Die 4. Gewerkschaftskonferenz für den Frieden am 24. und 25. Juli 2026 in Würzburg: Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg
Die 4. Gewerkschaftskonferenz für den Frieden findet vom 24. bis 25. Juli 2026 in der Kolping-Akademie in Würzburg statt. Die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) in Kooperation mit der IG Metall Würzburg ausgerichtete Veranstaltung steht unter dem Motto: Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg. Siehe bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung alle Informationen
zum Programm der Konferenz, der Anmeldung etc. samt dem Aufruf: „… Immer deutlicher zeigt sich: Wer das Völkerrecht nicht respektiert, der wird auch Arbeits- und Gewerkschaftsrechte nicht respektieren. Der von Trump herbeigeführte Zustand der Regellosigkeit hat Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen. Aber er verändert auch die innenpolitische Lage. Das Vorgehen der Antimigrationsbehörde ICE in den USA zeigt deutlich, wie sehr Aufrüstung und Rechtlosigkeit nach außen mit Aufrüstung und Rechtlosigkeit nach innen einhergehen. (…) Wir wollen die Auswirkungen der aktuellen Kriegsvorbereitungen auf die Beschäftigten diskutieren. Und wir wollen darüber reden, was angesichts dieser Entwicklung zu tun ist.“
- IG Metall und Rosa-Luxemburg-Stiftung luden zur vierten »Gewerkschaftskonferenz für den Frieden«. Die Bewegung setzt wieder auf einen heißen Herbst.
„In Würzburg kamen am Freitag und Samstag rund 300 Friedensaktivist*innen aus nationalen und internationalen Gewerkschaften sowie sozialen Bewegungen für eine gemeinsame Antikriegsbewegung zusammen. Damit wollte sich die Bewegung gegen Aufrüstung und Sozialabbau und für einen heißen Herbst in Stellung bringen. Nach Hanau, Stuttgart und Salzgitter war es bereits die vierte »Gewerkschaftskonferenz für den Frieden« in Folge. Gekommen waren auch einige internationale Gäste wie etwa Jeremy Corbyn von der britischen Labour Party. (…) «Von meiner Gewerkschaft erwarte ich ganz klar, dass sie sich laut und öffentlich dagegenstellt, wenn Rüstung produziert wird», sagt Lars Hirsekorn, seit 1994 Mitarbeiter bei Volkswagen in Braunschweig, am Rande der Konferenz. Stattdessen umgehe die IG Metall den Dialog mit den Beschäftigten und weigere sich, an Friedensdemonstrationen und für eine zivile Fertigung einzutreten. (…) Die neoliberale Offensive in den 1970er Jahren habe zur Zerschlagung von Gewerkschaftsmacht im Westen und nationalen Befreiungsbewegungen im Globalen Süden geführt, erinnert Solty, Referent für Friedens-, Außen- und Sicherheitspolitik bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Mit der aktuellen Systemkrise und einer kriegerischen Geopolitik mit zunehmend unregulierten neuen Waffensystemen stellten sich soziale, Friedens-, Klima- und Demokratiefragen neu. Gegen diesen autoritären Staatsumbau spielten die Gewerkschaften jetzt eine entscheidende Rolle.“ Gastbeitrag von Melanie Klimmer vom 27. Juli 2026 im Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin
(„»Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg«“), siehe auch:
- Wo Frieden zur Gewerkschaftsfrage wird: Gewerkschaftskonferenz für den Frieden in Würzburg

„Mit einem klaren Bekenntnis gegen Aufrüstung und Militarisierung ist am Samstagnachmittag (25.07.2026) die 4. Gewerkschaftskonferenz für den Frieden in Würzburg zu Ende gegangen. Rund 250 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Betriebsräte, Wissenschaftler, Vertreter sozialer Bewegungen sowie Aktive aus der Gewerkschaftsjugend kamen an zwei Tagen zusammen, um über Aufrüstung, Militarisierung und die Rolle der Gewerkschaften in einer Zeit von Kriegen und weiter wachsender internationaler Spannungen zu diskutieren. Die Konferenz wurde gemeinsam von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der IG Metall Würzburg organisiert.
Ulrike Eifler, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Würzburg, Moderatorin und Mitorganisatorin der Konferenz, hob hervor, dass die Friedensfrage innerhalb der Gewerkschaften wieder stärker diskutiert werde. Sie verwies auf die Beschlusslage des DGB-Bundeskongresses, insbesondere auf die Ablehnung einer Wiedereinführung der Wehrpflicht, und warb dafür, die gewerkschaftlichen Debatten über Krieg und Frieden auf dieser Grundlage voranzutreiben. Wenn Krankenhäuser auf den Kriegsfall vorbereitet werden, öffentliche Mittel zunehmend in Rüstung fließen oder Unternehmen stärker in militärische Lieferketten eingebunden werden, seien Gewerkschaften unmittelbar gefordert. Eine auf Krieg ausgerichtete Wirtschaft stehe im Widerspruch zu Mitbestimmung, Arbeitsschutz und demokratischen Rechten…“ Bericht mit Video und Fotos bei der IG Metall Würzburg
- Gewerkschaften entdecken Friedenspolitik als Kernfrage neu

Umfangreicher Bericht von Hana Qetinaj vom 31. Juli 2026 in Telepolis
- Gegen Militarisierung und Sozialabbau
„Das höchste Gremium des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der DGB-Bundeskongress, beschloss im vergangenen Mai, dass es der unbedingte Wille von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern ist, „wirksam zu einer Welt ohne Krieg beizutragen“. Und dass der DGB und seine Mitgliedschaften die offene Debatte suchen, „wie heute eine Politik der Friedensfähigkeit angesichts einer immer komplexeren Weltlage aussehen muss“. Die 4. Gewerkschaftskonferenz für den Frieden, die vom 24. bis 25. Juli in Würzburg stattfand, hätte dem Beschluss folgend ein Ort sein können, an dem sich die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi oder die Vorsitzenden der beiden größten DGB-Gewerkschaften, Christiane Benner (IG Metall) und Frank Werneke (ver.di), aktiv in die Diskussion einbringen.
Wie auf den drei vorherigen Friedenskonferenzen nahmen zu wenige Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in offizieller Funktion teil. Neben Sinan Öztürk, dem stellvertretenden ver.di-Leiter in Bayern, Sidar Carman, der ver.di-Geschäftsführerin in Stuttgart, und Susanne Hille, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Bildung bei ver.di NRW, traten die Bevollmächtigten der IG Metall Würzburg auf, die als Mitveranstalter fungierten und die Konferenz in ihre Stadt geholt hatten. Als Gastgeber leitete Norbert Zirnsak (1. Bevollmächtigter) aus dem Anspruch und der Kampftradition der IG Metall eindrucksvoll her, wie ihn die Friedensaktivitäten im Bonner Hofgarten in den 1980er Jahren als Gewerkschafter politisiert hatten.
Wie notwendig es ist, die Debatte breit zu führen, wurde in den hochkarätig besetzten Podien deutlich. Internationale Gäste waren Alex Gordon, Vorsitzender der Kommunistischen Partei Britanniens und ehemaliger Vorsitzender der britischen Eisenbahnergewerkschaft, Jeremy Corbyn, ehemaliger Vorsitzender der englischen Labour-Party, sowie Aktivisten der belgischen Partei der Arbeit und von La France insoumise. Vertreter des Bündnisses „All Eyes on Gaza“ und des Münchener Bündnisses „Soziales rauf – Rüstung runter“ nahmen ebenso an der Konferenz teil wie Reiner Braun vom International Peace Bureau sowie Aktive aus dem Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“ und dem Hamburger Schulstreik-Komitee. Sie bereicherten die Debatte gemeinsam mit zahlreichen Aktiven aus Betrieb und Gewerkschaft.
Der prominente Arbeitsrechtler Wolfgang Däubler brachte seine Expertise auf dem Podium „Achtstundentag, Rente, Sozialabbau – Wer zahlt für die Aufrüstung und was können wir dagegen tun?“ ein. Der Ökonom Heinz Bierbaum diskutierte in der Runde „Panzer statt Autos – Rüstungskonversion als Antwort auf Arbeitsplatzabbau?“ mit Anne Rieger und dem Betriebsratsvorsitzenden von Brose Würzburg. Entsprechend hochwertig waren die Diskussionsrunden. (…)
Erfrischend selbstverständlich äußerten sich die ver.di-Vertreter Öztürk und Carman zur Notwendigkeit, die Militarisierung und die Angriffe auf soziale Errungenschaften zusammen zu sehen und den Widerstand dagegen miteinander zu verbinden. Auf der Konferenz bestand ohnehin große Einigkeit über diesen Zusammenhang. Patrik Köbele konkretisierte ihn in seinem Redebeitrag, in dem er die Brücke vom nächsten Schulstreik am 25. September zum bundesweiten gewerkschaftlichen Aktionstag gegen den Sozialabbau am Tag darauf schlug. Köbele schlug der Konferenz die Orientierung „streikfähig statt kriegstüchtig“ vor.
Wie viel Energie in der Verknüpfung der verschiedenen Proteste steckt, zeigte auch das Jugendpodium am Samstagabend, auf dem der Zusammenhang zwischen der Einführung der Wehrpflicht und den Angriffen auf die Jugend, das Gesundheitssystem sowie die Tarifverträge der dort Beschäftigten aufgezeigt wurde, der orientierend für die weiteren Debatten wirkte. (…)
Die fast 250 Teilnehmenden erlebten in Würzburg genau die Diskussion, die der DGB auf seinem letzten Bundeskongress beschlossen hatte. Trotz unterschiedlicher Einschätzungen – zum Beispiel zu bestimmten internationalen Fragen – und unterschiedlicher Ausgangslagen in den verschiedenen Betrieben, Branchen und Gewerkschaften gab die Konferenz Kraft und diente den friedensbewegten Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern zur Vernetzung…“ Bericht von Jan von Hagen und Tim Laumann vom 28.07.2026 im uz-blog
– einige Reden und die Videoaufzeichnung der 4. Gewerkschaftskonferenz für den Frieden in Würzburg gibt es im UZ-Blog 
- A place to be: Die vierte Gewerkschaftskonferenz gegen Aufrüstung und Krieg
„… Nun also die vierte Konferenz in Würzburg. Sie zeigte erst recht, welches Potential in der Initiative steckt. Denn sie versammelte zwar aktive Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, vielfach mit Funktionen, aber sie griff auch politische Entwicklungen und Bündnisse außerhalb der Gewerkschaften auf und bindet sie in einen gemeinsamen Diskussionsprozess ein. Gewerkschaft ist eben an vielen Orten, gewerkschaftlich aktiv sind auch die Initiator:innen des Bündnisses „Sagt Nein“, die Gewerkschaftsjugend ist ein aktiver Teil des Bündnisses gegen die Wehrpflicht, aber auch die Träger:innen der sog. „alten Friedensbewegung“, des Kasseler Ratschlags für den Frieden, des Netzwerks Friedenskooperative und anderer waren und sind gewerkschaftlich orientiert. Mehr als jede andere Struktur hat die gewerkschaftliche Initiative das Potential, den Widerstand gegen Aufrüstung und Sozialabbau zusammenzuführen.
Denn das war von Anfang an, schon in Hanau klar gewesen: So deutlich sich die Initiative innerhalb des gewerkschaftlichen Rahmens verortet, so ist doch der wichtigste, der trotzige Schritt, den sie geht, die klare Ansage: Aufrüstung und Kriegsbereitschaft nach außen sind nicht zu trennen vom Krieg nach innen und den Angriffen auf soziale und demokratische Errungenschaften und Rechte. Ihre Forderung an die bestehenden Gewerkschaftsstrukturen ist: Gewerkschaft muss politisch werden. Das ist der Kern der gewerkschaftlichen Erneuerung. (…)
Da war es nur folgerichtig, dass die Initiative dazu aufgerufen hat, sowohl am bundesweiten Aktionstag des DGB gegen den sozialen Kahlschlag am 26. September als auch an den Protesten der Friedensbewegung in Berlin und Stuttgart am 3. Oktober teilzunehmen.
Der Aktionsradius wurde übrigens auf der Konferenz noch erweitert: Am 25. September ist der nächste Streiktag gegen die Wiederbelebung der Kriegsdienstpflicht; und am 10. Oktober ist Tag der internationalen Solidarität mit Palästina. Beides wurde in den Aktionskatalog mit aufgenommen. Der völkermörderische Krieg gegen das palästinensische Volk war übrigens selbstverständlicher Teil der Diskussion über die Militarisierung, auch hier wurde klare Kante gezeigt.
Bedauerlich war, dass (noch) kein Platz war für engere Verabredungen im Hinblick auf die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie in diesem Herbst. Derzeit werden in der IG Metall dafür die Forderungen aufgestellt. Eine weitere Arbeitszeitverkürzung wäre ein zentrales Instrument gegen die derzeit rollende Entlassungswelle und auch eine wichtige Ergänzung zu betrieblichen Initiativen für den Erhalt der Industriestandorte durch Aufnahme einer Produktion, die für den ökologischen Umbau wichtig ist.
Ulrike Eifler, 2. Bevollmächtigte der IG Metall in Würzburg und treibende Kraft hinter den Konferenzen, brachte es in ihrem Abschlussstatement auf den Punkt: Der Generalangriff provoziert an den verschiedensten Stellen der Gesellschaft Gegenwehr. Noch ist diese zersplittert. Doch die Temperatur steigt und in dem Maße wird auch deutlich werden, dass der Widerstand gebündelt werden muss. Sie prognostizierte einen heißen Herbst. (…)
Erstmals seit der Sozialforumsbewegung Ende der 90er und der Nuller Jahre gibt es wieder so etwas wie eine gemeinsame europäische, tendenziell antikapitalistische Bewegung. Das ist ein unglaublich starker Rückenwind…“ Bericht von Angela Klein vom 26.07.2026 bei der ISO
auch über die internationalen Gäste der Konferenz - Gewerkschaftskonferenz für Frieden: Ausweg Arbeitszeitverkürzung
„Entweder Rüstungsproduktion oder Arbeitslosigkeit, das ist eine verkehrte Wahl. In Würzburg diskutierten Gewerkschafter, wie der Krise des Kapitalismus begegnet werden kann (…)
Möglich ist die »Zeitenwende« durch die Konstruktion eines äußeren Feindes, nämlich Russland – darauf machten neben Solty noch andere Redner aufmerksam. Der Bundestagsabgeordnete Jan Dieren (SPD), der von seiner Fraktion als einziger gegen die Aufrüstung gestimmt hatte, bestätigte: Bereits jetzt werde jeder zehnte Euro des Bundeshaushalts für Zinstilgung ausgegeben. Bis 2030 werden sich diese Aufwendungen verdoppeln. Die unsozialen Auswirkungen dessen leugneten auch die anderen SPD-Abgeordneten nicht. Aber der Bedrohungsmythos wirke so stark, dass sie den Angriff auf das Sozialsystem in Kauf nähmen, so Dieren.
Direkt angegriffen werden auch die Gewerkschaften. Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung etwa bedeute auch einen Eingriff in die Tarifautonomie, sagte Sinan Öztürk, stellvertretender Bezirksvorsitzender von Verdi Bayern. Die darin enthaltene Orientierung an den Grundlohnkosten werde dazu führen, dass die Personalbemessung, die die Beschäftigten in jahrelangen Auseinandersetzungen erkämpft haben, künftig nicht mehr allein am tatsächlichen Pflegebedarf ausgerichtet ist, sondern an den finanziellen Spielräumen, die sich rechnerisch aus der Entwicklung der Grundlohnrate ergeben. (…)
Alles in allem ist es nach wie vor weitgehend ruhig. Eine Rolle spielt dabei Perspektivlosigkeit. In der Automobilindustrie sind seit 2019 mehr als 100.000 Arbeitsplätze gestrichen worden, und diese Zahl wird sich in den kommenden Jahren verdoppeln, wie der ehemalige (Heinz Bierbaum) und der neue Vorsitzende (Bernd Riexinger) der RLS betonten. Auch wenn die Rüstungsindustrie den Arbeitsplatzabbau nicht kompensieren wird, tue sich vor den Kollegen ein Scheideweg auf: Rüstung oder Arbeitslosigkeit, konstatierte Cem Ince, Bundestagsabgeordneter von Die Linke.
Dieser Widerspruch und die Verantwortung dafür dürften nicht an die Kollegen in den Betrieben abgegeben werden, forderte Anne Rieger, ehemals Bevollmächtigte der IG Metall Waiblingen. »Als Friedensbewegung haben wir die Kollegen in ihrer Not immer allein gelassen.« Rüstungskonversion sei immer dann gelungen, wenn die Arbeiterbewegung stark war – und nach Kriegen. Sie machte klar, wie wichtig die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ist: 25 Wochenstunden – das ist realistisch.
Ein VW-Kollege aus Kassel, der die antimilitaristische Resolution des dortigen IG-Metall-Vertrauensleutekörpers dieses Jahr mit ausgearbeitet hatte, sagte in der Diskussion dann aber sehr deutlich, er habe noch nie ein Problem gehabt, die Kollegen zu überzeugen. Immer nur bei Gewerkschaftsfunktionären und Betriebsrat.“ Artikel von Susanne Knütter in der jungen Welt vom 27.07.2026
- Wo Frieden zur Gewerkschaftsfrage wird: Gewerkschaftskonferenz für den Frieden in Würzburg
- »Das ist eine typisch deutsche Frage«: Erste Voraussetzung für Generalstreiks und politische Streiks ist nicht Recht, sondern Anzahl der Beteiligten und Unterstützer.
„… Der Widerspruch der Gewerkschaften hat ein gewisses Gewicht, aber ein größeres hätte es, wenn sie notfalls einen Generalstreik organisieren könnten. Aber diese Möglichkeit besteht bei uns ja nicht. Nicht allein wegen der rechtlichen Seite, sondern auch faktisch.
[Es gibt Arbeitsrechtler, die meinen, man müsste es darauf ankommen lassen. Sie sagen, dass die Gewerkschaften etwa in politischen Angelegenheiten nicht streiken, geht auf die bisherige Rechtsprechung zurück, und man könnte eine neue anstreben.]
Aber es gibt wenig Hoffnung, dass die Rechtsprechung sich in dieser Frage ändert. Ich habe mal einen spanischen Kollegen gefragt: Wie ist das eigentlich bei euch? Nach welcher Vorschrift ist es erlaubt, dass man einen Generalstreik macht? Seine Antwort lautete: Das ist eine typisch deutsche Frage. Es gibt natürlich überhaupt keine Rechtsnorm, die so was gestattet. Aber niemand wirft die Frage auf, ob das eine zulässige Maßnahme ist oder nicht. (…)
Die Frage, ob das eine Umgehung der Friedenspflicht ist, wurde nicht zum Thema gemacht. Das heißt, wenn die Streikenden so stark sind und so viel Solidarität in der Belegschaft und in der Bevölkerung haben, dass niemand mehr die Rechtsfrage aufwirft, dann kann man auch hier einen Generalstreik machen. (…)
[Sie haben jahrelang für gleiche Lohn- und Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter gekämpft. Nun hat der Betriebsrat von Mercedes in Bremen eine Betriebsvereinbarung unterzeichnet, in der er zustimmt, die Leiharbeitsquote zu erhöhen, wenn zusätzliche Stückzahlen vom Mercedes-Werk aus Südafrika nach Bremen kommen. Besteht die Gefahr, dass Betriebsräte vermehrt solche Vereinbarungen abschließen?]
Es ist schon mal ein Fortschritt, dass die eine Quote haben. Das hat man ja gar nicht überall. Dass sie die ausweiten, ist natürlich wenig erfreulich. Die Funktion davon ist: Wenn es zur Krise kommt, müssen in erster Linie die Leiharbeiter gehen. Und das heißt, die Stammbelegschaft sichert sich durch diesen Puffer ab. Wenn der Puffer 25 Prozent beträgt, ist das ganz schön viel, und die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sind sehr viel sicherer. Wenn dann zusätzliche Stückzahlen kommen, was eine seltene Situation heutzutage ist, dann sind die Stammarbeitsplätze durch zusätzliche Leiharbeiter noch ein Stück sicherer. Die Überlegung ist nicht besonders solidarisch, aber man weiß nicht, ob sie von Arbeitgeberseite aufgezwungen wurde. (…)
[Was erwarten Sie von der gewerkschaftlichen Friedenskonferenz in Würzburg, auf der Sie an diesem Freitag auch sprechen werden?]
Dass sie den Kreis der Leute erweitern kann, die die Kriegsgefahr erkennen und in ihrem Umfeld deutlich machen, dass dieser Krieg eskalieren kann. Ich erwarte nicht, dass die DGB-Gewerkschaften plötzlich zu großen Friedensorganisationen werden. Eine kritische Minderheit wird innerhalb der Gewerkschaften toleriert, damit die Leute nicht austreten. Die Gewerkschaften sind Lobbyorganisationen. Man hat einen gewissen Einfluss, etwa im Arbeitsministerium. Aber nicht so viel wie die Arbeitgeber. Die Gewerkschaften machen also Kompromisse, weil alles noch viel schlimmer kommen könnte. Diese Politik motiviert auf Dauer niemanden, Mitglied der Gewerkschaft zu werden. Dadurch haben wir den kontinuierlichen Mitgliederrückgang. Wir sind jetzt bei fünfeinhalb Millionen. 1992 hatte der DGB noch circa elf Millionen Mitglieder…“ Ein Gespräch mit Wolfgang Däubler von Susanne Knütter in der jungen Welt vom 24.07.2026
(„»Das ist eine typisch deutsche Frage«“) - Sozialabbau für Aufrüstung: »Müssen Abwehrkämpfe jetzt führen«
Mark Ellmann (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern) über den Zusammenhang zwischen steigenden Militärausgaben und leeren Kassen. Er wird auf der Gewerkschaftskonferenz für Frieden sprechen. Interview von Melanie Klimmer vom 24.07.2026 in ND online
- Profitiert Bremerhaven von den Rüstungsmilliarden? Interview mit Nonni Morisse: „Ohne Widerstand sieht es düster aus“
„Am 24. und 25. Juli findet die vierte Gewerkschaftskonferenz für den Frieden in Würzburg statt. Sie steht unter dem Motto „Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg!“ Wir haben mit einem der Referenten der Konferenz, Nonni Morisse, gesprochen. Er arbeitet als Gewerkschaftssekretär in Bremerhaven…“ Interview von Lars Mörking in der UZ vom 3. Juli 2026
Siehe zuletzt das Dossier: Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg: 3. Gewerkschaftskonferenz für den Frieden der RLS in Salzgitter am 11./12. Juli 2025