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Jahreswende 2025/26 in Iran: Festnahmen, Tränengas und erste Tote bei immer breiteren Protesten gegen die Wirtschaftskrise – und gegen das Regime

Massenproteste im Iran 2017/2018: Gegen Teuerung. Gegen die neoliberale PolitikSeit dem 28. Dezember protestieren Menschen in Teheran erneut gegen die wirtschaftliche Lage im Land. Auslöser ist der anhaltende Absturz der iranischen Währung Rial, die am Sonntag einen neuen Tiefstand erreicht hat. (…) Im Verlauf dieser Entwicklungen schlossen zahlreiche Basarhändler*innen am Sonntag ihre Geschäfte und gingen zu Protesten auf die Straße. (…) Die Proteste weiteten sich am Montag auf zentrale Gebiete der Hauptstadt aus. Bilder und Videos in den sozialen Netzwerken zeigen die starke Beteiligung der Bevölkerung und der Basarhändler*innen aus den wichtigen Wirtschaftssektoren Teherans. Die Demonstrant*innen rufen Parolen gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung sowie teilweise gegen das gesamte Regime. Zudem zeigen die Bilder die Präsenz der Bereitschaftspolizei sowie von Sondereinheiten der iranischen Polizei auf den Straßen der Hauptstadt. Augenzeugen berichten von Tränengaseinsätzen und eskalierender Gewalt durch die Sicherheitskräfte…“ Beitrag von Pooyan Mokari vom 29. Dezember 2025 in IranJournal externer Link („Proteste gegen die Wirtschaftskrise in Iran“) und mehr dazu:

  • Tag 6 der Proteste in Iran: „Iraner, schrei, ruf deine Rechte hinaus“, rufen die Menschen in Zahedan, Belutschistan.“ Post von Daniela Sepehri vom 2.1.26 auf bsky externer Link mit Video – siehe die laufende Berichterstattung auf ihrem Account externer Link sowie auf dem von Shayan Sardarizadeh externer Link
  • Proteste in Iran: 4 Dinge, die du tun kannst
    1) Sichtbarkeit schaffen: Teile Beiträge in deine Story oder reposte sie. Das Regime möchte nicht, dass seine Verbrechen verbreitet werden.
    2) Informiere andere: Sprich mit deinem Umfeld darüber. Ob in der Familie, mit Freund*innen oder auf der Arbeit.
    3) Schreibe deinen Abgeordneten: Schreibe Politiker*innen aus deinem Wahlkreis und bitte sie, sich zu den Protesten zu äußern und politischen Druck auszuüben. Schreibe deinem*deiner Innenminister*in und fordere einen Abschiebestopp nach Iran.
    4) Biete Plattform: Widme den Protesten in Iran einige Minuten auf deinen Veranstaltungen und Demos, auch wenn sie erst mal nichts mit Iran zu tun haben. Schreib Organisator*innen an und bitte sie, den Protesten in Iran eine Plattform zu geben.“ Thread von Daniela Sepehri vom 2.1.26 auf bsky externer Link
  • Mindestens sieben Tote bei anhaltenden Protesten in Iran
    Bei den regierungskritischen Protesten in Iran sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation HRANA bislang mindestens sieben Menschen getötet worden. Auslöser der Proteste ist der fortgesetzte starke Verfall der iranischen Währung. Inzwischen haben sich die Demonstrationen, die am 28. Dezember auf dem Teheraner Basar begonnen haben, auf zahlreiche weitere Städte und Regionen des Landes ausgeweitet. Die Forderungen der Demonstrierenden gehen weit über wirtschaftliche Anliegen hinaus und richten sich offen gegen das politische System der Islamischen Republik…“ Meldung vom 2. Januar 2026 im Iran Journal externer Link
  • Proteste im Iran eskalieren: Wer leistet jetzt die Drecksarbeit, Friedrich Merz?
    Im Iran gibt es massive Proteste gegen die katastrophale wirtschaftliche Lage. Die Antwort des Regimes ist brutal. Doch warum schweigt der Bundeskanzler, der sonst so gerne über den Iran spricht? (…)
    Seit Sonntag, dem 28. Dezember, gehen in Iran die Menschen auf die Straßen. Es begann mit Ladenbesitzern, die in Basaren und Einkaufszentren ihre Geschäfte schlossen. Sie protestieren gegen Inflation, explodierende Preise und die katastrophale wirtschaftliche Lage. Der iranische Rial hat einen historischen Tiefstand erreicht, Einkommen und Ersparnisse verlieren täglich an Wert, kleine und mittlere Betriebe stehen vor dem Ruin. Doch wie so oft blieb es nicht bei ökonomischer Kritik. Studierende und Frauen schlossen sich an, die Parolen richten sich längst gegen das Regime selbst. Die Menschen fordern den Sturz der Islamischen Republik. Die Antwort des Staates folgt dem bekannten Muster: Sicherheitskräfte gehen brutal vor, setzen Tränengas ein, schießen auf Demonstrierende, erste Festnahmen sind dokumentiert. Es sind Szenen, die sich nahtlos in eine jahrzehntelange Geschichte der Repression einfügen. Im Jahre 2025 wurden mehr als 1.900 Menschen in Iran hingerichtet. Auch das scheint den Bundeskanzler nicht zu beschäftigen. (…) Umso dringlicher wäre eine klare, eigenständige Position der Bundesregierung. Stattdessen: Abschiebungen nach Iran auch in diesem Jahr, erschwerter Zugang zu sogenannten humanitären Visa für Verfolgte, keine öffentlichen Solidaritätsworte zu den aktuellen Protesten, keine klare Verurteilung der Gewalt.
    Die Frage ist nicht, ob die Protestbewegung in Iran politisch relevant ist – sie ist es längst. Die Frage ist, warum ein deutscher Bundeskanzler, der sonst so gern von Verantwortung spricht, ausgerechnet jetzt wegschaut. Wer von „Drecksarbeit“ spricht, sollte zumindest erkennen, wer sie tatsächlich leistet, und wer sie mit seinem Schweigen verrät
    .“ Kommentar von Daniela Sepehri vom 01.01.2026 im Freitag online externer Link
  • Demonstrationen im Iran: Erste Festnahmen bei Protesten
    Die Proteste im Iran weiten sich aus. In vielen Städten protestieren Menschen gegen die schlechte wirtschaftliche Lage im Land. Gleichzeitig melden örtliche Medien erste Festnahmen. Bei den Protesten in der iranischen Hauptstadt Teheran und weiteren Städten ist es laut einem Zeitungsbericht zu ersten Festnahmen gekommen. Nach Angaben der Tageszeitung Shargh wurden an der Universität Teheran vier Studenten festgenommen. Wer für die Festnahmen zuständig ist und wo die Betroffenen festgehalten werden, ist dem Bericht zufolge nicht bekannt. Die Hochschulzeitung Amir‑Kabir hatte zuvor berichtet, die Universität sei von Sicherheitskräften umzingelt worden und die protestierenden Studenten seien auf dem zentralen Campus eingeschlossen gewesen…“ Meldung vom 31.12.2025 auf tagesschau.de externer Link
  • Mehr als ein Streik. In Iran kommt es zu Protesten – können sie erfolgreich sein?
    „… Im Rahmen dieser Gemengelage legten also die Bazaaris die Arbeit nieder. Der historische Bazar in Teheran gilt als der wirtschaftliche Gradmesser Irans, und der Absturz der Währung trifft auf eine ohnehin über die letzten Jahre massiv verarmte Gesellschaft: Nahrungsmittel haben sich durchschnittlich im Vergleich zum letzten Jahr um rund 70 Prozent verteuert. Schnell folgten weitere Händler, auch außerhalb des Bazars, etwa in Technik-Centern in Teheran, die auf den Import von beispielsweise Mobiltelefonen angewiesen sind. Den Streikbeginn sowie öffentliche Proteste beantwortete die klerikale Führung zunächst so, wie sie immer auf Protest reagiert: mit Gewalt und Festnahmen. (…)
    Seit dem 30. Dezember beteiligen sich auch weitere soziale Gruppen, von Student*innen bis Rentner*innen. Aktivist*innen der Jin-Jiyan-Azadi-Bewegung nennen die Proteste zwar berechtigt, rufen aber bisher nicht selbst zur Teilnahme auf. Dafür sollen Arbeiter*innen in wichtigen Wirtschaftssektoren, etwa der Chemieindustrie, die Kritik an der Regierung in ihre bereits bestehenden Streiks, aufgrund u.a. von nicht gezahlten Löhnen, aufgenommen haben. (…)
    Auffällig ist, dass im Gegensatz zu den Jin-Jiyan-Azadi Protesten sowie den Protesten von 2019, der Ruf nach Reza Pahlavi, dem Sohn des 1979 gestürzten Shahs, auf den Demonstrationen in Iran zu hören ist. Dieser war im Rahmen der letzten Protestwellen (und seitdem) vornehmlich aus der Diaspora zu vernehmen gewesen und ging nicht zuletzt auf eine gemeinsame Kampagne von iranischen Monarchist*innen und Teilen der israelischen Regierung zurück, wie die israelische Zeitung Haaretz im Oktober 2025 aufdeckte. (…)
    Die neuerlichen Proteste bieten nun ein deutlich größeres Potenzial zur Veränderung als der israelisch-iranische Krieg, aber auch als die durch den Mord an Jina Mahsa Amini ausgelösten Massenproteste 2022. Denn der Wertverlust der Währung und die damit einhergehende Inflation treffen alle Teile der Bevölkerung – selbst die Angestellten der Republik, deren steigende Löhne ebenfalls nicht die stetig eskalierende Inflation ausgleichen. Die Wahrscheinlichkeit einer ausländischen Einmischung oder gar eines durch die USA und Israel unterstützten Regime Changes wächst somit allerdings auch. Das stellt die iranischen Protestierenden vor ein, derzeit noch hypothetisches, Dilemma: Versucht man, die klerikale Führung zu stürzen, mit dem Risiko, anschließend eine durch westliche Imperialisten und Regionalmächte installierte Monarchie zu erhalten, oder lässt man sich erneut mit Reformversprechen befrieden? Sicher ist zumindest, dass viele Iraner*innen den Glauben an Reformen durch die Regierung längst verloren haben. Die Regierung Pezeshkian erklärte kürzlich mehrfach selbst, die wirtschaftliche Lage des Landes kaum verbessern zu können, die Proteste seien sogar berechtigt
    …“ Artikel von Pajam Masoumi vom 31. Dezember 2025 im ak online externer Link
  • Proteste in Iran: Der Markt regelt die Revolte
    Ausgelöst von Händlern des Großen Basars in Teheran erlebt die Islamische Republik erneut Proteste – nicht nur wegen des plötzlichen Währungseinbruchs.
    Dieser Tage geht Bahram in Teheran auf die Straße. Der junge Basarhändler protestiert – nicht nur wegen der ökonomischen Krise in Iran. Er sagt: „Die Protestierenden wollen, dass die Islamische Republik verschwindet.“ Das Gespräch konnte die taz über einen Messengerdienst mit ihm führen.
    In der iranischen Hauptstadt sind am 28. Dezember erneut Proteste ausgebrochen. Zwei Tage lang gingen Menschen auf die Straße. Der erste Funke ging dieses Mal von Basarhändlern und Ladenbesitzern aus. (…)
    Der Große Basar von Teheran ist seit mehr als sechs Jahrzehnten ein zentraler wirtschaftlicher und politischer Knotenpunkt Irans. Das verleiht den nun dort ausgebrochenen Unruhen besonderes Gewicht. Für weite Teile wurden strenge Sicherheitsmaßnahmen verhängt. Es gibt Berichte über Verhaftungen, den Einsatz von Tränengas, Schlagstockeinsätze gegen Demonstrierende und eine sichtbar verstärkte Militärpräsenz. Die Proteste begannen im Zentrum von Teheran. Schon am nächsten Tag, den 29. Dezember, weiteten sie sich erheblich aus – bis nach Karadsch, die größte Stadt in der Nähe. Auch Demonstrationen in den Städten Hamedan und Qeschm wurden gemeldet. (…)
    Obwohl die aktuellen Proteste durch wirtschaftliche Missstände ausgelöst wurden, nahmen die Slogans der Demonstranten schnell einen klar politischen Ton an. Demonstrierende skandierten: „Tod dem Diktator“ – ein Ausruf, der allein zu Verhaftungen, langen Gefängnisstrafen sowie physischer und psychischer Folter führen kann. Die iranischen Polizei- und Militärkräfte haben in der Vergangenheit selbst auf friedliche Straßenproteste mit Gewalt und Waffen reagiert. (…)
    In Teilen von Teheran wurden die Demonstrationen bereits zerstreut und Protestierende festgenommen, in anderen herrscht weiterhin Gedränge, ebenso in einigen weiteren Städten. Bahram erzählt: „Die Sicherheitskräfte finden es nicht einfach, offen in den Basar zu gehen; sie kommen meist in Zivil und ohne Kennzeichnung und identifizieren Personen, um sie dann in der Nacht oder am nächsten Morgen festnehmen zu können.“ (…) Inzwischen haben auch Studierendengruppen angekündigt, sich den Protesten anzuschließen. Ihnen gehe es nicht nur um die desolate Wirtschaft, sondern um „grundsätzliche politische Fragen“, hieß es
    …“ Artikel von Mahtab Qolizadeh vom 30.12.2025 in der taz online externer Link
  • Wenn der Basar streikt: Inflation und Währungsverfall setzen der iranischen Wirtschaft massiv zu. Mit den Streiks in den Basaren gerät das Regime erneut unter Druck.
    „… Dieses Mal ist die Ausgangslage eine andere: Erstmals sind es Händler und Ladenbesitzer in Basaren und Einkaufszentren, die die Proteste beginnen. Seit Sonntag streiken sie und thematisieren die wirtschaftliche Lage des Landes. Auslöser ist der massive Wertverlust der iranischen Währung. Die Hyperinflation frisst Einkommen und Ersparnisse auf, verteuert den Alltag und treibt die Betriebe in den Ruin. Nach Jahren der Perspektivlosigkeit haben nun auch die Händler nichts mehr zu verlieren. Das Regime befindet sich im wohl instabilsten Moment seit der Machtübernahme vor 46 Jahren. Es ist sowohl ideologisch als auch finanziell bankrott. (…)
    Von der Tabakbewegung 1891 bis zur Revolution von 1979 war der Basar stets ein Katalysator politischer Umbrüche. Um sich davor abzusichern, versuchte das Regime, die Basare mit Lizenzen und Posten an sich zu binden. Der Basar galt seither, bis auf Ausnahmen, als konservative Stütze des Systems. Und schwieg, während andere protestierten. (…)
    In einem Statement erklärten die Aktivist:innen: „Die Zeit des Zögerns ist vorbei. Die Stimmen der Menschen hallen von den Basaren auf die Straßen. Das Ende der Diktatur liegt in der Luft
    .“…“ Kommentar von Jean Dumler vom 30.12.2025 in der taz online externer Link
  • Die Mullahs müssen verschwinden“
    Tag 2 der Proteste in Teheran gegen das Regime. Begonnen haben die Proteste gestern in den Basaren und Malls. Ladenbesitzer schlossen ihre Geschäfte, um gegen die Preiserhöhungen und Inflation zu demonstrieren. Die Menschen haben längst genug von diesem Regime.Post von Daniela Sepehri vom 29.12.2025 auf bsky externer Link  mit Video

Siehe zu politischen Hintergründen v.a. das Dossier: Jina Mahsa Amini, 22-Jährige Kurdin aus Seqiz, stirbt nach Festnahme durch iranische „Moralpolizei“ – Festnahmen bei Protesten gegen ihren Tod und gegen Hidschab sowie das Dossier Für sofortigen Abschiebestopp in den Iran und ein Bleiberecht für Iraner*innen

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=233050
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