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Prosfygika: Athener Hausbesetzungsbewegung bereitet sich auf neue Angriffe vor

Dossier

Plakat Athener Hausbesetzer aus dem April 2019Prosfygika ist ein Komplex von Häusern (179 insgesamt), 14 Yards, im Zentrum von Athen. Die Lage des Stadtteils ist sehr zentral… Der größte Teil des Stadtteils Prosfygika ist von Hausbesetzern bewohnt“ (…) In der Zwischenzeit hatten die Drohungen einer plötzlichen Invasion in der Nachbarschaft nie aufgehört (17.8.18, Ende Januar, Mitte Februar 2019). Durch Gesetze und institutionelle Konfigurationen, die jedoch nur auf dem Niveau der Bedrohung bleiben, Ankündigungen durch Medien und andere Aktionen, durch eine Vielzahl von kulturellen und lokalen Zentren, technische Kontrollen usw. (…) Unter all diesen Bedingungen arbeiten wir an dem Verfahren eines Aufrufs zur offenen Solidarität zur Unterstützung und weiteren Verbesserung von Prosfygika. Auf diese Weise glauben wir, dass wir bereit sein werden, unseren Boden und unsere Häuser gegen Unterdrückung zu verteidigen…“ aus „Dringende Erklärung der Vollversammlung der besetzten #Prosfygika Alexandras Avenue“ am 15. April 2019 bei Enough is Enough externer Link dokumentiert und dazu:

  • Solidaritätsproteste in Berlin am 13. und 14. Mai zur Verteidigung der Community Prosfygika in Athen zum 100. Tag des unbefristeten Hungerstreiks von nun zwei Bewohner*innen New
    Am 13. und 14. Mai finden in Berlin Protestaktionen vor der griechischen Botschaft sowie vor dem Europäischen Haus statt, um auf die akute Bedrohung der selbstverwalteten Nachbarschaft „Prosfygika“ in Athen aufmerksam zu machen. Die Aktionen sind Teil der globalen Aktionstage „Action Until Victory“, die vom 9. bis 16. Mai stattfinden und in deren Rahmen internationale Solidaritätskundgebungen und Aktionen erwartet werden.
    Anlass der Proteste ist der 100. Tag des unbefristeten Hungerstreiks von Aristotelis Chantzis, einem langjährigen Bewohner Prosfygikas und Aktivisten. Chantzis befindet sich bereits seit dem 5. Februar 2026 im Hungerstreik, nachdem die Räumungspläne gegen Prosfygika nicht zurückgenommen wurden: „I will continue this hunger strike until clear and concrete arrangements are secured, or until death.“, so Chantzis. Am 1. Mai 2026 ist die Aktivistin Suzon Doppagne ebenfalls in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. (…)
    Aus Solidarität mit den Hungerstreikenden in Athen beginnt ab Mittwoch, dem 13. Mai, auch in Berlin ein dreitägiger symbolischer Hungerstreik solidarischer Aktivist*innen. Die Proteste richten sich sowohl an die griechische Botschaft als auch an europäische Institutionen und sollen den politischen Druck auf die Verantwortlichen erhöhen.
    Kundgebung: 14. Mai 2026, 14 Uhr, Europäisches Haus, Unter den Linden 87, BerlinPressemitteilung dokumentiert am 11.05.2026 auf rf-news.de externer Link, siehe auch:

  • Griechenland: Gemeinschaft im Widerstand. Die Athener »Prosfygika« ist die größte Hausbesetzung Europas und von Räumung bedroht. Doch die Beteiligten wehren sich
    „… Jetzt sollen laut griechischer Regierung dort Sozialwohnungen gebaut werden. Die Bewohner sehen in der Sanierung jedoch einen brutalen Plan für Räumung und Auflösung der »Prosfygika«. Sozialwohnungen gibt es in Griechenland kaum – es ist also fraglich, ob hier wirklich welche entstehen werden. In den vergangenen Jahren wurde mehrfach versucht, das Viertel zu räumen. Im Herbst 2016 konnten die Anwohner einen solchen Räumungsversuch abwehren. Die Polizei arbeitete damals mit Neonazis der Organisation »Goldene Morgendämmerung« zusammen, um die Gemeinschaft anzugreifen.
    Im Zuge des aktuellen Widerstandes ist am 5. Februar der Bewohner Aristotelis Chantzis in einen »Hungerstreik bis zum Tod« getreten. Für Chantzis, den alle liebevoll »Aristos« nennen, geht es bei seinem Hungerstreik um mehr als nur ein paar Hektar besetztes Land. Er sagt: »Wir leben in einer Ära, in der die Gesellschaften glauben, das Ende der Geschichte sei erreicht«, weshalb die Verteidigung eines Orts wie Prosfygika eine zentrale Aufgabe sei.
    Die gesamte Gemeinschaft sieht die Verteidigung der Häuser als ihre Aufgabe. Es wird eine Kampagne zum Erhalt Prosfygikas organisiert. Bisher hat es drei Großdemonstrationen gegeben, an denen jeweils zwischen 1.000 und 5.000 Menschen teilnahmen. Jeden Tag finden Aktionen statt: Flyerverteilen vor dem Hungerstreikzelt, Solidaritätshungerstreiks, kleine Gruppen ziehen abends zum Plakatieren los, davor wird beim Spiel des linken Fußballklubs »Asteras Exarchion« ein Banner im Stadion aufgehängt. Die Gemeinschaft hat zuletzt entschieden, dass sie sich öffnen muss, um die gesellschaftliche Beteiligung zu stärken. Die Öffnung ist ein neuer politischer Schritt der Selbstverteidigung, in dem Kollektivität nach außen erweitert wird. Aristos sagt hierzu: »Kollektivität ist nicht nur eine Frage des Zusammenlebens, sondern eine Mentalität, die entwickelt und in die gesamte Gesellschaft getragen werden muss.«.
    ..“ Artikel von Lorena Saraniero, Athen, in der jungen Welt vom 22.04.2026 externer Link
  • Athen: Demonstration gegen Räumungspläne im Viertel Prosfygika
    In Athen haben Tausende gegen geplante Räumungen im historischen Wohnkomplex Prosfygika demonstriert. Bewohner:innen und Unterstützende warnen, dass ein staatliches Sanierungsprojekt zur Vertreibung der selbstorganisierten Gemeinschaft führen könnte.
    In der griechischen Hauptstadt Athen sind Tausende Menschen gegen die geplante Räumung des Wohnprojekts Prosfygika auf die Straße gegangen. Die am Sonnabend stattgefundene Demonstration richtete sich gegen ein sogenanntes Stadtentwicklungsprojekt, das nach Ansicht der Community des selbstorganisierten Prosfygika zur Vertreibung der dort lebenden Gemeinschaft führen könnte. Der Protestzug startete symbolträchtig vor der Nationalen Technischen Universität Athen und zog anschließend zur Alexandras Avenue, wo sich der historische Wohnkomplex befindet. Demonstrierende skandierten Parolen gegen Zwangsräumungen und forderten den Erhalt des Viertels. Zu der Mobilisierung hatte die Gemeinschaft des Squats im Herzen Athens aufgerufen.
    Rechte Regierung gegen Selbstverwaltung
    Sie wendet sich gegen die Umgestaltungspläne für das Viertel der Regionalverwaltung Attikas, dem griechischen Kulturministerium und der staatlichen Arbeitsagentur DYPA. Offiziell plant die rechte Mitsotakis-Regierung Sozialwohnungen und Unterkünfte für Angehörige von Krebspatient:innen. Doch die Gemeinschaft nennt das einen „schamlosen Vorwand“ mit dem Ziel, selbstorganisierte Räume zu beseitigen, politisch unliebsame Nachbarschaften zu kontrollieren und den Immobilienmarkt anzukurbeln. (…)
    Prosfygika-Bewohner seit Anfang Februar im Hungerstreik
    Aktuell leben dort mehr als 400 Menschen. Mehr als zwanzig selbstorganisierte Strukturen sind heute Teil der Prosfygika-Gemeinschaft, darunter ein selbstorganisierter Kindergarten und Lernräume, eine kostenlose Gesundheitsstation, eine Sozialapotheke und Unterkunft für Angehörige von Krebspatient:innen, die in einer nahegelegenen Klinik behandelt werden, eine kollektive Bäckerei, Werkstätten, ein soziales Zentrum, Frauenräume und vieles mehr. Während der Demonstration machten Teilnehmer:innen auch auf den Hungerstreik eines Bewohners aufmerksam. Aristotelis Chatzis protestiert seit dem 5. Februar gegen die Räumungspläne und befand sich zum Zeitpunkt der Demonstration bereits seit über einem Monat im Hungerstreik. Redner:innen betonten, dass Prosfygika nicht nur ein Wohnkomplex sei, sondern ein Ort kollektiver Organisation und sozialer Solidarität. Sie forderten die Behörden auf, die Räumungspläne zurückzunehmen und die Gemeinschaft im Viertel zu erhalten
    …“ Bericht der ANF-Redaktion vom 15. März 2026 externer Link
  • Hausbesetzer-Szene Athen: Solidarität im Zentrum
    Mitten in Athen befindet sich das größte Hausbesetzerprojekt des Landes. Es gibt zahlreiche selbstverwaltete Einrichtungen wie eine Bäckerei, Kinderläden, Notunterkünfte für Frauen und ein Gesundheitsprojekt für Bedürftige. Doch polizeiliche Repressalien und ein staatlicher Sanierungsplan bedrohen sein Fortbestehen.
    Es ist das größte sozialpolitische Projekt Griechenlands: die teilbesetzte Siedlung der Prosfygiká, der Flüchtlingshäuser in der Hauptverkehrsstraße Leofóros Alexándras im Zentrum Athens. Doch der besetzte Teil ist akut räumungsbedroht. Der ab März 2026 gültige Sanierungsplan der Region Attika benennt einem Artikel der linken Tageszeitung Efimerída ton Syntaktón zufolge »Aufwertung« und »Rückgabe an die Gesellschaft« als Zielvorgabe für 108 der insgesamt 228 Wohnungen der in den 1930er Jahren erbauten Wohnsiedlung. Es gibt ein öffentliches Ausschreibungs- beziehungsweise Vergabeverfahren. Zur »Aufwertung der Prosfygiká« will die Sanierungsgesellschaft Athen A.E., unter deren Verwaltung der Komplex steht, mehr als 15 Millionen Euro investieren.
    Die »Gemeinschaft der besetzten Flüchtlingshäuser« hat entschiedenen Widerstand angekündigt, sie befürchtet, verdrängt zu werden. Sie fordert, dass das Geld direkt der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt wird, damit diese die Sanierung selbstverwaltet übernehmen kann.
    »Seit mehr als zehn Jahren zeigt die Assembly of Squatted Prosfygiká, dass die Existenz einer selbstorganisierten Community im Zentrum einer europäischen Metropole möglich ist«, heißt es in einem internationalen Solidaritätsaufruf. Unterstützende Aktionen finden seit Anfang Februar in ganz Griechenland statt...“ Artikel von Ralf Dreis in der Jungle World vom 12.03.2026 externer Link
  • Hungerstreik seit dem 5. Februar 2026 gegen geplante Zwangsräumung von 400 Menschen
    Das selbstverwaltete Stadtviertel Prosfygika in Athen steht noch immer der akuten Gefahr der Zwangsräumung gegenüber. Die Bewohner:innen kündigen an, sich zu verteidigen. Einer von ihnen befindet sich seit knapp drei Wochen im unbefristeten Hungerstreik.
    Aristotelis Chantzis, ein Bewohner und Mitglied der Gemeinschaft des besetzten und selbstverwalteten Viertels Prosfygika im Zentrum Athens, ist vor mittlerweile knapp drei Wochen in einen Hungerstreik getreten, den er notfalls bis zum Tod fortsetzen werde. Er reagiere hiermit auf Pläne der Regionalregierung Attikas, die die Gebäude des Viertels räumen und aufwerten lassen will. Dieses Vorhaben bedroht aktuell mehrere Hundert Menschen, die seit Jahrzehnten mit ihren Familien in dem Stadtteil leben, mit Zwangsräumungen.
    Chantzis äußerte drei zentrale Forderungen an die Regionalregierung: die sofortige Kündigung der entsprechenden Verträge durch die Region Attika, das Recht aller Bewohner:innen von Prosfygika, in ihren Wohnungen zu bleiben, sowie das Recht, die Restaurierung in selbstorganisierter Weise durchzuführen. Seit Jahren halte die Gemeinschaft die Gebäude selbst instand und kündigte bereits im letzten Sommer an, historische Gebäude ohne öffentliche Gelder und in Eigenregie restaurieren zu wollen.
    Selbstverwaltung im Kontext feindseliger Migrationspolitik
    „Die strukturelle Gefahr der Räumung von Prosfygika – einer basisdemokratischen Gemeinschaft, die vielen Geflüchteten jetzt und in Zukunft Perspektiven bietet, insbesondere ein Leben in Würde, während die EU-Staaten dies bewusst nicht tun – kann nicht von der feindseligen Migrationsagenda der EU getrennt werden, die durch Tod und Inhaftierung geprägt ist“, erklärt Nikos Kolokotronis, einer der Anwälte des Komitees #saveprosfygika, das zur Unterstützung und Verteidigung der Gemeinschaft gegründet wurde. „Vor nur zwei Wochen“, fährt er fort, „führte ein weiterer Pushback der griechischen Küstenwache gegen ein Boot mit Geflüchteten zum Tod von 15 Geflüchteten in der Nähe der Insel Chios. Vor etwa einem Monat ertranken mindestens 380 Flüchtlinge in der Nähe von Lampedusa. Die EU ist verantwortlich für diese Tragödien und die Menschenrechtsverletzungen, die ihre Politik verursacht.“
    Mehr als zwanzig selbstorganisierte Strukturen sind heute Teil der Prosfygika-Gemeinschaft, darunter ein selbstorganisierter Kindergarten und Lernräume, eine kostenlose Gesundheitsstation, eine Sozialapotheke und Unterkunft für Angehörige von Krebspatient:innen, eine kollektive Bäckerei, Werkstätten, ein soziales Zentrum, Frauenräume und vieles mehr. Ein Viertel also, das nicht verwaltet wird, sondern sich selbst verwaltet. Nicht auf Profit zielt, sondern auf Versorgung. Nicht spaltet, sondern verbindet und hierbei über 400 Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, darunter Kriegsgeflüchtete, Menschen im politischen Exil, Familien mit Kindern, politische Aktivist:innen, ältere Menschen, Menschen in einer Suchtrehabilitation und Menschen mit Krankheiten oder psychischen Problemen beherbergt.
    „Mit größtem Respekt vor dem Leben in den Hungerstreik bis zum Tod“
    Aristotelis Chantzis, der sich aktuell im Hungerstreik befindet, erklärte zu seiner Entscheidung: „Weil wir wissen, dass ein Großteil von uns auf der Straße landen wird, wenn Prosfygika geräumt wird. (…) Aufgrund der gemeinsamen Entscheidung, uns zu verteidigen, habe ich mich freiwillig entschlossen, mit größtem Respekt vor dem Leben in den Hungerstreik bis zum Tod zu treten
    .“…“ Bericht der ANF-Redaktion vom 25. Februar 2026 externer Link

Siehe u.a. auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=147540
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