Gewerkschaften

Demokratische Lehrergewerkschaft Südafrikas SADTUAm vergangenen Wochenende tagte die erweiterte Leitung der Demokratischen Lehrergewerkschaft Südafrikas SADTU. Deren Vorsitzender  Thobile Ntola war von seiner Funktion suspendiert worden, weil er in der COSATU Auseinandersetzung um den ebenfalls suspendierten Generalsekretär Vavi dessen Partei ergriffen hatte. COSATU Vorsitzender Dlamini nutzte seine Grußadresse um gegen spalterische Bestrebungen in dem Gewerkschaftsbund zu polemisieren und zu unterstreichen, wie kritisch seine Strömung gegenüber dem Wirtschaftsprogramm des ANC doch sei. Während das leitende Gremium der SADTU mehrheitlich die Position unterstützte, dass es wegen Vavis Suspendierung keinen Sonderkongress der COSATU geben muesse, sondern die Fortsetzung eines ganz normalen Disziplinarverfahrens, forderten Aktivisten des Eastern Cape Bezirks die Aufhebung der Suspendierung des eigenen Vorsitzenden, diejenigen aus Kwazulu Natal seine endgültige Absetzung. Der Bericht Sadtu: teaching and politics in a time of division externer Link von Greg Nicolson am 28. Oktober 2013 im Daily Maverick (weiterlesen »)

CosatuNach verschiedenen Versuchen, die Einberufung eines Sonderkongresses des Gewerkschaftsbundes COSATU zu verhindern, unter anderem mit finanziellen Argumenten, wird er nun wohl, wie von 9 der 19 Mitgliedgewerkschaften gefordert, stattfinden – die Auseinandersetzung geht jetzt um die Tagesordnung, obwohl klar ist, dass es vor allem um die Suspendierung des (ANC-kritisch gewordenen) Generalsekretaers Vavi, also um die Haltung zum ANC geht. Der Bericht Cosatu gears up to elect new leadership externer Link von NATASHA MARRIA am 09. Oktober 2013 in BD Live

LabourNet Germany Inside Report Nr. 2 von Helmut Weiss vom September 2013

BRICS-StaatenBrasilien, Russland, Indien und China – und nach seiner „Aufnahme“ in diesen Kreis auch Südafrika, haben schon lange die Bezeichnung BRICS-Staaten, ursprünglich aus der Bankenwelt stammend, für sich übernommen und überschreiben damit ihre vielfältige Zusammenarbeit, die sie zunehmend zu institutionalisieren versuchen. Diese „aufstrebenden Volkswirtschaften“ in all ihrer gesellschaftlichen Unterschiedlichkeit werden in dem vorliegenden Report zusammen betrachtet mit Indonesien und der Türkei – einmal, weil es sich auch bei diesen beiden um ebensolche aufstrebende Ökonomien handelt, und somit die Kontrastierung gesellschaftlicher Verhältnisse vielschichtiger möglich ist, andererseits aber auch, weil es durchaus Überlegungen von Seiten der fünf BRICS Staaten gibt, eventuell ihren Kreis um diese beiden Länder zu erweitern wie es insgesamt die sogenannten Next 11 in – meist spekulativen – Betrachtungen über Chancen für eine multipolare Welt betrifft…
Der Schwerpunkt dieses Reports ist die Rolle der Gewerkschaften in diesem Prozess – die Rolle, die sie real haben ebenso, wie die, die sie anstreben – und welche Debatten und Auseinandersetzungen es darum innerhalb der jeweiligen Gewerkschaftsbewegungen dieser Länder gibt.
Wir danken der Rosa-Luxemburg-StiftungDabei stützen wir uns bei der Erarbeitung einer Analyse vor allem auf zahlreiche Gespräche mit AktivistInnen der Gewerkschaftsbewegung dieser Länder und auch auf entsprechende Dokumente der betreffenden Gewerkschaften und – kritischen – Veröffentlichungen.

Im wesentlichen wollen wir das Thema in drei Abschnitten behandeln: Zuerst einige Anmerkungen und Feststellungen zu diesen Ländern und der Verhältnisse zwischen jeweiliger Regierung und entsprechenden Gewerkschaften, anschließend eine erste Analyse der bisherigen gewerkschaftlichen Schritte und schließlich eine kritische Bewertung dieser Sachlage und Aktivitäten durch linke AktivistInnen je vor Ort.

(Diese Studie ist dankenswerterweise finanziert worden von der Rosa Luxemburg Stiftung) (weiterlesen »)

Cosatu9 von 19 Mitgliedsgewerkschaften haben einen Sonderkongress des Gewerkschaftsbundes COSATU gefordert, um die Problematik der Suspendierung des Generalsekretärs Vavi satzungsgemäß zu diskutieren. Nach Statut muss ein solcher Kongress einberufen werden, wenn mindestens ein Drittel der Mitgliedsgewerkschaften dies fordert. Da auch in Südafrika 9 mehr ist als 7 muss dieser Kongress also stattfinden. Jetzt aber sagt der Vorsitzende, es fehle das Geld für einen solchen Kongress…Der Bericht Bid to sabotage Cosatu congress externer Link von George Matlala und Marianne Merten am 22. September 2013 bei den iol news

CosatuNachdem 9 Einzelgewerkschaften es gefordert haben, muss der Gewerkschaftsbund COSATU einen Sonderkongress durchführen – wegen der Suspendierung des Generalsekretärs Vavi während einer Sondersitzung des Exekutivkomitees. Auf einer Pressekonferenz sagte der amtierende Generalsekretär Bheki Ntshalintshali im November werde klar sein, wann der Sonderkongress stattfinde. Der Sapa – Bericht Cosatu to hold special congress externer Link am 19. September 2013 bei iol news

Die Metallergewerkschaft NUMSA Vor Gericht sollten sich die Einzelgewerkschaften, die sich in der Frage der Suspendierung des Generalsekretärs Vavi gegenüberstehen treffen: Die Metallergewerkschaft NUMSA war diesen Weg gegangen, mit der Begründung einer ganzen Reihe von Satzungsverstößen durch die Mehrheit der Einzelgewerkschaften. Jetzt wurde im allgemeinen Einverständnis erst einmal – vertagt. NUMSA statement on the matters before the courts on the special COSATU CEC externer Link vom 11. September 2013 ist die Stellungnahme der Metallgewerkschaft zu dieser Vertagung – und eine heftige Antwort auf den Vorwurf, Agenten des Imperialismus zu sein, der – wenig überraschend – von der KP Südafrikas indirekt gegen sie erhoben wurde

CosatuDie Suspendierung des Cosatu-Generalsekretärs Vavi schlägt nach wie vor Wellen in der gesamten politischen Landschaft Südafrikas, erst recht naheliegenderweise innerhalb des Gewerkschaftsverbandes selbst. Jetzt hat der Vorstand der South African Municipal Workers` Union in einem Pressestatement diese Suspendierung rundweg abgelehnt. Die Gewerkschaft fordert einen Sonderkongress, der sich nicht nur mit dieser Personalie befassen soll, sondern vor allem mit der Haltung der Gewerkschaftsbewegung zum National Development Plan der Koalitionsregierung, der dringend reformiert werden müsse im Sinne der ArbeiterInnen des Landes, wird in Media statement on cde Zwelinzima Vavi`s suspension and National Development Plan externer Link vom 29. August 2013 unterstrichen (weiterlesen »)

CosatuBlade Nzimande ist Generalsekretär der regierenden KP Südafrikas – und als solcher nahm er jetzt Stellung zu den politischen Auseinandersetzungen innerhalb des Gewerkschaftsbundes Cosatu – in einem Tonfall, der irgendwie bekannt ist. Jede Gewerkschaft, die beabsichtige den Gewerkschaftsbund zu verlassen, sei Teil des Feindes sagt er als Gastredner bei einem Kongress der Polizei- und Gefängniswärtergewerkschaft Popcru. Und wer dies beabsichtige, werde immer auf die Kommunistische Partei als Gegner stoßen, denn die Einheit der Cosatu sei das Allerwichtigste zur Verteidigung der Revolution…Die Meldung der Sapa (hier bei Times Live) Any union leaving Cosatu is ‘part of the enemy': Nzimande externer Link am 22. August 2013

Cosatu…geht die Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Einzelgewerkschaften weiter wie bisher. Die im Laufe des gestrigen Tages veröffentlichte Pressemitteilung des Cosatu – Exekutivkomitees Special Central Executive Committee meeting externer Link vom 15. August 2013 stellt das ganze in relativ dürren Worten als normalen und satzungsgemäßen Vorgang dar, über den nur Mandatsträger die Öffentlichkeit informieren dürften.
Schon die Behauptung, das Komitee haben satzungsgemäß stattgefunden stösst auf Widerspruch: Legitmacy of Cosatu meeting questioned externer Link heisst der kurze Bericht von Govan Whittles am 15. August 2013 bei den Eyewitness News, worin die Fawu (Food and Allied Workers – Nahrungsmittelgewerkschaft) genau die Art der Einberufung des Exekutivkomitees als nicht satzungsgemäß öffentlich kritisiert – Fawu ist zusammen mit der Kommunalgewerkschaft Samwu und den Metallern der NUMSA der wesentliche Block, der hinter Generalsekretär Vavis Absetzung politische Gründe sieht, nämlich dessen zunehmend kritische Haltung zur Regierung, von der Cosatu ja ein Bestandteil ist. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

Nach 10 stündiger Marathon-Sitzung des Exekutivkomitees der COSATU wurde Generalsekretär Zwelenzima Vavi von einer Mehrheit der Teilnehmer “suspendiert”. Die damit vollzogene faktische Absetzung des Sekretärs der seit 1999 im Amt war (und 2012 überredet wurde, wieder zu kandidieren, weil im Falle seines eigentlich von ihm geplanten Rückzuges eine Konfrontationswahl zwischen pro und contra Präsident Zuma Fraktionen befürchtet wurde) ist ein politischer Erfolg für die besonders regierungstreuen Kräfte innerhalb des Gewerkschaftsbundes, angeführt von der – stark angeschlagenen – Bergarbeitergewerkschaft NUM. Der Artikel Saving Zwelinzima Vavi: mission impossible, inglorious conclusion externer Link von Ranjeni Munusam am 15. August 2013 im Daily Maverick fasst die jüngste Entwicklung zusammen und berichtet auch über die diplomatischen Begründungen für den Schritt

Auf der COSATU-Webseite war “am Morgen danach” noch keine Stellungnahme zu finden… (weiterlesen »)

…faktisch jedenfalls, da sie statt 3 nur 2 Tage dauerte. Und die Suspendierung von Generalsekretär Vavi, wie sie von der Bergarbeitergewerkschaft NUM und der Polizeigewerkschaft Popcru vor allem – wegen Korruptionsvorwürfen – betrieben wird, hat nicht stattgefunden. Wie auch die damit verbundene Debatte um den Grad der Opposition, den der Gewerkschaftsbund gegen die Regierung (an der er ja beteiligt ist) einnehmen sollte nicht zu Ende geführt wurde. Vavis Position ist der NUM zu radikal gegen die Regierung, weswegen sie weiterhin aus dem Glashaus mit Korruptionssteinen wirft, die Metallergewerkschaft NUMSA vor allem will die Fortsetzung dieses Kurses – mit Vavi. Die Vavi-Gegner wollten offensichtlich auch keinen Sonderkongress der COSATU, weil sie glauben, keine Mehrheiten zu bekommen – so mutmaßt in dem Artikel “Vavi survives – but storms still ravage Cosatulandexterner Link Autorin Ranjeni Munusamy am 29. Mai 2013 im Daily Maverick

Siehe dazu auch:

  • Statement from the COSATU Central Executive Committee, 27-28 May 2013externer Link die Pressemitteilung der COSATU über die Tagung, worin einerseits die Medienberichte über Spaltungstendenzen als Meinungsmache zurück gewiesen werden, andrerseits eine erweiterte Sondertagung des Exekutivkomitees für den 6. Juni angekündigt wird, bei der es darum gehen soll, die Einheit und Aktionsfähigkeit des Gewerkschaftsbundes zu erhalten

“Noch während Südafrikas Gewerkschaften mit den Minenbossen in Verhandlungen über Massenentlassungen saßen, ist ein Gewerkschafter erschossen wurden. Der regionale Organisator der Gewerkschaft AMCU (Association of Mineworkers and Construction Union) für den Platingürtel in Rustenberg saß am Samstag in einer Fußballkneipe in Photsaneng beim Khomanani-Schacht des Platinförderers Amplats, als vier vermummte Männer eindrangen und auf ihn das Feuer eröffneten. Der 46-jährige Mawethu Khululekile Stevens war sofort tot. Der Mord kam in einer Atmosphäre, in der sich in Südafrika erneut ein massiver Konflikt in der Bergbauindistrie anbahnt. Am Freitag hatte der weltgrößte Platinförderer Anglo American Platinum (Amplats) angekündigt, 6.000 Kumpels in der Region um Rustenburg zu entlassen und vier Schächte zu schließen” – der Beginn des Artikels “Mysteriöser Mord heizt Stimmung anexterner Link von Martina Schwikowski am 14. Mai 2013 in der taz

Siehe dazu auch:

  • Murdered Amcu official received death threatsexterner Link – ein Bericht von der Pressekonferenz des AMCU-Vorsitzenden Joseph Mathunjwa am 13. Mai 2013 bei Times Live, auf der er die Mitgliedschaft zur Ruhe aufruft und betont, ihr Kampf gelte der Organisationsfreiheit
  • No end in sight for Lonmin strikeexterner Link von Molaole Montsho am 14. Mai 2013 im Business Report, worin die erneut streikenden Bergarbeiter bei Lonmin mit ihrem Zorn darüber zitiert werden, dass die Polizei mit Riesenaufgebot ihre Streikversammlung umzingelt “während die Mörder frei herum laufen”

Wenn jemand echte Probleme hat, kommen meist welche, die diese noch vergrößern – wie es dieser Tage bei der NUM, der einst stärksten Einzelgewerkschaft in der COSATU passiert. Offiziell eingestanden hat die Bergarbeitergewerkschaft, dass sie im letzten Jahr 11% ihrer Mitgliedschaft (einst 320.000 von etwas über einer halben Million Beschäftigten) verloren hat – in zahlreichen Artikeln usw wird von rund der doppelten Zahl ausgegangen. Jetzt kommen sowohl die Deals mit den Bergbaufirmen, die zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre bezahlen, als auch mit der gewerkschaftseigenen Investmentfirma ins Licht. Für beides gibt es Argumente: Die Bezahlung der Gewerkschafter durch die Unternehmen ist auch in anderen Ländern normal – allerdings handelt es sich dabei in der Regel um die Fortzahlung des bisherigen Lohns, was eine Sicherung gewerkschaftlicher Tätigkeit gegen Repression des Unternehmens bedeutet – so war auch in Südafrika die Idee entstanden. Der bei einem südafrikanischen Bergarbeiter im Durchschnitt bei 65.000 Rand/Jahr liegt. Generalsekretär Baleni verdient 1,4 Millionen Rand im Jahr, plus 400.000 als Vorstandsmitglied der Entwicklungsbank. Der Investmentfonds sollte dazu dienen, Bergarbeiterkindern eine bessere Schulbildung zu ermöglichen – was er auch, aber eben eher am Rande, tat: Etwa 40 Uni-Abschlüsse pro Jahr. In internen Debatten wurde es mehrheitlich abgelehnt, Fondsgelder zur Schaffung eines Streiksfonds zu verwenden – es wurde weiter investiert, etwa in einen neuen Spielepalast…Der ausführliche Artikel “The Runaway Unionexterner Link von Aman Sethi (den wir hiermit kurz zusammengefasst haben) erschien am 27. April 2013 in The Hindu und fasst eine ganze Reihe südafrikanischer Berichte und Meldungen zusammen.

Siehe dazu auch:

Krise der COSATU?

Der Versuch einiger Gewerkschaftsvorstände – unter anderem und wohl: vor allem – der NUM, den COSATU-Generalsekretär Vavi wegen Korruptionsverdachts der Funktion zu entheben, wird öffentlich zunehmend als Versuch der entschlossensten Unterstützer der Regierungsallianz mit ANC und KP einer etwas kritischeren, distanzierteren Haltung den Boden zu entziehen. Für Vavi treten vor allem die Metaller der NUMSA ein, die aus einer etwas anderen politischen Tradition kommt als die stark kriselnde Bergarbeitergewerkschaft NUM. Der Artikel “COSATU: a house dividedexterner Link von Benjamin Fogel ist am 12. April 2013 bei Amandla! erschienen und stellt diese Krise in den Zusammenhang mit der Streikbewegungen der letzten Zeit:

Noch während die Farlam-Untersuchungskomission über den Polizeieinsatz in Marikana läuft – und noch länger laufen wird – soll es in den südafrikanischen Bergwerken aller Art keine militanten Auseinandersetzungen mehr geben – und eine Reihe anderer Sicherheitsstandards eingeführt. Dafür soll ein Abkommen geschlossen werden. Nun hat die Gewerkschaft AMCU – einmal mehr im Gegensatz zur NUM – dazu gesagt, darüber müsste die Verhandlungsdelegation zum einen die Mitgliedschaft informieren und zweitens deren Meinung dazu einholen. Was wiederum für die Unternehmen offensichtlich ein ungewohntes Vorgehen ist, denn in den Medien wird danach über die “Kompetenz” der ACMU Vertreter diskutiert. Ganz anders sieht das in dem Artikel “Is AMCU the future of SA labour relations?externer Link Geoff Candy am 22. Februar 2013 im Miningweb – er verweist nicht nur darauf, dass die AMCU meist nicht dort ist wo “man” sie erwartet, sondern bei ihren Mitgliedern. Und unterstreicht, dass die These von der Unerfahrenheit der ACMU Aktivisten, die in diesen Debatten gehandelt wird, insofern fragwürdig sei, als die meisten von ihnen eben langjährige NUM-Aktive seien

Ganz besonders interessant im LabourNet Archiv (1997-2012)

  • Gewerkschaften in Südafrika und darin u.a.:
  • Metallgewerkschaft vertieft Kritik an Regierungskoalition
  • Regionalkongreß der NUMSA: Harsche Kritik an Regierungsparteien
  • Metallgewerkschaft kritisiert Klimagipfel
  • SAMWU: "Als Gewerkschaft kämpfen wir für ein sozialistisches Südafrika"
  • Metallgewerkschaft: Keine Hilfen für Autofirmen ohne Jobgarantie
  • Arbeitskämpfe
  • Kämpfe gegen Privatisierung