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Prosfygika: Athener Hausbesetzungsbewegung kämpft nun gegen „Sanierung“ des Viertels

Dossier

Plakat Athener Hausbesetzer aus dem April 2019Prosfygika ist ein Komplex von Häusern (179 insgesamt), 14 Yards, im Zentrum von Athen. Die Lage des Stadtteils ist sehr zentral… Der größte Teil des Stadtteils Prosfygika ist von Hausbesetzern bewohnt“ (…) In der Zwischenzeit hatten die Drohungen einer plötzlichen Invasion in der Nachbarschaft nie aufgehört (17.8.18, Ende Januar, Mitte Februar 2019). Durch Gesetze und institutionelle Konfigurationen, die jedoch nur auf dem Niveau der Bedrohung bleiben, Ankündigungen durch Medien und andere Aktionen, durch eine Vielzahl von kulturellen und lokalen Zentren, technische Kontrollen usw. (…) Unter all diesen Bedingungen arbeiten wir an dem Verfahren eines Aufrufs zur offenen Solidarität zur Unterstützung und weiteren Verbesserung von Prosfygika. Auf diese Weise glauben wir, dass wir bereit sein werden, unseren Boden und unsere Häuser gegen Unterdrückung zu verteidigen…“ aus „Dringende Erklärung der Vollversammlung der besetzten #Prosfygika Alexandras Avenue“ am 15. April 2019 bei Enough is Enough externer Link dokumentiert und dazu:

  • Athens Stadtrat hat gegen die Sanierungspläne von Prosfygika gestimmt – nur ein Etappensieg, der aber den Hungerstreik beendet – Aristotelis auf der Intensivstation New
    • Prosfygika: Hungerstreik beendet
      „… Die Efsyn berichtete gestern, dass der Hungerstreik beendet wurde, weil der Gemeinderat von Athen die Region Attika aufforderte, ihr Projekt zur Umgestaltung des Prosfigika-Komplexes einzustellen und gleichzeitig forderte, dass der Hungerstreik ausgesetzt werden solltei. Der progressive Bürgermeister von Athen Xaris Dukas (PASOK) hatte diesen Beschluss eingebracht. Die Abgeordneten von PASOK, von „Offene Stadt“ und von „Athen Jetzt“ stimmten für den Beschluss. Es sieht allerdings bisher nicht nicht so aus, als ob das Projekt von der Region Attika eingestellt wird.
      Für Aristotelis Chantzis, der 140 Tage nichts aß, besteht immer noch Lebensgefahr…“ Aus der Presseschau von georgbrzoska vom 26. Juni 2026 auf Griechenlandsoli externer Link
    • Etappensieg in allerletzter Sekunde
      Athens Stadtrat hat gegen die Sanierungspläne von Prosfygika gestimmt. Ein Erfolg für die Gemeinschaft. Am Ziel ist sie aber noch nicht
      Es fällt sichtlich viel Anspannung von den Schultern der versammelten Menschen auf dem Syntagma-Platz im Herzen von Athen, als am Mittwochabend das Ende des Hungerstreiks von Aristotelis Chantzis und Suzon Doppagne gegen die Räumung von »Prosfygika« verkündet wird: »Nachdem wir uns mit Aristos und Suzon beraten haben, erklären wir hiermit den Hungerstreik offiziell für beendet«, ruft Dimos, langjähriger Bewohner von Prosfygika, mit ruhiger, entschlossener Stimme durchs Megafon. »Wir waren erfolgreich und wir werden den Kampf nun mit anderen Mitteln weiterzuführen!«
      Der Entscheidung war eine Sitzung des Stadtrats von Athen vorausgegangen, bei der eine Mehrheit für die Rücknahme der EU-finanzierten Sanierungspläne für die besetzten Häuserblocks stimmte, die eine Räumung der Bewohner*innen mit sich ziehen würden. Der Haken: Offizieller Vertragspartner ist die Regionalregierung von Attika, die nach wie vor an den Plänen festhält – ungeachtet des gesundheitlichen Zustands der beiden Hungerstreikenden. »Es darf im Jahr 2026 in unserem Land keinen Todesfall infolge eines Hungerstreiks geben«, heißt es nun eindringlich in der Resolution des Stadtrats, und weiter: »Wir rufen die Regionalverwaltung dazu auf, die Umsetzung des Vertrages auszusetzen und die Gemeinschaft von Prosfygika, den Hungerstreik zu beenden«.
      Aktivist Chantzis kurz vor dem Tod
      Zwei Tage zuvor war Aristotelis Chantzis an Tag 138 des Hungerstreiks aufgrund seines sich rapide verschlechternden Gesundheitszustandes ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Diagnose: »Wernicke-Enzephalopathie«, eine potenziell lebensbedrohliche neurologische Erkrankung sowie Herzrhythmusstörungen. Aufgrund von Schluckbeschwerden infolge von Muskelschwäche käme es zu Atemnot und Sauerstoffmangel. Würden die Forderungen der Gemeinschaft weiterhin ignoriert, »käme das einem Todesurteil gleich«, so das Ärzteteam, das den Hungerstreikenden medizinisch begleitet. (…)
      Die Regionalregierung von Attika zeigt sich aber unnachgiebig und will die Sanierungspläne durchsetzen. Nikos Hardalias, Mitglied der rechten Regierungspartei Nea Dimokratia und Gouverneur der Region Attika, setzt dabei auf eine zweigleisige Kommunikationsstrategie: Einerseits versucht er, die Besetzung zu delegitimieren und Kritik als »Fake News« zu diskreditieren. Andererseits präsentiert er die Sanierungspläne als soziales Vorhaben: Statt Vertreibung verspricht er Sozialwohnungen sowie einen »Dialog« mit den Bewohner*innen. Noch Anfang der Woche hatte Hardalias die online-Plattform »for communication and resident data« veröffentlicht, bei der sich die Bewohner*innen von Prosfygika registrieren und ihre Bedürfnisse erfassen lassen könnten. »No one alone – care for all« titelt die Plattform. In den Augen der Gemeinschaft von Prosfygika stellt das eine wenig vertrauenerweckende Befriedungs- und Spaltungsstrategie dar.
      Noch nicht am Ziel
      Die Resolution des Stadtrats stärkt nun die Verhandlungsposition der Gemeinschaft gegenüber Attika. »Auch wenn die Resolution nicht alle unsere Forderungen erfüllt, akzeptieren wir sie«, verkündet Dimos am Mittwoch. Erstmals erkenne die Stadt die zentralen Anliegen von Prosfygika grundsätzlich an: Verzicht auf Räumung, Anerkennung der Gemeinschaft als Verhandlungspartner und Beteiligung der Bewohner*innen an den Sanierungsplänen. »Aber«, ergänzt er, »wir haben kein absolutes Vertrauen in die Institutionen und werden weiterhin wachsam sein.« (…)
      In der Nacht nach der Verkündung des Sieges verschlechterte sich Aristotelis’ Zustand wieder bis hin zur Bewusstlosigkeit und schweren Atemwegskomplikationen. Aktuell wird er auf der Intensivstation behandelt. Noch ist der Kampf nicht vorbei.“ Artikel von Lea Kleinsorge vom 26.06.2026 in ND online externer Link
  • Europas grösste Besetzung : Sie lassen sich nicht besänftigen
    Das Athener Wohnviertel Prosfygika ist politische Besetzung, Sozialprojekt und für 400 Bewohner:innen ein Zuhause. Seit Anfang Jahr droht ihnen die Räumung.
    Suzon Doppagne hat entschieden, ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Seit Anfang Mai befindet sich die junge Frau im Hungerstreik. 28 Tage ist das her bei diesem Treffen in einem schlichten Raum mit einigen alten Ledersofas. Fragil wirkt Doppagne und etwas benommen. Doch genauso entschlossen. Ihr Hungerstreik, sagt sie, sei keine übertriebene Massnahme. «Wir machen die Sache nicht grösser, als sie ist. Wir mussten einfach die Antwort geben, die angesichts der Heftigkeit des Angriffs auf Prosfygika angemessen war – und angesichts der kurzen Zeit, die wir haben, um ihn abzuwehren.» (…) Die Regionalverwaltung spannt für ihren Sanierungsplan mit der liberal-konservativen Zentralregierung unter Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis von der Partei Nea Dimokratia zusammen – und auch mit der EU. Die Troika, die nach der Schuldenkrise in Griechenland die europäischen Reformauflagen überwachte, setzte den Gebäudekomplex 2011 auf die Liste von Staatseigentum, das der Staatskasse über einen Privatisierungsfonds fünfzig Milliarden Euro einbringen soll. Nun wird das Projekt zum Grossteil über den europäischen Strukturfonds finanziert. Den Bewohner:innen von Prosfygika – die im Vertrag zwischen den Akteuren keine Erwähnung finden – verspricht die Regierungspartei inzwischen, dass sie in sichere und angemessene Unterkünfte «umgesiedelt» würden und sich für die neu sanierten Wohnungen bewerben könnten.
    Dass diese Verlautbarungen die Besetzer:innen nicht besänftigen, liegt daran, dass die repressive und radikal marktliberale Politik dahinter den Versprechungen diametral gegenübersteht. Der Druck auf vulnerable Gruppen und insbesondere auf Geflüchtete nimmt seit der Machtübernahme der Nea Dimokratia im Jahr 2019 laufend zu. In Athen wurden seither mindestens zwanzig grössere Hausbesetzungen geräumt, die als inoffizielle Flüchtlingsunterkünfte dienten. Migrant:innen sind brutalen Pushbacks ausgesetzt, werden in weit abgelegene, menschenunwürdige Lager verfrachtet, und selbst anerkannte Geflüchtete erhalten oft kaum staatliche Unterstützung.
    Dass die Politik ausgerechnet in Prosfygika Sozialwohnungen verspricht – etwas, das es in Griechenland kaum gibt –, kann man auch deshalb nur als «Social washing»-Strategie begreifen, weil ausgerechnet in der Umgebung der alten Blöcke das grosse Aufwertungsprojekt «Athen West» vorangetrieben wird. Die Regierung hat mit ihrer Politik des grossen Ausverkaufs die Wohnungsnot extrem verschärft, im Stadtzentrum von Athen sind die Mieten in den letzten fünf Jahren um fünfzig Prozent gestiegen – bei nach wie vor sehr tiefem Lohnniveau.
    Der Stadtsoziologe Thomas Maloutas, der an der Athener Harokopio-Universität zu Aufwertungsmechanismen und sozialer Segregation forscht, sagt: Ein selbstverwaltetes Projekt allein könne die Wohnungsnot zwar nicht lindern, «aber Prosfygika hat vor diesem Hintergrund eine grosse symbolische Bedeutung». Er habe Athen immer für eine ungentrifizierbare Stadt gehalten, erläutert der Soziologe weiter. «Weil viele ärmere und reichere Bewohner:innen der Stadt traditionell nicht in unterschiedlichen Quartieren lebten, sondern im gleichen Block, die Reichen oben, die Armen in dunkleren Wohnungen im unteren Teil.» Heute sei die rasante Airbnbisierung Haupttreiber für die steigenden Mieten, sagt Maloutas. Und am unmittelbarsten davon betroffen sei die unterste Bevölkerungsschicht. «Früher gab es in Athen viele Wohnungen für 200 bis 250 Euro im Monat. Heute möblieren Investor:innen solche Apartments und nehmen mit Kurzvermietungen viel mehr Geld ein.» (…)
    Chantzis ist bereits Ende Mai zu schwach, um mit Journalist:innen zu reden. Anfang dieser Woche musste er am 138. Tag seines Hungerstreiks in kritischem Zustand in ein Athener Spital eingeliefert werden. Trotz akuter Lebensgefahr beteuerte er, er wolle seinen Kampf weiterführen. Die Gemeinschaft des besetzten Prosfygika hält derweil eine Mahnwache vor dem Spital ab
    .“ Reportage von Sarah Schmalz (Text) und Thomas Stüssi (Fotos) aus Athen in der WoZ vom 25. Juni 2026 externer Link
  • Hungerstreik bis zum Tod gegen die Zwangsräumung von Prosfigika: Aristotelis Chantzis ist in Gefahr – Tausende Demonstrant:inen marschieren zum Syntagma-Platz
    Die Bewohner:innen von Prosfigika, Aristotelis Hantzis und Suzon Doppagne, setzen ihren Hungerstreik seit 139 bzw. 54 Tagen fort. Die Gemeinschaft fordert die griechischen Behörden auf, die Vereinbarung zur Neugestaltung des Stadtviertels zurückzuziehen und die Pläne für eine Zwangsräumung aufzugeben.
    Aristotelis Hatzis A. Hantzis befindet sich heute im 139. Tag seines Hungerstreiks und sein Leben ist in Gefahr – hierfür gab as am Abend des 23. Juni eine große Solidaritätskundgebung. Siehe dazu:

    • Der Account von v e l o c i t y auf bluesky externer Link begleitet die Kämpfe von #saveprosfygika, auch die Solidaritätskundgebung am Dienstag:
    • Tausende Demonstranten marschieren aus Solidarität mit den Hungerstreikenden Aristotelis Chantzis (Tag 139) und Suzon Doppagne (Tag 54) durch die Athener Innenstadt, blockieren dabei den Verkehr auf dem Weg nach Omonia und kehren anschließend zum griechischen Parlament am Syntagma-Platz zurück.“ engl. Post vom 23.06.2026 externer Link samt Video
    • Griechischer Aktivist vor Hungertod
      Griechische Behörden wollen die Gemeinschaft Prosfygika räumen. Aus Protest trat Aristotelis Chantzis in den Hungerstreik. Sein Zustand ist kritisch…“ Agenturmeldung vom 23.06.2026 in ND online externer Link
    • Leben am seidenen Faden
      Athen: Die Menschen in der besetzten Nachbarschaft Prosfygika sind von Vertreibung bedroht. Doch der Widerstand ist groß – zwei Bewohner sind in den Hungerstreik bis zum Tod getreten…“ Artikel von Marigona Gjebrea, Athen, in der jungen Welt vom 24.06.2026 externer Link
    • Siehe auch den griech. Artikel darüber vom 23.6. auf documentonews.gr externer Link mit erschreckenden Fotos von Aristotelis Chantzis
  • #saveprosfygika: Große Demonstration gegen die Zwangsräumung in Athen am 16. Mai, dem 101. Tag des unbefristeten Hungerstreiks von Aristotelis Chantzis
    Die Initiative „Save Prosfygika Internationalist“ erklärt in einer Pressemitteilung:
    Am 16. Mai fand eine riesige Demonstration im Zentrum der Stadt statt, um die Räumung der selbstverwalteten Gemeinschaft der besetzten Prosfygika im Ambelokipiviertel zu verhindern. Der 16. Mai markiert den 101. Tag des unbefristeten Hungerstreiks von Aristotelis Chantzis.
    „Demonstration für den Sieg und die Würde – für die Verteidigung des Lebens“
    Am 5. Februar, begann Aristoteles Chantzis, als Bewohner und Mitglied der Prosfygika-Gemeinschaft, einen Hungerstreik. Am 15. Mai war der 100. Tag dieses Hungerstreiks und laut den Berichten, die von den behandelnden Ärzten veröffentlicht wurden, hat sich der gesundheitliche Zustand von Aristoteles Chantzis drastisch verschlechtert und sein Leben steht in akuter Gefahr. (…) Als die Situation einen kritischen Punkt erreichte, gingen am 16. Mai in Athen Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten auf die Straße, um Chantzis zu unterstützen und die Gemeinschaft zu verteidigen. 3000 Menschen versammelten sich um 12 Uhr auf dem Syntagma-Platz und zogen durch die Innenstadt, um die Kraft, die Dynamik und die Unterstützung des Kampfes lautstark und sichtbar zu demonstrieren. (…)
    Die Unterstützung hat sich in ganz Griechenland sowie international ausgebreitet, mit Aktionen in über 29 Städten in Ländern wie Mexiko, Kolumbien, der Türkei, den USA, Italien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Serbien, Dänemark, Deutschland, Polen, Portugal, Spanien und Irland
    …“ Pressemitteilung dokumentiert am 18.05.2026 auf rf-news.de externer Link
  • Solidaritätsproteste in Berlin am 13. und 14. Mai zur Verteidigung der Community Prosfygika in Athen zum 100. Tag des unbefristeten Hungerstreiks von nun zwei Bewohner*innen
    Am 13. und 14. Mai finden in Berlin Protestaktionen vor der griechischen Botschaft sowie vor dem Europäischen Haus statt, um auf die akute Bedrohung der selbstverwalteten Nachbarschaft „Prosfygika“ in Athen aufmerksam zu machen. Die Aktionen sind Teil der globalen Aktionstage „Action Until Victory“, die vom 9. bis 16. Mai stattfinden und in deren Rahmen internationale Solidaritätskundgebungen und Aktionen erwartet werden.
    Anlass der Proteste ist der 100. Tag des unbefristeten Hungerstreiks von Aristotelis Chantzis, einem langjährigen Bewohner Prosfygikas und Aktivisten. Chantzis befindet sich bereits seit dem 5. Februar 2026 im Hungerstreik, nachdem die Räumungspläne gegen Prosfygika nicht zurückgenommen wurden: „I will continue this hunger strike until clear and concrete arrangements are secured, or until death.“, so Chantzis. Am 1. Mai 2026 ist die Aktivistin Suzon Doppagne ebenfalls in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. (…)
    Aus Solidarität mit den Hungerstreikenden in Athen beginnt ab Mittwoch, dem 13. Mai, auch in Berlin ein dreitägiger symbolischer Hungerstreik solidarischer Aktivist*innen. Die Proteste richten sich sowohl an die griechische Botschaft als auch an europäische Institutionen und sollen den politischen Druck auf die Verantwortlichen erhöhen.
    Kundgebung: 14. Mai 2026, 14 Uhr, Europäisches Haus, Unter den Linden 87, BerlinPressemitteilung dokumentiert am 11.05.2026 auf rf-news.de externer Link, siehe auch:

  • Griechenland: Gemeinschaft im Widerstand. Die Athener »Prosfygika« ist die größte Hausbesetzung Europas und von Räumung bedroht. Doch die Beteiligten wehren sich
    „… Jetzt sollen laut griechischer Regierung dort Sozialwohnungen gebaut werden. Die Bewohner sehen in der Sanierung jedoch einen brutalen Plan für Räumung und Auflösung der »Prosfygika«. Sozialwohnungen gibt es in Griechenland kaum – es ist also fraglich, ob hier wirklich welche entstehen werden. In den vergangenen Jahren wurde mehrfach versucht, das Viertel zu räumen. Im Herbst 2016 konnten die Anwohner einen solchen Räumungsversuch abwehren. Die Polizei arbeitete damals mit Neonazis der Organisation »Goldene Morgendämmerung« zusammen, um die Gemeinschaft anzugreifen.
    Im Zuge des aktuellen Widerstandes ist am 5. Februar der Bewohner Aristotelis Chantzis in einen »Hungerstreik bis zum Tod« getreten. Für Chantzis, den alle liebevoll »Aristos« nennen, geht es bei seinem Hungerstreik um mehr als nur ein paar Hektar besetztes Land. Er sagt: »Wir leben in einer Ära, in der die Gesellschaften glauben, das Ende der Geschichte sei erreicht«, weshalb die Verteidigung eines Orts wie Prosfygika eine zentrale Aufgabe sei.
    Die gesamte Gemeinschaft sieht die Verteidigung der Häuser als ihre Aufgabe. Es wird eine Kampagne zum Erhalt Prosfygikas organisiert. Bisher hat es drei Großdemonstrationen gegeben, an denen jeweils zwischen 1.000 und 5.000 Menschen teilnahmen. Jeden Tag finden Aktionen statt: Flyerverteilen vor dem Hungerstreikzelt, Solidaritätshungerstreiks, kleine Gruppen ziehen abends zum Plakatieren los, davor wird beim Spiel des linken Fußballklubs »Asteras Exarchion« ein Banner im Stadion aufgehängt. Die Gemeinschaft hat zuletzt entschieden, dass sie sich öffnen muss, um die gesellschaftliche Beteiligung zu stärken. Die Öffnung ist ein neuer politischer Schritt der Selbstverteidigung, in dem Kollektivität nach außen erweitert wird. Aristos sagt hierzu: »Kollektivität ist nicht nur eine Frage des Zusammenlebens, sondern eine Mentalität, die entwickelt und in die gesamte Gesellschaft getragen werden muss.«.
    ..“ Artikel von Lorena Saraniero, Athen, in der jungen Welt vom 22.04.2026 externer Link
  • Athen: Demonstration gegen Räumungspläne im Viertel Prosfygika
    In Athen haben Tausende gegen geplante Räumungen im historischen Wohnkomplex Prosfygika demonstriert. Bewohner:innen und Unterstützende warnen, dass ein staatliches Sanierungsprojekt zur Vertreibung der selbstorganisierten Gemeinschaft führen könnte.
    In der griechischen Hauptstadt Athen sind Tausende Menschen gegen die geplante Räumung des Wohnprojekts Prosfygika auf die Straße gegangen. Die am Sonnabend stattgefundene Demonstration richtete sich gegen ein sogenanntes Stadtentwicklungsprojekt, das nach Ansicht der Community des selbstorganisierten Prosfygika zur Vertreibung der dort lebenden Gemeinschaft führen könnte. Der Protestzug startete symbolträchtig vor der Nationalen Technischen Universität Athen und zog anschließend zur Alexandras Avenue, wo sich der historische Wohnkomplex befindet. Demonstrierende skandierten Parolen gegen Zwangsräumungen und forderten den Erhalt des Viertels. Zu der Mobilisierung hatte die Gemeinschaft des Squats im Herzen Athens aufgerufen.
    Rechte Regierung gegen Selbstverwaltung
    Sie wendet sich gegen die Umgestaltungspläne für das Viertel der Regionalverwaltung Attikas, dem griechischen Kulturministerium und der staatlichen Arbeitsagentur DYPA. Offiziell plant die rechte Mitsotakis-Regierung Sozialwohnungen und Unterkünfte für Angehörige von Krebspatient:innen. Doch die Gemeinschaft nennt das einen „schamlosen Vorwand“ mit dem Ziel, selbstorganisierte Räume zu beseitigen, politisch unliebsame Nachbarschaften zu kontrollieren und den Immobilienmarkt anzukurbeln. (…)
    Prosfygika-Bewohner seit Anfang Februar im Hungerstreik
    Aktuell leben dort mehr als 400 Menschen. Mehr als zwanzig selbstorganisierte Strukturen sind heute Teil der Prosfygika-Gemeinschaft, darunter ein selbstorganisierter Kindergarten und Lernräume, eine kostenlose Gesundheitsstation, eine Sozialapotheke und Unterkunft für Angehörige von Krebspatient:innen, die in einer nahegelegenen Klinik behandelt werden, eine kollektive Bäckerei, Werkstätten, ein soziales Zentrum, Frauenräume und vieles mehr. Während der Demonstration machten Teilnehmer:innen auch auf den Hungerstreik eines Bewohners aufmerksam. Aristotelis Chatzis protestiert seit dem 5. Februar gegen die Räumungspläne und befand sich zum Zeitpunkt der Demonstration bereits seit über einem Monat im Hungerstreik. Redner:innen betonten, dass Prosfygika nicht nur ein Wohnkomplex sei, sondern ein Ort kollektiver Organisation und sozialer Solidarität. Sie forderten die Behörden auf, die Räumungspläne zurückzunehmen und die Gemeinschaft im Viertel zu erhalten
    …“ Bericht der ANF-Redaktion vom 15. März 2026 externer Link
  • Hausbesetzer-Szene Athen: Solidarität im Zentrum
    Mitten in Athen befindet sich das größte Hausbesetzerprojekt des Landes. Es gibt zahlreiche selbstverwaltete Einrichtungen wie eine Bäckerei, Kinderläden, Notunterkünfte für Frauen und ein Gesundheitsprojekt für Bedürftige. Doch polizeiliche Repressalien und ein staatlicher Sanierungsplan bedrohen sein Fortbestehen.
    Es ist das größte sozialpolitische Projekt Griechenlands: die teilbesetzte Siedlung der Prosfygiká, der Flüchtlingshäuser in der Hauptverkehrsstraße Leofóros Alexándras im Zentrum Athens. Doch der besetzte Teil ist akut räumungsbedroht. Der ab März 2026 gültige Sanierungsplan der Region Attika benennt einem Artikel der linken Tageszeitung Efimerída ton Syntaktón zufolge »Aufwertung« und »Rückgabe an die Gesellschaft« als Zielvorgabe für 108 der insgesamt 228 Wohnungen der in den 1930er Jahren erbauten Wohnsiedlung. Es gibt ein öffentliches Ausschreibungs- beziehungsweise Vergabeverfahren. Zur »Aufwertung der Prosfygiká« will die Sanierungsgesellschaft Athen A.E., unter deren Verwaltung der Komplex steht, mehr als 15 Millionen Euro investieren.
    Die »Gemeinschaft der besetzten Flüchtlingshäuser« hat entschiedenen Widerstand angekündigt, sie befürchtet, verdrängt zu werden. Sie fordert, dass das Geld direkt der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt wird, damit diese die Sanierung selbstverwaltet übernehmen kann.
    »Seit mehr als zehn Jahren zeigt die Assembly of Squatted Prosfygiká, dass die Existenz einer selbstorganisierten Community im Zentrum einer europäischen Metropole möglich ist«, heißt es in einem internationalen Solidaritätsaufruf. Unterstützende Aktionen finden seit Anfang Februar in ganz Griechenland statt...“ Artikel von Ralf Dreis in der Jungle World vom 12.03.2026 externer Link
  • Hungerstreik seit dem 5. Februar 2026 gegen geplante Zwangsräumung von 400 Menschen
    Das selbstverwaltete Stadtviertel Prosfygika in Athen steht noch immer der akuten Gefahr der Zwangsräumung gegenüber. Die Bewohner:innen kündigen an, sich zu verteidigen. Einer von ihnen befindet sich seit knapp drei Wochen im unbefristeten Hungerstreik.
    Aristotelis Chantzis, ein Bewohner und Mitglied der Gemeinschaft des besetzten und selbstverwalteten Viertels Prosfygika im Zentrum Athens, ist vor mittlerweile knapp drei Wochen in einen Hungerstreik getreten, den er notfalls bis zum Tod fortsetzen werde. Er reagiere hiermit auf Pläne der Regionalregierung Attikas, die die Gebäude des Viertels räumen und aufwerten lassen will. Dieses Vorhaben bedroht aktuell mehrere Hundert Menschen, die seit Jahrzehnten mit ihren Familien in dem Stadtteil leben, mit Zwangsräumungen.
    Chantzis äußerte drei zentrale Forderungen an die Regionalregierung: die sofortige Kündigung der entsprechenden Verträge durch die Region Attika, das Recht aller Bewohner:innen von Prosfygika, in ihren Wohnungen zu bleiben, sowie das Recht, die Restaurierung in selbstorganisierter Weise durchzuführen. Seit Jahren halte die Gemeinschaft die Gebäude selbst instand und kündigte bereits im letzten Sommer an, historische Gebäude ohne öffentliche Gelder und in Eigenregie restaurieren zu wollen.
    Selbstverwaltung im Kontext feindseliger Migrationspolitik
    „Die strukturelle Gefahr der Räumung von Prosfygika – einer basisdemokratischen Gemeinschaft, die vielen Geflüchteten jetzt und in Zukunft Perspektiven bietet, insbesondere ein Leben in Würde, während die EU-Staaten dies bewusst nicht tun – kann nicht von der feindseligen Migrationsagenda der EU getrennt werden, die durch Tod und Inhaftierung geprägt ist“, erklärt Nikos Kolokotronis, einer der Anwälte des Komitees #saveprosfygika, das zur Unterstützung und Verteidigung der Gemeinschaft gegründet wurde. „Vor nur zwei Wochen“, fährt er fort, „führte ein weiterer Pushback der griechischen Küstenwache gegen ein Boot mit Geflüchteten zum Tod von 15 Geflüchteten in der Nähe der Insel Chios. Vor etwa einem Monat ertranken mindestens 380 Flüchtlinge in der Nähe von Lampedusa. Die EU ist verantwortlich für diese Tragödien und die Menschenrechtsverletzungen, die ihre Politik verursacht.“
    Mehr als zwanzig selbstorganisierte Strukturen sind heute Teil der Prosfygika-Gemeinschaft, darunter ein selbstorganisierter Kindergarten und Lernräume, eine kostenlose Gesundheitsstation, eine Sozialapotheke und Unterkunft für Angehörige von Krebspatient:innen, eine kollektive Bäckerei, Werkstätten, ein soziales Zentrum, Frauenräume und vieles mehr. Ein Viertel also, das nicht verwaltet wird, sondern sich selbst verwaltet. Nicht auf Profit zielt, sondern auf Versorgung. Nicht spaltet, sondern verbindet und hierbei über 400 Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, darunter Kriegsgeflüchtete, Menschen im politischen Exil, Familien mit Kindern, politische Aktivist:innen, ältere Menschen, Menschen in einer Suchtrehabilitation und Menschen mit Krankheiten oder psychischen Problemen beherbergt.
    „Mit größtem Respekt vor dem Leben in den Hungerstreik bis zum Tod“
    Aristotelis Chantzis, der sich aktuell im Hungerstreik befindet, erklärte zu seiner Entscheidung: „Weil wir wissen, dass ein Großteil von uns auf der Straße landen wird, wenn Prosfygika geräumt wird. (…) Aufgrund der gemeinsamen Entscheidung, uns zu verteidigen, habe ich mich freiwillig entschlossen, mit größtem Respekt vor dem Leben in den Hungerstreik bis zum Tod zu treten
    .“…“ Bericht der ANF-Redaktion vom 25. Februar 2026 externer Link

Siehe u.a. auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=147540
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