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Fairwork Deutschland Ratings: Arbeitsstandards in der Plattformökonomie
„Schätzungen zufolge verdienen fast sechs Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland mindestens ein Viertel ihres Einkommens durch Plattformarbeit, und die steigende Zahl von Arbeitnehmern, die sich der Plattformökonomie anschließen, geht Hand in Hand mit dem Markteintritt neuer Plattformen, insbesondere im Bereich der Lebensmittelzustellung. Vor diesem Hintergrund haben wir zum zweiten Mal ein Fairwork-Scoring der Plattformen in Deutschland auf der Grundlage der Fairwork-Prinzipien erstellt. Ähnlich wie im letzten Jahr zeigen unsere Ergebnisse eine große Vielfalt an Arbeitsstandards in der deutschen Plattformökonomie auf und belegen, dass die Arbeitsbedingungen keineswegs homogen sind, sondern sich von Plattform zu Plattform und in einigen Fällen auch von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz erheblich unterscheiden. Wir zeigen auch, dass der verstärkte Wettbewerb zwischen den Plattformen durch den Eintritt von Unternehmen nicht unbedingt zu einem verstärkten Wettbewerb bei der Verbesserung der Arbeitsstandards geführt hat. Zwar haben einige Plattformen Maßnahmen ergriffen, um ihren Arbeitnehmern bessere Rechte einzuräumen, doch insgesamt warten noch viele weitere Schritte auf sie…“ Die deutsche Fassung des Reports 2021/22 bei Fairwork
– siehe weitere Informationen und Reporte:
- Plattformarbeit im Test: Kaum eine App bietet faire Bedingungen. Der Fairwork-Report 2026 stellt Lieferdiensten ein verheerendes Zeugnis aus
„… Der jetzt veröffentlichte Fairwork-Report 2026 für Deutschland, den das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und das Oxford Internet Institute verfasst haben, zeichnet ein düsteres Bild der hiesigen Plattformökonomie. Im Fokus standen sieben große Anbieter, von denen die überwiegende Mehrheit bei der Einhaltung elementarer Arbeitsstandards durchfällt. Das schlechte Ergebnis offenbart eine deutliche Kluft. Angesichts der zehn möglichen Punkte, mit denen die Forscher die Fairness in Kategorien wie Bezahlung, Verträge und Management bewerteten, konnte lediglich der Lebensmittellieferdienst Flink mit sieben Zählern überzeugen. Die Plattform Helpling schaffte gerade noch einen Punkt. Für die Branchenriesen Lieferando, Wolt, Bolt, Uber und Uber Eats endete die Analyse im Desaster: Sie gingen mit null Punkten aus der Bewertung hervor. Faire Beschäftigungsverhältnisse sind in der App-basierten Wirtschaft nach wie vor eine Ausnahme. (…) Besonders im Fokus der Untersuchung steht die fortschreitende Auslagerung von Tätigkeiten an Subunternehmen. Die Wissenschaftler sehen darin einen Trend, der die Rechte der Beschäftigten massiv schwächt. Bemerkenswert ist hier vor allem ein Kurswechsel bei Lieferando. Hatte der Marktführer im Bereich der Essenslieferungen im Vorjahr noch die höchste Bewertung erhalten, stürzte er nun auf null Punkte ab. Der Grund liegt in der Umstellung des Geschäftsmodells hin zu einem hybriden System. Lieferando setzt neuerdings verstärkt auf externe Dienstleister, statt Kuriere direkt anzustellen. Die Firma folgt damit Konkurrenten wie Wolt oder Uber Eats. (…) Diese Entwicklung hat für die Betroffenen gravierende Konsequenzen, denn durch die oft undurchsichtigen Flottenstrukturen werden Verantwortlichkeiten gezielt verschleiert. Viele Fahrer sehen sich so mit niedrigen, unregelmäßigen Einkommen konfrontiert und haben oft nicht einmal direkten Zugang zu ihren Verträgen. Elementare Rechte wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlter Urlaub werden in diesen Ketten vielfach ausgehebelt. Ferner erfolgt die Kommunikation meist über unpersönliche Kanäle, was es den Beschäftigten nahezu unmöglich macht, effektiv gegen Managemententscheidungen oder willkürliche Kontosperrungen vorzugehen. (…) Dass es auch anders geht, beweist der neue Spitzenreiter Flink. Als einzige Plattform im Test setzt der Berliner Lieferdienst konsequent auf ein Direktanstellungsmodell. (…) Angesichts der anhaltenden Missstände gewinnt die politische Debatte an Fahrt. Im Gespräch ist derzeit die Einführung eines strikten Direktanstellungsgebots im Liefersektor, orientiert an den Regulierungen in der Fleischindustrie…“ Beitrag von Stefan Krempl vom 29. Juni 2026 bei heise online
mit Link zum 40-seitigen Fairwork-Report 2026
- Siehe für diese und weitere Untersuchungen die Homepage von Fairwork

- Siehe für diese und weitere Untersuchungen die Homepage von Fairwork
- Mehr Plattformen, aber keine bessere Arbeit
„Es gibt mehr Konkurrenz um Arbeitskräfte in der Plattformwirtschaft, doch das hat nicht zu Verbesserungen der Arbeitsbedingungen geführt. Eine neue Untersuchung gibt dabei den Unternehmen Gorillas, Freenow und Uber besonders schlechte Noten. Das Fairwork-Projekt hat am Dienstag seinen zweiten Jahresbericht zur Plattformwirtschaft in Deutschland
veröffentlicht. Von 12 untersuchen Plattformen schneiden die Anbieter Uber und FreeNow am schlechtesten ab, dicht gefolgt von Gorillas, Helpling und Betreut.de. Wolt und Lieferando bekommen relativ gute Bewertungen und Zenjob beinahe die volle Punktzahl. (…) Insgesamt hätten letztes Jahr 2,8 Millionen Menschen in Deutschland mindestens ein Viertel ihres Einkommens auf Plattformen erwirtschaftet. Die größere Zahl der Plattformen habe stärker um diese Arbeiter*innen konkurriert, das habe aber nicht zu besseren Arbeitsbedingungen geführt. Die seien bei den Plattformen sehr unterschiedlich, schlecht besonders bei denen, die mit angeblich selbstständigen Arbeitskräften arbeiteten. Das seien besonders Plattformen für Ride Hailing, Reinigung und Pflege gewesen, die entsprechend schlecht abschnitten…“ Artikel von 
- Gig Economy Project – Uber and FreeNow rated just 1 out of 10 in German Fair Work Platform Ratings
(engl.) Zusammenfassung der Ergebnisse am 1.3.2022 bei Gig Economy
- Arbeitsbedingungen bei Gorillas, Flink, Lieferando: Ausgeliefert
„Das Essen auf die Couch, die Reinigungskraft nach Hause: Das wachsende Onlinegeschäft hat verheerende Folgen für die Arbeitskräfte. Ein Report zeigt, wie viel falschläuft – und offenbart Überraschendes. »Die Manager, die es gut mit den Fahrern meinten, die bei Sturm und Hochwasser gesagt haben: ›Ich kann die Menschen nicht auf die Straßen lassen‹, die haben aktiv Druck von oben bekommen und sind jetzt auch nicht mehr da. Es wurde aktiv gegen die Sicherheit von Fahrern angearbeitet. Egal, ob bei Wind, Schauern oder Glätte.« (…) Die Arbeitsbedingungen in der Branche hat nun zum zweiten Mal das Forschungsprojekt »Fairwork« in den Blick genommen. Dahinter stehen das Oxford Internet Institute und das Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung. Der Report beurteilt die Fairness einzelner digitaler Plattformen anhand ihrer Bezahlung, den vorherrschenden Arbeitsbedingungen, der vertraglichen Transparenz, der Offenheit in den Unternehmensabläufen und der Möglichkeit auf Mitbestimmung durch die Mitarbeitenden. Recherchiert wurde dafür nicht nur am Schreibtisch, sondern vor allem in Interviews mit Anbietern und Mitarbeitenden. (…) In Deutschland untersucht wurden zwölf Anbieter: Zenjob, Wolt, Lieferando, Flink, Careship, Getir, Amazon Flex, Betreut.de, Helpling, Gorillas, FreeNow und Uber. Bewertet wurde auf einer Skala von eins bis zehn. Um, am Beispiel der Bezahlung, einen Basispunkt zu bekommen, muss die jeweilige Plattform ihren Arbeitern mindestens den gesetzlichen Mindestlohn zahlen (…) Einen Zusatzpunkt gab es, wenn Unternehmen einen »existenzsichernden Lohn« gezahlt haben. Hierbei wurde sich am aktuellen Satz von Konsumausgaben privater Haushalte des Statistischen Bundesamtes orientiert. Die Forschergruppe legte hier einen Stundensatz von 14,50 Euro zugrunde. (…)
Haben einige Anbieter wie Wolt und Flink, laut Report, mittlerweile externe Kontrolleure, die die Arbeitsbedingungen kontrollieren und bieten unbefristete Anstellungen (Lieferando und Flink), scheinen Anbieter wie Gorillas auch knapp zwei Jahre nach Gründung noch weit davon entfernt. Zwar seien die Verträge hier mittlerweile »umfassend, aber nicht unbefristet«, so der Report. Außerdem komme es in einigen Fällen ohne »triftigen Grund« zu Kündigungen, notwendiges Equipment erreiche die Fahrer deutlich verspätet. (…) Das ist längst kein Gorillas-Phänomen. Überraschend ist: Auch bei weniger bekannten Anbietern, die einen seriöseren Anschein wahren, kommt es zu großen Problemen. Bei Diensten, die Hausarbeit (Helpling, Betreut.de) oder Pflege (Careship) anbieten, sagt Alyanak, hätten die Interviews mit Angestellten gezeigt, dass weder persönliche Schutzausrüstung gestellt, noch die Kosten für Schnelltests und PCR-Tests übernommen würden. Und das, obwohl einige der Anbieter von ihren Mitarbeitenden mutmaßlich teils hohe Provisionen einbehalten würden. Was man tatsächlich bekomme, sei teilweise kaum zu durchschauen…“ Artikel von Florian Gontek vom 01.03.2022 beim Spiegel online
Siehe auch unser Dossier: Arbeiten in der Plattformökonomie. Über digitale Tagelöhner, algorithmisches Management und die Folgen für die Arbeitswelt