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Die europäische Mauer in der spanischen Exklave Ceuta: Wieder einmal erfolgreich gestürmt

Dossier

Grenze zur spanischen Exklave CeutaEtwa 500 Flüchtlingen aus dem subsaharischen Afrika gelang es in der letzten Woche, die europäische Mauer in der spanischen Exklave (sprich: Kolonialbesitzung in Afrika) Ceuta zu überwinden. Der kurze Videofilm „Cientos de subsaharianos entran en Ceuta“, am 16. Februar 2017 von Faro TV auf You Tube externer Link gepostet, zeigt ihre Ankuft, und – nicht zuletzt – die Freude über die gelungene Überwindung und über das Wiedersehen mit Freunden oder Familienangehörigen. Das ist der Unterschied zwischen EU und Trump. Der will an der Grenze eine Mauer bauen, die EU baut Festungsmauern gleich „im Feindesland“… Siehe Hintergründe und weitere „Stürmungen“:

  • «Ceuta ist eine Geschichte, die von einer anderen Zukunft handelt» – und von den EU-Wirtschaftsinteressen, über die nicht gesprochen wird New
    • Nach Ceuta wurde vor allem darüber gesprochen, wie Marokko Migration instrumentalisierte. Nicht aber über die EU-Wirtschaftsinteressen, die dies ermöglichten.
      „… Zahlreiche Politiker*innen nutzen die Gelegenheit, eine weitere Verschärfung der Grenzbewachung zu fordern – obwohl die Europäische Union seit Jahrzehnten Millionen von Euros jährlich in die spanisch-marokkanische Grenzsicherung um Ceuta steckt und diese kaum stärker bewacht sein könnte. Einige Expert*innen deuten die Ereignisse als Instrumentalisierung von Migration*innen zur Durchsetzung geopolitischer Interessen insbesondere der internationalen Anerkennung von Marokkos illegalen Souveränitätsansprüchen auf die besetzte Westsahara. Realpolitisch spricht einiges für diese Sichtweise, auch wenn sie ausblendet, was diese „Instrumentalisierung“ überhaupt erst ermöglicht: ein zutiefst rassistisches, tödliches System ungleicher Bewegungsfreiheit, dessen Ursachen und Konsequenzen Expert*innen aus Betroffenen- und Hilfsorganisationen in einem offenen Brief anlässlich des Weltsozialforums in Benin analysieren. Die Gleichgültigkeit gegenüber den mindestens 150 Toten, die dieses europäische Grenzregime wieder einmal gefordert hat, ist erschreckend offensichtlich.
      Klarer Rechtsverstoß
      Als Juristin empört mich vor allem die wenig diskutierte Tatsache, dass die meisten Menschen, die nach Ceuta kamen, mehr oder weniger umgehend und ohne individuelle Prüfung nach Marokko zurückgeschickt wurden. Die spanischen Behörden verstießen klar gegen die aktuelle Rechtslage nach EU- und internationalem Recht. Viel zu selten wird auch in der angemessenen Tiefe über die sogenannten Fluchtgründe gesprochen. Menschen, die sowohl aus Marokko selbst wie auch aus anderen Regionen Afrikas in die Europäische Union gelangen wollen, tun dies, weil ihnen das Leben in ihren Herkunftsländern unerträglich gemacht wird – durch bewaffnete Konflikte, Klimawandel, Umweltzerstörungen und ausbeuterische Arbeitsbedingungen. (…)
      Die Ursachen der Flucht
      Während wir also in Europa die wirtschaftliche Entwicklung und damit unseren Wohlstand auf fossilen Energien und die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen in den damaligen Kolonien Afrikas aufgebaut haben, tragen nun diese Staaten nicht nur die Folgen kolonialer Ausbeutung, sondern auch die Lasten der Klimakrise.
      Dabei haben sie zu den weltweiten Treibhausgasemissionen nur minimal beigetragen, während europäische Wirtschaftsinteressen weiterhin ökologische Krisen verschärfen, Ausbeutung ermöglichen und bewaffnete Konflikte anheizen. Nur ein Beispiel: Um Erdgas zu gewinnen, hat sich der französische Konzern Total mutmaßlich an Kriegsverbrechen in Mosambik beteiligt.
      Europäische Regierungen verhindern darüber hinaus eine faire Gestaltung der Weltwirtschaft, in der Wohlstand ansatzweise gerecht verteilt sein könnte und afrikanische Regierungen in der Lage wären, mit den Herausforderungen der Klimakrise umzugehen. So setzt sich eine starke Koalition afrikanischer Staaten für ein derzeit bei der UNO verhandeltes, globales Steuerabkommen ein. Es würde ihnen ermöglichen, multinationale Unternehmen, insbesondere für die Gewinnung von Rohstoffen, angemessen zu besteuern. Deutschland und die EU sind dagegen. (…)
      Abschottung statt Weitsicht
      Anstatt also eine faire und zukunftsgerichtete Weltwirtschaftspolitik zu betreiben und ein progressives globales Steuerregime einzuführen, steckt die EU lieber Millionen in Abkommen mit Regierungen in Marokko, Tunesien, Ägypten und Libyen. Damit diese dann mit Gewalt und Repression Menschen daran hindern, die EU zu erreichen.
      Die europäische Grenzsicherung verschiebt sich immer weiter auf den afrikanischen Kontinent und wird mit Milliarden an EU-Geldern subventioniert. Wieder einmal sind es europäische Unternehmen, die mit dieser Aufrüstung und Technisierung der EU-Außengrenzen viel Geld verdienen…“ Gastkommentar von Miriam Saage-Maaß vom 23.8.2026 in der taz online externer Link
    • «Ceuta ist eine Geschichte, die von einer anderen Zukunft handelt». Es war nicht allein die Falschnachricht in den sozialen Medien, die die Krise von Ceuta verursacht hat
      „Für mich ist Ceuta nicht bloss eine spanische Stadt an der marokkanischen Küste, sondern Teil meiner eigenen Geschichte. Auch deshalb blicke ich anders auf die Ereignisse vom 30. Juli 2026. Anders als die meisten Medien, die darüber berichtet haben. Ich versuchte 2018, Ceuta zu erreichen, nachdem ich aus Europa ausgeschafft worden war. Wieder war ich auf der Suche nach einem Ausweg, auf der Flucht vor der Verfolgung und der Homophobie in Marokko, wo gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisiert werden. Ceuta verhiess mir ein Leben in Sicherheit als Teil der LGBTQ+-Community. Ich verstehe also den Wunsch, die Exklave zu erreichen. Er ist mir nicht neu. Ebenso wenig ist er neu für Tausende Marokkaner:innen. (…)
      Die spanischen Behörden in Ceuta und die marokkanischen Sicherheitskräfte reagierten immer mit Gewalt. Sie haben Pushbacks begangen, auf die Migrant:innen eingeprügelt und sie bis in die südlichste Ecke der Westsahara deportiert. Vermutlich mit dem Ziel, sie zu ermüden, bis sie irgendwann aufgeben. Aber die Migrant:innen sind immer wiedergekommen. Wer scheitert, wartet einfach auf die nächste Gelegenheit. Sicherheitskräfte schlagen sie fast tot? Sie ziehen ab, verstecken sich, warten, versuchen es wieder. (…)
      Am Anfang steht eine Nachricht: «Dringend! Bestätigte Meldung aus Ceuta: Marokkanische Migrant:innen werden nicht mehr abgeschoben, sondern in Zentren untergebracht – sowohl junge als auch ältere Menschen.» Eine Nachricht, die Tausenden das Gefühl gibt, eine Tür würde sich öffnen. Der Nachricht liegt ein echter Gerichtsentscheid zugrunde. Der oberste Gerichtshof Spaniens hatte sich mit sogenannten «devoluciones en caliente» befasst, der sofortigen und summarischen Zurückweisung von Migrant:innen, die beim Versuch, die Exklaven Ceuta und Melilla zu erreichen, auf See abgefangen werden. Dass Spanien seine Grenzen öffnen müsse, hat es nicht verfügt. Ebenso wenig ein Bleiberecht für jene, die Ceuta schon erreicht haben. (…)
      Zeitungen stellen Mutmassungen an, etwa dass die USA oder Israel hinter der Falschnachricht in den sozialen Medien stecken könnten. Die spanische Regierung hatte zum Krieg im Gazastreifen Stellung bezogen und den Staat Palästina anerkannt. Die Migrationsbewegung vom 30. Juli wird in diesem Narrativ zu einer Art Bestrafung Spaniens. Beweise dafür gibt es keine. Die Rechte und die extreme Rechte versuchen, die Ereignisse zu instrumentalisieren. Sie bewegen die Diskussionen weg von Fragen der ökonomischen Ungleichheit, von mangelnder Freiheit und Asyl – hin zu Fragen der nationalen Sicherheit und der Bedrohungsabwehr. In einer ohnehin schon aufgeladenen Debatte wird Ceuta zum Sinnbild. Mehr Grenzkontrollen, mehr Härte, höhere Zäune. (…)
      Ceuta ist eine Geschichte. Sie erzählt von Menschen, die an dem Ort, an dem sie geboren sind, keine Zukunft haben. Vom Versuch, ein Land zu verlassen, das sie im Stich gelassen hat. Die Nachricht, die in den sozialen Medien kursierte, ist nur ein kleiner Teil dieser Geschichte. Und egal wer hinter der Nachricht steckte: Nicht sie hat diese Migrationsbewegung ausgelöst, sie hat bloss eine schlummernde Kraft geweckt. Sie war Tausenden Leuten Hoffnung genug, um ihren Alltag einzutauschen gegen eine Reise an die Grenzen von Ceuta und Melilla und ins Ungewisse. Die Europäische Union beurteilt Marokko als sicheres Land. Sie verfolgt ökonomische und sicherheitspolitische Interessen, die sie höher gewichtet als theoretische Überlegungen zur Bedeutung von Menschenrechten. Aber so wie Ceuta für mich und Tausende andere nicht bloss eine spanische Stadt an der marokkanischen Küste ist, sind für uns auch diese Überlegungen nicht einfach theoretisch, sondern ein prägender Teil unserer Leben. Höhere Zäune werden daran nie etwas ändern können.“
      Essay von Badr Saameli in der Übersetzung von Lukas Tobler in der WOZ vom 20. August 2026 externer Link (Badr Saameli flüchtete zweimal aus Marokko und ist heute unter anderem Aktivist bei Queer Arab Solidarity, die auf Spenden angewiesen ist)
  • Koloniale Ordnung auf Ceuta („Tomaten dürfen reisen, Arbeiter nicht“) wiederhergestellt – bis zu 5.000 Zurückgebliebene in prekärer Lage zwischen hilfsbereiter lokaler Bevölkerung und der Polizei
    • Koloniale Ordnung: Tomaten dürfen reisen, Arbeiter nicht. Ceuta ist kein spanischer Betriebsunfall, sondern Folge europäischer Arbeitsteilung.
      Marokko produziert für Europa, doch selbst Beschäftigte dieser Vorzeigeökonomie wollen fort. Ihre Flucht verweist auf eine asymmetrische Ordnung, die Europa mitgeschaffen hat.
      Als Ende Juli 2026 mehr als 50.000 Menschen aus Marokko die Grenze zur spanischen Enklave Ceuta überquerten, dominierte in den europäischen Schlagzeilen das Vokabular einer Belagerung: „Ansturm“, „Invasion“, Kontrollverlust. Die Kameras zeigten durchbrochene Zäune. Nur selten zeigten sie die Gesellschaft, aus der Hafenarbeiter, Hotelangestellte und Handwerker aufbrachen. Mindestens 72 Menschen verloren im Gedränge oder im Meer ihr Leben. Es handelte sich um eine marokkanische Grenzkrise und nicht um eine aus dem Sahel heranrollende afrikanische Invasion. Interviews mit Arbeitern aus Fès oder vom Hafen Tanger Med widersprechen dem bequemen europäischen Bild, wonach sich nur völlig verarmte Menschen auf den Weg machen. Viele von ihnen hatten Arbeit. Was ihnen fehlte, war die Aussicht, sich mit dieser Arbeit ein eigenes Leben aufbauen zu können.
      Hinter der Grenze zerfiel selbst diese Hoffnung rasch. Von Ceuta führte kein Weg auf das spanische Festland. Stattdessen verknappten die spanischen Behörden gezielt Lebensmittel und Infrastruktur. Diese Zermürbungstaktik erinnert in ihrer Logik auf fatale Weise an Instrumente wie die deutsche Bezahlkarte für Asylbewerber. Die von Madrid gelobte freiwillige Rückkehr Zehntausender Menschen wurde damit zu einer Rückkehr unter Zwang. (…)
      Marokko exportiert längst mehr als Tomaten und Phosphate. Das Land hat sich in anspruchsvollere Produktionsketten vorgearbeitet. Im Jahr 2025 entfiel gut die Hälfte der EU-Importe aus Marokko auf Maschinen und Transportausrüstung.
      Doch diese Modernisierung erzeugt Wachstum ohne gesellschaftliche Entwicklung und eröffnet nur geringe Möglichkeiten zum sozialen Aufstieg. Während die erwerbsfähige Bevölkerung rasant wächst, fehlt es in großem Umfang an Arbeitsplätzen, die ein existenzsicherndes Einkommen bieten. Das lukrative Ende der Wertschöpfungsketten kontrollieren ausländische Konzerne. Zugleich konzentrieren sich die im Land verbleibenden Erträge in Netzwerken, die dem Königspalast nahestehen.
      Das entlastet Europa keineswegs von seiner Verantwortung. Das kolonial geprägte Wirtschaftssystem richtete die Infrastruktur Marokkos vor allem auf die Bedürfnisse der europäischen Zentren aus. Die Monarchie übernahm diese Außenorientierung und passte sie den Erfordernissen der eigenen Herrschaftssicherung an. Europas wirtschaftliche Strukturmacht und die innere Machtordnung Rabats greifen dabei nahtlos ineinander. (…)
      Der massive Export von Tomaten bedeutet in einem von Dürre geplagten Land faktisch auch den Export von Millionen Litern sogenannten virtuellen Wassers. Gemeint ist das Wasser, das für den Anbau und die Herstellung der exportierten Produkte benötigt wird. Die ökologischen und sozialen Folgen tragen vor allem kleine Bauern und die Menschen in den Binnenregionen.
      Gleichzeitig konkurrieren diese Produzenten mit einer europäischen Agrarwirtschaft, die durch Subventionen in Milliardenhöhe staatlich abgesichert wird. Der marokkanische „Kostenvorteil“ beruht daher zu einem erheblichen Teil auf niedrigen Löhnen und der übermäßigen Nutzung natürlicher Ressourcen. Ähnlich asymmetrisch funktioniert die Tourismusindustrie. Der europäische Urlauber landet in Agadir und wird als umworbener Gast empfangen. Der marokkanische Kellner, dessen Lohn nicht ausreicht, um seine Familie zu versorgen, erscheint dagegen in Ceuta als Sicherheitsproblem.
      Der Türsteher als Mitbesitzer der Tür
      Die europäische Partnerschaft organisiert die Bewegungsfreiheit von Waren, Kapital und Reisenden aus dem globalen Norden bis ins Detail. Die Bewegungsfreiheit marokkanischer Arbeitskräfte behandelt sie dagegen wie eine militärische Bedrohung. Dafür bezahlt die EU Marokko als Türsteher und lagert einen Teil ihres Grenzschutzes an das nordafrikanische Land aus.
      Diese Strategie der Externalisierung offenbart die Widersprüche europäischer Migrationspolitik. Nach außen spricht Europa von Partnerschaft. In der Praxis betreibt es eine immer härtere Abschottung, die vor allem als Sicherheitspolitik verstanden wird...“ Artikel von Kiflemariam Gebre Wold vom 06.08.2026 im Migazin externer Link
    • Über 140 Tote in Ceuta: Europa verrät seine Menschlichkeit
      „… Zugleich brachte sich auch die extreme Rechte Spaniens – und auch Organisationen aus anderen europäischen Ländern, nicht zuletzt Österreich und Deutschland – in Stellung und versuchte die Situation für sich zu nutzen. Kurzerhand reisten Prominente der Bewegung nach Ceuta, um vor Ort und online Hass zu verbreiten. Unter der lokalen Bevölkerung formiert sich dagegen Protest externer Link. Auch wenn sich unter ihnen viele von der akuten Situation überfordert zeigen, wollen sie Ceuta als eine Stadt verteidigen, in der verschiedene Religionen und Menschen friedlich zusammenleben. (…)
      Währenddessen bleibt die Lage vor Ort herausfordernd. Zwar ist der Großteil der Menschen wieder über die Grenze nach Marokko zurückgekehrt, doch für die Zurückgebliebenen ist die Versorgungslage äußerst prekär und von Hunger geprägt. Nach Schätzungen der lokalen Behörden sind noch zwischen 3.000 und 5.000 Personen in der Stadt, darunter mindestens 860 unbegleitete Minderjährige. Die Menschen, die beim Überschwimmen der Grenze vielfach mit dem Tod konfrontiert waren, werden alleine gelassen. Humanitäre Hilfe gibt es laut Medienberichten nur spärlich.
      Wie genau die Rückkehr der vielen Tausend Menschen organisiert wurde und ob Asylgesuche gestellt werden konnten, darüber gibt es wenige Informationen. Die in Ceuta aktive Organisation No Name Kitchen berichtet, dass Betroffenen Schläge angedroht wurden. Journalist*innen beobachteten gewaltsames Vorgehen seitens der spanischen Polizei, um die Menschen aus Ceuta zu treiben. Auch dürfte die desolate Versorgungslage eine gewichtige Rolle gespielt haben…“ Pro Asyl-Meldung vom 06.08.2026 externer Link
  • Ceuta: Die angebliche „Bedrohung“ durch 60.000 verzweifelte Menschen ist „abgewehrt“. Es bleiben namenlose 130 (!) Tote und seltene aber brutale Einheit der EU (außer ES, IE, FR, LU und PT) 
    • Warum sich die EU erpressbar macht: Nach den Ereignissen in Ceuta braucht es ein progressives Umdenken in der europäischen Migrationspolitik
      Es überrascht nicht, dass sich Menschen in einer von globaler Ungleichheit gezeichneten und kriegszerrütteten Welt das Recht auf Bewegungsfreiheit erkämpfen. Dies zeigt sich seit Jahrzehnten an verschiedenen Grenzen. Europa lässt sich nicht hermetisch abriegeln – auch nicht in Ceuta. Dass die EU dann regelmäßig in Panik verfällt, wenn Menschen Grenzen überqueren und geltendes Asylrecht in Anspruch nehmen wollen, macht sie anfällig für Druck: sei es durch den türkischen Präsidenten Erdoğan, den belarussischen Machthaber Lukaschenko, das Königreich Marokko oder durch die europäische Rechte.
      Zwischen 50.000 und 60.000 Menschen haben am vergangenen Donnerstag die spanische Exklave Ceuta erreicht. Fast alle haben die spanischen Grenzbeamten nach Marokko zurückgedrängt, teils unter Anwendung von Gewalt. Keine einzige Person hat das spanische Festland erreicht. Laut der marokkanischen Menschenrechtsorganisation AMDH kamen fast 130 Menschen bei dem Versuch der Grenzüberquerung ums Leben, darunter zahlreiche Kinder. Der Skandal um die Zurückweisungen und Todesfälle bleibt aus. Stattdessen beginnt in der Europäischen Union ein Überbietungswettbewerb migrationsfeindlicher Positionen, um auch noch die letzten grundrechtlichen Standards der EU-Migrationspolitik und internationaler Kooperation einzureißen. (…)
      Europa muss umdenken: Migration ist keine Bedrohung, sondern gesellschaftliche Realität. Wenn sich die EU durch die Dämonisierung von Grenzübertritten derartig erpressbar macht, begibt sie sich in eine nicht enden wollende Spirale der Entrechtung. In einer globalisierten Welt braucht es fundierte Politiken der Bewegungsfreiheit. Bis dahin wäre auch von konservativen Regierungen zu erwarten, nicht bei jeder Gelegenheit rechtsstaatliche Grundlagen durch den Fleischwolf zu drehen und europäische Partner, die europäisches Recht anrufen, auf die Anklagebank zu setzen
      .“ Kommentar von Valeria Hänsel vom 03.08.2026 bei medico externer Link – Hervorhebung von uns zur bisher höchsten der genannten Opferzahlen
    • Imperialistisches Gemetzel an der Grenze: 57 Tote, das Gas aus Algerien und die schwarze Hand der CIA und des Mossad hinter der Massenpanik in Ceuta
      Was die kapitalistischen Medien und die faschistische extreme Rechte beharrlich als „Invasion“ bezeichnen, ist nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver, mit dem sie versuchen, ein geplantes Massaker zu verschleiern. In Ceuta haben wir es nicht mit einem spontanen Migrationsphänomen zu tun, sondern mit der erzwungenen Flucht von mehr als 60.000 Menschen, die von einem diktatorischen Regime in den Abgrund getrieben werden, das seine eigene Jugend als politische Waffe und geopolitisches Kanonenfutter missbraucht. Die nackte, blutige Realität ist, dass bereits 57 Menschen an den Zäunen und in den Gewässern der Grenze ums Leben gekommen sind. Siebenundfünfzig Leben von Arbeitern wurden ausgelöscht, siebenundfünfzig Leichen, die nach Gerechtigkeit schreien, während die Zahl unaufhaltsam weiter steigt.
      Die Beweise für dieses Staatsverbrechen sind mittlerweile unbestreitbar. Die durchgesickerten Bilder und Videos zeigen, wie die marokkanische Polizei die Jugendlichen in Richtung Grenze lenkt, organisiert und physisch vorantreibt. Keine noch so große Mafia kann dies rechtfertigen; es ist der Makhzen selbst, der die Schleusen der Verzweiflung öffnet. Während die alawitische Diktatur auf ihrem eigenen Territorium brutale Repressionen ausübt – indem sie sahrauische Aktivisten ermordet und Influencer sowie Dissidenten gnadenlos verfolgt –, verwandelt sie an der Grenze Menschen in Wurfwaffen. Und das Schlimmste: Die spanische Regierung weigert sich in einem Akt kolonialer Unterwürfigkeit, Marokko anzuprangern, und versteckt sich feige hinter der Erzählung von „angeblichen Mafiagruppen“, um ihre Herren nicht zu verärgern. Sie ignorieren bewusst, dass die UNO selbst Marokko vor Monaten dafür verurteilt hat, Migration als Staatswaffe einzusetzen, doch die spanische Diplomatie schaut lieber weg, anstatt das menschliche Leben zu verteidigen.
      Um diese Barbarei jedoch zu verstehen, muss man den Blick heben und die globale geopolitische Lage betrachten. Diese Massenflucht ist kein Zufall, sondern eine Strafe. Der Auslöser dieser blutigen Vergeltungsmaßnahme hat einen Namen und einen Nachnamen: das kürzlich geschlossene strategische Abkommen Spaniens über den Kauf von Gas aus Algerien. Der US-Imperialismus und sein Handlanger im Maghreb dulden es nicht, dass der spanische Staat versucht, seine Energiesouveränität unabhängig von marokkanischen Interessen zu sichern, indem er die Beziehungen zu einem Land stärkt, das gegenüber imperialistischen Aggressionen eine entschlossene Haltung einnimmt.
      Zu dieser „Sünde“ im Energiebereich kommen weitere „Ungehorsamkeiten“ hinzu, die für Washington und Tel Aviv inakzeptabel sind: dass die spanische Regierung das zionistische Massaker in Palästina öffentlich als Völkermord bezeichnet hat und vor allem die kategorische Weigerung, die Militärstützpunkte in Rota und Morón für Bombenangriffe gegen den Iran zur Verfügung zu stellen. Donald Trump und Benjamin Netanjahu verzeihen diese Affronts nicht. Die CIA, der Mossad und die marokkanischen Geheimdienste haben dieses Chaos an der Grenze inszeniert, um die Regierung zu destabilisieren, einen Kurswechsel in der spanischen Außenpolitik zu erzwingen und zu zeigen, wer in Südeuropa das Sagen hat.
      Der strategische Kontext ist der eines offenen Krieges. Der angelsächsische und israelische Imperialismus verliert die Kontrolle über die Meerenge von Hormuz und Bab el-Mandeb, die für seine wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft von entscheidender Bedeutung sind. Angesichts dieses Debakels müssen sie sich mit Feuer und Schwert die Kontrolle über die Straße von Gibraltar sichern. Es ist kein Zufall, dass Politiker und Medien in Israel diesen Rückschlag feiern und sich angesichts der Demütigung Spaniens die Hände reiben. Sie spielen mit dem Leben der Völker, als wären sie Spielfiguren in einem makabren Spiel.
      Und während der Imperialismus seine Rechnungen begleicht, verfeinert der spanische Staat seine Todesmaschinerie. Vor kurzem musste der Oberste Gerichtshof daran erinnern, dass Menschenrechte auf See nicht außer Kraft gesetzt werden, und schränkte damit die „Sofortzurückführungen“ auf See ein. Die Reaktion der Rechten und der institutionellen Rechtsextremen? Der Präsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, hat bereits eine Gesetzesänderung gefordert, um „maritime Eindämmungsmaßnahmen“ zu schaffen. Das ist nichts anderes als ein Euphemismus für die Forderung nach schwimmenden Zäunen, mehr Militarisierung und neuen Todesfallen auf See. Der Staat will keine Rechte gewährleisten; er sucht nach Gesetzeslücken, um weiterhin ungestraft töten zu können.
      Für uns von der CGT Andalusien steht fest: Unser Feind ist nicht der junge Marokkaner, der vor Hunger und Diktatur flieht. Unser Feind sitzt in den Palästen von Rabat, im Pentagon, im Mossad und in der Moncloa. Grenzen sind das Instrument der Bourgeoisie, um die Arbeiterklasse zu spalten und ihre Geschäfte aufrechtzuerhalten.
      Aus all diesen Gründen fordern wir:
      1. Sofortiger Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Königreich Marokko. Schluss damit, eine Diktatur zu decken, die ihr Volk in den Tod treibt. Die Videos ihrer Polizei sind der Beweis für ein Staatsverbrechen.
      2. Sofortige Schließung und Abbau der Militärstützpunkte in Rota und Morón. Wir werden nicht zulassen, dass andalusischer Boden als Rückzugsgebiet für die schmutzigen Kriege der USA und Israels gegen den Iran und die Völker des Nahen Ostens dient.
      3. Absolute Energiesouveränität. Wir verteidigen das Gasabkommen mit Algerien gegen imperiale Erpressung. Über die Außen- und Energiepolitik dieses Landes wird weder mit Trump noch mit Netanjahu verhandelt.
      4. Vollständige Aufhebung des Ausländergesetzes und Beendigung der sofortigen Rückführungen. Wir lehnen jegliche „Eindämmungsmaßnahmen“ zu Lande oder zu Wasser ab. Wir fordern die Auflösung von Frontex und die unverzügliche Legalisierung aller Migrant*innen.
      5. Gerechtigkeit für die 57 Opfer. Strafrechtliche Verantwortung für die hochrangigen politischen und polizeilichen Entscheidungsträger – sowohl marokkanische als auch spanische –, die dieses Massaker angeordnet und durchgeführt haben.
      Die Wahrheit ist brutal, aber sie ist unsere einzige Waffe. Es gibt keine humanitäre Krise ohne politische Verantwortliche, deren Hände mit Blut befleckt sind. Im Gedenken an die 57 Opfer, im Namen der Klassensolidarität und gegen den Imperialismus.
      Kein Mensch ist illegal! Es lebe der Kampf der Völker!
      Für die internationalistische Solidarität der Arbeiterklasse!
      Es lebe die freie Sahara!
      “ span. Stellungnahme der CGT CGT Andalucía, Ceuta y Melilla am 31. Juli 2026 dokumentiert auf Laboursolidarity externer Link (maschinenübersetzt), da bei der CGT Andalucía, Ceuta y Melilla externer Link noch nicht online
    • Ceuta: Die Bedrohung, die keine war
      „Mittlerweile sind die meisten marokkanischen Migranten aus der Exklave in ihr Land zurückgegangen. Einige konnten die Heimreise nicht mehr antreten.
      Er wurde als »Angriff« und »Invasion« bezeichnet: der Übertritt Zehntausender Marokkaner in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika. Ganz Schlaue sahen durch ihn bereits den Untergang des Abendlandes oder den nächsten islamistischen Terroranschlag in Deutschland heraufziehen. Am Ende aber hat sich all das als Panikmache herausgestellt. Oder anders: Es waren vor allem Fieberfantasien der politischen Rechten. Denn mittlerweile ist ein Großteil der marokkanischen Zuwanderer wieder ins Heimatland zurückgekehrt.
      Was bleibt also nach der Aufregung der vergangenen Tage? Vor allem drei Dinge. Erstens: Der Weg nach Ceuta hat mehr als 67 Migranten das Leben gekostet. Menschen, über die aktuell bei uns kaum jemand spricht, die aber nicht vergessen werden dürfen. Zeigen sie doch, was Europa für viele Zuwanderer ist: ein Sehnsuchtsort, der ein besseres Leben verspricht, dieses Versprechen aber oft nicht einhalten kann. Und schon der Weg dahin ist gefährlich.
      Die Ereignisse von Ceuta machen – zweitens – deutlich, wie vergiftet die Debatte über Zuwanderung bei uns ist, seit die AfD und ihre Sympathisanten den Takt darin vorgeben. (…)
      Drittens: Wir haben in Ceuta erneut gesehen, dass Migration auch ein Druckmittel sein kann. Marokko hat nicht zum ersten Mal die Schleusen in die Exklave geöffnet. Rabat wird es auch weiter tun, solange der Konflikt um die von Marokko besetzte Westsahara nicht in seinem Sinne geklärt ist. Der Streit um das phosphat- und fischreiche Territorium schwelt genauso im Hintergrund wie wirtschaftliche Beziehungen Spaniens zum marokkanischen Erzfeind Algerien. Dabei ist diese »instrumentalisierte Migration« nicht neu…“ Kommentar von Christian Klemm vom 01.08.2026 in ND online externer Link
    • 67 Leute sind draufgegangen und westliche Politker_innen haben Schaum vorm Mund weil andere überlebt habenKommentar von kami_kadse vom 1.08.2026 auf bsky externer Link
    • Ein Fest für die Feinde Europas
      Die Reaktionen auf den Ausnahmezustand in Ceuta? Teils faktenfreies Spanien-Bashing. (…) Die Migranten, die in Ceuta ankamen, sind wieder zurück in Marokko, weil ihnen die spanische Regierung klargemacht hat, dass sie nicht bleiben können und das europäische Festland nicht erreichen werden. Sánchez selbst sprach von einem »Angriff auf die territoriale Integrität Spaniens«, der eine »entschiedenste und energischste Verurteilung« verdiene. Spricht so jemand, der eine »linksextreme, globalistische Politik« umsetzen will, wie das Weiße Haus die Ereignisse von Ceuta kommentierte? Die Neuankömmlinge wurden schnell und unbürokratisch zurückgeführt, es ist also genau das passiert, was konservative und rechte Parteien immer fordern…“ Kommentar von Mark Schieritz vom 1. August 2026 in der Zeit online externer Link
    • Es mag nicht zum Mainstream gehören, aber wir denken an die Tausenden Menschen, die aus legitimen Gründen nach Europa flüchten wollen, und wir gedenken den bis zu 60 Getöteten, die Opfer sind einer europäischen Migrationspolitik, der Menschenleben und Schicksale komplett gleichgültig sind. #CeutaPost von RAV vom 1.08.2026 auf bsky externer Link
    • Druck auf Spanien wegen Lage in Ceuta: 22 EU-Staats- und -Regierungschefs unterzeichnen offenen Brief
      Haben politische Entscheidungen in Spanien eine Mitschuld an der Krise in Ceuta? Ein Brief mehrerer europäischer Staats- und Regierungschefs legt nahe, dass die Unterzeichner das so sehen. Unter ihnen ist auch Kanzler Merz. (…) Die Unterzeichner mahnen in dem Schreiben an, man müsse sich mit politischen Maßnahmen auseinandersetzen, die Anreize für Migration geben könnten – und nennen ausdrücklich die »Legalisierung einer sehr großen Zahl irregulärer Migranten« in Spanien. Vor einigen Monaten hatte das Land als Maßnahme gegen den Arbeitskräftemangel die Legalisierung von rund 500.000 irregulären Migranten eingeleitet. Profitieren sollen davon allerdings Asylsuchende, die ihren Antrag vor Ende 2025 gestellt haben, keine Neuankömmlinge.
      Spanien und vier weitere Länder unterzeichnen nicht
      Zudem stellt der Brief eine Verbindung zwischen dem Ansturm und einem Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs her. Dieses sei »benutzt worden, um diesen Angriff auszulösen und unser Migrations- und Asylsystem zu missbrauchen«. Das Gericht hatte entschieden, dass die sofortige Zurückweisung von Migranten nur dann zulässig ist, wenn sie beim irregulären Grenzübertritt einen Zaun oder eine andere Sperre überwunden haben. Für Menschen, die auf dem Seeweg nach Ceuta oder Melilla gelangen, sei eine Einzelfallprüfung nötig. (…) Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen hatten das Schreiben initiiert, 22 europäische Staats- und Regierungschefs haben es unterschrieben. Neben Spanien und Irland haben auch Frankreich, Luxemburg und Portugal nicht unterzeichnet. (…) Statt wegen des Flüchtlingsdramas in Ceuta den Druck auf Marokko zu erhöhen, fielen viele EU-Partner über Madrid her
      Agenturmeldung vom 1.08.2026 im Spiegel online externer Link
    • Ceuta: Globale Rechte frohlockt
      Rabat hat immer wieder zeitweilig die Grenzen zur marokkanischen Enklave Ceuta geöffnet, um Madrid und Brüssel unter Druck zu setzen.
      2021 war die Sache klar, 2026 ist sie es noch nicht. Im Mai 2021 öffnete die marokkanische Grenzpolizei die Tür nach Ceuta und mehr als 8000 Marokkaner gingen durch. Der Hintergrund waren diplomatische Spannungen mit Madrid rund um den Status der von Marokko besetzten ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara. Die spanische Regierung knickte ein, erkannte den marokkanischen Anspruch an. Marokko verpflichtete sich im darauffolgenden Migrationsabkommen dazu, die Grenzanlagen zu bewachen und die »heißen Abschiebungen« Spaniens zu akzeptieren.
      Warum die marokkanische Grenzpolizei 2026 zusah, ist Spekulation. Weil Spanien plant, den Bewohnern der Westsahara ein Staatsbürgerschaftsrecht einzuräumen, weil Spanien die wirtschaftlichen Beziehungen zum Erzfeind Algerien intensivieren will, weil Marokkos König Mohammed VI. seinem Freund Donald Trump den Gefallen tun wollte, seinen Feind, Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, vorzuführen? Alles möglich, aber nichts davon bisher belegt.
      Sicher ist, dass die Migrationskrise in Ceuta der Rechten in die Hände spielt. (…) Rabat hat immer wieder zeitweilig die Grenzen zur marokkanischen Enklave Ceuta geöffnet, um Madrid und Brüssel unter Druck zu setzen. Es hat immer wieder funktioniert. Brüssel und Madrid hätten die Möglichkeit, sich von dieser Erpressbarkeit zu befreien. Kurzfristig hieße das, legalen und zeitlich befristeten Zugang zu europäischen Arbeitsmärkten für viele zu schaffen – anstelle eines gefährlichen und illegalen Zugangs für die wenigen, die es lebend in die Festung EU schaffen. Mittelfristig geht es nicht ohne eine gemeinsame, solidarische Flüchtlings‑, Handels- und Entwicklungspolitik. Die ist weniger denn je in Sicht
      .“ Kommentar von Martin Ling vom 31.07.2026 in ND online externer Link
    • Linke fordert Aufnahme von Migranten aus Ceuta
      Deutschland und die EU seien dazu verpflichtet, die Einwanderer in Ceuta zu versorgen und Schutzsuchende aufzunehmen, findet Linkenfraktionsvize Clara Bünger. Innenminister Dobrindt und Kanzler Merz sind anderer Meinung.
      Deutschland soll Spanien nicht alleinlassen und Einwanderer aus der Exklave Ceuta aufnehmen, fordert Die Linke. »Was in Ceuta passiert, ist keine Naturkatastrophe, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen«, erklärte Fraktionsvize Clara Bünger. »Menschen fliehen vor Krieg, Armut und Klimakrise. Höhere Mauern halten sie nicht auf, sie machen die Flucht nur tödlicher. Jetzt zählt zuerst, dass niemand mehr stirbt«, erläuterte Bünger. Die Menschen müssten medizinisch, mit Wasser und einem sicheren Ort versorgt werden
      …“ Eine zu seltene Stimme in der Agenturmeldung vom 31.07.2026 auf spiegel.de externer Link
    • Siehe zu poltischen Hintergründen auch:
  • Tausende (junge) Menschen versuchen aus Marokko die spanische Exklave Ceuta schwimmend zu erreichen – unzählige ertrinken, Überlebende werden von rechten Mobs empfangen
    • Flucht nach Ceuta: Tausende Menschen versuchen die spanische Exklave schwimmend zu erreichen – oft mit tödlichen Folgen
      Mehr als 1.500 Menschen haben in den vergangenen Tagen versucht, schwimmend von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta zu erreichen. Unter ihnen befanden sich rund 200 Minderjährige. Viele kommen aus dem Königreich selbst, es waren aber auch Menschen aus Subsaharaafrika darunter. Bei dem Versuch, die Stadt an der nordafrikanischen Küste nahe der Straße von Gibraltar zu erreichen, ertrank eine bislang unbekannte Zahl von Kindern.
      Laut der Guardia Civil wurden allein am Wochenende sechs Leichen an die Küste gespült. Seit Jahresbeginn sind deren Angaben zufolge bereits 60 Menschen in der Nähe des Grenzzauns ertrunken. Die Stadt verfügt inzwischen über keine freien Kapazitäten mehr in Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Von marokkanischer Seite wurden keine offiziellen Zahlen veröffentlicht. Darüber berichtete die rechtsliberale Onlinezeitung El Confidencial, die die Entwicklungen an der Grenze seit Jahren aufmerksam verfolgt.
      Der jüngste Anstieg der Ankünfte wird unter anderem mit einem Urteil des Obersten Gerichtshofs vor drei Wochen in Verbindung gebracht. Die Tageszeitung eldiario.es sprach externer Link von rund 700 Menschen, die schwimmend allein am Sonntag gekommen und in einem improvisierten Ankunftszentrum der Guardia Civil versorgt worden seien. Hunderte sollen von dort zunächst weggerannt sein, aus Angst, gleich wieder abgeschoben zu werden. Bis zu besagtem Urteil sollen rund 2.000 Menschen, meist minderjährig, seit Anfang des Jahres nach Ceuta gekommen sein. In den vergangenen Tagen seien es im Schnitt rund 300 pro Tag gewesen.
      Laut dem Urteil dürfen Sicherheitskräfte die Migranten nicht unmittelbar zurückweisen, wenn sie schwimmend die Stadt erreichen. Pushbacks auf dem Meer sind demnach unzulässig. Am Strand von Tarajal, den die meisten anschwimmen, um Ceuta zu erreichen, waren 2014 mindestens 15 Migranten ums Leben gekommen, als Einsatzkräfte der Guardia Civil Gummigeschosse gegen Menschen eingesetzt hatten.Juan Jesús Vivas, Regionalpräsident von Ceuta vom postfranquistischen Partido Popular (PP), rief jetzt die sozialdemokratische Zentralregierung in Madrid dazu auf, aus »Gründen der nationalen Sicherheit« den Notstand auszurufen und das Militär an der Grenze zwischen Marokko und Ceuta einzusetzen. Ministerpräsident Pedro Sánchez lehnte jedoch ab. Aus dem Innenministerium wurde betont, die Ankunft der Menschen stelle zwar eine Herausforderung dar, rechtfertige jedoch nicht die Ausrufung eines Notstands. Spanien verfügt über ein System zur Verteilung unbegleiteter Minderjähriger auf die verschiedenen Regionen des Landes. Ausgerechnet jene Regionen, in denen der PP und die extrem rechte Vox regieren, versuchen jedoch, dieses System zu blockieren…“ Artikel von Carmela Negrete, Sevilla, in der jungen Welt vom 31.07.2026 externer Link
    • Erneut setzt Marokko seine Bevölkerung in Ceuta zur Erpressung ein
      Vor allem junge Marokkaner haben die zu Spanien gehörende Exklave Ceuta gestürmt, in der 80.000 Menschen leben. Man geht schon von 50.000 Menschen aus, die sich erst schwimmend und dann Zäune einreißend, Zugang zu „Europa“ verschafft haben. Immer wieder setzt das autoritäre Königreich die eigene Bevölkerung erfolgreich als Druckmittel gegen Spanien und die EU ein. Er wird erneut weitreichende Zugeständnisse erhalten…“ Kommentar.von Ralf Streck vom 31. Juli 2026 auf overton-magazin.de externer Link
    • Spanische Exklave: Tausende Migranten erreichen Ceuta – Militäreinsatz
      In den vergangenen Tagen sind Tausende Menschen aus Marokko im spanischen Ceuta angekommen. Die Behörden vor Ort sind überfordert.
      Nach einem Ansturm von Migranten auf die spanische Nordafrika-Enklave Ceuta schickt die Regierung in Madrid das Militär. Bis Freitag sollen drei Züge mit je 20 Soldaten, eine Tauchereinheit und ein Militärschiff verlegt werden, teilte das Innenministerium am Abend mit. Zudem sollen die Spezialeinheiten der Polizei auf 200 Beamte aufgestockt werden.
      Zuvor waren zahlreiche Menschen aus Marokko in die Stadt gelangt und hatten die spanische Polizeibehörde Guardia Civil überrannt. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie Hunderte Migranten mit Schwimmreifen über das Meer kamen oder Tore im Grenzzaun durchbrachen.
      Dem staatlichen Fernsehsender TVE zufolge gelangten zwischen 2.000 und 3.000 meist Jugendliche in die Enklave. Die staatliche Nachrichtenagentur EFE berichtete zudem, dass viele Migranten über den Grenzzaun geklettert seien. Erst in der vergangenen Woche waren nach Angaben der Regionalbehörden mehr als 1.500 Migranten schwimmend nach Ceuta gekommen. Die Lage in der Stadt mit ihren rund 85.000 Einwohnern ist angespannt, viele Geschäfte blieben geschlossen. Ladenbesitzer organisierten sich nach eigenen Angaben, um ihr Eigentum zu schützen, da sie die Polizeikräfte für unzureichend hielten
      …“ Agenturmeldung vom 30.07.2026 bei t-online externer Link mit einem Video
    • Chaos nach Ansturm auf EU-GrenzeBrutale Szenen in Ceuta: Mob geht auf Männer los
      Hunderte Menschen strömen schwimmend aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta, die auf afrikanischem Festland liegt, aber zur EU gehört. Die Regierung in Madrid sendet Soldaten. Noch bevor das Militär eintrifft, üben Mobs in den Straßen brutale Selbstjustiz.“ Video vom 31.07.2026 auf n-tv.de externer Link
    • Wer auf diesem Foto „brutale Invasoren“ sieht, statt überglückliche Jugendliche, mit dem stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Und darüber müssen wir reden.
      Wir haben uns schon so sehr daran gewöhnt, dass Rechte in Parteien und Medien die öffentliche Diskurse mit ihrem Narrativ framen, dass wir nicht mehr widersprechen. Damit verfestigen sich diese aber und bilden sich schließlich auch in einer menschenfeindlichen Gesetzgebung ab. Nachweislich.
      Was in Ceuta wirklich passiert ist: Tausende Menschen, die allermeisten sehr jung, haben in den letzten Tagen versucht aus Armut & Perspektivenlosigkeit in Nordafrika zu entkommen. Vielen ist es geglückt nach Spanien zu gelangen, manche sind beim Versuch aber ums Leben gekommen.
      Junge Menschen sterben an den Außengrenzen der Europäischen Union, weil sie dem Elend entfliehen wollen, in das sie hineingeboren wurden. Sie können überhaupt gar nichts für dieses Los in der Geburtslotterie. Statt ihnen zu helfen und sie auf die Einwanderung vorzubereiten, lassen wir sie im Stich.
      Das ist nicht nur unmenschlich, es ist auch völlig unsinnig. Wir brauchen Zuwanderung in Europa, ganz dringend sogar. Aber wir müssen sie gestalten. Genau das passiert nicht. Stattdessen werden tausende Tote in Kauf genommen.
      Bei aller Kritik am bestehenden System: Vergessen wir unsere Menschlichkeit nicht. Und vergessen wir nicht, dass es nur dem puren Zufall geschuldet ist, dass wir auf dieser und sie auf der anderen Seite des Mittelmeers geboren wurden
      .“
      Post von Sebastian Bohrn Mena am 31.07.2026 auf bsky zexterner Link u einem Foto (Jugendliche jubeln, nachdem sie es geschafft haben über das Meer nach Europa zu kommen. Foto: Antonio Sempere/AP/dpa)
  • Ceuta/Spanien: 54 Minderjährige aus Marokko erreichen schwimmend EU-Boden. Immer wieder wagen Menschen den gefährlichen Weg in Spaniens Nordafrika-Exklave, die Aufnahmekapazitäten sind überlastet 
    „Insgesamt 54 Minderjährige sind von Marokko aus durch das Mittelmeer zur spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta geschwommen. Es handele sich überwiegend um Marokkaner, berichtete der staatliche spanische TV-Sender RTVE. Rettungskräfte seien die ganze Nacht und am folgenden Tag im Einsatz gewesen, um Schwimmer aus dem Meer zu retten. Die Strecke von Marokko nach Ceuta durch das Meer ist zwischen 300 und 500 Meter lang. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie einige der Minderjährigen auch in einem Schlauchboot an den Strand von Ceuta gebracht wurden. Von Toten wurde zunächst nichts bekannt. Während Volljährige meist schnell zurückgeschoben werden, dürfen unbegleitete Minderjährige bleiben – zumindest bis sie 18 sind. Die Aufnahmekapazitäten sind jedoch überlastet und die Regionalregierung bat die Regierung in Madrid, Jugendliche aufs Festland zu holen. (…) In diesem Jahr gelangten nach Angaben des UN-Flüchlingshilfswerks UNHCR bisher fast 20.000 Menschen nach Spanien, davon 1.500 Menschen nach Ceuta.“ Meldung vom 28. Juli 2025 im MiGAZIN externer Link
  • Militär gegen Flüchtlinge. Marokko verweigert Dienst als Türsteher der EU. Tausende Menschen gelangen in spanische Exklave Ceuta. Madrid schickt Polizei und Armee
    „… Die Regierung in Madrid schickte am Dienstag 200 Beamte aus Polizei und paramilitärischer Guardia Civil nach Nordafrika und setzte auch das Militär in Marsch. Videos im Internet zeigen gepanzerte Fahrzeuge am Strand von Ceuta, kreisende Hubschrauber und Polizisten, die Ankommenden festsetzen, um sie in ein Stadion zu bringen. Von dort aus wird ihre schnellstmögliche Abschiebung betrieben. Am Vormittag sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska, es seien bereits 2.700 Personen nach Marokko zurückgeschickt worden. Mit der Prüfung von Asylanträgen hält sich Spanien offenbar nicht auf. Viele Abgeschobene konnten aber mangels Kontrollen umgehend wieder entlang der Küstenlinie nach Ceuta zurückkehren. Die Tageszeitung El Faro de Ceuta sprach von einer »unendlichen Schlange von Personen«, die auf dem Weg in die Exklave seien. Rund ein Viertel der Schutzsuchenden sind Minderjährige. Grande-Marlaska sicherte zu, deren Rechte zu respektieren. Bis zur Feststellung ihres Alters werden sie in einem völlig überfüllten Lager untergebracht. Das Rote Kreuz von Ceuta erklärte bereits, es sei heillos überfordert. Die Lage drohte am Dienstag nachmittag zu eskalieren: Innerhalb des Stadtgebietes gab es Auseinandersetzungen zwischen Marokkanern und der Polizei. Entlang des Grenzzauns schossen spanische Polizisten mit Tränengas auf die Menschen, die wiederum Steine warfen. El Faro de Ceuta veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie spanische Uniformierte mit Schlagstöcken Männer von einer Mole ins Meer zurückprügeln…“ Artikel von Ulla Jelpke in der jungen Welt vom 19.05.2021 externer Link und:

    • Tausende schwimmen nach Ceuta – in die EU. Marokko stellt Kontrollen an EU-Exklaven vorübergehend komplett ein und lässt Migranten passieren
      Angesichts der Ankunft Tausender Migranten aus Marokko haben die Behörden der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta begonnen, die Erwachsenen in einem Stadion unterzubringen. Sie sollten anschließend nach Marokko zurückgebracht werden, berichtete die in Ceuta erscheinende Zeitung »El Faro« am Dienstag. Etwa 300 der Ankömmlinge seien bereits abgeschoben worden. Mindestens 5000 Migranten hatten am Montag von Marokko aus die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta erreicht. Die marokkanische Polizei habe faktisch die Kontrolle der Grenze eingestellt, berichteten spanische Medien unter Berufung auf Augenzeugen in Fnideq. (…) Etwa 1500 der angekommenen Migranten seien Minderjährige, schrieb die in Ceuta erscheinende Zeitung »El Faro«. Mindestens ein Mensch sei ertrunken. Die Lage sei chaotisch, das Aufnahmelager der Exklave völlig überfüllt und viele der Migranten irrten in der Stadt mit 85 000 Einwohnern herum. Das spanische Militär in Ceuta habe logistische Hilfe angeboten und den Schutz seiner eigenen Einrichtungen verstärkt. Die Zentralregierung in Madrid kündigte die Entsendung 200 zusätzlicher Polizisten an. (…) Viele Marokkaner im Umfeld von Ceuta und der anderen spanischen Nordafrika-Exklave Melilla haben ihre Arbeit und Einkommen verloren, seit Marokko die Grenze zu den beiden Gebieten im März 2020 wegen der Corona-Pandemie geschlossen hat. Immer wieder demonstrierten Menschen, die sonst in den Exklaven arbeiteten, für ein Ende der Schließung. Bereits am 26. April hatten 128 Marokkaner schwimmend Ceuta erreicht. Die meisten wurden bald darauf nach Marokko abgeschoben. Auch dieses Mal ist damit zu rechnen, dass viele der Migranten bald zurückgebracht werden könnten…“ Meldung vom 18.05.2021 im ND online externer Link
    • Marokko macht den Erdoğan. Königreich setzt einseitige Grenzöffnung als Druckmittel gegen Spanien und EU ein
      Es ist eine Verhaltensweise, die vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, aber seit langem auch aus Marokko bekannt ist: Beide Länder benutzen Geflüchtete und Migranten, um Druck auf die EU oder einzelne Länder zu machen, um eigene Interessen durchzusetzen. Dieses Mal hat Marokko seine Tore sperrangelweit geöffnet: Die Kontrolle über die Strände nahe der spanischen Exklave Ceuta wurde ausgesetzt. Damit wurde bereits am Montag der Weg für Tausende Menschen freigemacht, die so das spanische Hoheitsgebiet erreichen konnten. Da sich das in Marokko schnell herumsprach, gelangten auch am Dienstag zahlreiche Menschen nach Ceuta. (…) Inzwischen wurde auf spanischer Seite neben der Nationalpolizei und der paramilitärischen Guardia Civil auch Militär am Strand von Tarajal aufgefahren. Schützenpanzer bewachen das Gebiet, Hubschrauber kreisen darüber. Die Sicherheitskräfte bringen Menschen zurück auf marokkanisches Territorium, die aber umgehend erneut ihr Glück versuchen. Berichtet wird auch, dass spanische Grenzposten von Migrationswilligen mit Steinen beworfen wurden. Die spanischen Behörden haben damit begonnen, Erwachsene in einem Stadion in Ceuta unterzubringen, um sie wieder nach Marokko zurückzubringen…“ Artikel von Ralf Streck, San Sebastián, vom 18.05.2021 in ND online externer Link
  • Krieg gegen Flüchtlinge in „spanischen Exklaven“: Blutig, doch erneut erfolglos
    In Spaniens Exklave Ceuta steht bekanntlich die Mauer längst – vor dem tödlichen Wassergraben hochgerüstete Abschreckung, die dennoch sehr oft immer weniger funktioniert. In der Meldung „Verletzte beim Sturm auf spanisches Ceuta“ am 01. August 2017 auf tagesschau.de externer Link heißt es dazu: „Immer wieder versuchen afrikanische Migranten von Marokko aus über den Grenzzaun der spanischen Exklave Ceuta in die Europäische Union zu gelangen. Erneut sind nun mindestens 14 Menschen dabei verletzt worden. Nach Angaben der örtlichen Polizei hatten sich 200 Flüchtlinge an dem Versuch beteiligt. Etwa 70 hätten es geschafft, in die Exklave und damit in die EU zu gelangen. Zahlreiche Menschen seien mit Schnittwunden und Knochenbrüchen in Krankenhäuser eingeliefert worden, twitterte das Spanische Rote Kreuz“ – was immer wieder vermeldet wird. Lesenswert aber auch die zahlreichen Kommentare zu dieser Meldung, von denen einige unter anderem der EU Versagen dabei vorwerfen, „ihre Bürger zu schützen“…

Siehe auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=112058
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