Wer z.B. aus Indonesien oder Vietnam zur Ausbildung in die BRD kommt: Lernt. Was Ausbeutung ist.

Dossier

EU-Analyse: Wie Arbeitskräfte in Europa ausgebeutet werdenDeutsche Betriebe beuten oftmals Auszubildende aus, die aus ärmeren Ländern wie Indonesien kommen. Besonders häufig geraten junge Arbeits­kräfte, denen Agenturen eine Stelle vermittelt haben, in Zwangsverhältnisse. In Indonesien findet Angaben der Weltbank zufolge etwa einer von sechs jungen Menschen keine Arbeit, ganz zu schweigen von einem guten Arbeitsplatz. Viele hegen daher den Wunsch, ihre Qualifikationen mit einer Aus­bildung im Ausland zu erhöhen oder diese als Möglichkeit für die Auswanderung zu nutzen. Hierzulande kommt das Branchen mit traditionell niedrigen Gehältern, eher schlechten Karrierechancen und hartem Arbeitsalltag gelegen. Dazu zählen unter anderem die Gastronomie, Hotellerie und der Pflegesektor…“ aus dem Bericht „Ausgebeutet statt ausgebildet“ von Sabri Deniz Martin am 02. Januar 2020 in der jungle world externer Link über die Erfahrungen junger Menschen aus Indonesien, die zur Ausbildung in die BRD gekommen sind und mehr daraus/dazu:

  • Dutzende von Auszubildenden aus Vietnam wurden durch Pflegedienst in Altenburg um ihren Lohn geprellt, auf den sie trotz gewonnener Gerichtsverfahren warten New
    Es geht um Tausende Euro: Auszubildende eines Altenburger Pflegebetriebs wurden vielfach um ihren Lohn gebracht. Der Unterstützerkreis stellt nun die Arbeit ein
    Schauplatz: Ein Pflegebetrieb in Altenburg, 30 Kilometer von Gera entfernt. Delikt: Lohndiebstahl im großen Stil, über acht Monate lang. Im Februar hatte der Pflegedienst Steffi Hose für Schlagzeilen gesorgt, weil er dutzenden von Auszubildenden, die über Vermittlungsagenturen aus Vietnam angeheuert worden waren, den Lohn vorenthalten haben sollte. Es folgten Gerichtsverfahren, doch trotz eines Urteils zugunsten der jungen Arbeiter warten viele noch immer auf ihr Geld. Dennoch wird sich der Unterstützerkreis für die Auszubildenden nun auflösen, wie Beteiligte jW am Sonnabend mitteilten. Die Begleitung sei von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht gewesen, hieß es zur Begründung. Die eigentlichen Ursachen des Problems anzugehen, sei indes Aufgabe anderer Institutionen.
    Ein Schritt zurück: Anfang des Jahres hatte jW berichtet externer Link, dass die Azubis des Betriebes in teilweise miserablen Unterkünften untergebracht gewesen waren. Dafür zahlte die Firma zwar ein schmales Geld, behielt die Ausbildungsvergütungen aber zu großen Teilen ein. Statt Geld nach Hause schicken zu können – in Vietnam beträgt der durchschnittliche Monatsverdienst umgerechnet nur 280 Euro – mussten die jungen Menschen selbst um Unterstützung bitten.
    Im Juni fanden dann einige der letzten Gerichtsverhandlungen in der Sache statt. Das Urteil fiel nach Angaben des Unterstützerkreises zugunsten der Betroffenen aus: Ausstehende Ausbildungsvergütungen müssen gezahlt und Gehälter korrigiert werden. Kosten für Unterkunft, Strom, Internet und Mittagessen, die zuvor von der Vergütung abgezogen worden waren, dürften nicht auf diese Weise auf die Azubis abgewälzt werden. Für einige geht es um 8.000 bis 10.000 Euro.
    Recht zu bekommen heißt aber noch nicht, zu seinem Recht zu kommen: Einige der Opfer haben inzwischen Zahlungen erhalten, andere warten weiterhin. Dabei hätte die Lohnnachzahlung spätestens bis zum 30. Juni erfolgen müssen. Bei einigen Klagen sprach das Gericht den Azubis außerdem eine Entschädigung zu. Manche der Auszubildenden haben Altenburg inzwischen verlassen, neue Wohnungen und Ausbildungsplätze gefunden und versuchen, den Fall abzuschließen. Andere warten weiterhin auf ausstehende Zahlungen, ohne ausreichend darüber informiert zu werden, welche Schritte nach einem gewonnenen Verfahren folgen und wer zuständig ist, wenn der ehemalige »Arbeitgeber« dennoch nicht zahlt. Nach Angaben des Unterstützerkreises sind in einzelnen Fällen bereits Zahlungsfristen verstrichen, so dass weitere Mahnungen erforderlich wurden. (…)
    Wo institutionelle Unterstützung an ihre Grenzen stieß, sprangen zunehmend solidarische Strukturen ein. Die Unterstützungsarbeit von solidarischen Menschen in Berlin reichte von Begleitungen zu Gerichtsterminen und der Vermittlung von Rechtsberatung über Übersetzungen bis hin zu ganz unmittelbarer finanzieller Hilfe. Als die Ausbildungsvergütungen ausblieben, wurden durch einen Spendenaufruf etwa 6.500 Euro gesammelt und an die Betroffenen weitergegeben. Auch in Leipzig entstand eine solidarische Begleitgruppe. Zur nun anstehenden Einstellung der Arbeit hieß es, ein kleiner Kreis ehrenamtlicher Personen könne nicht dauerhaft die Beratung und Absicherung ersetzen, die eigentlich durch Gewerkschaften, Beratungsstellen und andere institutionelle Strukturen gewährleistet werden müssten.
    Der Berliner Unterstützerkreis kritisierte gegenüber jW außerdem, dass im Fokus der Berichterstattung meistens die ausländischen Vermittlungsagenturen, die hohen Vermittlungsgebühren oder die vermeintlich mangelnden Sprachkenntnisse der Betroffenen stehen. »Damit wird Verantwortung verschoben. Die Altenburger Azubis wurden nicht ausgebeutet, weil ihr Deutsch nicht gut genug war. Gute Sprachkenntnisse schützen nicht vor Ausbeutung
    …“ Artikel von Kim Chi Luu in der jungen Welt vom 24.08.2026 externer Link („Angeworben und abgezockt“)
  • Verdacht auf Menschenhandel bei Azubis aus Vietnam 
    „Immer mehr Azubis aus Vietnam kommen trotz Sprachzertifikats mit großen Sprachproblemen nach Deutschland. Berufsschulen berichten von Überlastung, Gewerkschaften von Ausbeutung. Manche Azubis verschwinden spurlos vom Arbeitsmarkt. An der Brillat-Savarin-Schule in Berlin-Weißensee taucht ein erheblicher Teil vietnamesischer Auszubildender nicht mehr zum Berufsschulunterricht auf. Etwa ein Drittel der ursprünglich angemeldeten Schüler fehlt inzwischen. „Niemand weiß, wo die abgeblieben sind“, sagt Sebastian Riesner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), und Mitglied der Schulkonferenz. „Günstigstenfalls“, so Riesner, landeten die jungen Menschen „in irgendwelchen Nagelstudios, schlimmstenfalls in der Prostitution, wo sie ihre Schulden abbezahlen.“ Die Schule zählt rund 5.000 Auszubildende im Gastgewerbe, etwa 700 von ihnen kommen aus Vietnam. Auffällig ist: Viele verfügen über ein offizielles B1-Sprachzertifikat, können aber kaum Deutsch sprechen. Ein solches Zertifikat ist Voraussetzung für ein Ausbildungsvisum. (…) Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit absolvieren derzeit rund 16.000 junge Menschen aus Vietnam eine Ausbildung in Deutschland, davon fast 2.000 in Berlin. Exakte Zahlen sind nicht verfügbar. (…) In Vietnam werben private Agenturen junge Menschen mit dem Versprechen an, alle Formalitäten für Vertrag, Sprachprüfung und Visum zu übernehmen. Dafür verlangen sie nach Informationen von rbb24-Recherche bis zu 20.000 Euro. Viele verschulden sich stark. „Den Leuten wird das Blaue vom Himmel versprochen“, sagt DEHOGA-Chef Buchhorn. Er selbst erhalte regelmäßig Angebote von Vermittlern. (…) Für NGG-Vertreter Riesner handelt es sich bei vielen Vermittlungsagenturen um „Schlepperorganisationen, die billige Arbeitskräfte nach Deutschland bringen“. Er spricht von „Arbeitskräfteschleusung und modernem Menschenhandel“. (…) Arbeitgeberverband und Gewerkschaft kritisieren einheitlich fehlende Kontrollen. Gerrit Buchhorn vom DEHOGA fordert eine offizielle Liste seriöser Anbieter und ein verbindliches Kontrollsystem. Sebastian Riesner von der NGG geht noch weiter: Die Vermittlung solle ausschließlich über die Bundesagentur für Arbeit laufen, unter klaren gesetzlichen Vorgaben. „Wenn Menschen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse geraten oder verschwinden, darf das einem Rechtsstaat nicht egal sein“, sagt er.“ Beitrag von Hannah Weber und Adrian Bartocha vom 1. Oktober 2025 bei tagesschau.de externer Link und dazu:

    • „Verschwinden“ vietnamesischer Azubis: Wie staatlicher Rassismus moderne Sklaverei ermöglicht. Was Arbeiter:innen und Jugendliche jetzt tun können
      „In einer exklusiven Reportage berichtet die Tagesschau externer Link von „Verschwinden“ vietnamesischer Auszubildender, etwa an der Brillat-Savarin-Schule in Berlin-Weißensee. Dort taucht ein Drittel der angemeldeten Schüler:innen nicht mehr auf, keine Spur, wo sie sind. An der Schule werden 5.000 Auszubildende in der Gastronomie ausgebildet, 700 von ihnen aus Vietnam. Auffallend seien laut Schule die oft fehlenden Sprachkenntnisse, was Zweifel an den Sprachzertifikaten aufkommen lasse. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) spricht dem Bericht zufolge von vergleichbaren Fällen des „Verschwindens“ vietnamesischer Auszubildender überall in Deutschland; insgesamt kommen etwa 16.000 Auszubildende aus Vietnam, ihre Zahl steigend. Bereits letztes Jahr berichtete die Tagesschau über die moderne Sklaverei vietnamesischer Migrant:innen in Deutschland, mit Schwerpunkt in Berlin. Der RBB zitiert das BKA damit, die jungen Zwangsarbeiter:innen werden hauptsächlich eingesetzt in den Massagestudios, Restaurants, Nagelstudios, beim Zigarettenschmuggel, in der Schlachtindustrie, in der Prostitution sowie im Drogengeschäft. Auch Minderjährige würden versklavt. (…) Mehr Kontrollen und Polizei sind aber nicht Bestandteil der Lösung, sondern des Problems. Die deutschen Gesetze binden den Aufenthalt in der Regel an Arbeits- und Ausbildungsverträge, weshalb vietnamesische Jugendliche und Arbeiter:innen über Ausbildungsvisa nach Deutschland kommen. In Deutschland selbst findet meist kaum kostenlose Sprachförderung statt. Die jungen Menschen sollen hier nach Willen des Kapitals überwiegend gar keine Zukunft haben, sondern in Niedrigstlohn und illegalisierten Sektoren billig oder sogar unter Sklaverei arbeiten – das ist Teil des deutschen Wirtschaftssystems. Grundlage dafür ist die Ungleichheit zwischen Deutschen (beziehungsweise EU-) und Nicht-EU-Bürger:innen, die solche Sektoren der (erzwungenen) Arbeit überhaupt ermöglicht. Mehr Polizei und Kontrolle würden den Druck auf die migrantisch Arbeiter:innen in der Illegalität nur noch mehr erhöhen und ihre Situation noch unerträglicher machen, sie noch mehr in die Abhängigkeit organisierter Kriminalität und Bosse bringen. (…) Besondere Verantwortung tragen die NGG oder die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, in deren Organisierungsbereich die meisten vietnamesischen Auszubildenden sich befinden, aber auch die Bildungsgewerkschaft GEW, die auch die Lehrkräfte zu Maßnahmen zur Unterstützung und zum Schutz der Auszubildenden durch Selbstorganisierung der Beschäftigten aufrufen kann. Damit Sofortmaßnahmen langfristig effektiv sind, müssen Sie mit der Forderung des Bleiberechts für alle sowie der Abschaffung jeglicher Diskriminierung aufgrund der Nationalität verbunden werden. Auch Sprachförderung muss für alle Schüler:innen und Arbeiter:innen kostenlos sein und im Ausland gemachte Abschlüsse müssen anerkannt werden. Und nicht zuletzt müssen alle von einem Ausbildungsgehalt leben können. Nur die Solidarität der Arbeiter:innen und Jugend und deren Selbstorganisation kann den strukturellen Rassismus beenden, der hier in Deutschland Sklaverei ermöglicht…“ Beitrag von Oscar Weber vom 16. Oktober 2025 bei ‚Klasse Gegen Klasse‘ externer Link
  • Im Angebot: Ausländische Auszubildende. Das Geschäft mit der Hoffnung auf eine gute Ausbildung
    „»Sie haben eine vakante Ausbildungsstelle, aber finden keine geeignete Nachwuchskraft? Die duale Berufsausbildung in Deutschland genießt im Ausland ein großes Ansehen, so dass auch das Interesse junger Menschen aus dem Ausland (…) an einer dualen Ausbildung in Deutschland groß ist.«  Mit diesen Worten richtet sich das Portal der Bundesregierung zur Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland an Arbeitgeber und empfiehlt ihnen, sich auch im Ausland um Auszubildende zu bemühen. Diesem Aufruf folgen immer mehr Betriebe und sichern sich die Arbeitskraft von jungen Menschen aus dem Ausland, vor allem aus südostasiatischen und nordafrikanischen Ländern. (…) Die entstehenden Kosten sind für die meisten jungen Menschen nicht ohne die Aufnahme von Krediten machbar. Sie begeben sich bereits vor der Abreise in eine Situation, in der ein Scheitern der Ausbildung ein existenzielles Risiko darstellt. Entsprechend groß ist oft ihr Wille, um jeden Preis durchzuhalten. Zu den Schulden kommt die Gefahr, Opfer krimineller Seilschaften zu werden…“ Artikel von Josef Kraft  in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 8/2025  – Josef Kraft ist Landesbezirksjugendsekretär des Landesbezirks Südwest der NGG
  • In der Schuldenfalle: In Berlin machen rund 1.600 Vietnamesen eine Ausbildung – meist für Jobs im Niedriglohnsektor. Viele rutschen unmittelbar in Ausbeutungsverhältnisse
    „Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen: Die Aussage des Schriftstellers Max Frisch bezog sich 1965 auf die Anwerbung von sogenannten Gastarbeitern. Sie gilt auch heute noch. Die Berliner Wirtschaft hat ein riesiges Fachkräfteproblem. (…) Einer der Wege, um die Lücke zu schließen, ist es, Auszubildende aus dem Ausland anzuwerben. (…) Nga Ho* ist eine der aktuell rund 1.600 Berliner Auszubildenden mit vietnamesischer Staatsangehörigkeit. Die 23-Jährige lernt den Beruf der Altenpflegerin. Sie stammt aus der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, hat Abitur, spricht fließend Englisch, Chinesisch und respektabel Deutsch, vor ihrer Ausreise aus Vietnam ein Anglistikstudium begonnen und mehrere Musikinstrumente erlernt. (…) Den Auszubildenden aus prekären Verhältnissen bleibt häufig nur ein Weg, um die Gebühren zu bezahlen: Sie müssen sich verschulden. Diese Schulden und die Last, sie zurückzuzahlen, seien letztlich auch der Grund, warum sie nicht ausreichend Zeit ins Deutschlernen investieren, heißt es aus der Community. Hinzu kommt, dass es auch andere Wege gibt, um zu einem Zertifikat B1 zu kommen. Auch in Vietnam blüht die Korruption, wer es sich leisten kann oder muss, kann sich das Zeugnis und damit die Eintrittskarte für Deutschland auch kaufen. (…) Klar ist: Die Abhängigkeit von den Vermittlungsagenturen treibt Vietnamesen in Ausbeutungsverhältnisse. Bei einer Anhörung im zuständigen Fachausschuss des Abgeordnetenhauses im Mai wurde von Fällen berichtet, wo Betroffene deutlich mehr Stunden im Ausbildungsbetrieb ableisten mussten als zugelassen. Die Wohnverhältnisse, hieß es, seien häufig prekär. Für ein Bett in einem Schlafsaal, oft ohne Tisch zum Lernen, würden mehrere Hundert Euro fällig. (…) Doch das Problem liegt sehr viel tiefer: Wenn in Deutschland von Auszubildenden für Berufe im Niedriglohnsektor wie Nga Ho und vielen ihrer Landsleute verlangt wird, dass sie für alle Kosten vom Sprachkurs bis zum Flug selbst aufkommen, dann ist die Verschuldung, die Abhängigkeit von den Geldgebern und manchmal auch von kriminellen Strukturen programmiert. Zum Ausbildungserfolg führt das dann eher selten. (…) Doch während Deutschland die einen abschieben lässt, holt es die anderen ins Land. (…) Nur ist auch das Aufenthaltsrecht der Azubis an die Ausbildung gekoppelt. Beenden sie diese nicht erfolgreich, tauchen sie oft in die Illegalität unter. Oder sie suchen den Ausweg in einem Kind von einem deutschen Mann oder Scheinvater, um dennoch bleiben zu können…“ Artikel von Marina Mai vom 15. August 2025 in der taz online externer Link
  • Von Anwerbung über Ausbildung bis Ausbeutung: Immer mehr Betriebe suchen Azubis im Ausland – oft mithilfe privater Vermittlungsfirmen
    Für die Azubis bedeutet das häufig: Schulden und Ausbeutung
    »Das Ausbildungssystem in Deutschland ist ein Erfolgsmodell.« So steht es auf der Webseite des Bundeswirtschaftsministeriums. Und: »Da die deutsche Wirtschaft gut ausgebildete Fachkräfte braucht, sind Karrieren mit beruflicher Ausbildung so aussichtsreich wie nie.« (…) In den vergangenen Jahren hat sich im Zuge der Fachkräfteanwerbung ein regelrechter Run auf junge Menschen entwickelt, um sie für eine Berufsausbildung in Deutschland zu motivieren. Unternehmen aller Branchen, vor allem aber solcher mit niedrigen Löhnen und harten Arbeitsbedingungen wie das Hotel- und Gastgewerbe, suchen in Vietnam, Marokko, Indien und anderen Ländern nach Azubis. Entsprechend steigt die Zahl derer, die mit einem Aufenthaltstitel zur Berufsausbildung in Deutschland leben: Das sind jene, die sich aus Ländern außerhalb der Europäischen Union auf eine Ausbildung in Deutschland beworben haben. Etwa 34 000 waren es Ende 2022, Ende März 2025 bereits 55 000.
    Um an den begehrten Nachwuchs zu kommen, schließen Bund und Länder zahlreiche Partnerschaften mit Drittstaaten ab. Um den wachsenden Bedarf an Azubis zu decken, reichen die Programme mit Namen wie Apal (Ausbildungspartnerschaften mit Lateinamerika) oder Mazubi (Azubis aus Marokko) allerdings nicht aus. So ist im Windschatten dieser Initiativen ein wachsender Markt privater Vermittlungsagenturen entstanden. Eine Zertifizierungspflicht gibt es für sie in Deutschland nicht, im Grunde kann jeder eine Agentur eröffnen. Das Versprechen: dafür zu sorgen, dass ausbildungswillige Unternehmen und potenzielle Azubis aus dem Ausland zueinander finden, und diese nach Deutschland zu bringen.
    Diese Dienste sind nicht kostenlos. Viele Agenturen lassen sich von den Betrieben für ein »Full-Service-Paket« – Kandidat*innensuche, Vermittlung, Sprachkurs, Sprachzertifikat, Visum, Flug – bezahlen. Dabei legen die Vermittler und/oder – wie im Fall von Vu – die Ausbildungsbetriebe häufig Kosten auf die Azubis um. Für die reine Vermittlung eines Ausbildungsplatzes darf in Deutschland kein Geld von Azubis verlangt werden – in den Heimatländern aber, etwa in Vietnam, bezahlen die Familien der jungen Menschen oft fünfstellige Beträge für eine Lehrstelle in der Bundesrepublik. Hat eine Agentur ihren Sitz dort, ist das nicht illegal
    …“  Artikel von Jan Ole Arps, Paul Dziedzic und Nelli Tügel vom 10.07.2025 in ND online externer Link
  • Ausgebeutet statt ausgebildet
    Weiter aus dem Bericht von Sabri Deniz Martin am 02. Januar 2020 in der jungle worldexterner Link: „… Buana, eine indonesische Auszubildende in der Hotellerie, hat über eine solche Agentur ihre Stelle gefunden. Sie berichtet im Gespräch mit der Jungle World: »Die Agenturen verkaufen meistens Gesamt­pakete. Sie kümmern sich um das Visum und um die Ausbildungsstelle. Für das Visum braucht man eine Sprachzertifizierung.« Frühere Arbeitserfahrungen seien nicht nötig, aber man müsse einen Schulabschluss haben. »Abhängig vom Umfang kostet das Ganze dann zwischen 300 Euro und 2 500 Euro. Dazu kommen die Flugtickets. Dafür nehmen die Agenturen immer einen Aufschlag, also beispielsweise 800 Euro statt des tatsächlichen Preises von 500 Euro. Selbst kaufen darf man sich die Tickets aus Vertragsgründen nicht.« Eine Agentur hat auch Bentain*, der ebenfalls eine Lehre in der Hotellerie absolviert, einen Platz vermittelt…“

Siehe z.B. auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=160460
nach oben