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Mexiko: Netzwerk „Unidas“ (Gemeinsam) will Arbeitsrechte von Frauen stärken

Mexiko: Netzwerk "Unidas" (Gemeinsam) will Arbeitsrechte von Frauen stärken„In Mexiko ist das Netzwerk „Unidas“ (Gemeinsam) von mehreren Stiftungen und NGO gegründet worden und will vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Textilindustrie, Hausarbeit und Arbeit für digitale Plattformen tätig werden. Hintergrund ist die immer noch geringe Beteiligung von Frauen am formellen Arbeitsmarkt im Land. Knapp die Hälfte aller Frauen ging 2024 einer bezahlten Arbeit nach, allerdings verfügten weniger als die Hälfte von ihnen über einen Arbeitsvertrag. Der Rest arbeitete auf dem sogenannten informellen Arbeitsmarkt, also beispielsweise als fliegende Verkäuferin, Haushaltsangestellte oder in der Landwirtschaft. Ihre Arbeitsrechte sollen nun mit einem neuen Netzwerk gestärkt werden…“ Beitrag von Sonja Gerth vom 10. April 2025 in amerika21 externer Link („Mexiko: Netzwerk will Arbeitsrechte von Frauen stärken“) – siehe mehr daraus und dazu:

  • Hand in Hand für mehr Rechte: Frauen unterstützen Frauen bei der Durchsetzung ihrer Arbeitsrechte in der mexikanischen Grenzmetropole Ciudad Juárez New
    „Drei Uhr nachmittags. Auf den Hauptverkehrsstraßen an der Grenze stauen sich die Personaltransporte. Mehr als 300 Montagefabriken produzieren hier, in unmittelbarer Nähe zu den USA, für den globalen Markt. Menschen in blauen und grünen Arbeitskitteln strömen aus den Fabriktoren der großen fensterlosen Komplexe im Osten und Süden der Industriemetropole. Namen wie Bosch, Lear Corporation und Eaton prangen auf ihnen, aber auch unbekannte Namen von Produzenten, die nur ein Glied in der Lieferkette bilden. Medizin-, Auto- und Elektroindustrie sind hier ansässig. Ihre Angestellten sind formal ungelernt und deshalb unterbezahlt, tatsächlich jedoch versierte Industriearbeiter*innen in hoch technologisierten Arbeitsprozessen. Und die Mehrheit von ihnen sind Frauen – deren Lebensrealität deutlich von dem Fortschritt und Wohlstand abweichen, den sie täglich mit produzieren. (…)
    »Wir haben nach einer Organisation gesucht, die unsere Interessen vertritt«, erinnert sich Norma Garduño, die jahrelang selbst am Fließband stand. »Es gab aber keine. Also hat Betty beschlossen, eben eine zu gründen.« Sie lächelt ihre Kollegin Betty Ávalos an, deren grau melierte Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden sind. Gemeinsam mit anderen Arbeiterinnen taten sie sich zum Kollektiv Rosa Luxemburgo zusammen – benannt nach der europäischen Ikone der Arbeiter*innenbewegung. Ein unerreichtes Vorbild. »Denn Arbeitsrechte und Gewerkschaften bleiben hier an der Grenze abstrakte Begrifflichkeit«, erklärt Garduño. Was als Initiative nach Feierabend begann, wurde schnell zur Lebensaufgabe. »Wir arbeiteten tagsüber in der Fabrik und organisierten uns danach«, erzählt Betty Ávalos. (…)
    Eine solidarische Expertin aus Deutschland erklärt ihnen im Detail den freiwilligen Beschwerdemechanismus, der Menschenrechtsverletzungen in den Lieferketten deutscher Autounternehmen in Mexiko aufdecken soll. Er ermöglicht Beschäftigten, Verstöße zu melden, denen die Unternehmen selbst nachgehen wollen, um die Umsetzung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes zu gewährleisten. (…)
    Ávalos und Garduño schütteln den Kopf. Das sei ja gut gemeint, aber setze viel zu hoch an. Schon bei der Einstellung fange die Diskriminierung an. »Da werden Frauen aufgrund von Industriekrankheiten ausgeschlossen, die mit ihrem Arbeitsalltag einhergehen: Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes«, erzählt Norma Garduño. Sie sollen Schwangerschaftstests machen oder gelten schlichtweg als zu alt, um einen Job zu bekommen. Denn die Maquila-Industrie ist seit über 40 Jahren in der Stadt ansässig. Die Körper von Frauen sind über Jahrzehnte kaputt gearbeitet. »Rückenprobleme, beschädigte Gelenke, chronische Schmerzen – das sind typische Folgen der monotonen, belastenden Tätigkeiten.« Rund 60 Frauen gehören inzwischen zum Netzwerk der Multiplikatorinnen des Kollektivs. Viele von ihnen arbeiten in den Maquilas, andere im informellen Sektor oder sind bereits im Ruhestand. Sie bringen Erfahrungen aus Jahrzehnten ein – und tragen das Wissen weiter. »Das Berufliche ist politisch«, beharrt Betty Ávalos. Sie würden gerne mehr Frauen erreichen, »aber die Wahrheit ist, dass wir gar nicht mehr Kapazitäten haben. Also müssen wir uns unsere Arbeit gut einteilen.«“
    Bericht von Dorothea Bornewasser vom 4. April 2026 in Neues Deutschland online externer Link, siehe zum Hintergrund auch:

  • Mexiko: Netzwerk will Arbeitsrechte von Frauen stärken
    Weiter aus dem Beitrag von Sonja Gerth vom 10. April 2025 in amerika21 externer Link: „… 96 Prozent der Angestellten in privaten Haushalten haben keinen schriftlichen Vertrag und rund 71 Prozent erhalten keine Sozialleistungen. In der Bekleidungsindustrie haben durch die Fabrikarbeit in den Maquiladoras zwar die meisten Arbeiterinnen Verträge, allerdings sind 52 Prozent nicht sozialversichert.
    Bei digitalen Plattformen, beispielsweise bei Essenslieferdiensten, hat keine der weiblichen Beschäftigten einen Vertrag, der sie als Arbeitnehmerin mit Zugang zu Sozialversicherung und Sozialleistungen anerkennt. Allerdings hat das mexikanische Parlament vor kurzem eine Reform in diesem Sektor beschlossen, die rund 100.000 Arbeitnehmerinnen zugutekommen könnte. Die Organisation von Arbeitnehmerinnen in diesen Sektoren soll ein Schlüssel sein, um menschenwürdige Arbeit, soziale Sicherheit, Löhne, Mitverantwortung für die Pflege und Gewaltfreiheit zu fordern. Frauen, die in digitalen Plattformen und als Lieferantinnen arbeiten, sind einer hohen Zahl von (sexuellen) Belästigungen ausgesetzt. Anfang 2025 fiel die Fahrerin Karla Patricia einem Frauenmord zum Opfer. (…)
    Das Netzwerk Unidas stützt seine Arbeit insgesamt auf sechs Säulen: Es fordert den Zugang zur Sozialversicherung für alle Arbeitnehmerinnen, unabhängig von dem Sektor, in dem sie arbeiten. Des Weiteren eine rechtliche Anerkennung der Arbeitsbedingungen und die wirksame Umsetzung von Arbeitsreformen in jedem Sektor und faire und gerechte Löhne, um die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Männern und Frauen zu verringern. Ferner will das Netzwerk eine Politik durchsetzen, die bezahlte und unbezahlte Betreuungsarbeit anerkennt und umverteilt sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen, frei von Diskriminierung und Gewalt und eine aktive Beteiligung von Arbeitnehmerinnen an Entscheidungen, die ihre Arbeitsrechte betreffen, erreichen.
    (…) „Die Gründung von Unidas ist ein Akt des Widerstands, der Organisation und des gemeinsamen Kampfes. Wir sind Arbeiterinnen, die sich als Subjekte von Rechten verstehen und die gemeinsam die Arbeitsrealität in Mexiko verändern werden. Denn menschenwürdige Arbeit ist kein Privileg, sondern ein Menschenrecht. Weil die Zukunft der Arbeit in Gerechtigkeit, Gleichheit und Schutz für alle liegen muss, heißt es im Gründungsmanifest des Bündnisses.“
  • Siehe die Homepage externer Link und dort u.a. das span. Gründungsmanifest des Bündnisses externer Link

Siehe auch das Dossier: Mexiko: Gerechtigkeit für Opfer von Feminiziden gefordert

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=227408
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