„Wenn die Pegel sinken, steigt auch der Druck auf die Beschäftigten“: In der Binnenschifffahrt und auch im Lkw-Verkehr wenn das Sonntagsfahrverbot fällt

Dossier

Übermüdung tötetDie anhaltend niedrigen Pegel in Deutschlands Flüssen belasten die Binnenschifffahrt und ihre Beschäftigten enorm. Unter immer schwierigeren Bedingungen durch den Klimawandel leisten sie Höchstarbeit und brauchen dafür gute Arbeitsbedingungen (…) Es genüge nicht, mit Wirtschaftsverbänden über tiefere Fahrrinnen und resilientere Logistikketten zu sprechen, sagt der ver.di-Bundesschifffahrtssekretär Liam Pape aus der Fachgruppe Luftverkehr und Maritime Wirtschaft. Pape kritisiert, dass die Beschäftigtenperspektive in der aktuellen Debatte ausgeblendet werde. Das Navigieren bei niedrigen Wasserständen erfordere höchste Konzentration, langjährige Erfahrung und ausgeprägtes nautisches Fachwissen. (…) Die Binnenschifffahrt mit ihren mehr als 5.300 Beschäftigen sei unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen und leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur…“ ver.di-Nachricht vom 5.8.2026 externer Link („ver.di fordert Entlastung für Beschäftigte“) mit FAQ zum Thema und einige Meldungen zur (noch eingeschränkten) Lockerung des Lkw-Fahrverbots:

  • Keine Lust auf Sonntagsarbeit: Spediteure wie Fahrer verweigern Mehrarbeit und werfen dem Verkehrsministerium mangelnde Sachkenntnis vor New
    Die vorübergehende Lockerung des Sonntagsfahrverbotes in mittlerweile 15 Bundesländern brachte viele LkwFahrer wie Spediteure gleichermaßen in Fahrt. Auf SocialMediaPlattformen ergoss sich neben Hohn und Spott beißende Kritik an dem Vorschlag, Kapazitätsausfälle der trockenheitsbedingt ausgebremsten Binnenschiffahrt durch sonntägliche LkwFahrten zu kompensieren. Gemeinsamer Tenor: In den Verkehrsministerien der Länder grassieren Branchenunkenntnis und Realitätsferne.
    »Unsere Fahrer verbringen ihre Wochenendruhezeit bei ihren Familien – und genau dort gehören sie auch hin«, schrieb zum Beispiel die Spedition Schumacher aus Würselen auf Facebook. »Sonntagsfahrverbot aufheben? Nicht mit uns! Unsere Fahrer sind keine Maschinen«, war von der Spedition Heisiep in Finnentrop zu lesen. Die »Likes« gingen rasend schnell in die Tausende. LkwFahrer kommentierten zustimmend und bekräftigten ihrerseits, keinesfalls sonntags fahren zu wollen. »Wir werden ja sonst auch wie Dreck behandelt.« (…) Spediteur Bernhard Heisiep legt auf jWNachfrage zu seinem Post nach: »Wir werden unsere Mitarbeiter sonntags nicht einsetzen. Wenn die Lenkzeiten ausgereizt sind, erlauben das die EURichtlinien ohnehin nicht. Außerdem brauchen unsere Fahrer ihre Erholung. Die ist, ganz nebenbei, auch für die Verkehrssicherheit wichtig. Außerdem werden die Be und Entladestellen samstags und sonntags kaum öffnen.« (…)
    Zusätzliche Fahrer sind wegen Fahrermangels nicht verfügbar. BGL und BLV
    pro benennen dafür strukturelle Gründe wie körperliche und psychische Belastungen sowie die bestehenden Rahmenbedingungen. Neben einer leistungsfähigen Straßen und Brückeninfrastruktur fehlen sichere LkwParkplätze, saubere und flächendeckend verfügbare Sanitäranlagen, vernünftige Aufenthaltsmöglichkeiten und Schutz vor Ladungs und Spritdiebstahl. Entsprechende Forderungen der Verbände werden seit Jahren geflissentlich ignoriert. Die Frustration ist groß. Heisiep fügt hinzu: »An den Be und Entladestellen werden den Fahrern in Industrie und Gewerbegebieten mitunter extrem lange Wartezeiten zugemutet – ohne Infrastruktur, die stundenlanges Warten erleichtern und Übernachtungen ermöglichen würde.« Als Dank schlägt den Fahrern obendrein gesellschaftliche Geringschätzung als stau und unfallverursachende Umweltverschmutzer entgegen. (…)
    Auf Wasserstraßen werden zudem teilweise völlig andere Güter und Transportströme abgewickelt als im Straßengüterverkehr. Selbst Spediteure, die von der Schwäche und Unzuverlässigkeit des DB
    Güterverkehrs profitieren, merken gegenüber jW an, dass für den Transport von Schwer und Massegütern die Schiene die geeignetere Option ist. Und tatsächlich scheint die DB Cargo 900 ausrangierte Güterwagen reaktivieren zu wollen – 300 sogar sofort. Schade bloß: Zum LkwFahrermangel kommt noch ein Lokführermangel…“ Artikel von Jessica Reisner in der jungen Welt vom 17.08.2026 externer Link
  • Folgen von Niedrigwasser: Bahn bietet mehr Güterzüge an
    Was tun, um die Lieferketten für Industrie und Handel auch bei Niedrigwasser aufrechtzuerhalten? Transporte könnten verlagert werden – auf die Straße und auf die Schiene. Ein konkretes Hilfsangebot kam von der Deutschen Bahn. (…) Nach Einschätzung der DB Cargo kann die Bahn auch hier helfen: Man könne in den nächsten Monaten bis zu 500 weitere Güterwagen für ein langfristiges Vorhaltekonzept gegen Niedrigwasser bereitstellen, hieß es. Dessen Finanzierung wäre zu klären. Kurzfristig seien mit Güterzügen bis zu 100 Binnenschiffe zu ersetzen, langfristig rund 200. Ein einziger Güterzug könne wegen höherer Umlaufgeschwindigkeit bis zu zehn Binnenschiffe ersetzen…“ Beitrag vom 12.08.2026 auf tagesschau.de externer Link. Siehe auch:

  • ver.di lehnt Vorstoß zur teilweisen Aufhebung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots für Lkw ab
    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert den Vorschlag von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, das Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen teilweise aufzuheben. „Der Vorstoß geht zu Lasten der Beschäftigten im Transport- und Logistikgewerbe und stellt die gesetzlich geschützten Sonn- und Feiertage als Tage der Ruhe und Erholung in Frage“, sagte Uwe Köpke, Bereichsleiter im ver.di-Bundesfachbereich Postdienste, Speditionen und Logistik. „Wer das Sonn- und Feiertagsfahrverbot aus reinen wirtschaftlichen Erwägungen teilweise abschaffen will, greift direkt in die Arbeits- und Lebensbedingungen von hunderttausenden Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern ein. Gerade in einer Branche, die seit Jahren unter Fachkräftemangel, hohem Zeitdruck und belastenden Arbeitsbedingungen leidet, sind gemeinsame Ruhezeiten der Beschäftigten mit Familie und Freunden unverzichtbar.“
    Aus Sicht von ver.di würde die Aufhebung des Fahrverbots den wirtschaftlichen Druck auf Unternehmen und Beschäftigte weiter erhöhen. Auch wenn Arbeitszeiten und damit die Lenk- und Ruhezeiten gesetzlichen Regelungen unterliegen, wächst die Erwartung, Transportkapazitäten an sieben Tagen in der Woche bereitzustellen. Dies erschwert die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und sozialem Leben erheblich…“ ver.di-Pressemitteilung vom 7.8.2026 externer Link
  • Ver.di wendet sich gegen Lockerung des Lkw-Fahrverbots
    Der Bundesverkehrsminister will das Lkw-Sonntagsfahrverbot aussetzen, um Lieferengpässen durch das extreme Niedrigwasser in Flüssen zu begegnen. Ver.di ist dagegen.
    Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di stellt sich ​gegen Pläne, wegen des extrem niedrigen Wasserstands des Rheins und anderer Wasserstraßen das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen zu lockern. »Der Vorstoß geht zulasten der Beschäftigten im Transport- und Logistikgewerbe und ​stellt die gesetzlich geschützten Sonn- und Feiertage ⁠als Tage der Ruhe und ​Erholung infrage«, sagte Ver.di-Logistikexperte Uwe Köpke. »Wer das Sonn- und Feiertagsfahrverbot aus ‌reinen ⁠wirtschaftlichen Erwägungen teilweise abschaffen will, ​greift direkt in die Arbeits- und Lebensbedingungen von Hunderttausenden Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern ein.«
    Die Branche sei aber ​bereits von Fachkräftemangel, hohem Zeitdruck und belastenden Arbeitsbedingungen geprägt. Mit einer Lockerung würde die Erwartung wachsen, auch an sieben Tagen der Woche Dienstleistungen bereitzustellen, warnte Köpke.
    Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hatte am Donnerstag angekündigt, zur Vermeidung von Lieferengpässen durch das extreme Niedrigwasser deutscher Flüsse mit den Ländern unter anderem über Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw für besonders betroffene Güter zu sprechen. In dieser Frage habe er bei Länderverkehrsministern die Bereitschaft festgestellt, die entsprechenden Verbote so lange wie nötig auszusetzen, sagte der CDU-Politiker…“ Agenturmeldung vom 7. August 2026 in der Zeit online externer Link
  • Sonntagsfahrverbot ausgesetzt: Speditionen kritisieren Ausnahmeregelung für Lkw
    NRW setzt das Sonntagsfahrverbot für Lkw aus, damit mehr Güter auf die Straße kommen. Speditionen halten das für Augenwischerei. (…)
    Spediteur Hubertus Gössling aus Arnsberg befürchtet noch eine weitere Hürde: die Arbeitszeitregelung. Fahrer müssen Lenk- und Ruhezeiten einhalten: „Wenn die Fahrer sonntags fahren, steht der Lkw an einem anderen Tag der Woche.“ Attraktiver werde der Beruf durch Sonntagsfahrten auch nicht – dabei fehlt es der Branche ohnehin an Nachwuchs.
    Ähnlich skeptisch äußerte sich Dirk Engelhardt vom Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik. Ruhezeiten könne man zwar aussetzen: „Dann muss sichergestellt werden, dass das Fahrpersonal nicht zum Beispiel in einem anderen Bundesland, das nicht vom Niedrigwasser betroffen ist, in eine Polizeikontrolle kommt und noch bestraft wird“. Dirk Engelhardts Verband fordert deshalb einen Krisen-Interventionspass.
    Auch Verdi übt Kritik
    Kritik kommt auch von der Gewerkschaft Verdi. Wer das Sonn- und Feiertagsfahrverbot aus rein wirtschaftlichen Gründen abschaffe, greife in die Arbeits- und Lebensbedingungen von Hunderttausenden Berufskraftfahrern ein, heißt es von dort. Gemeinsame Ruhezeiten mit Familie und Freunden seien unverzichtbar.“ Beitrag von Corina Wegler und Peter Hild vom 08.08.2026 im WDR externer Link
  • Nur so am Rande: Wer wegen Klimakrise das Lkw-Sonntagsfahrverbot aussetzt, schafft auch wegen FahrerInnenmangels die Lenk- und Ruhezeiten samt deren Kontrollen ab“ LabourNet-Post vom 08.08.2026 auf mastodon und bsky

Siehe u.a. auchunser Dossier: Eng getaktete Lieferketten, 60-Stunden-Wochen, zuwenig Stellplätze: Widrige Arbeitsbedingungen führen zu mehr Unfällen und toten Lkw-Fahrern

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=237036
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