Gewalt gegen Lehrkräfte ist nicht nur Privatproblem!

Dossier

Gewalt gegen Lehrkräfte (Verband lehrer nrw)„„Wenn zwei Drittel der befragten Lehrkräfte beim Thema Gewalt gegen Lehrkräfte mehr Engagement und Schutz von ihrem Dienstherren erwarten, ist das ein Alarmsignal an die Politik! Gewalt gegen Lehrkräfte wird häufig als jobimmanent abgetan und kleingeredet. Es ist skandalös, so zu tun, als sei es Bestandteil des Berufes, sich beleidigen, belästigen und körperlich angreifen zu lassen“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, die heute in Düsseldorf veröffentlichte repräsentative forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte“, die der VBE in Auftrag gegeben hatte…“ Pressemitteilung vom 14.11.2016 externer Link zur forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte“ – siehe die Studie und mehr zu Thema:

  • Bundesweite Polizeistatistik: Gewalt gegen Lehrkräfte nimmt deutlich zu New
    „… Lehrerinnen und Lehrer werden in Deutschland immer häufiger Opfer von Körperverletzung und anderen Formen von Gewalt. Das zeigt eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die einen Zeitraum von zehn Jahren umfasst. Danach stieg die Zahl der Fälle, in denen Lehrkräfte als Opfer vorsätzlicher einfacher Körperverletzung aktenkundig wurden, 2024 auf 1.283 Fälle. Zum Vergleich: In den Jahren 2015 bis 2023 meldeten die Polizeibehörden der Länder zwischen 717 und 1.017 Fälle an das Bundeskriminalamt (BKA). Dass es 2021 mit 564 Fällen deutlich weniger solcher Übergriffe gab, dürfte mit den vorübergehenden Schulschließungen während der Coronapandemie zu tun haben. Die PKS für 2025 ist noch nicht veröffentlicht. Die Auswertung der bundesweiten Polizeidaten zu Gewalttaten gegen Lehrkräfte liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Sie ist Teil einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion zur Sicherheit der Beschäftigten im öffentlichen Dienst. (…) Für die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Ayla Çelik, zeigen die aktuellen Zahlen deutlich, dass Gewalt gegen Lehrkräfte „ein ernstes und zunehmendes Problem“ sei. „Entscheidend ist jetzt, dass Lehrkräften der Rücken gestärkt wird und Gewaltvorfälle konsequent, schnell und verbindlich bearbeitet sowie geahndet werden“, forderte sie. Çelik verwies darauf, dass die PKS nur angezeigte Straftaten abbilde und damit lediglich das Hellfeld zeige. „Viele Vorfälle – insbesondere verbale und psychische Gewalt – werden nicht erfasst“, so Çelik. Die GEW fordere seit längerem bereits von den Schulministerien die Einrichtung eines vereinfachten Meldesystems. „Parallel müssen den Schulen die Ressourcen, vor allem Zeitressourcen, und Unterstützungssysteme zur Verfügung gestellt werden, die ihnen ermöglichen, gelingend und nachhaltig Präventionsarbeit zu gestalten“, sagte Çelik. Ein deeskalierendes, wertschätzendes Miteinander müsse im schulischen Alltag eingeübt und professionell begleitet werden. Ziel müsse es sein, über klare Interventionskonzepte, flächendeckende Fortbildungen zu Deeskalation sowie eine bessere Ausstattung von Schulsozialarbeit und Schulpsychologie dafür zu sorgen, dass Schule ein Ort der Beziehung, Teilhabe und Unterstützung bleibe. (…) Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Marcel Emmerich, findet es alarmierend, dass die Gewalt gegen Menschen zunimmt, die in ihrem beruflichen Alltag Verantwortung für die öffentliche Infrastruktur, die Sicherheit und die Bildung künftiger Generationen tragen. Besonders besorgniserregend sei, dass sich die Zahl der Gewaltvorfälle gegen Lehrkräfte in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt habe. Emmerich sagt: „Es ist höchste Zeit für wirksame Schutzkonzepte.“ Diese müssten auf die jeweilige Berufsgruppe zugeschnitten sein. Ebenso wichtig seien einheitliche Verfahrensstandards für den Umgang mit Übergriffen sowie der Einsatz verlässlicher technischer Unterstützung, etwa durch moderne Alarmsysteme…“ Meldung vom 10. April 2026 in der taz online externer Link und dazu:

    • Anstieg der Gewalt gegen Lehrkräfte: In den letzten zehn Jahren hat die Gewalt gegen Lehrkräfte kontinuierlich zugenommen. Die GEW NRW fordert präventive Maßnahmen.
      Die noch unveröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), die der dpa vorliegt, zeigt einen deutlichen Anstieg der Gewalt gegen Lehrkräfte. Die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW NRW, Ayla Çelik, betont: „Die aktuellen Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen deutlich: Gewalt gegen Lehrkräfte ist ein ernstes und zunehmendes Problem. Jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel. Entscheidend ist jetzt, dass Lehrkräften der Rücken gestärkt wird und Gewaltvorfälle konsequent, schnell und verbindlich bearbeitet sowie geahndet werden.
      Gleichzeitig ist eine differenzierte Betrachtung notwendig: Die PKS bildet nur angezeigte Straftaten ab und zeigt damit lediglich das Hellfeld. Viele Vorfälle – insbesondere verbale und psychische Gewalt – werden nicht erfasst. Eine langjährige Forderung der GEW NRW an das Schulministerium ist daher, die Einrichtung eines vereinfachten Meldesystems. Das Meldeverfahren bei Gewalt gegenüber Beschäftigten muss leicht handhabbar, digital und rechtssicher sein.“ (…)
      Ziel muss es sein, über klare Interventionskonzepte, flächendeckende Fortbildungen zu Deeskalation sowie eine bessere Ausstattung von Schulsozialarbeit und Schulpsychologie dafür zu sorgen, dass Schule ein Ort der Beziehung, Teilhabe und Unterstützung bleibt. Nur so werden Lehrkräfte und Schüler*innen geschützt – und genau das ist aus meiner Sicht einer der Kernaufträge der Bildungspolitik“, so Çelik weiter. Die Gewerkschafterin sieht nun die Politik gefordert, nachhaltig zu handeln: „Wir dürfen dabei nicht aus dem Blick verlieren, dass Gewalt an Schulen oft Ausdruck gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen ist – etwa familiärer Belastungen oder problematischer Einflüsse durch soziale Medien. Der DGB weist mit seiner Kampagne „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ auf den grundsätzlichen Anstieg hin. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Schulträger jetzt entschlossen handeln. Für Beschäftigte und für die Schüler*innen müssen Schulen angstfreie, sichere Orte sein, an denen Gewalt keinen Platz hat
      .““ Pressemitteilung der GEW NRW vom 10.04.2026 externer Link
  • Gewalt im Schuldienst – Mehr Unterstützung für Opfer
    Gewalt gegen Lehrkräfte ist für zu viele Beschäftigte an unseren Schulen Alltag und wird leider zu oft nicht angezeigt. Welche Dimensionen hat Gewalt gegen Lehrkräfte und pädagogisches Personal in Schulen? Welche Maßnahmen ergreift die Landesregierung zum Schutz und zur Prävention? Was fordert die GEW NRW? Uwe Schledorn, den das Thema als Personalrat der GEW NRW in der Bezirksregierung Düsseldorf seit vielen Jahren beschäftigt, gibt einen Überblick…“ Beitrag in lautstark. 05/2025 vom 01.12.2025 der GEW NRW von Uwe Schledorn externer Link, ehrenamtlicher Experte der GEW NRW für das Thema Gewalt an Schulen
  • Gewalt an Schulen nimmt zu – Streit um die Ursachen: Ist die Pandemie schuld? Oder sind es die sozialen Medien?
    „… Die Zahl der Gewalttaten an Schulen hat laut Innenministerium Baden-Württemberg zugenommen: So wurden im vergangenen Jahr 2.545 entsprechende Straftaten gegenüber Schülern und Lehrern im Land erfasst. Im Vorjahr waren es noch 2.243 – eine Zunahme um 13,5 Prozent. Die Zahl der Opfer stieg dabei auf 2.838 im vergangenen Jahr: 141 Lehrkräfte und 2.697 Schülerinnen und Schüler. Im Jahr zuvor waren es noch 2.557 Opfer. Auch liegen die Zahlen deutlich über denen aus dem Jahr 2019 – dem letzten Jahr vor der Pandemie. So wurden damals in Baden-Württemberg 1.975 Fälle von Gewalt an Schulen und 2.330 Opfer erfasst. Im Nachbarland war am Wochenende von einer ähnlichen Entwicklung die Rede: Auch an den Schulen in Rheinland-Pfalz ist die Zahl von Gewalttaten deutlich gestiegen (…). Lag die Zahl der Straftaten mit Waffen oder gefährlichen Werkzeugen in Schulgebäuden oder auf Schulgeländen im Vor-Corona-Jahr 2019 bei 70, so kletterte sie im vergangenen Jahr auf 147. (…) Bei der Frage nach den Gründen für die gestiegene Zahl der Gewalttaten verweist das Kultusministerium auf die Corona-Pandemie. «Als die Schulen geschlossen waren, konnten dort natürlich auch keine Straftaten begangen werden», teilte ein Sprecher mit. «Jetzt pendeln sich die Zahlen wieder auf einem Normalniveau ein.» Das Innenministerium äußert sich nicht zu Gründen für den Anstieg. Im Sicherheitsbericht heißt es lediglich: «Kinder und Jugendliche, welche laut Studien erhöhte Belastungen als Folge der Covid-19-Pandemie nachweisen, bilden mehr als acht von zehn der Tatverdächtigen von Gewalt an Schulen ab.» Eine Sprecherin betonte auch, dass die Bevölkerung stärker sensibilisiert sei und Opfer von Gewaltverbrechen eher Anzeige erstatten würden. (…) Die GEW verweist auch auf eine bundesweite Zunahme von Jugendgewalt und auf eine zunehmende Gewalt über soziale Medien, über Kommunikationsplattformen. Dort gehe es um verbale und psychische Gewalt vor allem zwischen Jugendlichen – aber auch zwischen Schülern und Pädagogen, sagte Landesgeschäftsführer Matthias Schneider. Er bezeichnet den allgemeinen Anstieg der Zahlen als «besorgniserregend». Zudem gebe es sicherlich viel, was nicht an die Öffentlichkeit gerate und die Schulen versuchten, selbst zu regeln. Die GEW fordert Schulsozialarbeit an allen Schulen – auch an Grundschulen. (…) Eine Schulleiterin sieht laut Bericht vielfältige Gründe für die Zunahme psychischer Probleme bei jungen Leuten. „Die virtuellen Welten haben auf jeden Fall etwas damit zu tun“, meint sie. „Und teilweise überforderte Eltern. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.“ Eine andere schildert, dass sie eine zunehmende Respektlosigkeit bei Schülerinnen und Schülern beobachte. „Es gibt ein abnehmendes Tolerieren der Grenzen von anderen.“ Beitrag von und bei New4Teachers vom 23. April 2024 externer Link
  • Gewalt gegen Lehrkräfte: Ein Tabu-Thema. Sechs von 100 Lehrern wurde laut einer Umfrage schon einmal Opfer eines körperlichen Übergriffs
    „…  Die Umfrage unterscheidet zwischen physischer und psychischer Gewalt. Von den befragten Lehrern gaben 21 Prozent an, dass es in den letzten fünf Jahren Fälle körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte an ihrer Schule gab. Sechs Prozent der Lehrer gaben an, dass sie selbst Erfahrungen mit körperlicher Gewalt an ihrer Schule gemacht haben, also selbst angegriffen wurden. Aus der Umfrage geht auch hervor, dass die Angriffe meistens (97 Prozent) von Schülern ausgegangen sind. Desweiteren wird deutlich: 91 Prozent der Lehrer, die körperlich angegriffen wurden, haben etwas dagegen unternommen, allerdings wurde nur selten (9 Prozent) Anzeige erstattet. „Als Gründe“, so heißt es in der Umfrage, „werden hier vor allem angegeben, dass der Täter noch nicht strafmündig war, dass man aus Rücksicht auf den Schüler davon abgesehen hat oder weil ohnehin schulinterne Maßnahmen eingeleitet wurden.“ Ähnlich sieht die Reaktion der betroffenen Lehrer auch bei Fällen psychischer Gewalt aus…“ Artikel von Marcus Klöckner in telepolis vom 15. November 2016 externer Link

Grundinfos:

Siehe auch: Deutsches Schulbarometer 2024 der Robert Bosch Stiftung: Erschöpfte Lehrkräfte leiden unter Gewalt, Personalmangel und mangelder Ausstattung

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=107097
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