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Beleidigt, belächelt, ignoriert: Was Menschen als Patienten erleben und warum es mehr Demokratie im Gesundheitssystem braucht
„Beleidigt, belächelt, ignoriert: Nikola Biller-Andorno wertet aus, was Menschen als Patienten erleben. Die Ethikerin sagt: Medizin muss unbedingt menschlicher werden. Seit zehn Jahren sammelt sie und erforscht die Erzählungen von Patientinnen und Patienten. Die Medizinethikerin Nikola Biller-Andorno von der Universität Zürich staunt, dass Patientenstimmen so wenig Gehör finden. Hier berichtet sie von Fällen, die ihr nachgingen – und erklärt, warum es mehr Demokratie im Gesundheitssystem braucht. (…) Wenn ich das auf eine einfache Formel bringen wollte, geht es oft um die drei Ks: Kümmern, Kommunizieren und Koordinieren. (…) Dafür hat man den Begriff moral injury geprägt: Auch Ärzte und Pflegekräfte nehmen Schaden, wenn sie ihren eigenen moralischen Standards nicht gerecht werden können. Deshalb brauchen wir eine Allianz. Wir müssen weg von der individuellen Ebene, auf der ein Arzt versagt hat – hin zur Systemebene. Letztlich geht es um die Frage: Wie kriegen wir mehr Demokratie ins Gesundheitswesen?…“ Interview von Claudia Wüstenhagen vom 15.3.2026 in der Zeit online
(„“Sie müssen abnehmen“, sagte der Chefarzt vor versammelter Mannschaft“) und mehr dazu:
- Nikola Biller-Andorno: Die Medizinerin und Philosophin leitet das Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte an der Universität Zürich. In der Schweiz hat sie eine Datenbank mit Patientennarrativen aufgebaut. Auf einer neuen Plattform – No Longer Patient
– will sie nun den Austausch zwischen Patienten, Angehörigen und Fachkräften fördern, um die Versorgung im Gesundheitssystem zu verbessern. - Biller-Andorno fordert: Patientenwohl muss vor Profit stehen
„Fallpauschalen setzen Krankenhäuser unter Druck und beeinträchtigen die medizinische Versorgung. Nikola Biller-Andorno fordert eine Reform, um die Qualität der Behandlung und ethische Standards zu sichern. Wir haben sie für ein NANO Science Date getroffen.
Im Spannungsfeld von Ökonomie und Ethik
Nikola Biller-Andorno, Professorin für Medizinethik an der Universität Zürich, kritisiert die Einführung der Fallpauschalen im Gesundheitssystem. Diese ökonomische Maßnahme führt dazu, dass Krankenhäuser stärker auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, was die Qualität der Patientenversorgung gefährdet. Es entsteht ein ungünstiger Druck, der sowohl zu Überversorgung als auch zu Unterversorgung führen kann.
Warum gefährdet Profitdruck die Patientenversorgung?
Die Fallpauschalen zwingen Krankenhäuser, Patienten schneller zu behandeln, um ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Dies kann zu einer Verzerrung der medizinischen Entscheidungen führen. Statt individuell auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen, werden ökonomische Interessen priorisiert. Die Folgen sind nicht nur eine schlechtere Patientenversorgung, sondern auch ethische Dilemmata für das medizinische Personal.
WIe steht es um das Wohl der Patienten?
Nikola Biller-Andorno fordert eine grundlegende Reform, um die Balance zwischen ökonomischen Zielen und ethischer Verantwortung wiederherzustellen. Sie sieht die Notwendigkeit, das Wohl der Patienten stärker in den Mittelpunkt zu stellen und ökonomische Anreize zu überdenken. Nur so kann die medizinische Versorgung dauerhaft verbessert und das Vertrauen in das Gesundheitssystem zurückgewonnen werden…“ Video des Interviews vom 05.12.2023 bei 3Sat

Siehe u.a. zum Thema auch:
- Dossier: Die Misere marktgerechter Kliniken – Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts „Der marktgerechte Patient“
- Das Gesundheitwesen als Reparaturbetrieb: Medizinische Vorsorge zwischen staatlichem Auftrag und Profitstreben – Krankenhäuser als Profitcenter
- Patienten als Kostenfaktor: Wie krank sind die Krankenhäuser?