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Ausgeliefert! Einblick in die prekäre Lebenssituation indischer KurierfahrerInnen in Deutschland
„…Tausende der Rider kommen aus Indien, angelockt mit dem Versprechen auf ein Studium in Deutschland haben sie sich hochverschuldet. (…) „Wir sind doch keine Tiere!“, klagt Shiwani S. nach einem anstrengenden Tag vor dem Berliner Arbeitsgericht. Die Fahrradkurierin wartet, hochschwanger, seit anderthalb Jahren auf die Auszahlung mehrerer Monatsgehälter. „Warum machen keine Deutschen diese Jobs bei Lieferando, Wolt oder UberEats?“, pflichtet ihr Samee U. bei. „Fragt Euch das mal!“ Die Story geht dieser Frage nach und deckt ein System mehrfacher Ausbeutung auf, das sich zunehmend in deutschen Städten breit macht: tausende junge Inder kommen für ein wertloses Studium an teuren Privatunis ins Land, angelockt von Agenturen und dafür hochverschuldet. (…) Die Recherche von Fabian Grieger und Jan Wiese gibt einen weitgehend unbekannten Einblick in die prekäre Lebenssituation indischer Kurierfahrer und -fahrerinnen in Deutschland. Monatelang sind sie dafür in die Community eingetaucht…“ Dokumentation und Reportage von Fabian Grieger und Jan Wiese
(„“ mit Video, 44min) als rbb Story am 02.12.2025 veröffentlicht. Siehe Informationen zu den Hintergründen:
- [Nun auch als engl. Video] In Deutschland festsitzen: Wie KurierfahrerInnen ausgebeutet werden – Tausende dieser Rider kommen aus Indien
„In vielen deutschen Städten liefern Fahrradkuriere Burger, Pizza und andere Speisen nach Hause. Tausende dieser Fahrer kommen aus Indien, angelockt von der Aussicht auf ein Studium in Deutschland, und haben hohe Schulden angehäuft.
„Wir sind keine Tiere!“, beklagt sich Shiwani S. nach einem anstrengenden Tag vor dem Berliner Arbeitsgericht. Die Fahrradkurierin, die hochschwanger ist, wartet seit anderthalb Jahren darauf, dass ihr die Löhne für mehrere Monate ausgezahlt werden. „Warum machen Deutsche diese Jobs bei Lieferando, Wolt oder Uber Eats nicht?“, pflichtet Samee U. bei. „Fragt euch das mal!“ Der Dokumentarfilm geht dieser Frage nach und deckt ein System der Ausbeutung auf, das in deutschen Städten immer weiter um sich greift: Tausende junge Inder kommen ins Land, um an teuren privaten Hochschulen wertlose Abschlüsse zu erwerben. Sie werden von Agenturen hierher gelockt und sind infolgedessen hoch verschuldet. In Deutschland angekommen, werden sie von skrupellosen Vermietern über den Tisch gezogen und landen schließlich bei Unternehmern, die sie ausbeuten: mit gefälschten Arbeitsverträgen, erzwungener Schwarzarbeit und Löhnen weit unter dem Mindestlohn.
Der Film gibt Einblick in die prekäre Lebenssituation indischer Kurierfahrer in Deutschland. Die Filmemacher tauchten monatelang in die Community ein, um ihre Recherchen durchzuführen. Rechtsanwalt Martin Bechert bezeichnet Lieferdienste wie Wolt, Lieferando und Uber Eats als „arbeitsrechtliche Versuchslabore“. Er vertritt viele Kurierfahrer, die sich trotz erheblicher Schwierigkeiten zunehmend gegen ihre Arbeits- und Lebensbedingungen wehren. Die Nachricht von den Zuständen hat sich mittlerweile bis nach Indien verbreitet. In einem Interview warnt der deutsche Botschafter in Neu-Delhi, Dr. Philipp Ackermann, vor fehlgeleiteter Migration, die über zweifelhafte Bildungseinrichtungen zu „illegaler Beschäftigung und prekären Lebensbedingungen“ führt. Dies geht zu Lasten indischer Studierender, deren Hoffnungen auf ein besseres Leben oft nur anderen zugutekommen.“ Die Recherche nun als engl. Video vom 30.04.2026 bei dw.com
(„Trapped in Germany: How courier drivers are exploited, maschinenübersetzt), siehe dazu:
- Liefermafias
„Es gibt eine Zeile aus dem Mafiafilm „Goodfellas“, die mir kürzlich plötzlich in den Sinn kam. Henry Hill, ein Gangster, der zum Polizeispitzel wurde, sagt, die Mafia existiere, weil sie „Schutz für die Art von Leuten bietet, die nicht zur Polizei gehen können“. Die Essenslieferbranche ist ein bisschen so: Was sie bietet, ist Arbeit für die Art von Arbeitnehmern, die nicht zur Polizei gehen können.
Das kam mir in den Sinn, als ich „Das Kurierfahrer-Geschäft“, eine schockierende neue DW-Dokumentation über die Essenslieferbranche in Berlin. Für alle, die es nicht wissen: In Deutschland werden Lieferfahrer als Angestellte eingestellt, aber Wolt, Uber Eats und (zunehmend) Lieferando arbeiten mit Subunternehmern, von denen sich viele wie Gangster verhalten – weil sie genau das sind. Von den Fahrern Gebühren für einen Arbeitsvertrag zu verlangen; sie unter der Hand zu bezahlen und ihnen zu sagen, ihr Umschlag sei „dünn“, weil sie „nicht genug arbeiten“; sie nach Lieferungen statt nach Arbeitszeit zu bezahlen; sich zu weigern, den Fahrern ihren Lohn zu zahlen, und dann von der Bildfläche zu verschwinden: Das sind nur einige der kriminellen Machenschaften, die diese Dokumentation aufdeckt. (…) Die brutalste Geschichte in der Dokumentation handelt davon, wie eine Gruppe von Fahrern einen Streik bei Uber Eats organisiert. Ein Schläger von einem der Subunternehmer, die mit Uber Eats zusammenarbeiten, schickt den Fahrern eine Audio-Nachricht: „Leute, wenn euch jemand auf der Straße anhält, zeigt mir einfach sein Gesicht. Wenn er nicht weiß, was die Mafia ist, werden wir ihm zeigen, was die Mafia ist. Macht ein Foto von ihm, dann komme ich mit meinen Jungs und wir machen ihn fertig.“ Später wurde einer der streikenden Fahrer so schwer verprügelt, dass er im Krankenhaus landete. Ein weiterer streikender Fahrer wurde entlassen, begleitet von einer Audiobotschaft des Schlägers, in der es hieß: „Du unterstützt diesen, wie nennt man das, Protest. Bitte hör auf zu arbeiten. Wir schicken dir die Kündigung.“ Am nächsten Tag konnte sich der Fahrer nicht mehr in die Uber Eats-App einloggen: ein Beweis dafür, dass die Plattform und die Schläger unter einer Decke stecken.
Deutschland ist natürlich keineswegs ein Einzelfall, was die endemische Kriminalität in der Lebensmittel-Lieferbranche angeht. (…)
Die Piraterie hat nie aufgehört. Natürlich leben wir heute in einer Zeit, in der der US-Präsident schmähtWas die Piraterie seiner Marine angeht: Rechtsnormen werden links, rechts und in der Mitte über den Haufen geworfen. Es scheint, als gälten Gesetze heutzutage nur noch für die Armen. Genau dagegen müssen wir ankämpfen: Die Liefermafias zur Rechenschaft zu ziehen, ist kein schlechter Anfang.“ engl. Beitrag von Ben Wray, Koordinator des Gig-Economy-Projekts in dessen Newsletter
(maschinenübersetzt) zur Film-Variante auf youtube
: The courier driver business | DW Documentary
- Liefermafias
- Menschen aus Indien kommen nach Deutschland – nicht nur in die IT und Pflege. Manche kommen auch zum Studium. Und landen bei Lieferdiensten und in anderen Branchen
„Seit geraumer Zeit wird in der Diskussion über die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften immer stärker auf Indien geschaut – dem mit 1,5 Milliarden Menschen bevölkerungsreichsten Land der Welt. Politiker reisen nicht nur oft auf diesen Subkontinent. 2023 ist das deutsch-indische Abkommen über eine umfassende Migrations- und Mobilitätspartnerschaft in Kraft getreten, das am 5. Dezember 2022 auf Regierungsebene in New Delhi unterzeichnet wurde. Es formuliert das Doppelziel, Arbeitsmigration aus Indien zu vereinfachen – und gleichzeitig Fluchtmigration aus dem Land zu reduzieren. 2024 kam die Fachkräftestrategie Indien der Bundesregierung hinzu, ein weiteres Maßnahmenpaket, um den Zuzug indischer Fachkräfte zu fördern. (…)
Indische Staatsbürger kommen vor allem zum Arbeiten oder Studium nach Deutschland. Das hat sich auch in der Entwicklung der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit indischer Staatsbürgerschaft niedergeschlagen. Im August 2014 gab es erst 21.920 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit indischer Staatsangehörigkeit in Deutschland, elf Jahre später, im August 2025, hat sich diese Zahl vervielfacht, nunmehr weist die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit 172.620 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus – wir sehen also in etwas mehr als zehn Jahren fast eine Verachtfachung der Zahl der Beschäftigten mit einer indischen Staatsangehörigkeit (nochmals sei hier darauf hingewiesen, dass alle diejenigen, die mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit haben, in diesen Zahlen nicht – mehr – enthalten sind). (…)
Die Lieferdienste waren und sind hier seit langem vor allem mit Blick auf die Arbeitsbedingungen immer wieder Thema – zuletzt ausführlich in dem Beitrag Die Lieferdienste rutschen weiter in die Subunternehmer-Kellerwelt. Kein Druckfehler: Bis man es mit „Subsubsubsubunternehmen“ zu tun bekommt bzw. deren Briefkästen
, der hier am 13. März 2026 veröffentlicht wurde. Dort wurde die zunehmende Ausbreitung des Subunternehmerunwesens am Beispiel der aktuellen Entwicklungen bei Lieferando problematisiert. Daran kann hier nahtlos angeknüpft werden.
Am 5. März 2026 berichtete
Jonas Wahmkow von einer Anhörung im Ausschuss für Arbeit des Berliner Abgeordnetenhauses. Die Anhörung erfolgte infolge der immer offensichtlicher werdenden Missstände bei Essenlieferdiensten wie Lieferando, Wolt und Uber Eats. Gewerkschaften und Fahrer kritisieren, dass die Unternehmen zunehmend auf Subunternehmen setzten, um rechtliche Mindeststandards zu unterwandern. Wahmkow zitiert Max W. vom Lieferando Workers Collective, der während der Anhörung von einem „kriminogenen Milieu“, das sich in der Lieferbranche gebildet hätte, berichtet hat. „Flotten“ von jeweils rund 250 Kurieren würden über Whatsapp-Gruppen organisiert. Die Fahrer bekämen keinen Arbeitsvertrag und ihren Lohn, wenn überhaupt, Cash auf die Hand. Um überhaupt arbeiten zu dürfen, sei eine Provision von 500 Euro nicht unüblich. Wer sich krankmeldet, werde einfach wieder deaktiviert, berichtet W. „Ich kenne keine Flotte, die gesetzliche Mindeststandards einhält“, sagt der Lieferando-Fahrer.«
Und dann kommt der hier besonders relevante Punkt: »Besonders häufig betroffen von diesen illegalen Geschäftspraktiken sind internationale Studierende aus Südindien, die nur schlechte Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben.«…“ Beitrag vom 16. März 2026 von und bei Stefan Sell
- Indischer Fahrradkurier: „Ich lebte in ständiger Angst“
„Vikas kam mit Hoffnung auf Bildung nach Deutschland – es blieben 20.000 Euro Schulden und das Fahrrad als Lebensunterhalt. Vermittlungsagenturen und Werbeversprechen erhöhen das Missbrauchsrisiko: Subunternehmer betrügen, während Plattformen wie Lieferando die Verantwortung von sich weisen. Zwei Experten erklären Hintergründe des Systems, wie Konsumenten bei Essensbestellungen vorgehen sollten und was sich bald verbessern könnte.
Das Bild ist vielen Großstädtern bekannt: Fahrradkuriere, die Burger und Pizza nach Hause liefern. Wie es den oft aus Indien stammenden Männern dabei geht, wissen oder fragen dabei nur wenige. „Ich konnte mir kaum Miete oder Essen leisten, es war ein täglicher Kampf ums Überleben“, erzählt Vikas im Gespräch mit unserer Redaktion. Er war Kurier in Deutschland und nennt seinen Nachnamen lieber nicht.
Der Grund heißt oft: Studienschulden. „Ich habe fast 20.000 Euro für Gebühren und Lebenshaltung ausgegeben und hatte am Ende dennoch keinen Abschluss“, erzählt er über seine Privathochschule, an die er wie viele über eine Agentur gelockt wurde. Die Hochschule habe nicht geliefert, er schon. „Um zu überleben, musste ich als Lieferfahrer arbeiten, in Wind und Regen, oft völlig erschöpft.“
Warum fahren so viele Inder für Lieferando & Co.?
Vikas ist kein Einzelfall, wie Recherchen von RBB
und WDR
belegen. Über die prekären Verhältnisse, die viele in die Ausbeutung durch Subunternehmer und Plattformen treiben, hat Tobias Kuttler im Projekt Fairwork geforscht , das ausländische Fahrer interviewte. „Die Muster legen nahe, dass durch Subunternehmermodelle Kosten gedrückt werden“, erklärt er. Das bedeutet oft unsichere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte, bis hin zu Gewalt und Lohnraub…“ Eine Analyse von Dominik Bardow vom 27.01.2026 auf web.de 
- Lieferdienste: Wer streikt, kriegt Prügel. Nach RBB-Recherche: Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) prüft Direktanstellungsgebot für Lieferdienste
„Barauszahlungen, Verstöße gegen den Mindestlohn, Kündigungsdrohungen und Strohmänner als Geschäftsführer: Eine RBB-Recherche dokumentiert neue Fälle von Rechtsverstößen in der Branche der Essenskuriere. Im Mittelpunkt stehen die Subunternehmen, über die Unternehmen wie Wolt, Uber Eats und Lieferando ihre Kuriere beschäftigen.
Die beiden Journalisten Jan Wiese und Fabian Grieger begleiten mehrere Beschäftigte mit der Kamera. Etwa als sich ein Fahrer bei einem neu gegründeten Subunternehmen, einem sogenannten Flottenpartner von Uber Eats, bewirbt. Wie mehr als 80 Fahrer*innen vor ihm soll er 500 Euro bezahlen. »Wir müssen hier deinen Arbeitsvertrag machen und da alles eintragen, deine Sozialversicherungsnummer, deine Krankenversicherung und das alles«, soll ein Mitarbeiter laut Gedächtnisprotokoll des Fahrers die Zahlungsaufforderung erklärt haben…“ Artikel von Christian Lelek vom 02.12.2025 in ND online
– mit vielen Verlinkungen zu den auch im LabourNet dokumentierten Kämpfen bei den einzelnen Firmen
Siehe auch:
- Dossier: [Nachunternehmerhaftung] Paketboten-Schutz-Gesetz soll in der Liefer- und Paketbranche die Subunternehmen ausbremsen
- [Anwerben von indischen Studierenden an die Berliner IU] Junge Inder in Deutschland: Das Geschäft mit den Studis
- [Bericht der Veranstaltung am 10.07.2025 in Berlin über Lieferplattformen: Ausbeutung per App] Schuldknechtschaft in Berlin
Bericht vom 11.7.2025 bei Labournet TV
- Und für die angesprochenen Kämpfe bei den einzelnen Firmen unsere Rubrik Kurier- und Lieferdienste