Berufsausbildung: Gekommen, aber nicht geblieben. Ausbildungsabbrüche und ein Teil ihrer möglichen Folgen
„… Und selbst bei den Ausbildungsverhältnissen, wo Betriebe und zumeist junge Menschen zueinander gefunden und einen entsprechenden Vertrag geschlossen haben, muss man berücksichtigen, dass ein nicht geringer Teil der Auszubildenden das Ende der Fahnenstange, also den Abschluss der Berufsausbildung, nicht erreicht, sondern der Ausbildungsvertrag wird vor dem regulären Ende aufgelöst. Schauen wir also auf die „Ausbildungsabbrecher“. (…) So findet man beispielsweise im öffentlichen Dienst kaum Abbrüche des einmal eingeschlagenen Weges, während das bei den Köchen ganz anders aussieht. Von den Herden und Töpfen werden bis zu über 40 Prozent Ausbildungsabbrecher – gemessen an der sogenannten „Lösungsquote“ – gemeldet. Auch aus den in der öffentlichen Diskussion so bedeutsamen Pflegeberufen werden immer wieder überdurchschnittliche hohe Abbrecherquoten berichtet…“ Beitrag vom 21. September 2021 von und bei Stefan Sell
mit weiteren Ausführungen über die Folgen und mehr dazu:
- Lehrabbruch kostet benachteiligte Jugendliche 45 Prozent Einkommen – doch Einkommensverluste sozial stark ungleich verteilt
„Ausbildungsabbrüche haben erhebliche Einkommensverluste zur Folge – die laut einer neuen Studie allerdings sozial stark ungleich verteilt sind.
Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien verlieren nach einem Ausbildungsabbruch langfristig massiv an Einkommen. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Universitäten Bamberg und Bielefeld sowie des Schwedischen Instituts für Sozialforschung verdienen sie in den zehn Jahren danach im Schnitt rund 45 Prozent weniger als Gleichaltrige mit abgeschlossener Ausbildung. Konkret summieren sich die Einkommen von Absolvent*innen aus dieser Gruppe auf etwa 153.000 Euro, während Abbrecher*innen nur rund 82.000 Euro erreichen. (…)
Einkommensverluste nicht für alle
Für Jugendliche aus sozial besser gestellten Familien zeigen sich hingegen keine Einkommensnachteile. Trotz des Abbruchs erreichen sie langfristig im Durchschnitt vergleichbare Einkommensniveaus wie Absolvent*innen aus derselben Herkunftsgruppe. „Die Folgen eines Ausbildungsabbruchs hängen auch mit den verfügbaren sozialen Ressourcen zusammen“, erklärte IAB-Forscherin Kerstin Ostermann. Jugendliche aus nicht benachteiligten Haushalten nähmen nach einem Abbruch häufiger erneut eine Ausbildung auf. Außerdem arbeiteten sie deutlich häufiger in Tätigkeiten, die formal eigentlich einen Berufsabschluss erforderten. Daher hätten sie trotz fehlender Qualifikation vergleichsweise gute Einkommens- und Aufstiegschancen…“ GEW-Pressemitteilung vom 20.04.2026
zu
- Ausbildungsabbrüche führen bei Jugendlichen aus benachteiligten Familien zu einem Einkommensverlust von 45 Prozent. Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 14.04.2026
und - Sozial Benachteiligte erholen sich seltener von Lehrabbruch. Meldung der Universität Bielefeld vom 14.4.2026
zur Studie: - Kerstin Ostermann, Alexander Patzina, Katy Morris: Stratified scars: social inequality in the labour market consequences of apprenticeship dropout. European Sociological Review, https://doi.org/10.1093/esr/jcag010
erschienen am 27. März 2026
- Ausbildungsabbrüche führen bei Jugendlichen aus benachteiligten Familien zu einem Einkommensverlust von 45 Prozent. Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 14.04.2026
Siehe auch:
- Dossier: Der Nationale Bildungsbericht zur beruflichen Bildung: Soziale Ungleichheit und Zehntausende ohne Abschluss – 2024 und auch 2025
- Dossier: Hausgemachter Mangel. Fast jeder fünfte junge Mensch in Deutschland hat keinen Berufsabschluss
- [Berufsbildungsbericht 2018] Azubis: Niedrige Vergütungen sorgen für hohe Abbrecher-Quoten