Arbeitslosendemokratie gestern und heute
„Der heute von Sanktionen bedrohte und verfolgte Arbeitslose sehnt sich nach seinem Bruder vor siebenundsechzig Jahren, denn der war geschützt durch eine demokratische Institution, die sich innerhalb des militärisch straff organisierten Besatzungsregimes der vier Siegermächte der Anti-Hitler-Koalition herausbilden konnte. (…) Siebenundfünfzig Jahre später tauchte in der Arbeitslosenbewegung ein Aufruf unter dem Titel „Bildet Arbeitslosenräte!“ auf, der die deutschen Eliten, die gerade die Hartz-Gesetze aus dem Boden gestampft hatten, erschrecken ließ. Dabei wurde im Grunde nichts anderes gefordert als ein Zurück zum Jahr 1947! Nichts anderes als die Bildung eben solcher Beratungsausschüsse! So heißt es in diesem Aufruf von 2004 programmatisch, fast in direkter Nachfolge der Beratungsausschüsse von 1947: „Die Machthaber der Arbeitsverwaltungen müssen die Macht mit den Arbeitslosenräten teilen.“ Der vollständige Wortlaut des Aufrufes ist bei der Internet-Zeitung LABOURNET abrufbar. llein – es geht hier nicht bloß um die Verteidigung der Rechte der Arbeitslosen, sondern um die Verteidigung eines unverzichtbaren Lebenszusammenhanges, die ihrer Ausgrenzung entgegenwirkt. Es geht um ihren Lebenszusammenhang mit der von den Arbeiterinnen und Arbeitern produzierten gesellschaftlichen Wirklichkeit, um eine begehbare Brücke hin zu ihren arbeitenden Schwestern und Brüdern…“ Artikel von Antonín Dick in der trend onlinezeitung 12-2014
. Siehe dazu im LabourNet-Archiv:
- Bildet Arbeitslosenräte
„Infolge der Hartz-Gesetze wird sich die Bundesagentur für Arbeit unweigerlich zu einer Mammutbürokratie auswachsen. Auch gegen den Willen ihrer Erfinder! Eine unkontrollierte Herrschaft über 8 bis 10 Millionen Menschen – eine Gefahr für unsere Demokratie! Gegen diesen Staat im Staate gibt es nur ein Mittel: die demokratische Kontrolle von unten. Deshalb: Bildet unabhängige Arbeitslosenräte an allen Dienststellen der Bundesagentur für Arbeit! Die Machthaber der Arbeitsverwaltungen müssen die Macht mit den Arbeitslosenräten teilen!..“ Artikel von Antonín Dick vom Herbst 2004