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Iranische Gewerkschaften verurteilen Massenabschiebungen afghanischer MigrantInnen

Vahed: Treating Afghan migrants in Iran as security threats, racism, and forced deportation constitute blatant violations of human rights.Zwei iranische Gewerkschaften haben die Massenabschiebungen afghanischer Migranten als „organisierte Unmenschlichkeit“ und „politische Vertuschung“ der innenpolitischen und regionalen Versäumnisse der Islamischen Republik verurteilt. Offiziellen Angaben zufolge wurden innerhalb kurzer Zeit mehr als 380.000 Afghanen aus dem Iran ausgewiesen, hauptsächlich über den Grenzübergang Dogharoun im Osten des Iran. Die Freie Gewerkschaft Iranischer Arbeiter erklärte, die Ausweisungen seien nicht nur Verwaltungsmaßnahmen, sondern Teil eines umfassenderen Systems der Gewalt gegen schutzlose Menschen. „Dies ist ein Verbrechen an wehrlosen Menschen“, erklärte die Gewerkschaft und warnte, afghanische Migranten würden als Sündenböcke benutzt, um vom wirtschaftlichen Zusammenbruch und der militärischen Niederlage abzulenken…“ engl. Artikel von Siyavash Shahabi am 4. Juli 2025 in The Fire Next Time externer Link – siehe die Erklärung von Tehran Bus Workers’ Syndicate Vahed, die wir per e-mail erhalten haben, und weitere Informationen zur Abschiebewelle:

  • Iran: Millionen droht Abschiebung – Massenabschiebungen von Afghan*innen stoppen! New
    Mehr als eine Million Afghan*innen sind im Jahr 2025 bereits unter Verstoß gegen das Völkerrecht aus dem Iran nach Afghanistan abgeschoben worden. Darunter sind auch Menschen, die im Iran geboren wurden oder seit Jahrzehnten dort lebten. Die Massenabschiebungen haben mit der Eskalation der Kampfhandlungen zwischen Israel und dem Iran zugenommen. Mehr als eine halbe Million Afghan*innen sind seit dem 1. Juni abgeschoben worden, darunter Tausende unbegleitete Minderjährige. Millionen weiteren Afghan*innen droht die Abschiebung, darunter auch Frauen und Mädchen, die als solche als Flüchtlinge anerkannt werden müssen und nicht nach Afghanistan zurückgeschickt werden dürfen, da die Taliban sie dort aufgrund ihres Geschlechts verfolgen…“ Appell an iranischen Innenminister und Briefaktion an die Behörden externer Link von Amnesty International mit umfangreichen Informationen und zum Mitzeichnen
  • Iran wirft Zehntausende afghanischer Geflüchteter aus dem Land – in Pakistan werden sie von der Polizei eingesammelt und nach Afghanistan abgeschoben
    • »Plötzlich mussten wir gehen«: Die pakistanische Polizei sammelt afghanische Geflüchtete auf der Straße ein und bringt sie über die Grenze
      „»Ich weiß nicht, wo ich morgen sein werde. Es ist diese Ungewissheit, die mich fertig macht«, erklärt Zabihullah, der eigentlich anders heißt. Der 35-Jährige lebt im pakistanischen Peschawar unweit der Durand-Linie, der afghanischen Grenze. Gezogen wurde sie vor über 130 Jahren vom britischen Diplomaten Sir Mortimer Durand, der damals Britisch-Indien, das Hoheitsgebiet des Empires, klar von jenem des afghanischen Königreichs trennen wollte. Millionen von Menschen fanden sich von einem Tag auf den anderen in einem anderen Staat wieder. Afghanistan, ihre Heimat, lag nun auf der anderen Seite. In den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten entfremdeten sich Familien und ganze Stämme voneinander. (…) Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) wurden seit dem 1. April rund 240 000 afghanische Geflüchtete aus Pakistan abgeschoben. Der Massenabschiebungsplan der Regierung in Islamabad begann allerdings bereits im Jahr 2023. Seitdem haben in den vergangenen 18 Monaten über eine Million Afghanen und Afghaninnen Pakistan verlassen. Meist wurden sie mit roher Gewalt von pakistanischen Sicherheitskräften eingesammelt und über die Grenze gebracht. In vielen Fällen waren nicht nur Geflüchtete mit sogenannten Afghan Citizen Cards betroffen, sondern auch Menschen mit gültigen Aufenthaltspapieren. (…) Kritiker und internationale Beobachter bezeichneten die Entwicklungen in Pakistan als eine der größten Massenvertreibungen der Gegenwart…“ Artikel von Emran Feroz vom 16. Juli 2025 in Neues Deutschland online externer Link
    • Kein Platz für den »Afghani«. Die Islamische Republik Iran wirft kurzerhand Zehntausende afghanischer Geflüchteter aus dem Land, die dort seit langer Zeit leben
      „»Ich weiß nicht, wann ich mich wieder melden kann. Vielleicht war es nicht klug, hierherzukommen. Afghanistan wäre sicherer gewesen«, sagt Sayyed Ahmad*, Mitte Dreißig, während eines Whatsapp-Telefonats. Tagelang funktionierte seine Internetverbindung nicht. Dann half ein Nachbar mit Elon Musks Starlink aus. Mittlerweile wurde dessen Benutzung vom Regime in Teheran verboten. »Wer Starlink benutzt, wird verhaftet und vielleicht sogar hingerichtet«, sagt Ahmad aufgeregt. Vor rund einem Jahr flüchtete der Afghane aus Kabul nach Teheran. Er knüpfte Kontakte zu Freunden, mit denen er einst studiert hatte und hoffte, dass er im Iran einer Tätigkeit für die Vereinten Nationen oder die Internationale Organisation für Migration (IOM) nachgehen könne. »Hier leben viele geflüchtete Afghanen und es hieß, dass man fähiges Personal brauchen würde«, so Ahmad. Letzten Endes wurde nichts daraus. Als Israel im Juni anfing, den Iran zu bombardieren, fand sich Ahmad, wie alle über vier Millionen afghanischen Geflüchteten, die laut Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) im Iran leben, in einem neuen Krieg wieder. (…) In erster Linie assoziieren viele Afghanen den Iran allerdings mit Ausbeutung und Rassismus. Denn während weitere Kriege Afghanistan plagten, wuchsen iranische Großstädte wie Maschad, Schiraz oder Teheran auf den Rücken afghanischer Arbeiter, die dort bis heute für Hungerlöhne schuften, während sie sowohl vom Regime als auch von großen Teilen der Gesellschaft angefeindet werden. »Afghani« gilt im Iran als Schimpfwort. (…) In den vergangenen Tagen wurden weitere Fabriken und Häuser, in denen sich afghanische Geflüchtete aufhalten sollen, von der iranischen Polizei gestürmt. Willkürliche Verhaftungen, Folter und Hinrichtungen gehören zum Alltag. Der Hass auf Menschen afghanischer Herkunft spiegelt sich auch in der Gesellschaft wider. »Schafft sie alle raus«, kommentieren zahlreiche User auf Instagram auf Persisch, etwa unter Videos, die zeigen, wie afghanische Jugendliche von einem Mob beschimpft und verprügelt werden. (…) »Afghanistan kann das nicht alleine stemmen«, heißt es hierzu seitens der IOM. Eine internationale Reaktion auf das Flüchtlingschaos sei notwendig. Seit der Rückkehr der Taliban sind zahlreiche internationale Hilfsorganisationen aus Afghanistan abgezogen. An den Grenzen zum Iran herrschen weiterhin dystopische Zustände. Mehreren Berichten zufolge werden die Menschen mit Bussen zurückgebracht – hungrig, durstig und ohne Geld.“ Artikel von Emran Feroz vom 16. Juli 2025 in Neues Deutschland online externer Link
    • Die Komplizen der Taliban
      Hunderttausende afghanische Geflüchtete werden aus Pakistan und dem Iran abgeschoben. Deutschland verweigert gefährdeten Afghan:innen derweil die Einreise…“ Beitrag von Vincent op ‘t Roodt vom 16.07.2025 bei medico international externer Link

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Treating Afghan migrants in Iran as security threats, racism, and forced deportation constitute blatant violations of human rights.

The Syndicate of Workers of Tehran and Suburbs Bus Company, as part of the working class of Iran and the world, considers migrants, asylum seekers, and refugees to be an inseparable part of the human and working-class community in every country. It is essential that all labour and civil organizations adhere to this clear and shared international position and not fall under the influence of the toxic climate of xenophobia and racism under any circumstances. Attacks on migrants weaken social and class solidarity and serve the interests of ruling powers and capitalist systems. Racism and scapegoating of migrants are to be condemned, as they seriously damage the international solidarity that workers in Iran, the region, and around the world so urgently need. In Iran, Afghan migrants—despite decades of economic and social participation—remain among the most disenfranchised and vulnerable groups. Humanitarian, social, and legal support and efforts toward regularizing their status are essential steps toward social justice and a solidarity based on shared interests and human dignity, rather than differences in nationality, race, or legal status.

In recent years, and especially in the days following the ceasefire, the government authorities and certain opportunistic media and political forces have repeatedly published grossly exaggerated figures regarding the number of Afghan nationals residing in Iran, without relying on documented data—including official UN statistics. This statistical inflation has often been used to justify anti-Afghan sentiment, mass deportations, harsh restrictions, and the criminalization of Afghan migrants’ presence in Iran.

Additionally, accusations such as “spying for Israel” have been made against Afghan migrants without credible evidence or transparent legal process. These are politically motivated allegations aimed more at repression than national security. It is now widely understood that actual spies have infiltrated within the power structures of the government —something really impossible for Afghan migrants or for ordinary citizens and social activists, who have neither access nor the slightest interest in cooperating with the criminal Israeli regime. In essence, portraying Afghan migrants as a security threat is part of a broader government strategy to manage worsening political, economic, and regional crises—particularly in the post-ceasefire context.

Since the beginning of this year, and even before the latest military attacks by Israel and the U.S., we have witnessed an unprecedented wave of deportations targeting Afghan migrants. The vast majority have been expelled through coercive and unjust means, without any proper legal recourse. Documented cases of violent behavior toward Afghan migrants, state-imposed restrictions on their basic rights, and structural and cultural racism clearly demonstrate a worsening situation and gross violations of their fundamental human rights.

It is clear that xenophobia and forced deportations are not limited to Iran. For instance, in the United States, the administration of Donald Trump implemented anti-migrant policies—including mass deportations—which were met with broad opposition from labour unions, anti-racist activists, and civil society organizations. These examples show that confronting migrant repression is part of the global struggle for social justice, and that labour organizations in various countries have adopted relatively similar positions on this issue.

The Syndicate of Workers of Tehran and Suburbs Bus Company firmly condemns these racist policies, which are based on propaganda, exaggeration, fabricated scenarios, scapegoating, and hate-mongering. We have repeatedly stated: we, the workers, must not be turned into tools or scapegoats of the repressive policies of the ruling establishment, dominant capitalism, or the military interventions and projects of imperialist states.

Government-affiliated organizations, including the “Workers House,” which for years have not only blocked the formation and expansion of independent labour unions across the country but have also actively contributed to anti-Afghan incitement, must be further exposed. 

A significant portion of Afghan migrants have been born or raised in Iran and must be granted full citizenship rights. Others—like millions of Iranian migrants, asylum seekers, refugees, and displaced people around the world—must be afforded their basic rights in line with international conventions and universally recognized human rights principles.

The structural causes of forced migration and displacement—including war, repression, violations of the most basic human rights (such as the rights of women and children), the climate crisis, and neoliberal policies—lie in anti-people states and capitalist and imperialist systems. We emphasize: the position of the working class—whether in one country or globally—is clear and must remain unshaken. The rights of migrants and asylum seekers are inseparable from the class struggle for a just world. Defending Afghan migrants against deportation, double exploitation, deprivation of rights, violence, and scapegoating is a defence of all of us and of the working class as a whole—because an injury to one is an injury to all.

No to racism, no to war.

The only path forward for workers and the oppressed is unity and organization.

Syndicate of Workers of Tehran and Suburbs Bus Company, 3.7.2025

  • Die Erklärungen folgten nur wenige Tage auf einen öffentlichen Brief, der von über 1.300 Aktivisten, Künstlern und Journalisten unterzeichnet wurde und die Behandlung afghanischer Migranten als „feindselig und ungerecht“ verurteilte. Der Brief warnte davor, dass Schweigen angesichts solcher Maßnahmen dazu führen könne, dass sich normale Bürger zu Komplizen des Unrechts machen.
  • Siehe dazu auch in IranWire am 3.7.25: Over 1,300 Activists Protest Iran’s Treatment of Afghan Migrants externer Link
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=229049
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