[Deutsches Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung] Erschöpfte Lehrkräfte leiden unter Gewalt, Personalmangel und mangelder Ausstattung

Dossier

Ausgebrannt. Betriebsräte als Lotsen für Burnout-Betroffene„… Das Verhalten und die Vielfalt ihrer Schüler:innen stellen Lehrkräfte derzeit vor die größten Herausforderungen. Das sind Ergebnisse der aktuellen Befragung des Deutschen Schulbarometers unter Lehrkräften an deutschen Schulen. Fast jede zweite Lehrkraft sieht an der eigenen Schule ein Problem mit psychischer oder physischer Gewalt unter Schüler:innen.Gewalt an der eigenen Schule erhöht das Burnout- und Stressrisiko von Lehrkräften deutlich, wie die Befragung ergab. Mehr als jede dritte Lehrkraft fühlt sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft, das sagen vor allem jüngere und weibliche Lehrkräfte sowie Grundschullehrer:innen. In der Folge sehen mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte in sozialen Kompetenzen wie Empathie und Eigenverantwortung die wichtigsten Fähigkeiten, die Schule heute Kindern und Jugendlichen vermitteln muss, um sie aufs Leben vorzubereiten. Die Vermittlung von gesellschaftlichen Werten wie Toleranz, Respekt und Demokratiefähigkeit hält fast ein weiteres Drittel für zukunftsrelevant…“ Vorstellung der Studie 2014 durch Michael Herm und Claudia Hagen am 24. April 2024 bei der Stiftung externer Link („Jede zweite Lehrkraft beobachtet Gewalt an der eigenen Schule“) und mehr daraus/dazu:

  • Deutsches Schulbarometer Lehrkräfte 2026: Verhalten von Schüler:innen ist die größte Belastung für Lehrkräfte New
    Größte Hürde im Schulalltag: Das Verhalten von Schüler:innen ist für Lehrkräfte laut einer aktuellen repräsentativen Studie der Robert Bosch Stiftung die mit Abstand größte Belastung im Berufsalltag.
    Demokratiebildung mit Hindernissen: Rund jede zweite Lehrkraft wünscht sich mehr Einsatz für Demokratiebildung an ihrer Schule. Viele Lehrer:innen sind unsicher, wie sie im Unterricht mit politischen Meinungen umgehen sollen.
    KI wird zum Alltagswerkzeug: Der regelmäßige Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Lehrerzimmer hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Der Wunsch nach gezielter Unterstützung bleibt weiterhin groß.
    Für Lehrkräfte in Deutschland wird es immer schwieriger, eine gute Lernatmosphäre im Klassenzimmer zu schaffen. Der Umgang mit dem Verhalten ihrer Schüler:innen ist für fast jede zweite Lehrkraft (46 Prozent) die größte berufliche Belastung – ein Wert, der in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist (2024: 35 Prozent; 2025: 42 Prozent). Das ist ein Ergebnis des heute veröffentlichten Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung GmbH. Die aktuelle Befragung unter Lehrkräften folgt auf die im März veröffentlichte Ausgabe, in der Schüler:innen zu Wort kamen.
    Hinter dem Verhalten der Kinder und Jugendlichen steckt den Ergebnissen zufolge mehr als bloße Disziplinlosigkeit. Viele Schüler:innen haben demnach Mühe, sich in eine Gruppe einzufügen (25 Prozent) oder können sich nur schwer zum Lernen motivieren (13 Prozent). Die Lehrkräfte wissen, so die Studie, dass sie zunehmend auch Fähigkeiten fördern müssen, die über reines Fachwissen hinausgehen. Zu diesen überfachlichen Kompetenzen zählen Einfühlungsvermögen, Selbstorganisation oder kritisches Denken. Die Bereitschaft, hier anzusetzen, ist groß: 82 Prozent der Befragten würden sich gerne in genau diesem Bereich weiterbilden. Allerdings fühlt sich mehr als ein Drittel (36 Prozent) dabei auf sich allein gestellt
    …“ Pressemeldung vom 23.06.2026 der Robert Bosch Stiftung externer Link zu Deutsches Schulbarometer Lehrkräfte 2026 externer Link

    • Und darin: „… Demokratiebildung: Zwischen hohem Anspruch und viel Unsicherheit
      Demokratiebildung gehört zu den zentralen Aufgaben von Schule. Viele Lehrkräfte sehen hier jedoch noch Nachholbedarf. Rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) findet, dass ihre Schule in diesem Bereich mehr tun sollte – an Schulen in sozial schwierigen Lagen sind es sogar 54 Prozent. Als Hauptgründe dafür nennen sie fehlende Zeit und zu wenig Fachwissen im Kollegium.
      Erstmals zeigt das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung, wie unsicher Lehrkräfte im Umgang mit politischen Äußerungen sind: Fast jede fünfte Lehrkraft (18 Prozent) fühlt sich durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot gehemmt. Irrtümlicherweise glaubt ein Viertel der Befragten (27 Prozent), die eigene politische Meinung im Unterricht grundsätzlich nicht äußern zu dürfen.
      „Schule ist der Ort, an dem junge Menschen Demokratie nicht nur lernen, sondern auch erleben“, so Dr. Katharina Thoren. „Lehrkräfte müssen hier eine klare Rolle einnehmen können. Ihr Auftrag ist es nicht, neutral zu sein, sondern auf der Grundlage unseres Grundgesetzes Haltung zu zeigen. Dafür brauchen sie Rückendeckung – von Schulleitung, Schulaufsicht und Schulbehörde. Und natürlich auch gutes Lehrmaterial und professionelle Beratung, die ihnen im Alltag weiterhilft.“…“
      Und darüber:
    • Vom Verhalten gestresst
      Kein Bock, Konzentrationsprobleme oder Aggressivität: Fast jede zweite Lehrkraft fühlt sich durch Schüler-Verhalten belastet. Was sind die Ursachen? (…)
      Aus Sicht der Robert Bosch Stiftung, passen die Beobachtungen der Lehrkräfte auch zum Empfinden der Schülerinnen und Schüler. Ein Schulbarometer der Stiftung, bei dem Schülerinnen und Schüler befragt wurden, hatte erst im März einen Anstieg der psychischen Belastungen bei jungen Menschen gezeigt. Das könne sich auf das Verhalten der Schüler auswirken, sagte die Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung, Katharina Thoren. Auch Kriege und Krisen auf der Welt könnten eine Rolle spielen. (…)
      Mögliche Lösung: Mehr Psychologen und Sozialarbeiter
      Fortbildungen alleine reichten aber nicht aus, sagt Katharina Thoren von der Robert Bosch Stiftung. Die Schulen bräuchten dringend multiprofessionelle Teams, also etwa Sozialarbeiter, Schulpsychologen oder IT-Spezialisten. »Damit Lehrkräfte sich wieder voll auf das konzentrieren können, was ihre eigentliche Aufgabe ist: guten Unterricht.«
      …“ Agenturmeldung vom 23.06.2026 in ND online externer Link
  • [GEW] Deutsches Schulbarometer 2024: Schulen und Lehrkräfte stärker unterstützen!
    Ein Drittel der Lehrkräfte und Schulleitungen fühlt sich mehrmals in der Woche erschöpft. Das ist ein Ergebnis des „Deutschen Schulbarometers 2024“. Die GEW fordert mehr Unterstützung für Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler.
    Fast jede zweite Lehrkraft sieht an der eigenen Schule ein Problem mit psychischer oder physischer Gewalt unter Schülerinnen und Schülern. Das ist ein Ergebnis der repräsentativen Umfrage „Deutsches Schulbarometer 2024“ im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. Gewalt an der eigenen Schule erhöht demnach das Burnout- und Stressrisiko von Lehrkräften deutlich: Mehr als ein Drittel fühlt sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft, vor allem jüngere und weibliche sowie Lehrkräfte an Grundschulen sind betroffen. Obwohl die Mehrheit der Befragten mit ihrem Beruf zufrieden ist, würde mehr als ein Viertel den Schuldienst verlassen, wenn es die Möglichkeit dazu gebe. Die GEW fordert größere Investitionen in Schulen und mehr Unterstützung für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler.
    „Wir brauchen mehr Geld für Bildung, mehr Entlastung für Lehrkräfte und mehr psychosoziale Begleitung für Lernende“, sagte Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der GEW in Frankfurt am Main. „Der Personalmangel bleibt die Achillesferse des deutschen Schulsystems.“ Um Lehrkräfte im System zu halten und zu entlasten, seien die Senkung der Unterrichtsverpflichtung, eine bessere Begleitung junger Pädagoginnen und Pädagogen in der Berufseinstiegsphase, kleinere Klassen sowie eine deutlich bessere Personalausstattung in den Bereichen Erziehung, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie nötig. „Das ist auch die beste Reaktion auf die offenbar zunehmende Gewalt an Schulen. Der dramatische Personalmangel und die vielfach fehlende psychosoziale Unterstützung führen dazu, dass die präventive Arbeit vor Ort oft nur stark eingeschränkt zu leisten ist“, unterstrich Keller…“ GEW-Pressemitteilung vom 25.04.2024 externer Link und auch:
  • GEW zum Deutschen Schulbarometer: Größere Investitionen in Schulen und mehr Unterstützung für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler dringend nötig!“
    „„Wir brauchen mehr Geld für Bildung, mehr Entlastung für Lehrkräfte und mehr psychosoziale Begleitung für Lernende“, sagte Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Mittwoch in Frankfurt a.M. mit Blick auf die Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung, die heute vorgestellt worden sind. „Der Personalmangel bleibt die Achillesferse des deutschen Schulsystems: Mehr als jede dritte Lehrkraft fühlt sich ständig emotional erschöpft, mehr als ein Viertel der Lehrkräfte überlegt, den Beruf zu wechseln. Beides trifft besonders auf die jüngeren Lehrkräfte zu. Die Lehrkräfte im System zu halten und zu entlasten, ist deshalb das Gebot der Stunde“, betonte Keller. Voraussetzung dafür seien deutlich mehr Zeit im Schulalltag, also die Senkung der Unterrichtsverpflichtung, eine bessere Begleitung junger Pädagoginnen und Pädagogen in der Berufseinstiegsphase, kleinere Klassen sowie eine deutlich bessere Personalausstattung in den Bereichen Erziehung, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie. „Das ist auch die beste Reaktion auf die offenbar zunehmende Gewalt an Schulen. Der dramatische Personalmangel und die vielfach fehlende psychosoziale Unterstützung führen dazu, dass die präventive Arbeit vor Ort oft nur stark eingeschränkt zu leisten ist“, unterstrich Keller. Laut Studie berichteten 47 Prozent der Lehrkräfte von psychischer oder physischer Gewalt unter den Schülerinnen und Schülern…“ GEW-Pressemitteilung vom 24.04.2024 externer Link
  • Gewalt an Schulen nimmt zu – Streit um die Ursachen: Ist die Pandemie schuld? Oder sind es die sozialen Medien?
    „… Die Zahl der Gewalttaten an Schulen hat laut Innenministerium Baden-Württemberg zugenommen: So wurden im vergangenen Jahr 2.545 entsprechende Straftaten gegenüber Schülern und Lehrern im Land erfasst. Im Vorjahr waren es noch 2.243 – eine Zunahme um 13,5 Prozent. Die Zahl der Opfer stieg dabei auf 2.838 im vergangenen Jahr: 141 Lehrkräfte und 2.697 Schülerinnen und Schüler. Im Jahr zuvor waren es noch 2.557 Opfer. Auch liegen die Zahlen deutlich über denen aus dem Jahr 2019 – dem letzten Jahr vor der Pandemie. So wurden damals in Baden-Württemberg 1.975 Fälle von Gewalt an Schulen und 2.330 Opfer erfasst. Im Nachbarland war am Wochenende von einer ähnlichen Entwicklung die Rede: Auch an den Schulen in Rheinland-Pfalz ist die Zahl von Gewalttaten deutlich gestiegen (…). Lag die Zahl der Straftaten mit Waffen oder gefährlichen Werkzeugen in Schulgebäuden oder auf Schulgeländen im Vor-Corona-Jahr 2019 bei 70, so kletterte sie im vergangenen Jahr auf 147. (…) Bei der Frage nach den Gründen für die gestiegene Zahl der Gewalttaten verweist das Kultusministerium auf die Corona-Pandemie. «Als die Schulen geschlossen waren, konnten dort natürlich auch keine Straftaten begangen werden», teilte ein Sprecher mit. «Jetzt pendeln sich die Zahlen wieder auf einem Normalniveau ein.» Das Innenministerium äußert sich nicht zu Gründen für den Anstieg. Im Sicherheitsbericht heißt es lediglich: «Kinder und Jugendliche, welche laut Studien erhöhte Belastungen als Folge der Covid-19-Pandemie nachweisen, bilden mehr als acht von zehn der Tatverdächtigen von Gewalt an Schulen ab.» Eine Sprecherin betonte auch, dass die Bevölkerung stärker sensibilisiert sei und Opfer von Gewaltverbrechen eher Anzeige erstatten würden. (…) Die GEW verweist auch auf eine bundesweite Zunahme von Jugendgewalt und auf eine zunehmende Gewalt über soziale Medien, über Kommunikationsplattformen. Dort gehe es um verbale und psychische Gewalt vor allem zwischen Jugendlichen – aber auch zwischen Schülern und Pädagogen, sagte Landesgeschäftsführer Matthias Schneider. Er bezeichnet den allgemeinen Anstieg der Zahlen als «besorgniserregend». Zudem gebe es sicherlich viel, was nicht an die Öffentlichkeit gerate und die Schulen versuchten, selbst zu regeln. Die GEW fordert Schulsozialarbeit an allen Schulen – auch an Grundschulen. (…) Eine Schulleiterin sieht laut Bericht vielfältige Gründe für die Zunahme psychischer Probleme bei jungen Leuten. „Die virtuellen Welten haben auf jeden Fall etwas damit zu tun“, meint sie. „Und teilweise überforderte Eltern. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.“ Eine andere schildert, dass sie eine zunehmende Respektlosigkeit bei Schülerinnen und Schülern beobachte. „Es gibt ein abnehmendes Tolerieren der Grenzen von anderen.“ Beitrag von und bei New4Teachers vom 23. April 2024 externer Link
  • Jede zweite Lehrkraft beobachtet Gewalt an der eigenen Schule
    Weiter aus der Vorstellung der Studie durch Michael Herm und Claudia Hagen am 24. April 2024 bei der Rober-Bosch-Stiftung externer Link: „… Auch die wachsende Heterogenität ihrer Schülerschaft stellt Lehrkräfte vor Herausforderungen. Auf einen inklusiven Unterricht sehen sich Lehrkräfte nicht gut vorbereitet und fühlen sich auch im schulischen Alltag damit überfordert. Die Hälfte sieht Inklusion eher kritisch. Es zeigt sich aber auch: Je besser Lehrkräfte für einen inklusiven Unterricht qualifiziert werden, desto positiver stehen sie ihm gegenüber. (…) Auf die Frage nach dem dringendsten Handlungsbedarf an der eigenen Schule nennen die Befragten an erster Stelle die Behebung des Personalmangels, dicht gefolgt von Investitionen in marode Schulgebäude und in die technische und digitale Ausstattung. Vor allem Lehrkräfte an Grundschulen sehen im Personalmangel das größte Problem. Die Ergebnisse zeigen aber auch: Trotz der Herausforderungen ist die große Mehrheit der Lehrer:innen mit ihrem Beruf zufrieden. Alarmierend ist jedoch, dass jede vierte Lehrkraft den Schuldienst verlassen würde, wenn sie die Möglichkeit dazu hätte.“

Siehe dazu auch im LabourNet:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=220128
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