Der lange Weg studentischer Beschäftigter nach der Tarifrunde: große Enttäuschung, aber dennoch ein strategischer Teilsieg – eine erste Bewertung
„… Angesichts des gesetzten Ziels und vor dem Hintergrund der zahlreichen politischen Bekenntnisse ist das Ergebnis der Verhandlungsrunde enttäuschend: Kein Tarifvertrag für studentische Beschäftigte, stattdessen erst einmal nur eine schuldrechtliche Vereinbarung. Für Wut und Empörung sorgt die Tatsache, dass die Arbeitgeber:innen entgegen ihrer politischen Bekenntnisse im Vorfeld der Tarifrunde (Koalitionsverträge, Regierungs-erklärungen), auf deren Basis es zwischen den Ländern zehn zu fünf für eine Verbesserung und eine Tarifierung stand, in ihrer Mitgliederversammlung geschlossen gegen deren Integration in den TV-L stimmten. Gerade mit Blick auf die rot-grüne Mehrheit im Arbeitgeberlager zeigt dies, dass SPD und Grüne keine Partner:innen sind, wenn es um Tariftreue, die Einhaltung von Arbeitnehmer:innenrechten und mehr soziale Gerechtigkeit geht. Denn offenbar ist bei der alten Leier von »Sozialpartnerschaft« inzwischen nicht einmal mehr die Existenz von Mitbestimmungsrechten und der Abschluss von Tarifverträgen gemeint. (…) Als Gewerkschafter:innen tun wir gut daran, dies zu Kenntnis zu nehmen und unsere Strategien entsprechend anzupassen. In zukünftigen Tarifrunden des öffentlichen Dienstes gilt es daher, neben dem Aufbau von betrieblicher Stärke noch mehr auf deren Kombination mit politischen Kampagnen zu setzen…“ Artikel von Laura Six, Julius Paul, Ann-Kathrin Hoffmann und Marvin Hopp in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 1/2024 mit Chronologie
Zur Aktualität von MTM: Wie Arbeitsbewegungen pro Band-Taktzeit vorgeschrieben werden
„Das wachsende Interesse an Klassenfragen und an der Kritik der Lohnarbeit führt derzeit meistens zur Produkt-Kritik, besonders in der Mobilitäts- und Umweltdebatte. Dass die Menschen keine Alternative sehen, wenn man am Band bei VW 27 Euro pro Stunde bekommt (und jedes Jahr im April die Prämie von 3.000 Euro und mehr), ist mehr oder weniger nachvollziehbar. Doch bei dieser Betrachtung bleibt die Entwürdigung durch diese Arbeit unberücksichtigt. Dazu ist ein genauer Blick hinter die Fabrikzäune erforderlich. Wie das Arbeitspensum für große Teile der Autobelegschaften in aller Welt auch heute noch vorgegeben wird und wie – nicht nur in den Autofabriken! – Akkordzeiten festgelegt werden, nämlich nach dem MTM-System (Methods-Time Measurement) vorbestimmter Zeiten, ist m.E. in der Linken zu wenig bekannt und reflektiert. (…) Die Kritik solcher Systeme vorbestimmter Zeiten ist aus dem kapitalismuskritischen Diskurs weitgehend verschwunden. Dass sich die MTM-Anwendung weiterhin ausbreitet, wird kaum wahrgenommen…“ Artikel von Wolfgang Schaumberg in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 1/2024
Siehe im Beitrag dazu einige weitere zum Thema im LabourNet-Archiv
AKTUELL BEI LABOURNET.TV: Was ist Arbeitszeitrechnung? Einfach erklärt
„Wie organisieren wir eigentlich die Produktion von allem, was wir zum Leben brauchen nachdem wir den Kapitalismus losgeworden sind? Die notwendige Arbeit könnte über eine Arbeitszeitrechnung gerecht verteilt und ihre Organisation in Räten organisiert werden. Wie das aussehen könnte, zeigt die Initiative Demokratische Arbeitszeitrechnung (IDA) in diesem Video mithilfe der Arbeiter*innen Chana (Konditorin) und Kalle (Müllmann). IDA nimmt Ideen auf aus den „Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung“ der „Gruppe Internationaler Kommunisten (Holland)“…“ Video bei labournet.tv (deutsch | 6 min | 2023)
Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskritisch
The meeting point for all left-wing trade unionists, both waged and unwaged
Le point de rencontres de tous les militants syndicaux progressistes, qu`ils aient ou non un emploi
Spenden willkommen unter IBAN DE 76430609674033739600