Lohnmauern einreißen! Die Erfolge der gewerkschaftlichen Offensive in der Lebensmittelindustrie im Osten

NGG: Die Lohnmauer muss weg!„«Wir lassen uns als Ossis nicht mehr alles gefallen», sagte kürzlich ein Streikender eines Tabakherstellers in Brandenburg. Die Beschäftigten bei German Tobacco am Standort Kloster Lehnin, etwa eine Stunde von Berlin entfernt, produzieren Tabak für den Weltmarkt. Sie wollen bestehende Lohnunterschiede zum Stammhaus in Lübeck (von Eiken Gruppe) von mehreren hundert Euro im Monatslohn abbauen. Der Ausspruch steht stellvertretend für die Stimmungslage vieler ostdeutscher Beschäftigten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat diese Stimmung im Landesbezirk Ost aufgenommen und 2019/2020 die Kampagne «Lohnmauern einreißen» externer Link gestartet. Selbstbewusst werden in vielen Betrieben Forderungen formuliert und dafür eine gewerkschaftliche Offensive gestartet. (…)In mehreren dutzenden Betrieben der ostdeutschen Lebensmittelindustrie haben in den zurückliegenden Jahren mehr als zweihundert Streiks stattgefunden – kurze Warnstreiks oder auch wochenlange Arbeitsniederlegungen…“ Bericht von Olaf Klenke vom 14.04.2025 bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung externer Link und die weitere Entwicklung des Kampfes um das Ende der Lohnmauer zwischen Ost und West:

  • Petition zur Tarifrunde Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt: Lohnmauer einreißen bei Rotkäppchen, Kaufland/Lidl & Co.: Schluss mit Billiglohn Ost New
    • Petition zur Tarifrunde Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt: Lohnmauer einreißen bei Rotkäppchen, Kaufland/Lidl & Co.: Schluss mit Billiglohn Ost
      Vor der nächsten Tarifverhandlung für die Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt am 15. Juli 2026 senden die Beschäftigten eine klare Botschaft an die Arbeitgeber: Sie wollen eine Einigung am Verhandlungstisch und eine verbindliche Perspektive für die Angleichung der Löhne an das westdeutsche Tarifniveau. In einer Mitgliederbefragung sprechen sich 74 Prozent der teilnehmenden Mitglieder für eine schrittweise Angleichung der Entgelte in Sachsen-Anhalt an das Tarifgebiet Niedersachsen/Bremen bis zum Jahr 2030 aus. 
      Ob Rotkäppchen, Saskia-Mineralwasser, Bonback, Ditsch oder Freiberger – viele bekannte Marken produzieren in Ostdeutschland. Trotzdem verdienen die Beschäftigten dort oft noch immer weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen im Westen. Der Arbeitskampf geht weiter: Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, werden die Beschäftigten in den kommenden Tagen ihre Streikmaßnahmen fortsetzen und voraussichtlich die Marke von 2.500 Streikstunden brechen. Am heutigen Donnerstag startete bereits ein 40-stündiger Streik in Europas größter Brezelbäckerei Ditsch in Oranienbaum. Jetzt ist Solidarität gefragt: Unterstütze die Beschäftigten und unterschreibe die von der NGG initiierte Petition
      .“ NGG-Aufruf externer Link zur Petition bei Campact externer Link mit umfangreicher Begründung
    • Klare Mehrheit der Beschäftigten wollen Einigung und Lohnangleichung: Forderungen bei Mitgliederumfrage bestätigt
      Vor der nächsten Tarifverhandlung für die Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt am 15. Juli 2026 senden die Beschäftigten eine klare Botschaft an die Arbeitgeber: Sie wollen eine Einigung am Verhandlungstisch und eine verbindliche Perspektive für die Angleichung der Löhne an das westdeutsche Tarifniveau.
      In einer Mitgliederbefragung sprechen sich 74 Prozent der teilnehmenden Mitglieder sich für eine schrittweise Angleichung der Entgelte in Sachsen-Anhalt an das Tarifgebiet Niedersachsen/Bremen bis zum Jahr 2030 aus
      …“ Meldung der NGG Ost vom 8. Juli 2026 externer Link
    • Siehe für alle Infos die Sonderseite zur Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt externer Link der NGG Ost
    • Ernährungswirtschaft Ost: Kampf um Entgeltangleichung
      Gewerkschaft NGG fordert Ende der Lohnmauer zwischen Ost und West. Beschäftigte der Ernährungswirtschaft in Sachsen-Anhalt lehnen 14-Prozent-Angebot der Unternehmen ab
      Was haben die Preise von Schulmaterialien mit den Tarifverhandlungen in der Ernährungswirtschaft in Sachsen-Anhalt zu tun? Ziemlich viel, wenn man schulpflichtige Kinder hat. Die Kosten von Schul- und Lehrbüchern sind laut Statistischem Bundesamt seit dem vergangenen Jahr um 2,3 Prozent gestiegen, Schreibmaterialien wie Füller, Stifte und Farben sind um 3,5 Prozent teurer. Ein moderater Anstieg, sagen die einen. Wer aber in einem Lohnmauerland wie Sachsen-Anhalt lebt, für den ist so eine Steigerung kein Pappenstiel, zumal alles andere auch teurer geworden ist. So zum Beispiel in der Ernährungswirtschaft, wo die Löhne bis zu 30 Prozent niedriger sind als in den Tarifgebieten im Westen der Republik. Seit Monaten streiken die Kollegen der Sektkellerei Rotkäppchen, von Lidl-Kaufland, Bonback, Ditsch, Burger-Knäcke und Co. daher immer wieder und kommen inzwischen auf gut 2.500 Streikstunden. Diesen Mittwoch soll die sechste Verhandlungsrunde stattfinden.
      Im Gegensatz zu ihrem Miniangebot von jährlich 1,4 Prozent vom Anfang der Tarifverhandlungen schlagen die Unternehmen der Ernährungswirtschaft mittlerweile eine Lohnerhöhung zwischen zwölf und 14 Prozent innerhalb der nächsten drei Jahre vor. Nicht genug, sagen die Beschäftigten, deren Löhne je nach Betrieb 1.000 Euro niedriger sind als in vergleichbaren Tarifgebieten. In einer Mitgliederbefragung der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) haben sich 74 Prozent für eine schrittweise Angleichung der Entgelte an das Tarifgebiet Niedersachsen/Bremen bis 2030 ausgesprochen. (…)
      Viele der bestreikten Betriebe – insgesamt sind es 15 mit in der Summe 3.000 Beschäftigten – gehören zu den erfolgreichsten Konzernen. Ihre Umsätze und Gewinne sind auch deshalb so hoch, weil die Kollegen im Osten auf 30 Prozent mehr Lohn verzichten als die Kollegen im Westen. Die Produktionsbetriebe von Kaufland und Lidl gehören zur Schwarz-Gruppe des Milliardärs Dieter Schwarz, eines der reichsten Männer Deutschlands. Damit alles im wesentlichen so bleibt, wie es ist, werden die Verhandlungen am Mittwoch vermutlich ähnlich zäh werden wie die vorhergegangenen. Doch die Beschäftigten haben sich laut NGG-Verhandlungsführer Uwe Ledwig »eindeutig positioniert«. »Sie wollen eine Einigung am 15. Juli, erwarten dafür aber ein Angebot, das eine echte Perspektive für die Angleichung der Entgelte eröffnet.«
      Artikel von Susanne Knütter in der jungen Welt vom 15.07.2026 externer Link

Siehe u.a. auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=227575
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