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Koloniale Arbeitsteilung: Fairtrade ohne faire Spielregeln?
„… Wer im Supermarkt zum Kaffee mit dem blau-grünen Siegel greift, kauft mehr als ein Produkt. Er kauft das beruhigende Gefühl, die Welt ein Stück gerechter zu machen. Und dieses Gefühl macht Kasse: Der Umsatz hat laut Fairtrade Deutschland im vergangenen Jahr ein „Rekordhoch“ von 3,14 Milliarden Euro erreicht – ein Plus von 9 Prozent gegenüber 2024. Umgerechnet hätten die Verbraucher:innen in Deutschland pro Kopf 38 Euro für Fairtrade-Produkte ausgegeben
. Damit ist die Bundesrepublik führender europäischer Fairtrade-Markt in Europa. Das ist auch gut so. Denn Fairtrade erzielt messbare Verbesserungen. Laut einer aktuellen Studie
konnten Kakaobäuer:innen in der Elfenbeinküste
ihren Anteil an existenzsichernden Einkommen von 7 auf 24 Prozent steigern. Das ist ein Fortschritt – aber auch eine ernüchternde Zahl. Denn im Umkehrschluss bedeutet sie: Drei Viertel der Produzent:innen leben weiterhin unter Bedingungen, die kein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen…“ Beitrag von Kiflemariam Gebre Wold vom 11. Mai 2026 im MiGAZIN
und mehr daraus:
- Weiter aus dem Beitrag von Kiflemariam Gebre Wold vom 11. Mai 2026 im MiGAZIN
: „… Nach mehr als 50 Jahren fairen Handels zeigt sich damit ein strukturelles Problem: Die Einkommen steigen punktuell – die grundlegende Position der Produzent:innen im globalen Handelssystem bleibt jedoch weitgehend unverändert. (…) Der entscheidende Punkt ist nicht der Preis, sondern die Rolle in der Wertschöpfungskette. Produzent:innen im globalen Süden exportieren überwiegend Rohstoffe. Die Weiterverarbeitung – und damit der größte Teil der Wertschöpfung – findet weiterhin im globalen Norden statt. Diese Arbeitsteilung ist historisch gewachsen und wirkt bis heute fort: Rohstoffe werden im Süden produziert, veredelt und vermarktet werden sie im Norden. Auch der faire Handel bewegt sich weitgehend innerhalb dieser Struktur. Mindestpreise und Prämien verbessern die Situation, verändern aber nicht die grundlegende Verteilung von Wertschöpfung. So bleibt Fairtrade, wenn auch unfreiwillig, in vielen Fällen ein Instrument zur Stabilisierung bestehender Verhältnisse – nicht zu deren Überwindung. (…) Eine tiefgreifende Veränderung würde an anderen Punkten ansetzen. Sie würde die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Wertschöpfung im globalen Süden selbst entstehen kann. Dazu gehören vor allem zwei Hebel: – Handelspolitik: Abbau von Zöllen auf verarbeitete Produkte aus dem globalen Süden – Finanzpolitik: Zugang zu bezahlbaren Krediten für industrielle Investitionen. Erst wenn Produzent:innen nicht nur Rohstoffe liefern, sondern auch veredeln und vermarkten können, verschiebt sich ihre Position im globalen Handel nachhaltig. (…) Fairtrade ist kein gescheitertes Projekt. Es verbessert Einkommen, schafft Sichtbarkeit und hat wichtige Debatten angestoßen. Doch seine Wirkung bleibt begrenzt, solange es vor allem Symptome lindert, statt die strukturellen Ursachen anzugehen. Faire Preise ersetzen keine faire Handelsordnung. Wer globale Gerechtigkeit ernst meint, muss deshalb über Konsumentscheidungen hinausdenken – und die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Blick nehmen, die bis heute darüber entscheiden, wer produziert, wer verdient und wer bestimmt.“
Siehe z.B. unser Dossier: Freie Fahrt für faire Schokolade: Schokoladenproduzenten, macht eure Schokolade fair! und grundsätzlich das Dossier: Initiative für ein (europäisches) Lieferkettengesetz