DGB-Rentenkommission nimmt Arbeit auf „für eine starke, verlässliche und gerechte Alterssicherung“

Dossier

Seniorenaufstand: Wer garantiert auskömmliche Renten: Generationensolidarität oder Börsenspekulation?„Die Rentenkommission des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hat offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Ziel der Kommission ist es, ein tragfähiges Gesamtkonzept für eine starke, verlässliche und gerechte Alterssicherung zu beraten. Im Mittelpunkt dieser Beratungen steht die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung als solidarische Basis für alle Erwerbstätigen. Zugleich werden Fragen der Finanzierung, eines fairen Renteneintrittsalters, der betrieblichen Altersversorgung sowie sozial abgesicherter Übergänge in den Ruhestand in thematischen Laboren vertieft bearbeitet. Wissenschaft, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft bringen hierzu ihre Expertise ein. Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi sagte nach dem Auftakt: “Mit der heutigen Sitzung ist der Startschuss gefallen. Wir werden in den kommenden Monaten intensiv daran arbeiten, ein schlüssiges und solidarisches Gesamtkonzept mit eigener wie externer Expertise zu reflektieren. Klar ist: Gute Arbeit muss im Alter Sicherheit und Würde garantieren – heute und in Zukunft.” DGB-Pressemitteilung vom 26. Februar 2026 externer Link und ein Dossier externer Link sowie erste Beiträge dazu:

  • DGB-Rentenkommission stellt vor: „Unsere 7 Empfehlungen. Für ein zukunftsfähiges und tragfähiges Alterssicherungssystem“ New
    • DGB-Rentenkommission: So retten wir die Rente: aber gerecht!
      „Die Rentenkommission der Gewerkschaften hat ihr Konzept für eine gerechte Rente vorgelegt. (…) Im Mittelpunkt stehen: 1 . die Sicherung des Lebensstandards im Alter 2. eine flächendeckende betriebliche Altersversorgung (bAV) 3 bessere Übergänge für alle, die es nicht schaffen, bis zur Regelaltersgrenze voll zu arbeiten. Beschäftigte, die ein Leben lang gearbeitet, Kinder großgezogen oder Angehörige gepflegt haben, müssen im Alter ihren erreichten Lebensstandard halten können. Das ist die Richtschnur für alle Empfehlungen der DGB-Rentenkommission. Das Ziel der Gewerkschaften: eine Netto-Versorgung von 70 Prozent des Durchschnittsverdiensts des eigenen Arbeitslebens. Die Kommission empfiehlt daher, das Rentenniveau auf mindestens 50 Prozent und perspektivisch auf 53 Prozent anzuheben. Weitere zentrale Empfehlungen der DGB-Rentenkommission: (…) Eine nachhaltige Altersversorgung braucht eine solidarische Finanzierung. Dazu macht die Kommission eine Reihe von Vorschlägen: Hohe Einkommen, große Vermögen und Kapitalerträge sollen stärker zur Finanzierung gemeinsamer Aufgaben herangezogen werden. Um die Alterung der Gesellschaft zu bewältigen, soll der Bund einen Demografiezuschuss aus Steuermitteln einführen. Eine Finanzierung über Kürzungen bei Sozialleistungen oder höhere Verbrauchssteuern lehnt die Kommission ausdrücklich ab. (…) Alle Arbeitgebenden sollen in die Pflicht genommen werden, ihren Beschäftigten eine betriebliche Altersvorsorge auf tariflicher Basis zu bezahlen. Das Ziel: eine zusätzliche und kapitalgedeckte Versorgung (neben der gesicherten Zusage aus der gesetzlichen Rente), mit der ein Gesamtversorgungsniveau von 70 bis 90 Prozent des letzten Nettoverdienstes erreicht werden kann. (…) Die DGB-Kommission lehnt eine Anhebung des Rentenalters entschieden ab. Sie wäre nichts anderes als ein verdecktes Programm zur Rentenkürzung. Denn: Viele Beschäftigte schaffen es bereits heute nicht bis zur Regelaltersgrenze. Stattdessen fordert die Kommission Brückenlösungen: Öffnung der Altersrente für Schwerbehinderte ab dem 62. Lebensjahr auch für Beschäftigte mit gesundheitlichen Einschränkungen. Einführung einer abschlagsfreien Teilrente für alle, die aus gesundheitlichen Gründen nur noch Teilzeit arbeiten können. Außerdem mehr Prävention, Rehabilitation und Wiedereingliederung.“ Pressemitteilung der IG Metall vom 26. Juni 2026 externer Link
    • Unsere 7 Empfehlungen. Für ein zukunftsfähiges und tragfähiges Alterssicherungssystem für alle Generationen
      Alle Details dazu inklusive der ausführlichen Begründung sind auf der Seite der DGB-Rentenkommission externer Link zu finden
      Schöne Empfehlungen. Doch gegenwärtig wird es wohl nicht mehr reichen bei gewerkschaftlichen Empfehlungen stehen zu bleiben – außer bei der wichtigsten: Ohne deren Verwandlung in Forderungen, die mit Arbeitskampf verbunden werden, wird hier wohl nichts erreicht werden können… Siehe auch:
    • DGB-Rentenkommission: Zaghafte Alternative
      „Der Deutsche Gewerkschaftsbund präsentiert Vorschläge für eine Rentenreform. Die sieht unter anderem die Erhöhung des Rentenniveaus und den Ausbau von Betriebsrenten vor (…)
      Die DGB-Vorschläge sollen eine Alternative aufzeigen. Ausgetüftelt wurden sie von einer zwölfköpfigen Arbeitsgruppe, der unter anderem die Chefin des Gewerkschaftsbundes, Yasmin Fahimi, die VdK-Vorsitzende Verena Bentele und Katja Nebe von der Universität Halle-Wittenberg angehörten. (…)
      Konkret schwebt dem DGB vor, die Firmen zu verpflichten, »eine betriebliche Altersversorgung auf tariflicher Basis für alle Beschäftigten zu gewährleisten«. Die Kapitalseite soll hierfür »zwei Prozent des Bruttolohns zahlen, jedoch nicht weniger als 25 Prozent der monatlichen Bezugsgröße« von aktuell 988,75 Euro im Jahr. Ziel sei es, »neben der gesicherten Zusage aus der gesetzlichen Umlagerente eine zusätzliche und kapitalgedeckte Versorgung anzubieten.« (…)
      Sollten die Firmen nun, wie vom DGB vorgeschlagen, verpflichtet werden, Betriebsrenten anzubieten, stünde zu befürchten, dass insbesondere dort, wo das Modell schon heute nicht funktioniert, im Gegenzug die Löhne gedrückt werden. Zugleich bliebe der Kapitalseite die Möglichkeit, den Beschäftigten möglichst unattraktive Modelle zu offerieren, so dass lediglich Ansprüche auf marginale Zusatzbezüge erworben werden könnten.
      Darüber hinaus setzen die Gewerkschaftsexperten darauf, die Beitragsbasis zu erweitern: Hohe Einkommen, Vermögen und Kapitalerträge sollen stärker zur Finanzierung gemeinschaftlicher Aufgaben herangezogen werden. Denkbar seien etwa »eine stärkere Besteuerung von Kapitalerträgen oder langfristig auch neue Formen gesellschaftlich organisierter Vermögensfinanzierung«. Um der demographischen Entwicklung Rechnung zu tragen, wird ein spezifischer Demographiezuschuss des Bundes vorgeschlagen. Bezieher niedriger Renten sollen zudem entlastet werden, indem der Grundrentenzuschlag leichter und ohne Einkommensanrechnung gewährt wird. Zudem sollen Pflegezeiten vollständig anerkannt und die gesetzliche Rente perspektivisch zu einer Erwerbstätigenversicherung ausgebaut werden, in die auch Selbständige und Abgeordnete einzahlen
      …“ Artikel von Sebastian Edinger in der jungen Welt vom 27.06.2026 externer Link
    • Siehe auch im Dossier: „Sozialpartnermodell“: Nahles und Schäuble arbeiten an einer Privatisierungs-Reform der Betriebsrenten – und die Gewerkschaften? aktuell: DGB will verpflichtende Betriebsrenten – wie bitte? Rente mit Sozialbetrugsanteil
    • Und zum aktuellen Anlass das  Dossier: Ampel-Sondierer stellen die Aktienrente auf grün – CDU und SPD bennen das Projekt um
  • Ein offener Brief an die Rentenkommissionen der Bundesregierung und des DGB [für Download und zum Weiterleiten]
    „… Wenn Politiker das Wahlvolk fürchten, weil sie „Grausamkeiten“ gegen ihre Wähler planen, schieben sie gerne Experten vor. Geht es ans Eingemachte werden rasch Experten-Kommissionen in die Welt gesetzt. So auch bei der Rente. (…) Die Rentenkommission der Bundesregierung soll nun als Feigenblatt einspringen. Die ernannten Personen sind Programm – jedenfalls in der Mehrzahl. Sämtliche von CDU/CSU eingesetzten Mitglieder haben sich gegen das Rentenpaket 2025 ausgesprochen, waren also für eine baldmöglichste Absenkung des Rentenniveaus. (…) Der DGB hat als Antwort auf die erwartbaren Ergebnisse des Regierungsgremiums eine eigene Rentenkommission ins Leben gerufen. Das ist ein richtiger Schritt. Der könnte aber zur Enttäuschung werden, wenn die Kommissionsmitglieder sich in das enge Reformkonzept des DGB einbinden lassen (z.B. Rentenniveau 50% statt 48% oder das Ausbleiben der Forderung nach einer Erwerbstätigenversicherung). Was können die Betroffenen tun, über deren Interessen ja durch die zahlreichen Experten beider Kommissionen in stillen Kämmerlein verhandelt wird? Einfach nur Zuschauen und Abwarten würde sie zu reinen Opfern machen. Wir von der Initiative RentenZukunft machen den Vorschlag, sich mit Offenen Briefen an die Rentenkommissionen und an jedes einzelne Mitglied zu wenden. Presse, Funk und Fernsehen werden aufgefordert, über die Sachverhalte und Forderungen der Schreiben zu berichten. (…) Dies kann nur ein erster Schritt sein. Wenn wir wirklich Erfolge erzielen wollen, müssen wir laut werden und auf die Straßen gehen – wie in Frankreich, Belgien, Spanien … Wir von RentenZukunft haben ein Reformkonzept mit konkreten Umsetzungs- und Finanzierungsschritten erarbeitet . Auch damit sollten die Kommissionen konfrontiert werden.“ Mitteilung von ‚RentenZukunft‘ vom 26. Februar 2026 externer Link

    • Ein Textvorschlag für einen offenen Brief kann hier externer Link heruntergeladen werden. Die e-mail-Adressen der Kommissionsmitglieder sind in der Mitteilung verlinkt.
  • Ein Angriff auf den Körper: Die Rentenkommission will über die Rente mit 70 sprechen. Viele werden das nicht durchhalten und könnten zum Fall für medizinische Gutachter werden
    „… Eine schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters zur Stabilisierung der Rentenkasse ist schon länger im Gespräch. Martin Werding, Mitglied der Wirtschaftsweisen und Teil der Rentenkommission, schlägt vor, das Renteneintrittsalter an die Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung zu koppeln. Steige die Lebenserwartung, solle das Renteneintrittsalter dann alle zehn Jahre um ein halbes Jahr steigen. Manche Experten verweisen auf Dänemark, wo das Renteneintrittsalter ab dem Jahre 2040 schon 70 Jahre betragen wird. Die Frage lautet: Wer würde dann überhaupt durchhalten bis zum Ruhestand? Die Probleme zeigen sich schon jetzt, im geltenden Recht, wo das Renteneintrittsalter steigt und im Jahre 2031 bei 67 Jahren liegen wird. Laut der Statistik der Deutschen Rentenversicherung für das Jahr 2024 wechselten nur 40 Prozent der neuen Altersrentner:innen zum gesetzlichen Eintrittsalter, das 2024 bei 66 Jahren lag, in den Ruhestand. 60 Prozent gingen früher. (…) Zehntausende bezogen vorzeitig die Altersrente für schwerbehinderte Menschen. (…) Zwar sind 21 Prozent der 65- bis 69-Jährigen noch erwerbstätig. Für die Mehrheit dieser Erwerbstätigen aber ist das Einkommen ein Hinzuverdienst neben der Rente. (…) Eine Studie der Stiftung Eurofound über die EU-Länder listete die Bedingungen dafür auf, wann Ältere überhaupt durchhalten bis zur Rente und wann nicht. Körperliche Beanspruchungen wie schweres Heben, ungünstige Arbeitshaltungen, Lärm, chemische Ausdünstungen und eine hohe Arbeitsgeschwindigkeit wie etwa auf dem Bau, in der Reinigungsbranche oder in der Pflege, erhöhen laut Studie das Risiko, früh schon aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Emotionale Belastungen wie etwa in den helfenden Berufen kommen dazu. Auch Schichtarbeit schlaucht. Ältere Frauen haben eine „schlechtere Jobqualität“ als ältere Männer, heißt es in der Studie. (…) Belastungen hängen auch von den einzelnen Arbeitsbedingungen ab, so die Studie von Eurofound. Kann man selbst im Job nicht über die Arbeitsmenge bestimmen und hat keinen Ermessensspielraum, hält man nicht so lange durch. Pfleger:innen und Paketzusteller:innen etwa scheiden oftmals wegen chronischer Überforderung vorzeitig aus. Ist die individuelle Gesundheit ohnehin schon angeschlagen, wird es noch schwieriger. (…) Schaffen es Menschen nicht bis zum Renteneintrittsalter, können sie derzeit eine Erwerbsminderungsrente beantragen. Doch damit gibt es empfindliche Abschläge bei der Rente im Alter und die Kriterien der Erwerbsminderungsrente sind eng (…) Brussig schlägt vor, über „individuelle medizinische Gutachten eine Berufsunfähigkeit festzustellen und damit frühere Renteneintritte zu ermöglichen“. Dann würde es ausreichen, im bisherigen Beruf nicht mehr aus gesundheitlichen Gründen arbeiten zu können, um vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in den Ruhestand wechseln zu können. Der Verweis auf andere Jobs irgendwo als Pförtner:in wäre dann im Unterschied zu heute gegenstandslos. (…) Doch damit wird der frühe Renteneintritt immer abhängiger von individuellen medizinischen Gutachten. Das ist heikel. „Es ist auch eine Frage der Würde“, sagt eine Lehrerin in Berlin, die wegen gesundheitlicher Probleme früher in den Ruhestand ging und (…) nicht mit vollem Namen in der Zeitung stehen will, „wenn du nach vielen Jahrzehnten Arbeit zum Gutachter musst und dein Körper und dein Kopf durchexaminiert werden, ob du auch ja schwach und angeschlagen genug bist, um etwas früher als andere in Rente zu gehen, dann ist das demütigend. Umso trauriger, wenn sowas dann zur Regel werden könnte.“ Artikel von Barbara Dribbusch vom 25. Februar 2026 in der taz online externer Link

Siehe zu aktuellen Hintergründen

Siehe zuletzt:das Dossier: Die Rentenkommission 2020 empfiehlt: Weiter so! – nur unauffälliger…

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=234411
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