative sein kann. In den kommenden Jahren muss die Linke gleichzeitig die Aufgabe übernehmen, Opposition zur Regierung Kast zu sein – indem sie Rückschritte bei sozialen Rechten, Freiheiten und Menschenrechten verhindert – und ein politisches Projekt neu zu formulieren, das in der Lage ist, die Sehnsüchte nach einem besseren Leben zu erfüllen, die im chilenischen Volk weiterhin lebendig sind. Sonst könnte sich der Sieg der extremen Rechten verstetigen und einen Zyklus einleiten, der von den konservativsten und reaktionärsten Kräften angeführt wird, die in Chile und weltweit entstanden sind. Es ist die Aufgabe der Linken, dies zu verhindern.“
    Beitrag von Pierina Ferretti vom 18. Dezember 2025 im Blog von medico international externer Link – Pierina Ferretti ist eine chilenische Soziologin. Sie veröffentlicht regelmäßig Essays und Analysen zu aktuellen politischen Themen und ist Mitglied der Stiftung «Nodo XXI», ein Forum für eine antineoliberale, feministische und demokratische Linke.
  • Der Sohn eines NSDAP-Mitglieds, der Bruder eines Pinochet-Ministers, der Bewunderer einer Diktatur: José Antonio Kast wird am 11. März 2026 Chiles Präsident
    • Chile: Neuer Präsident Kast wird hart durchgreifen. Vorläufiges Ergebnis mit klarem Abstand. Rund 58 zu 42 Prozent. Amtsantritt am 11. März 2026
      In Chile ist die Stichwahl um die Präsidentschaft am Sonntag mit einem klaren Ergebnis abgeschlossen. Nach der Auszählung von mehr als 95 Prozent der Stimmen gewann José Antonio Kast die Stichwahl mit rund 58 Prozent und wird neuer Präsident des Landes. Seine Gegenkandidatin Jeannette Jara erreichte knapp 42 Prozent. Die Wahlbeteiligung war hoch. (…)
      Jara, ehemalige Arbeitsministerin und Kandidatin der linkeren Koalition Unidad por Chile, rief ihre Anhänger:innen nach der Niederlage dazu auf, den demokratischen Willen des Landes zu respektieren. In einer am Abend veröffentlichten Rede auf TVN sagte sie: „Die Demokratie hat laut und deutlich gesprochen.“ Sie gratulierte Kast zu seinem Wahlsieg. (…)
      „Nach der unerwarteten Niederlage geht nun darum alles zu tun, um bei den Kommunalwahlen in zwei Jahren den Vormarsch der rechten und ultrarechten Parteien zu stoppen.“ (…)
      Jara setzte sich in den zwei wichtigsten Hafenstädten des Landes – San Antonio und Valparaiso – durch und gewann im Grossraum von Santiago in 21 Gemeinden. Auffällig war das Ergebnis der Auslandschilen:innen, die in den Botschaften und Konsulaten weltweit abstimmten. In dieser Gruppe entfielen etwa 65 Prozent der Stimmen auf Jara, ein Gegensatz zum nationalen Gesamtbild
      …“ Beitrag von Ani Dießelmann vom 15.12.2025 in amerika21 externer Link
    • José Antonio Kast: Sohn von NSDAP-Offizier gewinnt Präsidentenwahl in Chile
      José Antonio Kast gewinnt mit 58 Prozent die Stichwahl gegen die kommunistische Kandidatin Jeannette Jara. Der Sohn eines ehemaligen NSDAP-Mitglieds aus Bayern verspricht hartes Durchgreifen gegen Kriminalität und irreguläre Migration.
      Politischer Richtungswechsel in Chile: Der deutschstämmige Rechtspolitiker José Antonio Kast hat die zweite Runde der Präsidentenwahl gegen die kommunistische Regierungskandidatin Jeannette Jara gewonnen. Das teilte das Wahlamt des südamerikanischen Landes mit. „Chile möchte einen Wandel“, sagte Kast in seiner Siegesrede vor Tausenden Anhängern in der Hauptstadt Santiago de Chile. „Und ich sage Ihnen, ja, Chile wird einen echten Wandel erleben“. (…)
      Wahlsieger relativiert Verbrechen der Militärdiktatur
      Der Rechtspolitiker hat ein hartes Vorgehen gegen Kriminalität und illegale Migration angekündigt. So will der Jurist die Grenzen stärker sichern, die irreguläre Einreise zu einer Straftat machen und Migranten ohne Papiere abschieben. Zudem kündigte er an, neue Gefängnisse zu bauen. Um die Wirtschaft anzukurbeln, will Kast die Unternehmenssteuer senken und die öffentlichen Ausgaben deutlich senken. Kast steht auch für eine konservative Gesellschaftspolitik. Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und mehr Rechte für die Mitglieder indigener Völker lehnt er zum Beispiel ab. Kast relativierte auch die Verbrechen der Militärdiktatur und sagte etwa im Wahlkampf 2021: „Wenn Pinochet noch lebte, würde er mich wählen.“ Zuletzt mäßigte er seinen Ton allerdings und wurde dadurch für breitere Schichten wählbar
      …“ dpa-Meldung am 15.12.2025 auf web.de externer Link als Beispiel für korrekte Überschriften zu den schrecklichen Nachrichten… Siehe auch:

      • Neuer Präsident in Chile: Gläubig, rechts, extrem
        José Antonio Kast ist mit deutlichem Vorsprung zu Chiles künftigem Präsidenten gewählt worden. Der Vater von neun Kindern wettert gegen Abtreibung und verspricht, das Land wieder sicher zu machen. Einen derart rechten Staatschef gab es seit der Militärdiktatur nicht mehr…“  Artikel von Jan Heidtmann, Buenos Aires, vom 15. Dezember 2025 in der Süddeutschen Zeitung online externer Link – allerdings hinter paywall
      • Es gab auch andere Überschriften, wie z.B. „Deutschstämmiger Rechtspopulist Kast gewinnt Präsidentenwahl in Chileauf ntv externer Link oder „Ein deutschstämmiger Rechtskonservativer hat die Präsidentenwahl in Chile für sich entschiedenauf tagesschau.de externer Link
    • Chiles Jugend erklärt: Organisieren wir den Widerstand! Kast’s Plan mit Mobilisierung und Einheit zwischen Arbeitern und Studenten bekämpfen.
      Erklärung der Gruppierungen VENCER, La Red de Trabajadorxs Precarizadxs und Pan y Rosas zum Sieg von Kast und zur Herausforderung, den Widerstand gegen seine Regierung zu organisieren
      Kast wird in den nächsten Jahren regieren, und wir dürfen keine Angriffe, keine Sozialkürzungen, keine Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse zulassen. Er ist ein bekennender Pinochetist, das Symbol der patriarchalischen und konservativen Reaktion. Wir laden euch ein, den Widerstand an euren Arbeits- und Studienplätzen zu organisieren.
      Als Arbeiter*innen und Student*innen, Frauen und Dissident*innen, Mapuche und Migrant*innen müssen wir uns zusammenschließen, uns in Verbänden, sozialen Vereinen, Studentenwerken, Gewerkschaften, Nachbarschaftsvereinigungen, Versammlungen und auf der Straße organisieren, um der extremen Rechten entgegenzutreten. Wir dürfen ihnen keinen Raum lassen. Chile ist kein Einzelfall im weltweiten Phänomen konservativer und autoritärer Regierungen. Die Herausforderung besteht darin, dass die Arbeiterklasse und die Jugend ihre Illusionen aufgeben und ihre Mitmenschen und ihre Führer ermutigen, sich der Regierung Kast entgegenzustellen. Denn die Regierung Kast wird nicht wie gewünscht in einer stabilen Situation an die Macht kommen. Es ist unvermeidlich, dass sie Widerstand hervorruft, aber dieser muss organisiert werden…“ span. Erklärung vom 14.12.2025 in La Izquierda Diario externer Link (maschinenübersetzt)(diesem Beitrag ist die neue Grafik zum Dossier entnommen)
    • Sie sind zurückgekommen… Mein Herz weint, ich zittere für meine Schwestern und Brüder im großen Chile… Was für eine Scheiße, Mann…
      #chile #hastasiempreallende #dictature #pinochet“ span. Post von Anarcho Lysergist vom 15.12.2025 auf bsky externer Link zum eingebundenen Video von Victor Jara externer Link : „El Derecho de Vivir en Paz“ – ein Kommentar darunter vom 14.12. lautet: „el derecho de vivir sin KAST
    • Für die Überschrift hab ich mich unerlaubt bedient bei Sebastian Bohrn Mena:
  • José Antonio Kast: Symbolfigur des transnationalen Rechtsextremismus
    Der Sohn eines NSDAP-Mitglieds, der Bruder eines Pinochet-Ministers, der Bewunderer einer Diktatur: José Antonio Kast verkörpert die autoritäre Tradition Chiles wie kein anderer. Am 14. Dezember könnte er Präsident werden – und damit eine Rückkehr zu jenen «Ordnungs»-Vorstellungen einläuten, die Chile bereits einmal in den Abgrund führten. (…)
    Seit Jahren schon fungiert er als ein weiterer lateinamerikanischer Knotenpunkt in einem globalen Netz von rechtsradikalen und rechtspopulistischen Bewegungen, die sich in den vergangenen Jahren professionalisiert, internationalisiert und politisch vernetzt haben. Kast ist Teil jener neuen Rechten, die in den USA, in Lateinamerika und in Europa dasselbe Vokabular verwenden, dieselben Feindbilder pflegen und dieselben politischen Techniken anwenden. Sein Aufstieg ist weniger von seiner Persönlichkeit geprägt als von einer tektonischen politischen Verschiebung, die weltweit vorangetrieben wird. Es geht um die Verschmelzung diktatorischer Traditionen mit einem digitalen, transnational organisierten Rechtsextremismus.
    Um Kast zu verstehen, muss man bei seiner Herkunft beginnen
    . (…)
    Was Kast von vielen anderen rechten Politikern unterscheidet, ist die historische Tiefe seiner politischen Identität. Während etwa Milei oder Bolsonaro als politische Aussenseiter ins Zentrum der Politik drangen, steht Kast in einer geradezu genealogischen Kontinuität autoritärer Systeme. Seine familiäre Verbindung zur Diktatur, sein ideologisches Bekenntnis zu «Ordnung» durch autoritäre Exekutive, seine Nähe zu Militärkreisen, sein positives Verhältnis zur Pinochet-Tradition, seine Verteidigung eines autoritären Staatsverständnisses – all das macht ihn zum ideologischen Kontinuitätsfaktor einer radikal rechten Tradition, die in Chile nie vollständig verschwunden ist
    …“ empfehlenswerter Artikel von Sebastian Bohrn Mena vom 10. Dezember 2025 auf FLIMMER.MEDIA externer Link
  • Feministinnen: »Die extreme Rechte ist nicht unbesiegbar«
    „… In Chile hat sich der neoliberale Konsens stabilisiert, ein patriarchaler Rollback steht uns bevor. Die politische Klasse macht ihr Geschäft mit dem Neoliberalismus und bringt dabei die ärmsten Teile der Bevölkerung in noch prekärere Lagen als zuvor. (…)
    Höchstwahrscheinlich wird Chile in den nächsten vier Jahren von einem Bündnis rechter Parteien regiert werden, angeführt von einem pinochetistischen Flügel mit entsprechendem Programm. Dieses politische Spektrum existiert in Chile schon lange, es ist aber noch nie durch eine Wahl der Bevölkerung und mit einer relativ breiten sozialen Basis an die Regierung gekommen.
    Was dem entgegenstand, war allerdings auch keine wirklich linke Alternative. Jeannette Jara übernahm ebenso, wie es die Regierung von Gabriel Boric 2022 getan hatte, Teile der Erzählung der extremen Rechten bei Themen wie Sicherheit und Xenophobie. Einmal mehr bestätigt sich in Chile, was sich auch schon an anderen Ländern gezeigt hat: Der extremen Rechten durch die Übernahme ihrer Narrative entgegentreten zu wollen, trägt auf direktem Wege zu deren Wachstum bei. Dennoch rufen wir jetzt zur Wahl von Jeannette Jara auf, nicht, weil wir große Hoffnung in sie setzen, sondern weil wir wissen, dass es nicht egal ist, wie man verliert. (…)
    In seiner Regierung wird er zuerst Sozialausgaben kürzen, vor allem die für Gesundheit und Bildung, so hat er es angekündigt. Das wird zu erheblichen sozialen Unruhen führen. Hinzu kommt eine Verkleinerung des Frauenministeriums und anderer Institutionen, die die Rechte von Frauen garantieren. Außerdem steht uns eine schwierige Zeit bevor, mit sehr repressiven Maßnahmen gegen diejenigen, die versuchen, sich zu organisieren oder eine abweichende Meinung gegen diese neu einzuführende Ordnung zu formulieren
    …“ Interview von Ute Löhning vom 10.12.2025 in ND online externer Link mit Vesna Madariaga und Karina Nohales vom feministischen Dachverband »Coordinadora Feminista 8 de Marzo« aus Chile
  • Präsidentschaftswahl in Chile: Die Linke und die extreme Rechte in der Stichwahl, Jara liegt mit 26,7 Prozent vor Kast, den aber die restlichen Bewerber nun unterstützen
    • Linke und Ultrarechter erreichen in Chile die Stichwahl
      Jara liegt mit 26,7 Prozent vor Kast. Rechte Bewerber sagen dem Republikaner Unterstützung für Runde zwei der Präsidentenwahl zu
      Santiago. Bei den Präsidentschaftswahlen in Chile kommt es am 14. Dezember zur Stichwahl zwischen Jeannette Jara und José Antonio Kast. Nach Auszählung von mehr als 70 Prozent der Stimmen kam Jara, Mitglied der Kommunistischen Partei Chiles, die für ein breites Linksbündnis kandidierte, auf 26,7 Prozent. Kast von der Republikanischen Partei, der zur Ultrarechten des Landes gezählt wird, kam auf 24,2 Prozent.
      Auf Platz drei folgt mit deutlichem Abstand mit rund 19 Prozent Franco Parisi von der Partido de la Gente. Parisi wird von verschiedenen Medien als „Populist“ bezeichnet und versuchte sich als Alternative zum linken wie rechten Parteienspektrum darzustellen.
      Auf Platz vier und fünf kamen weitere Kandidaten der Rechten. Auf Platz vier steht aktuell Johannes Kaiser von der Nationalen Libertären Partei mit 13,9 Prozent, dicht gefolgt von Evelyn Matthei von der Unión Demócrata Independiente mit 12,9 Prozent. Matthei wird zur klassischen Rechten Chiles gezählt. Matthei und Kaiser erkannten ihre Niederlage bereits an und sprachen sich beide für eine Unterstützung des rechten Kandidaten Kast aus
      …“ Beitrag von Thorben Austen vom 17.11.2025 in amerika21 externer Link
    • Präsidentschaftswahl in Chile: Die Linke und die extreme Rechte in der Stichwahl
      Bei der Wahl in Chile hat die linke Kandidatin Jeannette Jara die meisten Stimmen erhalten. Ob sie sich in der nächsten Runde durchsetzt, ist fraglich. (…)
      Nach Auszählung fast aller Stimmen kommt die ehemalige Arbeitsministerin des amtierenden Präsidenten Gabriel Boric auf 27 Prozent der Stimmen, dicht gefolgt von José Antonio Kast mit 24 Prozent. An dritter Stelle steht die Überraschung des Tages: Der Rechtspopulist Franco Parisi erhielt fast 20 Prozent und überholte damit den Rechtslibertären Johannes Kaiser, der dem argentinischen Präsidenten Javier Milei nahesteht. (…)
      Um mit einer guten Basis in die Stichwahl zu ziehen, hätte Jara mehr als 30 Prozent der Stimmen erzielen müssen – was in etwa den Zustimmungswerten von Präsident Gabriel Boric entspricht. Die 23-jährige Studentin Millaray Saez macht sich Sorgen. „Ich habe Angst vor José Antonio Kast. Er ist eine Gefahr für Chile“, sagt sie. Die Studentin befürchtet, dass Kast, falls er die Stichwahl gewinnen sollte, autoritär regieren und Frauenrechte abschaffen wird. (…)
      Obwohl Jara bei diesem ersten Wahldurchgang die meisten Stimmen erhielt, kamen die rechten Kan­di­da­t*in­nen Kast, Kaiser und Matthei zusammen auf 51 Prozent der Stimmen, was Kast für die Stichwahl starkmacht. Rechnet man die Unterstützung von Franco Parisi dazu, wären es sogar 70 Prozent. Aber es ist unklar, wie sich seine Wählerschaft in der Stichwahl orientieren wird
      …“ Artikel von Sophia Boddenberg vom 17.11.2025 in der taz online externer Link
  • Wahlen in Chile
    Weiter aus dem Artikel von Matías Caciabue und Paula Gimenez am 15. November 2025 in der Übersetzung von Hans Weber bei amerika21 externer Link : „… Um den bevorstehenden Wahlkampf analysieren zu können, müssen wir zunächst einige Ereignisse der jüngeren Vergangenheit erwähnen. Der von Studierenden in der U-Bahn von Santiago ausgelöste Massenaufstand brachte Arbeiter, Feministinnen, indigene Völker und verschuldete Mittelschicht zu einer beispiellosen Volksbewegung zusammen. Das „Abkommen für den sozialen Frieden und eine neue Verfassung“ verlagerte diese Kraft jedoch von der Straße auf die institutionelle Ebene und verwandelte den Aufstand in einen kontrollierten Prozess. Der anschließende Verfassungsgebungsprozess wurde trotz der anfänglichen Begeisterung und des Sieges der Befürworter im Jahr 2020 schließlich eingestellt. Der Entwurf für eine neue Verfassung wurde im Referendum von 2022 abgelehnt, und der von der Rechten dominierte Verfassungsrat gab die Initiative an den konservativen Block zurück. Innerhalb weniger Jahre verwandelte sich der transformative Elan in Frustration und offenbarte die Grenzen eines Übergangs, der weiterhin durch die Verfassung von 1980 blockiert wird. Doch der Aufbruch von 2019 hinterließ einen bleibenden Eindruck: die Gewissheit, dass eine von der Mehrheit getragene soziale Organisation von unten die neoliberale Hegemonie herausfordern und einen neuen Horizont der Gerechtigkeit und Würde eröffnen kann. (…)
    Die Kandidatin für das chilenische Präsidentenamt, Jeannette Jara, verkörpert die Chance, den durch den sozialen Volksaufstand geöffneten Pfad wieder aufzunehmen. In ihrem Programm „Un Chile que Cumple“ (Ein Chile, das hält, was es verspricht) schlägt sie vor, die Arbeitsrechte und Löhne zu stärken, Fortschritte in Richtung einer universellen Gesundheitsversorgung und Bildung zu erzielen, angemessene Renten und Wohnraum zu garantieren, Innovation, saubere Energien und KMU zu fördern, die Umwelt zu schützen, den Staat zu dezentralisieren und Transparenz zu fördern. Dazu gehören auch präventive Maßnahmen zur Sicherheit der Bürger, Polizeireformen mit Schwerpunkt auf Menschenrechten sowie eine feministische Perspektive, die auf Gleichberechtigung und die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen abzielt. (…)
    José Antonio Kast hingegen setzt auf die Wiederherstellung der neoliberalen Ordnung mit autoritärem Gesicht. (…) Sein Vorschlag umfasst die Militarisierung der Grenzen, Steuersenkungen für Großunternehmen und eine Verschärfung der Strafpolitik. Er wiederholt die Formel der „harten Hand“ und des „Minimalstaates“, die in Lateinamerika zu Unterdrückung und Konzentration des Reichtums geführt hat. Kast versucht, aus der Enttäuschung über Boric Kapital zu schlagen, aber seine Agenda ist um ein halbes Jahrhundert rückständig: Er kriminalisiert Proteste, leugnet den Klimawandel und fördert Ausgrenzung. Es ist kein Zufall, dass Wirtschaft und Medien ihn als Garant für „Stabilität“ darstellen, in einem Land, in dem Stabilität gleichbedeutend mit der Aufrechterhaltung von Ungleichheit ist. Um zu gewinnen, muss ein Kandidat mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen erhalten. Wird diese Hürde nicht erreicht, findet einen Monat später, am 14. Dezember, eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen statt. (…)
    Chile wird entscheiden, ob die jüngste Geschichte zu einem Ende oder zu einem Neuanfang wird. Zwischen Jara und Kast wird nicht nur ein Präsident gewählt, sondern auch die Art von Gesellschaft, die die lange neoliberale Nacht überstehen wird.“
  • Chile: Schicksalswahl. Bei den kommenden Präsidentschaftswahlen tritt die kommunistische Kandidatin Jeannette Jara gegen drei rechte bis rechtsextreme Kandidat:innen an
    „Am 16. November findet in Chile die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt. Auch die Abgeordnetenkammer und die Hälfte der Senatssitze stehen zur Wahl. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass von den acht Präsidentschaftskandidat:innen Jeannette Jara, die Vertreterin der Linken und des Progressismus, als Erste in die Stichwahl kommen wird. Noch ist unklar, welcher der drei Kandidaten der Rechten und der extremen Rechten den zweiten Platz belegen wird. Sicher ist aber schon jetzt, dass es eine Stichwahl geben und die linke Kandidatin wahrscheinlich gegen einen der Anführer der extremen Rechten antreten wird. Um zu verstehen, worum es bei dieser Wahl geht, muss etwas ausgeholt werden. Zunächst einmal müssen wir uns daran erinnern, dass der politische Prozess in Chile in den letzten Jahren durch erhebliche Umbrüche geprägt war. Es waren die sozialen Aufstände von 2019, der estallido social, die diese Phase zunächst einleiteten, in einen Prozess für eine neue Verfassung mündeten und in einer schweren Niederlage des anti-neoliberalen Verfassungsentwurfs von 2022 kulminierten, der von ökologischen und feministischen sozialen Bewegungen, Vertreter:innen indigener Völker und linken Kräften ausgearbeitet worden war. Diese vernichtende Niederlage hatte enorme politische Konsequenzen. Einerseits wurde die seit 2022 amtierende Regierung von Gabriel Boric, die auf die Verabschiedung des Verfassungstextes gewartet hatte, um die in ihrem Programm enthaltenen Strukturreformen voranzutreiben, stark geschwächt. Gleichzeitig gerieten die sozialen Bewegungen, die die Verfassungsgebende Versammlung angeführt hatten, in einen Zustand der Frustration und des Rückzugs. Auf der anderen Seite fanden die Rechte und die extreme Rechte neuen Schwung und entwickelten eine Politik der konservativen Restauration gegen alle im Verfassungsprozess verteidigten Anliegen, insbesondere gegen den Feminismus. Die kommende Wahl findet also vor dem Hintergrund jener Niederlage und ihrer negativen Folgen statt, aber auch mit den Erkenntnissen und Lehren, die wir daraus ziehen konnten. (…)
    In diesem Zusammenhang sehen wir uns als Linke und Progressive an der Macht mit einer Reihe von Problemen konfrontiert, die zu einem Konflikt zwischen der Forderung nach einem harten Durchgreifen, die von einem Großteil der Bevölkerung getragen wird, und einer Politik führen, deren Auswirkungen von den Bürger:innen nicht sofort erkannt werden. Während die Regierung also Mittel in die Verbesserung der polizeilichen und ermittlungstechnischen Kapazitäten zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität investiert hat, nutzt die Rechte die Ängste der Menschen aus und verspricht radikale Maßnahmen à la Bukele, der wegen seines Krieges gegen die Maras in El Salvador einer der international am meisten geschätzten Politiker im populären Lager ist. Angesichts dieser Umstände und in Anbetracht der Tatsache, dass die Lage für die Kandidatin der Linken und Progressiven besonders schwierig ist, muss dennoch darauf hingewiesen werden, dass der Präsidentschaftswahlkampf offen ist und dass die Aussichten von Jara weiterhin wachsen können. Dafür wird das Ergebnis der ersten Wahlrunde sehr wichtig sein, denn je größer ihr Vorsprung gegenüber ihren Konkurrenten sein wird, desto mehr wird sie sich als starke Kandidatin etablieren können, die in der Lage ist, die Rechte zu besiegen. Das Ergebnis der Parlamentswahlen wird ebenfalls ein wichtiger Indikator sein. Ebenfalls dürfen wir nicht vergessen, dass die extreme Rechte 2021 von Gabriel Boric besiegt wurde und dass der zweite Verfassungsentwurf, 2023 von der Partei von José Antonio Kast ausgearbeitet, mit überwältigender Mehrheit abgelehnt wurde. Diese Vorgeschichte, zusammen mit dem breiten politischen Bündnis, das sie unterstützt, und den Fähigkeiten von Jeannette Jara selbst, die sich als großartige Kandidatin erwiesen hat, lassen auch die Hoffnung zu, dass wir am 14. Dezember feiern können: Es besteht die reale Möglichkeit, dass das chilenische Volk erneut Nein zur extremen Rechten sagen wird und wir die erste kommunistische Präsidentin in der Geschichte unseres Landes haben werden. Wenn die Linke und die Progressiven ihre Arbeit gut machen, können wir das schaffen.“
    Beitrag von Pierina Ferretti vom 12. November 2025 bei medico international externer Link
  • Auch Chile kippt nach rechts
    Am Sonntag wird in dem Andenstaat gewählt. Die extreme Rechte macht Migration für alle Probleme des Landes und seiner Menschen verantwortlich, und gewinnt damit wohl…“ Artikel von Klaus Ehringfeld vom 15.11.2025 in der FR online externer Link

Siehe auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=231996
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