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Selbstverwaltetes linkes Zentrum Leoncavallo in Mailand von Meloni-Regierung nach 31 Jahren Besetzung geräumt!

Selbstverwaltetes linkes Zentrum Leoncavallo in Mailand von Meloni-Regierung nach 31 Jahren Besetzung geräumt!Das Leoncavallo ist eins der bekanntesten Sozialen Zentren Italiens, bereits seit 1975 besetzt. Seit 1994 wird es in der Via Watteau betrieben von der „Associazione mamme antifasciste del Leoncavallo“. Heute morgen, am 21.8.25 wurde es in einer Blitzaktion auf Initiative des Innenministeriums geräumt.  Meloni begründete die Räumung damit, dass es keine „rechtsfreien Räume“ geben dürfe. Zuvor hatte ein Gericht entschieden, dass die Regierung in Rom den Eigentümern etwa drei Millionen Euro Schadenersatz zahlen müsse… Das Gebäude gehört einer Unternehmerfamilie, die es seit vielen Jahren zurückhaben will. Die Stadt Mailand wurde von der Räumung nach eigenen Angaben nicht vorab informiert…“ Meldung vom 21.08.2025 auf indymedia.de externer Link mit Hintergründen und ein bisschen Historie…

  • [Solidaritätsdemo am 6. September in Mailand] Italien unter Meloni: Nur noch Rechtsextreme dürfen Häuser besetzen New
    Das «Leoncavallo» in Mailand widerstand fünfzig Jahre lang der renditegetriebenen Stadtpolitik. Jetzt liess Italiens Regierung es räumen. Viele weitere linke Häuser sollen folgen. (…)
    An diesem 21. August, mitten in der heissesten Jahreszeit, wenn auch linke Aktivist:innen mal Ferien machen, hatten die Einsatzkräfte leichtes Spiel. An organisierte Gegenwehr war nicht zu denken. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt kaum jemand mit einer Attacke der Staatsmacht gerechnet hatte. Schliesslich liefen zeitgleich Verhandlungen mit dem Ziel, den geordneten Umzug des Zentrums vorzubereiten. Vermutlich kam der Einsatzbefehl von ganz oben. Die Räumung des «Leoncavallo» sei nur der Anfang, verkündete Premierministerin Giorgia Meloni. Ihr Innenminister Matteo Piantedosi verwies auf eine Liste mit mehr als zwanzig Objekten, die «mit Priorität» zu räumen seien. Dazu gehören besetzte Wohnhäuser, vor allem aber etliche linke Treffpunkte, unter anderem in Rom und Turin.
    Noch nicht entschieden zu haben scheint die Regierung, wie mit einer ganz anders orientierten Einrichtung verfahren werden soll: der seit 2003 besetzten «CasaPound» unweit des Bahnhofs Termini in Rom. Dort residieren die selbsternannten «Faschisten des Dritten Jahrtausends», unter ihnen verurteilte Straftäter und neofaschistische Ideologen. Für den Fall einer Räumung durch die Polizei drohten sie schon mal ein «Blutbad» an. Während Piantedosi das Haus angeblich irgendwann räumen lassen will, sieht Kulturminister Alessandro Giuli dazu keinen Anlass, solange sich die Faschist:innen an die Gesetze halten würden. Was sie offensichtlich nicht tun – siehe einschlägige Gerichtsurteile und die Tatsache, dass sie seit über zwei Jahrzehnten keine Miete zahlen.
    Teuerste Stadt Italiens
    Offensichtlich gilt für die regierende Rechte: Man schützt die eigenen Leute und vertreibt den Feind – angeblich, um den Gesetzen Genüge zu tun. Dabei standen die von Linken besetzten Gebäude, nicht nur in Mailand, meist jahrelang leer – bevor veränderte Marktbedingungen die Eigentümer:innen merken liessen, dass sie ihre Immobilien nun zu sehr viel Geld machen konnten. In Mailand hatte dieser Wandel besonders dramatische Folgen. Die lombardische Metropole wurde zur teuersten Stadt Italiens, bezahlbarer Wohnraum früher als anderswo zur Mangelware. Ein cleverer Unternehmer namens Silvio Berlusconi erkannte die Zeichen der Zeit; 1979 war seine Trabantenstadt «Milano 2» bezugsfertig – für Wohlhabende.
    Die Protagonist:innen der Leoncavallo-Besetzung im Oktober 1975 allerdings wollten mehr als nur bessere Lebensbedingungen für sich selbst. Neben antifaschistischen Kollektiven spielten dort auch linksradikale Organisationen wie Lotta Continua oder Avanguardia Operaia eine wichtige Rolle. (…)
    Was Mailand derzeit erlebt, ist ein Kulturkampf von rechts, der auch mit Polizeigewalt ausgetragen wird. Angegriffen wird ein Symbol eines Lebens jenseits der Logik des Kapitals. Der Krimiautor Sandrone Dazieri, früher selbst unter den Leoncavallo-Aktivist:innen, spricht von einem Mailand, das einen systematischen «Kampf gegen die Armen» führe. Zugleich beklagt er, auch selbstkritisch, den Mangel an Solidarität mit dem Leoncavallo-Kollektiv. Nach der Räumung allerdings haben sich viele Aussenstehende zu Wort gemeldet, wütend und tatendurstig zugleich. Zu ihnen gehört die antifaschistische Aktivistin Ilaria Salis, seit Juli 2024 für die links-grüne Bündnisliste Alleanza Verdi e Sinistra (AVS) Mitglied im Europäischen Parlament. Ihre Solidaritätserklärung endet mit dem Satz: «Mailand gehört denen, die dort leben – nicht denen, die an der Spekulation verdienen.» (…)
    Grossdemo in Mailand
    Das soll auch eine Botschaft der Solidaritätsdemo sein, die am 6. September stattfinden wird. Aus allen Teilen des Landes haben sich Unterstützer:innen angemeldet. Denn es geht nicht nur um das «Leonka», sondern zugleich um etliche ähnliche Projekte, die nach dessen Vorbild gegründet wurden. Auch anderswo wollen rechte Kommunalpolitiker:innen die vermeintliche Gunst der Stunde nutzen, um in ihren Städten dauerhaft «aufzuräumen». Das ist eine Kampfansage an jede Art aktiver Dissidenz
    .“ Artikel von Jens Renner in der WoZ vom 28. August 2025 externer Link
  • Repression gegen das Soziale Zentrum Leoncavallo in Mailand: Wenn die Wut über die Räumung die Stadt ansteckt
    »Wenn sie einen angreifen, greifen sie alle an«, lautet die rituelle Formel, wenn die Repression zuschlägt. Aber wer sind »alle«? In der ersten Reihe stehen natürlich die Genoss*innen der Sozialen Zentren, der Kollektive, der Vereinigungen. Unabhängig von den Urteilen, die jeder über den langen Weg des Leoncavallo haben mag, ist klar, dass die Räumung des »Leo« einen harten Schlag für das gesamte Archipel der sozialen Linken darstellt. Dass die Regierungschefin Giorgia Meloni die Aktion für sich reklamiert, ebnet den Weg für eine neuartige Offensive gegen Räume der Freiheit und Unabhängigkeit.
    Wie Giuliano Santoro in »Il Manifesto« treffend erklärt hat, ist der Schlag gegen soziale Wirklichkeiten für die Postfaschisten in der Regierung kein Versehen: Er ist politisches Programm – zugleich ideologische Rache und Baustein einer autoritären Agenda.
    Dann gibt es noch das sogenannte weitere Umfeld: Besucher*innen, Unterstützer*innen und Sympathisant*innen, die immer die eigentliche Stärke der Sozialen Zentren ausmachten – außerordentliche urbane Anziehungspunkte für junge Menschen und Energien. Heute ist ihre Präsenz zwar spärlicher als in der Blütezeit, bleibt aber eine lebenswichtige Ressource – ein Nährboden, den es zu pflegen und zu bündeln gilt, notwendig für jedes Projekt radikaler Teilhabe.
    Zu diesem »alle«, das durch die Räumung im August ins Visier geraten ist, gehört auch die politische Linke. Auch sie steht im Fokus: Eine historische Erfahrung wie das Leoncavallo zu zerschlagen, heißt zu demonstrieren, dass die Linke nicht einmal ihre eigenen Orte zu verteidigen vermag – und zugleich jene sozialen und kulturellen Reservoirs auszutrocknen, aus denen sie schöpft.
    Der vielleicht interessanteste Punkt betrifft jedoch diejenigen, die in diesem »alle« bislang fehlen. Gemeint ist jene breite und vielfältige soziale Zusammensetzung, die scheinbar wenig bis gar nichts mit dem heutigen Leoncavallo zu tun hat, die sich aber – wer weiß – in dem wiedererkennen könnte, was aus dieser Geschichte hervorgeht.
    Denn – und das ist der entscheidende Punkt, den auch Vertreter*innen des Sozialen Zentrums zu teilen scheinen – die Räumung betrifft nicht nur das Leoncavallo und ist auch nicht bloß eine Abrechnung zwischen der Macht und einer bestimmten politischen Gemeinschaft. Ausschlaggebend ist der Kontext, in dem diese Operation stattfindet: ein Mailand, das durch Immobilienspekulation und städtebauliche Skandale immer unbewohnbarer wird. Möglich ist auch, dass die Räumung ein Affront gegen den außen vor gelassenen Bürgermeister Guiseppe Sala war oder ein weiterer Schlag, um ein Mitte-links-Bündnis in Bedrängnis zu bringen, das die Frage nicht lösen konnte – oder nicht wollte.
    Doch die Substanz bleibt: Die Beseitigung von Räumen wie dem Leoncavallo steht keineswegs im Widerspruch zum »Mailänder Modell«. Sie ist vielmehr ein vollkommen kohärenter Baustein davon. Die neoliberale Logik, von den Verwaltungen unter Sala mitgetragen, schreibt vor, Investitionen, Eigentum und private Interessen aktiv zu schützen – notfalls mit Gewalt –, auf Kosten dessen, was nicht privat ist und anderen Logiken folgt.
    So oder so musste das Leoncavallo Platz machen für die Immobilienaufwertung des Viertels…“ Artikel von Ilaria Salis vom 24.08.2025 in ND online externer Link
  • Homepage des Leoncavallo externer Link – der Account @leoncavallospa auf exTwitter ist gerade gesperrt
  • Das #Leoncavallo, seit 50 Jahren Symbol für Kultur und Widerstand in Mailand, wurde geräumt. Die Aktion wurde vorzeitig und mitten im Sommer durchgeführt, ohne dass die Behörden etwas davon wussten. Ein Gefallen für Spekulanten und Bauunternehmer, die wahren Herren dieser Stadt.“ ital. Post von Potere al Popolo vom 22. Aug. 2025 auf exTwitter externer Link
  • #Leoncavallo
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=230191
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