Der Nationale Bildungsbericht zur beruflichen Bildung: Soziale Ungleichheit und Zehntausende ohne Abschluss – 2024 und auch 2025
Dossier
„… Der Nationale Bildungsbericht 2024 zeigt ein anhaltendes Problem in Deutschland auf: Trotz des Wachstums im Bildungsbereich verlassen weiterhin zu viele Jugendlichen die Schule ohne Abschluss. Im Jahr 2022 waren es allein 52.300. Laut dem Bericht stieg der Anteil der Gleichaltrigen ohne Abschluss damit von 6,2 auf 6,9 Prozent im Jahr 2022. GEW-Vorsitzende Maike Finnern warnt vor den langfristigen Folgen dieser Bildungsdefizite und fordert entschlossene Maßnahmen, um die soziale Ungleichheit zu bekämpfen. (…) Die GEW fordert nicht nur eine finanzielle Aufstockung des Bildungssystems, sondern auch gezielte Maßnahmen zur Unterstützung benachteiligter Kinder und Familien…“ GEW-Pressemitteilung vom 17. Juni 2024
(„Bildung in Deutschland 2024: Zehntausende ohne Abschluss“) – siehe mehr zum Bildungsbericht auch 2025:
- Berufsbildungsbericht 2025 mit konstant hoher Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss und nicht einmal jeder fünfte Betrieb bildet aus
- Der Berufsbildungsbericht 2025: Ausbildungsmarktbilanz 2023/24
„Der Berufsbildungsbericht beschreibt jährlich die zentralen Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt. Er dient den Akteuren der beruflichen Bildung als Informations- und wichtige Diskussionsgrundlage. Er vermittelt der Öffentlichkeit die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten rund um den Ausbildungsmarkt.“ Broschüre vom 05.11.2025
beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend - Berufsbildungsbericht 2025 – ver.di fordert mehr Angebote für junge Menschen ohne Berufsabschluss
„Die Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss ist konstant hoch, doch laut Berufsbildungsbericht 2025 beteiligt sich nicht einmal jeder fünfte Betrieb an der betrieblichen Ausbildung. Die Maßnahmen, junge Menschen in Ausbildung zu bringen, müssen dringend verbessert werden, fordert ver.di. Vor der für den 5. November 2025 anberaumten Beratung des Bundeskabinetts über den Berufsbildungsbericht 2025 zeigt sich ver.di besorgt über die konstant hohe Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss.
„Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass 2,9 Millionen junge Menschen keinen Berufsabschluss haben. Alle Beteiligten müssen Maßnahmen ergreifen, um diesen traurigen Rekord im zweiten Jahr in Folge abzubauen. Schließlich ist eine gute Berufsausbildung eine wichtige Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. Auch die Bundesregierung sei dringend aufgefordert, wirkungsvolle Unterstützungsangebote auszubauen, damit sich der Fachkräftemangel nicht noch weiter verschärfe. Der Übergang zwischen Schule und Beruf müsse verbessert, die schulische Berufsorientierung gestärkt werden, so Bühler weiter. Die Jugendberufsagenturen, die die vielfältigen Unterstützungsangebote der Berufsberatung und Jugendhilfe unter einem Dach bündeln, müssten dringend ausgebaut werden. Die Gewerkschafterin sieht die Arbeitgeber in Verantwortung, auch denjenigen eine Chance zu geben, die zum Beispiel aufgrund von Sprachbarrieren bisher keinen Ausbildungsplatz bekämen. Hier helfe der Ausbau von Sprachkursen für Auszubildende, aber auch das Unterstützungsangebot der assistierten Ausbildung (AsA) der Arbeitsagenturen müsse verstärkt genutzt werden.(…)
Nicht einmal mehr jeder fünfte Betrieb beteiligt sich an der betrieblichen Ausbildung. „Viele Arbeitgeber, die über fehlende Fachkräfte jammern, machen sich einen schlanken Fuß. Das ist nicht akzeptabel“, so Bühler. „Für junge Menschen ohne Ausbildungsplatz muss ein engmaschiges Auffangnetz gespannt werden. Die von der vorherigen Bundesregierung eingeführte gesetzliche Ausbildungsgarantie reicht nicht aus. Ergänzend braucht es eine Ausbildungsumlage, damit wieder mehr Betriebe ausbilden.“ (…)
Ausbildung Vorrang geben
Die Änderungen zum Bürgergeld, das künftig als Grundsicherung daherkommt, führen den Vermittlungsvorrang wieder ein. Für junge Menschen nach der Ausbildung könnte das bedeuten, dass sie im Zweifel irgendwas arbeiten müssen, anstatt eine vernünftige Ausbildung als Grundlage für ihr künftiges Berufsleben zu machen…“ Pressemitteilung vom 04.11.2025
und dazu: - Nicht gut: Eine schlechte Bilanz für die betriebliche Berufsausbildung im Jahr 2025

„Am 1. Dezember 2025 wurde hier in dem Beitrag Immer wenige neue Ausbildungsverträge und immer weniger bestandene Abschlussprüfungen. Der Nachwuchs aus der dualen Berufsausbildung auf dem Sinkflug
auf eine besorgniserregende Entwicklung hingewiesen. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist vor allem in der längerfristigen Sicht weiter rückläufig, zugleich muss für 2024 festgestellt werden, dass die Zahl der bestandenen Abschlussprüfungen in der dualen Berufsausbildung auf den tiefsten bisher ermittelten Stand gesunken ist.
Nun hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn die Bilanz für den Ausbildungsmarkt 2025 veröffentlicht. Am Anfang steht eine scheinbar positive Botschaft: »Von den starken Einbußen im Zuge der Coronapandemie im Jahr 2020 hat sich der Ausbildungsmarkt zunächst etwas erholt. In den Jahren 2021 bis 2023 stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zunächst wieder an (2021: +1,2 %, 2022: +0,4 %, 2023: +3,0 %).«
Aber das war nur ein kurzes Aufbäumen nach dem tiefen Einschnitt 2020 und das ist schon seit dem vergangenen Jahr Geschichte: »Seit 2024 gibt es wieder rückläufige Tendenzen.« Und war der Rückgang 2024 mit 0,6 % noch überschaubar, gab es in 2025 einen weiteren Schlag ins Kontor: So sank »Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2025 um 2,1 %. Mit insgesamt 476.000 Neuabschlüssen wurden 10.300 Verträge weniger abgeschlossen als im Vorjahr. Der Rückgang ist auf die betrieblichen Verträge zurückzuführen (-12.000 bzw. -2,5 %).« Besonders markant ist der Einbruch bei den angebotenen Ausbildungsstellen…“ Beitrag vom 10. Dezember 2025 von und bei Stefan Sell
- Der Berufsbildungsbericht 2025: Ausbildungsmarktbilanz 2023/24
- Die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2025“ bestätigt die Bildungsungerechtigkeit in Deutschland
„„Ein Jahr nach dem Weckruf der GEW zum Bildungsbericht 2024 bestätigt die heute veröffentlichte OECD-Studie ‚Bildung auf einen Blick 2025‘ erneut: Deutschland versagt weiterhin bei der Chancengleichheit“, sagte GEW-Vorsitzende Finnern heute in Frankfurt am Main. 145 Kompetenzpunkte, so groß sei der Unterschied bei den Literacy-Kompetenzen zwischen jungen Erwachsenen mit Hochschulbildung und solchen ohne Sekundarabschluss II in Deutschland. Bei der Gesamtbevölkerung betrage die Kluft zwischen Hochschul- und Geringqualifizierten immer noch 75 Punkte. Die politisch Verantwortlichen tun nach wie vor nicht genug“, sagte GEW-Vorsitzende Maike Finnern. „Während die Bundesregierung heute MINT-Erfolge feiert, zeigen die Daten eine erhebliche Bildungsungerechtigkeit. Diese extremen Unterschiede belegen, dass das Startchancen-Programm viel zu klein dimensioniert ist und unser Bildungssystem den Zusammenhang von Bildungserfolg und familiärer und sozialer Lernumgebung und –unterstützung verschärft.“ Die Daten der OECD-Studie zeigten, so Finnern, dass Deutschland mit der Schweiz und den USA zu den Ländern mit den größten Kompetenzunterschieden nach Bildungsstand gehört. (…) Das von der Bundesregierung eingeführte Startchancen-Programm mit 20 Milliarden Euro über zehn Jahre sei ein wichtiger Schritt, aber angesichts der OECD-Daten zeige sich, dass die Dimension der Herausforderung deutlich größere Anstrengungen erfordere. (…) Die GEW fordert die politisch Verantwortlichen auf, die Erkenntnisse der OECD-Studie ernst zu nehmen und das Bildungssystem endlich dauerhaft ausreichend zu finanzieren – orientiert an der Selbstverpflichtung aus dem Jahr 2015 mit dem Anteil von 10 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. „Es gilt, die Milliarden aus dem Sondervermögen massiv in die Bildungsinfrastruktur zu investieren. Deutschland muss ehrlich anerkennen: Bei der Bildungsgerechtigkeit gibt es erheblichen Handlungsbedarf“, sagte die GEW-Vorsitzende. Notwendig seien massive Zusatzinvestitionen für benachteiligte Schulen nach dem Prinzip „Ungleiches ungleich behandeln“.“ GEW-Pressemitteilung vom 9. September 2025
(„GEW: „OECD bestätigt Bildungsungerechtigkeit in Deutschland“: Bildungsgewerkschaft zur OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2025““)
- GEW zum Bericht „Bildung in Deutschland 2024“: „Eindringlicher Weckruf an die Politik!“
„Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Bericht „Bildung in Deutschland 2024“, der heute veröffentlicht worden ist, als einen „eindringlichen Weckruf an alle Politikerinnen und Politiker“ bezeichnet. „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Studie verantworten, haben die systemischen Schwachstellen und Defizite des Bildungswesens und deren Folgen für die Gesellschaft dankeswert offen benannt. Wenn die Bildungspolitik jetzt nicht radikal umgesteuert wird, müssen die nächsten Generationen die Zeche zahlen. Wenn die jungen Menschen nicht gut ausgebildet werden, erleben sie keine Partizipation an der Gesellschaft und es verschlechtern sich individuell die Zukunftsaussichten. Zudem fehlen künftig Steuereinnahmen und die Sozialsysteme sind nicht mehr zu finanzieren“, sagte GEW-Vorsitzende Maike Finnern am Montag in Frankfurt a.M. „Es muss deutlich mehr Geld in das Bildungssystem, das seit vielen Jahren erheblich unterfinanziert ist, investiert werden. Mit diesen Mitteln müssen insbesondere arme Kinder und deren Familien sowie Bildungseinrichtungen in herausfordernder Lage unterstützt werden, um den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg endlich aufzubrechen. Das ‚Startchancenprogramm‘, das ab dem nächsten Schuljahr greifen soll, ist ein richtiger, aber eben nur ein erster und zudem zu kleiner Schritt.“
„Nur wenn wir Ungleiches auch ungleich behandeln, sprich Bildungseinrichtungen in schwierigen sozialen Lagen und damit die hier lernenden Menschen zusätzlich unterstützen, können wir einen nennenswerten Beitrag dazu leisten, der sozialen Spaltung in der Gesellschaft entgegenzuarbeiten“, betonte Finnern. „Wenn das Bildungssystem soziale Ungleichheit verfestigt oder sogar verstärkt, wachsen die sozialen Disparitäten weiter, werden immer mehr Menschen in der Gesellschaft abgehängt. Von dieser Entwicklung profitieren nur die rechten Rattenfänger – ebenso wie von einem weiteren Abbau des Sozialstaates!“…“ Pressemitteilung vom 17.06.2024
- Stark-Watzinger/Streichert-Clivot zum Nationalen Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2024“
„Der zehnte Nationale Bildungsbericht ist heute veröffentlicht worden. Er beschreibt die Gesamtentwicklung des deutschen Bildungswesens und widmet sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig der beruflichen Bildung. Der Bildungsbericht erscheint alle zwei Jahre. Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung: „Der Bildungsbericht zeigt, dass unser Bildungssystem vor großen Herausforderungen steht. Wir brauchen dringend eine bildungspolitische Trendwende. Hier setzen wir auf verschiedenen Ebenen und Altersstufen an: Von den Kitas bis zu den Ausbildungsbetrieben – wir brauchen einen Perspektivwechsel und Bildungsinstitutionen, die Vielfalt als Chance begreifen. Wir setzen uns mit aller Kraft für mehr Chancengerechtigkeit ein. Mit dem Startchancen-Programm wird zum kommenden Schuljahr das größte und langfristigste Bildungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik Wirklichkeit. Ebenso zeigt der neue Bildungsbericht, dass wir ein starkes Berufsbildungssystem brauchen, das junge Menschen konsequent fördert und an die speziellen Bedarfe der modernen Arbeitswelt angepasst ist. Deshalb geben wir mit der Exzellenzinitiative Berufliche Bildung mit gezielten Maßnahmen dem gesamten System der beruflichen Bildung einen neuen Schub.“…“ KMK-Meldung vom 17.06.2024
Grundinfos:
- Bildung in Deutschland – die Homepage zum Bildungsbericht

- Das Schwerpunktkapitel 2024 befasst sich mit beruflicher Bildung
. Thematisiert werden Strukturen und berufliche Bildungswege in den 3 Bildungsbereichen Ausbildung (mit den Sektoren duale Ausbildung, schulische Ausbildung und Übergangssektor), Hochschulbildung und Weiterbildung. Ein besonderer Fokus liegt u.a. auf den Themen Steuerung und Qualitätssicherung, berufliche Orientierung und Übergang in die berufliche Bildung, Abbrüche und Umorientierungen sowie Weiterqualifizierung und Erwerbstätigkeit. - Siehe auch von 2018: Bildung oder Abrichtung für „den Markt“? Worüber der Bildungsbericht Aufschluss gibt