- Automobilindustrie
- Bauindustrie und Handwerk
- Chemische Industrie
- Elektro- und Metall(-Zulieferer)
- Elektrotechnik
- Energiewirtschaft (und -politik)
- Fahrzeugbau (Vom Fahrrad, über Trecker bis zum Flugzeug)
- Gewerkschaften als Arbeitgeber
- Holz, Papier, Glas und Kunststoffe
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- Transportwesen: Bahn
- Transportwesen: Hafen, Schiffe und Werften
- Transportwesen: Luftverkehr
- Transportwesen: Post- und Paketdienste
- Transportwesen: Speditionen und Logistik
- Wachdienste und Sicherheitsgewerbe
Angriffe auf die Freiheit der Wissenschaft: Nicht nur AfD hetzt gegen Hochschulen
Dossier
„Die AfD Sachsen-Anhalt fragt gezielt nach Listen postkolonialer Seminare und Lehrstühle. Wie die Universitäten beginnen, sich gegen die Angriffe zu wappnen. (…) So forderte der AfD-Fraktionsvorsitzende Oliver Kirchner zuletzt unter dem Titel „Wissenschaft statt Manipulation – Genderpolitik an Hochschulen einstellen“, in Forschung und Lehre „keine Aktivitäten mehr stattfinden zu lassen, die […] das tradierte Verhältnis der Geschlechter verunsichern“. Lehrstellen seien umzuschichten und zu streichen. (…) Die Anfrage liest sich, als arbeite man bei der AfD schon an einer Feindesliste (…) „Ich war schockiert über Kollegen, die Listen mit Namen und Projekten durchgegeben hatten – anstatt sich souverän hinzustellen und diesen Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit abperlen zu lassen.“ (…) Nach der Anfrage habe das Rektorat eine Kommission gegründet, um die Universität resilienter gegenüber wissenschaftsfeindlichen Angriffen zu machen…“ Umfangreicher Artikel von Gareth Joswig vom 14.10.2025 in der taz online
(„Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft„) – auch über Hochschule Merseburg, die auskunftsfreudiger war… Siehe mehr dazu und Hintergründe:
- Studie der Otto-Brenner-Stiftung: Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Hochschulen

„Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Hochschulen haben in Deutschland eine lange Geschichte. Gerade die Perspektive Betroffener spielt in der wissenschaftlichen und öffentlichen Auseinandersetzung bisher jedoch kaum eine Rolle. Das OBS-Arbeitspapier 83 zeigt: Betroffene im Wissenschaftsbetrieb sehen sich in der Konfrontation mit extrem rechten Vorkommnissen oftmals alleine gelassen und strukturelle Rahmenbedingungen erschweren eine routinierte institutionelle und organisationale Reaktion.“ Hinweis auf das OBS-Arbeitspapier 83 von Christoph Haker, Lukas Otterspeer vom Dezember 2025
zur 140-seitigen Langfassung
und zur 4-seitigen Kurzfassung der Studie
- Studie zu Rechtsradikalen an Hochschulen: Die Sprachlosigkeit der Universitäten
„Institutionelle Sprachlosigkeit und Vereinzelung prägen den Umgang mit rechtsextreen Vorfällen. An Unis sind Betroffene häufig auf sich allein gestellt
Rassistische Parolen in Vorlesungen, Hakenkreuze auf dem Unicampus
oder gar ein Nazi als Professor. Rechtsextremismus an Hochschulen kennt viele Erscheinungsformen. Die meisten Universitäten positionieren sich in Leitlinien gegen Diskriminierung. Doch im Umgang mit extrem rechten Vorfällen sind Betroffene häufig auf sich allein gestellt, wie die neue Studie „Rechtspopulismus und Rechtsextremismus an Hochschulen“ der Otto-Brenner-Stiftung zeigt. Auf Grundlage von Interviews mit Studierenden und wissenschaftlichem Personal stellen die Autoren Lukas Otterspeer (Erziehungswissenschaftler) und Christoph Haker (Soziologe) unter anderem eine „organisierte Vereinzelung“ fest. Das heißt: Ob und wie auf rechtsextreme Vorfälle reagiert wird, hängt oft vom Engagement und den Fähigkeiten Einzelner ab. Einen Grund dafür sehen die beiden Autoren darin, dass Hochschulen kaum Strukturen für einen kollektiven Umgang mit Rechtsextremismus bereitstellen. Neutralitätsansprüche in Hochschulen würden diese Tendenz zudem befördern. (…) Zwischen der Selbstbeschreibung von Hochschulen und der Realität klaffe (…) ein Bruch, sagt Studienautor Haker im Gespräch mit der taz. (…) Schon ein einzelner rechter Fall an Universitäten kann drastische Auswirkungen auf die Sicherheit und das Wohlbefinden vieler haben. Besonders deutlich wird das etwa am Beispiel des inzwischen verurteilten Rechtsterroristen Franco A.
(…) Otterspeer und Haker sehen jedoch vor allem die Universitäten in der Verantwortung, etwas zu ändern. In ihrer Studie plädieren die beiden Autoren deshalb für eine „Diversifizierung“ der Hochschulen. So müssten etwa Perspektiven der Betroffenen stärker anerkannt werden und es müsste ihnen in Hochschulen solidarisch begegnet werden. Zudem müsse es „klare Ansprechpartner für Betroffene von Rechtsextremismus geben“, sagt Haker. Diese müssten parteiisch sein, „und in der Lage, die Perspektive von Betroffenen einzunehmen“. Mit Blick auf die konstatierte Sprachlosigkeit bedeute dies, dass Universitäten etwa Fortbildungsangebote für das wissenschaftliche und administrative Personal anbieten. „Hochschulen müssen Rechtsextremismus proaktiv zum Thema machen“, so Haker.“ Artikel von Nicolai Kary vom 7. Januar 2026 in der taz online 
- Aus der Kurzfassung des OBS-Arbeitspapier 83
: „… Die systematische Aufarbeitung bisheriger Forschung zu Rechtspopulismus/-extremismus in Hochschulen verdeutlicht die Kontinuität dieses Phänomens von der Weimarer Republik über die nationalsozialistische Herrschaft bis zur Bundesrepublik Deutschland. Trotz dieser langen „Tradition“ der Wechselbeziehung zwischen Wissenschaft und extremer Rechter weist der Forschungsstand einige Leerstellen auf. Mit Blick auf die Zeit nach 1945 wird beispielsweise deutlich, dass eine selbstkritische Auseinandersetzung mit Kontinuitäten aus dem Nationalsozialismus in vielen Fachbereichen blockiert war und eine entsprechende Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen ist. Insbesondere ist jedoch die Wirkung von Rechtspopulismus/-extremismus in Hochschulen, etwa über eine Auseinandersetzung mit der Perspektive von Betroffenen extrem rechter Handlungen, kaum erforscht – eine Lücke, die die vorliegende Arbeit in ihrem empirischen Teil adressiert. (…)
In der empirischen Auseinandersetzung mit der Betroffenenperspektive zeigt sich Rechtspopulismus/-extremismus als widersprüchlich: Während extrem rechte Akteur*innen Wissenschaftlichkeit für sich reklamieren, zeigt sich zugleich Wissenschaftsfeindlichkeit, wenn es etwa zu Diskriminierung, Bedrohungen und Gewalt kommt. Auch sehen sich Betroffene in der Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus/-extremismus in Hochschulen mit dem „Paradox der Toleranz“ konfrontiert. Das hohe Gut der Toleranz wird ausgenutzt, um intolerante Positionen bzw. Verhaltensweisen gegen Kritik zu immunisieren. Schließlich forcieren Rechtsextremist*innen/-populist*innen eine Täter*innen-Opfer-Umkehr: Wer sie kritisiert, so die Argumentation, ist der eigentliche Totengräber des offenen Wissenschaftsdiskurses. (…) Die untersuchten Reaktionen auf extrem rechte Ereignisse im Wissenschaftsbetrieb haben gemeinsam, dass sie auf eine interne Diversifizierung der Hochschulen zielen – verstanden als Prozess der Öffnung und Vervielfältigung von Perspektiven. (…)
Diversifizierung hinsichtlich organisierter Vereinzelung zeigt sich beispielsweise, wenn Betroffenenperspektiven in Hochschulen anerkannt werden und ihnen solidarisch begegnet wird. Konkret kann dies auf der Ebene von Seminaren bedeuten, dass Dozent*innen fachspezifische Auseinandersetzungen zum Beispiel mit Antisemitismus und Rassismus initiieren, einen „Code of Conduct“ für die jeweilige Lehrveranstaltung erarbeiten oder die eigenen didaktischen Settings mit dem Ziel reflektieren, extrem rechten Studierenden nicht zu viel Redezeit einzuräumen und Abhängigkeiten von Studierenden – zum Beispiel in Gruppenarbeiten – vorzubeugen. Studierende wiederum können sich (hochschul)öffentlich gegen konkrete extrem rechte Umtriebe von Dozent*innen und Kommiliton*innen positionieren, damit ihre Perspektive in die Auseinandersetzung an der Hochschule einbringen und sich dafür einsetzen, in der Wahl von Veranstaltungen einen gewissen Spielraum zu haben – um zum Beispiel extrem rechte Dozent*innen zu umgehen. (…)
Die vorliegende Studie (…) stellt eine spezifische Form der Betroffenheit fest, die sich als institutionalisierte Sprachlosigkeit und organisierte Vereinzelung beschreiben lässt. Diese wird sich nur durch einen Prozess der Öffnung und Vervielfältigung von Perspektiven überwinden lassen.“
- Studie zu Rechtsradikalen an Hochschulen: Die Sprachlosigkeit der Universitäten
- Internationale Antifaschistische Bildungsvereinigung (IAdE) in Spanien gegründet
- „Die Internationale Antifaschistische Bildungsvereinigung (IAdE) ist ein globales Netzwerk von Menschen, die sich der Lehre, Forschung und Bildungsarbeit widmen und sich für eine öffentliche, demokratische und antifaschistische Bildung einsetzen. Wir fördern kritisches Denken, soziale Gerechtigkeit und das Recht auf emanzipatorische Bildung gegenüber autoritären und neoliberalen Diskursen…“ span. Selbstdarstellung (maschinenübersetzt) auf deren Homepage: http://educacionantifascista.org/

- Gründungsmanifest
„Die Menschheit steht an einem Scheideweg. Das Gespenst des Neofaschismus mit seinem Hass, seiner Intoleranz und seinem Herrschaftsstreben taucht überall auf der Welt wieder mit voller Wucht auf. Angesichts dieser Offensive, die darauf abzielt, zu segregieren, zum Schweigen zu bringen und zu unterwerfen, wird Bildung zum wichtigsten Schlachtfeld. Wir können nicht neutral bleiben. Wir, die wir an Freiheit, Gleichheit und Solidarität glauben, müssen uns organisieren. Aus diesem Grund wurde die Internationale Antifaschistische Bildungsbewegung (IAdE) ins Leben gerufen.
Der Faschismus ist nicht nur eine Ideologie der Vergangenheit: Heute taucht der Neofaschismus wieder auf, getarnt als reaktionärer Populismus, Libertarismus, Rechtsextremismus, der Hass und ausgrenzende Politik fördert und darauf abzielt, die Schule zu einem Ort der Indoktrination, Zensur und Angst zu machen. Angesichts dessen erheben wir unsere Stimme, um zu bekräftigen, dass Bildung ein universelles, emanzipatorisches und zutiefst politisches Recht ist, das auf soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit ausgerichtet sein muss.
Wir kommen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen pädagogischen Traditionen und sozialen Kämpfen zusammen, um ein internationales Netzwerk von Lehrern, Schülern, Familien, Gemeinschaften und sozialen Bewegungen aufzubauen, die sich für die aktive Verteidigung der Demokratie, der Erinnerung und der Menschenwürde einsetzen…“ span. Gründungsmanifest
(maschinenübersetzt) - Siehe auch die Liste der Mitglieder
und das Netzwerk auf bsky
sowie darüber: - Antifaschistische Pädagogik: »Die Jugendlichen sind nicht das Problem, sie sind das Symptom«. Spanischer Pädagoge entwickelte Programm für angehende Lehrer
Im Interview von Carmela Negrete in der jungen Welt vom 20. Dezember 2025
erläutert Enrique Javier Díez Gutierrez Catedrático, Professor für Erziehungswissenschaften an der Universidad de León, Aufbau und Ziele der von ihm ins Leben gerufenen Antifaschistische Bildungsinternationale: „… In gewisser Weise geht es darum, ein klares Zeichen gegen den Aufstieg des Neofaschismus zu setzen und sich für eine eindeutig antifaschistische Bildung einzusetzen. Mit an Bord sind die Gewerkschaft Comisiones Obreras, die staatliche Bildungsföderation und das Kollektiv »Dime+«, ein Kollektiv für Inklusion und Bildungsverbesserung. Auch die Konföderation der Bewegungen für Pädagogische Erneuerung ist dabei. Ebenso die Stiftung NEUS aus Katalonien. Wir befinden uns eher noch im Aufbauprozess, aber es gibt bereits Mitglieder aus Chile, Costa Rica, Mexiko, Brasilien, Venezuela, Spanien oder Argentinien. Bisher war unsere Arbeitssprache Spanisch, aber das heißt ja nicht, dass wir uns nicht noch weiter vernetzen können. (…)
Wir haben uns aus verschiedenen Ländern zusammengeschlossen, aus unterschiedlichen pädagogischen Traditionen und sozialen Kämpfen, um ein internationales Netzwerk von Lehrkräften, Studierenden, Familien, Bildungsgemeinschaften und sozialen Bewegungen aufzubauen, das sich aktiv für die Verteidigung der Demokratie, der Erinnerungskultur und der menschlichen Würde einsetzt. Am Ende geht es darum, Menschen antifaschistisch zu bilden, denn wir sagen immer: Man muss für Inklusion bilden, für Demokratie, für Gleichheit, für Vielfalt – aber immer aus einer antifaschistischen Perspektive. Man kann kein Demokrat sein, ohne antifaschistisch zu sein. Und die Internationale Antifaschistische Bildungsinitiative soll in diesem Sinne ein Kanal sein, um konkrete Personen aus der Bildungsgemeinschaft sowie Kollektive und Organisationen sichtbar zu machen, die durch ihre öffentliche Unterstützung des Gründungsmanifests ihr Engagement für eine eindeutig antifaschistische Bildung zeigen. (…)
Diese Mikroqualifikation in antifaschistischer Pädagogik, die wir anbieten, scheint das zu bestätigen, was Bertolt Brecht sagte: »Unglücklich das Land, das Helden nötig hat« oder auch: »Was sind das für Zeiten, in denen man das Selbstverständlichste erklären muss.« Es gab bereits mehr als doppelt so viele Bewerbungen für diesen Kurs wie Plätze. (…) Es nehmen Lehrende der Universität Yale ebenso teil wie Professorinnen und Professoren der UNAM in Mexiko, von Universitäten in Spanien, der UACM, aus Venezuela und Brasilien. In diesem Bereich ist die Universität León eine Pionierin. (…)
Hier in Spanien sind die Perspektiven meist ganz andere. Tatsächlich sehen wir, dass diejenigen, die an Freiheit, Gleichheit und Solidarität glauben, sich zunehmend organisieren. Deshalb ist die Internationale Antifaschistische Bildungsinitiative entstanden. (…) Aber das Grundproblem ist, dass wir es hier nicht mit faschistischen Jugendlichen zu tun haben, sondern mit einer prekären, frustrierten Jugend, die mit sehr gut gestalteten reaktionären Botschaften bombardiert wird. Wir müssen Räume für Gemeinschaft, Engagement und Populärkultur schaffen. Um dem entgegenzuwirken, reicht die schulische Bildung allein nicht aus – wir brauchen das ganze »Dorf«, um auch nur ein Mitglied zu unterrichten, und das eben über Bildung und öffentliche Pädagogik. Die Jugendlichen sind nicht das Problem, sie sind das Symptom. (…)
US-Präsident Trump hat ja ein Dekret unterzeichnet, in dem Antifaschismus zu einer Form von Terrorismus deklariert wird. Und genau das sehen wir nun auch hier in Europa, dass dieser Diskurs der extremen Rechten übernommen wird. Die Sozialdemokratie spielt dabei eine Rolle und ist eines der Elemente, die den Aufstieg des Neofaschismus begünstigt haben. Man spricht von der »Tragödie der Sozialdemokratie«. Anstatt soziale Politik zu machen, also Politik, die wirklich kohärent mit ihren Programmen ist, hat die Sozialdemokratie den Kapitalismus verwaltet – ob »menschliches Gesicht« oder »dritter Weg«. Tony Blair (ehemals britischer Labour-Parteichef sowie Premierminister von 1997 bis 2007, jW) sagte in seinen letzten Jahren, dass der »dritte Weg« oder die Sozialdemokratie letztlich den ideologischen Rahmen des Neofaschismus übernommen habe. Und die Arbeiterklasse, die sieht, dass die Sozialdemokratie anstatt einen minimalen Sozialstaat aufrechtzuerhalten, diesen in ganz Europa abbaut.“
- „Die Internationale Antifaschistische Bildungsvereinigung (IAdE) ist ein globales Netzwerk von Menschen, die sich der Lehre, Forschung und Bildungsarbeit widmen und sich für eine öffentliche, demokratische und antifaschistische Bildung einsetzen. Wir fördern kritisches Denken, soziale Gerechtigkeit und das Recht auf emanzipatorische Bildung gegenüber autoritären und neoliberalen Diskursen…“ span. Selbstdarstellung (maschinenübersetzt) auf deren Homepage: http://educacionantifascista.org/
- [Ideologischer Machtkampf an Schulen] Kapitalismus steht nicht in der Verfassung.
„Ideologischer Machtkampf an Schulen: Während Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen um ihre Jobs fürchten müssen, drängen Rechtsradikale ins Bildungssystem
Das erste Warnsignal ist fast immer ein Angriff auf die Rechte von Lehrkräften«, sagt Andrew Spar im Interview mit dem Schulportal der Robert-Koch-Stiftung über politische Einflussnahme in der Bildung. Spar ist Lehrer und Präsident der „Florida Education Association“, der größten Lehrergewerkschaft des US-Bundesstaates, und erlebt dort derzeit massive Einschüchterungsversuche. Nicht nur in den USA stellt sich aktuell die Frage: Wie politisch dürfen Lehrerinnen sein? Theoretisch ist die Meinungsäußerung von Lehrkräften in Österreich und Deutschland auf Basis des Beutelsbacher Konsenses folgendermaßen festgelegt: Sie müssen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigen und hinter der Verfassung stehen – ein Neutralitätsgebot gibt es nicht. Mehr noch, Lehrkräfte sind wertegebunden, also dazu verpflichtet, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen. „Die Schule ist immer den Werten des Grundgesetzes verpflichtet. Es ist ihr Auftrag, das Grundgesetz zu schützen“, sagt Benjamin Winkler von der Antonio-Amadeu-Stiftung Sachsen, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzt. Lehrkräfte sollen die freie Meinungsäußerung der Schülerinnen fördern, was auch das Aushalten von Kontroversen bedeutet. Was sie nicht dürfen: ihre Klassen indoktrinieren oder Werbung für Parteien machen. (…)
Einen zumindest indirekten Zusammenhang zwischen Ideologisierung, Machtzuwachs rechter Parteien und verschobenen Diskursen an Schulen beobachtet auch Anne Mehrer vom Kulturbüro Sachsen, das mit interdisziplinärer Arbeit rechtsextremistischen Strukturen eine aktive demokratische Zivilgesellschaft entgegensetzen will. Seit ihrer Gründung 2013 hat die AfD in Sachsen rasant an Zustimmung gewonnen – laut aktuellen Umfragen unterstützen heute rund vierzig Prozent die rechte Partei. (…)
„Grundsätzlich begegnen uns viele engagierte Lehrerinnen, Schulsozialarbeiterinnen und Eltern, die deutlich einen ‚antifaschistischen Grundkonsens‘ verinnerlicht haben, ob in der Stadt oder auf dem Land“, sagt Mehrer. Doch immer wieder scheitere ihr Engagement an strukturellen Problemen wie Finanznot oder Lehrerinnenmangel, an einer Kultur des Wegschauens sowie direkten Anfeindungen. Diese Dynamik beobachtet auch Aktivistin Poettinger: „Viele Lehrkräfte befinden sich in einem Hamsterrad, stehen kurz vor dem Burnout; da liegt es nahe, sich politisch zurückzuhalten, um noch mehr Stress zu vermeiden“, sagt sie. Währenddessen könne man beobachten, dass viele AfD-Politikerinnen Lehrkräfte waren beziehungsweise wieder sein werden. Ob Rechtsextreme tatsächlich massenhaft in Lehrjobs drängen? Amadeu-Stiftungsvertreter Winkler zweifelt daran: „Nach meiner Beobachtung sind dies noch Einzelfälle. Nerling und Höcke dürften die prominentesten, rechtsextremen Ex-Lehrer sein“, sagt er. Dennoch bleibt die Beobachtung, dass sich die Grenze des Sagbaren nach rechts verschiebt und der Druck auf linke Lehrkräfte wächst. Aktivistin Poettinger erklärt das folgendermaßen: „Im Kapitalismus geht es eben denjenigen an den Kragen, die die Eigentumsordnung hinterfragen. Das tun Nazis nicht und Linke schon“, so Poettinger.“ Artikel von Laura Helene May im feministischen Magazin an.schläge vom Dezember 2025
- Handreichung „Umgang mit rechten Anfeindungen gegen die Wissenschaft“
„Seit rund zehn Jahren lassen sich unterschiedliche Formen und Strategien rechtsextremer Raumnahme im universitären Kontext beobachten, mit denen Einfluss auf universitäre Diskurse genommen werden soll. Die Angriffe auf Hochschulen richten sich dabei nicht nur gegen einzelne Personen, sondern zielen auf die Idee einer offenen, kritischen und demokratischen Wissenschaft selbst. Die Handreichung ordnet rechtsextreme Anfeindungen gegen die Wissenschaft demokratietheoretisch ein und präsentiert Handlungsperspektiven aus Sicht der Mobilen Beratung im Kontext Hochschule. Im Anhang finden sich „10 Punkte“, die eine frühzeitige Auseinandersetzung mit (potentiell) bedrohlichen Anfeindungen von rechts erleichtern sollen, wie auch Verweise auf Beratungseinrichtungen und hilfreiche Lektüre.“ Abstract zum Policy Paper von 2025
herausgegeben vom Forschungsverbund GERDEA und Bundesverband Mobile Beratung e. V. - Im Visier der Autokraten: Vom Wert der Wissenschaftsfreiheit
„Es ist eine bittere, aber keineswegs neue Erfahrung, dass die Bedeutung historisch errungener, verfassungsmäßig verbürgter Freiheitsrechte erst in der Krise wirklich deutlich wird, also dann, wenn diese Rechte akut gefährdet sind. Wer hätte auch gedacht, dass die Freiheit der Wissenschaft, die in autoritären und halbdemokratischen Gesellschaften keineswegs gegeben ist, in den Vereinigten Staaten oder der Bundesrepublik zum Angriffsziel von Regierungen werden könnte. Das aber hat sich geändert. In Deutschland ist der Schrecken über die sogenannte Fördergeldaffäre im früheren Forschungsministerium noch präsent, zumal man sich darüber hinaus besorgt fragen muss, was passierte, wenn die AfD eines Tages ein Wissenschaftsministerium übernähme.
Heftig wird auch darüber gestritten, wer an deutschen Universitäten reden darf und ob dies die Wissenschaftsfreiheit oder eher die Meinungsfreiheit betrifft.
Was aber die amerikanische Regierung in den vergangenen Monaten unternommen hat, stellt alles in den Schatten: Von heute auf morgen werden ganze Forschungsinstitute und Wissenschaftsorganisationen geschlossen und selbst Projekte jäh abgebrochen, die sich lebenswichtiger medizinischer Forschung widmen oder der Erforschung des Klimawandels; tausende Wissenschaftler:innen werden über Nacht auf die Straße gesetzt, politisch missliebigen Universitäten willkürlich Mittel gestrichen oder dieselben zum Gegenstand horrender Klagen (wobei der Vorwurf der Toleranz des Antisemitismus politisch instrumentalisiert wird); kritische Geister dürfen entweder nicht mehr reisen oder nicht einreisen. Oder noch schlimmer: Sie werden inhaftiert und des Landes verwiesen, wenn sie keinen amerikanischen Pass haben. Wer über Diversität, Rassismus oder Geschlechtergerechtigkeit forscht, muss Repressionen befürchten. Ein Klima der Angst breitet sich aus, das zu einem wissenschaftlichen Exodus größeren Ausmaßes führen könnte. (…)
Immerhin werden die Proteste dagegen inzwischen lauter, auch wenn dabei viel Verunsicherung herrscht. Wissenschaftler:innen sind oft zurückhaltende Menschen, die nicht darin geübt sind, auf politische Barrikaden zu klettern. Dort aber, wo Einspruch erhoben wird, wird an erster Stelle die Freiheit der Wissenschaft eingeklagt. Damit aber stellt sich die zentrale Frage: Was genau ist die Freiheit der Wissenschaft, und worin liegt ihre Bedeutung? (…)
Der Academic Freedom Index, veröffentlicht durch die Universitäten Erlangen-Nürnberg und Göteborg, zeigt, dass weltweit nur ein Drittel der Forscher:innen gut geschützt ist. Und diese Freiheit erodiert weiter, wie der aktuelle Index belegt. Die Freiheit der Wissenschaft ist in erster Linie die Freiheit derer, die Wissenschaft betreiben, aber auch die Freiheit aller, die sich mit Wissenschaft auseinandersetzen. Sie hat aber auch Einfluss auf diejenigen, die auf wissenschaftlichen Fortschritt angewiesen sind, also auf uns alle. (…) Wissenschaftler:innen stehen zunehmend im Licht der Öffentlichkeit, vielfach ist ihre Position zu aktuellen Themen gefragt. Das birgt dann besonderes Konfliktpotenzial, wenn die Grenzen zwischen Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit verschwimmen. Beide Grundrechte werden oft gleichgesetzt, sind aber gegeneinander abzugrenzen: Die Meinungsfreiheit schließt alle möglichen, auch irrationale Äußerungen ein, die Wissenschaftsfreiheit hingegen ist eine Freiheit der und zur methodisch geleiteten Rationalität. Daher ihre Zielgerichtetheit. Wissenschaft ist die Suche nach Wahrheit und dieser verpflichtet. (…)
Wenn man von Wissenschaftsfreiheit spricht, darf die zunehmende Privatisierung der Forschung nicht außer Acht gelassen werden. (…) Die Privatisierung kann zu einer Oligopolisierung des Wissens führen, was aus demokratiepolitischer Sicht bedenklich ist – insbesondere, wenn vorhandenes Wissen nicht zugänglich gemacht wird oder wenn es aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen kein Interesse an wichtigem Wissen gibt. Eine weitere Problematik stellt der strategische Wissenschaftsskeptizismus dar. Dabei werden wissenschaftliche Erkenntnisse öffentlich infrage gestellt, um Partikularinteressen zu wahren. Die erste Variante ist der bewusst gesäte Zweifel. (…) Die zweite Variante ist die strategische Forschung, wobei Organisationen wissenschaftliche Forschung in Zweifel ziehen, indem sie selbst gegenteilige Forschung in Auftrag geben. (…) Eine weitere Quelle der Beschränkung wissenschaftlicher Freiheit sind gesellschaftliche Bewegungen, die sich massiv gegen bestimmte Forschungsrichtungen wenden. (…)
Solche Entwicklungen sind dort, wo sie sich verdichten und über Einzelfälle hinausgehen, ernsthafte Bedrohungen für die Freiheit von Forschung und Lehre. (…) In der politischen Öffentlichkeit haben Wissenschaftler:innen nur als Expert:innen auf ihrem Feld eine besondere Autorität, aber sie sind keine politischen oder moralischen Wahrheitsbesitzer, wie Peter Strohschneider in seiner Kritik des „autoritären Szientismus“ hervorhebt. Wo Wissenschaftler:innen dagegen politisch-moralisch sprechen, agieren sie als Intellektuelle, und als solche können sie Meinungsfreiheit beanspruchen, nicht primär Wissenschaftsfreiheit. Letztere können und müssen sie aber immer dort einfordern, wo es um die Praxis der Wissenschaft selbst geht. Deren Freiheit ist mit demokratischer Freiheit insofern verwandt, als beide auf eine gemeinsame Wurzel zurückgehen: die Freiheit zu rationaler Selbstbestimmung und die Freiheit von ideologischer Beherrschung. Diese für unsere Demokratie so zentralen Freiheiten stehen durch den Aufstieg der Autokraten jedoch massiv unter Druck und müssen umso mehr mit aller Entschiedenheit verteidigt werden.“ Artikel von Rainer Forst und Klement Tockner in den »Blättern« 10/2025
, sehe auch:
Siehe zum Thema:
- die Allianz kritische und solidarische Wissenschaft
(Krisol) - Henry Giroux: „Zu behaupten, dass Bildung neutral sein muss, bedeutet, dass niemand dafür Rechenschaft ablegen muss.“
„Ein Interview mit dem Begründer der kritischen Pädagogik Henry Giroux über den Sinn der Bildung, den Verdacht gegenüber Neutralität, die neoliberale Ideologie und die Tatsache, dass die derzeitige Unsicherheit ein Motor sein kann, um umzudenken und neue Möglichkeiten zu schaffen…“ Text und Video des (span.) Interviews von João França vom 02 julio 2019
in Centre de Cultura Contemporània de Barcelona
Siehe auch im LabourNet:
- Dossier: Politische Bildung in Schule und Wissenschaft – unter vermeintlichem Neutralitätsgebot
- Dossier: Brandbrief von Lehrkräften über Rechtsextremismus an der Schule: Oft verharmlost und kein Einzelfall, nicht nur in Brandenburg
- 2025: Angriffe auf Geschlechterforschung und Gender Studies richten sich gegen die Wissenschaftsfreiheit
- 2025: Die Bundesregierung streicht die Forschungsförderung zusammen: Akademische Austerität und Drittmittel-Herrschaft
- Von 2020: Die „unternehmerische“ Hochschule – weg vom humboldtschen Bildungsideal hin zum hayekschen Glauben an die Überlegenheit der Markt- und Wettbewerbssteuerung
- zu USA das Dossier: Zu Trumps „Projekt 2025“ gehört die Abschaffung des Bildungsministeriums und der öffentlichen Bildung wie Forschung insgesamt