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Polizeigewalt und krasses Rassismusproblem in Lausanne: Der 2021 erschossene Roger Nzoy ist kein Einzelfall und kein isoliertes Phänomen

Schweiz: Plakat zur Justice4Nzoy Demo am 30.8.25 in ZürichLausanne, immer wieder Lausanne. In den Nächten auf Montag und auf Dienstag haben in der Westschweizer Stadt Jugendliche ihrer Wut Ausdruck verliehen. Sie setzten Müllcontainer in Brand, warfen Molotowcocktails in Richtung der Polizei. Auslöser für die Krawallnächte war der Tod des siebzehnjährigen Marvin, der am Wochenende auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle mit einem Scooter in eine Mauer geprallt und gestorben war. Bislang sind nur wenige Details zur genauen Unfallursache bekannt. Lamin Fatty, Hervé Mandundu, Mike Ben Peter, Roger «Nzoy» Wilhelm und Michael Kenechukwu Ekemezie heissen die fünf Schwarzen Männer, die in der Waadt seit 2016 bei Polizeieinsätzen getötet wurden (…)  Trotz zahlreicher Medienberichte über Rassismus in den Polizeikorps und den militärischen Geist in der Ausbildung der Waadtländer Polizeien haben die Verantwortlichen bisher jede Existenz von strukturellem Rassismus und Polizeigewalt in ihren Korps bestritten. Die beteiligten Polizist:innen gingen stets straffrei aus…“ Leitartikel von Sarah Schmalz in der WoZ vom 28. August 2025 externer Link („Polizeigewalt: Schweigende Kompliz:innen“) und mehr dazu, auch zu Justice4Nzoy Demo am 30.8.25 in Zürich:

  • Justice4Nzoy Demo am 30.8.25 in Zürich
    Am 25. Mai 2025 ist Michael Kenechukwu Ekemezie durch die Waadtländer Polizei zu Tode gekommen. Er ist bereits der fünfte Schwarze Mann innerhalb von neun Jahren, der im Kanton Waadt durch Polizeibrutalität ums Leben kam. Die Polizisten, die Nzoy im Jahr 2021 erschossen haben, sind weiterhin bewaffnet im Dienst. Gleichzeitig wird das rassistische und menschenverachtende Migrationsregime weiter verschärft. Gezielt wird die Bewegungsfreiheit von Migrant:innen bekämpft, indem Geflüchtete an Europas Aussengrenzen durch gewaltsame Pushbacks zurückgedrängt oder in Haftlagern festgehalten werden…“ Aufruf und Infos auf barrikade.info externer Link
  • Polizeigewalt in Lausanne: Keine Einzelfälle
    Nach Bekanntwerden zweier Gruppenchats müssen nun auch die Behörden eingestehen, dass die Lausanner Polizei ein krasses Rassismusproblem hat. Raum für Zweifel gibt es keinen mehr: «Systemischer Rassismus und Diskriminierung» hätten die Lausanner Polizei zersetzt, sagte der Lausanner Stadtpräsident Grégoire Junod (SP) am Montag an einer Pressekonferenz. Es geht um Whatsapp-Chats im Umfang von 2520 Seiten, die der Stadtverwaltung am 15. August von der Staatsanwaltschaft übermittelt wurden. Deren Verläufe reichen bis ins Jahr 2023 zurück. Polizist:innen teilten dort unzählige diskriminierende und rassistische Äusserungen, «Witze» und Bilder. (…) Die Stadtverwaltung zeigte sich an der Medienkonferenz ob der Enthüllungen ­«schockiert und empört» und kündigte eine tiefgreifende Reform der Polizei an. Vier Suspendierungen seien schon vorgenommen worden. (…)
    Ohne den Anwalt Simon Ntah wären die Vorfälle wahrscheinlich nie ans Licht gekommen. Ntah vertritt die Familie von Mike Ben Peter, einem von fünf Schwarzen Männern, die in den letzten Jahren im Kanton Waadt im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen ums Leben kamen. Nachdem 2023 der Sender RTS das Foto eines Polizisten veröffentlicht hatte, der mit erhobenem Daumen vor einem Graffiti zum Gedenken an Mike Ben Peter posierte, reichte der Genfer Anwalt deswegen Anzeige gegen Unbekannt ein. Im Zuge ihrer Ermittlungen erhielt die Waadtländer Staatsanwaltschaft Zugang zu Mobiltelefonen von Beamt:innen und stiess so auf die belastenden Chats. Vor zehn Tagen leitete sie deren Inhalte an den Polizeikommandanten und die Stadt weiter. (…)
    Schweigend toleriert
    Schon seit Jahren wird die Lausanner Polizei des Rassismus bezichtigt. Die Behörden stritten stets ab, dass ein «strukturelles» oder «systemisches» Problem bestehe. Am Montag sprachen Stadtpräsident Grégoire Junod und der in der städtischen Exekutive für Sicherheit und Wirtschaft zuständige Pierre-Antoine Hildbrand (FDP) die beiden Wörter nun mehrmals aus – eine Premiere. Es bestehe «ein System, in dem Personen schweigen und dieses Verhalten toleriert wird», sagte Hildbrand.
    Von den vier Beamten, die mittlerweile suspendiert wurden, war einer an der Festnahme beteiligt gewesen, die 2018 zum Tod von Mike Ben Peter geführt hatte. Er wurde im vergangenen Jahr in zweiter Instanz freigesprochen, das Urteil ist derzeit beim Bundesgericht hängig. Wie die Stadt gegenüber der Zeitung «Le Courrier» bestätigt, war er auch an der Verfolgungsjagd in der Nacht auf den 1. Juli dieses Jahres beteiligt, bei der ein vierzehnjähriges Mädchen auf einem Motorroller ums Leben kam. Der Polizist war in beiden Whatsapp-Gruppen dabei.
    Von den insgesamt rund 50 beteiligten Polizist:innen stehen 27 immer noch in Lausanne im Einsatz
    …“ Artikel von Achille Karangwa in der WoZ vom 28. August 2025 externer Link
  • Der Fall Nzoy – die neuen Erkenntnisse. Zwischen Polizeigewalt, Justizskandal und glasklarem Rassismus
    Beitrag von AG Antirassismus & Abolitionismus (BFS Zürich) vom 28. August 2025 bei sozialismus.ch externer Link
  • Schweiz: Neue Bewertung zu polizeilichen Todesschüssen. Unabhängige Kommission widerlegt offizielle Version zum 2021 getöteten Roger Nzoy
    Eine unabhängige Untersuchungskommission zum von der Polizei erschossenen Roger Nzoy Wilhelm stellt fest: der Einsatz am 30. August 2021 im waadtländischen Morges war unverhältnismäßig. Die Schweizer Beamt*innen hätten den 37-Jährigen fälschlich als Bedrohung eingestuft und ihm nach dem Gebrauch der Schusswaffe keine Hilfe geleistet, sodass er verblutete…“ Artikel von Matthias Monroy vom 25.08.2025 in ND online externer Link

Weitere Infos:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=230346
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