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Wie Konzerne Portugies:innen im Callcenter ausbeuten
„Ausbeutung per Anruf: In portugiesischen Callcentern herrschen oft prekäre Bedingungen. Mitverantwortlich dafür ist ein Mindestlohn, der weniger die Beschäftigten schützt als die Interessen internationaler Konzerne. Portugal – das ist Cristiano Ronaldo, Surfen an windigen Küsten und eingelegter Fisch aus der Buchse. Was wenige wissen: Das Land ist auch ein Eldorado für Lohndrücker. Spotify, Nespresso, Estée Lauder, Microsoft – die Liste internationaler Konzerne, die dort – oftmals über Subunternehmen oder andere Firmen – Hotlines betreiben lassen, ist lang. Was sie lockt, ist nicht die Meeresbrise, sondern der Mindestlohn: der gehört mit aktuell 870 Euro brutto pro Monat (14-mal im Jahr) zu den niedrigsten in Europa – und das bei oft prekären Arbeitsbedingungen für die rund 104.000 Beschäftigten…“ Artikel von Greta Stampfer vom 24. Oktober 2025 in Arbeit&Wirtschaft
, dem Blog des ÖGB, und mehr daraus:
- Weiter aus dem Artikel von Greta Stampfer vom 24. Oktober 2025 in Arbeit&Wirtschaft
: „… „Für mich war es eine enorme Anstrengung, stundenlang in der Leitung zu bleiben. Am Ende verschrieb mir ein Arzt Antidepressiva. Oft kam ich weinend nach Hause.“ Isabella Costa* holt tief Luft, bevor sie das erzählt. Zwischen 2017 und 2019 arbeitete sie in einem Callcenter in Lissabon. Sie träumte als 20-Jährige von einer eigenen Wohnung, mehr Freiheit, einem Aufbruch. Nichts davon wurde Wirklichkeit. Die Arbeit war gnadenlos getaktet: Costa musste 80 bis 100 Anrufe am Tag annehmen, das Telefon klingelte ununterbrochen mit Anfragen zu Hotelbuchungen. Überstunden gehörten zum Alltag, doch sie wurden nicht bezahlt. Das, so Costa, sei in Portugal ohnehin nicht unüblich. (…) Warum es internationale Konzerne seit Jahren nach Portugal zieht? Zur brachialen Profitmaximierung ist das Land ideal: niedrige Löhne, hohe Arbeitslosigkeit und gleichzeitig viele gut ausgebildete Arbeitskräfte, die dringend Arbeit suchen. Fachleute sprechen von „Nearshoring“, wenn Unternehmen, die schon in Europa ansässig sind, ihre Dienstleistungen nicht nach Indien oder auf die Philippinen sondern nach Portugal, Bulgarien oder Irland verlagern. Übersetzt heißt das: Unternehmen müssen ihre Callcenter nicht am anderen Ende der Welt betreiben. Schlechte Arbeitsbedingungen und miese Löhne gibt es auch in Europa. (…) Gegen diese Missstände versuchen Gewerkschaften seit Jahren vorzugehen. Vor allem in den vergangenen sechs Jahren legten Callcenter-Beschäftigte häufig ihre Arbeit nieder, um höhere Löhne und bessere Bedingungen zu erwirken. Ein Ziel ist es, direkt in die Konzerne integriert zu werden, für die sie arbeiten, statt über Subunternehmen beschäftigt zu sein.“