Arbeitsbedingungen

Im Transport- und Logistiksektor ist der Beruf des Fernfahrers häufig noch umgeben von einer Aura von Freiheit und Abenteuer (die vermeintliche Unabhängigkeit und Freiheit des Fahrers, die Solidarität unter Fahrern, die Romantik der Straße), die mit dem Alltag der Fahrer_innen nicht viel zu tun hat. 2009 und 2010 haben in Frankreich die Macher des Dokumentarfilms „Temps de conduite“ („Lenkzeiten“), Yann Guillemain und Aurèle Orion, einige von ihnen an ihren Arbeitsplätzen und in ihren Pausenräumen getroffen (in der Firma, in der Raststätte, in der Fahrerkabine) und befragten sie über ihren Alltag. (…) Wir zeigen einen Ausschnitt.” Video bei labournet.tv externer Link (französisch mit dt. UT | 10 min | 2012)

Logo der französischen Gewerkschaft der EnergiewirtschaftSeit 2012 wird am Methanterminal in Dünkirchen gebaut – eines der größten Industrieprojekte der letzten Jahrzehnte in Frankreich. Beendet werden soll der Bau Ende 2015 – und seit anderthalb Jahren kritisieren Gewerkschaften die Arbeitsverhältnisse (die genauso “pharaonisch” seien wie das ganze Projekt) – jetzt beginnt eine öffentliche Debatte darum: Während der bisherigen Bauzeit waren sage und schreibe rund 100 Subunternehmen wechselweise mit den Bauarbeiten befasst, aktuell sind von den 1.200 Bauarbeitern mehr als die Hälfte extra ins Land gebrachte Arbeiter aus Rumänien, Italien und Portugal. Die “Spitze des Eisbergs” ist ein italienisches Bauunternehmen, das Dutzende rumänischer Bauarbeiter beschäftigt – mit 60 Wochenstunden und 300 Euro netto im Monat. Wobei es gesetzliche Bestimmungen gibt, die eine maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden und den Mindestlohn vorschreiben. Die Gewerkschafter der CGT und der CFECGC haben neben Öffentlichkeitsarbeit auch verschiedentlich – vergeblich – die offiziellen Wege eingeschlagen, von der Präfektur bis zur Arbeitsinspektion war nur Untätigkeit das Ergebnis. Das betreibende Unternehmen Dunkerque LNG ist eine Tochterfirma vor allem der EDF, aber auch Total gehört zu den besitzenden Unternehmen. Es darf nichts stören, was sich auch mehrfach daran gezeigt hat, das verunglückte Bauarbeiter blitzschnell nach Hause gebracht wurden. Der Artikel “Bienvenue à Dunkerque, son chantier pharaonique, ses esclave s à 300 euros par mois” von Cyprien Boganda ist am 30. Juli 2015 in der Humanité externer Link erschienen und legt das Schwergewicht auf die völlig “unübersichtliche” Landschaft der Subunternehmen und der daraus entstehenden Arbeitsbedingungen

Vor Lidl Rousset Juni 2015Der 33jährige Yannick Sansonetti aus einem Lidl-Lager in der Nähe von Aix en Provence hatte am 29. Mai Selbstmord begangen (LabourNet Germany berichtete, siehe unten), woraufhin die 120 Beschäftigten aus Empörung beschlossen zu streiken: Empörung, weil so eine Katastrophe für die KollegInnen nicht völlig unerwartet kommt, die ohnehin katastrophalen Arbeitsbedingungen wurden im Zuge der Neuorientierung des Unternehmens immer übler. “Suicide chez Lidl : les salariés dénoncent leurs conditions de travail” heisst der Bericht am 04. Juni 2015 bei Francetv info externer Link, in dem auch Aussagen von anderen Beschäftigten zumindest kurz zitiert werden. Siehe dazu eine ausführlichere Zusammenstellung der Meinungen von Lidl-Beschäftigten und einen Bericht über eine Betriebsvereinbarung: (weiterlesen »)

Lidl-Streik in Frankreich 2014In der Nacht zum Samstag hat ein Lidl-Beschäftigter im Regionallager von Rousset Selbstmord begangen – wie seine KollegInnen meinten, aufgrund des ständig wachsenden Drucks bei der Arbeit. Der 33-jährige arbeitete seit rund 10 Jahren im Betrieb. Ab Donnerstag, 4. Juni will die Belegschaft streiken – gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen, so der kurze Bericht (inklusive Stellungnahme) “Suicide au travail à Lidl” am 02. Juni 2015 bei Solidarité Ouvrière, externer Link worin noch darauf verwiesen wird, dass solcher Druck sich heute in allen Branchen findet. Siehe dazu auch die Stellungnahme der Gewerkschaft: (weiterlesen »)

Dossier

„Loi Macron“ – zwangsweise Sozialpartnerschaft nach Gusto der UnternehmerverbändeDie Wirtschaft muß von Blockaden befreit werden – so ein Credo der sozialdemokratischen Regierung. Nicht nur in Frankreich müssen regierende Sozialdemokraten offensichtlich immer besonders beweisen, wie wirtschaftsfreundlich sie sind – man denke nur an teutonische Hartzianer. Der Herr (Wirtschaftsminister) Macron will nun einen Aufwasch machen: Sonntagsarbeit, Nachtarbeit (alles, absolut alles, selbstverfreilich – nur und ausschliesslich freiwillig), und „Verschlankung“ der Instanzen von Arbeitssicherheit und Mitbestimmung dabei. Der Aufruf „Mobilisation le 26 janvier contre la Loi Macron“ von Solidaires vom 14. Januar 2015 externer Link benennt auch die wesentlichen Punkte eines Gesetzesentwurfs, der heftigen Jubel hervorrief. Beim Unternehmerverband MEDEF. Siehe dazu auch weitere Berichte, Hintergründe und Protest:

  • Am 9. April: Kampftag gegen Loi Macron – mehrere französische Gewerkschaftsverbände rufen dazu auf
    • Der 9. April in Frankreich: Landesweiter Protesttag gegen das Macrongesetz
      Am 9. April: Kampftag gegen Loi Macron in Frankreich“Frankreich: Aktionstag der Gewerkschaften am 09. April 15 gegen Austeritätspolitik” von Bernard Schmid vom 13. April 2015  ist ein erster Bericht vom Aktionstag am Donnerstag vergangener Woche, der so beginnt “Vier Gewerkschaftsdachverbände und -zusammenschlüsse (die CGT, FO, die Union syndicale Solidaires und die Vereinigung von Bildungsgewerkschaften FSU) riefen am vergangenen Donnerstag, den 09. April zusammen zu einem Aktionstag gegen die Austeritätspolitik auf. Ursprünglich geplant war dabei, zwei zentrale Demonstrationen frankreichweit – in Paris und in Marseille – abzuhalten, um durch die Existenz zentraler Mobilisierungsorte eine gewisse, kritische Masse’ an einem Punkt zusammen zu bekommen. Daraufhin wurden allerdings dennoch circa zwanzig regionale Demonstrationen angekündigt, die diesen Plan ein bisschen konterkarierten. Dennoch stand letztendlich die Pariser Vordergrund, von der Teilnehmer/innen/zahl und vom Mobilisierungserfolg her, deutlich im Vordergrund…(weiterlesen »)

Jaja, wir sind alle Charlie, das wissen wir inzwischen. Ob Whistleblower – Einsperrer oder sonstige Garanten der Demokratie für die Reichen. ALDI allerdings etwas weniger. Die Leitung der Aldi – Niederlassung in Dammartin-en-Goële (wo der Polizeieinsatz gegen die Kouachi-Brüder stattfand) fordert von etwa 20 Beschäftigten, die entweder evakuiert worden waren oder aber wegen Absperrung gleich nicht zur Arbeit konnten – dass sie die Zeit nacharbeiten. Hallelujah! Wer muß sich jetzt noch anstrengen um Kommentare über die Verlogenheit zusammenzuschreiben, dank ALDI ist es einfach: Zynismus pur im Sinne guter Geschäfte. Der Artikel „Dammartin-en-Goële : des salariés lésés après leur évacuation lors de l’assaut“ von Rémy Calland am 20. Januar 2015 bei Le Parisien externer Link erfordert wirklich keine weiteren Kommentare. Siehe dazu: (weiterlesen »)

Valls, der zuletzt eine Debatte über die Reform der Arbeitslosenversicherung neu anschubste, rühmt das dänische Modell als gute Vorlage für Sozialdemokraten. Wegen der Mischung zweier Konzepte: große Flexibilität bei den Kündigungsregelungen für die Arbeitgeber bei soliden Sicherheiten für die Arbeitnehmer. Laut Nouvel Observateur sieht das grob so aus: kein Mindestlohn, Kündigungsvereinbarungen wie in Großbritannien und den USA, keine Belastung der Unternehmen durch lange Kündigungsfristen oder -hemnisse, geringe Abfindungssummen. Dem stehe gegenüber, dass Arbeitslose von Jobagenturen individueller, beständiger und strenger betreut würden. Dazu kämen gute Weiterbildungsmöglichkeiten“ – aus dem Beitrag Frankreich: Druck auf Löhne und Kündigungsschutz von Thomas Pany am 28. November 2014 bei telepolis externer Link , wo auch weitere Themen des Wunschzettels der Unternehmerverände behandelt werden

Dossier

  • Les intermittents ont fait exploser le – standard du – MedefProtesttag 1. Oktober
    Der Tenor der Berichterstattung über die Aktionen der Kulturprekären am Mittwoch, 1. Oktober, war in etwa „oha, die sind ja immer noch da“ – nach einer kurzen Zeit geringerer Proteste waren sie am 1. Oktober, dem Datum, an dem einige der zentralen Punkte die Ursache des Kampfes sind, in Kraft traten, wieder quer durchs Land aktiv. Auf der Webseite der Koordination CIP-IDF wurde die Streikchronologie GREVES CONTRE LA CONVENTION ASSURANCE-CHÔMAGE externer Link am 01. Oktober 2014 aktualisiert um Berichte aus zahlreichen Städten Frankreichs. Siehe dazu auch:

Das französische Statistikamt fasst die Entwicklung des Arbeitsmarkts seit dreißig Jahren zusammen: Kürzere Laufzeiten der Arbeitsverträge und immer weniger Chancen auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Artikel von Thomas Pany auf Telepolis vom 17.09.2014 externer Link

Frankreich: Attacken auf ErwerbsloseArbeitsminister Rebsamen ist Fachmann: Er weiss, was von ihm erwartet wird. So hat er bei einem Fernsehinterview 350.000 nicht besetzte Stellen ausgemacht. Von der zuständigen Unedic werden zwar landesweit nur 190.000 angeboten, bei einer Erwerbslosenzahl von insgesamt beinahe 5 Millionen Menschen, aber mit solchen Kleinigkeiten geben sich auch in Frankreich politische Strategen nicht ab. Dazu die Protesterklärung der Erwerbslosen in der CGT Communiqué du Comité National CGT des Privés d’Emploi externer Link vom 02. September 2014 in der diese Stigmatisierung der Erwerbslosen kritisiert wird

Aus Anlaß des Straßentheaterfestivals in Aurillac gab es eine Großdemonstration von mehreren Tausend Menschen, die sich gegen das Erwerbslosenabkommen der Regierung, des Unternehmerverbandes und dreier Gewerkschaftszentralen richtete, das seit dem 1. Juli in Kraft getreten ist – eine Demonstration, mit anschließender Besetzung der Präfektur durch mehrere Hundert AktivistInnen, die, wie es der regionale Sprecher der CGT sagte, keineswegs nur eine Demonstration der streikenden prekären Beschäftigten im Kulturbereich sei, sondern eine aller Beschäftigten und Erwerbslosen. Der Bericht Dans les rues d’Aurillac, scènes de lutte contre la convention Unedic externer Link von Laure Andrillon am 23. August 2014 in Le Monde macht deutlich, dass dies auch so war (weiterlesen »)

Pariser Gericht verweigert Aussetzung des Regelwerks zur Arbeitslosenversicherung durch Erlass einer Einstweiligen Verfügung, lässt aber die Beschwerde der CGT zu und die Tür für die Hauptverhandlung im September d.J. offen.

Artikel von Bernard Schmid, Paris, vom 14.07.2014

Wir hatten es am Freitag, den 11. Juli an dieser Stelle angekündigt: Die CGT hatte vor einem Pariser Gericht das neue Regelwerk, das die Rechte der Arbeitslosen für den Zeitraum 2014-2016 neu bestimmt, attackiert. (weiterlesen »)

Artikel von Bernard Schmid, Paris, 11.07.2014

Die laufende Woche könnte in Frankreich mit einem wichtigen Ereignis zu Ende gehen: Am heutigen Freitag, den 11. Juli wird ein Gericht in Paris entscheiden, ob es das Regelwerk zur Arbeitslosenversicherung für die kommenden beiden Jahre – gültig seit dem 1. Juli 14 – per Einstweilige Verfügung außer Kraft setzt. Es bringt entscheidende Kürzungen für Leiharbeiter/innen, aber auch für prekär arbeitenden Kulturschaffende (intermittents du spectacle) mit sich. Die CGT im Kultursektor hatte ein Gericht gegen die Vereinbarung, die durch einige eher rechte Gewerkschaften unterzeichnet worden war, angerufen. Eine Aussetzung durch eine Einstweilige Verfügung gilt als möglich. (weiterlesen »)

In Frankreich ist die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen hoch. Das nutzen die Firmen aus, indem sie massenhaft Praktikanten als billige Arbeitskräfte missbrauchen. Artikel von Ralf Klingsieck, Paris, im Neues Deutschland vom 25.03.2014 externer Link (weiterlesen »)

„Französische Unternehmer hebeln Arbeitsrecht weiter aus – das Gesetz zur 35-Stunden-Woche ist längst Makulatur. Um Kosten zu senken und die Produktivität zu erhöhen, sollen die Beschäftigten in der französischen STX-Werft pro Tag 20 Minuten mehr arbeiten. Ein Gesetz der Linksregierung macht es möglich…Artikel von Ralf Klingsiek, Paris, im Neues Deutschland vom 27.12.2013 externer Link