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Wenn der Sparhaushalt in Frankreich auf den Alltag trifft, schließen sich BeamtInnen, Feuerwehrleute und SchülerInnen zusammen, erstmals am 29. September

Dossier

SNES-FSU Syndicat National des Enseignements de Second degré: Mobilisations lycéennes : appel aux personnels à se tenir aux côtés des élèves dans la manifestation et la grève le 8 octobre„200.000 Menschen demonstrierten am gestrigen Dienstag, de 29. September 2026 in ganz Frankreich – in insgesamt 115 Städten – auf Aufruf der Gewerkschaften hin (…) Gegenstand der Mobilisierung, zu denen alle relevanten Gewerkschaften aufgerufen hatten (mobilisiert hatte in Paris jedoch zu über 80 Prozent die CGT, hingegen die rechtssozialdemokratisch geführte CFDT nur einige Hundert Menschen, hinzu kamen andere Verbände wie die linksalterative Union syndicale Solidaires aber auch die betont rechte Polizeigewerkschaft Alliance, die am Schluss der Demo lief), war aber auch die in wenigen Tagen beginnende Haushaltsberatung für das Staatsbudget 2027. (…) Seit Wochenbeginn hat eine Protestbewegung der Oberschüler/innen (Lycéens und Lycéennes) eine erhebliche Schlagkaft angenommen. Auch auf der Pariser Demo wurde diese durch einen sehr dynamischen Jugendblock sichtbar…“ Artikel von Bernard Schmid vom 30. September 2026 („Es brennt sozial, aber die Feuerwehr ist da“) und im Dossier dazu Aufrufe der Gewerkschaften und weitere Informationen sowie nun gesondert zu den Protesten der SchülerInnen und Studierenden (samt gew. Unterstützung) gegen die Sparfolgen:

Es brennt sozial, aber die Feuerwehr ist da

200.000 Menschen demonstrierten am gestrigen Dienstag, de 29. September 2026 in ganz Frankreich – in insgesamt 115 Städten – auf Aufruf der Gewerkschaften hin, laut Angaben des französischen Innenministeriums, 300.000 waren es laut Zahlen des Gewerkschaftsdachverbands CGT, d.h. des linkeren der beiden stärksten Dachverbände (CGT und CFDT). In der Regel liegt auf rein quantitativer Ebene die Wahrheit irgendwo in der Mitte zwischen den beiden, jeweils „politischen“ Zahlen.

Koordiation der Oberschüler/innen Paris & banlieues rund um Paris bei der Demo am 6.10.2026 in Paris (Foto Bernard Schmid)

Koordiation der Oberschüler/innen Paris & banlieues rund um Paris bei der Demo am 6.10.2026 in Paris (Foto Bernard Schmid)

In der Hauptstadt Paris waren laut Polizei/Innenministerium „30.000“, lt. CGT jedoch „70.000“ Menschen auf dem Protestzug unterwegs. In diesem Falle scheint die rein quantitative Wahrheit wesentlich näher bei den Polizeizahlen zu liegen (Ehrlichkeit verpflichtet!). Das Vorbeiziehen an einem festen Punkt bspw. auf dem Boulevard Beuamarchais vor dem Eintreffen auf dem Bastille-Platz (auf circa halbem Wege) dauerte ziemlich genaue eine Stunde; in diesen Zeitraum und auf den vorhandenen Platz bekommt man keine 70.000 gepackt, es sei denn, man bindet sie ziemlich fest zusammen. Allerdings waren daneben auch protestierende und streikende Feuerwehrangehörige, lt. eigenen Angaben ihrer Gewerkschaften ihrer 10.000 und lt. Polizei ihrer 5.000, anderswo in der Stadt unterwegs und entzündeten im Süden von Paris Knaller.

Aufgerufen waren vor allem abhängig Beschäftigte in den öffentlichen Diensten – Lehranstalten, Krankenhäusern, aber auch Polizeibedienstete -, unter anderem aufgrund sinkender Reallöhne in den öffentlichen Diensten. Diese verloren lt. Zahlen der CGT, welche in diesem Falle inhaltlich ungleich glaubwürdiger sind als die aus Regierungskreisen und der bürgerlichen Presse (bei Teilnehmer/innen/zahlen mag dies bisweilen leicht anders ausfallen), seit dem Jahr 2000 insgesamt um -28,6 % bis -33 % an Kaufkraft, d.h. an Einkommen gemessen am durchschnittlichen Anstieg der Verdienste landesweit. (https://www.cgt.fr/actualites/france/fonction-publique-elections/point-dindice-des-fonctionnaires-et-vous-combien-avez-vous-perdu externer Link und https://www.20minutes.fr/politique/4247665-20260929-pourquoi-projet-budget-2027-fait-poches-fonctionnaires-emouvoir-personne externer Link) Bereits seit drei Jahren werden seitens der öffentlichen Arbeitgeber ausschließlich Nullrunden bei den kollektiven Lohn- und Gehaltsverhandlungen hingelegt (vgl. auch https://www.cgtetat.fr/vie-des-personnels/remunerations/evolution-du-pouvoir-d-achat/ externer Link). Allerdings behaupten ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender sowie das nationale Statistikamt INSEE, in den letzten zehn Jahren hätten Staatsbedienstete – wenn auch magere – um 1,2 % an Kaufkraft hinzugewonnen, Privatbeschäftigte hingegen um 3,2 %. (https://www.franceinfo.fr/economie/greve/greve-des-fonctionnaires/fonctionnaires-en-greve-le-pouvoir-d-achat-des-agents-de-la-fonction-publique-a-t-il-reellement-baisse-ces-dernieres-annees_8215358.html externer Link) Der kleine Trick dabei lautet, dass dabei alle Verdienstzuwächse etwa auch durch Stellenwechsel, Beförderungen, Altersprämien mit einberechnet sind und es sich nicht wirklich um Lohnerhöhungen handelt. Am übelsten dran sind in Frankreich oft die schulischen Lehrkräfte, die heute knapp oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns (SMIC) ihre Laufbahn beginnen – in den 1980er Jahren noch bei einem doppelten Mindestlohn.

Gegenstand der Mobilisierung, zu denen alle relevanten Gewerkschaften aufgerufen hatten (mobilisiert hatte in Paris jedoch zu über 80 Prozent die CGT, hingegen die rechtssozialdemokratisch geführte CFDT nur einige Hundert Menschen, hinzu kamen andere Verbände wie die linksalterative Union syndicale Solid aires aber auch die betont rechte Polizeigewerkschaft Alliance, die am Schluss der Demo lief), war aber auch die in wenigen Tagen beginnende Haushaltsberatung für das Staatsbudget 2027.

Ach, das bisschen Haushalt…

"Zwar hat die Jugend nicht immer recht. Aber die Gesellschaft, die sie verkennt und verprügelt, hat immer Unrecht." Ein Zitat vom 08. Mai 1968 auf einem Plakat bei der Demo am 6.10.2026 in Paris (Foto Bernard Schmid)

„Zwar hat die Jugend nicht immer recht. Aber die Gesellschaft, die sie verkennt und verprügelt, hat immer Unrecht.“ Ein Zitat vom 08. Mai 1968 auf einem Plakat bei der Demo am 6.10.2026 in Paris (Foto Bernard Schmid)

Austerität ist dazu angesagt. Premierminister Sébastien Lecornu will, unter Berufung auf die hohe Staatsverschuldung (Vorgängerregierung griffen zur Finanzierung ihrer Politiker gerne eher auf die „Finanzmärkte“ denn auf Steuerbelastungen für Reiche und Unternehmen zurück), historische Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro im Haushalt vornehmen. Das ginge natürlich nicht ohne soziale Grausamkeiten.

Neben Sparmaßnahmen in den öffentlichen Diensten oder bei der Finanzierung von Sozialpolitik plant die Regierung auch, etwa die Lohnfortzahlung bei Opfern von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten einzuschränken und darüber 270 Millionen Euro einsparen (letzte Zahl vom September 26, im Juli d.J. war auch mal von 800 Millionen die Rede), ein Plan, der  unter Gewerkschafter/inne/n für besondere Empörung sorgt und doch nur geringe Wahrnehmung in Öffentlichkeit findet. (Vgl. https://www.lemonde.fr/politique/article/2026/09/10/accidents-du-travail-le-gouvernement-officialise-la-baisse-des-indemnites-journalieres_6770009_823448.html externer Link und zuvor: https://www.lemonde.fr/economie/article/2026/07/06/accidents-du-travail-le-gouvernement-demande-800-millions-d-economies-aux-partenaires-sociaux_6721241_3234.html externer Link)

Schon das Haushaltgesetz für das laufende Jahr enthielt einige soziale Grausamkeiten, etwa die Erhöhung des Selbstbezahlungs-Anteils für Krankenversicherte bei Medikamenten. Im Dezember 2025 kam das diesjährige Budget im Parlament durch, weil die Abgeordneten des rechtssozialdemokratischen Parti Socialiste (PS), nachdem sie ein paar Abmilderungen heraushandeln konnten, auf ein Misstrauensvotum gegen die Regierung verzichteten – das angenommen worden wäre, hätten damals alle Linksparteien ihm zugestimmt. Jetzt will auch der PS den Haushalt für das nächste Jahr zu Fall bringen, weil die Regierung ihm zu weit geht. Nun will aber die Rechtsextreme Marine Le Pen mit ihrer rund 120köpfigen Fraktion auf eine Gegenstimme verzichten, wie am 13. September 26 durch die Wochenendzeitung La Tribune dimanche bekannt wurde. Denn werde sie Anfang Mai 2027 zur Staatspräsidentin gewählt, sei ja noch Zeit, Änderungen vorzunehmen, führte sie als Argument dafür an.

Feuerwehr im Streik

Stell Dir vor, Du rufst die Feuerwehr – und die kommt nicht. Dies dürfte unter Umständen fatale Folgen haben. Dennoch droht dieses Szenario derzeit in Frankreich nicht, trotz eines länger dauernden Streiks, zu dem die Berufsfeuerwehrleute aufgerufen sind; er begann am 08. September. Noch bis zum 20. Oktober ist das Personal zum Arbeitskampf aufgerufen. Ihm ging bereits im Vormonat ein Streiktag, dem Warncharakter zukam, am 13. August voraus. Am Abend desselben Tages verlief ein Treffen zwischen den insgesamt neun Gewerkschaften, die unter den Beschäftigten vertreten sind, mit Innenminister Laurent Nuñez aus ihrer Sicht ausgesprochen enttäuschend. Daraufhin keimte unmittelbar die Idee zu einem länger anhaltenden Ausstand auf.

Doch ihre wichtigsten Missionen, dazu zählen neben dem Brandlöschen auch Rettungseinsätze beispielsweise bei Verkehrsunfällen, Herzinfarkten, Schlaganfällen und akuten Vergiftungserscheinungen, werden sie weiterhin wahrnehmen. Nicht, weil ihnen das in Japan mitunter existierende Streikmodell, in Form des normalen Arbeitseinsatzes mit einer Aufschrift „Wir streiken“ auf einer bei der Tätigkeit getragenen Armbinde, so vorteil- oder vorbildhaft erschiene. Doch weisen diese Aktivitäten einen mitunter lebensnotwendigen und -rettenden Charakter auf und können deswegen nicht einfach unterbleiben. Auch könnte die Präfektur, also die Regierungsbehörde im Département oder Verwaltungsbezirk, bei solcherlei Einsätzen notfalls auch strafbewehrte Dienstverpflichtungen aussprechen.

Allerdings werden die Einsatzwagen, je nach Schwere der Notlage, bisweilen mit zahlenmäßig verringerten Besatzungen ausrücken. Und bei weniger dringlichen Arbeiten, etwa bei Brandschutzbegutachtungen auf Baustellen und anderen präventiven Maßnahmen, könnten die Streikfolgen sich bemerkbar mache – der Bau verzögert sich dann eventuell, ohne dass Leben in Gefahr wären.

Am ersten Tag, dem Dienstag, den 08. September d.J., war der Arbeitskampf massiv befolgt. In den bretonischen Städten Vannes und Lorient etwa wurde laut der auf Lokalpolitik spezialisierten Webseite maville.com eine Streikbeteiligung in Höhe von 100 Prozent vermeldet, im nordfranzösischen Boulogne-sur-Mer und in Marquise laut der Regionalzeitung La Voix du Nord „zwischen 75 und 90 Prozent“, im elsässischen Strasbourg rund 90 Prozent.

Frankreich zählt rund 44.000 hauptberufliche Feuerwehrfrauen und -männer mit Arbeitsverträgen. Hinzu kommen rund 200.000 freiwillige Feuerwehrleuten, die jedoch keine Vollzeittätigkeit verrichten und im Unterschied zur Berufsfeuerwehr nicht rund um die Uhr verfügbar sein können; im Stadtgebiet von Paris wiederum hat das dortige Feuerwehrpersonal den Status von Berufsmilitärs. Die Gewerkschaften fordern die Einstellung von 21.000 zusätzlichen professionellen Feuerschutzmenschen.

Ihre Forderungen sind nicht spontan aus ihrer Fantasie entstanden, sondern unmittelbar den Erfahrungen des extremen Brandsommers dieses Jahres mit seinen Waldfeuern entsprungen, der den mitunter krassen Personalmangel und die Unterbesetzung vieler Feuerwehrkasernen und Einsatzfahrzeuge aufzeigte. Im ostfranzösischen Bezirk Moselle (Mosel) um die Stadt Metz, wo 782 Hauptberufliche bei der Feuerwehr arbeiten, beziffern die Gewerkschaften den Mangel etwa auf 200 Berufsfeuerwehrleute. Überdies spricht die zuständige Branchengewerkschaft der CGT beim Brandschutz, die CGT SDIS 57, von fünfzig Prozent der bei Waldbränden geeigneten Einsatzfahrzeuge, die heute gegenüber vor zehn Jahren ausfallen und fehlenden.

Streikteilnehmer weisen etwa auch auf fehlendes Material zum Gesundheitsschutz der Einsatzkräfte hin. „Wir atmen giftige Gase und Dämpfe durch eine billige Kopfmaske für zehn Euro hindurch ein“, zitiert etwa die Regionalzeitung Midi Libre in Südfrankreich am 12. September 26 Streikende bei der Feuerwehr, die sich auf der place de la Comédie von Montpellier versammelten. Bereits im August gab ein Vertreter der Feuerwehr-Gewerkschaft SSP-PATS 34 – die, anders als ihre Kollegen von der CGT, keinem branchenübergreifenden Dachverband angegliedert ist –, Cyrille Albanese, dem Radiosender France Info zu Protokoll: „Die Kapuze der Uniform, die wir derzeit benutzen, hart weder einen Gas- noch einen Feinstaubfilter und ist also gefährlich.“

Hinzu kommen Forderungen nach besserer Absicherung der Feuerwehrmenschen durch die beruflichen und gesetzlichen Krankenkassen sowie, wie im gesamten öffentlichen Dienst, der in den letzten Jahre mehrere Nullrunden bei den Löhnen und Gehältern erlebte, nach Verdiensterhöhungen.

Ursprünglich sollte im Vorfeld des gestrigen gewerkschaftliche Aktionstags eine dreitägige „Dauerkundgebung“ der Feuerwehrleute, eine Art Mahnwache, auf der zentral gelegenen place de la République in Paris am 26., 27. und 28. September stattfinden. Stattdessen wurde es allerdings eine Zeltstadt unter dem Eifelturm, was wahrscheinlich für stärkere nationale und internationale Publicity sorgte. (https://www.bfmtv.com/societe/greves/en-greve-les-pompiers-dorment-au-pied-de-la-tour-eiffel-pour-clamer-leur-colere-et-demander-plus-de-moyens_AD-202609280093.html externer Link)

Jugend forsch(t)

"Zu jung, um zugehört zu werden - aber alt genug, um Tränengas abzubekommen". Plakat bei der Demo am 6.10.2026 in Paris (Foto Bernard Schmid)

„Zu jung, um zugehört zu werden – aber alt genug, um Tränengas abzubekommen“. Plakat bei der Demo am 6.10.2026 in Paris (Foto Bernard Schmid)

Herausgerissen, was die sonst vielleicht doch insgesamt noch eher schlappe Dynamik der sozialen Bewegungen im Frankreich der letzten Woche betrifft – viele in der Gesellschaft tragen ihren Unmut und ihre Frustration derzeit eher, in den Vorwahl-Umfragen jedenfalls, zur extremen Rechten und, ja, das ist ein Problem -, hat es im Augenblick die Jugend. Seit Wochenbeginn hat eine Protestbewegung der Oberschüler/innen (Lycéens und Lycéennes) eine erhebliche Schlagkaft angenommen. Auch auf der Pariser Demo wurde diese durch einen sehr dynamischen Jugendblock sichtbar.

Zur Begriffswahl: „Oberschulen“ und „Oberschüler/innen“ deswegen, weil es in Frankreich seit 1975 eine gemeinsame Mittelstufe (collègue unique) gibt, d.h. alle Schüler/innen bis zum eventuellen Abgang nach der Mittelstufe absolut dieselbe Schule besuchen und nicht etwa wie in Deutschland auf getrennte Schulzweige wie Hauptschule / Realschule / Gymnasium gehen. Wer nach Abschluss der Mittelstufe (collège) weitermacht, geht danach auf eine gesonderte Oberschule oder Lycée. Insofern ähnelt das französische Schulsystem insgesamt eher dem, was man in Deutschland „Gesamtschule“ nennt.

Ursache von Protest sind hier überfüllte Klassen – bis zu 35 Schüler/innen mancherorts -, Unterrichtsausfälle wg. Lehrer/innen/mangels (im von verbreiteter Armut mit geprägten Bezirk Seine-Saint-Denis nördlich und nordöstlich von Paris verlieren Jugendlich durchschnittlich ein volles Schuljahr durch Unterrichtsausfall bis zum Abitur, andernorts weniger), Hitze im Sommer und Kälte im Winter aufgrund baufälliger oder renovierungsbedürftiger Schulgebäude, teilweise auch Diskriminierungen bei migrantischer Herkunft.

421 Schulen frankreichweit waren zu Wochenanfang von Streik-, Blockade- und Protestaktionen betroffen, laut Angaben von Innenminister Laurent Nunez. (https://www.bfmtv.com/politique/video-blocage-des-lycees-on-s-attend-a-ce-qu-il-y-ait-le-meme-mouvement-demain-et-il-y-aura-le-meme-dispositif-policier-explique-laurent-nunez_VN-202609290853.html externer Link ). Am Abend waren es noch circa 330 betroffene Schulen.

Im Laufe des Tages wurden insgesamt 440 Festnahmen in diesem Zusammenhang bekannt gegeben, wegen Auseinandersetzungen mit der Polizei, brennender Mülltonnen… (https://www.bfmtv.com/politique/gouvernement/colere-lyceenne-laurent-nunez-annonce-440-interpellation-et-assure-que-la-reponse-des-forces-de-l-ordre-etait-proportionnee_AV-202609290872.html externer Link) Dass die Polizei systematisch vor den bestreikten oder (teil)blockierten Schulgebäude auflief, bildete dabei sicherlich einen eskalierenden eher denn einen deseskalierenden Faktor. Einzelne Scheißaktionen oder aus dem Ruder laufende Aktivitäten  – ein Fußtritt gegen einen Lehrer in Lille, eine Attacke auf einen mit Feuerlöscher anrückenden Verwaltungsvertreter in Toulouse, ein brennendes Schultor in Saint-Denis bei Paris – wurden dabei durch Massenmedien schnellstens zum zentralen Problem vermeintlicher Art hochgejazzt. (Auch die Bildungsgewerkschaft FSU verurteilte die Attacken auf Personalmitglieder am Dienstag.)

Die linke oder linkspopulistische Wahlplattform LFI („Das unbeugsame Frankreich“), die die Schüler/innen/bewegung unterstützt und von kritikwürdiger Polizeigewalt spricht, geriet deswegen unter scharfe öffentliche Angriffe. Der ihr angehörige Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, der bei seiner Ankunft vor einer bestreikten Oberschule wie ein Rockstar empfangen und von jungen Leuten auf Händen herumgetragen wurde, wurde besonders attackiert – nachdem er kurz nach seiner Wahl im März 2026 bereits massenmedialen, pur rassistischen Angriffen, besonders beim Privatfernsehsender CNews („Stammeshäuptling“) ausgesetzt war. Die konservative Regionalpräsidentin der Hauptstadtregion Ile-de-France, Valérie Pécresse, verkrachte Präsidentschaftskandidatin im Jahr 2022 (mit damals unter fünf Prozent der Stimmen landesweit), kündigte beim Kurznachrichtendiest X, ihm, Bagayoko, persönlich „die Rechnung über 100.000 Euro zuzustellen“, wegen Reparaturkosten für das in Brand geratene Schultor, aber auch für Wach- und Sicherheitsdienste und Aufräumarbeiten. ( https://www.lefigaro.fr/social/blocus-des-lycees-valerie-pecresse-veut-envoyer-la-facture-des-degradations-au-maire-lfi-de-saint-denis-bally-bagayoko-20260930 externer Link und https://www.bfmtv.com/politique/la-france-insoumise/video-lycees-bloques-a-saint-denis-la-presidente-de-la-region-ile-de-france-valerie-pecresse-souhaite-envoyer-la-facture-des-degradations-a-bally-bagayoko_VN-202609300091.html externer Link) Heilige Demagogie, bitte für uns…

Artikel von Bernard Schmid vom 30. September 2026

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Aufrufe der Gewerkschaften und weitere Informationen zu ihren Protesten gegen den Sparhaushalt etc.

  • Nach massivem 17. Oktober zwischen Wut und Polizeigewalt rufen die Gewerkschaften erst recht zu branchenübergreifenden Streiks und Demonstrationen am 5. November New
    • Die Regierung wählt ihre Gesprächspartner aus, wir entscheiden uns für den Widerstand! Wir lehnen die Aufforderung ab, die Gewalttaten zu verurteilen!
      „Premierminister Sébastien Lecornu empfängt heute Vormittag alle Gewerkschaften im Matignon, mit Ausnahme der Gewerkschaft „Union syndicale Solidaires“. Es steht dem Premierminister nicht zu, seine Gesprächspartner nach eigenem Gutdünken auszuwählen. Es ist verständlich, dass er nicht persönlich hören wollte, was wir zu sagen gehabt hätten: Wir lehnen die Aufforderung ab, die Gewalttaten zu verurteilen. Diese Regierung hat nur dieses Wort im Mund, spricht aber nie von Polizeigewalt. Wie viele Demonstrant*innen, darunter oft Minderjährige, wurden in den letzten Wochen verstümmelt?
      Die Polizei und staatliche Gewalt werden die Forderungen nach angemessenen Löhnen, einer Rente in einem würdigen Alter und akzeptablen Lebensbedingungen für alle niemals zum Schweigen bringen. Solidaires bekundet seine uneingeschränkte Unterstützung und Solidarität mit allen Personen, die bei den Mobilisierungen der letzten Wochen verletzt, festgenommen oder Opfer von Polizeigewalt geworden sind.
      Wir lehnen es ab, statt über die Forderungen von „Sicherheit bei Demonstrationen“ zu sprechen
      Auf der angekündigten Tagesordnung stehen „die Organisation der nächsten Demonstrationen“ sowie die Anwesenheit des Innenministers zusätzlich zu der von Lecornu. Von einer Antwort auf die Forderungen fehlt nach wie vor jede Spur. Dabei sind diese doch bekannt. (..)
      Die Regierung weigert sich, auf unsere Forderungen einzugehen. Lasst uns diese noch lauter vorbringen!
      Die Gewerkschaft „Union syndicale Solidaires“ ruft dazu auf, die Dynamik und die Mobilisierungen fortzusetzen. Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir uns an unseren Arbeitsstätten organisieren, mehr Vollversammlungen abhalten und uns vor Ort und auf der Straße zusammenschließen
      …“ franz. Verlautbarung vom 21. Oktober 2026 der Union syndicale Solidaires externer Link (maschinenübersetzt)
    • „Am Samstag wurden in Lyon, Frankreich, Gewerkschaftsführer und Aktivisten Opfer von Polizeigewalt. Sie demonstrierten friedlich, als die Polizei angriff. Mehrere von ihnen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.
      Die Wut, die Frankreich derzeit erfasst, zeugt davon, welche Auswirkungen die jahrelangen Sparmaßnahmen auf den öffentlichen Dienst, das Bildungswesen und das Gesundheitswesen hatten.
      Reaktion der politischen Rechten, der extremen Rechten?
      Migranten und linke Aktivisten beschuldigen, Verbote vorschlagen, zum Beispiel für die Nutzung von TikTok – was bereits als verfassungswidrig eingestuft wurde, da es Rechte und Freiheiten einschränkt. Zu mehr Repression aufrufen.
      Wir alle wissen, dass dies nichts zu besseren Schulen, besserer Gesundheitsversorgung und besseren Arbeitsbedingungen beiträgt.
      Um die Sache noch beschämender zu machen: Die EU-Regierungen argumentieren nun, die Ausschreitungen seien ein Beweis dafür, dass sie mit ihrer strengen Grenz- und Migrationskontrolle Recht haben.
      Nein – das haben sie nicht. Wir brauchen keine weitere Repression. @epsu.bsky.social bekundet seine Solidarität mit unseren Genossen. #Solidarität und Erfolg am 5. November
      …“ engl. Thread von Jan Willem Goudriaan vom 19.10.2026 auf bsky externer Link (Generalsekretär des EPSU – Europäischer Gewerkschaftsverband für den öffentlichen Dienst)
    • [FSU] Ein massiver 17. Oktober zwischen Wut, Repression und Gewalt
      „Die riesigen Demonstrationen vom 17. Oktober haben gezeigt, wie tief die Wut der Jugend verwurzelt ist, wie sie sich zu einer breiteren sozialen Wut ausweitet und wie die Machthaber in ihrer Taubheit sowie in ihrer gefährlichen Strategie der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung immer weiter eskalieren. So griff die Polizei in Toulouse die gewerkschaftliche Vorhut an und verletzte die ersten Verantwortlichen auf Departementsebene. Obwohl die Demonstration von der CGT und der FSU bei der Präfektur angemeldet worden war und organisiert sowie friedlich verlief, fiel die Entscheidung eindeutig auf Repression.
      Die Polizei setzte Räumergranaten ein und zielte dabei auf die gewerkschaftliche Vorhut. Die beiden Departements-Co-Sekretärinnen der FSU, Charlotte Andrieu und Alexandra Nougarède, ein Mitglied des Departementsvorstands der CGT, Pauline Salingue, sowie die Generalsekretärin der CGT Services Publics, Natacha Pommet, wurden verletzt. Ebenfalls verletzt wurden Mitglieder der Ordnungsdienste der FSU und der CGT. Die vier Gewerkschaftsvertreterinnen wurden abtransportiert. Die FSU bekundet ihnen ihre volle Unterstützung. Sie fordert, dass diese inakzeptablen Gewalttaten lückenlos aufgeklärt und die Verantwortlichen auf allen Ebenen bestraft werden.
      Nach den Schlägen gegen die Spitzengruppe der Demonstration in Lyon am 13. Oktober ist dies das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass Gewerkschaftsaktivist*innen von den Ordnungskräften ins Visier genommen und verletzt wurden. (…) Heute sind in Paris wie auch in vielen anderen Städten die Ordnungskräfte bereits vor Beginn der Demonstrationen eingeschritten, haben die Demonstrant*innen eingekesselt und mit Tränengas überschüttet.
      Die FSU prangert eine Strategie an, die die Ausübung grundlegender Freiheiten untergräbt, angefangen bei dem Recht auf Demonstration in einem geordneten und organisierten Rahmen.
      In ihrer Not verfällt die Regierung einer gefährlichen Strategie, indem sie die Mobilisierungen von Schüler*innen und Student*innen, Arbeitnehmer*innen, Eltern und Rentner*innen mit den gewalttätigen Ausschreitungen einer Minderheit in einen Topf wirft, die die FSU verurteilt. Diese unverantwortliche Entscheidung, eine legitime soziale Bewegung als „städtische Gewalt“ darzustellen, kann die soziale Lage nur verschärfen und die Demokratie schwächen, indem sie die Forderungen unsichtbar macht, die nach zehn Jahren Macronismus, die das Land in einem katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Zustand hinterlassen haben, mit Nachdruck zum Ausdruck gebracht werden
      …“ franz. Pressemitteilung vom 18.10.2026 der Fédération Syndicale Unitaire pour la Fonction Publique externer Link (maschinenübersetzt)
    • [CGT] Fast 800.000 Demonstrantinnen und Demonstranten in ganz Frankreich für soziale Gerechtigkeit: Die Regierung muss unverzüglich auf die Forderungen reagieren!
      „Fast 800.000 junge Menschen, Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer, Arbeitslose und Rentnerinnen und Rentner haben sich an den zahlreichen Versammlungs- und Demonstrationsorten im ganzen Land versammelt. Dieser Tag der massiven Mobilisierung markiert eine neue Etappe in dem seit mehreren Wochen andauernden Mobilisierungsprozess.
      Durch ihre hartnäckige Weigerung, auf die massiv und friedlich vorgebrachten Forderungen einzugehen, trägt die Regierung die politische Verantwortung für die heute zu beobachtende Eskalation der Gewalt. Im Rahmen von Verhandlungen mit den studentischen und Arbeitnehmergewerkschaften sowie in der parlamentarischen Debatte muss die Regierung nun politische Antworten liefern.
      Die CGT verurteilt die Repression, mit der die Bevölkerung daran gehindert werden soll, an den Demonstrationen teilzunehmen. Sie bekundet ihre Unterstützung für die Gewerkschaftsvertreter*innen der FSU und der CGT in Toulouse, die von den Ordnungskräften mit einer Tränengasgranate beschossen wurden, die auf die gewerkschaftsübergreifende Spitzengruppe abgefeuert wurde, während der Demonstrationszug friedlich voranschritt. (…) Die CGT ruft dazu auf, die friedliche Mobilisierung gemeinsam mit den Jugendlichen fortzusetzen, an allen Arbeitsstätten eine Debatte darüber anzustoßen, wie das Kräfteverhältnis gestaltet werden muss, um unsere Forderungen durchzusetzen, und in den kommenden Tagen die nächsten Schritte der Mobilisierung vorzubereiten, darunter den großen gewerkschaftsübergreifenden Streik- und Demonstrationstag am 5. November
      .“ fr. Pressemitteilung vom 17.10.2026 der CGT externer Link (maschinenübersetzt)
    • [Solidaires] Der 17. Oktober: Organisieren wir uns für den Sieg!
      „Der 17. Oktober ist eine Massenbewegung. Dabei werden wir es nicht belassen. Lasst uns die Streiks an den Arbeitsstätten organisieren. Wir können gewinnen!
      An diesem 17. Oktober 2026 haben sich überall in Frankreich mindestens eine halbe Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus allen Branchen, Jugendliche, Studierende, Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen und die Gelbwesten mobilisiert. Dieser Tag bestätigt das Ausmaß einer tiefen, berechtigten und weit verbreiteten sozialen Wut.
      In Unternehmen, Behörden, an Kreisverkehren, in Gymnasien, an Universitäten und auf der Straße kommen die Bestrebungen nach echter sozialer Gerechtigkeit und der Rückeroberung der Demokratie durch das Volk stärker denn je zum Ausdruck. Die Gewerkschaftsvereinigung „Solidaires“ bekräftigt ihr Engagement für den Aufbau dieser Bündelung der Kämpfe und für die Lähmung der Wirtschaft.
      Angesichts dieser weitreichenden sozialen Proteste ist die einzige Antwort der Machthaber nach wie vor Autoritarismus und polizeiliche Repression. Der 17. Oktober war erneut von Gewalt und polizeilichen Übergriffen geprägt, darunter insbesondere eine durch eine Granate abgerissene Hand in Saint-Étienne, obwohl Minister Nuñez deren Einsatz diese Woche erneut genehmigt hatte. Zahlreiche Demonstrationszüge und Kundgebungen wurden gezielt blockiert und eingekesselt – eine Praxis, die jedoch illegal ist und gegen die Grundfreiheiten verstößt und einzig darauf abzielt, die Mobilisierung durch Angst zu unterdrücken. Massiver Einsatz von Tränengas, brutale Vorstöße und der Einsatz von Waffen mittlerer Wirkung führten zu zahlreichen Verletzten unter den Demonstrant*innen. Im Laufe des Tages kam es zu Hunderten ungerechtfertigter Festnahmen, die sich insbesondere gegen Aktivist*innen und Jugendliche richteten. (…)
      Die Gewerkschaftsvereinigung Solidaires ruft dazu auf, die Dynamik aufrechtzuerhalten. Doch wenn wir gewinnen wollen, müssen wir uns an den Arbeitsstätten organisieren, mehr Vollversammlungen abhalten und die Zusammenarbeit vor Ort verstärken.
      Die Gewerkschaft Solidaires ruft alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – ob im Berufsleben, auf Arbeitssuche, in der Ausbildung oder im Ruhestand – dazu auf, den 5. November vorzubereiten, um ihn zu einem großen Tag des branchenübergreifenden Streiks und der Demonstrationen zu machen und die Regierung sowie die Arbeitgeber dazu zu zwingen, eine gerechte Verteilung des Reichtums zu gewährleisten
      .“ franz. Pressemitteilung der Solidaires vom 17. Oktober 2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • [Force Ouvrière] Gewalt und Sachbeschädigungen: Unterstützung für Beamte und Gewerbetreibende!
      „Die Forderungen der Schüler und Studenten sind legitim, ebenso wie die der Demonstranten, die ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen und mehr Kaufkraft fordern. Der Verband „Force Ouvrière“ des Personals im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen verurteilt aufs Schärfste die Gewalttaten, Sachbeschädigungen und Plünderungen, die gestern, am Samstag, dem 17. Oktober 2026, am Rande der überall in Frankreich organisierten Demonstrationen begangen wurden. (…) Erneut haben sich dieselben Mitarbeiter, insbesondere die kommunalen, mobilisiert, um die beschädigten Einrichtungen zu säubern, zu reparieren und wieder instand zu setzen. Diese Arbeit müssen sie in den kommenden Tagen fortsetzen. Diese Frauen und Männer, die allzu oft unsichtbar bleiben, verdienen Anerkennung und Respekt. Sie dürfen nicht unter den Folgen von Gewalttaten leiden, für die sie in keiner Weise verantwortlich sind.
      Für Force Ouvrière ist das Demonstrationsrecht eine Grundfreiheit. Gewalt und Zerstörung dürfen keine Antwort auf soziale Probleme sein. Sie dürfen auch nicht dazu dienen, die legitimen Forderungen der friedlichen Demonstranten zu diskreditieren, denen die Regierung verantwortungsbewusst Gehör schenken und Rechnung tragen muss
      …“ franz. PM von FO SPS (Services publics et de Santé) vom 19.10.26 externer Link (maschinenübersetzt)
  • [Offener Brief von 300 Gewerkschafter:innen] Wie schon 1968 weist die Jugend den Weg
    „Wieder einmal geht die Jugend einer sozialen Bewegung voran. Die Gewerkschaften müssen den 17. Oktober unterstützen und einen Plan vorlegen, um Macron und seine Sparpolitik zu besiegen, fordern die Unterzeichner eines gemeinsamen offenen Briefes:
    Seit zwei Wochen hat die Schüler*innenbewegung den Klassenkampf im Land wiederbelebt. Ihre Forderungen sind einfach, aber tiefgreifend: Sie betreffen ihre Lernbedingungen, den Tagesablauf von 8 bis 18 Uhr, die Selektion, aber auch die Zukunft, die der Jugend bevorsteht – eine Zukunft voller Kriege und Elend. An den Blockaden sind es unsere Kinder, unsere Neffen und Nichten, die sich mobilisieren und daran erinnern, dass es möglich ist, mit beeindruckender Energie zu kämpfen. (…)
    Dennoch steht die Reaktion fast aller Gewerkschaftsführungen in völligem Widerspruch zu den aktuellen Erfordernissen. Letzte Woche riefen sie zu einer branchenübergreifenden Mobilisierung am 5. November auf – ein echtes Zeichen dafür, dass sie die Jugend im Stich lassen. Eine inakzeptable Haltung, die an die schlimmsten Stellungnahmen der letzten Jahre erinnert, wie beispielsweise während der Bewegung der Gelbwesten, der im entscheidenden Moment die Unterstützung unserer Organisationen verwehrt blieb.
    Als engagierte Arbeiter*innen, Gewerkschafter*innen und gewählte Vertreter*innen in unseren Betrieben und an unseren Arbeitsplätzen weigern wir uns, die Schüler*innen im Stich zu lassen. Wenige Tage vor dem 17. Oktober, an dem sich die weit verbreitete Wut über die Kraftstoffpreise bündelt, sind wir überzeugt, dass diese Bewegung erfolgreich sein und eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses im Land bewirken kann. Dies wäre ein entscheidender Hebel, um die extreme Rechte zu schwächen.
    Deshalb rufen wir unsere Organisationen dazu auf, sich klar für die Jugend einzusetzen und am 17. Oktober sowie danach zu einer landesweiten Mobilisierung an ihrer Seite aufzurufen, um den Kampf gegen die Regierung zu organisieren. Wie im Mai 1968 müssen die Arbeiter dem Aufruf der Jugend folgen und beginnen, sich mit ihren eigenen Mitteln zu mobilisieren
    .“ Offener Brief am 15. Oktober 2026 in Politis externer Link, der von 300 Gewerkschafter:innen unterzeichnet wurde und die gesamte Arbeiter:innenbewegung dazu aufruft, an der Seite der Jugend zu kämpfen („Comme en 1968, la jeunesse montre la voie“, maschinenübersetzt)
  • [Solidaires ruft zu Protesten am 17.10 und Generalstreik am 5.11. auf] Die Bewegung wächst: Lasst uns weiterhin Gemeinsamkeiten schaffen!
    „Der Tag der Mobilisierungen, Aktionen und Demonstrationen am 13. Oktober hat das Ausmaß der aktuellen Bewegung bestätigt. Mehr als 480.000 Menschen sind in ganz Frankreich auf die Straße gegangen. Die Gewerkschaftsvereinigung „Solidaires“ hatte dazu aufgerufen, sich an der Seite der Schülerinnen und Schüler sowie der Studentinnen und Studenten zu mobilisieren, aber auch, Streiks in den verschiedenen Branchen zu organisieren, um unsere Kämpfe und Forderungen zu bündeln. (…)
    In Lyon sind schwerwiegende Vorfälle zu beklagen. Die Ordnungskräfte gingen direkt gegen die Gewerkschaftsprozessionen vor, schlugen Gewerkschafter mit Schlagstöcken, verletzten einen Genossen der FSU und versuchten, ein Transparent zu stehlen. Nichts rechtfertigt solche Handlungen. Auch aus anderen Städten in Frankreich erreichen uns Berichte über gewalttätige Einsätze der Ordnungskräfte gegen die Demonstrationszüge. Diese Gewalt kann keine Antwort auf die Forderungen sein. Der Gewerkschaftsverband verurteilt sie und fordert, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
    Der Gewerkschaftsverband „Solidaires“ ruft dazu auf, die Mobilisierung an den von den Schüler- und Studentenvollversammlungen festgelegten Terminen fortzusetzen und insbesondere die Forderungen am 17. Oktober zu bündeln.
    Sie ruft zudem dazu auf, diese Dynamik zu verstärken, indem der 5. November zu einem großen branchenübergreifenden Streiktag gemacht wird, an dem sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Ausbildung, im Berufsleben, auf Arbeitssuche oder im Ruhestand in großer Zahl versammeln
    .“ franz. Pressemitteilung von Solidaires vom 13.10.26 externer Link (maschinenübersetzt), siehe auch:

    • Am 5. November: Große gewerkschaftsübergreifende Streiks im ganzen Land!
      „Mit den Haushalten des Staates und der Sozialversicherung für 2027 will die Regierung erneut die Arbeitnehmer*innen, Rentner*innen und Kranken zur Kasse bitten, anstatt die Großunternehmen und die Superreichen. In der Jugendbewegung und im öffentlichen Dienst finden derzeit zahlreiche Mobilisierungen statt. Im Energiesektor hat sich die Mobilisierung bereits ausgezahlt! Öffentlicher und privater Sektor, Jugendliche und Rentner*innen – lasst uns gemeinsam für den Sieg kämpfen!...“ franz. Aufruf der CGT vom 13. Okt. 2026 externer Link (maschinenübersetzt)
  • Eine entscheidende Woche steht bevor: Die Beschäftigten im staatlichen Bildungswesen müssen in den Streik treten
    „Ende August hat in den sogenannten Überseegebieten eine starke Schülerbewegung begonnen. In der Woche vom 21. September haben dann in der gesamten Île-de-France, ausgehend von den Arbeitervierteln, die Blockaden an den Gymnasien begonnen. Mittlerweile sind alle Departements betroffen, und auch die Studierenden haben sich der Bewegung angeschlossen. Ein Teil der schulpflichtigen Jugend aus Nachbarländern (Belgien, Italien) hat sich der Bewegung bereits angeschlossen. In Frankreich war der Demonstrationstag am Dienstag, dem 6. Oktober, ein Erfolg (450.000 Demonstrant*innen), unterstützt von streikendem Bildungspersonal. Angesichts eines neuen entscheidenden Mobilisierungstages am kommenden Dienstag, dem 13. Oktober, stellt sich erneut die Frage nach einem Streik. (…)
    Angesichts der Angriffe: Die Schüler*innen und Student*innen zählen auf unser Engagement
    Derzeit setzt die Regierung alles daran, die Mobilisierung zurückzudrängen: polizeiliche und gerichtliche Repression, Schließung von Bildungseinrichtungen (Lockout), Einführung von Fernunterricht, Versammlungsverbote … Sogar das Mitführen von Pipetten mit Kochsalzlösung in der Nähe von Bildungseinrichtungen ist in mehreren Departements verboten! Die Regierung und die Mainstream-Medien versuchen, die Bewegung zu zerschlagen, eine Spaltung herbeizuführen zwischen einerseits einer Jugend mit Forderungen, die zum Dialog bereit ist, und andererseits einer „faulen“ Jugend, die den 8-bis-18-Uhr-Alltag ablehnt (wobei sie die Auswirkungen der Blanquer-Reform auf die Stundenpläne der Schüler*innen ausblenden), oder einer gewalttätigen Jugend aus „Randalierern“, die von der radikalen Linken manipuliert wird und unfähig ist, selbstständig zu denken. Angesichts des Ausmaßes der Maßnahmen zur Beendigung der Mobilisierung der Gymnasiasten müssen die Lehrer*innen die von den Schüler*innen seit fast zwei Wochen begonnenen Kämpfe fortsetzen. Ihre Forderungen sind unsere Forderungen!...“ franz. Aufruf vom 12.10.2026 von Émancipation – tendance intersyndicale externer Link (maschinenübersetzt)
  • Internationalistische Gewerkschaftssolidarität mit der sozialen Bewegung in Frankreich
    Brasilien, Iran, Palästina, Spanien, Kamerun, Ukraine, Polen, Kanada, England, Portugal, Kolumbien, Türkei, Italien, Mexiko, Pakistan … Ein Überblick bei Laboursolidarity externer Link über die internationale Gewerkschaftssolidarität mit der sozialen Bewegung in Frankreich
  • Aktionsseite mit Streikaufrufen externer Link beim Gewerkschaftsverband „Solidaires“
  • [Gewerkschaftsverbund ruft zu einem Streik- und Demonstrationstag am 5. November auf] Aufruf zum Einsatz für Löhne, öffentliche Dienstleistungen, Beschäftigung und Industrie
    „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erleben einen beispiellosen sozialen Abstieg. Kraftstoff, Lebensmittel, Mieten, Gas, Strom … alles wird teurer, nur die Löhne und Renten nicht. Unser Land steht am Rande einer Rezession, und sowohl in der Industrie als auch im Handel und im Dienstleistungssektor häufen sich die Entlassungspläne.
    Dennoch verschärft die Regierung in ihrem Haushaltsentwurf die Situation noch weiter, indem sie insbesondere die am stärksten benachteiligten und kranken Menschen ins Visier nimmt, indem sie Sozialleistungen einfriert und die Schutzfunktion der Sozialversicherung einschränkt. Sie kürzt zudem die Mittel für unsere öffentlichen Dienste und friert die Gehälter der Beamten ein, die doch gerade erst diesen Sommer an vorderster Front standen, um Leben zu retten und den Bedürfnissen der Bevölkerung angesichts von Hitzewellen und Großbränden gerecht zu werden. Angesichts der klimatischen und technologischen Herausforderungen, die vor uns liegen, ist eine Industriepolitik keine Option mehr: Sie ist eine absolute Notwendigkeit, an der es jedoch nach wie vor schmerzlich mangelt.
    Die Mobilisierung der Schüler*innen und Studierenden ist legitim. Ihre Wut, ihre Sorgen und ihre Forderungen müssen gehört und berücksichtigt werden. Junge Menschen müssen die Möglichkeit haben, unter würdigen Bedingungen aufzuwachsen, zu lernen, sich weiterzubilden und ihre Zukunft zu gestalten. Unter Wahrung der Unabhängigkeit der Schülerbewegung schließen sich unsere Organisationen den Forderungen nach besseren Studienbedingungen und mehr Gleichberechtigung an. Wir unterstützen das Recht der Schüler*innen und Studierenden, sich zu mobilisieren, zu demonstrieren und friedlich, frei und sicher zusammenzukommen.
    Nach dem Erfolg des Streik- und Demonstrationstages des öffentlichen Dienstes am 29. September rufen die Gewerkschaften alle Beschäftigten des öffentlichen und privaten Sektors, junge Menschen und Rentner*innen dazu auf, einen weiteren Schritt zu gehen: am kommenden Donnerstag, dem 5. November, zu streiken und zu demonstrieren. (…)
    Die Gewerkschaften warnen die Regierung und die Arbeitgeberverbände eindringlich. Die Empörung ist groß. Die Lage des Landes ist prekär. Auf die dringenden sozialen und ökologischen Probleme muss unverzüglich reagiert werden.
    Erste unterzeichnende Organisationen: CFDT, CGT, FO, UNSA, FSU “ Pressemitteilung vom 5. Oktober 2026 von CFDT, CGT, FO, Unsa und FSU externer Link (maschinenübersetzt) – siehe dazu auch das Dossier bei Solidaires externer Link
  • Mobilisierungen der Gymnasiasten: Aufruf an das Lehrpersonal, den Schülern bei der Demonstration und dem Streik am 8. Oktober zur Seite zu stehen
    SNES-FSU Syndicat National des Enseignements de Second degré: Mobilisations lycéennes : appel aux personnels à se tenir aux côtés des élèves dans la manifestation et la grève le 8 octobre„Der Mobilisierungstag der Schüler am Dienstag, dem 6. Oktober, war ein Erfolg. Hunderttausende Schüler haben in einer entschlossenen und fröhlichen Atmosphäre demonstriert. Die Demonstrationszüge und Kundgebungen verliefen friedlich, dank der zahlreichen Anwesenheit von Erwachsenen, darunter auch unsere Organisationen, was wir sehr begrüßen. Die Regierung hat den Erwartungen der Schülerinnen und Schüler nach wie vor nicht entsprochen. Das ist inakzeptabel! Sie trägt die volle Verantwortung für diese Situation. Die Schülerorganisationen haben beschlossen, ihre Mobilisierung am Donnerstag, dem 8. Oktober, fortzusetzen. Vor diesem Hintergrund und unter Wahrung der Unabhängigkeit der Schülerbewegung rufen unsere Organisationen dazu auf, die Forderungen der Schüler nach besseren Lernbedingungen und mehr Gleichberechtigung zu unterstützen und ihnen Gehör zu verschaffen. Der SNES-FSU, der SNEP-FSU und der SNUEP-FSU rufen dazu auf, die Mobilisierung durch Demonstrationen und Streiks fortzusetzen und zu verstärken und den Schülern am Donnerstag zur Seite zu stehen. Sie werden ihre Gremien einberufen, um über die Modalitäten der Aktionen in der kommenden Woche zu entscheiden, insbesondere über eine große Aktion im Bildungswesen.“ franz. Communiqué vom 7 octobre 2026 externer Link von SNES-FSU, SNEP-FSU et SNUEP-FSU (maschinenübersetzt), siehe auch:

    • Nach der Welle vom 6. Oktober geht es am 8. Oktober weiter! Die Regierung muss auf die Forderungen eingehen
      „Der Streik- und Demonstrationstag am 6. Oktober war ein riesiger Erfolg. Mehr als 450.000 Menschen sind in ganz Frankreich auf die Straße gegangen. Die Gewerkschaftsvereinigung Solidaires hatte dazu aufgerufen, sich an der Seite der Schülerinnen und Schüler sowie der Studentinnen und Studenten zu mobilisieren – in erster Linie, weil deren Forderungen auch unsere sind, aber auch, um das Demonstrationsrecht zu verteidigen, das durch brutale Polizeirepressionen schwer beeinträchtigt wurde. (…)
      Außerdem muss es eine Amnestie für die Tausenden von Demonstrant*innen geben, die wegen ihrer Teilnahme an den Protesten strafrechtlich verfolgt werden, und alle, die Polizeigewalt ausgeübt haben, müssen strafrechtlich verfolgt werden. Schluss mit der Straffreiheit! (…)
      Schüler- und Studentenorganisationen, darunter „Solidaires étudiant·es“, rufen für den 8. Oktober zu einem weiteren landesweiten Aktionstag auf. Die Gewerkschaftsvereinigung unterstützt diesen Aufruf und fordert ihre Aktivist*innen auf, sich den Demonstrationszügen anzuschließen und diese zu schützen
      …“ franz. Aufruf vom 6. Oktober 2026 von Solidaires externer Link (maschinenübersetzt)
    • Und mehr dazu unten bei den Protesten der SchüberInnen
  • Ein erfolgreicher Aktionstag, der zu weiteren Aufrufen anregt
    „Am Dienstag, dem 29. September, waren die Beamtinnen und Beamten aufgerufen, in den Streik zu treten, um ihre Gehälter und Arbeitsbedingungen zu verteidigen und gegen die Sparhaushaltspläne der Regierung zu protestieren. An dieser Mobilisierung nahmen landesweit mehr als 300.000 Menschen an Demonstrationen teil…“ franz. Meldung vom 29.9.26 von Solidaires externer Link (maschinenübersetzt)
  • „In Paris und anderen Städten in Frankreich kam es zu großen Demonstrationen. Landesweit legten Lehrkräfte und Feuerwehrleute die Arbeit nieder, der Nahverkehr lief indes weitgehend normal…“ Post von Euronews Deutsch vom 29.9. auf bsky externer Link mit Video
  • „Mehr als 170 Demos in ganz #Frankreich, mehr als 300.000 Demonstranten: Beamte, Feuerwehrleute, Gymnasiasten und Studenten, gegen die Sparpolitik der Regierung Macron, den Mangel an Mitteln und Personal und den desastösen Zustand des öffentlichen Dienstes & der Daseinsvorsorge…“ Thread von Ardor vom 29.9. externer Link auf bsky mit Foto und Video
  • „Am 29. September streiken und demonstrieren wir für unsere Löhne und starke öffentliche Dienste! Im #FSU-Demonstrationszug mit @snesfsu73.bsky.social erklären uns streikende Kolleg*innen die – zahlreichen – Gründe für diesen Einsatz im öffentlichen Dienst #öffentlicheDienste“ franz. Video auf bsky externer Link , siehe auch https://www.cgtftv.fr/ externer Link und https://bsky.app/profile/cgtftv.bsky.social externer Link  sowie Fotos von fra._nd: https://bsky.app/profile/fra-nd.bsky.social externer Link
  • #29septembre

Und die Aufrufe zuvor unter dem Motto „für bedarfsgerechte Mittel für den öffentlichen Dienst! Der öffentliche Dienst ist kein Kostenfaktor, sondern ein Gewinn!“:

  • Für mehr öffentliche Dienstleistungen, höhere Löhne: Streik am 29. September
    CGT: Tout augmente, sauf nos salaires #29septembre„Am 29. September werden die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes auf Aufruf aller Gewerkschaften streiken und demonstrieren – für ihre Löhne, ihre Arbeitsbedingungen und die Mittel für den öffentlichen Dienst: Feuerwehrleute, Pflegekräfte, Lehrkräfte und alle, die Aufgaben im öffentlichen Dienst wahrnehmen..“ franz. Aufruf der CGT externer Link und ebd. die Karte der Aktionen externer Link
  • Angesichts der Provokationen des Ministerpräsidenten: Lasst uns alle am kommenden 29. September streiken!
    „Premierminister Sébastien Lecornu hat angekündigt, dass der Haushaltsentwurf 2027 ein erneutes Einfrieren des Index für 2027 vorsieht!
    Nach der Ankündigung des Einfrierens für 2026 im Juli durch David Amiel, Minister für öffentliche Finanzen und Haushaltspolitik, ist dies eine weitere Provokation und ein weiterer Ausdruck der Verachtung gegenüber den 5,5 Millionen Beamtinnen und Beamten, deren Gehälter doch schon seit langem nicht mehr mit der Teuerung Schritt halten. Es waren doch die Feuerwehrleute, die bei den Bränden in diesem Sommer ihr Leben riskiert haben, das Personal in den Schulen, das aus eigener Tasche Ventilatoren gekauft hat, um zu versuchen, beim Unterrichten nicht unter 35 °C leiden zu müssen, und das Pflegepersonal, das ebenfalls wieder einmal unter erbärmlichen Bedingungen gearbeitet hat…“ franz. Aufruf von Solidaires externer Link (maschinenübersetzt)
  • 29. September: Mobilisierung für den öffentlichen Dienst!
    „Das neue Schuljahr 2026 markiert das Ende eines Jahrzehnts, in dem die Regierungen unter Emmanuel Macron zu wenig in das öffentliche Bildungswesen investiert haben. Alle Krisen dienten als Vorwand für Einsparungen bei den Gehältern, den Ressourcen und den Arbeitsbedingungen. SUD éducation ruft alle Beschäftigten dazu auf, sich am 29. September zu mobilisieren, um eine Erhöhung unserer Gehälter sowie mehr Mittel für die Schulen und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern…“ franz. Aufruf von SUD éducation externer Link (maschinenübersetzt)
  • Streik im öffentlichen Dienst: Nach den großen Waldbränden im Sommer rücken die Feuerwehrleute am 29. September in großer Zahl aus
    „„Die Feuerwehr ist personell überlastet: Unsere Dienste können aufgrund des Personalabbaus im öffentlichen Dienst nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren“, erklärte uns kürzlich Michaël Pacanowski, Vorsitzender der nationalen Feuerwehrgewerkschaft SPASDIS-CFTC. Aus diesem Grund mobilisieren sich unsere CFTC-Mitglieder bei der Feuerwehr am 29. September gemeinsam mit unseren anderen Aktivisten im öffentlichen Dienst. Ludovic Goblet, Vizepräsident der nationalen Feuerwehrgewerkschaft SPASDIS-CFTC, geht hier auf die gravierenden materiellen und personellen Engpässe ein, mit denen die Feuerwehrleute zu kämpfen haben…“ franz. Meldung vom 29. September 2026 der CFTC (maschinenübersetzt) – siehe auch das Dossier: Tödliche Waldbrandsaison 2026 in Frankreich: Feuerwehrleute am Limit – ein Beruf am Ende seiner Kräfte
  • Siehe auch den Aufruf der SNES-FSU externer Link – Gewerkschaft für Mittel- und Oberstufen organisiert Lehrkräfte, CPE, PsyEN, AEd und AESH, die an öffentlichen Schulen der Sekundarstufe II tätig sind, Mitglied der Fédération Syndicale Unitaire – und deren Aktionsseite externer Link
  • Solidarität mit den Schülerbewegungen, Schluss mit der Unterdrückung!
    „Schüler*innen aus rund zwanzig Gymnasien der Region Île-de-France haben sich die ganze Woche über für bessere Schulgebäude, bessere Lernbedingungen und gegen Diskriminierung eingesetzt. SUD éducation unterstützt diese Mobilisierung und ruft das gesamte Personal dazu auf, sich an die Seite der Gymnasialbewegung zu stellen, die auch in anderen Departements an Fahrt gewinnt.
    Ein inakzeptabler Mangel an Ressourcen
    Der Mangel an Ressourcen, unter dem die Schüler*innen seit mehreren Jahren leiden, wird unerträglich. Die Klassen sind überfüllt. Die Stundenpläne sind überlastet, und es wird kein Ersatzpersonal eingestellt (Lehrkräfte, medizinisch-soziales Personal und AESH). Da in den Räumen kein Platz ist, müssen die Schüler*innen den Unterricht manchmal ohne Möbel absolvieren. Der Lehrermangel macht es unmöglich, die Klassenstärken zu verringern, die oft weit über 35 Schüler*innen pro Klasse liegen. Dieser Mangel an Ressourcen trägt zur sozialen und schulischen Segregation bei, unter der Schüler*innen aus Arbeitervierteln leiden. Diese Situationen sind das Ergebnis politischer Entscheidungen, die zu einer Unterfinanzierung des öffentlichen Bildungswesens und zu einer Verstärkung der sozialen Selektion unserer Schüler*innen führen. Angesichts dieser katastrophalen Lernbedingungen fordert SUD éducation die sofortige Wiederaufnahme der Gymnasien – die seit 2015 ausgeschlossen sind – in die Karte der Bildungsschwerpunkte, damit die Schülerinnen und Schüler aus Arbeitervierteln endlich die für ihre Schulbildung notwendigen Mittel erhalten. (…)
    SUD éducation bekräftigt erneut seine uneingeschränkte Unterstützung für die Schüler*innen, die sich gegen diese Repression wehren. Wir werden ihre Forderungen zur Verteidigung eines inklusiven und emanzipatorischen öffentlichen Bildungswesens am Streik- und Demonstrationstag am 29. September vertreten.“ franz. Pressemitteilung vom 28.09.2026 von SUD éducation externer Link (maschinenübersetzt) und mehr zu diesen hier unten:

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Proteste der SchülerInnen und Studierenden gegen die Sparfolgen im Bildungswesen

  • Jagd auf „ultra-links-migrantische Gewaltorgien“ nach Repressionen gegen Revolte der Überausgebeuteten und Überzähligen könnte spätestens zum Streiktag am 5.11. verbinden und anspornen… New

    • Erklärung der l’Union Étudiante im Anschluss an die Rede von Emmanuel Macron
      „
      Emmanuel Macron hat sich gestern Abend zu Wort gemeldet und damit einmal mehr die Verantwortungslosigkeit und Inkompetenz derjenigen offenbart, die das Land seit zehn Jahren regieren. Seit Beginn der Bewegung haben die Schüler*innen und Student*innen als Antwort auf ihre Forderungen nichts als Verachtung und Schlagstöcke erfahren. Dabei haben wir eine Liste klarer Forderungen vorgelegt, die von all jenen, die am 17. Oktober auf die Straße gegangen sind, weitgehend unterstützt wird: 800.000 Menschen in ganz Frankreich und mehr als 1.750 Versammlungsorte. Nachdem er zehn Jahre lang unsere Rechte zerstört hat – durch die Einführung von „Parcoursup“ und „Mon Master“, durch die Entwicklung der Politik „Bienvenue en France“, durch das Einfrieren der APL, durch die Erhöhung der CROUS-Mieten und durch den Kaufkraftverlust von fast 3.000 € für Studierende –, tut er so, als sei er überrascht, dass sich die Jugend auflehnt. In seiner wenigen Minuten langen Rede fand er kein einziges Wort für die durch die Repression verstümmelten Schüler*innen und Student*innen. Er verlor kein Wort über die tatsächlichen Gewalttaten, die am Samstag begangen wurden. Denn die wahre Gewalt sind die Schlagstöcke gegen die Schädel von Kindern, die Granaten im Mund, die abgerissenen Hände und die ausgestochenen Augen. Dazu gehören auch die 2.300 Festnahmen allein am 17. Oktober und die mehr als 10.000 Festnahmen seit Beginn der Mobilisierung. Selbst bei dieser noch vorläufigen Bilanz sind die Zahlen bereits alarmierend. Diese Tatsachen sollten im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte stehen.
      Macron kündigt an, dass die Studenten- und Schülerorganisationen vom Premierminister empfangen werden. Wieder nur leere Worte.
      Wir erwarten keine neuen Versprechungen für zukünftige Treffen oder weitere Konsultationen: Wir wollen konkrete Zusagen zu den zehn von der Jugend formulierten Sofortmaßnahmen. Es geht nicht um endlose Gespräche, sondern darum, konkret auf die Bedürfnisse der Schüler*innen und Studierenden einzugehen: Einkommen, Wohnen, Verpflegung, Gesundheit, Studienbedingungen, Zugang zu Abschlüssen und ein Ende der Repression.
      Die Studentenvereinigung wird so lange mobilisiert bleiben, bis konkrete Zusagen vorliegen. Wir rufen alle Studierenden dazu auf, die Organisation an den Hochschulen und auf der Straße fortzusetzen
      .“ franz. Pressemitteilung der Union Étudiante vom 19. Oktober 2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • Frankreich in Flammen: Polizeigewalt und Undercoverbeamte befeuern Proteste. 17jähriger Raphaël überlebt Schläge gegen den Kopf und Granatenbeschuss
      „… Das Feindbild Polizei ist in Frankreich mehr als nur Folklore. Es hat sich durch die rassistische Gewalt, die militärische Niederschlagung etlicher Aufstände und die zuletzt eingeführte Beweislastumkehr bei tödlichen Einsätzen unter Präsident Emmanuel Macron nur verfestigt. Diese Ablehnung kam am Sonnabend auch in den Regierungsvierteln an, als Zehntausende skandierten: »Et la police déteste tout le monde …« (»Und die Polizei hasst alle …«)
      Zahlreiche Videos dokumentieren mittlerweile die Gewalt, die am Sonnabend von als im »schwarzen Block« getarnten Undercoverpolizisten ausging: In Pantin schlägt ein unvermummter Polizist mit dem Schlagstock Scheiben eines Fastfoodrestaurants ein; in Reims wird ein steinewerfender Agent provocateur festgenommen, nachdem er gestellt wurde. Hinzu kommen die schrecklich normalisierten Prügelszenen am hellichten Tag wie jene gegen den 17jährigen Demonstranten Raphaël. Dass die Regierung eine derartige Eskalation auch nicht durch nachrichtendienstliche Erkenntnisse absehen konnte, zeugt vom langjährigen Wegschauen, wenn es um soziale und ökologische Missstände geht. Nun zeigt man auf die Partei La France insou­mise, die »Gelbwesten«, Antifas und Anarchisten. (…) Einher geht dies mit einer rücksichtslosen, brutalen und die Gesellschaft als Feind begreifenden Ordnungsdoktrin. Dies wurde beim überraschenden Aufstand des 17. Oktober erneut deutlich – und verspricht auch für die Demonstrationen am kommenden Sonnabend keine Besserung
      .“ Artikel von Luc Śkaille, Nancy, in der jungen Welt vom 21.10.2026 externer Link
    • Frankreich: Die Revolte der Überzähligen. Die Wut hat keine politische Richtung, eine emanzipatorische Alternative fehlt. Was führt in der Zeit der Monster aus der Verzweiflung?
      „… Nicht einmal mehr ausgebeutet
      Wir treten in eine geschichtliche Phase ein, die an die Aufstiegsphase des Kapitalismus erinnert, als die damals so genannten „gefährlichen Klassen“ sich gegen ihre Verwandlung in Arbeiter wehrten. Konnten damals entwurzelte, plebejische Massen und unterbürgerliche Schichten noch nicht über den Modus der Lohnarbeit integriert werden, so heute die aus dem Arbeitsmarkt Herausgefallenen und Überzähligen nicht mehr. Die neue „gefährliche Klasse“, mit der wir es heute zu tun haben, wird im Wesentlichen von jungen Männern zwischen Pubertät und Heiratsalter gebildet, für die keine verbindlichen oder wirksamen Regeln und Schranken des Verhaltens mehr bestehen und deren Verhalten kaum noch durch verinnerlichte Normen gesteuert wird. Sie werden nicht einmal mehr ausgebeutet; aber schlimmer noch als Ausbeutung scheint zu sein, komplett ignoriert und wie Fische auf dem Trockenen liegen gelassen zu werden. „Wenn die Gewalt aus der Unterdrückung aufsteigt, dann der Hass aus der Entleerung“, hat Jean Baudrillard kurz und prägnant gesagt. (…)
      Wenn es der Linken nicht gelingt, in den Krisen der Gegenwart eine libertär-sozialistische Alternative zu formulieren und zu praktizieren, die die Menschen fasziniert und hinter dem Ofen hervorlockt, dann werden die frei-flottierenden Energien und Unmutspotenziale entweder von rechten Monstern angeeignet, oder es werden Formen einer gespenstischen Selbstzerstörung freigesetzt, die jedes gesellschaftliche Miteinander zunichtemachen
      .“ In Gänze lesenswerter Essay von Götz Eisenberg vom 20. Oktober 2026 in Telepolis externer Link
    • Unter dem Pflaster liegt der Strand – Frankreich vor einer Lage wie im Mai 1968?
      „… „Es wird alles getan, um Unruhe zu stiften“
      Die Sicherheitskräfte gehen, das berichtet sogar der Frankreich-Korrespondent des Deutschlandfunks, „nach meinem Eindruck brutal vor“, ohne Ankündigungen und Warnung werde geprügelt, berichtete externer Link Stephan Detjen in mehreren Sendungen am Montag.  Der Deutschlandfunk-Korrespondent berichtet auch als Augenzeuge davon, dass massive Polizeitruppen einerseits sogar über „eine längere Zeit“ Plünderungen praktisch zugesehen hätten und nicht eingeschritten seien. Auf der anderen Seite gebe es aber auch „Treibjagden“ durch die Straßen, „wo die Polizei brutal mit Schlagstöcken und Tränengas vorgeht“. Die Leute würden dabei „durch die Straßen gejagt und man muss auch als Unbeteiligter aufpassen, dass man kein Tränengas abbekommt, sondern auch keine Hiebe abkriegt.“ Welche Taktik oder Strategie dahintersteckt, erschließt sich vielen Beobachtern wie ihm nicht.
      Politiker der Linkspartei „La France Insoumise“ (Das Unbeugsame Frankreich/LFI) werfen der Polizei vor, Gewalt massiv einzusetzen und veröffentlichen zum Beleg Videos. Damit solle Gewalt provoziert oder weiter geschürt werden. Parteigründer Jean-Luc Mélenchon berichtet zum Beispiel von einem Vorfall in Toulouse, wo gezielt auf die Träger des Fronttransparents eines friedlichen Demonstrationszugs geschossen worden sei. „Vier Gewerkschafter wurden besonders schwer getroffen (darunter die Generalsekretäre der CGT und der FSU): eine Blend-Schockgranate zwischen die Beine und eine Tränengasgranate direkt ins Gesicht.“ Für Mélenchon ist klar: „Es wird alles getan, um Unruhe zu stiften.“ Regierungschef Lecornu meint allerdings, für das „organisierte Chaos“ seien „Linksextreme und Kriminelle“ verantwortlich gewesen. (…) Dass aber nicht alle staatlichen Institutionen bei den Demonstranten verhasst und ein Ziel von Angriffen sind, zeigt sich auch an deren Verhalten gegenüber den Feuerwehrleuten, die selbst oft demonstrieren und sich auch die letzte Woche schützend vor Schüler gestellt haben. Barrikaden werden beim Auftauchen von Feuerwehrautos oder Rettungsfahrzeugen in Windeseile abgebaut und die „Pompiers“ beklatscht.  Schneisen werden in großen Demonstrationen zur Durchfahrt geöffnet. Wer dagegen ein Feuerwehrfahrzeug angreift, wird als Polizeiprovokateur angesehen und verprügelt. (…) Dass die Sicherheitskräfte mit brutalster Gewalt oft sogar gegen Kinder vorgegangen sind, dass „agents provocateurs“ (Polizeiprovokateure) unterwegs waren und sind, um Gewalt zu provozieren oder anzuheizen, hat das Fass offensichtlich zum Überlaufen gebracht. Deshalb schlossen sich für den Protesttag am Samstag auch diverse Sektoren den Protesten an, wie die Reste der Gelbwestenbewegung, Bauern oder Gewerkschaftler. So hat es der repressive Staat geschafft, aus einer begrenzten Bewegung eine breite soziale Bewegung zu machen, da er zuvor für viel Unmut in breiten Teilen der Gesellschaft geschaffen hat
      …“ Artikel von Ralf Streck vom 20.10.2026 in overton-magazin.de externer Link (mit vielen Links zu Videos auf X)
    • Frankreichs zornige Jugend: »Die Tiktok-Revolte geht um«
      „Der Aufstand hat eine historische Intensität und geht auch quantitativ über die Proteste der Gelbwesten vor Jahren hinaus.
      „Auch am Sonntag versammelte sich eine riesige Menschenmenge auf dem Pariser Place de la République und in den umliegenden Straßen. Barrikaden wurden errichtet und in Brand gesetzt. Am Abend hielt Präsident Emmanuel Macron eine Ansprache an die Nation, die einige Demonstrierende an den Barrikaden auf ihren Smartphones verfolgten. Darin verurteilte er die Gewalt und versuchte, zwischen guten und schlechten Protestierenden zu unterscheiden. Wer am Wochenende auf den Plätzen und Straßen Frankreichs unterwegs war, konnte eine Revolte historischen Ausmaßes bezeugen. Zum ersten Mal in der Nachkriegszeit hat die französische Polizei die Kontrolle in vielen Städten über ganze Areale verloren und konzentrierte sich darauf, die Paläste der Macht zu beschützen. (…) Frankreichs Polizei ist für Brutalität berüchtigt. Als einzige in Europa setzt sie explosive Blendgranaten ein; keine andere verstümmelt so viele Menschen durch Gummigeschosse. Im europäischen Vergleich verfügt sie über besonders viel Personal und Ausrüstung. Ihre Erfahrung in der Aufstandsbekämpfung ist weltweit einzigartig. Dennoch hat sie an diesem Tag verloren. (…) Dieses Mal prägten zahlreiche junge Menschen das Bild, darunter Schüler*innen, die bereits in den vergangenen Wochen gegen das marode Bildungssystem, die vernachlässigte Infrastruktur und die Bildungspolitik Macrons aufbegehrt hatten, aber auch viele Menschen aus den Banlieues. Eigentlich sollte der Tag diese junge Generation mit den Gelbwesten und anderen Teilen der Arbeiterklasse zusammenbringen. Doch zumindest in Paris waren die Gelbwesten weit weniger präsent als erwartet. Ob die Verbindung gelingt, dürfte entscheidend dafür sein, ob sich der Aufstand zu einer breiten gesamtgesellschaftlichen Bewegung ausweiten kann.
      Von One Piece zu Superheld*innen – Von Twitter zu Tiktok
      Die Ästhetik der Revolte, von Superheldenkostümen bis hin zu historischen Anspielungen wie Demonstrierenden in Napoleon-Kostümen, spricht unterschiedlichen Generationen aus der Seele. Doch vor allem ist es die Generation Z, deren Aufbegehren von einer positiven Nostalgie geprägt ist – einer Sehnsucht nach all dem, was ihr in den knapp zehn Jahren des Macronismus verwehrt geblieben ist. In diesem Zusammenhang lassen sich auch die massiven Plünderungen verstehen, von denen der Handelsverband zufolge mehr als 1500 Geschäfte in ganz Frankreich betroffen waren. Vor Ort war zu beobachten, wie Waren aus den Geschäften auf die Straßen geworfen, herumgereicht und verteilt wurden. Die Plünderungen hatten vielerorts einen kollektiven Charakter. Sie müssen im Kontext einer gesellschaftlichen Zerrüttung verstanden werden, die sich seit Jahren vollzieht  (…)
      Chaotische Revolte mit klaren politischen Motiven
      Wer sich die Mühe macht, mit den Jugendlichen auf dem Place de la République zu sprechen, erkennt schnell, dass hinter der Revolte weit mehr steckt als jene vermeintlich unpolitische Zerstörungswut, über die etwa die Reporter der »Bild« lamentieren. »Wir haben die Schnauze voll. Die Wirtschaft bricht zusammen, und wir haben keine Mittel mehr, um zu leben«, erklärt ein Jugendlicher. Auch die Polizeigewalt gegen Schüler*innen treibt sie auf die Straße. »Wir sind keine Randalierer, wir sind hier, um zu demonstrieren. Das ist unser Recht.« »Wir werden nicht gehört, wir werden nur angegriffen«, sagt ein anderer Jugendlicher. Die Revolte mag chaotisch erscheinen, doch ihre Ursachen sind zutiefst politisch. (…)
      Die Mobilisierung entzieht sich linker Kontrolle
      Was sich hier abzeichnet, ist eine Weiterentwicklung jener digitalen Mobilisierungsformen, die bereits während des Arabischen Frühlings als »Twitter-Revolution« bekannt wurden und später bei den Gelbwesten sowie jüngeren Protestbewegungen in Ost- und Südostasien eine wichtige Rolle spielten. Doch die Tiktok-Revolte geht noch einen Schritt weiter: Protest wird nicht mehr nur über soziale Netzwerke verbreitet, sondern durch eine unüberschaubare Flut von Memes, Videos, Trends und kollektiven Inszenierungen überhaupt erst zu einer gemeinsamen politischen Erfahrung. Damit entzieht sich die Mobilisierung zunehmend dem traditionellen Bewegungsmanagement und der Kontrolle linker Parteien oder Gewerkschaften. Dennoch versuchten auch etablierte politische Akteure, an die Dynamik anzuknüpfen. (…)
      Angesichts des Schocks der Kapitalisten wird die Repression eine neue Ebene erreichen, und da wird Marx wieder in seiner Betrachtung der Niederschlagung der Pariser Kommune 1871 aktuell: »Die Bourgeoisie der ganzen Welt sieht der Massenschlächterei nach der Schlacht wohlgefällig zu, aber sie entsetzt sich über die Entweihung von Dach und Fach!«
      …“ Artikel von John Malamatinas, Paris, vom 19.10.2026 in ND online externer Link
    • Bismillah, es ist Demo: Frankreichs Schüler*innen gehen auf die Barrikaden – dort sind sie nicht allein
      „Spätestens am 17. Oktober kulminierte die französische Schüler*innenbewegung in einem gesellschaftsübergreifenden Protest im ganzen Land. Das Chaos war so groß, dass Innenminister Laurent Nuñez seinen Rücktritt anbot, vom Präsidenten aber im Amt behalten wurde. In Limoges zündeten Protestierende das Rathaus an, in Städten wie Paris und Marseille gab es brennende Autos, eingeschlagene Scheiben, Plünderungen. 800.000 Menschen gingen frankreichweit auf die Straße; vielerorts in heiterer Stimmung, oft auch von heftiger Polizeigewalt niedergeschlagen. (…) Mittlerweile geht es aber um mehr: die Austeritätspolitik Macrons, den kaputtgesparten öffentlichen Sektor. An vielen Schulen streiken auch Lehrer*innen. Große Gewerkschaften haben zur Teilnahme an den Protesttagen der Schüler*innen aufgerufen. Umgekehrt unterstützt die Schüler*innenbewegung auch andere und hat zum Beispiel zu den großen Sozialprotesten am 17. Oktober mobilisiert. Ein weiterer Protesttag ist für den 5. November ausgerufen.
      Für die französische Regierung ist das alles maximal ungemütlich. Schüler*innen, die gerne zur Schule möchten und bessere Lernbedingungen fordern – ganz schön peinlich. Da reicht es nicht, die Jugendlichen als »casseurs« zu diskreditieren, als Randalierer. Schnell beschuldigten Politiker*innen daher die linke Partei La France Insoumise (LFI), die Proteste zu instrumentalisieren oder sogar zu initiieren und aufzupeitschen
      …“ Artikel von Lea Fauth vom 19. Oktober 2026 im ak 730 externer Link
    • Gewalt bei Schulprotesten: Nur ein Symptom
      „Die heftigen Ausschreitungen sind eine Folge dessen, dass das Leben immer unbezahlbarer wird. Und einer Hilflosigkeit, anders nicht gehört zu werden. (…) Man könnte jetzt anbringen, dass die Proteste vielerorts friedlich verliefen. Dass Protestierende eine Barrikade wegräumten, um die Feuerwehr durchzulassen. Dass Teenager den Cafés halfen, Tische reinzustellen. Dass Plünderer geklaute Hygieneartikel verteilten. Dass ein Mann, der Geschosse in die Menge warf und aussah wie ein Demonstrant, als Polizist enttarnt wurde. Man könnte die enorme Polizeigewalt hervorheben – Jugendliche verloren durch Granaten ein Auge, eine Hand.
      All das sind wichtige Kontextualisierungen. Und sie zementieren auch eine scheinbare Dichotomie – diese Gewalt entweder „gut“ oder „schlecht“ finden zu müssen. Falsche Frage. Bessere Frage: Wofür steht die Gewalt? Die Ausschreitungen drücken etwas über die Gesellschaft aus, die sie hervorbringt.
      Sie sind Symptom eines gewaltvollen Spätkapitalismus, der uns allen die Lebensgrundlagen entzieht. Sie sind Produkt eines undemokratischen Parlamentarismus, in dem man ein Schild hochhalten oder ein Kreuz machen darf, was aber nichts bewirkt. (…) Wem das brennende Rathaus in Limoges mehr wehtut als die Lage der Menschen in den Banlieues, der sollte mal kurz innehalten.
      “ Kommentar von Lea Fauth vom 19.10.2026 in der taz online externer Link
    • Die Repression vom 17. Oktober: eine erschreckende Bilanz
      „„Wut und Scham“, betonte Macron am Sonntagabend, als er auf den 17. Oktober einging. Er spricht nicht von der Gewalt seiner Polizei, sondern von Sachbeschädigungen, die jedoch durch seine Politik und seine Verachtung verursacht wurden. In allen Medien sind die Leitartikler sogar der Ansicht, dass die Ordnungskräfte zu nachsichtig vorgegangen seien. Die vorläufige Bilanz, die wir erstellt haben, gleicht jedoch der einer Diktatur…“ fr. Artikel vom 19.10.26 der Redaktion von Contre Attaque externer Link (maschinenübersetzt)
    • Nach dem 17. Oktober
      „In den letzten Tagen hatte sich die Regierung über den Rückgang der Schülerbewegung gefreut und als Beweis dafür den Rückgang der Zahl der blockierten Gymnasien angeführt. Der 17. Oktober kam wie ein Bumerang auf sie zurück. Werden die darauf folgenden Repressionen und der Aufruf zu einer „heiligen Einheit“ angesichts der Gewalt das Ende einer bisher an Dynamik gewinnenden Bewegung einläuten oder wird diese neuen Schwung finden? (…) Ausnahmsweise begannen die Zusammenstöße bereits vor dem Aufbruch der Demonstrationszüge und richteten sich gegen Polizei und Gendarmerie. Das Innenministerium erntete nun den Zorn, den es in den vergangenen Wochen durch sein brutales Vorgehen zur Auflösung von Straßenblockaden und Schülerdemonstrationen gesät hatte. Diese Strategie hatte den gegenteiligen Effekt und verschärfte die Spannungen noch weiter. (…) Am 17. wurden Tausende Demonstranten daran gehindert, zur Place de la République zu gelangen, während diejenigen, die es dorthin geschafft hatten, mehr als eineinhalb Stunden lang festgehalten (und mit Tränengas angegriffen) wurden, bevor sie zur Place de Clichy marschieren konnten. Eine Strategie, die sich gegen die Behörden gewendet hat. Von der Polizei zurückgedrängt, versammelten sich die Demonstranten in anderen Stadtvierteln, die oft ohne polizeiliche Überwachung blieben, und brachten so den Einsatzplan des Polizeipräfekten und des Innenministeriums durcheinander. Die angespannte Lage eskalierte schließlich zu Ausschreitungen. Geschäfte wurden geplündert (…) Die Regierung lobt nun die friedlichen Demonstrationen, die in der Überzahl waren, und stellt sie den „Randalierern“ gegenüber. Doch während sie immer wieder betont, dass die Forderungen der Schüler „legitim“ seien, reagiert die Regierung darauf lediglich mit Verzögerungstaktiken. Gerade das Ausbleiben einer Reaktion auf die „friedlichen“ Demonstrationen hat den Druck erhöht, ganz wie in den beiden fünfjährigen Amtszeiten von Emmanuel Macron, in denen es zahlreiche Mobilisierungen gab. (…) Die Regierung, die nach rechts gedrängt wird, kennt nur eine einzige Antwort: eine immer gewalttätigere und repressivere Sicherheitspolitik, die der extremen Rechten in die Hände spielt.
      Es bleibt abzuwarten, ob die Repressionen nach dem 17. Oktober stark genug sein werden, um die „legitime“ Mobilisierung gegen die hohen Lebenshaltungskosten, die niedrigen Löhne und die mangelnde Finanzierung im Bildungswesen und im öffentlichen Dienst zu brechen. Mehrere Gewerkschaften haben bereits für den 5. November, unmittelbar nach Ende der zweiwöchigen Schulferien, zu einem Streik- und Demonstrationstag aufgerufen. Bis dahin ist es wichtig, dass sich die Bewegung, die mit der Wut der Schüler*innen begann, auf andere Bereiche, insbesondere die Arbeitnehmer*innen, ausweitet und sich – wie es stellenweise bereits der Fall ist – durch Vollversammlungen, Koordinierungsgremien oder Kollektive organisiert. Angesichts einer Regierung, die sich gegenüber den „legitimen“ Forderungen taub stellt, geht es darum, die Mobilisierung auszuweiten und zu strukturieren, damit sie eine neue Stufe erreicht
      .“ franz. Artikel von Gilles Seguin vom 18. Oktober 2026 im Mediapart-Blog externer Link (maschinenübersetzt)
    • „Wenn wir brennen, brennt ihr auch“: Hunderte bei Protesten in ganz Frankreich festgenommen – in Bildern
      „Zehntausende Menschen sind landesweit auf die Straße gegangen, um gegen steigende Kraftstoffpreise und die hohen Lebenshaltungskosten zu demonstrieren…“ engl. kommentierte Fotogalerie von Jim Powell vom 17.10.2026 im Guardian online externer Link
    • „Es ist Revolution!“: Chaos und Gewalt überschatten Proteste in Frankreich
      „Brennende Gebäude, geplünderte Geschäfte, Straßenschlachten mit der Polizei: Ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl entlädt sich in Frankreich die Wut der Menschen auf ihren Staat…“ 14 Bilder am 18.10. 26 auf web.de externer Link oder auch eine Fotogalerie auf n-tv externer Link
    • Frankreich Live-Ticker: 17. Oktober – nach Wochen von Blockaden, landesweite Proteste gegen Spritpreise und für die Jugend
      Liveticker aus vielen Städten auf klassegegenklasse.org externer Link mit Videos (leider x)
    • Die zehn besten Bilder: Slogans und Forderungen bei den Schülerprotesten in Frankreich
      Foto-Galerie von Jean-Philippe Liabot & Estelle Nilsson-Julien externer Link am 15/10/2026 auf euronews
    • Karte der Protestaktionen der „Gelbwesten“ externer Link an Tankstellen, Raffinerien und Öllagern für den 17. Oktober in Frankreich, um eine Preisbremse und die Kontrolle der Gewinnspannen zu fordern…
    • Siehe auch Aktuelles im Dossier: Das öffentliche Bildungswesen wurde nicht nur in Frankreich marode gespart – die Proteste dagegen breiten sich international aus
  • Nach massiven Mobilisierungen auch am 13. Oktober (im Schulwesen streikend!) rufen die französischen Gewerkschaften zu gemeinsamen Protesten am 17.10 und Generalstreik am 5.11. auf

    • Die französische Regierung hofft nach dem massiven „Akt 5“ der Bildungsproteste auf die Herbstferien – den Geburtstag der „Gelbwesten“ am 17. Oktober vergessend…
      „… es dürften also rund 300.000 Personen gewesen sein, die am gestrigen Dienstag, den 13. Oktober an Protestzügen in Frankreich teilnahmen. Es handelte sich um den „Akt 5“ der am 23. September in Créteil südöstlich von Paris begonnenen Oberschüler/innen/proteste. (…) Am 13. Oktober rief SUD Rail auch selbst zum Streik im Transportwesen auf, wenn ihr Appell auch zunächst symbolisch blieb – damit ein Arbeitskampf im Transportwesen Wirkung zeigt, müssten mehrere der vier stärksten Richtungsgewerkschaften der Eisenbahner/innen ihn mittragen. Dazu könnten die Gewerkschaften noch kommen, wenn der Protest weiterläuft. Aus Solidarität, aber auch, um eigenen Forderungen für Löhne und gegen fehlende Mittelausstattung, wie sie neben den Schulen auch Krankenhäuser und andere Einrichtungen trifft, Nachdruck zu verleihen. Ihrerseits baut die Regierung derzeit vor allem auf eine Hoffnung, den Stoßseufzer: „Heilige Herbstferien, bittet für uns!“ Für die Anderen bleibt zu hoffen, dass die Ende Oktober und Anfang November dieses Jahres bevorstehende zweiwöchige, unterrichtsfreie Periode nicht zum Wegbrechen der Mobilisierung führt. Die Antwort darauf erfolgt spätestens am 05. November, beim Wiederbeginn/ der Wiederaufnahme des Unterrichts…“ Aus dem Artikel von Bernard Schmid vom 14.10.2026
    • [Solidaires ruft zu Protesten am 17.10 und Generalstreik am 5.11. auf] Die Bewegung wächst: Lasst uns weiterhin Gemeinsamkeiten schaffen!
      „Der Tag der Mobilisierungen, Aktionen und Demonstrationen am 13. Oktober hat das Ausmaß der aktuellen Bewegung bestätigt. Mehr als 480.000 Menschen sind in ganz Frankreich auf die Straße gegangen. Die Gewerkschaftsvereinigung „Solidaires“ hatte dazu aufgerufen, sich an der Seite der Schülerinnen und Schüler sowie der Studentinnen und Studenten zu mobilisieren, aber auch, Streiks in den verschiedenen Branchen zu organisieren, um unsere Kämpfe und Forderungen zu bündeln. (…)
      In Lyon sind schwerwiegende Vorfälle zu beklagen. Die Ordnungskräfte gingen direkt gegen die Gewerkschaftsprozessionen vor, schlugen Gewerkschafter mit Schlagstöcken, verletzten einen Genossen der FSU und versuchten, ein Transparent zu stehlen. Nichts rechtfertigt solche Handlungen. Auch aus anderen Städten in Frankreich erreichen uns Berichte über gewalttätige Einsätze der Ordnungskräfte gegen die Demonstrationszüge. Diese Gewalt kann keine Antwort auf die Forderungen sein. Der Gewerkschaftsverband verurteilt sie und fordert, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
      Der Gewerkschaftsverband „Solidaires“ ruft dazu auf, die Mobilisierung an den von den Schüler- und Studentenvollversammlungen festgelegten Terminen fortzusetzen und insbesondere die Forderungen am 17. Oktober zu bündeln.
      Sie ruft zudem dazu auf, diese Dynamik zu verstärken, indem der 5. November zu einem großen branchenübergreifenden Streiktag gemacht wird, an dem sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Ausbildung, im Berufsleben, auf Arbeitssuche oder im Ruhestand in großer Zahl versammeln
      .“ franz. Pressemitteilung von Solidaires vom 13.10.26 externer Link (maschinenübersetzt), siehe auch:

      • Am 5. November: Große gewerkschaftsübergreifende Streiks im ganzen Land!
        „Mit den Haushalten des Staates und der Sozialversicherung für 2027 will die Regierung erneut die Arbeitnehmer*innen, Rentner*innen und Kranken zur Kasse bitten, anstatt die Großunternehmen und die Superreichen. In der Jugendbewegung und im öffentlichen Dienst finden derzeit zahlreiche Mobilisierungen statt. Im Energiesektor hat sich die Mobilisierung bereits ausgezahlt! Öffentlicher und privater Sektor, Jugendliche und Rentner*innen – lasst uns gemeinsam für den Sieg kämpfen!...“ franz. Aufruf der CGT vom 13. Okt. 2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • Nächste Protestaktionen in Frankreich: Nur Trostpreise für die Jugendlichen
      „Erneut haben in Frankreich Zehntausende Jugendliche zusammen mit Studierenden und Gewerkschaften demonstriert. Die Bewegung bekommt Besuch aus Schweden.
      So schnell, wie die Staatsführung immer noch hofft, flaut die Protestbewegung der französischen Jugend nicht ab. Die Schüler*innen und Studierenden haben am Dienstag bei einem „Fünfter Akt“ genannten Aktionstag in Paris und vielen anderen Städten demonstriert und erneut zahlreiche Lycées (Oberstufe der Mittelschulen) mit Barrikaden blockiert. Nach Angaben der Gewerkschaft Union Étudiante waren „90 Prozent der Fakultäten des Landes geschlossen“. (…)
      Am Wochenende hatte der französische Erziehungsminister Édouard Geffray nach Gesprächen mit Delegierten den Schüler*innen und Studierenden ein Angebot gemacht. Er wäre bereit, als „Dringlichkeitsmaßnahme“ 3.000 Lehrer*innen, die bisher nicht ihren Klassen zugeteilt worden waren, in 500 Lycées zu schicken. Außerdem werde das Ministerium 1.000 zusätzliche Hilfskräfte für Vertretungen einstellen. Die Ausfallstunden sind einer von 10 Punkten im Forderungskatalog der Schülerbewegung. Geffrays Vorschlag wurde größtenteils mit Erstaunen oder Skepsis aufgenommen: Warum gibt es Tausende Beamte, die nicht eingesetzt waren und die erst jetzt laut dem Minister durch Recherchen mit einem neuen KI-unterstützten Computerprogramm „entdeckt“ wurden?
      „Bloß Brosamen“ seien Geffrays Zugeständnisse, heißt es aus der Schülerbewegung, die bereits die Fortsetzung der Mobilisierung und neue Aktionsformen plant
      . (…) Für Samstag sind Schüler*innen, Studierende und Werktätige zu einem gemeinsamen Aktionstag aufgerufen…“ Artikel aus Paris von Rudolf Balmer vom 13.10.2026 in der taz online externer Link
    • Jeunesse révoltée. Die Schülerproteste in Frankreich halten an, Lehrer und Anwälte solidarisieren sich. Derweil berät die Nationalversammlung einen Kürzungshaushalt
      „Frankreichs Regierung hofft, die Schülerproteste aussitzen zu können. Bislang scheint das nicht aufzugehen: Am Dienstag waren erneut Hunderte Lycées (Schulen der Sekundarstufe II) blockiert oder geschlossen, in mindestens 30 Städten quer durchs Land fanden Demonstrationen statt. In Paris zogen Schüler, Studierende und Gewerkschafter gemeinsam von der Place d’Italie in Richtung Invalides. Vor dem Lycée Paul-Éluard in Saint-Denis schloss sich auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg den Protesten an. Die Jugend müsse »ihre Rechte und ihre Zukunft zurückfordern«, sagte sie. Neu ist, dass nun auch die Lehrergewerkschaften geschlossen in den Konflikt eingreifen und zum Streik aufrufen. Die Forderungen der Schüler seien legitim und deckten sich mit denen, für die Beschäftigte im Bildungsbereich seit Jahren kämpften. Auch Gewerkschaften aus dem Hochschulbereich schlossen sich an. (…)
      Wie weit die Solidarität inzwischen geht, zeigte sich am Lycée Paul-Éluard in Saint-Denis. Dort besetzten am Montag abend rund zehn Lehrer und Aufsichtskräfte das Schulgebäude. Sie wollten die Forderungen ihrer Schüler unterstützen und gegen behördliche Schulschließungen protestieren, mit denen ihrer Ansicht nach die Bewegung »gebrochen« werden solle. Am Dienstag morgen kamen rund 20 Anwälte hinzu: In schwarzen Roben stellten sie sich vor die Schule und bildeten eine Kette zum Schutz der Jugendlichen.
      Die Aktion ist Teil einer breiteren Solidarisierung in juristischen Kreisen. Der Syndicat des avocats de France rief zur Teilnahme an Demonstrationen auf, der Syndicat de la magistrature verurteilte die staatliche Repression gegen die meist minderjährigen Protestierenden. Beide Organisationen hatten in Strasbourg gemeinsam mit Menschenrechts-, Schüler- und Studierendenorganisationen erfolgreich gegen Versammlungsverbote vor Lycées geklagt.
      Am Donnerstag sollen die Schüler- und Studierendenorganisationen Bildungsminister Édouard Geffray treffen. Viel erwarten sie davon nicht. Die Jugendlichen haben deshalb angekündigt, nach den Herbstferien weiterzumachen. Die Gewerkschaften ihrerseits mobilisieren für den 5. November zum Generalstreik.“ Artikel von Raphaël Schmeller in der jungen Welt vom 13.10.2026 externer Link
    • Gegen Kapitalismus und bürgerlichen Staat
      Ein Videokommentar zu den Schülerprotesten in Frankreich von Fabian Lehr in der jungen Welt vom 13.10.2026 externer Link
    • Blockade statt Bildungsbürgertum: Jugend im Aufstand
      Beitrag von Luca Schäfer vom 14. Oktober 2026 in Telepolis externer Link
  • Nach massiven Mobilisierungen vom 6. und 8. Oktober werden die französischen Gewerkschaften sich auch am 13. Oktober (im Schulwesen streikend!) mit den Schüler*innen und Student*innen schützend solidarisieren

    • [SUD éducation] Am 13. Oktober im Streik und gemeinsam mit den Schüler*innen und Student*innen auf die Straße
      „Seit dem 18. September engagieren sich die Schüler*innen, um die notwendigen Mittel für ein reibungsloses Funktionieren des öffentlichen Bildungswesens einzufordern: Einstellung von Personal, Sanierung der Schulgebäude, Verringerung der Klassengrößen, Bekämpfung von Diskriminierung, Abschaffung von „Parcoursup“ und Neugestaltung der Stundenpläne, die durch die Blanquer-Reform zu einer Belastung geworden sind. Doch die Regierung weigert sich, den Forderungen Gehör zu schenken und darauf einzugehen. Im Gegenteil, sie plant sogar die Streichung von mehr als 1.500 Planstellen für festangestellte Lehrkräfte zum Schuljahresbeginn 2027. (…)
      SUD éducation ruft zu einem weiteren Aktionstag am Dienstag, dem 13. Oktober, auf. SUD éducation fordert das Personal auf, den Kampf fortzusetzen und in den Streik zu treten, um unsere Forderungen durchzusetzen
      …“ franz. Aufruf der SUD éducation vom 08.10.2026 externer Link (maschinenübersetzt) und weitere Stellungnahmen auf https://www.sudeducation.org/ externer Link
    • Siehe auch den Aufruf der CNT-SO externer Link vom 11.10.2026: „Die CNT-SO ruft dazu auf, am 13. Oktober gemeinsam mit der Jugend in allen Bereichen zu streiken und sich zu mobilisieren. Schüler*innen, Studierende, Arbeitnehmer*innen – gemeinsam: gegen Sparmaßnahmen, für öffentliche Dienstleistungen, für ein würdiges Leben und eine gerechte Verteilung des Reichtums!...“ (maschinenübersetzt)
    • [CGT] Die Regierung muss auf die Forderungen der Jugendlichen eingehen: Am 13. Oktober wird die CGT an ihrer Seite stehen!
      „Seit mehr als zehn Tagen mobilisieren sich Schüler*innen und Student*innen überall in Frankreich massiv, um ihre Zukunft zu verteidigen. Nach den mehr als 500.000 Demonstrant*innen am 6. Oktober bestätigt die Mobilisierung vom 8. Oktober ihr hohes Maß an Engagement und ihre Entschlossenheit, ihre Forderungen durchzusetzen!
      Die derzeitigen Proteste sind für die Zukunft des ganzen Landes von entscheidender Bedeutung: Die CGT fordert von der Regierung, unverzüglich Antworten zu geben, die den Forderungen gerecht werden. (…) Die Ankündigung von 3.000 zusätzlichen Lehrerstellen ist angesichts des Bedarfs nach wie vor völlig unzureichend, zumal die konkreten Rahmenbedingungen für diese Stellen weitgehend unklar bleiben. Die Jugendorganisationen haben klare Forderungen, die wir teilen: Es bedarf eines massiven Einstellungsplans, um Lehrkräfte in jeder Klasse zu gewährleisten und das Personal im Gesundheitswesen sowie in den Bereichen Betreuung und Beratung zu verstärken. Zudem muss die Selektion durch „Parcoursup“ und „Mon Master“ beendet und es müssen zusätzliche Studienplätze im Hochschulbereich geschaffen werden. Schließlich müssen junge Menschen in renovierten Einrichtungen studieren können, Stipendien und Wohnbeihilfen erhalten, die ihren Bedürfnissen entsprechen, und Zugang zu einer angemessenen Ernährung haben. Die Jugend fordert keine Konsultationen ohne Folgen, sondern konkrete Maßnahmen, damit Chancengleichheit nicht nur eine reine Fiktion bleibt
      . (…)
      Der 13. Oktober wird ein weiterer Tag massiver Mobilisierung sein. Die CGT ruft ihre Organisationen, Gewerkschaften und Aktivist*innen dazu auf, sich gemeinsam mit den Jugendorganisationen zu mobilisieren, bei der Organisation der Demonstrationen mitzuwirken und in den Demonstrationszügen präsent zu sein, um die Jugendlichen zu schützen und den fordernden Charakter der Kundgebungen zu gewährleisten. Die „Bourses du travail“ und die „Maisons du Peuple“ müssen Orte der Aufnahme, der Solidarität und der Unterstützung bei der Organisation der Mobilisierung sein.
      Die CGT begrüßt den Streikaufruf, den das gesamte Gewerkschaftsbündnis der Lehrkräfte am 13. Oktober sowohl für das staatliche Schulwesen als auch für den Hochschulbereich ausgesprochen hat. Die Mobilisierung des Personals ist unerlässlich, um die Forderungen der jungen Menschen mit denen derjenigen in Einklang zu bringen, die den öffentlichen Bildungsdienst tagtäglich am Laufen halten. Gemeinsam fordern wir Mittel, die den Bedürfnissen gerecht werden, bessere Arbeits- und Studienbedingungen sowie einen für alle zugänglichen öffentlichen Dienst
      …“ franz. CGT-Mitteilung vom 9. Okt. 2026 externer Link (maschinenübersetzt) und die Aktionskarte der CGT externer Link
    • [Solidaires] Dienstag, 13. Oktober: Im Streik und auf der Straße mit der kämpfenden Jugend
      „… Der Abbau öffentlicher Dienstleistungen, wachsende Ungleichheiten, Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen, prekäre Lebensverhältnisse, wieder steigende Arbeitslosigkeit, die die Zukunft unsicher macht, sowie sich verschlechternde Lebens- und Studienbedingungen: Die Wut der Schüler*innen und Studierenden wird auch in der Arbeitswelt geteilt. (…) angesichts der Mobilisierung macht die Regierung einen Rückzieher und findet wie durch ein Wunder 3.000 Stellen. Das reicht bei weitem nicht aus, um den Forderungen gerecht zu werden, aber es bestätigt, dass sich der Kampf lohnt! Die Jugendbewegung hat die Regierung in die Knie gezwungen. Jetzt ist es an der Zeit, sich zu mobilisieren, um gemeinsam mit ihnen ihre Forderungen durchzusetzen: eine allgemeine Lohnerhöhung und deren Anpassung an die Preisentwicklung, um angesichts der ständig steigenden Lebenshaltungskosten in Würde leben zu können; die Besteuerung von Supergewinnen; die Verteilung des Reichtums statt immer mehr Dividenden und Geschenke an die Unternehmen; einen gerechten Haushalt, der den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird. Am 13. Oktober: Alle zu den Demonstrationen an die Seite der Jugend, zur Unterstützung und in Solidarität mit ihren Forderungen und mobilisiert, um eine andere Politik durchzusetzen!“ franz. Aufruf von Solidaires vom 9. Oktober 2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • Internationalistische Gewerkschaftssolidarität mit der sozialen Bewegung in Frankreich
      Brasilien, Iran, Palästina, Spanien, Kamerun, Ukraine, Polen, Kanada, England, Portugal, Kolumbien, Türkei, Italien, Mexiko, Pakistan … Ein Überblick bei Laboursolidarity externer Link über die internationale Gewerkschaftssolidarität mit der sozialen Bewegung in Frankreich
    • Aktionsseite mit Streikaufrufen externer Link beim Gewerkschaftsverband „Solidaires“
    • Eine entscheidende Woche steht bevor: Die Beschäftigten im staatlichen Bildungswesen müssen in den Streik treten
      „Ende August hat in den sogenannten Überseegebieten eine starke Schülerbewegung begonnen. In der Woche vom 21. September haben dann in der gesamten Île-de-France, ausgehend von den Arbeitervierteln, die Blockaden an den Gymnasien begonnen. Mittlerweile sind alle Departements betroffen, und auch die Studierenden haben sich der Bewegung angeschlossen. Ein Teil der schulpflichtigen Jugend aus Nachbarländern (Belgien, Italien) hat sich der Bewegung bereits angeschlossen. In Frankreich war der Demonstrationstag am Dienstag, dem 6. Oktober, ein Erfolg (450.000 Demonstrant*innen), unterstützt von streikendem Bildungspersonal. Angesichts eines neuen entscheidenden Mobilisierungstages am kommenden Dienstag, dem 13. Oktober, stellt sich erneut die Frage nach einem Streik. (…)
      Angesichts der Angriffe: Die Schüler*innen und Student*innen zählen auf unser Engagement
      Derzeit setzt die Regierung alles daran, die Mobilisierung zurückzudrängen: polizeiliche und gerichtliche Repression, Schließung von Bildungseinrichtungen (Lockout), Einführung von Fernunterricht, Versammlungsverbote … Sogar das Mitführen von Pipetten mit Kochsalzlösung in der Nähe von Bildungseinrichtungen ist in mehreren Departements verboten! Die Regierung und die Mainstream-Medien versuchen, die Bewegung zu zerschlagen, eine Spaltung herbeizuführen zwischen einerseits einer Jugend mit Forderungen, die zum Dialog bereit ist, und andererseits einer „faulen“ Jugend, die den 8-bis-18-Uhr-Alltag ablehnt (wobei sie die Auswirkungen der Blanquer-Reform auf die Stundenpläne der Schüler*innen ausblenden), oder einer gewalttätigen Jugend aus „Randalierern“, die von der radikalen Linken manipuliert wird und unfähig ist, selbstständig zu denken. Angesichts des Ausmaßes der Maßnahmen zur Beendigung der Mobilisierung der Gymnasiasten müssen die Lehrer*innen die von den Schüler*innen seit fast zwei Wochen begonnenen Kämpfe fortsetzen. Ihre Forderungen sind unsere Forderungen!...“ franz. Aufruf vom 12.10.2026 von Émancipation – tendance intersyndicale externer Link (maschinenübersetzt)
    • Die Forderungen der Jugend: 10 Sofortmaßnahmen
      „Die Jugend mobilisiert sich, weil ihre Situation so nicht länger hinnehmbar ist. Verfallene Gebäude, Studierende, die nicht genug zu essen haben, Lehrkräftemangel im Abiturjahr, soziale und rassistische Selektion durch „Parcoursup“ und „Mon Master“: Diese Schwierigkeiten gehören für viel zu viele Schüler*innen und Studierende zum Alltag. Angesichts dieser berechtigten Mobilisierung reagierte die Regierung mit Repression, Polizeigewalt und der Festnahme von Tausenden Jugendlichen und Minderjährigen. Diese Plattform umfasst 10 dringende Maßnahmen, die unverzüglich umgesetzt werden müssen, sowie strukturelle Maßnahmen zur tiefgreifenden Reform des Bildungssystems. Mit Ihrer Unterschrift unterstützen Sie diese Forderungen und zeigen, dass wir viele sind, die sie einfordern. Eltern, Lehrkräfte, Mitarbeiter*innen und Bürger*innen: Schließen Sie sich unserem Aufruf an und unterstützen Sie die Mobilisierung.“ franz. Meldung von Union Étudiante externer Link („Les revendications de la jeunesse: 10 mesures d’urgence“, maschinenübersetzt)
    • Schülerproteste treiben Macron und seine Regierung an den Abgrund
      „… Denn einem Schüler wurde sogar aus nächster Nähe eine Gasgranate ins Gesicht geschossen, wobei er schwer verletzt wurde, wie hier im Video externer Link dokumentiert ist. Einem 15-Jährigen wurde sogar die Hand von einer Blend-Schockgranate abgerissen externer Link . Ob er die zurückwerfen wollte, was Demonstranten mit Tränengasgranaten tun, ist unklar. Es wird vermutet, dass Blend-Schockgranaten auch deshalb verschossen werden, um das Zurückwerfen von Gasgranaten zu unterbinden. Das zeitigte auch bei den Gelbwesten fatale Folgen. Deren Einsatz wurde derweil ausgesetzt.
      Es wird aber auch auf Journalisten eingeprügelt oder geschossen, die brutale Einsätze dokumentieren wollen. Ein Gummigeschoss traf einen Kollegen, es durchschlug sogar das Visier seiner Atemschutzmaske, wie hier im Video externer Link zu sehen ist, und verletzte ihn stark. Es kommt sogar in aller Öffentlichkeit zu sexuellen Übergriffen, wie hier im Fall einer festgenommenen jungen Frau. Andere werden misshandelt, wie hier im Video externer Link ein junger Mann stranguliert wird. Gut sind auch eingeschleuste und vermummte Polizei-Provokateure dokumentiert. Die schlagen Scheiben ein und werden von uniformierten Kollegen dabei sogar „geschützt“, zeigt die LFI-Abgeordnete Gabrielle Cathala in einem Video externer Link .
      Maskierte Provokateure neben uniformierten Kollegen dokumentiert auch der LFI-Abgeordnete Thomas Portes in Videos. Der LFI-Europaabgeordnete zeigt, wie eingeschleuste Polizisten Steine werfen und stellt sich ihnen entgegen. Einige von denen sollen sogar eine Art Flammenwerfer gegen Protestierende einsetzen, wie Bilder zeigen. Wer für Brände an Schulgebäuden verantwortlich ist, ist nicht geklärt. Auch dabei könnten Provokateure eine Rolle gespielt haben.
      Beklagt werden auch die vielen willkürlichen Festnahmen. Etwa 7000 junge Menschen wurden bisher festgenommen, davon seien 86 Prozent minderjährig. Allerdings würden nur „2376 Personen strafrechtlich verfolgt“, erklärt externer Link das französische Justizministerium an. Es bestätigt damit letztlich, dass die überwiegende Zahl der Festnahmen willkürlich ist und wohl eher der Einschüchterung dienen soll
      …“ Artikel von Ralf Streck vom 12. Oktober 2026 auf overton-magazin.de externer Link
    • Frankreich: Gemeinsam für bessere Bildung
      „… Die Protestbewegung der Oberschüler hat einen ersten großen Sieg errungen. Nachdem er erstmals Delegationen der vier repräsentativsten Gymnasiastenverbände empfangen hatte, kündigte Volksbildungsminister Édouard Geffray am Donnerstagabend in einem Fernsehinterview an, dass in den nächsten Tagen 3000 Vertretungslehrer eingestellt werden, um für kranke Kollegen einzuspringen. Sie sollen schon bis kommenden Dienstag ihre Arbeit aufnehmen. Für diesen Tag haben die Schülerverbände zu ihrem dritten Aktionstag aufgerufen. (…) So nehmen an den Protestdemonstrationen der Schüler nicht nur viele Studenten teil, die ihre Solidarität bekunden wollen, sondern auch immer mehr Lehrer und Eltern, die sich bei Attacken der Polizei schützend zwischen die Fronten stellen. Als Erfolg wird verbucht, dass nach massiven Protesten in der Öffentlichkeit der Polizei der Einsatz von Granaten bei den Schülerdemonstrationen verboten wurde…“ Artikel von Ralf Klingsieck, Paris, vom 10.10.2026 in ND online externer Link
    • »Die Regierung hat große Angst vor uns«. Der Schülergewerkschafter Émile Neves über die Proteste gegen die miserable Lage im Bildungswesen, die Forderungen der Schüler und taube Politiker.
      „… Mit dem Protest wollen wir also auch andere unterstützen. Es ist eine Stimmung der Solidarität entstanden. Zusätzlich gibt es einen allgemeinen Überdruss an der aktuellen Politik und Macron. Wir reden über Bildung, aber das gilt auch für den öffentlichen Dienst, den Gesundheitssektor, die Feuerwehr, die vernachlässigt werden.
      [Manche Schüler*innen haben Brände entfacht und Scheiben eingeschlagen. In den Medien ist oft die Rede von »casseurs«, »Zerstörern«. Wie sehen Sie das?]
      Wir benutzen dieses Wort nicht. Es gibt Leute, die Gewalt anwenden, weil ihnen nie zugehört wurde. Leute aus benachteiligten Gegenden, die immer schon sozial segregiert worden sind, die systematischem Rassismus und systematischer Gewalt ausgesetzt sind. Deshalb wenden sie Gewalt an. An unserer Schule ist das nicht der Aktionsmodus. Wir heißen das nicht gut, aber wir verurteilen es nicht. Mandela hat mal sinngemäß gesagt: Das Gewaltlevel eines Volkes wird vom Staat bestimmt. Wenn der Staat immer gewalttätiger wird, dann wird die Jugend es auch. (…) Das hier ist eine parteilose Bewegung. Aber natürlich ist es eine linke Bewegung, daher gibt es eine politische Nähe zur LFI, die sich mehr für unsere Rechte zu interessieren scheint als andere Parteien. Sie sind die einzigen, die zu unseren Blockaden kommen. Dafür bekommen sie wie immer gerade einen medialen Shitstorm. Ich bin aber auch schon mal zu ihnen hingegangen und habe gesagt, dass das Ziel auch nicht sein kann, dass sie an unserer Stelle sprechen. Wir wollen, dass man uns Schülern endlich zuhört.
      [Wie geht ihr mit der politischen Diversität intern um?]
      Dass die Bewegung parteilos ist, bedeutet auch: Es gibt Leute, die leider Rassemblement National wählen (RN, rechtsextreme Partei, Anm. d. Red). Aber das hält uns nicht davon ab, uns gemeinsam zu mobilisieren. In meinem Umfeld kenne ich zwei solcher Leute. Einer ist Parteimitglied beim RN und gehört zu denen, die andere Schüler als »casseurs« stigmatisieren. Da sieht man, wo wir auseinanderliegen. Aber es ist wichtig, sich auf eine gemeinsame Sache zu einigen. Eine andere hat mir neulich gesagt, dass sie angesichts der Polizeigewalt ihre Meinung geändert habe. Dass sie sich mittlerweile eher als links sieht
      …“ Interview von Lea Fauth vom 10.10.2026 in ND online externer Link – Émile Neves ist gerade 17 geworden und Schüler am Lycée Gabriel Guist’ho in Nantes. Er ist bei der Schülergewerkschaft von Nantes organisiert. Sein richtiger Name und seine Identität sind der Redaktion bekannt.
    • Ein Hauch von Mai 68. Frankreich: Schüler- und Studentenproteste gehen weiter
      „… Für kommenden Dienstag ist der nächste Protesttag geplant. Daran änderte auch die Ankündigung von Bildungsminister Édouard Geffray von Donnerstag nacht nichts, dass bis Dienstag 3.000 Vertretungslehrer eingesetzt würden. Mehrere Vertreter von Schülerverbänden erklärten, dass die angekündigten Maßnahmen der Regierung nicht ausreichten und sie weiter protestieren würden. Auch Gewerkschaften wie SUD Rail bei der französischen Bahn und Solidaires Finances Publiques sowie Teile des Dachverbands CGT überlegen nach dem erneuten Mobilisierungserfolg, am kommenden Dienstag parallel zum Streik aufzurufen. Aus Solidarität, und um eigenen Forderungen nach höheren Löhnen und besserer Ausstattung auch in Einrichtungen wie Krankenhäusern Nachdruck zu verleihen.“ Artikel von Bernard Schmid, Paris, in der jungen Welt vom 10.10.2026 externer Link
    • „6.500 FESTNAHMEN VON MINDERJÄHRIGEN IN DEN LETZTEN 10 TAGEN: EINE BEISPIELLOSE UNTERDRÜCKUNG, ABER EIN UNGEBRECHTER AUFSTAND
      Wir erleben gerade die schwerste Repression gegen die Jugend in der Geschichte Frankreichs, aber auch des gesamten Westens. Wir sind am Ende dieses Regimes angelangt: Die Regierung Macron hat uns an die Schwelle zum Faschismus geführt. Von nun an heißt es: entweder sie oder wir
      .“ franz. Post von Contre Attaque vom 08.10.2026 auf bsky externer Link, auch als Artikel auf der Homepage von Contre Attaque externer Link: „6.500 Festnahmen von Minderjährigen in den letzten 10 Tagen: eine beispiellose Repression, doch der Aufstand bleibt ungebrochen. Ausnahmezustand, soziale Kämpfe, Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Wir erleben gerade die schwerste Unterdrückung der Jugend in der Geschichte Frankreichs, aber auch des gesamten Westens. Wir sind am Ende des Regimes angelangt: Die Regierung Macron hat uns an die Schwelle zum Faschismus geführt. Von nun an heißt es: entweder sie oder wir…“ (maschinenübersetzt)
    • „„LYCÉENS DÉTER’“: NEUES WANDGEMÄLDE IN PARIS
      Das Kollektiv Black Lines schlägt erneut zu! Eine große Wand in der Nähe der Place de la République in Paris wurde gerade als Hommage an den Schüleraufstand bemalt.
      Es ist Ritchy Thibault gewidmet, einem Aktivisten, der inhaftiert wurde, weil er vor einer Blockade zur Revolution aufgerufen hatte.
      Gegen die Repression: Lasst uns noch mehr Kunst schaffen!
      “ franz. Post von Contre Attaque vom 08.10.2026 auf bsky externer Link mit Fotos
    • Frankreich stoppt Einsatz von Granaten: Schülerproteste gehen trotz anhaltender Polizeigewalt weiter. Paris sorgt sich vor neuer »Gelbwesten«-Bewegung
      „Paris. Die Schülerproteste in Frankreich haben am Mittwoch zwar nachgelassen, sind aber keineswegs beendet. An etwa 530 Gymnasien fiel erneut der Oberstufenunterricht aus, vor der blockierten Pariser Hochschule Sciences Po kam es ein weiteres Mal zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, die Tränengas einsetzte. Nach zahlreichen schweren Verletzungen von Jugendlichen durch Polizeigewalt stellte die Regierung am Mittwoch die Verwendung von Schockgranaten vorläufig ein. Einem 15jährigen war am Montag durch eine solche Granate die Hand abgerissen worden. Die Generalinspektion der Polizei nahm Ermittlungen auf. Insgesamt ermittelt die Polizeiaufsicht bereits in 18 Fällen. Dazu zählt auch die Verletzung eines 14jährigen durch eine Tränengasgranate. Der Schüler verlor einen Großteil seiner Zähne. Der Polizist, der die Kartusche aus der Nähe abgefeuert hatte, wurde angeklagt. Menschenrechtsgruppen, Oppositionspolitiker und Schüler werfen den Einsatzkräften unverhältnismäßige Gewalt vor…“ Agenturmeldung in der jungen Welt vom  8.10.2026 externer Link
    • An französischen Schulen entlädt sich die Wut einer vergessenen Generation. Die Proteste breiten sich rasant aus – und überfordern die Politik.
      „«Gen Z – wir übernehmen die Macht!» heisst es auf einem eilig bekritzelten Pappschild vor dem Lycée Lucie Aubrac in Pantin, einer Vorstadt nordöstlich von Paris. Mehrere Dutzend Schüler:innen haben sich am ersten Oktoberfreitag vor dem Schultor versammelt. Sie protestieren gegen die vorgesehenen Budgetkürzungen im öffentlichen Dienst, denn bereits jetzt sind sie stark von Unterrichtsausfall betroffen, besonders hier, im Département Seine-Saint-Denis. (…)
      Nach Einschätzung der Polizei sind die Proteste längst ausser Kontrolle geraten. Was mit einem Lehrer:innenstreik an einem Gymnasium in Créteil im Südosten von Paris begann, ist längst zu einer der grössten Protestbewegungen der jüngeren Geschichte geworden. Es sind Bilder, wie man sie zuletzt 2023 nach dem Tod des siebzehnjährigen Nahel Merzouk gesehen hat, der am Steuer eines Autos von einem Polizisten erschossen worden war. Damals kam es landesweit tagelang zu gewalttätigen Strassenschlachten. (…)
      Am Dienstag kam es in Frankreich zu landesweiten Demonstrationen. Laut Schüler:innenvereinigungen gingen 450 000 Menschen auf die Strasse. Wieder wurden Hunderte Minderjähriger festgenommen. Am selben Abend verkündete die Regierung schliesslich, den Unterricht für die kommenden Tage auszusetzen: Schüler:innen- und Lehrer:innenschaft sollen wieder in den Dialog treten. Dieser Pausenknopf von ganz oben zeigt, wie ernst die Lage ist. Denn Lecornu weiss, dass die Proteste der Schüler:innen nur der Auftakt für weitere Streiks und Massendemonstrationen sein könnten. Im Hintergrund formiert sich wegen der hohen Benzinpreise bereits die Gelbwestenbewegung. Nach dem historisch heissen Sommer mit verheerenden Waldbränden beginnt in Frankreich gerade ein politisch heisser Herbst
      .“ Reportage von Romy Strassenburg (Text) und Andreas B. Krueger (Foto) aus Paris in der WoZ vom 8. Oktober 2026 externer Link
    • Proteste in Frankreich: Sorge um die Mülltonnen
      „Die Polizei geht mit Spezialkräften auf demonstrierende Jugendliche los. Der Protest im Land wächst immer weiter. (…)
      Suzanne Nijdam, Präsidentin der FAGE, des größten Studierendenverbandes Frankreichs, unterstreicht angesichts dieser Missstände: »Wir werden die Blockaden so lange fortsetzen, bis 10 Milliarden Euro auf dem Tisch liegen. Das ist der Betrag, den wir für die zehn Sofortmaßnahmen veranschlagt haben.« Premierminister Lecornu hat inzwischen einen interministeriellen Krisenstab gebildet, der über die Forderungen beraten soll.
      Diese Taktik des Aussitzens und des Verzögerns scheint kaum geeignet, die Gemüter zu beruhigen. Zu offensichtlich ist, dass die Regierung darauf setzt, dass die Mobilisierung mit dem Beginn der landesweiten Herbstferien am 17. Oktober abflauen wird. Da die Bewegung allerdings inzwischen auf die Universitäten übergegriffen hat, etliche von ihnen bereits besetzt sind und weitere folgen werden, dürfte dieser Plan kaum aufgehen. Hinzu kommt, dass eine Neuauflage der Gelbwesten-Bewegung mit Aktionen in über 50 Städten genau für den 17. Oktober geplant ist. Sollte dieser Neustart erfolgreich sein, vergrößern sich die Probleme der Regierung Lecornu nochmals, denn dann wäre eine Verknüpfung bisher getrennter sozialer Bewegungen möglich. (…)
      Diese absehbare Entwicklung bestärkt die Schüler*innen und Studierenden in ihrer Unnachgiebigkeit. Sie wissen dabei genau, dass der Handlungsspielraum der Regierung gering ist, da diese unbedingt den Verschuldungsgrad reduzieren will. Dabei geht es in ihrem Sofortprogramm (10mesures.fr) nicht nur um materielle Forderungen. Teil des Katalogs ist auch die Herstellung einer tatsächlichen Schülermitbestimmung, die auch Entscheidungsbefugnisse beinhaltet. Eigentlich hätte die zehnte Forderung des Sofortprogramms die größten Realisierungschancen, da sie nichts kosten würde: ein Ende von Polizeigewalt und Repression. Dem jedoch steht das Narrativ der Konservativen entgegen. So wie Olaf Scholz nach dem G20-Gipfel in Hamburg erklärte, es habe keine Polizeigewalt gegeben, verkündete Innenminister Laurent Nuñez, das Agieren der Polizei sei »verhältnismäßig«.
      ..“ Artikel von Volkmar Wölk vom 08.10.2026 in ND online externer Link
    • Hier brennen nicht nur Mülltonnen. Hier brennt ein System
      „Ein Brownie-Rezept genügt für eine Unibewerbung, auf Schultoiletten fehlt das Klopapier: Frankreichs Jugend protestiert gegen eine Regierung, der sie nicht mehr vertraut.
      Die Geschichte vom Schokoladenkuchen und die Geschichte vom Toilettenpapier. Mehr braucht es nicht, um den Zorn der französischen Jugend zu begreifen. Beide Geschichten kursieren auf den Handys der Schülerinnen und Schüler, hallen auf den Straßen wider und prangen in Form von Slogans und Symbolen auf ihren Pappschildern. Der Kuchen und die Klopapierrolle erzählen von einer Generation, die Erwachsenen nicht mehr vertraut, während man ihr gleichzeitig predigt, sie müsse nur hart arbeiten, um ihre Zukunft zu sichern. (…)
      Die Regierung empört sich über brennende Mülltonnen. Die Schüler hingegen glauben, hier brennt ein ganzes System.
      Angesichts dessen klingen ihre Forderungen regelrecht bescheiden: kleinere Klassen, kürzere Tage, angemessen ausgestattete Schulen, einen sicheren Studienplatz. In Frankreich, einem Land mit langer Aufstandstradition, zeigt sich stellvertretend, wie verletzt sich Europas Jugend fühlt, wie entfremdet von den Institutionen – und warum.
      An dieser Stelle kommt das Toilettenpapier ins Spiel. In vielen Schulen fehlt es dauerhaft, in anderen müssen sich die Jugendlichen die mutmaßlich benötigten Blätter von einer vor den Kabinen angebrachten Rolle abreißen. Würdeloser als auf schlecht geführten Campingplätzen geht es dort zu. In einem Lycée in Marseille teilen sich 2.000 Schülerinnen und Schüler zwei Toiletten, die anderen sind seit Jahren kaputt. So bilden sich dort – und an vielen anderen Schulen – in jeder Pause lange Schlangen. Manchmal geht es schief und jemand pinkelt sich ein. Und das in einem Alter, in dem schon harmlose Kleinigkeiten beschämen können. Das fehlende Toilettenpapier ist eine Botschaft der Institution an ihre Schülerinnen und Schüler: Eure Bedürfnisse, selbst die fundamentalsten, sind nachrangig.
      Erst seit die Mülltonnen brennen, hört die Regierung den Jugendlichen zu. In den ersten zehn Tagen der Proteste reagierte der konservative Premierminister Sébastien Lecornu nur mit der Beschleunigung eines einzigen Gesetzes: dem loi casseur. Nach diesem kann jeder mit einer Geldstrafe belegt werden, der bei Ausschreitungen anwesend ist, selbst ohne einen Stein geworfen zu haben. Es ist ein juristisch stark umstrittenes Vorhaben, aber die zunächst einzige konkrete Aktion der Regierung. (…)
      Immerhin haben die Schüler handfeste Gründe für ihren Protest. Junge Erwachsene sind doppelt so häufig arbeitslos, sehr viel stärker deprimiert und rund doppelt so arm wie ältere Generationen in Frankreich. Insbesondere das Faulenzer-Argument ist perfide: Französische Oberstufenschülerinnen verbringen durchschnittlich 30 bis 35 Stunden pro Woche in Kursen, hinzu kommen viele weitere Stunden für Hausaufgaben und Prüfungen. Einige Schüler vom Land steigen um sechs Uhr morgens in den Bus und kehren erst gegen 19 oder 20 Uhr aus Großstädten wie Marseille, Nizza oder Paris zurück. Viele von ihnen sind chronisch müde. Die Regierung selbst schreibt, dass rund drei von vier Jugendlichen dauerhaft zu wenig schlafen und dies ein fundamentales Gesundheitsproblem sei. Das Pensum der Jugendlichen übersteigt bei Weitem die französische gesetzliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden für Erwachsene. Lohn erhalten sie dafür natürlich keinen, sondern das Versprechen auf einen späteren guten Job, der die Mühe wert sein soll.
      Aber lohnt sich die Schule, lohnen sich die langen, streng getakteten Tage? Viele glauben das nicht mehr. Und dabei spielt der eingangs erwähnte Schokoladenkuchen eine Rolle, genauer gesagt ein Brownie. Die Geschichte geht so: Die Studienplattform Parcoursup soll die französischen Abiturientinnen und Abiturienten eigentlich entsprechend ihren Noten und aufwändigen Bewerbungsschreiben auf die Hochschulen des Landes verteilen. Im Jahr 2025 lud die Abiturientin Morgane statt eines Bewerbungsschreibens ein Brownie-Rezept in dem Portal hoch. Dennoch erhielt sie einen der begehrten Plätze in Psychologie. Das zuständige Rektorat bestritt den Vorfall nicht, bestellte Morgane aber zu »einem ernsten Gespräch ein«.
      Vielleicht war es nur ein Einzelfall. Ein Fehler im Algorithmus. Aber die Wirkung war verheerend. Die Geschichte um das Kuchenrezept erzielte Millionen Klicks auf TikTok und Snapchat, und viele der Demonstrierenden erzählen: Seitdem fühlen sie sich veräppelt, regelrecht betrogen. (…)
      Wer in Frankreich lebt, der weiß, für wie viele Menschen das Portal ein Symbol der Bildungsmisere ist: In Gesprächen am Schultor sind schon Schüler und Eltern in Tränen ausgebrochen, wenn bloß das Wort Parcoursup fiel
      …“ Artikel von Annika Joeres am 9. Oktober 2026 in der ZEIT externer Link am Wochenende, Ausgabe 41/2026.
  • „Acte III“ am 6. Oktober: Nach der Welle vom 6. Oktober wird es am 8. Oktober weiter gehen

    • Mobilisierungen der Gymnasiasten: Aufruf an das Lehrpersonal, den Schülern bei der Demonstration und dem Streik am 8. Oktober zur Seite zu stehen
      SNES-FSU Syndicat National des Enseignements de Second degré: Mobilisations lycéennes : appel aux personnels à se tenir aux côtés des élèves dans la manifestation et la grève le 8 octobre„Der Mobilisierungstag der Schüler am Dienstag, dem 6. Oktober, war ein Erfolg. Hunderttausende Schüler haben in einer entschlossenen und fröhlichen Atmosphäre demonstriert. Die Demonstrationszüge und Kundgebungen verliefen friedlich, dank der zahlreichen Anwesenheit von Erwachsenen, darunter auch unsere Organisationen, was wir sehr begrüßen. Die Regierung hat den Erwartungen der Schülerinnen und Schüler nach wie vor nicht entsprochen. Das ist inakzeptabel! Sie trägt die volle Verantwortung für diese Situation. Die Schülerorganisationen haben beschlossen, ihre Mobilisierung am Donnerstag, dem 8. Oktober, fortzusetzen. Vor diesem Hintergrund und unter Wahrung der Unabhängigkeit der Schülerbewegung rufen unsere Organisationen dazu auf, die Forderungen der Schüler nach besseren Lernbedingungen und mehr Gleichberechtigung zu unterstützen und ihnen Gehör zu verschaffen. Der SNES-FSU, der SNEP-FSU und der SNUEP-FSU rufen dazu auf, die Mobilisierung durch Demonstrationen und Streiks fortzusetzen und zu verstärken und den Schülern am Donnerstag zur Seite zu stehen. Sie werden ihre Gremien einberufen, um über die Modalitäten der Aktionen in der kommenden Woche zu entscheiden, insbesondere über eine große Aktion im Bildungswesen.“ franz. Communiqué vom 7 octobre 2026 externer Link von SNES-FSU, SNEP-FSU et SNUEP-FSU (maschinenübersetzt), siehe auch den von Solidaires externer Link
    • [SUD éducation] Mobilisierung der Schüler*innen: Die Jugend hat ein Recht auf eine Zukunft – lasst uns sie unterstützen!
      „Am Dienstag, dem 6. Oktober, fanden in ganz Frankreich beeindruckende Demonstrationen statt, die von den Schüler*innen und Student*innen initiiert wurden, die sich seit dem 15. September engagieren.
      Diese aus der Region Île-de-France stammende Schülerbewegung fordert menschenwürdige und gerechte Lernbedingungen: kleinere Klassen, Vertretungslehrer*innen bei Abwesenheit, dringend sanierungsbedürftige Schulmöbel und -gebäude, besser strukturierte Stundenpläne sowie die Abschaffung von „Parcoursup“. Bei einer Vollversammlung schlossen sich die Studierenden schnell zusammen, da sich auch für sie die Reformen häufen und zu einem maroden Hochschulbestand hinzukommen.
      Diese Forderungen decken sich voll und ganz mit denen, für die sich SUD éducation seit Jahren einsetzt: die Senkung der Schülerzahlen pro Klasse, eine massive Einstellung von Personal zur Verbesserung der Lernbedingungen, aber auch der medizinisch-sozialen Betreuung, die Sanierung veralteter und gefährlicher Schulgebäude (Asbest, undichte Stellen, schlechte Wärmedämmung …), die Aufhebung der Reformen, die die Gymnasien zerstrukturiert haben, sowie die Abschaffung von „Parcoursup“, das unter größtmöglicher Undurchsichtigkeit eine soziale Selektion vornimmt.
      Die Regierung, die seit 2017 auf soziale Proteste ausschließlich mit Repression und Polizeigewalt reagiert, hat dieselben Methoden auch gegenüber Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren angewandt. Die Anweisung des Innenministers, bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung „keine Zurückhaltung“ zu üben, gepaart mit den Verletzungen, die diese sehr jungen Demonstrant*innen erlitten haben, hat die Bildungsgemeinschaft und alle Arbeitnehmer*innen des Landes schockiert. Tränengas einsetzen, Augen ausstechen, verstümmeln, versuchen, Kinder zu ertränken: Diese Repression ist unerträglich und muss so schnell wie möglich verurteilt werden! Darüber hinaus sind rassistische und sexistische Äußerungen oder Handlungen seitens der Polizei inakzeptabel und müssen unverzüglich ein Ende finden.
      Was den Bildungsminister betrifft, so hat er nichts anderes zu bieten als die Schließung von Gymnasien und eine Plattform zur Entgegennahme von Forderungen. Doch die Forderungen der Schüler*innen und des Personals sind bekannt – nun müssen Antworten darauf gegeben werden!
      SUD éducation begrüßt den Erfolg der heutigen Demonstrationen sowie die massive Beteiligung von Erwachsenen, die streiken, um die kämpfende Jugend zu schützen. Der Bildungssektor war gut vertreten, doch heute fand eine echte berufsübergreifende Mobilisierung statt. Der öffentliche Dienst geht uns alle an!
      SUD éducation ruft dazu auf, die Mobilisierung der Jugend weiterhin zu unterstützen, und fordert das Personal im Bildungswesen sowie im Hochschul- und Forschungsbereich auf, die Fortsetzung des Streiks an Universitäten, Bildungseinrichtungen und Schulen zur Diskussion zu stellen.
      SUD éducation ruft das Personal insbesondere dazu auf, am Donnerstag, dem 8. Oktober, in den Streik zu treten, um sich weiterhin an der Seite der Schüler*innen und Studierenden zu mobilisieren.
      SUD éducation ruft zudem das Personal der Gymnasien dazu auf, sich nicht an der vom Ministerium ab dem 7. Oktober angestrebten schrittweisen Wiederaufnahme des Unterrichts zu beteiligen, da diese unter dem Deckmantel des Dialogs vor allem darauf abzielt, die Bewegung der Gymnasiasten zu zerschlagen, ohne auch nur die geringste konkrete Antwort auf ihre berechtigten Forderungen gegeben zu haben!
      Der Haushalt 2027 ist für unsere Arbeits- und Studienbedingungen inakzeptabel; wir müssen die Regierung dringend dazu bringen, davon Abstand zu nehmen.
      Keine Einsparungen beim öffentlichen Bildungswesen! Keine Einsparungen auf Kosten unseres Lebens!“
      franz. Pressemitteilung von SUD éducation vom 07.10.2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • „Mehr als 1.800 Gymnasien (von 3.700) sind heute in Frankreich blockiert. An vielen Schulen sind Gewerkschafter*innen zum Schutz der Schüler*innen vor der Polizei aktiv. Akt 3 der Proteste: ein neuer Höhepunkt.“ Post von Volkmar Wölk vom 6.10. auf bsky externer Link mit der Grafik der Presseerklärung von USL
    • „Die Repression in den französischen Überseegebieten findet kaum Beachtung. Doch auch dort gibt es Proteste, und Kinder werden festgenommen. In Guadeloupe wurden am 6. Oktober 21 Schulen blockiert. In Le Moule würgten Gendarmen einen Jugendlichen bei seiner Festnahme, traten ihn und drückten ihn zu Boden.“ aus dem fr. Thread von Stephanie Lamy vom 07.10.2026 auf bsky externer Link zum Video von Mr. Propagande externer Link : „In Moule auf Guadeloupe wurde ein Jugendlicher von einer Gruppe von Gendarmen gewaltsam festgenommen. Würgegriff, Tritte, zu Boden geworfen – und das alles bei einem Teenager, der wohl gerade mal 50 kg wiegt. Am Dienstag, dem 6. Oktober, haben sich die Proteste auf dem Archipel verstärkt: 21 Bildungseinrichtungen wurden blockiert„
    • Liberté, Egalité, Barricadé
      „Frankreich: Landesweit Blockaden und Schließungen von Schulen. Gewerkschafter verbünden sich mit der Schülerbewegung und schützen Proteste vor der Polizei (…) Nach Angaben der Schülergewerkschaft USL waren am Dienstag 1.800 Lycées (Gymnasien) von Blockaden, Aktionen oder behördlichen Schließungen betroffen. Das ist fast jedes zweite Lycée des Landes. Die Gewerkschaft CGT zählte am frühen Nachmittag 260.000 Demonstranten, die in Paris noch nicht eingerechnet. Allein in Marseille waren es 30.000, in Lyon meldete die Präfektur 20.000…“ Artikel von Raphaël Schmeller in der jungen Welt vom 7.10.2026 externer Link

      • Schülerproteste in Frankreich: »All diese Kids kämpfen für dieselbe Sache«
        Frankreichs Jugend protestiert nicht nur gegen die Kürzungen im Bildungssektor. Interview von Elias Inan Christe in der jungen Welt vom 07.10.2026 externer Link mit Hamadi H., er besucht eine Schule im Osten von Paris und beteiligt sich an den anhaltenden Protesten in Frankreich gegen die Regierung von Präsident Emmanuel Macron
    • Rund 10.000 Menschen bei Schülerprotest in Straßburg: Studierende, Lehrkräfte und Eltern schließen sich Schülern an
      „Im Elsass weiten sich die Proteste für bessere Schulen aus. Gewerkschaften, Lehrkräfte und Eltern schlossen sich den Schülern an. In Straßburg demonstrierten rund 10.000 Menschen…“ Bericht vom 6.10.2026 im SWR externer Link mit Fotos und Video
    • Frankreich: Massive Kritik an Polizeigewalt gegen Schüler-Proteste
      „Die französische Regierung bekämpft die landesweiten Schülerproteste mit Repression und Polizeigewalt. Polizeiexperten und Menschenrechtsorganisationen kritisieren Massenverhaftungen und Übergriffe. Hunderttausende schreckt die Gewalt nicht ab, sie demonstrieren im ganzen Land weiter…“ Beitrag von Markus Reuter vom 06. Oktober 2026 in Netzpolitik externer Link
    • „Die französische Polizei ist so militarisiert, dass sie einem 15-Jährigen die Hand wegsprengte und einem anderen das Auge ausstach. Warum werden Granaten eingesetzt, um unbewaffnete studentische Demonstranten zu unterdrücken? Nun schreiten die Gewerkschaften ein, um die Studenten zu schützen. Der Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, hat sich buchstäblich selbst als menschlichen Schutzschild eingesetzt, um Schüler vor Polizeigewalt zu schützen“ engl. Post von Erica Ifill vom 07.10.2026 auf bsky externer Link zu 2 tiktok-Videos
    • Frankreich: Schülerproteste suchen den Schulterschluss
      „Gewerkschaften und Studierende unterstützen den Protest für bessere Schulen. Schwere Verletzungen Minderjähriger werfen Fragen zum Polizeieinsatz auf…“ Beitrag von Thomas Pany vom 06. Oktober 2026 in Telepolis externer Link
    • Nennt mich einen Jakobiner: Frankreichs Studenten verteidigen ihre Zukunft
      „Die Amerikanische Revolution trug dazu bei, den Kampf Frankreichs für die Freiheit zu inspirieren. Nun geben französische Schüler den Amerikanern ein Beispiel, über das wir nachdenken sollten: Eine Generation kann gemeinsam ihre Zukunft verteidigen, anstatt dass jedem Einzelnen gesagt wird, er müsse seine Erwartungen zurückschrauben…“ engl. Artikel von Elijah Dale vom 06,20.2026 in Common Dreams externer Link (maschinenübersetzt)
    • Bally Bagayoko: Das Gesicht des neuen Frankreichs: Der Schwarze Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, stellt sich mutig gegen Polizisten und Rassisten.
      „Die Szene ging viral: Bally Bagayoko stellte sich bei den Schülerprotesten als Schutzschild zwischen die Polizisten und die Demonstranten. Das Tränengas der Polizei nahm er notgedrungen in Kauf. Bagayoko ist nicht irgendwer, sondern der Bürgermeister von Saint-Denis in Paris, einer von Einwander*innen geprägten Banlieue. Er selbst kam 1973 als Sohn einer Einwandererfamilie aus Mali in Levallois bei Paris auf die Welt. (…) Seit seinem Sieg ist er mehr denn je rassistischen Kampagnen der Rechten ausgesetzt. Die französische Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen wegen rassistischer Beleidigung und Cybermobbing aufgenommen. »Ich verkörpere alles, was sie verabscheuen. Ich passe nicht in ihr Machtmodell, in diese ›weiße‹ Vorstellung von der Republik«, sagt er. »Aber das ist die Realität, und heute hat Frankreich in seiner Vielfalt Menschen hervorgebracht, die vor einigen Jahren noch kein Recht hatten, diese Ämter zu bekleiden.«
      Auch als Bürgermeister bleibt er sich treu und setzt seine Tätigkeit als Basketballtrainer für Jugendliche an zwei Tagen der Woche fort
      …“ Artikel von Martin Ling vom 07.10.2026 in ND online externer Link
    • 6. Oktober: Der Aufstand der Schüler:innen gewinnt an Boden und erschüttert das Ende von Macrons Amtszeit
      Bericht von Juan Chingo am 7.10.2026 bei Klasse gegen Klasse in der Übersetzung durch Lukas Fechner externer Link
    • Französische Jugendproteste weiten sich aus – Regierung sagt Unterricht an Oberschulen ab
      Reporter-Bericht vom 7.10. 26 bei wsws externer Link
  • Frankreich: Beim Aktionstag am 6. Oktober stehen die meisten Gewerkschaften an der Seite der SchülerInnen und Studierenden – einige sogar streikend wie die Lehrkräfte

    • [SNES-FSU, SNUEP-FSU und SNEP-FSU] Mobilisierungen der GymnasiastInnen: Aufruf an das Lehrpersonal, sich an die Seite der SchülerInnen zu stellen und am 6. Oktober zu streiken
      Frankreich: Am 6. Oktober 2026 steht die CGT an der Seite der Schülerinnen und Schüler sowie der Studierenden„Seit letzter Woche mobilisieren sich Schülerinnen und Schüler zahlreicher Schulbezirke, um auf die Bedingungen aufmerksam zu machen, unter denen sie lernen: Personalmangel, baufällige Gebäude, zu hohe Schülerzahlen pro Klasse, unzumutbare Stundenpläne, Behinderungen beim weiteren Bildungsweg… Angesichts dieser Tatsache, dass das öffentliche Bildungswesen bis zum Äußersten ausgereizt ist, sind ihre Forderungen legitim; die Gewerkschaften SNES-FSU, SNUEP-FSU und SNEP-FSU unterstützen sie. Diese Forderungen decken sich im Übrigen mit denen, die wir in den letzten Jahren bei zahlreichen Mobilisierungen zum Ausdruck gebracht haben.
      Die Gewalt muss aufhören!
      Die Forderungen der Schüler*innen zeugen von den beklagenswerten Bildungsbedingungen, die auf die von den verschiedenen Regierungen unter Emmanuel Macron auferlegten haushaltspolitischen und politischen Entscheidungen zurückzuführen sind. Die mobilisierten Schüler*innen streben zudem nach Gleichberechtigung und Emanzipation durch Wissen und kritisches Denken, da sie sich bewusst sind, dass die Reformen Macrons den Grundsätzen der Schule der Republik den Rücken gekehrt haben. Weil die Schülerinnen und Schüler mehr Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit fordern, weil sie die Folgen der politischen Entscheidungen Macrons anprangern, hat die Regierung beschlossen, mit Gewalt und polizeilicher Repression zu reagieren. Das ist inakzeptabel! Die polizeiliche Repression muss aufhören.
      Die Gewalt muss aufhören!
      Die Forderungen der Schüler*innen zeugen von den beklagenswerten Bildungsbedingungen, die auf die von den verschiedenen Regierungen unter Emmanuel Macron auferlegten haushaltspolitischen und politischen Entscheidungen zurückzuführen sind. Die mobilisierten Schüler*innen streben zudem nach Gleichberechtigung und Emanzipation durch Wissen und kritisches Denken, da sie sich bewusst sind, dass die Reformen Macrons den Grundsätzen der Schule der Republik den Rücken gekehrt haben. Weil die Schülerinnen und Schüler mehr Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit fordern, weil sie die Folgen der politischen Entscheidungen Macrons anprangern, hat die Regierung beschlossen, mit Gewalt und polizeilicher Repression zu reagieren. Das ist inakzeptabel! Die polizeiliche Repression muss aufhören. (…) Die Gewerkschaften SNES-FSU, SNUEP-FSU und SNEP-FSU bekunden zudem ihre Unterstützung für die Schüler*innen und das Personal, die in den letzten Tagen misshandelt oder verletzt wurden. Jede Form von Gewalt, egal woher sie kommt, muss ein Ende finden.
      Es ist dringend notwendig, den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, sich ungehindert und in einem demokratischen und friedlichen Rahmen zu äußern und zu mobilisieren. Die Schule bildet zukünftige Bürgerinnen und Bürger aus, die ihre Rechte ausüben und in Ruhe über ihre Forderungen, ihre Parolen und ihre Aktionen diskutieren können müssen.
      An der Seite der Schülerinnen und Schüler
      Unter Wahrung der Unabhängigkeit der Schülerbewegung rufen unsere Organisationen dazu auf, den Schülerinnen und Schülern zur Seite zu stehen. Eine Präsenz von Erwachsenen, beispielsweise vor den Schulen, soll dazu beitragen, auf friedliche Weise die wirksame Ausübung der Grundrechte der Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten: das Recht auf Demonstration, das Recht auf Versammlung, das Recht auf freie Meinungsäußerung – und ein ruhiges Umfeld für diese Mobilisierungen zu schaffen, das vor externen Elementen geschützt ist, die gewalttätige Aktionen verüben wollen. Wir werden keine Kompromisse eingehen, wenn es um die Achtung der Rechte unserer Schüler*innen und die Wirksamkeit der Schülerdemokratie geht.
      Damit die Demokratie jedoch wirksam sein kann, muss die Regierung auf die Forderungen auch mit Maßnahmen von nationaler Tragweite reagieren, sowohl im Bereich des Haushalts als auch in der Bildungspolitik. Sollte der Haushalt keine Antwort auf die zum Ausdruck gebrachte Unzufriedenheit bieten, insbesondere was die Mittel und Investitionen in das öffentliche Schulwesen betrifft, wird die Regierung eine sehr große Verantwortung für die Verschärfung der Lage tragen.
      Die Gewerkschaften SNES, SNUEP-FSU und SNEP-FSU reichen eine Streikankündigung ein und rufen das Personal dazu auf, sich dort, wo es notwendig ist, daran zu beteiligen. Unsere Organisationen werden rasch über das weitere Vorgehen entscheiden.
      Der SNES-FSU, der SNEP-FSU und der SNUEP-FSU rufen für Dienstag, den 6. Oktober, zum Streik auf, um die Forderungen der Mobilisierung der Gymnasiasten zu unterstützen: Mittel für das öffentliche Bildungswesen und eine andere Ausrichtung für die öffentliche Sekundarstufe II, entgegen der seit mehreren Jahren verfolgten Politik und den Reformen. Schluss mit einer Schule, die soziale Selektion und Ungleichheiten fördert! Die Regierung muss rasch haushaltspolitische Lösungen vorlegen – dies ist der einzige Weg aus der Krise
      .“ franz. Pressemitteilung vom 2. Oktober 2026 externer Link (maschinenübersetzt) der Gewerkschaften des Sekundarbereichs SNES-FSU, SNUEP-FSU und SNEP-FSU
    • Die Forderungen der Schüler sind berechtigt, wir unterstützen sie, und die Regierung muss darauf eingehen!
      franz. Communiqué vom 5.10.2026 externer Link von FSU, UNSA Education, FNEC FP FO, CFDT Education Formation et Recherche Publiques, CGT Educ’action, SUD Education.
    • [Solidaires] Lasst uns gemeinsam mit der Jugend, die für eine bessere Zukunft kämpft, aktiv werden: Solidaires ruft dazu auf, sich am nationalen Aktionstag am 6. Oktober zu beteiligen, auch durch Streiks
      „Seit mehreren Tagen setzen sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe für menschenwürdige Unterrichtsbedingungen ein. Heute haben sich ihnen Studierende in ihrem Kampf für eine bessere Zukunft angeschlossen. Personalmangel, baufällige Gebäude, ungeheizte oder überhitzte Klassenzimmer, Parcoursup … Diese Situation ist das Ergebnis einer seit Jahren betriebenen Politik, die auf den Abbau des öffentlichen Bildungswesens abzielt. Hinzu kommen düstere Zukunftsaussichten in einer Gesellschaft, in der die Ungleichheit immer weiter zunimmt.
      Angesichts dieser berechtigten Revolte reagiert die Regierung lediglich mit brutaler Repression. Die Welle der Gewalt gegen die Jugend ist erschreckend. Hinzu kommen täglich Hunderte von Festnahmen. Die Gewerkschaft „Union syndicale Solidaires“ warnt eindringlich vor dem autoritären Kurs und erinnert daran, dass die Schülerinnen und Schüler das Recht auf Versammlungs-, Vereinigungs- und Demonstrationsfreiheit haben. Diese Freiheiten müssen garantiert und geschützt werden.
      Lasst nicht zu, dass auf unsere Kinder geschossen wird!
      Der Gewerkschaftsverband Solidaires ruft seine Gewerkschaften, seine Departementsverbände und deren Mitglieder dazu auf, sich ab sofort an die Seite der kämpfenden Jugend zu stellen – unter Wahrung ihrer Autonomie –, um deren Forderungen zu unterstützen und das Demonstrationsrecht durchzusetzen. Der Gewerkschaftsverband Solidaires ruft dazu auf, sich am nationalen Aktionstag am 6. Oktober zu beteiligen, auch durch Streiks.“ franz. Aufruf von Solidaires vom 1.10.2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • [CGT] Am 6. Oktober steht die CGT an der Seite der Schülerinnen und Schüler sowie der Studierenden!
      „Seit mehreren Tagen mobilisieren sich überall in Frankreich Zehntausende Schülerinnen und Schüler, um ihrer Wut und ihren Forderungen Gehör zu verschaffen.
      Das betrifft uns alle! Wie bereits bei den Streiks am 29. September deutlich wurde, mobilisieren sie sich wegen des Mangels an Lehrkräften und Personal, überfüllter Klassen, verschlechterter Lernbedingungen, baufälliger Einrichtungen sowie aus Sorge um ihre Zukunft und die prekäre Lage, von der ein immer größerer Teil der Jugendlichen und ihrer Familien betroffen ist. Sie fordern die Abschaffung von „Parcoursup“, das die soziale Selektion beim Zugang zum Studium verstärkt.
      Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sowie die Studierenden von heute sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von morgen – sie dürfen nicht den Preis für die Sparpolitik zahlen.
      Der Haushaltsentwurf verschärft eine ohnehin schon prekäre Lage.
      Wenn Lehrkräfte fehlen, wenn die Klassen überfüllt sind, wenn die Gebäude verfallen und die Zukunftsperspektiven der Jugendlichen schwinden, kann die Antwort nicht Repression sein. Dennoch hat sich die Regierung dafür entschieden. Auf legitime Forderungen reagiert sie mit Gewalt, Festnahmen, Polizeigewahrsam und dem Einsatz von Sicherheitskräften in der Umgebung der Bildungseinrichtungen.
      Seit Beginn der Mobilisierung wurden fast 3.000 Schüler*innen und Student*innen festgenommen, und 170 von ihnen sowie Mitglieder des Personals wurden verletzt, teilweise schwer. Die Regierung steht hinter der Eskalation der Repression und versucht, den Protest zu unterdrücken, wobei sie sogar so weit geht, die Staatsanwaltschaften aufzufordern, gegenüber den Eltern der mobilisierten Schüler*innen Härte zu zeigen.
      Diese Repression ist von beispiellosem Ausmaß.
      Und die Regierung sieht nicht tatenlos zu: Sie organisiert diese Eskalation und steht dazu. Mit ihrer Entscheidung für Repression schürt die Regierung die Wut und geht bewusst das Risiko ein, eine Situation zu verschärfen, für die sie selbst verantwortlich ist. Die CGT verurteilt diese Repression auf das Schärfste und fordert die Regierung auf, ihr unverzüglich ein Ende zu setzen.
      Gemeinsam mit der Ligue des droits de l’Homme und der FCPE hat sie den Ombudsmann für Menschenrechte eingeschaltet, um ihn auf diese gewaltsame Repression aufmerksam zu machen und ihn aufzufordern, für die Achtung der Rechte und Freiheiten der mobilisierten Schüler*innen und Student*innen zu sorgen.
      Wie bereits vor den Bildungseinrichtungen wird die CGT am 6. Oktober an der Seite der mobilisierten Schüler*innen, Student*innen und des Bildungspersonals stehen.  Sie ruft alle ihre Mitgliedsorganisationen dazu auf, das Recht auf Mobilisierung zu schützen und den Mobilisierten die notwendigen Mittel zur Organisation zur Verfügung zu stellen, insbesondere durch die Öffnung von Arbeitszentren und Volkshäusern, um ihnen Versammlungen zu ermöglichen, durch die Gewährleistung der Sicherheit der Mobilisierungen und durch die Einreichung von Genehmigungsanträgen in Zusammenarbeit mit den Schüler- und Studentenorganisationen…“ franz. Aufruf der CGT vom 2.10.2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • [CGT Etat] Lasst uns gemeinsam – Schüler*innen, Studierende und Beschäftigte im öffentlichen Dienst – am 6. Oktober demonstrieren!
      „Der Bundesverband der Staatsgewerkschaften CGT ruft die Beschäftigten im öffentlichen Dienst dazu auf, die laufenden Mobilisierungen der Schüler*innen zu unterstützen. Er ruft dazu auf, sich mit allen Mitteln an den Mobilisierungen zu beteiligen, die am kommenden Dienstag, dem 6. Oktober, landesweit organisiert werden. (…)
      Ihr Kampf ist auch unser Kampf!
      Während die Entwürfe für das Haushaltsgesetz und das Gesetz zur Finanzierung der Sozialversicherung eine weitere Haushaltskürzung in Höhe von 54 Milliarden Euro vorsehen, setzt die Regierung weiterhin eine Politik um, die die Zukunft der Jugend und ihre Rechte auf Bildung, Hochschulbildung und Forschung, Ausbildung und Kultur opfert…
      Und doch gibt es Geld! Jedes Jahr werden 211 Milliarden Euro an Unternehmen vergeben – ohne Gegenleistung, ohne Bewertung und ohne Kontrolle. Der Steuerbetrug wird auf über 80 Milliarden Euro geschätzt. Mehr als 400 Milliarden Euro wurden bereits bereitgestellt, um die französische Gesellschaft immer weiter zu militarisieren. Genug ist genug! (…) Der Bundesverband der staatlichen Gewerkschaften CGT ruft die Beschäftigten im öffentlichen Dienst dazu auf, die laufenden Mobilisierungen der Schüler*innen zu unterstützen. Er ruft dazu auf, sich mit allen Mitteln an den Mobilisierungen zu beteiligen, die am kommenden Dienstag, dem 6. Oktober, landesweit organisiert werden.
      Die UFSE CGT erinnert daran, dass sie eine Streikankündigung für den Zeitraum bis zum 31. Oktober 2026 eingereicht hat
      .“ franz. Pressemitteilung der CGT im öff. Dienst vom 1. Oktober 2026 externer Link (maschinenübersetzt)
    • Volle Unterstützung: In Frankreich kommt es erneut zu Studentenprotesten. Der Kampf könnte sich auf ganz Europa ausweiten
      „… Kämpfe in Europa
      Die aktuelle Welle brach in Frankreich aus, doch die Unzufriedenheit mit dem Bildungswesen hatte sich bereits in ganz Europa ausgebreitet. Die Hauptkritikpunkte sind überfüllte Klassenzimmer, Lehrermangel, Haushaltskürzungen an den Universitäten und der rasante Anstieg der Bildungskosten.
      In Griechenland haben die Schüler für diese Woche ebenfalls landesweite Schulaktionen angekündigt, darunter Versammlungen, Streiks, Demonstrationen und mögliche Besetzungen.
      In Italien begannen am Montag in Turin und Rom Besetzungen von weiterführenden Schulen unter dem Motto „Machen wir es wie in Frankreich“.
      Die italienischen Schüler nannten die Unterfinanzierung, den Verfall der schulischen Einrichtungen und die steigenden Lebenshaltungskosten als Beschwerden, die sie mit den französischen Schülern teilen.
      In Irland demonstrierten Anfang dieses Monats Tausende von Studierenden in Dublin und forderten niedrigere Studiengebühren, mehr Mittel für die Hochschulbildung und bezahlbaren Wohnraum.
      In Deutschland versammelten sich im September Studierende, Lehrkräfte, Eltern und Gewerkschaften, um laut Tagesschau mehr Investitionen in die Bildung, mehr Lehrkräfte und ein gerechteres Schulsystem zu fordern.
      In Österreich bereiten Studentengruppen neue Demonstrationen für Mitte Oktober vor, nachdem der österreichische Hochschulverband vor möglichen Kürzungen in Höhe von rund 1 Milliarde Euro im nächsten dreijährigen Hochschulhaushalt gewarnt hatte, berichtet der ORF.
      Der Kampf ist der Weg
      Die Jugend ebnet den Weg für den Kampf um eine öffentliche, kostenlose und qualitativ hochwertige Bildung. Der Widerstand ist der Weg, und internationale Solidarität ist entscheidend, um den Demonstrationen Kraft zu verleihen. Deshalb unterstützt das Internationale Gewerkschaftsnetzwerk für Solidarität und Kampf diesen Kampf
      !“ span. Beitrag vom 7. Oktober 2026 bei LabourSolidarity externer Link (maschinenübersetzt)
    • Proteste gegen den Abbau des Bildungswesens: 90.000 Menschen auf den Straßen in Frankreich
      „In Frankreich haben Studenten an diesem Dienstag (6) Barrikaden errichtet – an dem Tag, an dem landesweit 1.800 Bildungseinrichtungen ihre geschlossenen oder blockierten Türen wieder geöffnet haben. Die Proteste gegen Haushaltskürzungen und den Abbau des öffentlichen Bildungswesens gehen nun in die zweite Woche. In mindestens 30 Gemeinden kam es zu Blockaden und Kundgebungen. Der Mobilisierung – die bereits im September von den Gymnasiasten initiiert wurde – haben sich nun auch die Hochschulstudierenden und die französischen Gewerkschaften angeschlossen. (…)
      Polizeigewalt und Eskalation der Konflikte
      Auch in den Schlagzeilen der Zeitungen steht die Brutalität der Ordnungskräfte gegenüber den Demonstranten im Vordergrund. Die Amputation der Hand einer 15-Jährigen, die von der Explosion einer von der Polizei geworfenen Granate getroffen wurde, ging als schwerwiegendster Vorfall in die Geschichte ein. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wird in gleicher Weise durch staatliche Gewalt geschürt. Auf Transparenten, die an den Pariser Barrikaden entrollt wurden, sind Protestbotschaften zu lesen wie: „Zu jung, um gehört zu werden, alt genug, um mit Tränengas beschossen zu werden“. Neue Zusammenstöße und Widerstandsaktionen wurden in den Städten Straßburg, Lyon und Rennes verzeichnet, wo die Polizei die Demonstranten mit Wasserwerfern und Tränengasgranaten auseinandertrieb. (…)
      Internationale Unterstützung für die Sache
      Die Gewerkschaft „Union Syndicale Solidaires“ – ein französischer Gewerkschaftsverband, der dem Internationalen Gewerkschaftsnetzwerk für Solidarität und Kampf angehört – hat einen Aufruf an ihre Gewerkschaften und Mitgliedsorganisationen gerichtet, sich auf die Seite der kämpfenden Jugendlichen zu stellen
      .“ franz. Beitrag vom 5. Oktober 2026 bei LabourSolidarity externer Link (maschinenübersetzt)
    • [CFDT ] Mobilisierung der Gymnasiasten: Respekt und Dialog – die einzigen Antworten auf berechtigte Wut
      „Seit mehreren Tagen versammeln sich Schüler und Schülerinnen vor ihren Schulen, um auf die mangelnde Finanzierung des Bildungswesens und ihre verschlechterten Schulbedingungen aufmerksam zu machen. Ihr Einsatz ist berechtigt. Er spiegelt wider, was das Bildungspersonal tagtäglich erlebt und was die CFDT seit langem anprangert: Personalmangel bei den Lehrkräften, im Schulbetrieb, im Gesundheitswesen, im Sozialdienst und bei der Betreuung von Schülern mit Behinderungen; Aufgaben, deren Bedeutung zu wenig gewürdigt wird. (…)
      Die CFDT verurteilt entschieden die Gewalt gegen Personen und die Sachbeschädigungen. Sie gefährden die Schüler und das Personal und übertönen die Stimme der Gymnasiasten, die sich aufrichtig engagiert haben. Einige Einsätze der Ordnungskräfte gehen über das hinaus, was zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung erforderlich ist. Das ist inakzeptabel.
      Die Regierung muss handeln. Eine rein sicherheitspolitische Reaktion wird keines der Probleme lösen, die die Schüler*innen dazu veranlasst haben, sich zu mobilisieren. Sie droht im Gegenteil, die Spannungen zu verschärfen.
      Die CFDT prangert die Instrumentalisierung dieser Bewegung durch diejenigen an, die andere Ziele verfolgen als die Schülerinnen und Schüler.
      Ihre Stimme darf von niemandem unterdrückt werden. Es muss ein Dialog ohne Gewalt entstehen. Dies erfordert die Achtung der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit. Deshalb unterstützt die CFDT die Mobilisierung der Schülerinnen und Schüler am 6. Oktober
      .“ franz. Pressemitteilung der CFDT vom 2. Oktober 2026 externer Link (maschinenübersetztSiehe darüber hinaus aktuell:
    • [Offener Brief einiger Eltern] An unsere Kinder und Schüler
      „Danke für alles. Für die Kühnheit, den Mut und die Entschlossenheit. Danke, dass ihr uns daran erinnert, dass es nichts zu erwarten gibt. Wir selbst haben so lange gewartet, dass wir wissen, was es am Ende kostet. Auf das Ende des Tages zu warten, auf das Ende der Woche, auf den Monatsanfang, auf die Rückmeldung der CAF. (1) Darauf zu warten, dass sich die Lage beruhigt, auf bessere Tage zu warten, auf die Wahlen zu warten, auf den Bus, auf die U-Bahn zu warten. Darauf zu warten, endlich ins Bett zu gehen. Immer wieder ins Bett zu gehen.
      Euch hat man auch gesagt, ihr sollt warten. Auf das Ende des Tages, den Beginn der Ferien, die Ergebnisse von Parcoursup. (2) Auf eine Ausbildung zu warten, warum nicht auf einen Job, darauf, selbstständig zu sein – und dann festzustellen, dass das das Gegenteil von Freiheit ist. Darauf zu warten, dass das Leben genau dort beginnt, wo es endet. Ihr habt wirklich gut daran getan, mit dem Warten aufzuhören.
      Bravo für den Humor, die Verkleidungen, das Feuerwerk, die Solidarität und alles, was wir auf den Straßen gesehen haben.
      Die Welt, die wir euch hinterlassen, ist eine Ruine, die Zukunft, die wir für euch vorbereiten, ein Albtraum – und dennoch schafft ihr es, Spaß zu haben. Ihr seid die beste Version von uns selbst, die Summe all dessen, was wir vermasselt haben, all dessen, worauf wir verzichtet haben.
      Das wisst ihr zwar, aber es ist wichtig, es euch noch einmal zu sagen. Auch wir sind sehr besorgt. Aber wir wären es noch viel mehr, wenn ihr die Welt so akzeptieren würdet, wie sie ist.
      An die Lehrer, Aufsichtspersonen und Schulleiter
      Am Dienstag habt ihr gestreikt, um bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Ihr seid marschiert, habt demonstriert und Parolen skandiert – und dann seid ihr wieder nach Hause gegangen. Die Regierung hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, Euch zu verachten.
      Innerhalb von zwei Tagen haben Eure Schüler mit ihren Blockaden im Élysée-Palast einen Krisenstab ausgelöst, Panik in den Fernsehsendungen verursacht und die Schließung eines Großteils der französischen Oberstufen zur Folge gehabt. Daraus lässt sich eine Lehre ziehen. (…)
      Vielen Dank an alle unter Euch, die sich den Blockaden angeschlossen und ihre Schüler unterstützt haben. Die Gleichung ist einfach: Ihr habt objektiv gesehen nichts zu verlieren und alles zu gewinnen – angefangen damit, dass auch ihr euch nicht länger demütigen lasst.
      Wenn ihr aufrichtig Eure gemeinsame Situation ablehnen würdet, wäre das eine andere Geschichte: Für eine Regierung ist es nicht so einfach, einen Mathelehrer zu würgen oder der Französischlehrerin mit einem LBD-Gewehr in den Kopf zu schießen. Vielleicht würden dann alle mitmachen.
      An Laurent Nuñez, Edouard Geffray und die Präfekten
      Auf Ihren Befehl hin schikaniert die Polizei seit mehreren Tagen Kinder. Auf Ihren Befehl hin wurden sie niedergeschlagen, über den Boden geschleift, gewürgt und aus nächster Nähe mit LBD-Geschossen beschossen. Sie wollten sie nicht nur verletzen, Sie haben alles getan, um sie zu demütigen. 1.949 Schüler wurden festgenommen – wie viele Polizisten wurden zur Rechenschaft gezogen? Welche Lehren sind daraus zu ziehen? Und dennoch verschanzen Sie sich hinter Lügen und Verantwortungslosigkeit
      …“ Offener Brief einiger Eltern vom 2. Oktober 2026 dokumentiert am 6. Oktober 2026 von Kontrapolis externer Link – erstmals veröffentlicht am 4. Oktober 2026 auf Lundi Matin externer Link, ins Deutsche übertragen von Bonustracks.
    • Blockade der Gymnasien und Mobilisierung am 6. Oktober: Die Risiken einer Koalition der Empörten
      „… Bildungsminister Edouard Geffray gab am Sonntag, dem 4. Oktober, bekannt, dass zwischen 400 und 500 von 3.600 Schulen den Unterricht am Montag aussetzen müssten. Im Mittelpunkt der Forderungen stehen insbesondere die Forderung nach zusätzlichen Mitteln, besseren Studienbedingungen und die Abschaffung von Parcoursup, der automatisierten Plattform für die Einschreibung im Hochschulbereich. (…) Mit der Unterstützung der Berufsverbände erreicht die Bewegung einen neuen Meilenstein. Die Gewerkschaften können die jungen Demonstranten dank ihrer Ordnungsdienste begleiten, sie schützen und Ausschreitungen sowie Gewalt so weit wie möglich verhindern. Sie werden aber auch ihre eigenen Anhänger mitbringen, wodurch die Mobilisierung, die bisher verstreut und ohne echte Koordination war, automatisch an Dynamik gewinnt.
      Für die Regierung besteht die große Gefahr, dass sich die vielfältigen Unruhen, die das Land erschüttern, zu einem allgemeinen „Genug ist genug“ vereinen – zu einem diffusen und vielgestaltigen Protest. Schon der Name der Mobilisierung am Dienstag – „Akt III“ – ist ein eindeutiger Verweis auf die Terminologie der „Gelbwesten“ (2018–2019), deren wöchentliche Aktionstage als „Akte“ bezeichnet wurden. Dies zeigt den Willen eines Teils der Organisatoren, wie der Gewerkschaft der Gymnasiasten und der Studentenvereinigung, deren Positionen denen von „La France insoumise“ nahe stehen, die Front des Protests so weit wie möglich zu erweitern
      …“ franz. Leitartikel vom 5.10. in Le Monde externer Link (maschinenübersetzt)
    • Vorfall in Lens Polizeigranate reißt 15-Jährigem bei Schülerprotest in Frankreich die Hand ab
      „Eine von der Polizei eingesetzte Granate hat bei Protesten im nordfranzösischen Lens einen Schüler schwer verletzt. Der 15-Jährige wird in einer Klinik behandelt. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet…“ Agenturmeldung vom 05.10.2026 im Spiegel online externer Link
    • Über 5000 Fälle von Repressionen gegen Schüler:innen bei Blockaden in Frankreich: Eine Einordnung
      „Über 5000 Festnahmen bei Schulblockaden in Frankreich, an denen knapp ein Drittel der weiterführenden Schulen landesweit beteiligt sind. Die Meldungen über Repressionen überschlagen sich tagtäglich, wir wollen eine Übersicht dazu geben…“ Beitrag von Markus Frühling vom 05.10.2026 auf klassegegenklasse.org externer Link
    • Revolte an Frankreichs Schulen: Eine „Gelbwesten“-Bewegung der Jugend?
      „Die Proteste der Schüler:innen in Frankreich beginnen die Unzufriedenheit einer ganzen Generation zu bündeln. Die Wirkung ihrer Bewegung wird davon abhängen, ob sie sich organisieren und Verbündete finden kann – in der Studierenden- und besonders in der Arbeiter:innenbewegung. (…)
      ‚Wenn die Ränder die Initiative ergreifen
      Der Ursprung der Proteste in den Oberschulen der Pariser Banlieues erweist sich als entscheidend. Der Politikwissenschaftler Ulysse Rabaté von der Universität Paris 8 im Vorort Saint-Denis, hat darauf hingewiesen, dass der Protest eine „besondere Erfahrung von Ungleichheiten“ sichtbar werden lässt, die an den Schulen in Seine-Saint-Denis und Val-de-Marne herrschen, wo die Bewegung ihren Ausgang genommen hat. Normalerweise gelten diese von staatlichem Rassismus betroffenen Jugendlichen als Probleme, mit denen es umzugehen gilt. Nun sind sie als Protagonist:innen in einem Kampf um ihre Bildung hervortreten. Die politische Initiative geht von Milieus aus, denen die Fähigkeit zum eigenständigen Handeln allgemein abgesprochen wird. Im Zentrum der Wut steht das Versprechen der „Gleichheit“, das an der Realität der materiellen Bedingungen scheitert. Was bedeutet es, von allen Jugendlichen denselben schulischen Einsatz zu verlangen, wenn Lehrkräfte fehlen, die Gebäude verfallen und die Ressourcen zur Betreuung der Schüler:innen in einem Teil der Schulen unzureichend sind? Wie kann das Versagen dem individuellen Verhalten zugeschrieben werden, wenn die Lernbedingungen so ungleich sind? Das Problem geht über die Mauern einer einzelnen Schule hinaus. Die Schule ist einer der Orte, an denen Kinder aus Arbeiter:innenfamilien den Widerspruch erleben zwischen dem Versprechen eines sozialen Aufstiegs und den Hürden, auf die sie stoßen, wenn sie diesen verwirklichen wollen. (…) Anfängliche Beobachtungen aus der Bewegung deuten darauf hin, dass die Solidarität mit den Jugendlichen aus den Arbeiter:innenvierteln gegen die Repression die sozialen Unterschiede zwischen den Schulen überschreitet. Sollte sich dieser Trend bestätigen, wird er ein klassisches Manöver erschweren: die Proteste und ihre Methoden auf die Jugend der Arbeiter:innenviertel zu beschränken und sie gegenüber dem Rest der Gesellschaft als etwas Fremdes darzustellen. (…)
      Eine weitere Aufgabe liegt bei der Arbeiter:innenbewegung. Am Donnerstag bildeten Arbeiter:innen verschiedener Unternehmen aus Le Havre vor der Oberschule „François Ier“ eine Menschenkette, um die Jugendlichen vor der Polizei zu schützen. Dieses Ereignis bildet ein Beispiel für eine Art von Bündnis, die das Kräfteverhältnis verändern könnte. So eröffnet diese Geste über ihre lokale Bedeutung hinaus eine strategische Perspektive. Die Jugend ist nicht mehr auf sich allein gestellt, wenn organisierte Gruppen von Arbeiter:innen ihre Verteidigung als ihre eigene Aufgabe betrachten. (…)
      Vor den Toren des Lycée Faidherbe in Lille war an diesem Donnerstag auf einem Transparent zu lesen: „Du willst uns verarschen? Dann geben wir dir Mai ’68.“ Dieser Spruch eröffnet eine Perspektive, an deren Gestaltung wir mitwirken müssen: dafür zu sorgen, dass die Revolte der Jugend mit der Kraft der Arbeiter:bewegung zusammenfindet. Umso mehr, als die Initiative der Jugendlichen denjenigen Teilen neues Selbstvertrauen geben könnte, die in den letzten Jahren Niederlagen erlitten haben oder deren Mobilisierungen selten die erhofften Ergebnisse gebracht haben…“ Bericht von Juan Chingo vom 03.10.2026 auf klassegegenklasse.org externer Link – dieser Artikel erschien zuerst am 1. Oktober in unserer französischen Schwesterzeitung Révolution Permanente.
    • Die Richtergewerkschaft fordert, „die Jugend nicht länger zu unterdrücken, um sie zum Schweigen zu bringen“
      „Die Gewerkschaft protestiert gegen die „brutale Reaktion“ auf „die berechtigte Wut der Schüler“: „Einsatz von Tränengas, gewaltsame Festnahmen und verletzende nicht-tödliche Waffen“. Die Richter werfen Gérald Darmanin vor, keine „Strategie zur Deeskalation“ zu verfolgen.
      „Hören wir auf, die Jugend zu unterdrücken, um sie zum Schweigen zu bringen“, fordert die Richtergewerkschaft (SM) am Freitag, dem 2. Oktober, in einer Pressemitteilung, die franceinfo vorliegt, während die Proteste an Gymnasien und Universitäten weitergehen und es überall in Frankreich zu zahlreichen Spannungen zwischen Jugendlichen und den Ordnungskräften kommt. Die Gewerkschaft fordert ein Ende der „Brutalisierung der sozialen Bewegung der Schüler*innen“.
      „Angesichts der berechtigten Wut der Schüler*innen hat sich die Regierung für eine brutale Reaktion entschieden“, kritisiert die Gewerkschaft, die eine Strategie der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung beschreibt, die „der besonderen Verletzlichkeit dieser Bewegung, die sich hauptsächlich aus Kindern zusammensetzt, nicht gerecht wird – deren Schutz nicht nach Belieben angepasst werden darf“. Die Richtergewerkschaft kritisiert scharf den „Einsatz von Tränengas gegen Schüler*innen, brutale Festnahmen sowie den Einsatz von verletzenden, nicht-tödlichen Waffen – LBD, Sprenggranaten“ und erinnert daran, dass nach einer am Donnerstag erstellten aktuellen Bilanz 119 Schüler*innen verletzt wurden und dass die IGPN, die Polizeiaufsichtsbehörde, bereits mehrfach eingeschaltet wurde. „Der Innenminister hat keinerlei Strategie zur Beruhigung der Lage und zur Deeskalation vorgelegt“, so die Gewerkschaft…“ franz. Meldung vom 02/10/2026 bei franceinfo externer Link (maschinenübersetzt) zur Pressemitteilung von syndicat de la magistratureexterner Link (SM) – die zweitgrößte Richtergewerkschaft in Frankreich
    • „Die Nachrichtensendung des Senders France 2 in dieser Woche zu den Schüler*innenprotesten: 75% zu Gewalt und Zerstörung, 12% Anschuldigungen gegen LFI, nur 8% zu den Forderungen der Schüler*innen. So wird Meinung gemacht.“ Post von Volkmar Wölk vom 3.10.26 auf bsky externer Link zu entsprechendem Diagramm
    • Gegen große Klassen und Benachteiligung der Banlieue: Große Proteste an französischen Schulen stoßen auf u.a. rassistische Gegenkampagne
      „In Frankreich gibt es mal wieder Proteste. Eine gewisse Wucht scheinen vor allem die Schülerinnen und Schüler zu haben, die gegen zu große Klassen von 35 SchülerInnen und schlechte Lernbedingungen protestieren und zahlreiche Schulen blockieren. Auch Studierende gehen u.a. gegen neue Studiengebühren auf die Straße. Am 29. September demonstrierten zudem Frankreichweit etwa 200.000 Menschen gegen die Sparpläne der Regierung, u.a. gegen das Einfrieren der Löhne im öffentlichen Dienst, wo es seit Jahren zu Reallohnverlusten kommt. Auch an diesem Protesttag waren Schülerinnen und Schüler sehr präsent. Über die aktuellen Proteste haben wir mit unserem Frankreichkorrespondenten, den freien Journalisten und Juristen Bernard Schmid, gesprochen.“ Interview vom 2.10.2026 im Radio Dreyeckland externer Link Audio Datei
    • Am Mittwoch, dem 30. September, in Tours verletzter Gymnasiast: „Maël hat die Sehkraft seines Auges verloren“
      „Es ist eine schreckliche Nachricht, die am Freitag, dem 2. Oktober 2026, von mehreren Quellen gegenüber „La Nouvelle République“ bestätigt wurde: Maël, ein 16-jähriger Gymnasiast, der am Mittwoch, dem 30. September, am Rande der Schülerdemonstrationen in Tours schwer verletzt wurde, hat die Sehkraft seines rechten Auges verloren…“ franz. Artikel von Bertrand SLEZAK vom 02/10/2026 in lanouvellerepublique.fr externer Link – Rest im Abo
    • „Hier ein paar Bilder der französischen Schüler*innen, die es nicht in die Nachrichten geschafft haben und eine andere Perspektive eröffnen. (Es gibt gute Reden.) Die Feuerwehr hat sich mit ihnen wohl solidarisiert. (Hab einen Liegestütz-Wettkampf zwischen einem Schüler und einem Polizisten gesehen.)“ Post von Dejan Mihajlović vom 2.10. auf bsky externer Link mit einem Video
    • „Gewerkschafter und Schüler, Hand in Hand
      Seit Beginn der Mobilisierungen tauchen in den sozialen Netzwerken zahlreiche Fotos und Videos von Gewerkschaftern auf, die Schüler schützen. Gestern bildete die CGT in Le Havre und Poissy eine Menschenkette, um sich zwischen Schüler und Polizei zu stellen. Heute steht sie den Schülern der Hélène-Boucher-Schule in Paris zur Seite. In Bordeaux begleitet die FO die Jugendlichen bei Demonstrationen oder in der Umgebung ihrer Schulen, wie beispielsweise am Gymnasium von Barp
      .“ franz. Meldung mit Foto im franz. Dossier der l’Humanité mit laufender Berichterstattung externer Link am 2.10.2026 (maschinenübersetzt)
    • Der gefährliche Funke: Jugendmobilisierungen waren in Frankreich schon immer Auslöser großer gesellschaftlicher Umbrüche. Daher werden sie diffamiert, meint »L’Humanité«.
      „… Was die Machthabenden wirklich beunruhigt, ist nicht die mögliche Blockade einer Schule für einige Stunden. Es ist die mögliche »Ansteckung«. Die Befürchtung, dass ein Schüler aus Montauban, Grenoble oder Saint-Brieuc seine eigene Situation in der eines Schülers aus Saint-Denis oder Villejuif wiedererkennen könnte: Derselbe Ressourcenmangel, dieselben überfüllten Klassenzimmer, dasselbe Gefühl, dass die öffentlichen Schulen jedes Jahr ein bisschen weiter verfallen. Damit wird es ebenso schwierig, die Schüler wieder in den Unterricht zu bekommen, wie Zahnpasta zurück in die Tube.
      Am effektivsten wird von den Kritikern der Schulproteste offenbar angesehen, wenn diese auf eine klar definierte Kategorie beschränkt werden: das »Problem der Jugendlichen aus den Vororten«. Dabei wird betont, dass diese Jugendlichen einen Migrationshintergrund hätten. In diesem Kampf um die Deutungshoheit spielen rechte und rechtsextreme Medien eine zentrale Rolle. Die Art und Weise, wie bestimmte Fälle behandelt werden, ist aufschlussreich. (…)
      Die Nervosität der Regierung und der rechten Medien ist verständlich: Jugendmobilisierungen waren in Frankreich schon immer Auslöser großer gesellschaftlicher Umbrüche. Junge Menschen besitzen eine einzigartige Triebkraft: Sie mobilisieren Eltern und Lehrer und schaffen eine Annäherung, die Regierungen fürchten, insbesondere angesichts brodelnder sozialer Unzufriedenheit. Wenn Gymnasien blockiert werden, signalisiert dies, dass die gesamte Gesellschaft vom »Umkippen« bedroht ist.
      “ Artikel von Stéphane Sahuc am 01.10.2026 in ND online externer Link – Stéphane Sahuc ist Chefredakteur der »L’Humanité«. Der Text ist am 29. September in der linken französischen Zeitung erschienen und wurde nachbearbeitet.
    • Nachhilfe auf französisch: Sozialproteste im Nachbarland
      „Frankreich erlebt einen heißen Herbst. Was vor zehn Tagen mit der Blockade eines Lycées in Créteil in der Pariser Banlieue begann, hat sich inzwischen zu einer landesweiten Protestbewegung gegen die Kürzungspolitik der Regierung entwickelt. An diesem Donnerstag schlossen sich die Studenten den Schülern an und blockierten in zahlreichen Städten die Universitäten. Auch die Gewerkschaften solidarisieren sich mit der Bewegung und drohen mit weiteren Streiks. Für Dienstag kommender Woche ist nun eine Großdemonstration geplant. Premierminister Sébastien Lecornu reagierte am Donnerstag mit der Einberufung eines Krisenstabs. (…)
      Deutschland sollte genau hinschauen. Friedrich Merz verkauft dieselbe Logik als »Wirtschaftswende«: Unternehmen entlasten, Investitionsanreize rauf – dann werde es schon wieder. Frankreich hatte davon fast zehn Jahre. Die Krise des westlichen Kapitalismus verschwindet aber nicht, indem man Konzerne beschenkt und bei der Mehrheit kürzt.
      Frankreich liefert aber noch eine zweite Lektion: wie man Widerstand organisiert. Die Schüler protestieren entschiedener als hierzulande. Selbst die Proteste gegen die Wehrpflicht wirken daneben vorsichtig. Französische Gewerkschaften solidarisieren sich, drohen mit Streiks und versuchen, soziale Kämpfe zusammenzuführen. Der DGB könnte sich daran ein Beispiel nehmen. Frankreich zeigt Deutschland also zweierlei: wohin die alten Rezepte führen und wie man sich ihnen entgegenstellt
      .“ Kommentar von Raphaël Schmeller in der jungen Welt vom 02.10.2026 externer Link
    • Frankreichs Schüler rebellieren – Lehrkräfte solidarisieren sich („Forderungen sind berechtigt“)
      „PARIS. Hunderte französische Lycées sind von Protesten und Blockaden betroffen. Was zunächst an einzelnen Schulen im Großraum Paris begann, hat sich binnen weniger Tage zu einer landesweiten Bewegung entwickelt. Die Jugendlichen beklagen fehlende Lehrkräfte und anderes Personal, überfüllte Klassen, schlechte Gebäude und kaum tragbare Stundenpläne. Ihnen zur Seite springt Frankreichs größte Gewerkschaft der Sekundarschullehrkräfte, der SNES-FSU. Dessen Generalsekretärin Sophie Vénétitay sieht in den Forderungen der Jugendlichen Probleme beschrieben, vor denen die Lehrkräfte selbst seit Langem warnen. (…)
      Wie schnell aus einzelnen Protesten eine landesweite Bewegung geworden ist, zeigen die Zahlen. Am Dienstag wurden nach Recherchen von „Le Monde“ Aktionen an knapp 410 Lycées gezählt – mehr als elf Prozent aller öffentlichen und privaten Schulen dieser Schulform in Frankreich. Das Bildungsministerium registrierte 45 vollständige Blockaden und 46 Blockadeversuche. Die Mehrheit der Aktionen verlief nach dem Bericht friedlich.
      Wie unterschiedlich die Bedingungen an den Schulen erlebt werden, zeigen Recherchen der Zeitung in Aubervilliers und Montreuil. Jugendliche berichten dort von Schwierigkeiten, ausgefallene Lehrkräfte zu ersetzen, von undichten Gebäuden und zu heißen Klassenräumen. Eine Schülerin aus Aubervilliers erzählt, in ihrem Mathematik-Leistungskurs fehle jede Woche eine Unterrichtsstunde. Andere berichten von Klassen mit 35 Schülerinnen und Schülern, in denen teilweise sogar Tische und Stühle fehlen. (…)
      Am Dienstag stieg die Zahl der Festnahmen nach Angaben des Innenministeriums auf 440, überwiegend handelte es sich um Minderjährige. Bildungsminister Édouard Geffray berichtete von mindestens zehn verletzten Beschäftigten des Bildungswesens und mehreren verletzten Schülerinnen und Schülern. Ein Lehrer sei geschlagen, ein Schulleiter durch einen Feuerwerkskörper verletzt worden. Die französische Ausgabe von Euronews berichtete darüber unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP. (…)
      Premierminister Sébastien Lecornu kritisierte eine „unverantwortliche Überbietung“ durch LFI-Politiker, die zur Ausweitung der Blockaden aufriefen. LFI wiederum wirft der Regierung Repression vor. Zwischen diesen beiden Deutungen – Gewalteskalation auf der einen, Repression auf der anderen Seite – droht allerdings der Ausgangspunkt der Bewegung in den Hintergrund zu geraten: die Situation in den Schulen.
      Darauf verweist Sophie Vénétitay. Die Generalsekretärin des SNES-FSU, der größten französischen Gewerkschaft der Lehrkräfte an weiterführenden Schulen, ist selbst Lehrerin für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Gegenüber AFP stellte sie sich ausdrücklich hinter die inhaltlichen Anliegen der Jugendlichen.
      „Die Schülerinnen und Schüler, die sich mobilisieren, bringen berechtigte Forderungen zum Ausdruck“, sagte Vénétitay der Nachrichtenagentur. Zugleich zieht sie eine klare Grenze zur Gewalt: „Sie müssen ihre Forderungen und ihre Wut in einem friedlichen Rahmen äußern können.“ Wahllose Polizeieinsätze seien allerdings ebenfalls nicht akzeptabel und würden von ihrer Gewerkschaft verurteilt.
      Vénétitays Position ist dabei nicht erst unter dem Eindruck der aktuellen Proteste entstanden. Schon Wochen zuvor hatte sie vor einer strukturellen Personalnot an Frankreichs Schulen gewarnt.
      Zum Schuljahresbeginn legten der SNES-FSU und die Schulleitungsgewerkschaft SNPDEN-UNSA eigene Erhebungen vor. Nach der Befragung des SNES-FSU fehlte in der ersten Schulwoche an 53 Prozent von rund 1.000 untersuchten Collèges und Lycées mindestens eine Lehrkraft. Der SNPDEN-UNSA kam bei seiner Erhebung unter Schulleitungen sogar auf 65 Prozent. Besonders betroffen waren nach Angaben des SNES-FSU Mathematik, Französisch sowie Physik und Chemie.
      „Das staatliche Bildungswesen ist nicht mehr in der Lage, einen normalen Schuljahresbeginn sicherzustellen. Das müsste ein nationaler Skandal sein“
      Der Mangel beschränkt sich demnach nicht auf Lehrkräfte. Vier von zehn Schulen berichteten über fehlende Assistenzkräfte für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen, zwei von zehn suchten noch Aufsichtspersonal. Zählt man diese Berufsgruppen hinzu, waren nach der Erhebung des SNES-FSU an 70 Prozent der Schulen die Teams nicht vollständig. (…)
      Lehrkräfte widersprechen deutlich. Der SNES-FSU hat sich inzwischen gemeinsam mit den Gewerkschaften SNEP-FSU und SNUEP-FSU offiziell hinter die schulpolitischen Anliegen der Jugendlichen gestellt. In einer gemeinsamen Erklärung vom 29. September nennen die Verbände „Personalmangel, marode Gebäude, zu viele Schülerinnen und Schüler pro Klasse, untragbare Stundenpläne“ als Gründe der Bewegung. Ihr Urteil fällt eindeutig aus: „Ihre Forderungen sind berechtigt!
      “ Bericht vom 30. September 2026 bei News4teachers externer Link mit Video
    • „Akt 2“ am Donnerstag, Plattform für den Dialog… Ein Überblick über die Wut der Gymnasiasten
      „Die Bewegung, die in mehreren Schulen in den Pariser Vororten ihren Anfang nahm, hat mittlerweile 356 Gymnasien in Frankreich erfasst. Zwischen Forderungen nach mehr Ressourcen, Gewalttaten und Ermittlungen der IGPN zeichnet sich ab, dass der Protest auf Dauer angelegt ist. (…)
      „Wir billigen keine Zerstörungen, wir sind wirklich hierhergekommen, um unsere Rechte zu verteidigen, denn wir haben schreckliche Arbeitszeiten – wir arbeiten von 8:00 bis 18:00 Uhr, und das ist nicht normal“, erklärte Juan, Schüler des Gymnasiums Montbello in Lille, gegenüber der AFP. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Gymnasiasten (USL), Ryad Rani, prangerte seinerseits die „Verachtung“, die „Repression der Regierung“ und die „unerhörte Gewalt (der Ordnungskräfte) gegenüber den Gymnasiasten“ an.
      Die Bewegung soll am Donnerstag fortgesetzt werden, da die USL zu einem „zweiten Akt“ aufgerufen hat, bevor am 6. Oktober ein weiterer Aktionstag geplant ist. Auch die Fage, die Union étudiante und die Unef unterstützen die Mobilisierung und rufen zu Demonstrationen und Blockaden auf. Die Generalsekretärin der Union étudiante, Eloise Lefebvre-Milon, fordert „massive“ Investitionen in Gymnasien und Universitäten und wirft Emmanuel Macron vor, „sein letztes Jahr zu nutzen, um die Zerschlagung der öffentlichen Dienste zu vollenden“
      …“ franz. Bericht vom 01/10/2026 von 20 Minutes avec AFP externer Link mit Video (maschinenübersetzt)
    • „Barrikaden aus Absperrgittern und Mülltonnen: Mehrere hundert Oberschüler/innen  blockieren an diesem Mittwoch das Lycée Henri Loritz in Nancy.“ Post von Ardor 30.09.2026 auf bsky externer Link zu einem sehenswerten Video
    • „625 Festnahmen, mindestens 119 Verletzte bisher bei den Schüler*innenprotesten in Frankreich. Diese weiten sich auf das gesamte Land aus. Die Behörden befürchten ein Übergreifen der Bewegung auf die Universitäten. Vor einem neuen 1968?
      Begonnen hatte die Protestbewegung an einigen Gymnasien im Großraum Paris. Gestern hatte sie bereits 356 Schulen ergriffen. Für heute wird eine weitere Ausbreitung erwartet.
      Bruno Retailleau, Präsidentschaftskandidat der Konservativen, fordert als Reaktion auf die Schüler*innenproteste das Verbot des LFI. „Wir haben eine Partei, die von Gewalt fasziniert ist, zum Aufruhr aufruft und sogar versucht, einen Aufstand zu organisieren.“
      „Das staatliche Bildungswesen ist nicht mehr in der Lage, einen normalen Schuljahresbeginn sicherzustellen. Das müsste ein nationaler Skandal sein“, sagt die Vorsitzende der größten Lehrer*innengewerkschaft. Die Forderungen der Schüler*innen seien berechtigt.
      Akt 2 der Schüler*innenproteste in Frankreich. Immer mehr Gymnasien werden blockiert, Aktionen auch an über 30 Universitäten, die Regierung bildet einen Krisenstab. Liveberichterstattung unter dem Link unten
      .“ Thread von Volkmar Wölk vom 01.10.2026 auf bsky externer Link zu:
    • Blockierte Gymnasien, mobilisierte Universitäten … Verfolgen Sie live den zweiten Akt der Bewegung
      franz. Dossier der l’Humanité mit laufender Berichterstattung externer Link vom 1.10.
  • „“Französische Jugendliche haben am Dienstag Mülltonnen angezündet und im Zusammenstoß mit der Polizei Gegenstände geworfen. Sie halten weiter einige Gymnasien mit Blockaden besetzt und fordern bessere Lernbedingungen.“ „Seit vergangener Woche protestieren die Schüler bereits vor ihren Schulen. Sie klagen über Stundenpläne, überfüllte Klassen, Lehrermangel und überhitzte Räume nach den jüngsten Hitzewellen.“ Post von ernstd vom 29.9. auf bsky externer Link
  • Frankreich: Schüler:innen blockieren Gymnasien gegen Sparpolitik, Rassismus und Polizeirepression
    „In den prekären Vierteln des Großraums Paris blockieren Gymnasiast:innen seit einer Woche ihre Schulen. Trotz des brutalen Vorgehens der Polizei halten sie stand, um den Leistungsdruck in der Schule, die soziale Selektion und den Rassismus der Polizei zu bekämpfen. (…) Am 28. September bildeten Lehrer:innen und Aufsichtspersonen in Saint-Denis, die bereits seit mehreren Tagen im Streik waren, eine Menschenkette, um ihre Schüler:innen zu schützen und sich zwischen sie und die Polizei zu stellen. Einige Tage zuvor hatten die Aufsichtspersonen bereits eine Kundgebung vor der Polizeistation der Stadt organisiert, um die Freilassung der Festgenommenen zu fordern.
    Eine vorbildliche Solidarität, die den Weg in die Zukunft weist. In Gonesse haben Lehrkräfte und Schüler:innen sogar gemeinsam eine Gewerkschaftssitzung organisiert, um die Forderungen zu besprechen. Tatsächlich haben die Mobilisierungen der Gymnasiast:innen oft damit begonnen, die Forderungen der Lehrer:innen zu übernehmen, wenn diese wegen fehlender Mittel in den Streik traten. Sie fügen diesen wesentliche politische Forderungen hinzu, die sich gegen die Rolle der schulischen Institution in der kapitalistischen Gesellschaft richten: die Heranbildung gefügiger Arbeiter:innen, die dazu erzogen werden, Angst vor den Chefs (oder Lehrer:innen) zu haben und brav zu gehorchen. (…) Diese einwöchige Mobilisierung im Großraum Paris hat bereits Ideen in anderen Gymnasien Frankreichs, aber auch an den Universitäten geweckt. Für den 29. September rufen die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes seit mehreren Wochen zu einem Mobilisierungstag auf – gegen den Regierungshaushalt, der Kürzungen in Höhe von 54 Milliarden vorsieht, um weiterhin Geschenke an die Bosse zu machen und um die massive Aufrüstung Frankreichs zu finanzieren. Nach einem Sommer, der von riesigen Waldbränden geprägt war, stehen die Feuerwehrleute, die die Haushaltskürzungen am härtesten zu spüren bekommen, an vorderster Front der Demonstrationen. Die Mobilisierung der Schüler:innen könnte diesem isolierten Aktionstag ein kämpferisches und explosiveres Gesicht verleihen. Heute Morgen wurden in mehreren Städten – in Paris, Bordeaux, Rennes, Lyon, Marseille, Le Mans, Lille und Toulouse – Gymnasien blockiert.
    Denn die Stimme der Schüler:innen drückt etwas Tieferes im Land aus. In den letzten Wochen zeigen virale Videos auf TikTok junge Arbeit:innen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, die ihre gelben Westen anziehen und dazu aufrufen, die Aufstandsbewegung von 2018–2019 ab dem 17. Oktober wieder aufzunehmen. Angesichts der stetig steigenden Preise, insbesondere für Benzin, der stagnierenden Löhne und der ständigen Angriffe der Regierung auf das Gesundheitswesen und die Renten, mangelt es nicht an Wut
    …“ Artikel von Joachim Bertin vom 29.09.2026 bei Klasse gegen Klasse externer Link
  • Blockaden an Gymnasien: Ein Gymnasiast wurde durch einen Schuss der Polizei mit einem „Cougar“-Gewehr im Gesicht verletzt, Ermittlungen wurden eingeleitet
    „Nach Angaben des Innenministers war der Betrieb von 180 Schulen am Montag, dem 28. September, durch eine Schülerbewegung beeinträchtigt. Die Ordnungskräfte nahmen 164 Personen fest.
    Es wurde eine Untersuchung eingeleitet und der Generalinspektion der Nationalpolizei (IGPN) übertragen, nachdem ein Polizist einen „Cougar“ – einen bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung eingesetzten Granatwerfer – abgefeuert hatte, wodurch ein Schüler verletzt wurde, wie BFMTV am Montag, dem 28. September, aus einer der Untersuchung nahestehenden Quelle erfuhr. Außerdem wurde der Polizeiwache von Cergy eine Ermittlung wegen Gewalt gegen Amtsträger übertragen.
    Seit einer Woche versammeln sich Schüler aus der Region Île-de-France vor ihren Schulen, um gegen ihre Bildungsbedingungen zu protestieren. Der Jugendliche wurde heute Morgen bei einer Blockade an der Berufsschule „Château d’Épluches“ in Saint-Ouen-l’Aumône (Val-d’Oise) im Gesicht verletzt. Laut in den sozialen Netzwerken verbreiteten Bildern wurde der Schuss aus sehr kurzer Entfernung auf den Schüler abgefeuert, offensichtlich ohne die vorgeschriebene Regel zu beachten, dass Schüsse im Bogen und nicht direkt abgefeuert werden müssen
    …“ franz. Artikel von Alexandra Gonzalez und Salomé Robles vom 28.9.26 auf bfmtv externer Link (maschinenübersetzt)
  • Proteste an Frankreichs Schulen: Schüler geraten mit der Polizei aneinander
    „In Paris und anderen Städten in Frankreich kam es zu großen Demonstrationen. Landesweit legten Lehrkräfte und Feuerwehrleute die Arbeit nieder, der Nahverkehr lief indes weitgehend normal.
    Französische Jugendliche haben am Dienstag Mülltonnen angezündet und im Zusammenstoß mit der Polizei Gegenstände geworfen. Sie halten weiter einige Gymnasien mit Blockaden besetzt und fordern bessere Lernbedingungen.
    Seit vergangener Woche protestieren die Schüler bereits vor ihren Schulen. Sie klagen über Stundenpläne, überfüllte Klassen, Lehrermangel und überhitzte Räume nach den jüngsten Hitzewellen. Die Bewegung an den Lycées, den Oberstufenschulen in Frankreich, begann in der Region Île-de-France rund um Paris. Die Bildungsbehörden meldeten am Dienstag Blockaden an etwa zehn Schulen. Inzwischen haben sich die Demonstrationen auf Städte im ganzen Land ausgeweitet. (…) Vor dem Lycée Lamartine in Paris versammelten sich rund 80 Schüler mit Plakaten. Darauf standen Slogans wie „Mehr Unterrichtsstunden als Schlaf“ und „8:00 Uhr bis 18:00 Uhr, sind wir Schüler oder stehen wir unter Arrest?“
    Am Lycée Bréquigny in Rennes, dem größten Gymnasium der Bretagne, kam es zu angespannten Szenen. Rund 100 Schüler bewarfen das Gebäude mit Gegenständen, berichtete ein Videojournalist von AFP.
    Die Aktionen fallen zusammen mit einem landesweiten Protesttag der Gewerkschaften, die Demonstrationen und Streiks gegen den Haushalt von Premierminister Sébastien Lecornu, einem engen Vertrauten von Präsident Emmanuel Macron, angekündigt haben.
    Französische Polizisten stehen Schülern am Eingang des Baggio-Gymnasiums in Lille gegenüber, 29. September 2026 (…)
    „Die Wut ist enorm. Ich warne die Regierung: Sie muss auf die Forderungen eingehen und den Haushaltsentwurf überarbeiten. Er ist gefährlich für das Land und steuert uns mit 200 Stundenkilometern direkt gegen die Wand der Rezession“, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft CGT, Sophie Binet, dem Sender BFM TV.
    Eine 17-jährige Schülerin am Lycée Lamartine, die anonym bleiben wollte, sagte, die Jugendlichen seien wegen fehlender Ressourcen, überhitzter Klassenräume und übervoller Stundenpläne wütend geworden. „Wir sind auch hier, um unsere Lehrkräfte zu unterstützen, die im Verhältnis zu ihrem Lohn wahnsinnig viel arbeiten müssen“, sagte sie der AFP. (…)
    Innenminister Laurent Nuñez berichtete von 164 Festnahmen am Montag und davon, dass 180 Schulen betroffen seien. „Übergriffe können wir nicht akzeptieren“, sagte er.
    Im einkommensschwachen Pariser Vorort Seine-Saint-Denis schloss sich der LFI-Bürgermeister des Bezirks, Bally Bagayoko, einem Protest von mehreren hundert Jugendlichen am Lycée Paul-Eluard an. Er stimmte mit den Jugendlichen die Nationalhymne Marseillaise an, nannte die Proteste „vollkommen legitim“ und beklagte, dass ärmere Viertel weniger Mittel erhielten als wohlhabende Gegenden
    .“ Artikel von Gavin Blackburn vom 29/09/2026 auf Euronews externer Link
  • zur Polizeigewalt siehe auch Sebastian Roché auf bsky externer Link
  • Mobilisierung der Gymnasiasten: Das Demonstrationsrecht muss gewährleistet werden, die Polizeigewalt muss ein Ende haben
    „Seit letzter Woche mobilisieren sich Schüler*innen, um auf ihre Lernbedingungen, den Personalmangel und die unzureichenden Ressourcen an den Schulen aufmerksam zu machen. Die Gewerkschaft „Union syndicale Solidaires“ unterstützt diese Mobilisierungen zugunsten des öffentlichen Bildungswesens. Sie sind legitim, müssen ernst genommen werden und eine Antwort erhalten. Die einzige Reaktion der Regierung erfolgt durch die Polizei. Von überall her erreichen uns Bilder von seltener Gewalt. Schüler*innen, meist noch minderjährig, werden von Polizeibeamten geschlagen und mit Tränengas besprüht, obwohl nichts den Einsatz von Polizeigewalt zu rechtfertigen scheint.
    Diese vorsätzlichen Gewalttaten mit Waffen durch Personen, die öffentliche Autorität ausüben, sind schockierend und inakzeptabel. Umso schwerwiegender ist es, dass sie von der Regierung gedeckt und gefördert werden. Innenminister Laurent Nuñez hat seinerseits bei seiner Pressekonferenz am Abend des 28. September direkt eine Gewerkschaftsorganisation, SUD éducation, ins Visier genommen und dabei den vorschriftswidrigen Einsatz von Waffen gegen Schüler*innen gerechtfertigt, wie beispielsweise den Schuss aus nächster Nähe und direkt in den Kopf mit einer Tränengasgranate mithilfe eines „Cougar“-Werfers .
    Das Streikrecht und das Demonstrationsrecht müssen respektiert werden. Die Gewerkschaft „Solidaires“ ruft dazu auf, sich an die Seite der mobilisierten Schüler*innen zu stellen.
    Da sich die Bewegung voraussichtlich ausweiten wird, soll der Streiktag am 29. September dazu dienen, die Kämpfe und Forderungen zu bündeln.“ franz. Meldung vom 29.9.26 von Solidaires externer Link (maschinenübersetzt)

  • Solidarität mit den Schülerbewegungen, Schluss mit der Unterdrückung!
    „Schüler*innen aus rund zwanzig Gymnasien der Region Île-de-France haben sich die ganze Woche über für bessere Schulgebäude, bessere Lernbedingungen und gegen Diskriminierung eingesetzt. SUD éducation unterstützt diese Mobilisierung und ruft das gesamte Personal dazu auf, sich an die Seite der Gymnasialbewegung zu stellen, die auch in anderen Departements an Fahrt gewinnt.
    Ein inakzeptabler Mangel an Ressourcen
    Der Mangel an Ressourcen, unter dem die Schüler*innen seit mehreren Jahren leiden, wird unerträglich. Die Klassen sind überfüllt. Die Stundenpläne sind überlastet, und es wird kein Ersatzpersonal eingestellt (Lehrkräfte, medizinisch-soziales Personal und AESH). Da in den Räumen kein Platz ist, müssen die Schüler*innen den Unterricht manchmal ohne Möbel absolvieren. Der Lehrermangel macht es unmöglich, die Klassenstärken zu verringern, die oft weit über 35 Schüler*innen pro Klasse liegen. Dieser Mangel an Ressourcen trägt zur sozialen und schulischen Segregation bei, unter der Schüler*innen aus Arbeitervierteln leiden. Diese Situationen sind das Ergebnis politischer Entscheidungen, die zu einer Unterfinanzierung des öffentlichen Bildungswesens und zu einer Verstärkung der sozialen Selektion unserer Schüler*innen führen. Angesichts dieser katastrophalen Lernbedingungen fordert SUD éducation die sofortige Wiederaufnahme der Gymnasien – die seit 2015 ausgeschlossen sind – in die Karte der Bildungsschwerpunkte, damit die Schülerinnen und Schüler aus Arbeitervierteln endlich die für ihre Schulbildung notwendigen Mittel erhalten. (…)
    SUD éducation bekräftigt erneut seine uneingeschränkte Unterstützung für die Schüler*innen, die sich gegen diese Repression wehren. Wir werden ihre Forderungen zur Verteidigung eines inklusiven und emanzipatorischen öffentlichen Bildungswesens am Streik- und Demonstrationstag am 29. September vertreten.“ franz. Pressemitteilung vom 28.09.2026 von SUD éducation externer Link (maschinenübersetzt)
  • MOUVEMENT NATIONAL LYCÉEN
    Die erste ökologische, feministische, antifaschistische, antikapitalistische und revolutionäre Schülergewerkschaft! https://mnl-syndicat.fr/ externer Link und ihr Aufruf auf Insta externer Link
  • #SoutienAuxLycéens

Siehe für die Hintergründe auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=237894
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